Brief von Friedrich Engels an Karl Marx in London, Manchester, 9. April 1858. Text nach MEGA¹ III/2, Berlin 1930, Nr. 517, S. 312–314, ohne den Apparat der Herausgeber. Traducción al español.
Manchester, 9. April 1858.
Lieber Mohr,
Das Studium Deines abstract des ersten halben Heftes hat mich sehr beschäftigt, it is a very abstract abstract indeed, wie bei der Kürze nicht anders zu vermeiden, und ich muß die dialektischen Übergänge oft mit Mühe suchen, da all abstract reasoning mir sehr fremd geworden ist. Dies Arrangement des Ganzen in den sechs Büchern könnte gar nicht besser sein und gefällt mir ausnehmend, obwohl ich den dialektischen Übergang vom Grundeigentum auf die Lohnarbeit noch nicht klar sehe. Auch die Entwicklung der Geldgeschichte ist sehr fein, mit einzelnem bin ich auch hier noch nicht im reinen, da ich mir oft die historische Unterlage erst zusammensuchen muß. Ich denke indes, sobald ich den Schluß des Kapitels im allgemeinen habe, so sehe ich den drift besser und werde Dir dann ausführlicher darüber schreiben. Der abstrakt dialektische Ton dieser Epitome verschwindet natürlich in der Ausarbeitung.
Gestern schickte ich Dir wieder zwei Guardians, es scheint, seit das Blatt auf 1 d. herabgesetzt ist, lassen die Kerle alle Unkosten als Korrespondenzen etc. reduzieren. Ihr Versuch, ein first-class provincial paper zu machen, scheiterte total. Daher die Magerkeit der auswärtigen Nachrichten und Seltenheit der Pariser Korrespondenzen. Die Geschichte mit Fould im gestrigen Guardian ist nicht übel. Aber eine noch viel schönere ist der Bericht der Cotton Supply Association. Es ist famos, daß die Freetrader zehn Jahre nach Einführung des Freetrade ihn selbst aufs direkteste verleugnen. Diese ganze Cotton Supply Association ist nichts als eine von den freetradern selbst eingerichtete Institution, überall in der Welt, wo Boden und Klima nicht total unpassend sind, Baumwollenkultur im direkten Gegensatz mit dem ganzen freetrade zu forcieren durch Prämien, Vorschüsse, Geschenke von Samen, Pump von Maschinen etc. etc. Wenn der Staat so etwas tut, so ist’s vom Übel, wenn aber die Manchester Cotton spinners, die den niggers, Beduinen etc. in Afrika doch noch viel fremder gegenüberstehn als ihr eigner König, dies tun, so ist’s all right. Eine schönere Satire als diesen Bericht auf alle laissez-faire-Phrasen kann man gar nicht lesen. Sehr schön ist auch das Eingeständnis, daß die Einfuhr der englischen, aus amerikanischer Baumwolle gemachten Waren die Baumwollkultur fast aller übrigen Länder zerstört habe, und sie jetzt auf künstlichem Wege wieder produziert werden müsse! Diese elenden Engländer sehen in ihrem Baumwollspinn- und Webmonopol etwas Großartiges und Natürliches, dagegen kein Mensch etwas sagen kann; aber das durch denselben Weltmarkt hervorgebrachte Baumwollanbaumonopol der United States muß selbst durch antifreetrade Maßregeln gebrochen werden! Das Ding sollte heißen: Association for enabling the single spinners to buy cotton in the dearest market, the collective spinners paying the producer the difference between the market value and his cost of production. Natürlich soll das nur so lange fortgehn, als bis die subventionierte Baumwollkultur auf eignen Füßen stehen kann; aber grade das will Monsieur List mit seinen Schutzzöllen ja auch! Das Ding könnte Dir vielleicht Stoff zu einem Artikel geben, da es die Yankees direkt interessiert und die Tribune auch antifreetrade ist.
Meine Prophezeiungen, daß die Fluktuationen in Produkten durchaus vom Ost- und Westwind abhängen würden und daß mit Middling Orleans Cotton über 6 d. an kein regelmäßiges und flottes Geschäft zu denken ist, haben sich merkwürdig bestätigt. Was Baumwolle betrifft, so ist die Erfüllung der ersten Prophezeiung ersichtlich aus der beiliegenden Fortsetzung der Dir früher gesandten Tabelle über die Preise von Middling Orleans bis heute. Mit Zucker, Kaffee und Tee ging es ähnlich, nur daß die immer noch sehr starken Vorräte nicht die momentane starke Steigerung zuließen, die in Baumwolle beim schwachen Vorrat möglich war. Was die zweite Prophezeiung angeht, so ist noch immer ziemlich viel short time, strikes und Stillstand aus nicht lohnender Produktion, und da die Ernte 3000 m. Ballen liefert, die volle Produktion jetzt mindestens 3500 m. Ballen fordert (die übrigen Baumwollproduktionsländer im Verhältnis), so wird bis Ende dieses Jahres, selbst abgesehn von politischen Konvulsionen, die Baumwollindustrie in jedem Versuch, sich wieder zu heben, durch die steigenden Preise des Rohmaterials gehemmt werden, wie dies Ende Februar und Anfang März (siehe Tabelle) wirklich geschah. Die Preise werden im allgemeinen — wenn auch zunächst wohl noch ein Fall eintreten wird — steigen, aber begleitet vom check der Produktion in gleichem Maße wie die Steigerung. Dies supposing that no row on the Continent, der aber so gut wie gewiß ist.
In einer Woche, 19.—26. Februar, kamen nur 62 Ballen Baumwolle aller Art nach Liverpool! Sonst immer nach Tausenden.
Wie ist die Geschichte mit dem eingestandenen Verschwinden der 300 Millionen Franken? Ich erinnere mich nur, gelesen zu haben, daß Magne statt einen Überschuß von 40 Millionen ein Defizit machte — das Genaue aber weiß ich nicht. Diese Geschichte ist zu gut. Jetzt soll auch der „prince impérial“ einen eignen Hofstaat und eine Dotation bekommen — Cash must be devilish scarce!
Hoffentlich geht es Dir mit der Galle jetzt besser. Die Krisenaufregung ist offenbar daran schuld. Ich laboriere jetzt abends einige Male an Zahnschmerzen infolge des Wetters; das ist aber auch das Schlimmste.
Beste Grüße an Deine Frau und Kinder.
Dein F. E.