Karl Marx an Ferdinand Lassalle in Berlin, London, 25. Februar 1859. Text nach: Gustav Mayer (Hrsg.), Ferdinand Lassalle. Nachgelassene Briefe und Schriften, Bd. III: Der Briefwechsel zwischen Lassalle und Marx (Stuttgart und Berlin 1922), Nr. 61, S. 145-146, nach dem Original, ohne die Anmerkungen des Herausgebers. Übersetzung ins Spanische
London, 25. Februar 1859. Grafton terrace, Maitlandpark, Haverstockhill.
Lieber Lassalle,
iterum Crispinus.
Engels beabsichtigt, zunächst anonym, eine kleine Broschüre zu veröffentlichen unter dem Titel: „Po und Rhein.“
Hauptinhalt: Militärischer und kriegswissenschaftlicher Nachweis, daß alle Gründe, die dafür angeführt werden, daß die Österreicher die Minciolinie haben müssen, um Deutschland zu schützen, genau darauf passen, daß Frankreich die Rheingrenze haben muß, um sich selbst zu schützen; ferner, daß Österreich zwar ein hohes Interesse an der Minciolinie hat, Deutschland als einige Macht aber gar keines, und daß Italien, stets von Deutschland militärisch dominiert wird, solange nicht die ganze Schweiz französisch ist. Die Sache hauptsächlich gerichtet gegen die Strategen der Augsburger Allgemeinen Zeitung, sonst übrigens natürlich national gegen Herrn Bonaparte. Daß die Herausgabe dieser Broschüre, die fast gar keine Auslagen verursacht, weil nur einige Bogen stark, im jetzigen Augenblick sogar eine Buchhändlerspekulation, (in the eminent sense of the word), dafür bürge ich meine gesamte „kritische Urteilskraft“.
Engels hat, seit er sich an der badischen Kampagne beteiligt, aus den Militaribus sein Fachstudium gemacht. Dabei schreibt er, wie Du weißt, außerordentlich plausibel.
Der Buchhändler müßte aber das Geheimnis der Verfasserschaft bewahren, bis der author es selbst abwürfe. Du kannst sicher sein, daß man die größten Militärschriftsteller in Preußen in Verdacht nehmen wird, die Urheber zu sein.
Dies ist nun eine Geschichte, deren Erscheinen ganz an den Tag gebunden ist, eine Tagesfrage. Es müßte also rasch durchgegriffen werden. Glaubst Du, daß Duncker darauf eingehen wird? Es wäre sicher in seinem eignen Interesse. Bei rein wissenschaftlichen Sachen kann man nie wissen, wie und ob der Philister sie kauft. Bei solchen Tagesfragen besitzt man fast mathematische Sicherheit.
Sollte Duncker darauf eingehn, so bevollmächtigt Engels Dich, die Sache in seinem Namen, zu welchen Bedingungen Du willst, abzuschließen.
Sollte er's verweigern, wäre dann [nicht] eine andere Möglichkeit? Ich weiß einen Buchhändler in Hamburg, der es nehmen würde. Da dieser Mensch aber beständig ein persönlicher Feind der „Neuen Rheinischen Zeitung“ war, wie er Freund Heine rund heraus sagte, so wäre es mir sehr verdrießlich, wenn er auch nur eine Zeile von einem der unsern erhielte. Er hat außerdem unsern unvergeßlichen und unersetzbaren Freund Weerth auf das Schändlichste behandelt.
Antworte mir sobald als möglich und nimm mir nicht übel, wenn ich so sehr auf Deine Zeit und Deine Mitwirkung ziehe. Ich entschuldige mich einfach mit dem general party interest.
Dein K. M.