Brief von Karl Marx an Friedrich Engels in Manchester, [London], 1. Juni 1859. Text nach MEGA¹ III/2, Berlin 1930, Nr. 592, S. 396–397, ohne den Apparat der Herausgeber. Traducción al español.
- Juni 1859.
Lieber Engels,
Beiliegend eine Nummer der Presse, worin einige Dir vielleicht interessante Details. Der Bursche Friedländer antwortet natürlich nicht. Indes erkläre ich mir die Sache jetzt so: Lassalle hat, of course, dem Friedländer nicht nur in seinem, sondern auch in meinem Namen die Tendenzpredigt gehalten. F[riedländer] glaubt, daß ich mit Herakleitos dem Dunkeln ein Leib und Seele. So kann er natürlich nicht daran denken, daß ich für ein Wiener Blatt under present circumstances schreiben kann. Die Wiener Presse enthält täglich versteckte Polemik gegen den Berliner Klugscheißer. So z. B. in einem Leitartikel vom 29. Mai: „Aber man verlange von jenen spekulativen Köpfen nationales Ehrgefühl, welche in Nap[oleon] III. den rächenden Arm der Geschichte erblicken und in seiner angeblichen völkerbefreienden Genialität die Unbeholfenheit, Pedanterie und Unfruchtbarkeit ihres eignen kategorisierenden Verstandes wohlgefällig bespiegeln.“ Schon die Zudringlichkeit, womit L[assalle] mich aufforderte, nicht mehr an seinen Vetter zu schreiben, beweist, daß der Kerl auch in meinem Namen gemogelt hat. So hat das Vieh mir die beste Aussicht für den Sommer vereitelt. Außerdem war es für gewisse Eventualitäten gut, wenn ich eine Hand in der Wiener Presse hatte.
Wenn Du wieder über Garibaldi schreibst, whatever may be his fate, mach Dich lustig über diese nur dem „Neffen des Onkels“ mögliche Wendung, daß neben ihm der Freischarenführer als der Hero figuriert. Denke Dir so etwas unter dem alten Nap[oleon]! Übrigens schreibt der Pariser Korrespondent der Times heute, daß die Bonapartisten schon stark grumbeln über G[aribaldi]s „Ruhm“, und daß einige „a few select police“ seinem Korps eingeschmuggelt sind, die genau über ihn berichten. Ganz entsprechend der Anweisung Mazzinis hat G[aribaldi] in seiner Proklamation den Bonaparte nicht genannt. Übrigens ist M[azzini]s letztes Ding nicht so gut, wie ich dachte. Ich hatte nur Auszüge flüchtig gelesen. Sein altes Grummeln gegen den Sozialismus. Wir können nichts mit ihm direkt machen. Aber er kann nützlich als Autorität gegen Kossuth etc. verwandt werden. Übrigens wirst Du aus seiner letzten Nummer, die ich Dir Ende der Woche schicke, Herrn Karl Blinds Wichtigkeit von neuem kennen lernen.
Salut.
Dein K. M.
Übrigens ist Blind aus dem Hermann heraus, irrt sich aber sehr, wenn er darauf spekuliert, in das Volk hineinzukommen. Schwach, wie das Blättchen ist, hat es die ganze hiesige Emigration in Wut und Schaum versetzt. U. a. Tausenau et Co., bezahlt von Kossuth-Bonaparte, um deutsche „opinion“ in London zu machen.