Brief von Karl Marx an Friedrich Engels in Manchester, [London, um den 11. Januar 1860], im Anschluß an einen Brief Ferdinand Freiligraths an Marx vom 11. Januar 1860, der hier nicht wiedergegeben wird. Text nach MEGA¹ III/2, Berlin 1930, Nr. 637, S. 452–453, ohne den Apparat der Herausgeber. Traducción al español.
Diesen „Reiff“ hatte ich nie empfangen in meinem Haus, weil der Kerl verdächtig war, und mehr als verdächtig, wegen seines Benehmens im Kommunistenprozeß. Der „fette Reimschmied“ dagegen hatte ihn unter seine Protektion genommen und ihn dem Liebknecht auf die Seele gebunden. Seit der Zeit lebte der Kerl auf Liebknechts, Lappländers, Lassalles, Schröders etc. und andrer armer Teufel Rechnung, ließ auch im Arbeiterverein für sich sammeln etc.
Der obige Brief F[reiligrath]s ist alles, was ich von dem Teutonen seit der großen Retirade vernommen. Wie lächerlich ist dieser Brief wieder. Wie grotesk die grandeur, worunter sich das bepißte Pudelbewußtsein verstecken tut. F[reiligrath] scheint zu glauben, daß Ausrufungszeichen der Prosa auf den Strumpf helfen. „Die Partei“ soll „sich stellen“. Wozu? Zu Wilhelm Joseph Reiffs „Unzucht“ — „diesem Schmutz“, wie der Freund Betas kommentiert. Welche Zumutung. Übrigens, en passant. Der „Verein deutscher Männer“, gestiftet von einem zweideutigen Setzer namens Zinn, hat Prinzen Albert, Gottfried Kinkel, K. Blind und F. Freiligrath zu seinen „Ehrenbürgern“ ernannt. Der Cherusker hat natürlich das Diplom akzeptiert.
Für nächsten Montag habe ich eine neue Terminzahlung von 1£ St. auf dem Marylebone county-court zu machen. Gleichzeitig erhalte ich vom Westminster county-court (on behalf of a baker) einliegenden Wisch, den Du mir zurückschicken mußt. Was ich vorhergesehn, beginnt einzutreffen. Wenn einer der Philister einmal den Weg zum county-court gefunden, findet ihn auch der andre. Wenn das so fortgeht, so weiß ich in der Tat nicht, wie ich den Platz länger halten soll. Die beständigen Störungen sind so fatal, weil ich absolut mit meiner Arbeit nicht vorankomme.
Die Notiz in der Darmstädter Militärzeitung ist sehr welcome. Du hast durch das neue Pamphlet Deine Position als Militärkritiker in Deutschland gesichert. Bei der nächsten Gelegenheit gibst Du eine Sache mit Deinem Namen heraus und schreibst drunter: Verfasser von Po und Rhein. Unsre Hunde von Feinden werden by und by sehn, daß wir nur dem Publikum imponieren, ohne es selbst und seine Betas um Erlaubnis zu fragen.
Nach meiner Ansicht ist das Größte, was jetzt in der Welt vorgeht, einerseits die amerikanische Sklavenbewegung, durch Browns Tod eröffnet, andrerseits die Sklavenbewegung in Rußland. Du wirst gesehn haben, daß der Adel in Rußland sich direkt auf konstitutionelle Agitation geworfen und zwei oder drei Leute aus den Hauptfamilien bereits nach Sibirien gewandert sind. Zugleich hat Alexander es mit den Bauern verdorben, indem in dem neusten Manifest wörtlich erklärt wird, „the communistic principle“ müsse mit der Emanzipation aufhören. So ist die „soziale“ Bewegung im Westen und Osten eröffnet. Dies zusammen mit dem bevorstehenden downbreak in Zentraleuropa wird grandios werden.
Ich sehe eben aus der Tribune, daß in Missouri ein neuer Sklavenaufstand war, natürlich unterdrückt. Aber das Signal ist einmal gegeben. Wird die Sache by und by ernsthaft, was wird dann aus Manchester?
Leonhard Horner ist von seinem Posten zurückgetreten. Sein letzter kurzer Report ist voll ironischer Bitterkeit. Kannst Du nicht herausbringen, ob die Manchester millowners ihre Hand bei diesem Rücktritt im Spiel hatten?
Aus den Factory Inspector’s Reports (von „1855“—,,1859 erstes halbes Jahr“) geht hervor, daß sich die Industrie in England fabelhaft seit 1850 entwickelt hat. Der Gesundheitszustand der Arbeiter (adults) hat sich verbessert, seit Deiner „Lage der arbeitenden Klasse“ (die ich hier im Museum wieder durchgelesen), dagegen die der Kinder (Sterblichkeit) verschlechtert.
Salut.
Dein K. M.