Brief von Friedrich Engels an Karl Marx in London, Manchester, 27. Januar 1865. Text nach MEGA¹ III/3, Berlin 1930, Nr. 890, S. 218–219, ohne den Apparat der Herausgeber. Traducción al español.
Manchester, 27. Januar 1865.
Lieber Mohr,
Die Briefe schicke ich Dir morgen oder Sonntag zurück, da ich diese schrecklichen Handschriften und blassen Dinten notwendig bei hellem Tage lesen muß, ich konnte sie gestern Abend nur überfliegen.
Die Taktlosigkeit des Mosis (wobei sicher ein bißchen Schadenfreude des Haupts der Partei), aber besonders die des Liebknecht sind wirklich groß. Mich wundert übrigens, daß Letzterer nicht schon mehr derart Böcke geschossen, es war immer sein forte.
Ich schicke den Kerls das kleine dänische Volkslied von dem Tidmann, den der alte Mann auf dem Thing totschlägt, weil er den Bauern neue Steuern auflegt. Das ist revolutionär und doch nicht straffällig, und vor Allem, es ist gegen den Feudaladel, wogegen das Blatt absolut auftreten muß. Ich mache ein paar desfallsige Bemerkungen dazu. Den Artikel über die Armeeorganisation werde ich wahrscheinlich machen können, sobald ich die neue Militärvorlage etc. habe, ich schreibe ihnen, daß sie mir das schicken; dabei auch, daß ich ebensosehr gegen die Regierung — past and present — wie gegen die Fortschrittler auftreten werde und daß der Artikel ungedruckt bleiben muß, wenn sie Ersteres nicht aufnehmen können. Was den amerikanischen Krieg angeht, so ist vielleicht später doch was darüber zu machen. Jetzt liegt kein Abschnitt vor, die Ruhe ist, um mit J. Grimm zu sprechen, „unorganisch“.
Der brave Lassalle entpuppt sich nach und nach doch als ein ganz kommuner Schuft. Wir sind nie davon ausgegangen, die Leute zu beurteilen nach dem, was sie sich vorstellten, sondern nach dem, was sie waren, und ich sehe nicht, warum wir bei Itzig selig eine Ausnahme machen sollen. Subjektiv mag seine Eitelkeit ihm die Sache plausibel vorgestellt haben, objektiv war es eine Schufterei, ein Verrat der ganzen Arbeiterbewegung an die Preußen. Dabei scheint der dumme Geck sich von Bismarck aber auch gar keine Gegenleistung, gar nichts Bestimmtes, geschweige Garantien ausbedungen zu haben, sich bloß darauf verlassen zu haben, er müsse den B[ismarck] bescheißen, grade wie es ihm nicht fehlen konnte, den Rakowitz totzuschießen. Ganz Baron Itzig.
Übrigens wird die Zeit nicht lange ausbleiben, wo es nicht nur wünschenswert, sondern notwendig wird, diese ganze Sache zu veröffentlichen. Uns kann das nur nützen, und wenn die Sache mit dem Verein und dem Blatt in Deutschland sich hält, so muß es sogar bald geschehn, die Legatarien des Kerls herauszuwerfen. Indes wird das Proletariat in Deutschland bald sehn, was es an Bismarck hat.
Viele Grüße an die ladies.
Dein F. E.
Karten weiß ich nur ca. ½ Dutzend unterzubringen, will Jones deshalb sehn, hab jetzt sehr viel Arbeit.