Brief von Karl Marx an Friedrich Engels in Manchester, [London], 10. Februar 1865. Text nach MEGA¹ III/3, Berlin 1930, Nr. 898, S. 231–233, ohne den Apparat der Herausgeber. Traducción al español.

  1. Februar 1865.

Lieber Frederick,

Die Sache ist gut. Alles Feilen und Ausarbeiten, obgleich der Stil hier und da zu nachlässig, wäre jetzt nonsense, da es vor allem gilt, in the nick of time zu kommen, da „allbereits“ die Lösung dieser Kollision vor der Tür steht.

Mein Rat also der:

Unmittelbar das Pamphlet einschicken an Meißner in Hamburg und ihm schreiben, daß rascher Druck die Hauptsache; daß er Dir sofort anzeigen soll, ob er’s nimmt (das Honorar ihm überlassend zu bestimmen), weil Du dann in Berliner und Rheinischen Blättern schon vorher Aufmerksamkeit auf die Sache lenken würdest.

Für den Social-Demokrat die Sache viel zu lang und „zu frech“ unter den bestehenden Verhältnissen. Dagegen würde ich für Notizen, kurze, im Social-Demokrat (durch Eccarius), in „Düsseldorfer Zeitung“ durch Siebel sorgen und selbst vielleicht der „Rhein[ischen] Zeit[ung]“ Notiz zuschicken, dahin lautend, daß da und da Broschüre von Dir erscheint, wo Du an dieser Spezialfrage, neben Behandlung der purely military question, unsre Stellung Reaktion und Fortschrittlern und Lassalleanern gegenüber einfach aussprichst.

Hast Du noch Zusätze zu machen, so schick nichtsdestoweniger die Sache immediately ad Meissnerem (Hamburg) und sag ihm, daß zu pagina soundso (Du kannst das ja durch Zeichen andeuten) noch ein paar Zusätze nachgeschickt werden. Etwas mehr hätte des Landvolks Erwähnung geschehn sollen, das der deutsche Knote gar zu gern als non-existent betrachtet. Nach Strohns letztem Brief ist dieser wahrscheinlich wieder fort aus Hamburg, so daß die Sache nicht an ihn geschickt werden kann, sondern direkt an M[eißner] muß.

Es bläst in Berlin ein übler Versöhnungswind, diesmal von russischer Seite angefacht, auch durch den schlechten Fortgang des Geschäfts mit Östreich verstärkt. Die Petersburger Zeitung rät, die Budgetfeststellung und die zweijährige Dienstzeit der Kammer unbedingt zuzugestehn. Sie sagt u. a.: „Die Gegenwart scheint uns, wenn nicht beunruhigend, so doch ernst, und wenn nicht ganz besonders günstige Umstände eintreten, so bleibt zu fürchten, daß die Zukunft trübe werden wird. In Zeiten der Not und Gefahr aber, das hat die Geschichte sattsam erwiesen, genügt eine strenge Disziplinierung von Heer und Beamten nur selten. Es beruht dann, wie im Allgemeinen immer, die wirkliche Macht des Staates bei weitem mehr auf der Einigkeit von Regierung und Volk. Obgleich wir nun die versöhnliche Form, in welcher die Regierung der Landesvertretung bei der diesjährigen Session entgegenkam, nicht unterschätzen, so können wir doch in Rücksicht auf das Gesagte den Wunsch nicht unterdrücken, daß diese Versöhnlichkeit auch in der Tat Platz greifen möge.“ Es scheint, die Moskowiter brauchen ihre Preußen für die in der Moskauer Zeitung angekündigte, bevorstehende Schwenkung gegen Galizien-Östreich. In derselben Moskauer Zeitung heißt es, mit dieser letzten Unterwerfung Polens, wo man aber die Mourawieffsche Politik schonungslos fortsetzen müsse, sei „ein Loch in das Herz Deutschlands geöffnet“. Unsre guten „Fortschrittler“ und nicht minder guten „Lassalleaner“ verschlafen all das.

Einliegend Brief von Schily.

Zu des Moses großer Qual macht die „International Association“ großes Aufsehn unter den Arbeitern in Paris. In Folge der Mosesschen Dummheit ist Tolain abgetreten (wir haben seine Demission formell nicht akzeptiert). H. Lefort (Redakteur des Avenir etc.), der auch im Redaktionskomitee der „Association“, hat auf sein Verlangen seine Bestallung als literary defender (Attorney General) unsrer Assoziation in Paris erhalten. Letztre ist bereits angegriffen von Horn (ein Paragraph der Statuten). Dieser Jud Horn wird bald merken, daß es außer Moses Heß noch andre Deutsche gibt. Fribourg hat für uns bureau de renseignement eröffnet; cards of membership sind ihm vorgestern zugeschickt worden.

In der Vorbereitungssitzung für polnisches Meeting hab ich denn auch old Oborski wieder gesehn, der Dich nicht grüßen läßt.

Salut.

Dein K. M.

Apropos! Der Umstand, daß Lincoln uns so höflich und der „Bourgeois Emancipation Society“ so grob und rein formell geantwortet, hat die Daily News so entrüstet, daß sie die Antwort an uns nicht abdruckte. Da sie aber zu ihrem Kummer sah, daß die Times es tat, mußte sie es nachträglich im Expreß bringen. Auch Levy hat in den sauern Apfel beißen müssen. Der Unterschied zwischen der L[incoln]schen Antwort an uns und an die Bourgeois hat hier solches Spektakel gemacht, daß die „Klubs“ im Westend darüber den Kopf schüttelten. Du begreifst, wie wohl das unsern Leuten tut.