Brief von Friedrich Engels an Karl Marx in London, Manchester, 8. Oktober 1868. Text nach MEGA¹ III/4, Berlin 1931, Nr. 1191, S. 107–108, ohne den Apparat der Herausgeber. Traducción al español.
Manchester, 8. Oktober 1868.
Lieber Mohr,
Ich bin dieser Tage scheußlich mit Commerce abgerackert worden, daher kann ich die Briefe erst heut zurückschicken.
Mit dem Schweitzer ist es eine eigene Sache. Der Kerl ist schlauer und aktiver als alle seine Gegner zusammen, obwohl er diesmal sicher zu schlau gewesen ist — nach der Kölnischen Zeitung sollen die wirklichen jetzt auftretenden Arbeiterversammlungen überall ihre ihnen vom „Kongreß“ oktroyierten Präsidenten repudieren, und diese self elected Kerls bis hinauf zu Schw[eitzer] werden merken, daß, so wie es wirkliches business gibt, diese Kniffe und Versuche, der wirklichen Bewegung ihre Sekte als Leitung zu oktroyieren, nicht mehr verschlagen.
Als Sekretär für Deutschland wirst Du natürlich mit den sich etwa bildenden Unions verkehren müssen, solange nicht in den einzelnen Gewerken sich Gegenunions bilden, wo dann zwischen den beiden zu wählen wäre — oder könnten sie sich beide anschließen? Darüber werdet Ihr englische Precedents haben. Von Wichtigkeit ist dabei nur, daß Schw[eitzer] und die Seinigen stets daran erinnert werden, daß sie mit dem Sekretär für Deutschland, nicht mit K[arl] M[arx] korrespondieren, und dafür wirst Du schon sorgen.
Die russische Übersetzung ist sehr erfreulich; sobald die Sache etwas weiter gediehen, muß man dies in die Zeitung bringen.
Das Manuskript von Dietzgen habe ich noch nicht ansehn können.
Gaudissart wird immer amüsanter. Die 30 Bogen sind vor der Hand nicht gefährlich; da sie in 4 Sprachen zugleich erscheinen sollen, wird’s wohl noch ein Saeculum dauern. Als Jud kann er indes das Mogeln nicht lassen, und es geschieht ihm recht, daß er sich an Biscamp die Finger verbrennt.
Wilhelmchen ist auch nicht übel. Was die Schwaben angeht, so scheinen es also Geldverhältnisse zu sein, die ihn und die Seinigen an die Föderalisten fesseln. Dem wäre näher nachzuforschen, nachher fällt das alles uns auf die Kappe. Ich hatte ihn darauf aufmerksam gemacht, daß es im Moment, wo die revolutionäre Aktion näher tritt, es durchaus gegen das Interesse unsrer Partei ist, wenn unsre Leute sich in den an sich faulen Gegensatz von Großpreußen und östreichisch-föderalistischem Großdeutschland zu Gunsten der einen Partei zu fest verbissen haben. Das unglückliche Vieh kann noch immer nicht einsehn, daß der ganze Gegensatz mit seinen beiden Seiten eine reine Borniertheit ist; ich dachte, die spanische Revolution würde ihn etwas aufgeklärt haben, aber no go.
Näheres über den Verlauf des Schw[eitzer]kongresses und dessen Nachwirkung noch nicht gesehn, da ich die Zukunft erst spät erhalte.
Beste Grüße.
Dein F. E.