Brief von Karl Marx an Friedrich Engels in Manchester, London, 9. Dezember 1868. Text nach MEGA¹ III/4, Berlin 1931, Nr. 1219, S. 134–135, ohne den Apparat der Herausgeber. Traducción al español.
London, 9. Dezember 1868.
Dear Fred,
Best thanks for £ 5.
Ich hatte vergessen, den Russen einzulegen. Folgt hiermit. Außerdem Siegfried Meyer. (Der Drury, von dem er spricht, ist ein fauler Bursche, der früher in London war und sich in den Central Council drängen wollte. Er hatte dem S. Meyer durch sein öffentliches Auftreten in New York imponiert. Meyer hatte uns geschrieben, wir sollten den D[rury] zu unsrem Agenten ernennen. Ich schrieb ihm zurück, Herr D[rury] habe sich in dieser Eigenschaft uns schon durch Cremer, Hulek etc. „empfehlen“ lassen. Wir wollten ihn nicht.)
Endlich Wiedererscheinungscard des „Schaute“. Dieser Brief ist sehr charakteristisch für ihn. Schily führte ihn zu Lafargue et Co. Du weißt, daß man in Paris erst mit dem terme einziehn kann. Laf[argue] und Laura wohnten also, bis vor etwa 14 Tagen (wo sie Wohnung gefunden und wir ihnen ihre Kisten und Kasten schickten) in Chambre garnie, hoch. Das erste, was B[orkheim] sagte, als er sie mit Schily besuchen kam: „Nun, da geht mir ja der Atem aus. Öfter möchte ich nicht so hoch steigen!“ Und nun seine Randglossen, die er mir zuschickt! Er hat übrigens Wort mit dem „Nicht-Steigen“ gehalten. Lafargue hatte nämlich den Ténot gekauft, da aber die Sendung per Post nach London teuer, sollte Borkheim, bei seiner Rückreise nach Bordeaux, das Buch herbringen. Aber er ward nicht mehr gesehn.
Bei dieser Gelegenheit fällt mir eine andre auf B[orkheim] bezügliche Anekdote ein. Kurz eh Lafargue abreiste, lud B[orkheim] ihn und meine Familie zum Abendessen (Laura ging nicht hin). Nachdem die „Herrn“ sich auf Borkheims study zurückgezogen — die Herrn waren Lafargue, Borkheim und ich — erzählte Borkheim allerlei Klatsch, den dieser oder jener über mich gesagt oder hätte drucken lassen. Ich ließ ihn eine Zeitlang gewähren, während Lafargue ärgerlich mit seinem Stuhl auf und abschaukelte. Endlich unterbrach ich ihn und sagte ihm: Es sei überhaupt merkwürdig, was in der Welt geklatscht würde. Davon könnten Engels und ich am besten erzählen, indem wir ein förmliches Archiv über die Flüchtlingsschaft besäßen. Z. B. als er — Borkheim — von der Schweiz nach England gekommen, sei uns Bericht zugegangen, er sei Agent des preußischen Grafen X (ich erinnere mich just now nicht des Namens), der selbst preußischer Spion sei, und dieser Graf habe ihn auch nach der Schweiz geschickt etc. Borkheim fuhr auf wie eine Bombe. „Er hätte nie geglaubt, daß irgendein Mensch in London etwas von dieser Geschichte wisse etc.“ Fing dann an, die ganze Geschichte weit und breit zu erzählen und pumpte sich in seiner Aufregung zu viel hot water und noch mehr brandy ein. In diesem overworked Zustand kehrten wir dann zu den Damen zurück zum Tee, und Borkheim platzte gleich damit heraus, daß ich ihm the most strange surprise in seinem Leben bereitet hätte. Erzählte nun dieselbe Geschichte dreimal nacheinander zum großen Ärger seiner Frau, da allerlei Frauenzimmer eine Rolle darin spielen. Später hat er mir noch zweimal geschrieben: Ich habe wohl Scherz gemacht, er habe mir wohl einmal selbst den Klatsch gegen ihn erzählt etc. Ich blieb aber bei dem Ernst. (Wir hatten die Sache erfahren von Schily, in einem seiner Briefe von Paris, zur Zeit der Vogtaffaire.) Strafe muß sind!
Apropos! Eine Sache, die mir sehr rätselhaft blieb für lange Zeit, war: wo die Engländer während der 3 Jahre Baumwollfamine alle die Baumwolle herbekamen, selbst für die diminished scale of production? Es war unmöglich, dies aus der offiziellen Statistik klarzulegen. Trotz aller Einfuhr aus Indien etc. zeigte sich ein ganz enormes Defizit, wenn man die Ausfuhr nach Kontinent (stellenweis selbst nach Neuengland) berechnete. Es blieb nichts oder fast nichts für home consumption über. Die Sache löst sich einfach. Es ist jetzt nachgewiesen (Dir vielleicht schon bekannte Tatsache, mir aber neu), daß verbotenus die Engländer, bei Ausbruch des Bürgerkriegs, ungefähr für 3 Jahre Vorräte hatten (natürlich für diminished scale of production). Also, welchen schönen Kladderadatsch hätte das gesetzt, wenn der Bürgerkrieg nicht ausgebrochen wäre!
Die Exports of yarn und manufactured goods 1862, 1863 und 1864 waren = 1 208 920 000 lbs. (reduced to yarn) und die supplies (Imports) (reduced to equivalent weight in yarn) = 1 187 369 000 lbs. Bei der ersten Angabe ist wahrscheinlich das in den manufactured goods steckende Surplus Schwererde übersehn. Trotzdem kömmt das Resultat ungefähr heraus, daß das ganze homesupply aus den existierenden Vorräten geliefert wurde.
Salut.
Dein K. M.