Brief von Karl Marx an Friedrich Engels in Manchester, [London], 26. November 1869. Text nach MEGA¹ III/4, Berlin 1931, Nr. 1322, S. 247–251, ohne den Apparat der Herausgeber. Traducción al español.
- November 1869.
Dear Fred,
Ich war in dieser Woche nicht sehr auf dem Strumpf, und die Geschichte unter dem Arm ist immer noch lästig. Ich habe deshalb nicht früher gedankt für Deine Notizen über Carey, dessen volume ich auch gestern erhielt.
In meiner Schrift gegen Proudhon, wo ich noch ganz die Ric[ardo]sche Renttheorie akzeptierte, habe ich bereits das Falsche daran, selbst von seinem (R[icardo]s) Standpunkt auseinandergesetzt.
„Ricardo, après avoir supposé la production bourgeoise comme nécessaire pour déterminer la rente, l’applique néanmoins à la propriété foncière de toutes les époques et de tous les pays. Ce sont là les errements de tous les économistes, qui représentent les rapports de la production bourgeoise comme des catégories éternelles.“ Herr Proudhon hatte natürlich R[icardo]s Theorie sofort in Egalitätsmoralausdruck verwandelt und fand daher in der R[icardo]schen bestimmten Rente „un immense cadastre, exécuté contradictoirement par les propriétaires et les fermiers . . . dans un intérêt supérieur, et dont le résultat définitif doit être d’égaler la possession de la terre etc.“
Ich bemerke darauf u. a.:
„Pour qu’un cadastre quelconque, formé par la rente, soit d’une valeur pratique, il faut toujours rester dans les conditions de la société actuelle. Or nous avons démontré, que le fermage payé par le fermier au propriétaire, n’exprime un peu exactement la rente que dans les pays les plus avancés dans l’industrie et dans le commerce. Encore ce fermage renferme-t-il souvent l’intérêt payé au propriétaire pour le capital incorporé à la terre. La situation des terrains, le voisinage des villes, et bien d’autres circonstances encore, influent sur le fermage et modifient la rente . . . D’un autre côté, la rente ne saurait être l’indice constant du degré de fertilité d’un terrain . . . l’application moderne de la chimie vient à chaque instant changer la nature du terrain, et [que] les connaissances géologiques commencent précisément de nos jours à renverser toute l’ancienne estimation de la fertilité relative . . . la fertilité n’est pas une qualité aussi naturelle qu’on pourrait bien le croire: elle se rattache intimement aux rapports sociaux actuels.“
Was den Fortschritt der Kultur in den United States selbst angeht, so ignoriert Herr Carey die bekanntesten Tatsachen. Z. B. der englische Agrikulturchemiker Johnstone in seinen Notes über die United States setzt auseinander: Die agrikolen Auswandrer von Neuengland nach dem Staat New York verließen schlechteren für besseren Boden (besser nicht im Sinn Careys von erst zu fabrizierendem Boden, sondern im chemischen und zugleich ökonomischen Sinn), die agrikolen Auswandrer aus dem Staat New York, die sich zunächst jenseits der Binn[en]landseen, say in Michigan f. i. niederließen, verließen besseren für schlechteren Boden usw. Die Ansiedler von Virginien exploitierten das sowohl nach Lage als Fruchtbarkeit für ihr Hauptprodukt, Tabak, günstigste Terrain so scheußlich, daß sie nach Ohio, ein für dasselbe Produkt (wenn auch nicht für Weizen usw.) schlechteres Terrain, vorrücken mußten usw. Die Nationalität der Einwandrer machte sich auch in ihren Niederlassungen geltend. Die Leute aus Norwegen und unsrem Hochwald suchten sich das rauhe nördliche Waldland von Wisconsin, die Yankees hielten sich in demselben Land an die Prärien usw.
Prärien, sowohl in United States als Australien, sind in fact ein Dorn im Fleisch C[arey]s. Nach ihm ist ein Boden, der nicht absolut mit Wald überwachsen ist, von Natur unfruchtbar, also alles natürliche Wiesenland.
Das Schönste ist, daß die beiden großen Schlußresultate Careys (mit Bezug auf die United States) in direktem Widerspruch zu seinem Dogma stehn. Erstens werden durch den diabolischen Einfluß Englands die Leute, statt auf dem guten Musterboden Neuenglands sozial zu kultivieren, disseminated nach den schlechteren (!) Ländereien des Westens. Also Fortgang von besserem zu schlechterem Boden. (Übrigens, by the by, ist C[arey]s Dissemination im Gegensatz zur Assoziation alles aus Wakefield abgeschrieben.) Zweitens, im Süden der United States ist das Pech, daß die Sklavenhalter (die Herr C[arey] sonst als Harmoniker in allen seinen früheren Schriften verteidigt) zu frühzeitig den besseren Boden in Anbau nehmen und den schlechteren überspringen. Also, was nicht sein sollte, Beginn mit dem besseren Boden! Wenn C[arey] an diesem Beispiel sich selbst überzeugt, daß die wirklichen Bebauer, hier die Sklaven, weder durch ökonomische noch andre Gründe of their own bestimmt werden, sondern durch äußeren Zwang, so hätte er an den 5 Fingern abzählen können, daß dieser Umstand auch in andern Ländern stattfindet.
Nach seiner Theorie hätte die Kultur in Europa von den Bergen Norwegens ausgehn und von da nach den Ländern des Mittelmeers fortgehn müssen, statt umgekehrt zu marschieren.
Den öklichen ökonomischen Umstand, daß, im Gegensatz zu aller andern verbesserten Maschinerie, die bei ihm stets bessere Erdmaschine ihre Produkte — wenigstens periodenweise — verteuert, statt zu verwohlfeilern (dies war einer der Umstände, die Ricardo bestimmten; er sah auch mit seiner Nase nicht weiter als die Geschichte der Getreidepreise von about 1780 bis 1815 in England), sucht Carey durch eine höchst abgeschmackte und phantastische Geldtheorie wegzuhexen.
Als Harmoniker wies er zuerst nach, daß kein Antagonism zwischen Kapitalist und Lohnarbeiter. Der zweite Schritt war, die Harmonie zwischen Grundeigentümer und Kapitalist zu beweisen, und zwar geschieht dies, indem das Grundeigentum dort als normal aufgestellt wird, wo es sich noch nicht entwickelt hat. Die große, entscheidende Differenz zwischen Kolonie und altzivilisiertem Land, daß in letzterem die Volksmasse vom Grund und Boden, fruchtbar oder unfruchtbar, bebaut oder unbebaut, durch das Grundeigentum ausgeschlossen ist, während in der Kolonie der Boden relatively speaking noch vom Bebauer selbst angeeignet werden kann — dieser Umstand darf bei Leibe nicht erwähnt werden. Er darf absolut keine Rolle in der raschen Entwicklung der Kolonien spielen. Die ökliche „Eigentumsfrage“, und zwar in ihrer öklichsten Form, würde ja der Harmonie ein Bein schlagen.
Was die absichtliche Verdrehung angeht, daß, weil in einem Land mit entwickelter Produktion die natürliche Fruchtbarkeit des Bodens ein bedeutender Umstand für die Produktion von Mehrwert ist (oder, wie Ricardo sagt, die Profitrate affiziert), nun umgekehrt folgt, daß danach in den von Natur fruchtbarsten Erdstrichen auch die reichste und entwickeltste Produktion stattfinden müsse, also z. B. in Mexiko höher stehn müsse als in Neuengland, so habe ich darauf schon geantwortet in „Das Kapital“, p. 502 sqq.
Das einzige Verdienst Careys ist, daß er ebenso einseitig den Fortgang vom schlechteren zum besseren Boden behauptet, wie Ric[ardo] das Gegenteil, während in der Wirklichkeit stets Bodenarten von ungleichem Grad der Fruchtbarkeit gleichzeitig bebaut werden und daher bei Germanen, Slawen, Kelten in Bezug hierauf eine sehr sorgfältige Verteilung von Fetzen der verschiednen Art unter den Gemeindegliedern stattfand, die später die Auseinandersetzung der Gemeindeländereien so schwierig machte. Was aber den Fortgang der Kultur im Lauf der Geschichte angeht, so wird bald — je nach Masse von Umständen — gleichzeitig nach beiden Richtungen vorgegangen, bald herrscht epochenweis die eine oder die andre Richtung vor.
Was den Zins für dem Boden inkorporiertes Kapital zu einem Bestandteil der Differentialrente macht, ist grade der Umstand, daß der Grundeigentümer diesen Zins vom Kapital erhält, das nicht er, sondern der Pächter in den Boden gesteckt hat. Dies in ganz Europa bekannte fact soll ökonomisch nicht existieren, weil in den United States das Pachtsystem noch nicht entwickelt ist. Indes geschieht die Sache hier in andrer Form. Der Landjobber und nicht der Pächter läßt sich schließlich das von letzterm verausgabte Kapital bezahlen im Preis des Bodens. Die Geschichte der Pioneers und der landjobbers in den United States erinnert in der Tat oft an die größten Scheußlichkeiten, die in Irland z. B. vorgehn.
But now damn Carey! Vivat for O’Donovan Rossa!
Die letzte Dienstagsitzung war sehr feurig, hitzig, heftig. Herr Muddlehead oder der Teufel, wie der Kerl heißt — Chartist, alter Freund von Harney —, hatte zur Vorsorge Odger und Applegarth mitgebracht. Andrerseits fehlten Weston und Lucraft, weil sie auf einem irischen Ball waren. Reynolds’ hatte in seiner Samstagnummer meine Resolutions gebracht, zugleich mit Abstract von meinem speech (so gut wie Eccarius das machen konnte, der kein Schnellschreiber ist), und Reynolds’ hatte es gleich auf die erste Seite des Blatts, hinter seinen Eingangs-Leitartikel, gedruckt. Dies scheint die mit Gladstone Buhlenden erschreckt zu haben. Hence das Erscheinen Odgers und a long rambling speech of Muddershead, dem Milner (selbst Irländer) verdammt auf den Kopf schlug. Applegarth saß neben mir und wagte daher nicht, gegen zu sprechen, sprach vielmehr für, offenbar mit beklommenem Gewissen. Odger sagte, wenn die vote forciert würde, müsse er für die Resolutions stimmen. Aber Einstimmigkeit sei doch besser, durch einige kleine Modifications herstellbar etc. Darauf — da ich ihn grade hineinreiten will — erklärte ich, er solle nächste Sitzung seine Modifikationen vorschlagen! In der letzten Sitzung, obgleich viele unsrer zuverlässigsten Mitglieder abwesend, hätten wir die Resolution also gegen eine einzige Stimme durchgesetzt. Dienstag werden wir in full force sein.
Salut.
Dein K. M.