Brief von Friedrich Engels an Karl Marx in London, Manchester, 15. April 1870. Text nach MEGA¹ III/4, Berlin 1931, Nr. 1360, S. 305–307, ohne den Apparat der Herausgeber. Traducción al español.

Manchester, 15. April 1870.

Lieber Mohr,

Inliegend Borkheim zurück. Der brave Wilh[elm] hat nicht gedacht, daß seine Renommagen über Dich Dir ipsissimis verbis mitgeteilt werden würden. Bleibt ein Rindvieh sein Lebenlang.

Die Blätter gehen Sonntag Abend an Dich zurück. Ich werde Gumpert morgen zu sehn suchen, da er aber selbst wegen „Überarbeitung“ (welcher Art?) seit einiger Zeit nervenleidend, möglich, daß er während der Feiertage fort ist. Inzwischen würde ich Dir vorschlagen, einige Tage hintereinander einmal starke Spaziergänge — 3 bis 4 Stunden an einem Stück — zu versuchen und, weather permitting nie unter 1—2 Stunden täglich zu laufen und dann jede Woche 1—2mal wenigstens so einen langen Gang zu machen. Ich kann jetzt gar nicht mehr ordentlich arbeiten, bis ich eine Stunde oder länger gelaufen bin, es wirkt ganz famos und wird sicher auch Deine Leber wieder einiger Maßen in Zug bringen. Im Übrigen bin ich ganz Kugelmanns Ansicht.

Das Fränkelche ist das richtige Jidche. Hat gelernt in Paris „la formule“ und liefert gute Waar. Kostbar, daß er die frais généraux, worunter Verschleiß der Maschinerie, Schmieren, Kohlen (falls diese nicht als Rohmaterial), Grundrente etc. als Teil des Mehrwerts auffaßt.

Bogs sind einfach Torfmoore oder Sümpfe, die in 2erlei Hauptlokalitäten vorkommen: 1. in der Ebene, in Mulden (alten Seebetten) oder Einsenkungen, deren Abfluß sich verstopft hat; 2. auf Höhen mit flacher oder gelindwelliger Kuppe, in Folge der Entwaldung, wo das Moos, Gras, Heidekraut usw. sich verfilzt und das Wasser langsamer abfließt, als es im Durchschnitt hereinregnet. Von den Morästen der Ebene können Manche sogar von einem großen Fluß durchflossen sein, der sie doch nicht trocken legt (so an mehreren Stellen am Shannon, das Donaumoos in Baiern usw.). Sehr gewöhnlich sind auch solche Moore die Quellreservoirs von Flüssen (der Bog of Allen, aus dem in seiner ursprünglichen, jetzt sehr reduzierten Größe der Boyne, der Barrow, diverse Nebenflüsse dieser Beiden und des Shannon abflossen). Chat Moß, zwischen Liverpool und Manchester, das Du kennst, ist, wie auch Wakefield bestätigt, ein rechter irischer Musterbog. Es liegt mindestens 30—40 Fuß über Mersey und Irwell, die in einem Halbkreis herumfließen, so daß die Trockenlegung sehr leicht, und trotzdem noch erst ca. 1/3, und sie sind seit 1800 dran. Dies liegt an den Grundbesitzern, ein solches Ding kann natürlich nur systematisch und zwangsweise ausgetrocknet werden. In Holland hast Du ihrer auch — Torfmoore sind in ganz Europa überall egal.

Die Irländer nennen nun den ebenen red bog und den Gebirgsbog black bog. Das Heruntersickern des Wassers kann nun selbst an den Abhängen — sogar sehr steilen, 30—40 Grad — ähnliche sumpfige und mit der Zeit torfproduzierende Stellen erzeugen. Bei steilem Abhang ist er natürlich nur dünn, bei flacherem kann er dicker und dicker werden. Am dicksten natürlich auf den flachen Kuppen.

Townlands sind die untersten Administrativabteilungen in Irland, wo die alten irischen Clanabteilungen überall zu Grunde gelegt, und im Norden und Westen meist noch unverändert beibehalten. Die Grafschaften repräsentieren die Lokalfürstentümer (Donegal, das Reich von the O’Donnell, der wieder andre, z. B. the Mac Swine und sein Volk unter sich hatte. Tyrone, das von the O’Neill, Fermanagh das von the Maguire usw.). Die Baronieen repräsentieren die einzelnen Clans, und innerhalb dieser die ballybetaghs (so schreibt Davies) oder englisch übersetzt townlands die einzelnen, gemeinsam von den Bewohnern gehaltenen Dorfmarken. Diese sind z. B. in Ulster ganz in den alten Grenzen beibehalten worden, in andern Teilen mehr oder weniger. Die parish, die poor law Union und andre englische Spezialabteilungen sind dann später zwischen barony und townland eingeschoben worden.

Deine Schlüsse aus den parliamentary reports stimmen auch mit meinen Resultaten. Nur ist nicht zu vergessen, daß der Prozeß des clearing von 40-sh.-freeholders schließlich mit dem des clearing of labourers seit 1846 Anfangs noch durcheinanderläuft, und zwar, weil bis 1829, um freeholders zu machen, leases for 21 oder 31 years and a life (wo nicht länger) gemacht werden mußten, weil der Mann nur dann freeholder wurde, wenn er bei seinen Lebzeiten nicht an die Luft gesetzt werden konnte. Diese leases schlossen subdividing fast nie aus. Diese leases waren zum Teil 1846 noch in Kraft, resp. die Folgen davon, d. h. die Bauern noch immer auf dem Estate. Ditto auf den damals in Händen von middlemen (die meist leases von 64 Jahren and three lives oder selbst 99 Jahren hatten) befindlichen Grundstücken, die häufig erst zwischen 1846 und 1860 heimfielen. So daß diese Prozesse mehr oder weniger durcheinanderlaufen, resp. der irische Landlord nicht, oder selten, in den Fall kam, sich klar darüber zu werden, daß speziell die labourers, mehr als andre überkommene kleine tenants, zu vertreiben seien. In der Sache kommt’s in England wie Irland aufs selbe hinaus: das Land muß von Arbeitern bebaut werden, die in andern Poor Law Unions wohnen, so daß der Grundherr und seine Pächter von der Armensteuer frei bleiben. Dies spricht auch Senior aus oder vielmehr sein Bruder Edward, Poor Law Commissioner in Irland: The great instrument which is clearing Ireland, is the Poor Law.

Das seit dem Encumbered Estate Court verkaufte Land beträgt nach meinen Notizen sogar 1/5 des Ganzen, die Käufer in der Tat großenteils Wucherer, Spekulanten usw., meist irische Katholiken. Teilweise auch reichgewordne graziers. Trotzdem jetzt noch in Irland nur ca. 8000—9000 Grundbesitzer.

Was sagst Du zu der Blamage der ganzen europäischen Bourgeoisie, die auf das empire libéral geschworen und dem Louis Bonaparte neuerdings Lorbeeren zuerkannt hatte für den aufrichtigen Übergang zum Konstitutionalismus. Und jetzt kommt’s an den Tag, daß er die Sache aufrichtig genug meint, um sich für den ihm passenden Moment das Recht des Staatsstreichs vulgo Plebiszits ausdrücklich vorzubehalten. Man soll ihm nicht zum 2. Mal vorwerfen, daß er die Konstitution umgeworfen. Auch ein Kommentar zum „gouvernement direct par le peuple“, das jetzt die Schweizer einführen und das die Franzosen platterdings nicht haben wollen. Wie heißt Plebiszit auf schweizerisch, Veto oder Referendum? Die Frage sollte man Wilh[elm] stellen. Ad vocem Wilh[elm] — hast Du die famose Annonce in No. 27 des Volksstaats gesehen: Wer hat „Kolbs Statistik“ von mir entliehen? W. Liebknecht. Nicht nur, daß er alles verbummelt, er muß es auch noch öffentlich anzeigen.

Zukunft — sehr schön. Die Esel!

Beste Grüße.

Dein F. E.