Brief von Friedrich Engels an Karl Marx in London, Manchester, 15. Mai 1870. Text nach MEGA¹ III/4, Berlin 1931, Nr. 1373, S. 326–328, ohne den Apparat der Herausgeber. Traducción al español.

Manchester, 15. Mai 1870.

Lieber Mohr,

Mainz ist so schlimm nicht, die hessische Regierung liegt sich mit dem preußischen Gouverneur immer in den Haaren, und die Preußen müssen die Stadt erst in Belagerungszustand erklären, ehe sie was machen können. Darmstadt hat zu wenig Proletariat und daneben einen kleinen Hof, da hört alle Berechnung auf. Mannheim hat auch nicht so viel Proletariat wie Mainz, und überhaupt wäre es, glaub’ ich, gut, den Kongreß unter der Nase der preußischen Soldaten abzuhalten. Wird er gesprengt, so geht die ganze Herrlichkeit nach Brüssel, wohin selbst die in Preußen Kompromittierten über Straßburg, Metz und Luxemburg in 24 Stunden kommen können, die Andern über Köln oder Saarbrücken-Luxemburg. Apropos, die Internationale sollte in Luxemburg Fuß zu fassen suchen, dort sind viele Bergarbeiter, Gerber usw. Das muß von Saarbrücken oder Aachen her geschehn, dem Ausschuß wäre das aufzugeben.

Besten Dank für die Keltica. Ich werde ein paar Stunden dran wenden, auf der Chatham Library des Nähern nachzusehn, wo ich wohl Einiges finden werde.

Ogygia ist ein greulich unkritisches Ding; es finden sich hie und da einige Notizen von Wert, weil dem Kerl alte, jetzt verlorne Schriften zu Gebot standen, aber um diese festzustellen, müßte man mindestens 3 Jahr lang irische Codices ochsen. Dr. Ch. O’Connors Scriptores sind mehr oder weniger gute Quellen, aber meist schon später; er hat aber auch die Annalen von Ulster mit lateinischer Übersetzung und ditto den ersten Band der Annalen der 4 Magister herausgegeben, und ich weiß nicht, ob diese damit inbegriffen. Aber die Annalen der 4 Magister, das Hauptwerk, ist 1856 von Dr. O’Donovan ediert und übersetzt worden, und ich habe sie hier, gestern den ersten Band durchgemacht.

Ware ist (Sir Jam. Ware, ich glaube Richter oder so etwas unter Karl I.) von den Älteren bei weitem der Beste, auch ihm lagen jetzt verlorne Manuskripte in Übersetzung vor, er schrieb lateinisch (Waraeus), ich habe ihn hier englisch und lateinisch.

Die fortwährende Lektüre irischer Bücher, d. h. der nebenstehenden englischen Übersetzung, war nicht auszuhalten ohne wenigstens ganz oberflächliche Kenntnis der Laut- und Flexionsgesetze der Sprache. Ich habe hier eine scheußliche irische Grammatik von anno 1773 entdeckt und vorgestern durchgeochst, dadurch Einiges gelernt, aber der Mann selbst hatte keine Ahnung von den eigentlichen Gesetzen des Irischen. Die einzige gute Grammatik ist von Dr. John O’Donovan, dem oben Erwähnten, dem besten Irologen dieses Jahrhunderts. Wenn Du nach dem Museum kommst, könntest Du sie Dir einmal geben lassen, um zu sehn, was sie ungefähr kosten würde (der O’D[onovan] hat die Manier, nichts als dicke teure Quartanten drucken zu lassen): O’D[onovan]s Irish Grammar. Ferner könntest Du einmal ansehn:

Genealogies Tribes, and Customs of Hy Jiachrack, printed for the Irish Archaeological Society 1844 (vermutlich von O’Donovan), und

Tribes and Customs of Hy Many (ditto), ob irgend etwas über soziale Verhältnisse drin ist, und ob dies dicke teure Bücher sind; wenn nicht, und es ist was drin, schaffe ich sie mir an.

Ferner existiert eine Ausgabe (von O’Donovan) des Leabhar na g-Ceart (Book of Rights), und wenn Du bei der Gelegenheit das eben ansehn und mir sagen könntest, ob irgend Aussicht für Ausbeute darin ist — NB. nur für soziale Verhältnisse, alles Andre ist mir Wurst — sowie ob es eine teure Prachtausgabe ist, so würdest Du mich verpflichten. Nach den mir vorliegenden Zitaten ist nicht viel dran für den Zweck.

Damit wäre aber auch, glaube ich, die einschlagende alte Literatur ziemlich erschöpft, soweit sie publiziert.

Ogareff war schon Redakteur des Kolokol mit Herzen und ist ein ganz gemeiner Bürger und Poet. Wenn B[akunin] das Geld wirklich erhalten und nicht der Ogareff, so wird ihm der Og[areff] sicher als Kontrolleur an die Beine gefesselt sein.

Ich habe die letzten Tage wieder viel in dem kleinen Erkerchen vor dem vierseitigen Pult gesessen, wo wir vor 24 Jahren saßen; ich liebe den Platz sehr, wegen des bunten Fensters ist immer schön Wetter dort. Der alte Jones, der Bibliothekar, existiert auch noch, ist aber sehr alt und tut nichts mehr, ich hab’ ihn noch nicht wieder dort gesehn.

Beste Grüße. Dein F. E.

Der Brief von Wilh[elm] (der mit dem Braunschweiger inliegend zurück) ist wirklich das Albernste, was ich je gelesen. Solch ein Rindvieh! Ich bin nun begierig, was er mir antworten wird. Ich habe ihm zum Schluß den Rat gegeben, zu erwägen, ob es nicht angemessen wäre, wenn man etwas lehren wolle, dasselbige vorher zu lernen.

In welchem Parliamentary Paper kann man sehn, wie viel Geld jährlich ausgeworfen ist für die Commissioners for the publication of the ancient Laws and Institutes of Ireland? Es ist dies ein ganz kolossaler job (im Kleinen). Auch wäre wichtig zu wissen, wieviel dieses Geldes 1. als Remuneration für die nichtstuenden Komissäre, 2. als Salair für die wirklich arbeitenden understrappers Druckkosten usw. verwandt wird. Das muß doch irgendwo in einem Parl[iamentary] paper sein. Die Kerls beziehen Gehalt seit 1852, und es sind bis jetzt 2 Bände publiziert! 3 Lords, 3 Richter, 3 Pfaffen, 1 General und 1 Irologe von Profession, der längst tot ist.