Brief von Karl Marx an Friedrich Engels in Manchester, [London], 28. Juli 1870. Text nach MEGA¹ III/4, Berlin 1931, Nr. 1384, S. 345–347, ohne den Apparat der Herausgeber. Traducción al español.
- Juli 1870.
Dear Fred,
Ich habe sofort Deinen Artikel an den „Pall Mall“ Editor (F. Greenwood) expediert, mit Bitte, ihn sofort zu retournieren, wenn er nicht drucken will. Ich zweifle nicht, in diesem Fall die Sache bei Times oder Daily News anzubringen.
Die Times hatte uns alle Aussicht gegeben, via Eccarius, unsre (Internationale) Address zu drucken. Nicht geschehn, wahrscheinlich wegen eines hit at Russia. Darauf (Monday last) sandte ich das Ding sofort an Pall Mall und schrieb auch dem Editor, gemäß Verabredung mit ihrem war correspondent (Thieblin, jetzt in Luxemburg), von wegen der military correspondence, bat um answer. No reply. Auch die Adresse nicht gedruckt. In Folge dessen habe ich in kurz angebundnem Brief, speaking only of the military correspondence, heute bei Sendung Deines Artikels an den Editor der P[all] Mall geschrieben; i. e. ihn einfach gefragt, ob oder ob nicht?
Der Generalrat hat letzten Dienstag Abdruck der Adresse in 1000 copies beschlossen. Ich erwarte heute die Korrektursheets.
Das Singen der Marseillaise in Frankreich Parodie, wie das ganze second empire. Aber wenigstens fühlt der Hund, daß „Partant pour la Syrie“ would not do. In Preußen dagegen sind solche Faxen nicht nötig. „Jesus meine Zuversicht!“, gesungen von Wilhelm I., Bismarck zur Rechten und Stieber zur Linken, ist die deutsche Marseillaise! Wie 1812 sqq. Der deutsche Philister scheint förmlich entzückt, daß er seiner eingebornen Servilität jetzt ungeniert Luft machen kann. Wer hätte es für möglich halten sollen, daß 22 Jahre nach 1848 ein Nationalkrieg in Deutschland solchen theoretischen Ausdruck besitzen würde!
Glücklicher Weise geht diese ganze Demonstration von der Mittelklasse aus. Die Arbeiterklasse, mit Ausnahme der direkten Anhänger Schweitzers, nimmt keinen Teil daran. Glücklicher Weise ist der war of classes in beiden Ländern, Frankreich und Deutschland, so weit entwickelt, daß kein Krieg abroad das Rad der Geschichte ernsthaft rückwälzen kann.
In der Veröffentlichung der treaty (über Belgien) Geschichte hat auch Bismarck sich übertan. Die Londoner respectability selbst wagt nicht länger von der Ehrlichkeit Preußens zu sprechen. Macaire et Co.! Ich erinnere mich übrigens, kurz vor 1866 in dem Blatt des würdigen Braß und in Kreuzzeitung Artikel gelesen zu haben, worin Belgien als „Nest von Jakobinern“ (!) denunziert und seine Annexation an Frankreich empfohlen war. Andererseits die sittliche Entrüstung des John Bull nicht minder spaßhaft! Right of treaties! The devil! Nachdem Palmerston es zur englischen Staatsmaxime erhoben, daß, wenn man Verträge beschwört, man deswegen nicht schwört, sie zu halten, und seitdem England seit 1830 demgemäß gehandelt! On all sides nichts als Krieg und Liederlichkeit.
Die Kreuzzeitung ist gut mit ihrer Forderung an England, den Franzosen keine Kohlen zu liefern, i. e. den englisch-französischen Handelsvertrag zu brechen, i. e. Frankreich den Krieg zu erklären. Daß Kohlen Kriegsware sein können, machte die englische Opposition lebhaft zur Zeit gegen Pam geltend. Er speiste sie ab mit schlechten Witzen. Dieser Punkt ist also keineswegs bei Abschluß des Vertrags übersehn worden. Urquhart schrieb heftige Denunziation drüber während der Verhandlung. Wenn England also nicht de prime abord Krieg erklärt, muß es den Franzosen Kohlen liefern. Was aber eine Kriegserklärung angeht, so könnte das verdammt ernsthaften tuck zwischen den powers that be und dem Londoner Proletariat absetzen. Die Stimmung der Arbeiter hier ist decidedly gegen solche „Haupt- und Staatsaktion“.
Endlich Brief von dem Genfer Russen. Liegt ein. Bald zu retournieren, say Monday next, da ich antworten muß.
Aus einliegendem Brief von E. Oswald (ist Urquhartite, aber relativ kontinental rationalisiert) siehst Du, daß man auch von demokratischer Seite was tun will. Ich habe ihm geschrieben, daß ich bereits Adresse der International unterzeichnet, die, soweit sie rein politisch, im Wesentlichen dieselben Gesichtspunkte geltend mache. Er besteht in neuen Schreiben, heute und gestern, darauf, daß ich mich einfinden soll zu ihrem meeting in seinem Hause heute nachmittag. (Wohnt ganz in unsrer Nähe.) Sendet mir auch Extrakt aus Brief von L. Blanc. Dies mir aber vor der Hand unmöglich. Wer bürgt mir dafür, daß, wo Louis Blanc, nicht auch Karl Blind?
Ich gehe jetzt gleich zu Smith wegen des Hauses.
Salut. Dein K. M.