Brief von Karl Marx an Friedrich Engels in Ramsgate, Neuenahr, 17. August 1877. Text nach MEGA¹ III/4, Berlin 1931, Nr. 1474, S. 473–475, ohne den Apparat der Herausgeber. Traducción al español.

  1. August 1877. Hotel Flora, Neuenahr.

Dear Fred,

Ich hätte Dir schon früher geschrieben, aber vieltägige Verklausulierung des ganzen Menschen — a posteriori, die bei mir immer das nächste Resultat der Reise und durch die erste Woche Kurwassertrinken nur konsolidiert wird — macht den Menschen im höchsten Grad unaktionsfähig. Von hier ist nicht viel zu berichten. Wahre Idylle; dazu in Folge des halb ungünstigen Wetters (obgleich an Ort und Stelle trotz Regen und Sturm die Luft immer lobenswert bleibt) und wohl auch wegen der andauernden Geschäftskrise die Besucheranzahl von 3000 auf 17—1800 herabgedrückt. Glückliches Ahrtal. Besitzt noch keine Eisenbahnen; doch schon vermessen und drohend für nächstes Jahr mit commencement d’exécution Eisenbahnbau von Remagen nach Ahrweiler, von wo es dann aber nicht das Ahrtal hinuntergehn soll, sondern links ab nach Trier.

Ich habe hier sehr guten Arzt gefunden, Dr. Schmitz (gebürtig in Siegen), der so klug ist, trotz des schönen Hauses und Gartens, die er hier eignet, den Winter (von Ende Oktober an) in Italien zu medizinieren. Er war viel in der Welt herum, u. a. in Kalifornien und Zentralamerika. Hat in habitus und manners viel von little Dronke aus seiner besten Zeit.

Er hat wesentlich bestätigt, was ich vermutete und Dir von London schrieb. Meine Leber zeigt keine Spur von Erweiterung mehr; der Digestionsapparatus ist somewhat disordered, aber das eigentliche Übel ist nervöser Natur. Schmitz sagt mir heute wieder, ich müsse nach 3wöchentlichem Aufenthalt hier in den Schwarzwald auf die Höhe, Berg- und Waldluft zu kneipen. Nous verrons. Dasselbe empfiehlt er für meine Frau, die übrigens Medizin nehmen muß und grade zur rechten Zeit kam, bevor ihr Übel verschlimmert. Tussychens Appetit nimmt zu, was bei ihr das beste Symptom.

Die Berge sind grade bei Neuenahr etwas zu weit entfernt vom Sitz des Bades, wenigstens für die durch Karlsbad Verwöhnten.

Sehr beunruhigt uns, daß wir noch kein Sterbenswort von den adventures der Familie Longuet vernommen.

Wie geht’s Deiner Frau? Ich hoffe, besser; ist bei euch das Wetter auch so launenhaft? Hier im Ahrtal sind die Leute gar nicht daran gewöhnt.

Im Kurhaus hier (wo man auch die Bäder nimmt, die hier, wie allüberall, neben dem Trinken des alkalinischen Gesöffes) gibt's ein Reading Room, worin nebst deutschen und holländischen Blättern Times und Galignanis Messenger, Figaro und Indépendance belge, also mehr als ich brauche, da ich hier mich möglichst des Zeitungslesens enthalte. Ich sehe auch mit Bedauern, daß die Türken — wenigstens meiner Laienansicht nach — wieder Zeit verlieren.

Man trinkt hier einigen Wein, nur ist grade der Walporzheimer und andrer roter Ahrwein den meisten (u. a. auch mir) Kurgästen intersagt.

Schorlemmer hatte versprochen herzukommen; bisher aber nichts von ihm „vernommen“, wie Richard Wagner das ausdrückt. Und nun, old boy, mit besten Grüßen von Haus zu Haus.

Dein Mohr.