Handschrift (Manuskript IV der Pariser Manuskripte von 1844, ein Foliobogen, eingenäht in Manuskript III). Benutzte Ausgabe: Hegel, Werke, Bd. II, Phänomenologie des Geistes, hg. von J. Schulze, Berlin 1832 oder 1841, Kap. VIII »Das absolute Wissen«, S. 574-591. Erstmals veröffentlicht in der Marx-Engels-Gesamtausgabe, I. Abteilung, Bd. 3 (Berlin 1932), S. 592-596; Text nach dieser Ausgabe, ohne den Apparat der Herausgeber. Der Titel ist von den Herausgebern. Traducción al español.
[Auszug aus dem letzten Kapitel von Hegels »Phänomenologie des Geistes«]
In der Phänomenologie wird das gewordene absolute Wissen also geschildert:
In der offenbaren Religion ist das wirkliche Selbstbewußtsein des Geistes noch nicht der Gegenstand seines Bewußtseins; er und seine Momente fallen in das Vorstellen und in die Form der Gegenständlichkeit. Der Inhalt des Vorstellens ist der absolute Geist: es handelt sich noch um das Aufheben dieser bloßen Form.
Diese Überwindung des Gegenstandes des Bewußtseins ... ist nicht nur das Einseitige, daß der Gegenstand sich als in das Selbst zurückkehrend zeigt, sondern bestimmter so ... daß er sowohl als solcher sich ihm verschwindend darstellt, als noch vielmehr, daß die Entäußerung des Selbstbewußtseins es ist, welche die Dingheit setzt, und daß diese Entäußerung nicht nur negative, sondern positive Bedeutung, sie nicht nur für uns oder an sich, sondern für es selbst hat. Für es hat das Negative des Gegenstandes oder dessen sich selbst Aufheben dadurch die positive Bedeutung, oder es weiß diese Nichtigkeit desselben dadurch einerseits, daß es sich selbst entäußert; — denn in dieser Entäußerung setzt es sich als Gegenstand oder den Gegenstand um der untrennbaren Einheit des Fürsichseins willen als sich selbst. ... Andrerseits liegt hierin zugleich dies andre Moment, daß es diese Entäußerung und Gegenständlichkeit ebenso sehr auch aufgehoben und in sich zurückgenommen hat, also in seinem Anderssein als solchem bei sich ist ...
Dies ist die Bewegung des Bewußtseins und dieses ist darin die Totalität seiner Momente ... Es muß sich ebenso zu dem Gegenstande nach der Totalität seiner Bestimmungen verhalten und ihn nach jeder derselben so erfaßt haben. Diese Totalität seiner Bestimmungen macht ihn an sich zum geistigen Wesen, und für das Bewußtsein wird er dies in Wahrheit durch das Auffassen einer jeden einzelnen derselben, als des Selbsts oder durch das eben genannte geistige Verhalten zu ihnen.
Der Gegenstand also teils unmittelbares Sein oder ein Ding überhaupt — was dem unmittelbaren Bewußtsein entspricht; teils ein Anderswerden seiner, sein Verhältnis oder Sein für andres und Fürsichsein, die Bestimmtheit — was der Wahrnehmung — teils Wesen oder als Allgemeines — was dem Verstand entspricht. (Sein, Wesen, Begriff: Allgemeinheit, Besonderheit, Einzelnheit, Position, Negation, Negation der Negation; einfacher Gegensatz, entschiedener, aufgehobner. Unmittelbarkeit. Vermittlung. Sich aufhebende Vermittlung. Beisichsein. Entäußerung. Rückkehr aus der Entäußerung in sich. An sich. Für sich. An und für sich. Einheit. Unterschied. Selbstunterscheidung. Identität. Negation. Negativität. Logik. Natur. Geist. Reines Bewußtsein. Bewußtsein. Selbstbewußtsein. Begriff. Urteil. Schluß.) Er ist als Ganzes der Schluß oder die Bewegung des Allgemeinen durch die Bestimmung zur Einzelnheit, wie die umgekehrte, von der Einzelnheit durch sie als aufgehobne oder die Bestimmung zum Allgemeinen. — Nach diesen drei Bestimmungen also muß das Bewußtsein ihn als sich selbst wissen. Es ist dies jedoch nicht das Wissen als reines Begreifen des Gegenstandes, von dem die Rede ist, sondern dies Wissen soll nur in seinem Werden oder in seinen Momenten nach der Seite aufgezeigt werden, die dem Bewußtsein als solchem angehört, und die Momente des eigentlichen Begriffes oder reinen Wissens in der Form von Gestaltungen des Bewußtseins. Darum erscheint der Gegenstand im Bewußtsein noch nicht als die geistige Wesenheit, wie sie von uns ausgesprochen wurde, und sein Verhalten zu ihm ist nicht die Betrachtung desselben in dieser Totalität als solcher, noch in ihrer reinen Begriffsform, sondern teils Gestalt des Bewußtseins überhaupt, teils eine Anzahl solcher Gestalten, die wir zusammennehmen und in welche die Totalität der Momente des Gegenstandes und des Verhaltens des Bewußtseins nur aufgelöst in ihre Momente aufgezeigt werden kann.
In Ansehung des Gegenstandes, insofern er unmittelbar, ein gleichgültiges (sic) Sein ist, sahen wir die beobachtende Vernunft in diesem gleichgültigen Dinge sich selbst suchen und finden, d. h. ihres Tuns, als seines ebenso äußerlichen sich bewußt sein, als sie des Gegenstandes nur als eines unmittelbaren bewußt ist ... auf ihrer Spitze spricht sie ihre Bestimmung in dem unendlichen Urteil aus, daß das Sein des Ich ein Ding ist. Und zwar ein sinnliches unmittelbares Ding; wenn Ich Seele genannt wird, ist es zwar auch als Ding vorgestellt. aber als ein unsichtbares, unfühlbares; in der Tat also nicht als unmittelbares Sein, was man mit einem Ding meint. Jenes geistlose Urteil dagegen ist seinem Begriffe nach das Geistreichste. Nun zu sehn wie sein Innres ausgesprochen wird. Das Ding ist Ich; d.h. das Ding aufgehoben; es ist nichts an sich; es hat nur Bedeutung im Verhältnisse, nur durch Ich und seine Beziehung auf dasselbe. — Dies Moment hat sich für das Bewußtsein der reinen Einsicht und Aufklärung ergeben. Die Dinge sind schlechthin nützlich und nur nach ihrer Nützlichkeit zu betrachten ... Das gebildete Selbstbewußtsein, das die Welt des sich entfremdeten Geistes durchlaufen, hat durch seine Entäußerung das Ding als sich selbst erzeugt, behält daher in ihm noch sich selbst, und weiß die Unselbstständigkeit desselben, oder daß das Ding wesentlich nur Sein für Andres ist; oder vollständig das Verhältnis, d.h. das, was die Natur des Gegenstandes hier allein ausmacht, ausgedrückt, so gilt ihm das Ding als ein Fürsichseiendes, es spricht die sinnliche Gewißheit als absolute Wahrheit aus, aber dies Fürsichsein selbst als Moment, das nur verschwindet, und in sein Gegenteil, in das preisgegebene Sein für andres, übergeht. — Hierin ist aber das Wissen des Dinges noch nicht vollendet; es muß nicht nur nach der Unmittelbarkeit des Seins und nach der Bestimmtheit, sondern auch als Wesen oder Innres, als das Selbst gewußt werden. Dies ist in dem moralischen Selbstbewußtsein vorhanden. Dies weiß sein Wissen als die absolute Wesenheit oder das Sein schlechthin als den reinen Willen oder Wissen; es ist nichts, als nur dieser Willen und Wissen; andrem kommt nur unwesentliches Sein, d. h. nicht ansichseiendes, nur seine leere Hülse zu. Insofern das moralische Bewußtsein das Dasein in seiner Weltvorstellung aus dem Selbst entläßt, nimmt es dasselbe ebenso sehr wieder in sich zurück. Als Gewissen ist es nicht mehr dies noch abwechselnde Stellen und Verstellen des Daseins und des Selbst, sondern es weiß, daß sein Dasein als solches diese reine Gewißheit seiner selbst ist; das gegenständliche Element, in welches es sich als handelnd hinausstellt, ist nichts andres, als das reine Wissen des Selbsts von sich.
Dies sind die Momente, aus denen sich die Versöhnung des Geistes mit seinem eigentlichen Bewußtsein zusammensetzt; sie für sich sind einzeln und ihre geistige Einheit allein ist es, welche die Kraft dieser Versöhnung ausmacht. Das letzte dieser Momente ist diese Einheit selbst und verbindet sie in der Tat alle in sich. Der seiner selbst in seinem Dasein gewisse Geist hat zum Elemente des Daseins nichts andres als dies Wissen von sich; das Aussprechen, daß was er tut, er nach Überzeugung von der Pflicht tut, diese seine Sprache ist das Gelten (Geld) seines Handelns. — Das Handeln ist das erste ansichseiende Trennen der Einfachheit des Begriffs und die Rückkehr aus dieser Trennung. Diese erste Bewegung schlägt in die zweite um, indem das Element des Anerkennens sich als einfaches Wissen von der Pflicht gegen den Unterschied und die Entzweiung setzt, die im Handeln als solchem liegt und auf diese Weise eine eiserne Wirklichkeit gegen das Handeln bildet. In der Verzeihung sahen wir, wie diese Härte von sich selbst abläßt und sich entäußert. Die Wirklichkeit hat also hier für das Selbstbewußtsein sowohl als unmittelbares Dasein keine andere Bedeutung, als das reine Wissen zu sein; — ebenso als bestimmtes Dasein oder als Verhältnis, ist das sich Gegenüberstehende ein Wissen teils von diesem rein einzelnen Selbst, teils von dem Wissen als Allgemeinem. Hierin ist zugleich dies gesetzt, daß das dritte Moment, die Allgemeinheit oder das Wesen jedem der beiden Gegenüberstehenden nur als Wissen gilt; und den leeren noch übrigen Gegensatz heben sie endlich ebenso auf und sind das Wissen des Ich = Ich, dieses einzelne Selbst, das unmittelbar reines Wissen oder Allgemeines ist.
Versöhnung des Bewußtseins mit dem Selbstbewußtsein darum auf doppelte Weise zu Stande gekommen: 1) im religiösen Geist; 2) im Bewußtsein selbst als solchem. 1) Versöhnung in der Form des Ansichseins; 2) in der Form des Fürsichseins. Wie sie betrachtet worden, fallen sie auseinander. Die Vereinigung beider Seiten ist nun aufzuzeigen: 1) Geist an sich, absoluter Inhalt; 2) für sich, inhaltslose Form oder nach der Seite des Selbstbewußtseins; 3) der Geist an und für sich.
- Diese Vereinigung in der Religion, als die Rückkehr der Vorstellung in das Selbstbewußtsein vorhanden, aber nicht in der eigentlichen Form, denn die religiöse Seite ist die Seite des Ansich, welche der Bewegung des Selbstbewußtseins gegenübersteht. Die Vereinigung gehört der andren Seite an, die im Gegensatz die Seite der Reflexion in sich, also die, die sich selbst und ihr Gegenteil für sich, entwickelt oder unterschieden, enthält. Der Inhalt, so wie die andere Seite des Geistes als andere ist in ihrer Vollständigkeit vorhanden und aufgezeigt worden; die Vereinigung, welche noch fehlt, ist die einfache Einheit des Begriffs. — Er ist, als besondre Gestalt des Bewußtseins die schöne Seele, die Gestalt des seiner selbst gewissen Geistes, der bei seinem Begriff stehn bleibt. Als sich seiner Realisierung entgegengesetzt festhaltend, ist er die einseitige Gestalt, Verschwinden in leeren Dunst; aber auch positive Entäußerung und Fortbewegung. Durch diese Realisierung hebt sich die Bestimmtheit des Begriffs gegen seine Erfüllung auf; sein Selbstbewußtsein gewinnt die Form der Allgemeinheit. Der wahrhafte Begriff, das Wissen von dem reinen Wissen als Wesen, das dieses Wissen, dieses reine Selbstbewußtsein, das also zugleich wahrhafter Gegenstand ist, denn er ist das für sich seiende Selbst.
Die Erfüllung dieses Begriffs teils im handelnden Geist, teils in der Religion ... In jener ersten Gestalt ist die Form das Selbst selber, denn sie enthält den handelnden seiner selbst gewissen Geist, das Selbst führt das Leben des absoluten Geistes durch. Diese Gestalt ist jener einfache Begriff, der aber sein ewiges Wesen aufgibt, da ist oder handelt. Das Entzweien oder Hervortreten hat er an der Reinheit des Begriffs, denn sie ist die absolute Abstraktion oder Negativität. Ebenso das Element des Seins oder seiner Wirklichkeit an ihn selbst, denn es ist die einfache Unmittelbarkeit, die ebenso Sein und Dasein als Wesen ist, jenes das negative, dies das positive Denken selbst. Hegel entwickelt nun weiter den langweiligen Prozeß der schönen Seele, deren Resultat reine Allgemeinheit des Wissens, welche Selbstbewußtsein ist. — Der Begriff verbindet es, daß der Inhalt eignes Tun des Selbsts ist; denn dieser Begriff ist das Wissen des Tuns des Selbsts in sich als aller Wesenheit und alles Daseins, das Wissen von diesem Subjekte als der Substanz und von der Substanz als diesem Wissen seines Tuns.
- Der sich in seiner Geistesgestalt wissende Geist, das begreifende Wissen. Die Wahrheit nicht nur an sich gleich der Gewißheit, sondern hat auch die Gestalt der Gewißheit seiner selbst, oder sie ist in ihrem Dasein, d. h. für den wissenden Geist in der Form des Wissens seiner selbst. Die Wahrheit ist der Inhalt, der in der Religion seiner Gewißheit noch ungleich ist. Diese Gleichheit aber ist darin, daß der Inhalt die Gestalt des Selbsts erhalten. Dadurch ist dasjenige zum Elemente des Daseins oder zur Form der Gegenständlichkeit für das Bewußtsein geworden, was das Wesen selbst ist — der Begriff. Der Geist in diesem Elemente dem Bewußtsein erscheinend oder darin von ihm hervorgebracht, ist die Wissenschaft. Es ist das reine Fürsichsein des Selbstbewußtseins; es ist Ich, das dieses und kein andres Ich und das ebenso unmittelbar vermittelt oder aufgehobenes allgemeines Ich ist. Es hat einen Inhalt, den es von sich unterscheidet; denn es ist die reine Negativität oder das sich Entzweien; es ist Bewußtsein. Dieser Inhalt ist in seinem Unterschiede selbst das Ich, denn er ist die Bewegung des sich selbst Aufhebens oder dieselbe reine Negativität, die Ich ist. Ich ist in ihm als unterschiedenem in sich reflektiert; der Inhalt ist allein dadurch begriffen, daß Ich in seinem Anderssein bei sich selbst ist.
Dieser Inhalt, bestimmter angegeben, ist er nichts anders, als die soeben ausgesprochene Bewegung selbst; denn er ist der Geist, der sich selbst und zwar für sich als Geist durchläuft, dadurch daß er die Gestalt des Begriffes in seiner Gegenständlichkeit hat. Was das Dasein dieses Begriffs betrifft, so erscheint in der Zeit und Wirklichkeit die Wissenschaft nicht eher, als bis der Geist zu diesem Bewußtsein über sich gekommen ist. Als der Geist, der weiß, was er ist, existiert er früher nicht und sonst nirgends als nach Vollendung der Arbeit, seine unvollkommene Gestalt zu bezwingen, sich für sein Bewußtsein die Gestalt seines Wesens zu verschaffen und auf diese Weise sein Selbstbewußtsein mit seinem Bewußtsein auszugleichen. Siehe die Fortsetzung p. 583sqq. Selbstloses Sein verborgen, offenbar ist sich nur die Gewißheit seiner selbst. Das Verhältnis der Zeit zur Geschichte. Der begreifende Geist tilgt die Zeit, Erfahrung und Wissen, Verwandlung der Substanz in Subjekt, des Gegenstandes des Bewußtseins in den Gegenstand des Selbstbewußtseins, d. h. in ebenso sehr aufgehobenen Gegenstand oder Begriff. Erst als dies sich in sich reflektierende Werden, ist er in Wahrheit der Geist. „Insofern der Geist also notwendig dieses Unterscheiden in sich ist, tritt sein Ganzes angeschaut seinem einfachen Selbstbewußtsein gegenüber, und da also jenes das Unterschiedene ist, so ist es unterschieden in seinem angeschauten reinen Begriff, in die Zeit, und in den Inhalt, das Ansich; die Substanz hat als Subjekt, die erst innere Notwendigkeit an ihr, sich an ihr selbst als das darzustellen, was sie an sich ist, als Geist. Die vollendete gegenständliche Darstellung ist erst zugleich die Reflexion derselben oder das Werden derselben zum Selbst. Ehe daher der Geist nicht an sich, nicht als Weltgeist sich vollendet, kann er nicht als selbstbewußter Geist seine Vollendung erreichen. Der Inhalt der Religion spricht darum früher in der Zeit als die Wissenschaft es aus, was der Geist ist, aber diese ist allein sein wahres Wissen von ihm selbst. ... Die Bewegung, die Form seines Wissens von sich [...]