Ohne Unterschrift erschienen in der Neue Rheinische Zeitung Nr. 4 vom 4. Juni 1848 (Köln), S. 3; nach der MEGA² (I/7) von Friedrich Engels. Text nach dem Original der Zeitung (Digitalisat der USB Köln). Traducción al español

** Schleswig-Holstein, 30. Mai. Die Dänen hatten sich, nach vollendetem Streifzuge, vor der heranrückenden preußischen Uebermacht wieder über den Alsener-Sund zurückgezogen, scheinen aber auf's Neue gelandet zu sein. Die Preußen setzen ihren Rückzug fort, die Dänen drängen von Jütland her nach und haben schon wieder schleswig'schen Boden betreten. Die deutschen Einwohner Schleswigs sind entrüstet über das Benehmen der deutschen Regierungen. Die meisten fliehen vor den unausbleiblichen Excessen der Dänen-Armee. „Privatbriefe aus Hadersleben und Apenrade, heißt es in der Weser-Ztg, schildern den Zustand der dortigen Bewohner in den traurigsten Farben. Vierzig Familien, heißt es in einem Briefe aus Apenrade, sind diese Nacht und heute geflüchtet. Diese Nacht bleiben wir hier mit vielen Andern; vielleicht hören wir morgen Näheres über das unglückliche Hadersleben. Die Dänen sind richtig in großer Menge da; die Freischaaren haben noch bis zuletzt Ordnung in der schon empörten Stadt gehalten; sie sandten hierher um Hülfe. Ob die Preußen nun wieder vorrücken, weiß Niemand; man erwartet diese Nacht die Dänen hier; doch hier ist Militär und nicht so viel dänischer Pöbel, den wir auch mehr fürchten als dänische Truppen. Zwei Kanonenböte und ein Dampfschiff lagen im Hafen von Apenrade, welche heute Morgen die Stadt beschossen. Bei Alsen ist es auch zur Metzelei gekommen, indem die Dänen landeten. Man sagt, Wrangel wolle jetzt den Krieg ernsthafter führen.“

Viele dieser Flüchtlinge sind bereits in Rendsburg eingetroffen. Unterdessen scheinen die Dänen sehr heitern Muths zu sein; russische und schwedische Prinzen und Kriegsschiffe kommen nach Kopenhagen, deutsche genommene Schiffe werden kondemnirt, und die Blätter sind kriegerischer und kecker als je. „Wohlunterrichtete“ deutsche Zeitungen wissen freilich „aus zuverläßigster Quelle“, daß man dem Frieden näher ist, als es den Anschein hat; inzwischen gehen die Stettiner Rheder zu Grunde und das meerumschlungene Schleswig-Holstein, „deutscher Sitte hohe Wacht“, sieht mit blutendem Herzen die geliebte Trikolore gen Süden abziehen. Der pommer'sche Gardist seufzt mit schmerzlichem Händedruck dem Apenrader Bauer den Abschiedstrost zu:

Schleswig-Holstein stammverwandt,
Bleibe treu, mein Vaterland!

und damit überläßt er ihn der dänischen Großmuth.