Ohne Unterschrift erschienen in der Neuen Rheinischen Zeitung, Nr. 71, 10. August 1848 (Köln), S. 4, Rubrik „Italien“ (ohne die als übernommen gekennzeichnete Meldung: Frankfurt, 7. August [Fr. O.-P.-Z.]); von der MEGA² (I/7) Friedrich Engels zugeschrieben. Text nach dem Originaldruck der Zeitung (Digitale Sammlungen der USB Köln). Traducción al español
* Ein amtliches Bülletin aus Mailand vom 1. Aug. besagt, das italiänische Heer habe sich an der Adda aufgestellt und die Angriffe der Feinde bei Crotta d'Adda, Corno Vecchio und Macca-Storma zurückgeschlagen. Der englische Gesandte in Turin, Lord Abercrombie, sei im Lager angekommen und habe sich nach kurzer Konferenz mit dem König ins österreichische Lager begeben. Die Mailänder Blätter sind voll Verordnungen welche die Vertheidigung Mailands betreffen. Es geht aus denselben hervor, daß es auf einen ernsten Kampf abgesehen ist. Es bildet sich unter anderm auch ein Priesterheer, das in den umliegenden Dörfern die angeordnete allgemeine Erhebung unterstützen soll. Vom 18. bis zum 40. Altersjahr sollen „alle marschirfähigen“ Männer aufbrechen und sich bewaffnen wie es angeht.
* Verona, 2. Aug. Folgendes Bülletin ist gestern von Radetzky aus seinem Hauptquartier Formigara an der Adda erlassen worden:
„Meine tapfere und unermüdliche Armee hat heute Mittags mit dem vierten Korps bei Crotta d'Adda und mit dem ersten, zweiten und dem Reservekorps bei Formigara die Adda passirt, die Truppen des Feindes am rechten Ufer vertrieben und Pizzighetone auf beiden Seiteen umgangen, worauf der Feind die Brücke daselbst sprengte und den Platz verließ, der von uns sogleich besetzt wurde. Nach allen Nachrichten scheint der Feind theils gegen Piacenza, theils gegen Pavia in vollem Rückzuge zu sein. Ich werde daher morgen mit dem vierten Korps bis an den Po gegenüber Piacenza, mit dem ersten und zweiten Korps dagegen auf der Straße von Pavia bis an den Lambro rücken, und das Reservekorps zur Unterstützung des vierten Korps bei Casale pusterlengo aufstellen. Ich habe ein Streifkorps auf der Straße von Pavia entsendet, dessen Nachrichten ich bis 3. d. früh erwarte. Sollte sich der Feind auch bei Pavia über den Ticino und dann bei Mezzana Corti über den Po ziehen, und somit seine Armee den Boden der Lombardei verlassen, so würde ich dann mit der Armee meinen Marsch nördlich über Melegnano gegen Mailand beginnen.“
* Verona, 4. Aug. Wir haben jenes wüthige Manifest Radetzky's an die Lombarden mitgetheilt, heute sind wir genöthigt, ein wo möglich noch frecheres, schamloseres zu übersenden. Es ist an die römischen Legationen gerichtet. Die Lombarden waren wenigstens jahrelang, wenn auch gezwungen, unter österreichischer Herrschaft, daß aber die Bewohner des Kirchenstaats in noch brutalerer Weise behandelt werden, das ist eben nur begreiflich, wenn man bedenkt, daß die Verfasser dieser Proklamationen im metternich'schen System ergraute Sünder und Haupthähne der Reaktion in Europa sind. Das folgende Manifest ist vom Welden erlassen und aus Bondeno vom 3. Aug. datirt:
„Zum zweitenmale überschreite ich den Po mit meinen Truppen um die Banden zu zerstreuen welche den Frieden und die öffentliche Ordnung stören. Vor 30 Jahren hat Oesterreich die Legationen erobert und sie bereitwillig ihrem Herrn wiedergegeben; hätte Oesterreich Eroberungsabsichten gehabt, so hätte es vor 30 Jahren mit allem Recht die Legationen behalten: aber Eroberungsobsichten sind ihm wie damals so auch jetzt fern. Es will nur die friedlichen Einwohner schützen und ihrer Regierung die Herrschaft bewahren die ihr von einer Faktion bestritten wird. Es ist Zeit den Unordnungen derer einen Damm zu ziehen welche aus abscheulichem Fanatismus, aus Herrschlust, aus Bereicherungswuth eine stets unruhige Partei bildeten, die euer Land mit Krieg und Elend bedeckt. Der heil. Vater hat mehrmals erklärt keinen Krieg zu wollen. Nichtsdestoweniger haben päpstliche Truppen und die von ihm besoldeten Schweizer gegen Oesterreich gekämpft. Bei Treviso und Vicenza besiegt, haben sie sich verpflichtet drei Monate lang nicht die Waffen gegen das Reich zu ergreifen. Wehe ihnen, wenn sie ihre Verträge brechen. Ich habe ihre Namen aufgezeichnet und sie haben, wenn sie in meine Hände fallen, die verdiente Strafe zu gewärtigen. Meine Bewegungen sind gegen die Banden gerichtet, welche sich Crociati nennen, gegen die Faktiosen die zur Schande ihrer eigenen Regierung sich abmühen das gute Volk zu belügen und ihm einen dummen und ungerechten Haß gegen eine stets freundliche Macht einzuflößen. Wehe denen die meiner Stimme taub bleiben und Widerstand zu leisten wagen. Werft den Blick auf die rauchenden Reste von Sermide. Der Ort ward zerstört, weil die Einwohner auf meine Soldaten Feuer gaben.“
* Rom, 29. Juli. Mamiani rekonstituirt das Ministerium. Der Papst hat ihm völlig freie Hand lassen müssen und versprochen, daß mit den übrigen Fürsten Italiens ein Bündniß zur gemeinsamen Vertheidigung abgeschlossen und ein Truppenkontingent sofort nach der Lombardei geschickt werden soll.