Ohne Unterschrift erschienen in der Neuen Rheinischen Zeitung, Nr. 61, 31. Juli 1848 (Köln), S. 3, Rubrik „Italien“; von der MEGA² (I/7) Friedrich Engels zugeschrieben. Text nach dem Originaldruck der Zeitung (Digitale Sammlungen der USB Köln). Traducción al español
* Aus dem Venetianischen. D'Aspre hat in einem Tagesbefehl erklärt, daß Jeder, der falsche Gerüchte ausstreut oder verbreitet, oder in Betreff politischer Gegenstände und der Kriegsangelegenheiten sich unvorsichtige Aeußerungen erlaubt, sofort verhaftet und vor ein Kriegsgericht gestellt wird, das ihn mit größter Strenge zu behandeln hat. Das sind Maaßregeln, ganz würdig eines ostreichischen Generals aus der Metternich-Radetzky'schen Schule. Welden seinerseits hat gezeigt, daß er hinter den Uebrigen nicht zurückstehen will. Ein Befehl desselben, datirt Padua den 15. Juli, droht Jedem, der bis zu einem gewissen Tage noch im Besitz von Waffen gefunden wird, mit unmittelbarer Erschießung. Dieselbe Strafe trifft, Jeden, der um den Waffenbesitz eines Andern gewußt und ihn nicht denunzirt hat; ferner: wer „revolutionäre“ Gesinnungen manifestirt. Die Pfarrer sind bei großer Strafe aufgefordert, den Befehl von der Kanzel herab zu verkünden.
Mailand. Laut amtlichem Bülletin vom 24. d. schlug man sich am 23. d. bei Rivoli und bei Villafranea. Ein starkes östreichischen Corps war von Verona ausgebrochen und Karl Albert eilte von Marmirolo gegen Villafranca, um seine Truppen zu verstärken. Ueber den Ausgang dieser Kämpfe wußte man noch nichts, sowie überhaupt alle genauern Berichte hierüber fehlten.
* Rom, 20 Juli. Sitzung der Deputirtenkammer v. 19. Der Andrang des Publikums ist ungeheuer. Der Präsident verliest eine mit vielen Tausend Unterschriften versehene Petition, unterzeichnet: „Das Volk.“ Sie lautet: „Bürger-Deputirte! Das Vaterland ist in Gefahr. Dies bezeugen höchst ernste Ereignisse in den Provinzen und an den Gränzen, Ereignisse, welche die italiänische Nationalität ins Herz verwunden. Ihnen kommt es zu, als den Vertretern des Volks, dies feierlich zu erklären und augenblicklich schnelle und äußerste Maaßregeln zu ergreifen, wie sie bei allen Nationen, zu allen Zeiten, in den dringendsten Augenblicken gemeinsamer Gefahr stets für die öffentliche Wohlfahrt beschlossen wurden. Das Volk erklärt hiermit seinen festen Entschluß alle energischen Schritte seiner Deputirten mit seiner unbezwinglichen Kraft unterstützen zu wollen; es ist bereit, zu diesem Zweck jeder Gefahr zu trotzen und jedes, auch das schwerste, Opfer zu bringen.“ Die Petition wird der betreffenden Kommission überwiesen und soll in der nächsten Sitzung debattirt werden. Bonaparte wünscht, daß die Kammer von der Geschäftsordnung abgehe und die Petition sofort berathe. Ein Beifallssturm erhebt sich von den Zuhörern im Saal und die draussenstehende Masse antwortet in gleicher Weise. Der Präsident hebt die Sitzung auf. Die Deputirten erheben sich und suchen die Menge zu beberuhigen. Der Präsident begiebt sich an die Balustrade und spricht zum Volk. Die Ruhe kehrt zurück. Der Präsident eröffnet wieder die Sitzung und bemerkt, daß man Vertrauen zu den Depuputirten haben und das Geschöftsreglement befolgen möge. Es folgt jetzt auf der Tagesordnung das Gesetz über Mobilmachung der Bürgergarde. Sterbini verlangt, daß man sich statt dessen mit den Ereignissen im Lande beschäftige. Es zirkuliren in der Kammer beunruhigende Gerüchte über Zusammenrottungen, über Drohungen des Volkes &c. Der Minister möge Aufschluß geben. Der Handelsminister: es sei allerdings dem Ministerium die Nachricht zugegangen, daß sich das Volk der Thore und der Engelsburg bemächtigen wolle. Der Polizeiminister werde bald mit näheren Nachrichten zurückkommen. Er zeigt zugleich an, das Ministerium habe abermals seine Entlassung eingereicht, die auch angenommen worden; es werde bis zur Bildung eines neuen Ministeriums Alles thun, um die Ordnung aufrecht zu erhalten. Die Kammer erklärt sich in Permanenz. Der Polizeiminister langt an und theilt mit, das Volk habe, durch einige Worte beschwichtigt, sich zerstreut. Er fügt hinzu, daß die Volksansammlung zum Zweck gehabt, die Adresse in zahlreicher Begleitung den Deputirten zu überbringen. Es halte das für gesetzlich und habe demnach auch keine Maaßregel zur Verhinderung ergreifen mögen. Derjenige Theil des Volkes, der sich der Thore und der Engelsburg habe bemächtigen wollen, sei durch Vorstellungen populärer Männer davon abgehalten worden. Farini besteigt die Tribüne, um gegen den Polizeiminister und gegen das Volk Beschuldigungen auszustoßen; allein fast die ganze Kammer protestirt gegen jede Schmähung des Volkes und nöthigt den Ankläger zum Schweigen.