Ohne Unterschrift erschienen in der Neue Rheinische Zeitung Nr. 98 vom 9. September 1848 (Köln), S. 2; nach der MEGA² (I/7) von Friedrich Engels. Text nach dem Original der Zeitung (Digitalisat der USB Köln). Traducción al español

* Wie die neuesten Nachrichten besagen, wird der sardinische Admiral Albini die sardinischen Truppen nicht einschiffen, weil General Della Marmora nicht eher darauf eingehen will, bis er einen vom Turiner Ministerium an ihn selbst gerichteten Befehl erhalten. Der Waffenstillstand soll um 14 Tage verlängert worden sein. Nach einer Privatkorrespondenz aus Mailand vom 30. August leben die Handwerker und übrigen Arbeiter in schrecklichem Elende. Aller Verkehr stockt; nur die Gewalt und Brutalität der Sieger herrscht. Es finden viele Exekutionen statt. Die politischen Verurtheilten werden meist zur Nachtzeit erschossen. Maria Calderara, die bekannte Mätresse des Grafen Pachta in Mailand, wird jetzt von letzterem mit Geschenken und Gunstbezeugungen überhäuft, und der alte Radetzky verschwendet die gestohlenen Juwelen an seine theuere Giovannina Meregalli, die er feierlich geehlicht hat. Die ex-provisorische Regierung von Mailand war so gutmüthig gewesen gegen diese beiden Damen, deren Häuser der Mittelpunkt der östreichischen Spione und Intriguen waren, keinerlei Maßregel zu ergreifen. — Garibaldi soll die Straße über den Gotthard eingeschlagen haben und will sich nach Frankreich begeben. — Drei neapolitanische Kriegsdämpfer haben Messina bombardirt; das Feuer wurde so kräftig erwidert, daß einer derselben in Grund gebohrt, die andern zum Rückzug genöthigt wurden. In Lucca weigerte sich die Nationalgarde, wie das Militär, gegen Livorno zu marschiren; sie erklärten: gegen ihre eigenen Brüder würden sie nicht kämpfen.

Die provisorische Regierung in Livorno erließ am 28. August eine zur Ordnung, Einigkeit und Brüderlichkeit auffordernde Proklamation, die den gewünschten Erfolg hatte. In einer zweiten Kundmachung verwahren sich die Livornesen gegen alle Verleumdungen hinsichtlich der letzten Vorfälle, und erklären, daß nur das Aufgeben der Sache Italiens und die schlappen Kriegsrüstungen Ursache der Volksbewegung gewesen. Die toscanische Regierung bekommt Geschmack an der Diktatur. Die wegen Livorno erhaltene außerordentliche Gewalt ist mit Zustimmung der Deputirten auf ganz Toscana ausgedehnt worden. In Livorno selbst hat das Volk alle Nrn. der offiziellen Zeitung, welche das Ausnahmegesetz enthielt, aus den Kaffee's etc. herausgeholt und verbrannt. Gerade dieses Gesetz hat abermals heftige Aufregung erzeugt. Es wird von Errichtung von Barrikaden gesprochen. Es hängt Alles von der Antwort ab, welche die Deputation aus Florenz mitbringen wird. In Turin hat sich ein Comité gebildet, um die Interessen von Parma, Piacenza, Modena und Reggio, so lange diese Länder in Oestreich's Händen sein werden, auf's Beste wahrzunehmen. Karl Albert wird sein Hauptquartier nach Vercelli verlegen. Ein Circular befiehlt schleunigste Versorgung der Truppen mit den nöthigen Kleidern.

* Modena, 28. Aug. Man muß gestehen, daß es dem saubern Herzog von Modena doch nicht mehr so leicht wird, wie früher, seine Henkersgelüste zu befriedigen. Das Rundschreiben an alle Behörden, durch welches die „allgemeine Amnestie“ in ein Dekret voll Hohn, Spott und Verfolgungswuth verwandelt wurde, hat bei den Mitgliedern des höchsten Gerichtshofes einen solchen Unwillen hervorgerufen, daß sie alsbald einen energischen Protest an's Ministerium einreichten. Dadurch hat sich letzteres zur Zurücknahme des Rundschreibens veranlaßt gesehen. Es sucht jetzt den nämlichen Zweck auf andere Weise zu erreichen. Der Minister befiehlt in der Antwort auf den Protest, daß eine Liste der betreffenden Personen aufgenommen werde, damit sie der Herzog zum Verlassen des Landes auffordern könne, falls sie nicht vorzögen, sich einem regelmäßigen Prozeßverfahren zu unterwerfen.