Ohne Unterschrift erschienen in der Neue Rheinische Zeitung Nr. 281 vom 25. April 1849 (Köln), S. 3; nach der MEGA² (I/9) von Friedrich Engels. Text nach dem Original der Zeitung (Digitalisat der USB Köln). Traducción al español
Ungarn.
* Am 16. machten die Ungarn auf der ganzen Linie der bei Pesth aufgestellten kaiserlichen Armee eine Rekognoscirung. Der Angriff geschah erst Nachmittags 4 Uhr; die Kanonade dauerte bis gegen 6 Uhr. Zu Kleingewehrfeuer kam es nicht; der Verlust auf beiden Seiten war gering. Der Angriff begann damit, daß die ungarischen Husaren die Kaiserlichen beim Kochen überfielen, große Verwirrung anrichteten, und als die Oestreicher Zeit gewonnen, ihre Artillerie gegen sie aufzuführen, ebenso rasch wieder verschwanden. Was die Ungarn mit diesem Angriff bezweckten, ist noch nicht klar. Man vermuthet, daß, während man sich vor Pesth schlug, die Ungarn über die Donau gesetzt sind, und die magyarische Korrespondenz der Bresl. Ztg. will wirklich wissen, daß dieser Uebergang gelungen sei. Vielleicht beabsichtigten die Ungarn aber nur, durch ihr plötzliches Wiedererscheinen vor Pesth, die Kaiserlichen vom Hinwegziehen größerer Truppentheile nach Gran und der Komorner Straße zu verhindern. Trotzdem soll Welden, der am 17. von Preßburg weiter gereist ist, am 18. 10,000 Mann von Ofen nach Gran beordert haben.
Die Armirung Ofen's mit Wollsäcken dauert noch fort.
Vom Kriegsschauplatz bei Waitzen und Gran keine weiteren bestimmten Nachrichten. In wessen Händen Waitzen ist, ist noch immer nicht gewiß. Wahrscheinlich aber halten es die Magyaren noch besetzt.
Ueber das Treffen bei Gran lassen die Standrechtscorrespondenzen jetzt wieder das Gerücht circuliren, als seien die Magyaren dort geschlagen worden und hätten 2000 Gefangene verloren. Daran ist natürlich kein wahres Wort. Höchstens dürfte es den Kaiserlichen gelungen sein, die Gran zu behaupten.
Die Geschichte von Kossuths angeblicher Flucht löst sich natürlich wieder in reine Fabel auf. Während die östreichischen Offiziere von Unterhandlungen sprechen, greifen die Magyaren an, und schreibt Kossuth eine neue Rekrutirung von 50,000 Mann (die Mag. Corr. spricht sogar von 200,000 Mann) aus. Ueberall wird der Landsturm aufgeboten und viele Tausend mit Heugabeln und Sensen bewaffnete Landstürmer sollen hinter der regulären Armee herziehen. Diese soll jetzt schon 35 Husaren-Regimenter zählen.
Aus dem Banat erfährt man, daß am 13. Perczel im Chaikistenbataillon bei Tikel und Vilovo von Stratimirovich zurückgetrieben sei; Todorovich soll ebenfalls 2 Bataillons dorthin gesandt haben. — Die Zeitschrift „Bukowina“ entwirft ein herzzerreißendes Bild der Zustände in gleichnamiger Provinz. Noth und Elend herrschen dort in solch' hohem Grade, daß es in gewissen Ortschaften Leute gibt, welche seit Wochen gehacktes Stroh oder gemahlene Eicheln, mit Kukuruz-Mehl vermischt, genießen.