Ohne Unterschrift erschienen in der Neuen Rheinischen Zeitung, Nr. 240, 8. März 1849 (Köln), S. 4, und Beilage zu Nr. 240, S. 1, Rubrik „Ungarn“; von der MEGA² (I/9) Friedrich Engels zugeschrieben. Text nach dem Originaldruck der Zeitung (Digitale Sammlungen der USB Köln). Traducción al español

* So eben, nachdem der vorstehende Artikel bereits geschrieben, kommt uns noch folgendes 26. Bülletin zu, in welchem der tapfere Windischgrätz uns endlich Aufklärung über seinen telegraphirten glänzenden Sieg bei Kapolna gibt:

„Feldmarschall Windischgrätz gab von Gyöngyös aus dem Feldmarschall-Lieutenant Schlick den Befehl, sich von Petervasara aus am 26. Febr. über Verpeleth mit der Hauptarmee zu vereinigen, um die Insurgenten mit vereinten Kräften anzugreifen. Am 26. Febr. stießen die Korps des Feldmarschall-Lieutenants Wrbna und des Feldmarschall-Lieutenants Schwarzenberg vor Kapolna auf den Feind. Letzterer zeigte Anfangs die Absicht, unsere linke Flanke zu bedrohen, indem er eine Waldhöhe mit 2 Bataillons besetzte. Von hier aus wurde er jedoch durch einen Bayonnet-Angriff vertrieben. Hierauf versuchte er mit seiner Cavallerie unser Centrum zu durchbrechen, wurde jedoch auch hier zurückgeworfen und zog sich auf allen Punkten gegen Kapolna und Kaal zurück. Die einbrechende Dunkelheit machte an diesem Tage dem Gefechte ein Ende. Am 27. früh ließ Feldmarschall Windischgrätz den Angriff fortsetzen, nachdem er die verspätete Ankunft des Feldmarschall-Lieutenants Schlickerfahren hatte, welcher durch das vom Feinde besetzte enge Defilee von Sirok aufgehalten worden war und es erst nach einem hartnäckigen Kampfe in seine Gewalt bekam. Er drängte den Feind bis Verpeleth, wo sich dieser festsetzte und erst nach einem hitzigen Gefechte diesen Ort aufgab. Kapolna suchte der Feind wieder zu nehmen und machte mit zahlreichem Geschütz einen zweimaligen Angriff, der jedoch mißlang. Nachdem den ganzen Tag gekämpft worden war, zogen sich die Insurgenten zurück und nahmen Stellung bei Maklar. Bei der Einnahme von Kapolna wurde das Bataillon Zanini, welches die Kirche vertheidigte, gefangen genommen. Der Verlust auf feindlicher Seite war bei 200 bis 300 Todte und bei 900 bis 1000 Gefangene; jener der k. k. Truppen geringer, obschon er nicht genau bis jetzt angegeben werden konnte.“

Aus diesem Bülletin geht hervor:

  1. Daß am 26. allerdings, wie die magyarische „Aufschneiderei“ ganz richtig bemerkt, die Ungarn über Windischgrätz Vortheile errungen hatten. Denn wäre es wahr, daß wie das Bülletin behauptet, die Kaiserlichen am 26. Sieger geblieben, so würden sie am nächsten Tage, wo sie durch das Korps Schlick Schulzig verstärkt waren, im Stande gewesen sein, den Magyaren eine empfindliche Schlappe beizubringen.

  2. Daß der „Sieg“ Windischgrätz's sich auf ein höchst unbedeutendes Gefecht beschränkt, wie die geringe Zahl der auf magyarischer Seite Gebliebenen beweist. In 2 Schlachttagen 300 Mann! Was das gefangene Bataillon angeht, so hat das wenig zu sagen.

In der ungarischen Armee sind unter den Offizieren noch immer hochadlige Verräther, die nur auf die Gelegenheit warten, ihre Truppen so aufzustellen, daß sie sich mit Anstand gefangen geben können. Die todesverachtende Tapferkeit der magyarischen Soldaten begünstigt sogar dergleichen Verrätherei.

  1. Daß die Kaiserlichen die Verluste der Ungarn so genau kennen, dagegen ihre eigenen noch nicht ermittelt haben, ist ebenfalls sehr „bezeichnend.“

  2. Was endlich die positiv errungenen Vortheile der Kaiserlichen angeht, so beschränken sich diese auf genau Eine Meile erobertes Terrain. Die Ungarn nahmen den Kampf bei Kapolna und Verpeleth an, und stehen jetzt bei Maklar, was eine Meile weiter östlich liegt. Erlau, eine Meile nördlich von Maklar, ist offenbar auch noch im Besitz der Magyaren u. stützt ihren rechten Flügel; das Bülletin würde sonst schon die Wiedereinnahme dieser wichtigen Stadt mit gehörigem Jubel ausposaunen.

  3. Summa Summarum: Die Ungarn haben, nachdem der Zweck ihrer Expedition vor die Thore von Pesth erreicht war, sich zurückgezogen, ohne eine entscheidende Schlacht auf einem ihnen weniger günstigen Terrain anzunehmen. Sie haben nur insoweit gefochten, als dies nöthig war, ihren Rückmarsch auf die Theiß und Hernath zu decken, und um die Kaiserlichen in respektabler Entfernung zu halten. Dieser Zweck ist vollständig erreicht.

Der ganze Ton des Bülletins, und die Thatsache, daß die Kaiserlichen, nach eigner Angabe, nur eine Meile weiter vorgekommen sind, beweisen das. Das Resultat des ungarischen Vorrückens bis 6 Meilen von Pesth, abgesehen vom moralischen Eindruck, ist dies: Görgei ist mit der Hauptarmee vereinigt, die Komitate zwischen Hernath, Theiß und Karpathen sind von den Oestreichern gesäubert. Die Magyaren können ihren rechten Flügel an die Karpathen anlehnen und mit den galizischen Revolutionären in direkte Verbindung treten; sie haben Schlick von seiner Operationsbasis (Galizien) weggedrängt, und damit die Oestreicher zu einer Veränderung ihres ganzen Feldzugsplans gezwungen.

Die Köln. Ztg., die bekanntlich Nachrichten aus Siebenbürgen vom 16. hat, möge uns doch sagen, warum das Bülletin über die vor Hermannstadt bis zum 16. vorgefallenen Ereignisse kein Wort weiß.