Erste internationale Konferenz kommunistischer Genossenschafter, Moskau, 1.-6. November 1922. Die Einberufung nach der deutschen Ausgabe der Internationalen Presse-Korrespondenz, 2. Jg., Nr. 182, 19. September 1922, S. 1211-1212 (archive.org). Das Begrüßungsschreiben Lenins auf Russisch, nach В. И. Ленин, Сочинения, 2. Aufl., Bd. 27, Moskau-Leningrad, Gosisdat, 1930, S. 324 (Erstdruck: «Правда», Nr. 249, 3. November 1922) (archive.org). Das Manifest an die Werktätigen aller Länder, die Richtlinien für die kommunistische Genossenschaftsarbeit und das Organisationsstatut, die die Konferenz beschloss, sind in keiner frei zugänglichen Ausgabe auffindbar. Traducción al español

An alle kommunistischen Genossenschafter (19. September 1922)

Die Kooperativ-Sektion der Komintern beruft zum 1. November, eine Woche vor Eröffnung des IV. Weltkongresses der Kommunistischen Internationale, die 1. internationale Konferenz kommunistischer Genossenschafter ein. An dieser Konferenz sollen Vertreter der, der 3. Internationale angehörenden Parteien aller jener Länder teilnehmen, in denen eine Genossenschaftsbewegung vorhanden ist.

Aeußerst umfangreiche Aufgaben stehen dieser Konferenz bevor.

Seit dem Ende des imperialistischen Weltkrieges hat die Genossenschaftsbewegung in der ganzen Welt bedeutende Fortschritte gemacht. So sind die englischen Genossenschaften von 2 879 000 Mitgliedern im Jahre 1913 auf 4 503 000 Mitglieder im Jahre 1920 angewachsen. Aehnliches Wachstum zeigen: Deutschland (1914: 1 730 000 Mitglieder, 1920: 2 725 000), Italien (1914: 1 500 000 Mitglieder, 1921: 3 000 000) und andere.

Das Hauptkontingent der Genossenschaftsmitglieder rekrutiert sich überall fast ausschließlich aus den Massen der Arbeitenden. Diese Tatsache erheischt es zunächst, daß unsere Parteigenossen der Tätigkeit auf dem Gebiete des Genossenschaftswesens mehr Beachtung schenken, als dies bisher der Fall war, und macht des weiteren auch die Ausarbeitung praktischer Maßnahmen notwendig, die dahin zielen, aus der Genossenschaft einen revolutionären Machtfaktor zu schaffen, der neben der Gewerkschaft und der Kommunistischen Partei im Befreiungskampfe des Proletariats die ihm zukommende Rolle spielt.

Ein solches Heranziehen der genossenschaftlichen Organisation zur Hilfeleistung für das Proletariat ist dadurch erschwert, daß in sämtlichen Ländern, mit Ausnahme Rußlands und Bulgariens, die Leitung der Genossenschaftsverbände sich in den Händen reformistischer, opportunistischer sozialverräterischer Elemente befindet, die in ihrer, auf Zusammenarbeit mit der Bourgeoisie eingestellten Taktik das Klassenbewußtsein der genossenschaftlich organisierten Arbeiter trüben, und nicht nur die Bedeutung der Genossenschaft im Klassenkampfe des Proletariats schwächen, sondern sogar die Genossenschaft zu einem Kampfmittel gegen das Proletariat machen.

Wir müssen stets den Umstand im Auge behalten, daß der jetzt im Wirtschaftsleben der meisten Staaten eine bedeutende Rolle spielende genossenschaftliche Apparat, je nachdem in wessen Händen er sich befindet, zu einem tatkräftigen Förderer oder einem argen Hindernis im Befreiungskampfe des Proletariats wird.

Soll die Genossenschaft zu einem positiven Faktor in der revolutionären proletarischen Kampfbewegung werden, dann müssen wir vorerst durch schonungslose Entlarvung dieser sozialverräterischen Verbandsleitungen diese des Vertrauens der Massen verlustig machen und den gesamten Genossenschaftsapparat in unsere Hände bekommen.

Die Aufgaben der Genossenschaften sind mit denen der revolutionären Gewerkschaften und der politischen Partei aufs engste verknüpft, was in der gegenwärtigen Praxis der Genossenschaftsbewegung schon dadurch zum Ausdruck gelangt, daß sogar die opportunistischen Genossenschaftsleitungen von Zeit zu Zeit am Kampfe der Arbeiterklasse gegen das Kapital teilzunehmen gezwungen sind, wie das z. B. bei einigen Streiks und Aussperrungen der Fall war.

In der ganzen Welt greift gegenwärtig die Verelendung der Massen immer mehr um sich, und die Genossenschaft, die doch dazu berufen ist, den Arbeiterkonsumenten mit den notwendigsten Gebrauchsartikeln zu versorgen, ist gegenwärtig weder imstande, noch ehrlichen Willens, diese ihr obliegende, schwierige Aufgabe zu erfüllen. Sie kann nicht gegen den Apparat des Privathandels ankämpfen, leidet an chronischem Kreditmangel, erleidet ungeheure Verluste und segelt schwerfällig im Kielwasser des privatwirtschaftlichen Kapitals.

Den kommunistischen Genossenschaftern erwächst nun die Aufgabe, diese um sich greifende Unzufriedenheit der Arbeiter innerhalb der Genossenschaft zusammenzufassen und sie bewußt in bestimmte Bahnen zu lenken.

Es heißt für uns daher, nicht bloß unsere kommunistischen Organisationen innerhalb der Genossenschaften zu behaupten und zu kräftigen, sondern darüber hinaus Mittel und Wege zu finden, um unseren Einfluß auf die revolutionären und oppositionellen Elemente der Genossenschaft zu erhöhen und, den Massen die wahren Ursachen der Ohnmacht der Genossenschaft im Kampfe um die Verbesserung der Lage des Arbeiters aufdeckend, die Unzufriedenheit der Massen in die Form einer organisierten Bewegung zu bringen und dieser Bewegung neue Richtlinien und Kampfmethoden zu weisen.

Zu diesem Zwecke beruft die Kooperative Sektion der Komintern eine internationale Konferenz von auf dem Gebiete des Genossenschaftswesens tätigen Kommunisten ein.

Für die Konferenz ist folgende Tagesordnung in Aussicht genommen:

  1. Tätigkeitsbericht der Kooperativen Sektion der Komintern;
  2. Bericht der Vertreter verschiedener Länder;
  3. Genossenschaft und Kommunismus;
  4. die Taktik der Kommunisten in der Genossenschaftsbewegung;
  5. Organisationsplan für die Tätigkeit der Kommunisten in der Genossenschaft.

Wir fordern sämtliche in den Genossenschaften tätigen Genossen auf, unverzüglich an die Vorbereitung dieser Tagesordnung zu schreiten. (Die Zahl der Delegierten aus den einzelnen Ländern und sonstige Details sind in einem besonderen Rundschreiben mitgeteilt worden.) Wir zweifeln nicht daran, daß alle unsere Genossen sich dessen bewußt sind, von welcher Bedeutung im gegenwärtigen Zeitpunkte die organisierte Tätigkeit der Kommunisten auf dem Gebiete des Genossenschaftswesens ist, und daß sie daher lebhaften Anteil an unserer Konferenz nehmen werden, die es sich zur Aufgabe stellt, die Genossenschaft mit einzugliedern in die Reihen des Proletariats zum gemeinsamen revolutionären Kampfe, zur Niederwerfung der kapitalistischen Gesellschaftsordnung und zum Siege des Kommunismus.

Hoch der internationale Bund der kommunistischen Genossenschafter!

Hoch die 3. Kommunistische Internationale!

Die Kooperative Sektion der Komintern.

Первой международной конференции коммунистов-кооператоров (2 ноября 1922)

Приветствуя вполне своевременный созыв международной конференции коммунистов-кооператоров, желаю ей полного успеха в работах.

Вместе с членами конференции отдаю себе отчет в сложности и трудности поставленной задачи — завоевания кооперативного аппарата на пользу мировой революции.

Я буду очень рад, если нам удастся опытом работы, проделанной в России, быть также полезными общему делу.