Friedrich Engels an Friedrich Graeber, [Bremen 1839] 20. Januar. Nach: Marx/Engels, Gesamtausgabe (MEGA¹), Abt. I, Bd. 2, Berlin 1930, S. 493-498. Traducción al español

An Fritz Graeber.

Florida.

I.
Der Geist der Erde spricht:

Dreihundert Jahre sind’s, da kam gefahren
Das trotz’ge weiße Volk von jener Seite
Des Ozeans, da ihre Städte waren.

Die Inseln wurden bald der Starken Beute,
Da hob die Faust ich aus dem Meer empor,
Ob diese auch ihr kecker Fuß beschreite.

Mit Wald war sie bedeckt und Blumenflor,
Und durch die tiefen Tälerfurchen streifte
Mein treu Geschlecht, der braunen Männer Chor.

Der ew’ge Vater mild hernieder träufte
Des Segens Fülle — da die Weißen kamen,
Es naht’ ihr Schiff, das irr im Meere schweifte.

Und ihrem Sinn gefiel das Land, sie nahmen
Es weg, wie sie die Inseln sich geeignet,
Für mein Volk brachten sie der Knechtschaft Samen.

Der Furchen Grenze haben sie verleugnet,
Sie maßen mit Quadranten meine Hand,
Sie haben fremde Linien drein gezeichnet.

Bald überschwemmten sie das ganze Land,
Ein Finger ist’s, den sie noch nicht bedeckt,
Wer dahin kommt, ist in den Tod gerannt.

Auf diesen Finger hab ich mir gesteckt
Jetzt einen Ring, den meine Braunen bilden;
Sie haben ihre Speere vorgestreckt,

Und schützen sie mich nicht mit ihren Schilden,
Zerfeilt den Ring der Weißen Übermut,
Dann zieh ich samt den Weißen und den Wilden
Die Hand herab in die empörte Flut.

II.
Der Seminole spricht:

Nicht Frieden will ich meinen Brüdern künden,
Krieg sei mein erstes Wort, mein letztes Schlacht,
Und wenn sich Eure Blicke dann entzünden,

Wie Waldbrand, vom Orkane angefacht,
Dann sag ich, daß ihr einst mit Recht mich nanntet
Des Wortes Sonne, der entweicht die Nacht!

Wie Ihr in wilder Jagdlust sonst entbranntet,
Unschuld’ge Tiere, die Euch flohn zu jagen,
Wie Ihr verfolgend Pfeil auf Pfeil entsandtet,

So meint das Volk der Weißen Euch zu jagen —
Daß sie das Wild, daß Ihr die Jäger seid,
Das lasset ihnen Eure Pfeile sagen.

Auf uns, die Roten, schauen sie mit Neid,
Und daß sich ihr verhaßtes Weiß nicht zeige,
Verhüllen sie sich ganz mit buntem Kleid.

Sie nannten unser Land das blumenreiche,
Weil mannigfache Blumen hier erblühen,
Die sollen alle, blaue, gelbe, bleiche,

Ein rotes Kleid sich alle überziehen,
Besprenget von der Weißen rotem Blut,
Und der Flamingo soll nicht röter glühen.

Zu ihren Sklaven waren wir nicht gut,
Drum brachten sie die feigen Schwarzen her,
Sie sollen kennen unsre Kraft und Mut!

Kommt nur, Ihr Weißen, lüstet’s Euch so sehr,
Ihr mögt die Huldigung Euch selber holen,
Aus jedem Schilf, von jedem Baume her
Erwartet Euch der Pfeil des Seminolen!

III.
Der Weiße spricht:

Wohlan! so will ich denn zum letzten Male
Dem rauhen Schicksal kühn die Stirne bieten,
Will frei entgegenschaun dem Mörderstahle!

Du bist mir wohl bekannt, Du Schicksalswüten!
Du hast mir stets des Lebens Lust verbittert —
Meint Ihr, daß mir der Liebe Freuden blühten?

Die hat durch Spott mein armes Herz zersplittert,
Die ich geliebt; ich suchte Trost im Streben
Nach Freiheit, und vor unserm Bund gezittert

Hat mancher König, Fürsten sahn mit Beben,
Wie deutsche Jünglinge zusammen standen —
Drauf hab ich sieben Jahr von meinem Leben

Gebüßet für die Schuld in ehrnen Banden.
Da brachte man mich hin zum schnellen Schiffe,
Frei sollt’ ich werden, doch in fernen Landen. —

Die Küste winkt! Da auf dem Felsenriffe
Zerbirst das Schiff, und in die wilde Brandung
Stürzt alles Volk; daß ich allein ergriffe

Ein Brett, das sich mir bot, zur schweren Landung,
Das war das erste Glück, das mir geschehen,
Die andern ruhen in der Flut Versandung.

Doch kann ich je dem Unheil wohl entgehen?
Die Wilden stürzen auf mich los, und binden
Mich, den zum Tod, der Rache sie ersehen.

Die Freiheit dacht’ ich wieder hier zu finden,
Und Freiheitskämpfer grüßen mich mit Mord,
So muß ich büßen meiner Brüder Sünden!

Doch sieh, was schwimmt heran zum Ufer dort?
Ein Kruzifix! Wie schaun so mild die Züge
Mich an des Heilands! Ach, mir fehlt sein Wort,

Wenn sterbend ich auf heißem Sande liege,
Da kommt er selbst zu mir, der Gnadenreiche!
Ich murre hier, und für mich wird im Kriege
Mit Höllenwut Gott selber eine Leiche!

Da hast Du meinen Beitrag fürs nächste Kränzchen, ich habe gesehen, daß es wieder bei uns gewesen ist, und es tat mir sehr leid, daß ich nichts dazu eingeschickt hatte. Jetzt zur Beantwortung Deines Briefes. — Aha! Warum liest Du die Zeitung nicht! Da hättest Du bald gesehen, was von der Geschichte in der Zeitung stand und was nicht. Das ist meine Schuld nicht, wenn Du Dich blamierst. In der Zeitung haben bloß offizielle Berichte des Senats gestanden, die freilich auch danach gewesen sind. Die Komödie von Plümacher muß sehr schön sein, ich habe zweimal darum geschrieben, und er hat kein Wort davon verlauten lassen. Was den Jonghaus und seine Liebe anbetrifft, so habe ich mit dem noch ein besonderes Kapitel drüber abzumachen. Ihr Menschen laßt Euch immer durch „Dieses und Jenes“ vom Schreiben abhalten, sage einmal, kannst Du mir nicht alle Tage, von dem an, daß Du meinen Brief bekommst, eine halbe Stunde schreiben?, so bist Du in drei Tagen fertig. Ich muß alle diese Briefe schreiben, fünf Stück, schreibe viel enger als Ihr, und bin doch in 4 à 5 Tagen fertig. Ja es ist schrecklich. Acht Tage sollt Ihr Zeit haben, aber am neunten Tag nach Empfang meines Briefes müßt Ihr den Eurigen auf die Post geben, das geht nicht anders; sollte ich bei Wurm andre Bestimmungen gemacht haben, so ändre ich sie hiermit um, 8 Tage Zeit habt Ihr, sonst treten die bei Wurm angedrohten Strafen ein: keine Verse und ebenso langes Wartenlassen.

Hier hast Du einen Holzschnitt à la Volksbücher, der Dir klar darstellt, wie ich auf Euch passe, d. h. auf Eure Briefe.

Briefträger: Herr Konsul, ein Brief!
Konsul Leupold: Aha! Gut.
Engels: Nichts für mich?
Briefträger: Nein.

Ich dachte, ich hätte heute die Briefe noch weggekriegt (Sonntag, den 20. Januar), aber es schlägt halb fünf, und heute geht die Post schon um fünf. Wieder ein Strich durch die Rechnung. Nun das Gute hat’s doch, daß ich jetzt mit Ruhe scheißen und dann Euch mit Ruhe schreiben kann. Für Peter J[onghaus] habe ich noch keinen Brief anfangen können. Verdammt, da sitzt einer auf dem Abtritt, und es drängt mich von oben bis unten, mich zu ergießen.

Es ist merkwürdig, daß, wenn wir unsre größten Dichter zusammennehmen, immer zwei und zwei sich ergänzen, so Klopstock und Lessing, so Goethe und Schiller, so Tieck und Uhland. Jetzt aber steht Rückert ganz allein da, soll mich einmal verlangen, ob der noch einen bekommt, oder ob er so abstirbt; es hat fast den Anschein. Als Liebesdichter könnte man ihn mit Heine zusammenstellen, aber leider Gottes sind die zwei sonst so heterogen, daß man sie gar nicht vereinen kann. Klopstock und Wieland sind doch noch Gegensätze, aber Rückert und Heine haben nicht die mindeste andre Ähnlichkeit, und stehen beide absolut da. Die Berliner Partei des jungen Deutschlands ist doch eine saubre Kompagnie! Da wollen sie unsre Zeit umstempeln zu einer Zeit der „Zustände und feinen Bezüge“, welches so viel bedeutet als: wir schreiben was in die Welt hinaus, und um die Seiten voll zu kriegen, schildern wir Dinge, die nicht da sind, und das nennen wir Zustände, oder wir bringen das Hundertste mit dem Tausendsten zusammen und das geht unter dem Namen der „feinen Bezüge“. Dieser Theodor Mundt sudelt da was in die Welt hinein von der Demoiselle Taglioni, die „Goethe tanzt“, schmückt sich mit Floskeln aus Goethe, Heine, der Rahel und der Stieglitz, sagt den köstlichsten Unsinn über Bettina, aber alles so modern, so modern, daß es eine Lust sein muß für einen Schnipulanten, oder für eine junge, eitle, lüsterne Dame, dergleichen zu lesen. Dieser Kühne, Mundts Agent in Leipzig, redigiert die Zeitung für die elegante Welt, und die sieht jetzt aus wie eine Dame, deren Körperbau für einen Reifrock eingerichtet, und die jetzt in ein modernes Kleid gesteckt wird, daß bei jedem Schritt die holdselige Krümmung der Beine durch das schmiegsame Kleid sichtbar wird. Es ist köstlich! Und dieser Heinrich Laube! Der Kerl schmiert in Einem fort Charaktere, die nicht existieren, Reisenovellen, die keine sind, Unsinn über Unsinn, es ist schrecklich. Wie es mit der deutschen Literatur werden soll, weiß ich nicht. Drei Talente haben wir, Karl Beck, Ferdinand Freiligrath und Julius Mosen; der dritte ist wohl ein Jude und läßt in seinem Ahasver den ewigen Juden an allen Enden dem Christentum trotzen; Gutzkow, der noch mit der Vernünftigste ist, tadelt ihn deshalb, weil Ahasveros eine gemeine Natur sei, ein wahrer Schacherjude; Theodor Creizenach, ebenfalls ein juif, packt nun in der Zeitung für die elegante Welt den Gutzkow auf eine wütende Weise an, aber Gutzkow steht ihm zu hoch. Dieser Creizenach, ein gewöhnlicher Tagesschreiber, erhebt Ahasver in alle Himmel, als einen getretenen Wurm, und schimpft auf Christus, als einen eigenmächtigen, stolzen Herrgott; meint auch, freilich sei im Volksbuch Ahasver eben nur ein gemeiner Kerl, aber im Löschpapier der Jahrmarktsbuden sei Faust auch nicht viel mehr als ein gemeiner Hexenmeister, während doch Goethe „die Psychologie mehrerer Jahrhunderte“ in ihn gelegt habe. Letzteres ist klar, Unsinn zu sein (wenn ich nicht irre, ist das eine ganz lateinische Konstruktion), aber mich rührt nur das wegen der Volksbücher. Freilich, wenn Theodor Creizenach darauf schimpft, so müssen sie wohl sehr, sehr schlecht sein, indessen wage ich zu bemerken, daß im Volksahasver mehr Tiefe und Poesie ist als in dem ganzen Th. Cr[eizenach] benebst seinen löblichen Konsorten. Ich habe jetzt einige Xenien in Arbeit, von denen ich Dir, so viel davon fertig, hersetze.

Die Journale.

1. Telegraph.
Nennst Du Dich selbst Schnellschreiber, wer wird dann Zweifel noch hegen,
Schnellgeschriebenes sei, was Dir die Blätter erfüllt?

2. Morgenblatt.
Liest Du am Morgen mich durch, so hast Du vergessen am Abend,
Ob Du auf leeres Papier oder bedrucktes gesehn.

3. Abendzeitung.
Fehlt Dir am Abend der Schlaf, so nimm dies Blatt in die Hände,
Lieblicher Schlummer erfüllt sicherlich Dich alsobald.

4. Literaturblatt.
Dies ist das krittlichste Blatt in dem ganzen Literaturwald,
Aber wie ist es so dürr! weht es der Wind doch herab!

Andre fallen mir grade nicht ein, ich muß also wohl aufhören. Ich muß mich, wie ich eben vermerke, noch bedeutend eilen, wenn ich Schächer noch morgen die Briefe wegbekommen soll; gleich haben wir Gesellschaft, dann morgen große Rennerei und Kopiererei, so daß es nicht unzweckmäßig sein wird, sehr schnell zu schreiben.

Von Duller lese ich jetzt Kaiser und Papst, einen vierbändigen Roman. Duller hat einen übermäßigen Ruf; seine Wittelsbacher — Romanzen, von denen viele in Hülstett stehen, — sind entsetzlich schlecht; er wollte Volkston nachahmen und wurde familiär; sein Loyola ist ein scheußliches Konfusorium aller guten und schlechten Elemente eines historischen Romans, mit einer schlechten Stilsauce aufgewärmt; sein Leben Grabbes ist entsetzlich entstellt und einseitig; der vorliegende Roman ist schon besser, einzelne Charaktere sind gut, andre wenigstens nicht schlecht gezeichnet, einzelne Situationen sind ziemlich gut aufgefaßt, und die erfundenen Personen sind interessant. Aber das Maß der Breite und des Hervortretens der Nebenpersonen, neue, kühne Ansichten der Geschichte fehlen ihm, nach dem ersten Bande zu urteilen, gänzlich. Es ist ihm nichts, den am besten gezeichneten Charakter am Ende des ersten Bandes zu töten; auch hat er eine große Vorliebe für absonderliche Todesarten; so stirbt einer vor Wut, als er eben seinem Feinde den Dolch in die Brust stoßen will, und dieser Feind steht am Krater des Ätna, wo er sich eben vergiften will, als eine Spalte des Berges ihn im Lavastrome begräbt. Dann schließt der Band, nachdem diese Szene geschildert: Die Wogen des Ozeans schlagen über dem Scheitel des Sonnenhauptes zusammen. Ein sehr pikanter, im Grunde aber abgedroschener und alberner Schluß. Der soll auch meinen Brief schließen. Addio, adieu, á dios, a deos,

Dein Friedrich Engels.