Friedrich Engels an seine Schwester Marie in Barmen, [Bremen] 1839, 7. Januar. Nach: Marx/Engels, Gesamtausgabe (MEGA¹), Abt. I, Bd. 2, Berlin 1930, S. 577-578. Traducción al español

D. 7. Jan. 39.
Liebe Marie!

Hoffentlich hast Du den Zahn jetzt ausgezogen oder hast es gar nicht nötig. — Das Rätsel von dem Teich ist sehr schön, Du mußt es aber aus dem Kopfe lösen können. Hör einmal, das Komponieren, das ist eine schwere Sache, da muß man auf so vielerlei acht geben, auf Harmonie der Akkorde und richtige Fortschreitung, das macht viel Mühe, ich will aber mal sehen, ob ich Dir nächsten nicht wieder was schicke. Ich bin jetzt dran, einen andern Choral zu komponieren, da wechselt in der Singstimme Baß und Sopran ab. Paß mal auf.

Die Begleitung fehlt noch, wahrscheinlich werde ich auch noch Einzelnes verändern. Daß das Meiste, ausgenommen die 4.te Zeile, aus dem Gesangbuch gestohlen ist, ist klar. Der Text ist das bekannte lateinische Stabat mater dolorosa Juxta crucem lacrymosa Dum pendebat filius.

Heute mittag hat der Herr Pastor ein Schwein geschlachtet, im Waschhaus, die Frau Pastorin wollte zuerst von dem Schnack nichts wissen, er aber sagte, er wollte es ihr schenken, und da mußte sie es wohl nehmen. Es hat auch gar nicht geschrieen. Als es tot war, kam die ganze weibliche Familie herein. Die alte Großmama aber ließ sich das Blutrühren gar nicht nehmen, das sah ganz komisch aus; morgen werden die Würste gemacht, das ist auch recht ihr Leben.

Du sagst, Du hättest einen Affen gesehen, und das seist Du gewesen; weißt Du wohl, daß auf der Oblate, mit der Du Dein Briefchen zugemacht hattest, stand:

Je dis la vérité?

Auch ein Spiegel ist drauf abgemalt.

Sage der Mutter, sie sollte nicht mehr schreiben: Treviranus, sie kann den Herrn Pastor auch ganz von der Adresse lassen, der Briefträger weiß doch, wo ich wohne, da ich alle Tage die Briefe an der Post hole; auch kommt er sonst wohl in Versuchung, sie mir nicht ans Kontor zu bringen, sondern nach Trev[iranus], und da bekomme ich sie erst ein paar Stunden später, wenn ich nach Hause gehe.

Der Strücker hat mir geschrieben, der Hermann hätte den Sonntag vor Neujahr allerlei aufgeführt, einen Kellner etc., er soll mir doch was davon schreiben. — Der Str[ücker] lobte seine Gewandtheit dabei sehr, er hätte den Kellner so schön gemacht, als wäre er 3 Jahre in einem Wirtshaus gewesen. Er ist wohl stark am Wachsen?

Die Mutter soll das Komponierte dem Schornstein nicht zeigen, sonst sagt er wieder: Nu hört Allens uf. Ich erfahre doch Alles, was passiert; nächstens wenn ich wieder in Barmen bin, will ich bremischer Konsul werden wie der Alte.

A dios mi hermana
Dein Friedrich.

Die vielen Schreibfehler im Baß mußt Du entschuldigen; ich bin es nicht gewohnt, Noten zu schreiben. Auf den Fall daß Du die vorletzte Zeile nicht lesen könntest schreibe ich sie Dir noch einmal hier.