Friedrich Engels an Wilhelm Graeber, [Bremen 1839 April 27.-30.] Nach: Marx/Engels, Gesamtausgabe (MEGA¹), Abt. I, Bd. 2, Berlin 1930, S. 516-519. Traducción al español

Guglielmo carissimo! τὴν σοῦ ἐπιστόλην εὕρηκα ἐν τοῖς τῶν ἑτέρων, καὶ ἡδὺ μὲν ἦν ἐμοὶ τὸ αὐτοῦ ῥῆμα. Τὸ δὲ δικαστήριον τῶν πέντε στουδιώσων, καὶ τὴν αὐτῶν κρίσιν οὐ δύναμαι γινώσκειν ἢ αὐθεντικήν ἢ κομπετέντην. — Ἐστὶν γὰρ χάρις ὑπ’ ἐμοῦ, εἰ δίδωμι ποιήματα ἐν ταῖς εἰς ὑμᾶς ἐπιστόλαις.

Daß Du St. Hanor, Florida und Sturm nicht kritisieren willst, verdient wieder keinen Vers; die Behauptung debilitatis ingenii abhorret ab usata tua veriloquentia. Meam quidem mentem ad juvenilem germaniam se inclinare, haud nocebit libertati; haec enim classis scriptorum non est, ut schola romantica, demagogia, et cett, societas clausa, sed ideas saeculi nostri, emancipationem judaeorum servorumque, constitutionalismum generalem aliasque bonas ideas in succum et sanguinem populi Teutonici intrare volunt tentantque. Quae quum ideae haud procul sint a directione animi mei, cur me separare? Non enim est, quod tu dicis: sich einer Richtung übergeben, sed: sich anschließen; sequitur a continuation in my room, and, in writing a polyglottic letter, I will take now the English language, ma no, il mio bello Italiano, dolce e soave, come il zefiro, con parole, somiglianti alle flori del più bel giardino, y el Español, lingua como el viento en los árboles, e o Portuguez, como as olas da mar em riba de flores e prados, et le Français, comme le murmure vite d’un font, très amusant, en de hollandsche taal, gelijk den damp uijt eener pijp Tobak, zeer gemoedlijk: aber unser liebes Deutsch — das ist alles zusammen:

Gleich den Wogen, den langen, des Meers, ist die Zunge Homeros,
Äschylos schleudert ins Tal ein Felsstück rasch nach dem andern,
Romas Sprache — so spricht zu dem Heer der gewaltige Cäsar,
Greift in die Fülle der Worte — sie liegen, wie rohes Gesteine,
Scharf und kantig — daraus ersteht cyklopisches Bauwerk,
Aber die jüngere Zunge der Italer, lieblich und milde,
Stellet den Dichter inmitten des holdesten Gartens der Erde,
Draus ein Füllhorn pflückte Petrark, Ariost sich den Kranz wand,
Doch Hispaniens Sprache — o horch, wie im laubigen Wipfel
Herrscht der gewaltige Hauch, und gewalt’ge, erhabene Lieder
Alter Zeit draus rauschen hervor, und die Trauben des Weinstocks,
Der am Stamme hinauf sich wand, sich schaukeln im Laube!
Portugals Zunge — das Rauschen des Meers am Blumengestade,
Wo in dem Schilf aufseufzt Syrinx beim Hauche des Zephyrs;
Und die Zunge der Franken, sie gleitet, ein üppiges Bächlein,
Munter dahin, und rundet der Sandstein, der eigensinn’ge,
Bald sich im plätschernden Flusse der nimmer beruhigten Wellen.
Englands Sprache, ein längst verwittertes, rasenbehangnes
Denkmal riesiger Hünen, doch wuchs das Gestrüppe darüber,
Sausend und heulend umweht es der Sturm, und möchte es fällen.
Aber die Sprache Germaniens — sie tönt, wie die donnernde Brandung
An den gezackten Korallen — die tragen ein liebliches Eiland,
Dorthin schallet das Rauschen der langen Wellen Homeros,
Dort erdonnern die riesigen Blöcke aus Äschylos Händen,
Dort auch siehst du der Feldherrnhand cyklopisches Bauwerk,
Und den duftenden Garten der schönsten und edelsten Blumen,
Mächtiges Rauschen erschallt dort laut aus waldigem Wipfel,
Syrinx tönet im Schilf, und die Bächlein runden den Sandstein,
Dort auch steht manch’ Hünengebäu, umsaust von den Winden,
Das ist Germaniens Zunge, die ewige, wunderumrankte.

Diese Hexameter habe ich extempore hin[ge]schrieben, sie mögen Dir den Unsinn auf der vorigen Seite, aus dem sie hervorgegangen, etwas erträglich machen. Rezensiere sie aber als Extemporale. Den 29. April. Kontinuierlich Deinen Brief auf konsequente Weise fortsetzend, ist heute wunderschönes Wetter, so daß Ihr, posito caso aequalitatis temporalis, heute wahrscheinlich und von rechtswegen alle Kollegia schwänzt. Ich wollt’, ich wär bei Euch. — Ich hab Euch wohl schon geschrieben, daß ich unter dem Namen Theodor Hildebrand am Bremer Stadtboten meinen Witz ausließ, nun habe ich ihm mit folgendem Briefe abgesagt:

Stadtbote, hör’s, doch ärgre nicht Dich drüber,
Wie ich zum Besten lange Dich gehabt;
Denn merke Dir’s, man spottet des, mein Lieber,
Der immer sich erzeigt als übergeschnappt.
Dein blauer Freudenhimmel wird stets trüber,
Nun Du ein Vierteljahr herumgetrabt,
Was Du zu sagen, Edler, Dich beflissen,
Das hast Du alles wiederkäuen müssen.

Ich nahm stets aus Dir selber meine Themata,
Du hast sie alle selbst mir präparieret,
Aus Deinen Reden machte ich Poemata,
Darin ich Dich, allein Dich persiflieret.
Nimm Ihnen nur des Reims, der Metrik Schemata,
So wird Dein Ebenbild Dir vorgeführet,
Nun fluch, beliebt es Dir, vom Zorne wild entbrannt,
Auf Deinen ganz ergebnen Theodor Hildebrand.

Du solltest auch anfangen, ein wenig zu schriftstellern, in Versen oder Prosen, und alsdann an das Berliner Conversationsblatt, wenn es noch existiert, oder den Gesellschafter schicken. Später treibst Du’s stärker, machst Novellen, die Du erst in Journalen, dann allein drucken läßt, bekommst Ruf, wirst als geistreicher, witziger Erzähler genannt. Ich sehe Euch noch einmal — der Heuser großer Komponist, Wurm schreibt tiefsinnige Untersuchungen über Goethe und die Zeitentwicklung, Fritz wird ein berühmter Prediger, Jonghaus macht religiöse Poemata, Du schreibst geistvolle Novellen und kritische Aufsätze, und ich — werde Stadtpoet von Barmen, Leutnant Simons malträtierten (in Cleve) Andenkens zu ersetzen. — Als fernere Poesie für Dich ist auch noch das Lied da auf dem Blatt für den Musenalmanach, welches ich keine Lust habe, noch einmal abzuschreiben. Vielleicht schreibe ich noch eins dazu. Heute (30. April) habe ich bei dem kostbaren Wetter von 7 bis halb 9 im Garten gesessen, geraucht und Lusiade gelesen, bis ich aufs Kontor mußte. Es liest sich nirgends so gut, als im Garten an einem klaren Frühlingsmorgen, die Pfeife im Munde, die Sonnenstrahlen auf dem Rücken. Heut mittag werde ich diese Bestrebungen mit dem altdeutschen Tristan und seiner süßen Reflexion über die Liebe fortsetzen, heut abend geh ich in den Ratskeller, wo unser Herr Pastor seinen von dem neuen Bürgermeister pflichtschuldigst erhaltenen Rheinwein zum besten gibt. Bei solchem ungeheuren Wetter habe ich immer eine unendliche Sehnsucht nach dem Rhein und seinen Weinbergen; aber was ist da zu machen? höchstens ein paar Verse. Ich wollte wohl wetten, daß der W. Blank Euch geschrieben hat, daß [ich] die Aufsätze im Telegraphen gemacht hätte, und Ihr darum so drauf geschimpft habt.

Die Szene ist in Barmen, was es ist, kannst Du Dir denken. —

Eben kriege ich einen W. Blanksbrief, worin er mir schreibt, daß der Aufsatz rasenden Rumor in Elberfeld mache; Dr. Runkel schimpft in der Elberfelder Zeitung darüber und wirft mir Unwahrheiten vor; ich will ihm eine Andeutung zugehen lassen, daß er mir doch eine Unwahrheit nachweisen soll, was er nicht kann, da alles erwiesene Data sind, die ich von Augen- und Ohrenzeugen habe. Bl[ank] schickte mir das Blatt zu, das ich gleich mit der Bitte, meinen Namen ferner geheim zu halten, an Gutzkow spedierte. Krummacher hat neulich in seiner Predigt dargetan, daß die Erde still steht und die Sonne sich um sie dreht, und das wagt der Kerl am 21. April 1839 in die Welt zu posaunen, und sagt doch, der Pietismus führe die Welt nicht zum Mittelalter zurück! Es ist schändlich! man sollte den Kerl chassieren, oder er wird noch einmal Papst werden, eh’ Du Dich versiehst, wo ihn aber das saffrangelbe Donnerwetter zermalmen soll. Dios lo sabe, Gott weiß, was noch aus dem Wuppertale wird. Adios. Dein baldige Briefe erwartender oder wieder keine Poemata sendender

Friedrich Engels.