Friedrich Engels an Friedrich Graeber, Bremen, 22. Februar 1841. Nach: Marx/Engels, Gesamtausgabe (MEGA¹), Abt. I, Bd. 2, Berlin 1930, S. 562-564. Traducción al español
Ew. Hochwohlehrwürden in spe
haben die Gnade gehabt, habuerunt gratiam mir zu schreiben mihi scribendi sc. literas. Multum gaudeo, tibi adjuvasse ad gratificationem triginta thalerorum, speroque, te ista gratificatione usum esse ad bibendum in sanitatem meam. Χαῖρε, Φύλαξ τοῦ Χριστιανισμοῦ, μέγας Στραυσσομάστιξ, ἄστρον τῆς ὀρθοδοξίας, παῦσις τῆς τῶν πιετίστων λύπης, βασιλεὺς τῆς ἐξηγήσεως!;!;!
בְרֶשִׁית בָרָה אֱלוֹהִים אֶת־הַשָּׁמַיִם וְאֶת־הָאָרֶץ
וְרוּחַ אֱלוֹהִם schwebte über F. Graeber, als er das Unmögliche tat und bewies, daß zweimal zwei fünf sind. Oh Du großer Straußenjäger, ich beschwöre Dich im Namen der ganzen Orthodoxie, daß Du das ganze verruchte Straußennest zerstörst und all die halbausgebrüteten Straußeneier mit Deinem Sankt Georgsspieß durchbohrest! Reite hinaus in die Wüste des Pantheismus, tapfrer Drachentöter, kämpfe mit dem Leo rugiens Ruge, welcher umhergeht und suchet, wen er verschlinge, vernichte die verdammte Straußenbrut und pflanze das Banner des Kreuzes auf dem Sinai der spekulativen Theologie auf! Laß Dich erflehen; siehe, die Gläubigen warten schon seit fünf Jahren auf den, der der Straußischen Schlange den Kopf zerteten soll, sie haben sich abgeplackt, mit Steinen und Kot, ja mit Mist nach ihr geworfen, aber immer höher schwillt ihr der giftstrotzende Kamm; da Dir das Widerlegen so leicht wird, daß all die schönen Gebäude von selbst über den Haufen stürzen, so mache Dich auf und widerlege das Leben Jesu und den ersten Band der Dogmatik; denn die Gefahr wird immer dringender, das Leben Jesu hat bereits mehr Auflagen erlebt, als alle Schriften Hengstenbergs und Tholucks zusammen, und es wird schon Comment, jeden, der kein Straußianer ist, aus der Literatur herauszuschmeißen. Und die Hallischen Jahrbücher sind das verbreitetste Journal Norddeutschlands, so verbreitet, daß seine preußische Majestät es nicht mehr verbieten kann, so gern er es möchte. Das Verbot der Hallischen Jahrbücher, die ihm alle Tage die größten Grobheiten sagen, würde ihm auf der Stelle eine Million Preußen, die jetzt noch nicht wissen, was sie von ihm denken sollen, zu Feinden machen. Und es ist für Euch die höchste Zeit, sonst werdet Ihr von uns, trotz der frommen Gesinnungen des Königs von Preußen, zum ewigen Stillschweigen verwiesen. Überhaupt solltet Ihr Euch ein wenig mehr Courage anschnallen, damit die Paukerei einmal recht losgeht. Aber da schreibt Ihr so ruhig und gelassen, als ob die orthodox-christlichen Aktien hundert Prozent Agio ständen, als ob der Strom der Philosophie ruhig und gelassen, wie zu Zeiten der Scholastiker, zwischen seinen kirchlichen Dämmen flösse, als ob sich zwischen den Mond der Dogmatik und die Sonne der Wahrheit nicht die unverschämte Erde zu einer grausigen Mondfinsternis eingedrängt hätte. Merkt Ihr denn nicht, daß der Sturm durch die Wälder fährt und alle abgestorbnen Bäume umschmeißt, daß statt des alten, ad acta gelegten Teufels der kritisch-spekulative Teufel erstanden ist und einen enormen Anhang hat? Wir fordern Euch ja alle Tage heraus mit Übermut und Spott, laßt Euch doch auch einmal durch die dicke Haut — sie ist freilich 1800 Jahre alt und etwas lederhart geworden — stechen und besteigt das Kampfroß. Aber alle Eure Neander, Tholuck, Nitzsch, Bleek, Erdmann und wie sie heißen, das sind so weiche, gefühlvolle Kerls, denen der Degen so possierlich stehen würde, die sind alle so ruhig und bedächtig, so bange vor dem Skandal, daß gar nichts mit ihnen anzufangen ist. Der Hengstenberg und der Leo haben doch noch Courage, aber der Hengstenberg ist so oft aus dem Sattel geworfen worden, daß er ganz lendenlahm ist, und der Leo hat sich bei der letzten Rauferei mit den Hegelingen den ganzen Bart ausrupfen lassen, so daß er sich jetzt mit Anstand nicht mehr sehen lassen kann. Übrigens hat sich der Strauß gar nicht blamiert, denn wenn er vor ein paar Jahren noch glaubte, daß durch sein Leben Jesu der Kirchenlehre kein Eintrag geschähe, so hätte er allerdings, ohne sich etwas zu vergeben, ein „System der orthodoxen Theologie“ lesen können, wie so mancher Orthodoxe ein „System der Hegelschen Philosophie“ liest, wenn er aber, wie das Leben Jesu zeigt, wirklich glaubte, daß der Dogmatik überhaupt durch seine Ansichten kein Eintrag geschehe, so wußte jeder vorher, daß er bald von solchen Ideen zurückkommen würde, wenn er nur einmal die Dogmatik ernstlich vornähme. Er sagt’s ja auch grade heraus in der Dogmatik, was er von der Kirchenlehre hält. Es ist übrigens sehr gut, daß er sich in Berlin angesiedelt hat, da ist er an seinem Platze und kann durch Wort und Schrift mehr wirken als in Stuttgart.
Daß ich als Poet auf dem Hund gekommen sein soll, wird von mehreren Seiten bestritten, und übrigens hat der Freiligrath meine Verse nicht aus poetischen, sondern aus Tendenz- und räumlichen Gründen nicht drucken lassen. Erstens ist er nicht eben liberal, und zweitens sind sie zu spät gekommen; drittens war so wenig Raum da, daß von den für die letzten Bogen bestimmten Gedichten Bedeutendes gestrichen werden mußte. Das Rheinlied von N. Becker ist übrigens doch wahrhaftig ein ganz ordinäres Ding und schon so auf den Hund gekommen, daß man es in keinem Journal mehr loben darf. Da ist doch der Rhein von R. E. Prutz ein ganz andres Lied. Und andre Gedichte von Becker sind auch weit besser. Die Rede, die er bei dem Fackelzuge gehalten hat, ist das Verworrenste, was mir je vorgekommen ist. Für die Ehrenbezeugungen von den Königen bedanke ich mich. Was soll all das? Ein Orden, eine goldne Tabatiere, ein Ehrenbecher von einem Könige, das ist heutzutage eher eine Schande als eine Ehre. Wir bedanken uns alle für dergleichen und sind gottlob sicher, denn seit ich meinen Artikel über E. M. Arndt im Telegr[aphen] drucken ließ, wird es selbst dem verrückten König von Bayern nicht einfallen, mir eine solche Narrenschelle anzuheften oder den Stempel des Servilismus auf den Hintern zu drücken. Je schuftiger, je kriechender, je serviler einer heutzutage ist, desto mehr Orden kriegt er.
Ich fechte jetzt wütend und werde Euch demnächst alle zusammenhauen. Zwei Duelle hab’ ich hier in den letzten vier Wochen gehabt, der Erste hat revoziert, nämlich den dummen Jungen, den er mir, nachdem ich ihn geohrfeigt, aufbrummte, und hat die Ohrfeige noch ungesühnt sitzen; mit dem Zweiten hab ich mich gestern geschlagen und ihm einen famosen Abschiß über die Stirn beigebracht, so recht von oben herunter, eine ausgezeichnete Prime.
Fare well,
Dein F. Engels.
Br. 22. 2. 41.