Friedrich Engels an seine Schwester Marie in Mannheim, Barmen 1841, 9. September. Nach: Marx/Engels, Gesamtausgabe (MEGA¹), Abt. I, Bd. 2, Berlin 1930, S. 615-616. Traducción al español
Liebe Marie!
Die Mutter behauptet, daß ich Dir zuletzt einen Wisch, der keiner Beantwortung wert sei, und keinen Brief geschrieben hätte, und da Du mir auf besagten Wisch nicht geantwortet hast, so muß ich zu meinem großen Leidwesen fast glauben, daß Du derselben Meinung bist. Ich muß Dir übrigens sagen, daß ich durch diese Behandlungsweise sehr verletzt, wenn nicht beleidigt worden bin, und heut abend nur, weil ich guter Laune bin, und keine Zänkereien mit Dir anfangen will, Dir einen Brief schreibe; denn verdient hast Du ihn gewiß nicht. Außerdem tu ich der Mutter einen Gefallen damit, und jetzt weißt Du, wem Du diese Zeilen zu verdanken hast. Ich bin nun zirka sechs Wochen hier und habe viel Tabak verraucht und gehörig studiert, obwohl man in den höheren Regionen behaupten will, ich hätte nichts getan. In 8—14 Tagen werde ich indessen wohl nach Berlin abreisen, um dort meiner Pflicht als Staatsbürger zu genügen, d. h. mich wo möglich vom Militär frei zu machen, und dann nach Barmen zurückzukommen. Wie nun die Sache ablaufen wird, steht zu erwarten.
Wir hatten für Samstag und Sonntag eine Tour nach Altenberg vor, aus der Nichts werden wird, da Blank und Roth nicht können; ich muß nun einmal sehen, ob wir nichts Andres aufbringen können. Eben fällt mir ein, daß ich wohl einmal wieder nach der Beienburg gehen könnte, da ich doch lange nicht dort gewesen bin.
Gestern ist die Mutter bei Augusts zum Kaffee gewesen und hat dort die Bemerkung gemacht, daß Fräulein Julie Engels sehr still, Fräulein Mathilde Wemhöner aber sehr gesprächig gewesen ist. Etwaige Schlüsse daraus magst Du Dir selber ziehen.
Im Übrigen habe ich gefunden, daß die Anna sehr lustig ist, der Emil im Witzereißen Fortschritte macht, die Hedwig sehr frech wird, und der Rudolf auf die Wege gerät, die der Hermann als Bengel seines Alters einschlug, übrigens die Elise sich sehr ziert.
Dein englischer Brief an den Vater, den ich heute las, war im Ganzen gut, nur mit einigen derben Fehlern, abgefaßt.
Du reste, Dein Bruder
Friedrich.
Barmen, 9. Sept. 41.