Brief von Friedrich Engels an Karl Marx in London, Manchester, 28. November 1859. Text nach MEGA¹ III/2, Berlin 1930, Nr. 630, S. 442–443, ohne den Apparat der Herausgeber. Traducción al español.
Manchester, 7, Southgate, 28. November 1859.
Lieber Mohr,
Daß ich vorige Woche nicht schrieb, hatte seinen Grund darin, daß ich Lupus die sämtlichen Papiere gegeben und sie erst mehrere Tage nachher zurück erhielt, weil ich ihn in der Zwischenzeit stets verfehlte. L[upus] ist wie ich der Ansicht, daß das Benehmen F[reiligraths] kaum noch ferneren Parteiverkehr mit ihm zuläßt, daß Du aber vollständig Recht hast, allein aus Parteirücksichten, abgesehen von Deinen persönlichen Verhältnissen, für jetzt jeden Bruch mit ihm zu vermeiden, s’il y a moyen — es wäre ein Triumph für K[inkel] und Konsorten, den sie heftig genug ausposaunen und ausbeuten würden. Es wird dem schwachen Esel aber nicht vergessen werden. Die Erklärung F[reiligrath]s in der A[ugsburger] A[llgemeinen] Z[eitung], wenn sein Verhältnis zu Fazy ihn überhaupt zwang, etwas zu erklären, mußte er mit Dir abmachen, es wäre jedenfalls was andres dabei herausgekommen als das alberne Ding, das er in der A[ugsburger] A[llgemeinen] Z[eitung] drucken ließ. Er scheint sehr amnestiewütig zu sein, daß er sich so vor aller Teilnahme am Volk verwehrt. Aber daß er sich mit Herrn Bettziech persönlich eingelassen, ihn in seinem Hause empfangen, das wird ihm Lupus nie verzeihen, der damals in der How do you do Geschichte mit F[reiligrath] zu B[ettziech] ging. Es ist dies auch eine ganz direkte Gemeinheit. Wie die Sachen jetzt stehn, ist es allerdings fraglich, ob man noch lange ohne offnen Bruch mit F[reiligrath] gehn kann, der Literatenkitzel wird immer stärker bei ihm, Madame wird nicht unterlassen, ihm täglich und nächtlich vorzuhalten, daß Herr Beta, Kinkel und Konsorten ihn doch wenigstens vor dem Publikum loben, während er von uns selbst privatim nur ein Modicum von Anerkennung bezieht und nie darauf rechnen kann, daß wir ihn „durch seinen Ruhm bekannt“ machen. Indes weiß F[reiligrath] nur zu gut, daß, wenn K[inkel] und Co. ihm auch für Friedenszeiten nützlich sind, für kriegerische Momente er ohne uns nichts ist und sich nie gegen uns alliieren darf, ohne allerhand unangenehme Risikos zu laufen. Ich denke, er hütet sich zu weit zu gehn, und wird es schließlich auf unsre Langmut ankommen lassen.
Deine Erklärung in der A[ugsburger] A[llgemeinen] Z[eitung] wird Herrn Blind in eine sehr eklige Lage bringen. Wie er sich ohne Blamage aus der verlognen Position herauslügen wird, sehe ich nicht ab.
Deine Frau muß allerdings sehr leiden unter diesen Lumpereien. Indes wird auch dieser Dreck vorübergehn, und ich hoffe bald. Herr F[reiligrath] wird in einigen Wochen wohl wieder links liegen gelassen werden und seinem eignen Klatsch überlassen werden können. Jetzt aber adieu für heute, ich gehe jetzt nach Hause und schicke einen Artikel über riflemovement per Nachtpost. Es werden ihrer jedenfalls mehrere.
Herzliche Grüße an Deine Frau und die young ladies.
Dein F. E.