Brief von Karl Marx an Friedrich Engels in Manchester, London, 28. November 1860. Text nach MEGA¹ III/2, Berlin 1930, Nr. 710, S. 523–524, ohne den Apparat der Herausgeber. Traducción al español.
- November 1860.
Lieber Engels,
Meine Frau ist jetzt außer Gefahr. Sage das gleich lupo mit besten Grüßen. Die Sache wird lang dauern, und sie muß nach Genesung, wie Allen sagt, gleich fort auf wenigstens vier Wochen.
Was mich betrifft, so bin ich — da die Gefahr der Ansteckung von gestern zehn Tage an gerechnet am größten — gestern von neuem geimpft worden. Ditto Lenchen. Ein Umstand, der mir sehr nützlich, war ein scheußlicher Zahnschmerz. Ich ließ mir vorgestern den Zahn ausziehn. Der Kerl (Gabriel heißt er) hat zwar die Wurzel ausgezogen, nach großen physical pains, die er mir gemacht, aber ein Stück Splitter stehn lassen. So ist mein ganzes Gesicht weh und geschwollen, Hals halb zu. Dieser physische Druck befördert sehr die Denkunfähigkeit und daher Abstraktionskraft, denn, wie Hegel, das reine Denken oder reine Sein oder Nichts identisch.
Während dieser zehn Tage nun ist die Strenge der Absperrung vermehrt.
Schreiben kann ich natürlich nicht in diesem Zustand, und da der vor zweieinhalb Monaten gezogne Wechsel von 50 £ auf Dana ohnehin nicht ordentlich abgearbeitet wurde, indem meine Frau schon vor ihrer Krankheit allerlei nervous complaints hatte und so allerlei Ausfälle eintraten — ich also in großer Klemme bin —, so bitte ich Dich, wenigstens für zwei Wochen möglichst oft zu schreiben. Unter den jetzigen Verhältnissen wäre es scheinbar passend, meiner Alten zu schreiben. Aber seitdem sie den preußischen Unteroffizier ins Haus geheiratet, hat aller intercourse infolge einiger Bemerkungen meinerseits aufgehört. Das Treten von allen Seiten hat scheußlich zugenommen. Den größten Teil der 10 £ habe ich weggegeben, um es zu beschwichtigen von einigen Seiten wenigstens. Ich würde Dir, der mehr als das Mögliche tut, nichts hiervon schreiben, aber que faire? Aber was machen? Dazu kann ich nirgendwo operieren, denn sonderbarerweise (wohl aus der Besserung zu erklären) kann ich das Haus nicht verlassen, da meine Frau grade jetzt, wo ich sie wenigst möglich sehn soll (was ihr natürlich nicht gesagt werden darf), mich stets um sich haben will.
Allen meint, wenn sie nicht zweimal geimpft worden, wäre sie nicht davongekommen. Wie die Sachen stehn, hält er selbst die small pox für ein Glück. Denn, sagte er mir gestern, ihr Nervenzustand sei so gewesen, daß er diese Krankheit einem Nervenfieber oder ähnlichem, wozu es gekommen sein würde, vorziehe.
Die armen Kinder ängstigen sich sehr. Allen impft sie und die ganze Familie Liebknecht Freitag.
„Herr Vogt“ erhältst Du wohl Freitag. Einige Zögerung trat vorige Woche ein, weil ich die Revision der letzten Bogen nicht zur rechten Zeit machen konnte.
Besten Dank für den Wein. Allen hatte mir schon vor Eintreffen desselben Wein verordnet, daneben andre Medizin, die nicht so angenehm.
Dein K. M.