Brief von Karl Marx an Friedrich Engels in Manchester, Margate, 24. März 1866. Text nach MEGA¹ III/3, Berlin 1930, Nr. 967, S. 315–317, ohne den Apparat der Herausgeber. Traducción al español.

  1. März 1866.

5, Lansell’s Place, Margate.

Lieber Fred,

Aus der verspäteten Erscheinung dieses Briefs kannst Du sehn, wie „professionell“ ich meine Zeit hier anwende. Ich lese nichts, schreibe nichts. Schon des dreimaligen Arseniks im Tag wegen muß man Mahlzeiten und die Zeiten des Herumbummelns an der See und auf den nachbarlichen hills so einrichten, daß man „keine Zeit“ findet zu andern Dingen. Und Abends ist man zu müde, um etwas andres zu tun als zu schlafen. Das Wetter ist im Ganzen etwas rauh, und namentlich bläst hier oft ein Wind vom Osten, der somewhat chilling, aber auch daran ist man bald gewöhnt. Wie sehr ich mich erholt habe, kannst Du daraus sehn, daß ich letzten Sonntag per pedes nach Canterbury (17 miles von hier) in weniger als 4 Stunden marschierte. Was den geselligen Verkehr hier angeht, so existiert er natürlich nicht. Ich kann singen mit dem miller of the Dee: „I care for nobody and nobody cares for me.“

Vorgestern Abend mußte ich nach London, um einer „Gesellschaft“ bei meinen Töchtern beizuwohnen. Mein Onkel hatte ihnen Weihnachten 5 £ geschickt, die aber zu general purposes ihnen „entlehnt“ wurden und die sie erst zurückerhielten, sobald Dein Geld ankam. Sie arrangierten damit ihre jährliche „party“ und bombardierten mich so mit Briefen, daß ich nach London „machte“, wie Herr Nothjung zu sagen pflegte. Ich kehrte aber gleich den nächsten Morgen (i. e. gestern) hier nach meiner Einsiedelei zurück.

Bevor ich hierhin aufbrach (was Mittwoch, 14. März, geschah), mußte ich, obgleich damals noch in sehr elendem Zustand, 12. und 13. März nacheinander den Abendsitzungen, erst der shareholders des Commonwealth und zweitens am 13. des Central Council beiwohnen.

Bei der erstern Gelegenheit hatte Herr Cremer alles arrangiert, um Eccarius an die Luft zu setzen, was ohne mein Erscheinen wohl geschehn wäre. So hatte die Sitzung nur den Erfolg, daß Herr Cremer „freiwillig“ abtrat von der Redaktion. Wie die Sache weitergegangen ist, weiß ich nicht, denn alles war nur „provisorisch“ für eine Woche settled und das allgemeine shareholdersmeeting für den 19. März vertagt. Doch wird es wohl auch hier heißen: Beati possidentes, und zunächst war Eccarius, in Folge jener Sitzung, der possidens.

Die Intrige im Central Council hing eng zusammen mit den rivalries and jealousies in Bezug auf das Journal (Herr Howell wünschte Editor in chief zu werden und Herr Cremer ditto). Herr Le Lubez hatte das benutzt, um gegen German influence zu wühlen, und in der Sitzung vom 6. März fand eine schön und still vorbereitete Szene statt. Es erschien nämlich plötzlich Major Wolff und hielt eine feierliche Rede in seinem und Mazzinis Namen und dem der Italian society gegen die Antwort auf Vésiniers Attacke, die Jung im Namen des Central Council dem „Echo de Verviers“ zugeschickt hatte. Er attackierte Jung und (impliciter) mich sehr heftig. Der alte Mazzinism von Odger, Howell, Cremer usw. machte sich Luft. Le Lubez schürte das Feuer und, at all events, wurde eine Resolution passiert, die mehr oder minder amende honorable für Mazzini, Wolff etc. einschloß. Du siehst, die Sache war ernsthaft. (Von den Foreigners waren nur a few present und keiner stimmte.) Es wäre ganz artiger Streich von Mazzini, mich die Gesellschaft so weit bringen zu lassen und sie dann sich anzueignen. Er verlangte von den Engländern, als Chef der kontinentalen Demokratie anerkannt zu werden, als ob die Herrn Engländer uns Chefs zu ernennen hätten!

Am Sonnabend (10. März) versammelten sich die Foreign secretaries der Gesellschaft bei mir, um Kriegsrat zu halten (Dupont, Jung, Longuet, Lafargue, Bobczynski). Es wurde beschlossen, daß ich unter allen Umständen Dienstag (13.) im Council erscheinen und gegen die Proceedings im Namen aller Foreign secretaries protestieren sollte. Die Proceedings waren nämlich irregulär, weil Wolff aufgehört hat, member of the Council zu sein, in seiner Gegenwart also keine Resolution passiert werden durfte über eine Sache, worin er persönlich impliziert war. Ich sollte ferner das Verhältnis Mazzinis teils zu unsrer Gesellschaft, teils zu den continental workingmen’s parties auf dem Kontinent auseinandersetzen usw. Endlich sollten die Franzosen César Orsini mitbringen und er (der by the by persönlicher Freund Mazzinis) evidence geben über Mazzini, Wolff und den state of „socialism“ in Italien.

Die Sache ging über alles Erwarten gut ab; nur war leider (wegen der Reformliguescheiße) das englische Element nicht stark vertreten. Dem Lubez wusch ich den Kopf. Jedenfalls ist den Engländern (in der Tat ist auch hier nur eine Minorität gemeint) klar geworden, daß das ganze Continental element wie Ein Mann mit mir zusammenhängt und daß es sich hier keineswegs, wie Herr Lubez insinuiert hatte, um German influence handelt. Lubez hatte ihnen beizubringen gesucht, daß ich als leader des English element des Council die übrigen continental elements down hielte; die Herrn Engländer haben sich jetzt umgekehrt überzeugt, daß ich sie durch das continental element vollständig in der Hand habe, sobald sie Eselssprünge machen. Weiteres hierüber das nächstemal.

Ehe ich herging, habe ich zu Haus natürlich die schreiendsten debts abgezahlt, da ich sonst keine ruhige Stunde gehabt hätte. Wenn Du mir Ende dieses Monats noch eine Kleinigkeit schicken kannst, ist es mir lieb. Unterdessen wird die Vollmacht vom Cape endlich anlangen und so, wenn auch nichts Bedeutendes, doch immer etwas in die Kasse fließen.

My compliments to Mrs. Lizzy.

Dein K. M.