Text nach der Marx-Engels-Gesamtausgabe, I. Abteilung, Band 2 (Berlin 1930, S. 7-10), ohne den textkritischen Apparat der Herausgeber. Erstdrucke: „Die Beduinen“ im Bremischen Conversationsblatt, 16. September 1838, Nr. 40, S. 257; „An die Feinde“ im Stadtboten, Bremen, 24. Februar 1839, Nr. 4 (nachgedruckt im Bremischen Unterhaltungsblatt, 27. Februar 1839, Nr. 17); „An den Stadtboten“ im Bremischen Unterhaltungsblatt, 27. April 1839, Nr. 34, S. 280. Traducción al español.

Die Beduinen

Die Glocke tönet, und empor
Der seid’ne Vorhang rauscht alsbald,
Aufmerksam lauschet jedes Ohr
Jedwedem Wort, das dort erschallt.

Doch heut ist’s nicht der Kotzebue,
Dem sonst ihr schallend Lachen zollt,
Heut tritt nicht Schiller ernst hervor,
Ausgießend seiner Worte Gold.

Der Wüste Söhne, stolz und frei,
Sie treten still zu euch heran;
Der edle Stolz — er ist vorbei,
Die Freiheit — sie ist abgetan.

Da springen sie für Geld herum, —
Der Knab’, so in der Wüste sprang
In Jugendlust; doch alle stumm,
Nur einer singt ’nen Klaggesang.

Man wundert sich ob ihrer Kraft,
Ja, wie man sonst dem Kotzebue
Geklatscht, wenn er sein Krämchen schafft,
So klatschet ihnen jetzt man zu. —

Ihr Wüstensöhne, flink und stark,
Ihr zogt wohl sonst im Mittagsstrahl
Hin durch Marokkos sand’ge Mark,
Und durch das milde Datteltal!

Ihr streiftet durch die Gärten hin
Des Landes Biled ul Dscherid,
Zum Raube stand der mut’ge Sinn,
Zum Kampfe ging der Rosse Schritt!

Ihr saßet wohl im Mondenglanz
Am Palmenquell im dürren Land,
Und holder Märchen bunten Kranz
Flocht euch ein schöner Mund gewandt.

Ihr schlummertet im engen Zelt
Im Arm der Liebe träumevoll,
Bis Morgenlicht den Himmel hellt,
Und der Kamele Brüllen scholl.

Jetzt springet ihr für Geld herum —
Nicht der Natur urkräft’ger Drang —
Das Aug’ erloschen, alle stumm,
Nur einer singt ’nen Klaggesang.

An die Feinde

Könnt Ihr nie ein treues, redlich Streben,
Nie ein gutgemeintes Wort
Lassen sich auf seine Art erheben,
Und im Stillen wirken fort?
Freilich, wer es will, der kann verdrehen
Jedes Wort mit leichter Müh’,
O, Ihr könnt im Guten Schlechtes sehen,
Schlecht macht Ihr das Gute aber nie!

Meint Ihr selber Vorteil draus zu ziehen,
Wenn Ihr And’rer Wort und Werk’
Zieht herab! Nein! Ehre wird Euch fliehen,
Schafft Ihr sie Euch nicht durch eig’ne Stärk’!
Wollt Ihr steigen, müßt Ihr selbst ja handeln,
Selber schaffen mit dem eig’nen Sinn,
Andern nach auf ihrem Pfad zu wandeln,
Sie verkleinernd, bringt Euch nicht Gewinn!

Sagt, und könnt Ihr denn dem Boten schaden,
Dem Ihr hämisch Schlingen legt?
Laßt ihn gehen doch auf seinen Pfaden,
Wenn er ringsum seine Botschaft trägt!
Wahrheit bleibt’s doch, wenn er Wahrheit bringet,
Und erhebend über List und Trug.
Ihm ein altes Wort zum Herzen dringet:
„Redlich Streben ist sich selbst genug!“

An den Stadtboten

Stadtbote, hör’s, doch ärg’re Dich nicht drüber
Wie man zum Besten lange Dich gehabt,
Denn merke Dir’s, man spottet deß, mein Lieber,
Der stets sich zeigt nur als übergeschnappt.
Dein blauer Freudenhimmel wird stets trüber,
Nun Du ein Vierteljahr herumgetrabt,
Was Du zu sagen, Edler, dich beflissen,
Das hast Du alles wiederkäuen müssen.

Ich nahm stets aus Dir selber meine Themata,
Du hast sie Alle selbst nur präparieret,
Aus Deinen Reden machte ich Poemata,
Drin hab’ ich Dich, allein Dich persiflieret;
Nimm ihnen nur des Reims, der Metrik Schemata,
So wird Dein Ebenbild Dir vorgeführet;
Nun fluch’, beliebt es Dir, vom Zorne wild entbrannt
Auf Deinen ganz ergeb’nen

Theodor Hildebrand