Text nach der Marx-Engels-Gesamtausgabe, I. Abteilung, Band 2 (Berlin 1930, S. 42-43), ohne den textkritischen Apparat der Herausgeber. Erstdruck: Elberfelder Zeitung, 9. Mai 1839, Nr. 127. Der Titel stammt von den Herausgebern der MEGA. Traducción al español.
† Elberfeld, den 6. Mai.1 Herrn Dr. Runkel in Elberfeld. Sie haben mich und meine Briefe aus dem Wuppertal in Ihrer Zeitung heftig angegriffen, haben mir absichtliche Entstellungen, Unkenntnis der Verhältnisse, Persönlichkeiten, ja Unwahrheiten vorgeworfen. Daß Sie mich einen Jungdeutschen nennen, kann mir gleichgültig sein, da ich weder die Vorwürfe, die Sie der jungen Literatur machen, anerkenne, noch zu ihr zu gehören die Ehre habe. Ich habe Sie bisher als Literat und Publizisten nur geachtet, meine Ansicht dahin auch im zweiten Artikel ausgesprochen und absichtlich die von Ihnen herrührenden Gedichte im Rheinischen Odeon nicht erwähnt, weil ich diese nicht hätte loben können. Absichtliche Entstellung kann man jedem vorwerfen und pflegt dies auch überall zu tun, wo eine Erzählung nicht mit des Lesers vorgefaßten Meinungen stimmt. Warum haben Sie mir keine einzige nachgewiesen? Was die Unkenntnis der Verhältnisse betrifft, so hätte ich diesen Vorwurf am wenigsten erwartet, wenn ich nicht wüßte, wie sehr diese Redensart eine nichtssagende, überall in Ermangelung eines Besseren gebrauchte Floskel geworden ist. Ich habe mich vielleicht doppelt so lange im Wuppertal aufgehalten wie Sie, habe in Elberfeld und Barmen gewohnt und die günstigste Gelegenheit gehabt, das Leben aller Stände genau zu beobachten. —
Herr Runkel, auf Genialität, wie Sie mir vorwerfen, mache ich keine Ansprüche, aber dazu gehörte wahrlich ein außerordentlich stupides Ingenium, unter solchen Umständen die Verhältnisse nicht kennen zu lernen, besonders wenn man sich darum bemüht. Persönlichkeiten — ein Prediger, ein Lehrer ist so gut wie ein Schriftsteller ein öffentlicher Charakter, und eine Schilderung seines öffentlichen Auftretens nennen Sie doch wohl keine Persönlichkeit? Wo habe ich Privatangelegenheiten zur Sprache gebracht, wo nun gar solche, die die Nennung meines Namens erforderten, wo dergleichen verspottet? Und was die mir aufgebundenen Unwahrheiten betrifft, so sehe ich mich, so gern ich alle Klopffechterei oder nur Aufsehen vermieden hätte, genötigt, um weder den Telegraphen noch meine anonyme Ehre zu kompromittieren, Sie aufzufordern, mir doch aus der „Fülle von Unwahrheiten“ nur Eine nachzuweisen. Ehrlich gesagt, zwei sind wirklich drin. Die Umdichtung von Stier ist nicht wörtlich abgedruckt, und mit dem Reisen des Herrn Egen ist es nicht so schlimm. Aber nun haben Sie doch die Güte, das Kleeblatt voll zu machen! Ferner sagen Sie, ich hätte nicht eine einzige Lichtseite der Gegend dargestellt. Das ist wahr; im einzelnen habe ich überall das Tüchtige anerkannt (nur Herrn Stier habe ich nicht in seiner theologischen Bedeutsamkeit dargestellt, was mir wirklich leid tut), aber im allgemeinen habe ich keine reinen Lichtpartien finden können; die Darstellung derselben erwarte ich gleichfalls von Ihnen. Ferner ist es mir nicht eingefallen, zu sagen, die rote Wupper werde bei Barmen wieder klar. Das ist ja Unsinn, oder fließt die Wupper bergan? Zum Schluß bitte ich Sie, erst zu urteilen, nachdem Sie das Ganze gelesen und den Dante künftig wörtlich oder gar nicht zu zitieren; er sagt nicht: qui si entra nell’ eterno dolore, sondern per me si va nello eterno dolore (Inferno III, 2). —
Der Verfasser der Briefe aus dem Wuppertal.
Diesen Artikel fanden wir gestern in unsrer Wohnung vor, ohne zu wissen, von wem er zugesandt worden. Wir drucken ihn wörtlich ab, da wir gern unparteiisch verfahren, bemerken aber unsrerseits, daß wir unsre allgemein ausgesprochenen Behauptungen nur dann in Details verteidigen, wenn, was wir getan haben, jener Wuppertaler Briefsteller sich genannt haben wird. — D. Red. d. Elberf. Ztg. ↩