Text nach der Marx-Engels-Gesamtausgabe, I. Abteilung, Band 2 (Berlin 1930, S. 17-18), ohne den textkritischen Apparat der Herausgeber. Erstdruck: Deutscher Courier, 3. Januar 1841, Nr. 1, S. 8. Traducción al español.
Gedicht von Friedrich Oswald
Ich fuhr bei dunkler Nacht allein im Wagen
In einem deutschen Lande, das Ihr kennet,
Wo rings, zu Boden von der Macht geschlagen,
Manch’ Mannesherz im heißen Zorn entbrennet;
Im Zorne, daß die Freiheit, die errungen
Mit saurer Müh’, in ruhelosem Wachen,
Vertrieben ward, und nun von feilen Zungen
Verspottet wird, verhöhnt mit Schimpf und Lachen.
Ein dichter Nebel deckte Haid’ und Fluren,
Nur selten, daß des Windes Stöße trafen
Die Pappeln, die aus ihrem Schlummer fuhren
Erschreckt, um eilig wieder einzuschlafen.
Doch hell die Luft; Damokles Schwerte gleichend,
Hängt über jener Stadt, dahin ich eile,
Des Mondes scharfe Sichel — fernhinreichend
Ist Königszorn, und trifft in kurzer Weile!
Und um des Wagens Räder springend bellen
Die Hunde auf zu mir; sind sie erbittert,
Verwandt der Hauptstadt feilen Schreibgesellen,
Weil meinen freien Geist sie ausgewittert?
Was kümmern die mich? tief gedrückt ins Kissen,
Leb’ ich in Zukunftsträumen, freien, dreisten:
Laßt Euch nicht irre machen, denn wir wissen,
Wenn nah’ der Morgen, drückt der Alp am meisten!
Und ja, der Morgen ist herbeigekommen,
Sein Stern flammt vor ihm her, den Weg bereitend,
Der Freiheit Glocken wecken alle Frommen,
Nun nicht mehr Sturm, nein, heitern Frieden läutend!
Des Geistes Baum mit Wurzelarmen preßte
Den Rest der abgestorb’nen Zeit zu Trümmern,
Und über alle Welt streu’n seine Äste
Die Blüten aus, die ewig golden schimmern!
So schlief ich ein; und Morgens drauf erwachend,
Sah’ ich die Erde selig, lichtumfangen,
Und vor mir Stüve’s Stadt, umglänzt und lachend,
Der Freiheit Stadt, im Morgenlichte prangen.