Ohne Unterschrift erschienen in der Neuen Rheinischen Zeitung, Nr. 48, 18. Juli 1848 (Köln), S. 3, Rubrik „Italien“ (ohne die als übernommen gekennzeichnete Meldung: Roverbello, 4. Juli [Avvenire dell'Italia]); von der MEGA² (I/7) Friedrich Engels zugeschrieben. Text nach dem Original der Zeitung (Digitale Sammlungen der USB Köln). Traducción al español
*Florenz, 6. Juli. In der heutigen Sitzung der Deputirtenkammer erklärte der Finanzminister auf eine Interpellation, daß der Pater Gavazzi, der durch seine republikanisch-soziale Predigten zum Tumult Veranlassung gegeben, den Befehl erhalten habe, sich zu entfernen und auch bereits abgereist sei. Morgen wird in der Kammer wegen der Lage der toskanischen Truppen und der Angelegenheiten des Unabhängigkeitskampfes überhaupt interpellirt werden.
Venedig. Der Beschluß der Repräsentanten der Stadt und Provinz Venedig über die Politik des Landes lautet nach der „Reforme“ wie folgt:
„In Anerkennung der hohen Nothwendigkeit, ganz Italien von der Fremdherrschaft zu befreien und den Unabhängigkeitskrieg mit der größtmöglichsten Wirksamkeit fortzuführen, beschließen wir als Venetianer, im Namen und im Interesse der Provinz Venedig, und als Italiäner im Interesse der ganzen Nation, die unmittelbare Verschmelzung der Stadt und Provinz Venedig mit den sardinischen Staaten zugleich mit der Lombardei und unter denselben Bedingungen wie die Lombardei, der wir in jedem Fall für immer inkorporirt bleiben wollen, und deren politische Geschicke wir mit den übrigen venetianischen Provinzen fortan theilen werden.
*Bozzolo, 4 Juli. Nach dem „Eco del Po“ wäre der Herzog von Genua in Roveredo eingedrungen. Eine zweite Nachricht sagt: Der Herzog von Savoyen marschirt mit 30,000 M. gegen Tirol.
*Rom, 7. Juli. Gestern traf General Durando hier ein und wird nun bald über seine Theilnahme am Freiheitskampfe Rechenschaft ablegen. In der Sitzung der Deputirtenkammer erklärt der Minister Mamiani, daß die römischen Soldaten, welche in Vicenza kapitulirt, die dort eingegangenen Bedingungen erfüllen sollen, wenn gleich der östreichische General durch das Dekret wegen der Güter-Konfiskationen seinerseits die Bedingungen verletzt habe.
*Turin, 10. Juli. Die Deputirtenkammer hat vorgestern und gestern über das zweite Unionsgesetz immerfort diskutirt. Ein erwärmender Zwischenfall ereignete sich, als der Minister des Auswärtigen die Abstimmung in Venedig: Union mit Piemont, verkündete. Da wollte der Beifallssturm kein Ende nehmen. Ob man endlich heute mit oben erwähntem Gesetz zu Ende kommen wird, steht noch sehr dahin. Anzani, Garibaldi’s Gefährte, ist in Genua gestorben; sein Leichenbegängniß fand am 8. d. statt. Die Nationalgarden und die ganze übrige Bevölkerung wohnte der Feierlichkeit bei.
Der Großherzog von Toscana hat den bekannten Gioberti, Kommis Voyageur Karl Albert's zum Professor honorarius an der Universität Pisa ernannt.
*Turin, 10. Juli. Nach Berichten aus Modena ist ein Theil der piemontischen Armee über den Po gegangen, um nach dem Venetianischen vorzudringen. In der Nacht vom 5. d. machten die Oestreicher einen Ausfall gegen Villafranca, um die Arbeiten des Feindes zu zerstören; sie wurden indeß zurückgeschlagen. (Il Risorgimento.)
‖ Neapel, 4. Juli. Gestern Abend ließ die Regierung von 10 offiziellen Sbirren im Kafé de Angelis einen Angriff auf Silvio Spaventa, Deputirten aus den Abruzzen machen, von dem sie Widerruf eines von ihm im „Nazionale“ veröffentlichten Artikels forderten. Der Deputirte weigerte sich jedoch entschieden und die Sbirren zogen nach der Druckerei des Blattes, wo sie Alles niederzumachen drohten. Nisco begab sich zum Polizei-Direktor und verlangte Schutz gegen die Soldateska. Er bekam zur Antwort: Der Direktor billige das Verfahren der Soldaten; es sei nöthig, mit den Säbeln zu verhindern, daß dergleichen Sachen ferner geschrieben würden; er werde die Deputirten schon zum Gehorsam und Respekt heranbilden u. s. w. (In Mainz, Mannheim etc. etc., hat der Säbel auf ähnliche Weise die Censur ausgeübt.) Der Deputirte Spaventa aufs Neue von der Soldateska bedroht, mußte sich zum franz. Konsul flüchten. Die Abgeordneten der Schweizerischen Tagsatzung sind hier im Gasthof von New-York abgestiegen und empfangen von 10 bis 5 Uhr alle Reklamationen und Berichte, welche man ihnen über die Ereignisse des 15 Mai zukommen lassen will.
— Gestern Abend traf hier von Potenza eine Estaffette an die Deputirten jener Provinz ein mit der Weisung, sie sollten auf den bis zum 15. Mai erlangten Konzessionen fest beharren. Bleibe die Regierung noch 8 Tage (vom Abgange des Kouriers an gerechnet, 29. Juni) bei ihren jetzigen Plänen und Vorschlägen, so würden die 5 föderirten Provinzen (Terra di Bari, Terra d'Otranto, Capitanata, Molise und Basilicata) mit Kalabrien gemeinschaftliche Sache machen. Die Schiffsmannschaft des Dämpfers „Roberto“ darf weder ans Land, noch überhaupt mit Jemanden verkehren, damit nicht die neuesten Nachrichten aus Kalabrien unters Publikum gelangen. Pizzo ist von den neapolitanischen Soldaten in derselben Weise geplündert und verwüstet worden, wie Neapel am 15. Mai. In Bari ist bereits eine provisorische Regierung eingesetzt; ihre Mitglieder sind: Avella, Guarnieri, Anielle, Milella und Freso.