Ohne Unterschrift erschienen in der Neuen Rheinischen Zeitung, Beilage zu Nr. 55, 25. Juli 1848 (Köln), S. 1; von der MEGA² (I/7) Friedrich Engels zugeschrieben. Text nach dem Original der Zeitung (Digitale Sammlungen der USB Köln). Traducción al español

*Turin, 15. Juli. In der gestrigen Sitzung der Deputirtenkammer fordert Valeria, daß auf die nächste Tagesordnung das Gesetz über die Mobilmachung von 50 Bataillonen gesetzt werde. Er hält dies für um so nothwendiger, als Privatbriefe und Journale aus Deutschland von neu anrückenden Verstärkungen der östreichischen Macht sprechen. Lanza wird demzufolge morgen seinen Bericht erstatten. Es werden hierauf die Berichte über eine Masse Petitionen verlesen, von denen die Eine über Eingriffe des Clerus in die Civilgesetzgebung, besondere Aufmerksamkeit erregt. Der Justizminister erklärt, daß mit Rom bereits dieserhalb Unterhand- [...] der Jesuitinnen vom „geheiligten Herzen“, und bei dieser Gelegenheit um die zur Untersuchung der reaktionären Umtriebe niedergesetzte Kommission. Chenal erklärt: „bis heutigen Tages hat das klerikale Joch auf meinem Lande (Savoyen) so barbarisch gelastet, daß die Landbevölkerung noch ganz unter dem Einflusse der Furcht und Einschüchterung steht. Die Regierung und die Geistlichkeit sind in jener Gegend noch gleich bedeutend. Die Geistlichen füllen die Antichambres der Provinzialkommandanten. In einer Menge von Kommunen haben sie die Munizipal - Kollegien mit ihren Kreaturen besetzt. Wundert Euch also nicht, daß die Geistlichen im Interesse eines freiheitmörderischen Ordens Unterschriften zusammenzubringen vermochten. Um dies besser zu erreichen, verbreiteten sie überall, man wolle die Kommunen ihrer Einkünfte berauben, piemontesische Schullehrer an die Stelle der savoyardischen setzen und die Schwestern vom h. Joseph vertreiben. So sind die Bewohner auf alle Weise getäuscht und aufgeregt worden. Allein solche Unverschämtheit wird eines Tags der gerechten Strafe nicht entgehen“ …. Der Redner geht hier in eine ausführliche Schilderung des Verfahrens der Schwestern vom „geheiligten Herzen“ ein und weist nach, welch verderblichen Einfluß sie bisher mittelst der Jugenderziehung auf ganz Savoyen ausgeübt. Er schließt unter lautem Beifallsruf mit folgenden Worten: „Indem die Damen vom „geheiligten Herzen“ die heiligen Grundsätze Christi mißachteten, sich lediglich mit dem Interesse der bevorrechteten Klassen beschäftigten und dem demokratischen Geist überall entgegentraten, haben sie gezeigt, daß sie nur ein egoistisches, ausschließliches Interesse vertreten und daß es nöthig ist, ihren Einfluß aus allen Kräften zu neutralisiren.“ Die Kommission wird sich bald an's Werk begeben; sie hat diskretionäre Vollmacht und soll sobald als möglich, ihren Bericht vorlegen.

*Florenz, 16. Juli. Eine Extra-Beilage zur „Alba“ enthält die Nachricht, daß 5000 Oestreicher unter Anführung des Fürsten v. Lichtenstein am 14. d. in Ferrara eingerückt sind. Lichtenstein nahm in der Festung sein Quartier. Auf Anfrage des Prolegaten, in Betreff der Absichten Oestreichs, erklärte er, seine Truppen verlangten nur 5000 Razionen; sie würden nach deren Empfang die Stadt wieder verlassen, was auch geschah. In der Nacht wurden auf einer Menge Wagen Kriegsmunition aller Art aus der Festung weg transportirt. Man schätzt die Stärke der diesseits des Po befindlichen Oestreicher auf 15,000 Mann, und glaubt, daß sie es auf einen Einfall in's Modenesische abgesehen haben.

(Pariser Journalen zufolge hat die französische Regierung am 22. Juli in einer telegraphischen Depesche dieselbe Nachricht erhalten. Nebstdem wurde auch nach Paris gemeldet, der Papst habe protestirt und die Deputirtenkammer einstimmig die Ligue aller italienischen Staaten gegen Oestreich beschlossen. Die französische Regierung soll aber denselben Tag die Nachricht erhalten haben, die Oestreicher hätten die Stadt wieder geräumt nach neuer Verproviantirung der Citadelle. Mehrere höhere Offiziere des Geniekorps sollen von der französischen Regierung die Erlaubniß erhalten haben, in der Armee des Königs von Sardinien zu dienen.)

*Palermo, 11. Juli. Nachdem das Parlament den Herzog von Genua unter dem Titel: Alberto Amadeo I. König von Sizilien gewählt, erließ es folgende Proklamation:

„Sizilianer! Unsere Wünsche sind erfüllt, eine verabscheute Dynastie vertrieben und ein König durch die einmüthige Stimme des Volkes erwählt. Der Kämpfer von Peschiera und Goito, der Herzog von Genua, Alberto Amadeo, soll der konstitutionelle König der Sizilianer sein. In voller Lebenskraft, ein erprobter Freund des Volkes und von geprüfter Tapferkeit, ist er würdig, als König einer kriegerischen Nation. Er liebt eine wohlgeordnete, aber keine zügellose Freiheit. Danken wir dem Höchsten und erkennen wir in unserer Wiedergeburt den allmächtigen Arm, durch den trotz aller Hindernisse, die in Folge von unermüdlichen Wechselfällen oder Treulosigkeit einzelner Menschen dazwischen traten, das Werk vollendet worden. Ehre der Nationalgarde und Allen, die zur Aufrechthaltung der innern Ruhe beigetragen. Ehre dem ganzen Volke, das sich eben so muthig im Kampf, als gemäßigt im Siege bewiesen. Laßt uns endlich jenen Nationen, welche die Sache Siziliens nicht allein geachtet, sondern ihr auch Beifall zugejauchzt haben, unsern Dank abstatten. Möge indeß die Freude uns nicht einschläfern; erneuern wir vielmehr unsern Schwur und fachen wir unsern heiligen Eifer auf's Neue an. „Einigkeit, Ordnung und Festigkeit.“ Nachdem wir unser Recht durch unser Blut zurückgewonnen, wollen wir schwören, es auch mit unserm Blut zu bewahren. Der räuberische Bourbone wird nicht länger seine Gedanken auf das reiche Sizilien richten. Er weiß zu gut, daß wir mit unserer Brust Land, Freiheit und den Fürsten vertheidigen werden, den wir uns selbst durch freie Wahl erkoren. Lange lebe Sizilien! Lange lebe die Verfassung! Hoch der Erwählte der Sizilianer!“

*Rom, 14. Juli. In der Deputirtenkammer legte gestern der Minister des Innern folgenden Gesetzentwurf vor:

„Art. 1. In allen Postbureaus ist das Briefgeheimniß stets und in allen Fällen, welche sie auch immer sein mögen, unverletzlich zu bewahren.

Art. 2. Wer von den Ministern Briefe öffnete oder öffnen ließe, ist Staatsverräther und als solcher in Anklagestand versetzt und vor Gericht gestellt.“

Donnernder Applaus folgte dem Verlesen dieses Dekrets.

(Man vergleiche damit die betreffenden $$ in dem saubern Verfassungsentwurf, den das Ministerium Camphausen den Vereinbarern vorgelegt, um sich zu überzeugen, daß die preußischen Minister bei denen in Rom vorerst einige Jahre in die Schule gehen sollten.)

‖ Neapel, 11. Juli. Da endlich die erforderliche Zahl von Deputirten zusammen gekommen, sind sie zur Wahl eines ordentlichen Präsidenten geschritten. Sie fiel auf Capitelli, einen Mann von großer Festigkeit. Ueber die Vorgänge in Calabrien werden so viele der widersprechendsten Gerüchte verbreitet, daß schließlich Niemand mehr weiß, was eigentlich zu glauben ist. Man kann aber doch aus einzelnen Thatsachen auf den Zustand der Dinge in den insurgirten Provinzen schließen. Allmählig werden noch immerfort Truppen auf Dämpfern und Kauffahrern eingeschifft und nach dem Süden abgesandt. Gestern ging wieder ein Bataillon von der königlichen Leibgarde, das am 15. Mai sich im Banditenhandwerk meisterlich ausgezeichnet, ebenfalls gegen die sonannten „Rebellen“ ab. Daß immer mehr Verwundete hier ankommen, ist für die Sache der Unabhängigkeit ein gutes Zeichen. Man sagt allgemein, daß die in Procida und Castellamare erbauten Hospitäler sämmtlich voll sind. Gestern hieben sich vorm Nolanischen Thor eine Abtheilung Schweizer mit einer Zahl Lazzaroni's. Es gab auf beiden Seiten mehrere Todte und Verwundete. Aehnliche Vorfälle ereigneten sich an andern Punkten der Hauptstadt. Das am 15. Mai bei der Plünderung Neapels zwischen Schweizern und Lazzaroni's abgeschlossene Freundschaftsbündniß hat demnach nicht sehr lange ausgedauert. Der General Winspearl ist aus Calabrien angelangt, um dem Könige über die dortigen Zustände zu berichten. Das sizilianische Parlament hat durch ein Dekret demjenigen Unternehmer, der innerhalb eines Monats eine Waffenfabrik errichtet und aus derselben monatlich wenigstens 1000 Gewehre für dan Gebrauch des Staates liefert eine Prämie von 300 Unzen ausgesetzt.