Ohne Unterschrift erschienen in der Neue Rheinische Zeitung Nr. 72 vom 11. August 1848 (Köln), S. 4; nach der MEGA² (I/7) von Friedrich Engels. Text nach dem Original der Zeitung (Digitalisat der USB Köln). Traducción al español
* Nach Briefen, die über Paris kommen, wäre Karl Albert nochmals vor den Thoren Mailands geschlagen worden, und hätte sich darauf in sein Land zurückgezogen; Andere behaupten, er sei allerdings in der Nähe Mailands bei einem neuen Angriff der Oestreicher unterlegen, er habe sich aber nach Mailand geworfen und werde dort von Radetzky belagert. Außerdem heißt es, daß Radetzky die englisch-französische Vermittelung zurückweise und, als Hauptgrund anführe, daß die französische Republik von Oestreich noch nicht anerkannt worden!
Die „Gazette piemontaise“ vom 3. Aug. läßt Karl Albert's Hauptquartier in Lodi sein; die piemontesische Artillerie und Kavallerie sei fast ohne alle Beschädigung weggekommen. General Sommariva, Befehlshaber der Artillerie-Division, soll sich nach Piacenza gewandt haben, um diesen Platz und das rechte Po-Ufer zu vertheidigen. Die Oestreicher haben gegen Venedig mittelst Brander einen Angriff versucht, der aber zurückgeschlagen worden.
Das „J. des Deb.“ bestätigt die Absendung Sommariva's nach Piacenza; er soll dort die piemontesischen Truppen aus Parma und Modena, und die von Genua her anrückenden Verstärkungen an sich ziehen. Wird er durch Uebermacht angegriffen, so soll er nach der Festung Tortona zurückweichen.
Nachrichten aus Mailand vom 4 Aug. lauten dahin, daß Radetzky allerdings vor Mailand lagert, woraus hervorgeht, daß alle Uebergänge über die Adda erzwungen worden. Das Vertheidigungskomité hat Mailand in Belagerungszustand erklärt; die Bevölkerung soll zum kräftigen Widerstande und zur Nachahmung Saragossa's entschlossen sein.
Bern, 7. Aug. Der Vorort hat heute von dem Tessin’schen Stadtrath aus Lugano vom 5. August verschiedene Nachrichten erhalten:
Am Vormittag. „Karl Albert steht mit 40,000 Mann unter den Mauern von Mailand den Oestreichern gegenüber. Die Mailänder sind furchtbar gerüstet, entschlossen das Aeußerste zu wagen. Die Emigration der Mailänder nach Tessin dauert fort. Wir haben 20 Mann an die Grenze beordert, um Ordnung zu halten.“
Abends 11 Uhr. „Der Syndik von Chiasso meldet uns durch eine Estaffette: Die Oestreicher sind zufolge einer Kapitulation in Mailand eingerückt. Karl Albert hat sich zurückgezogen. Ein Kampf hat nicht stattgefunden. — Die Oestreicher sind nach Como und weiter vorgedrungen.“
Mitternacht. Die soeben angekommene Post bestätigt die stattgehabte Kapitulation. In Mailand herrscht große Bestürzung. Alles war verbarrikadirt, Alles zur äußersten Gegenwehr gerüstet. Die einzige bekannt gewordene Bedingung der Kapitulation ist die: „Es steht Jedem frei, von heute Morgen an bis heute Abend sechs Uhr die Stadt Mailand zu verlassen.“
In Basel war zwar die Mailänder Post ausgeblieben, dagegen ein Brief aus Como vom 5. August angekommen, welcher am Schlusse meldet, daß Mailand kapitulirt hat.
* Florenz, 1. August. Das Ministerium hat gestern seine Demission gegeben, die auch angenommen worden. Wer mit Bildung eines neuen beauftragt werden wird, weiß man noch nicht. Die Deputirtenkammer (il Consiglio Generale) hat die sofortige Mobilmachung der Bürgergarde beschlossen; 10,000 Mann sollen binnen einigen Tagen bewaffnet und schlagfertig sein. Der Deputirte Malenchini schlug der Versammlung und der Regierung den Major Camminati zum Chef der mobilisirten Bürgergarde vor. Dies ist ein Mann, der eben so wohl die nöthigen Kenntnisse, als das Vertrauen des Volkes besitzt.