Ohne Unterschrift erschienen in der Neue Rheinische Zeitung Nr. 100 vom 12. September 1848 (Köln), S. 3; nach der MEGA² (I/7) von Friedrich Engels. Text nach dem Original der Zeitung (Digitalisat der USB Köln). Traducción al español

* Das neapolitanische Geschwader ist nun wirklich gegen Sizilien hin aufgebrochen. Es wird sich bald zeigen, ob Frankreich und England die bombardirende Majestät von Neapel ihre Lieblingspläne ungestört zur Ausführung bringen lassen. — Der Herzog von Modena hat mit seiner Kamarilla ein Bürgerwehrgesetz ausgearbeitet, in welchem sich unter andern schönen Bestimmungen auch folgende finden: Fahnen und Kokarden sollen die estensischen sein; die Bürgergarde schwört Treue dem östreichisch-estensischen Hause; ein Drittel der Bürgergarde wird stets mobil gehalten, um auf ein Zeichen des Herzogs zur Vertheidigung seiner Souveränetätsrechte zu marschiren, wohin er befiehlt; vom Lieutenant aufwärts ernennt der Herzog allein sämmtliche Offiziere etc. Die Bürger sind entschlossen, den Eid zu verweigern und das Gesetz, sobald es erscheint, zu zerreißen und den Flammen zu überliefern. In Parma soll es zu einem blutigen Zusammenstoß zwischen dem Volk und den Oestreichern gekommen sein, indem Letztere eine starke Contribution ausschrieben und als sie binnen 4 Stunden nicht beisammen war, Gewalt anwandten.

Der sardinische Gesandte in Florenz hatte das Journal „il Popolano“ wegen Injurien und Verläumdungen gegen Karl Albert gerichtlich belangt. Am 31. August wurde der Prozeß verhandelt: die Geschworenen erklärten nach kurzer Berathung: „nicht schuldig.“ Livorno ist ruhig.

Kaum hat der Pabst die Kammern so plötzlich vertagt, daß die letztern kaum wußten, wie ihnen geschah: so folgt Ferdinand von Neapel diesem Beispiele. Die Kammern sind dort ebenfalls vertagt. So gewinnt die reactionäre Partei überall freie Hand. In Toscana steigende Erbitterung wegen Suspendirung der konstitutionellen Garantien. Einige 100 Polen sind in Livorno angelangt; sie begeben sich nach Venedig, um gegen Oestreich kämpfen zu helfen. Die Vorfälle in Genua (in Folge der willkürlichen Verhaftung de Boni's) zeigen, daß die Camarilla noch nicht stark genug ist, um in jener Stadt ihre Pläne durchzusetzen. Turin spricht laut seine Billigung aus zu dem Verfahren der Genuesen. Die Piemontesen verlangen, daß wegen des Eintritts eines neuen Kabinets die vertagten Kammern schleunig zusammengerufen werden. Statt dessen geht aber das Kabinet Revel damit um, die Kammern völlig aufzulösen. Unter solchen Umständen macht der Eid, den jetzt die Truppen auf die Verfassung leisten — wie dies am 3. d. in Turin geschah — geringen Eindruck.

Mailand. Aus einer Kundmachung des Militärgouverneurs v. Wimpffen vom 4. d. ersieht man, daß einige den Versuch erneuern, das Cigarrenrauchen in Verruf zu bringen. Denjenigen, welche die Cigarrenraucher in ihrer individuellen Freiheit zu beeinträchtigen sich erlauben sollten, wird mit der Strenge des Militärgesetzes gedroht.