Ohne Unterschrift erschienen in der Neue Rheinische Zeitung Nr. 155 vom 29. November 1848 (Köln), S. 4; nach der MEGA² (I/8) von Friedrich Engels. Text nach dem Original der Zeitung (Digitalisat der USB Köln). Traducción al español

** Bern. 25. Nov. In der gestrigen Sitzung des Nationalraths wurde die Frage wegen des Bundessitzes ihrer Lösung nicht näher gerückt, vielmehr eher von ihr entfernt. Gegen die Majorität wurde entschieden, den Bundessitz nicht in vereinigter Sitzung beider Räthe, durch geheimes Skrutinium, sondern durch ein von beiden Räthen besonders zu berathendes Gesetz festzustellen. Wie ich schon früher vermuthete, wird in diesem Fall ein Konflikt eintreten; der Nationalrath wird Bern, der Ständerath Zürich wählen. So sagen Mitglieder beider Räthe selbst. Wenn der Ständerath diesen Beschluß nicht wieder aufhebt, so ist nicht abzusehen, wie der Konflikt sich lösen wird. Im Uebrigen wurde der zu erwählenden Bundesstadt auferlegt, die nöthigen Lokale für die gesetzgebenden Bundesversammlungen sowie für die Centralregierung zu beschaffen und zu möbliren, und ebenfalls ein Münzgebäude zu stellen. Hierauf wurde dem Bundesrath ein unbeschränkter Kredit mit großer Stimmenmehrheit bewilligt. Derselbe Kredit wurde gleichzeitig vom Ständerath eröffnet und hat also Gesetzes-Kraft.

Heute war zuerst Sitzung des Ständeraths, dann der vereinigten Räthe, und nachher des Nationalraths. In der vereinigten Sitzung wurden Druey und Franscini als Bundesräthe beeidigt. Was sonst Wichtiges vorgefallen, melde ich Ihnen morgen, da ich verhindert war, den Sitzungen beizuwohnen.