Ohne Unterschrift erschienen in der Neue Rheinische Zeitung Nr. 4 vom 4. Juni 1848 (Köln), S. 1; nach der MEGA² (I/7) von Friedrich Engels. Text nach dem Original der Zeitung (Digitalisat der USB Köln). Traducción al español
* Köln, 3. Juni. Wir lesen in der Düsseldorfer Zeitung (ohne Angabe der Quelle): Königsberg, vom 28. Mai. So eben ist der Befehl eingetroffen, daß von den auf den Kriegfuß gesetzten Festungskompagnien der 1sten Artillerie-Brigade je 30 Mann (und zwar darunter die kürzlich eingezogenen Reservisten) so schleunig wie möglich nach dem Rheine abmarschiren sollen, da die Rheinfestungen Koblenz, Luxemburg, Mainz, Saarlouis ꝛc. schleunigst stärker besetzt werden sollen. Von der in Pillau stehenden Festungskompagnie (woselbst von den Dänen jetzt nichts zu fürchten ist), gehen schon morgen die Mannschaften ab, und die übrigen Festungskompagnien der Brigade werden auch schleunigst die bestimmten Mannschaften absenden. Bis Stettin sollen dieselben sämmtlich so weit als möglich mit Dampfschiffen und von hier aus mit den Eisenbahnen zu den Bestimmungsorten befördert werden.
— Also Herr Camphausen zieht die Truppen von der, durch Hunderttausende von Bajonetten bedrohten russischen Gränze weg, um sie nach der Rheinprovinz zu schicken, und zwar mit der allergrößten Eile, per Dampfboot und Eisenbahn? Herr Camphausen entblößt Königsberg seiner Festungskanoniere, in demselben Moment, wo Rußland mit Krieg droht, wenn nicht Jütland und Schleswig geräumt werden? Und die Rheinfestungen sollen stark besetzt werden, denen noch vor der Hand nicht die geringste Gefahr droht? Neue Reservisten sollen von ihrer Heimath entfernt und in die Rheinprovinz geschickt werden, wo sie sich, wie die Aachner Vorfälle beweisen, in Feindes Land glauben? Das Ministerium möge dem Publikum Aufschlüsse über diese befremdende Truppenversetzung geben.