Ohne Unterschrift erschienen in der Neue Rheinische Zeitung Nr. 284 vom 28. April 1849 (Köln), S. 3; nach der MEGA² (I/9) von Friedrich Engels. Text nach dem Original der Zeitung (Digitalisat der USB Köln). Traducción al español
Ungarn.
* Wir ergänzen kurz die Nachrichten, die wir heute Morgen im Extrablatt mittheilten.
Als Welden in Gran eintraf, wo er sein Hauptquartier aufschlug, traf er, nach der „Wiener Zeitung,“ folgende Dispositionen: Wohlgemuth sollte mit seinen angeblichen „fünf Brigaden“ — in Wahrheit nur 16,000 Mann — in der Gegend von Neutra die über Leva vorrückenden Magyaren von Komorn abhalten. Weiter südlich, zwischen Donau und Gran, sollte die Brigade Veigl das Komorner Belagerungskorps schützen. Das Gros der Kaiserlichen, um Gran und Szent Endré konzentrirt, sollte Waitzen zu nehmen versuchen und dadurch den Magyaren in den Rücken kommen. Die Uebermacht der Ungarn, besonders an leichter Kavallerie und Artillerie, wird vom offiziellen Blatt zugegeben.
Zu gleicher Zeit wird zugegeben, daß 2000 Ungarn bei Duna Földvar über die Donau gesetzt sind und die dortige Gegend insurgiren. Von Földvar bis zur östlichen Spitze des Plattensee's sind etwa zehn Meilen meist sumpfiges Land; haben die Magyaren diese leicht zu vertheidigende Gegend occupirt, so sind sie in ihrer rechten Flanke durch die ganze Ausdehnung des Plattensee's (10—12 Meilen lang) gedeckt und können hinter diesem natürlichen Graben die Insurrektion in aller Ruhe organisiren. Die k. k. Brigade Burits und die fliegende Kolonne Horvath, die ihnen nach Stuhlweißenburg entgegengeschickt ist, wird ihnen nicht viel anhaben können.
Nach der Niederlage Wohlgemuths an der Gran (wobei Welden mit dem Gros ganz ruhig als „Reserve“ bei Gran stehen geblieben zu sein scheint) und nach der Entsetzung Komorn's, das jetzt für die Ungarn einen unschätzbaren Stützpunkt bietet, muß Welden seine Position bei Gran aufgeben, und wird sich den Rückweg nach Raab, der unter den Kanonen des Komorner Brückenkopfs vorbeiführt, vielleicht erst blutig erkämpfen müssen. Raab, Knotenpunkt der beiden nach Pesth führenden Straßen, und die Linie des Raabflusses bildet noch die einzige Position, die für die Kaiserlichen südlich von der Donau vielleicht noch möglich ist. Aber auch hier verhindert das nahe Komorn und das durch zahllose Arme der Donau in lauter Inseln aufgelöste Terrain eine regelmäßige Verbindung zwischen dem Gros und dem Wohlgemuth'schen Corps. Es bleibt keine einzige haltbare Position als die Linie der March und Leitha, d. h. der Rückzug auf östreichisches Gebiet.
Bei dem Auszuge aus Pesth und Ofen herrschte die größte Verwirrung. Die „Gutsinnten“ jammern; der moralische Eindruck der Besetzung beider Städte durch die Revolutionstruppen ist ungeheuer.
Die Bauern und Juden sind durch die Windischgrätz-Stadion'sche Tyrannei den Magyaren überall in die Arme getrieben. Die slovakischen Bauern, die Kossuth ihre Befreiung von den Feudallasten verdanken, und denen Windischgrätz wieder die alte Robot auflegen wollte, schwärmen für die Magyaren, und unterstützen sie überall durch Rapporte, Feuersignale u. s. w.
Das serbische Nationalcomité in Semlin hat sich um Schutz an die Konsuln der drei Großmächte in Belgrad gewandt. Der englische Konsul hat abgelehnt, da das Comité keine regelmäßige legale Behörde sei. Mayerhoffer ist eilends nach Belgrad. So tief ist das „ehrwürdige“ Oestreich gesunken!