Karl Marx, Das Kapital. Kritik der politischen Ökonomie. Dritter Band. Buch III: Der Gesamtprozeß der kapitalistischen Produktion. Herausgegeben von Friedrich Engels; erste Auflage: Hamburg, Otto Meissner, 1894. Text nach MEW 25 (Berlin 1964), verglichen mit MEGA II/15. Traducción al español
Vorwort und Nachtrag · I · II · III · IV · V · VI · VII · Erster Band · Zweiter Band
Einundzwanzigstes Kapitel. Das zinstragende Kapital
Bei der ersten Betrachtung der allgemeinen oder Durchschnittsprofitrate (Abschnitt II dieses Buchs) hatten wir diese letztre noch nicht in ihrer fertigen Gestalt vor uns, indem die Ausgleichung noch bloß als Ausgleichung der in verschiednen Sphären angelegten industriellen Kapitale erschien. Dies wurde ergänzt im vorigen Abschnitt, wo die Teilnahme des Handelskapitals an dieser Ausgleichung und der merkantile Profit erörtert ward. Die allgemeine Profitrate und der Durchschnittsprofit stellten sich jetzt innerhalb engerer Grenzen dar als vorher. Im Fortgang der Entwicklung ist im Auge zu halten, daß, wenn wir fernerhin von allgemeiner Profitrate oder Durchschnittsprofit sprechen, dies in der letztren Fassung geschieht, also bloß mit Bezug auf die fertige Gestalt der Durchschnittsrate. Da diese nunmehr für das industrielle und merkantile Kapital dieselbe ist, ist es auch nicht weiter nötig, soweit es sich nur um diesen Durchschnittsprofit handelt, einen Unterschied zwischen industriellem und kommerziellem Profit zu machen. Ob das Kapital innerhalb der Produktionssphäre industriell oder in der Zirkulationssphäre merkantil angelegt, es wirft pro rata seiner Größe denselben jährlichen Durchschnittsprofit ab.
Geld - hier genommen als selbständiger Ausdruck einer Wertsumme, ob sie tatsächlich in Geld oder Waren existiere - kann auf Grundlage der kapitalistischen Produktion in Kapital verwandelt werden und wird durch diese Verwandlung aus einem gegebnen Wert zu einem sich selbst verwertenden, sich vermehrenden Wert. Es produziert Profit, d.h. es befähigt den Kapitalisten, ein bestimmtes Quantum unbezahlter Arbeit, Mehrprodukt und Mehrwert, aus den Arbeitern herauszuziehn und sich anzueignen. Damit erhält es, außer dem Gebrauchswert, den es als Geld besitzt, einen zusätzlichen Gebrauchswert, nämlich den, als Kapital zu fungieren. Sein Gebrauchswert besteht hier eben in dem Profit, den es, in Kapital verwandelt, produziert. In dieser Eigenschaft als mögliches Kapital, als Mittel zur Produktion des Profits, wird es Ware, aber eine Ware sui generis. Oder was auf dasselbe herauskommt, Kapital als Kapital wird zur Ware.1
Gesetzt, die jährliche Durchschnittsprofitrate sei 20%. Eine Maschine im Wert von 100 Pfd.St. würde dann, unter den Durchschnittsbedingungen und mit dem Durchschnittsverhältnis von Intelligenz und zweckmäßiger Tätigkeit als Kapital verwandt, einen Profit von 20 Pfd.St. abwerfen. Ein Mann also, der 100 Pfd.St. zur Verfügung hat, hält in seiner Hand die Macht, aus 100 Pfd.St. 120 zu machen oder einen Profit von 20 Pfd.St. zu produzieren. Er hält in seiner Hand ein mögliches Kapital von 100 Pfd.St. Überläßt dieser Mann für ein Jahr die 100 Pfd.St. einem andern, der sie wirklich als Kapital anwendet, so gibt er ihm die Macht, 20 Pfd.St. Profit zu produzieren, einen Mehrwert, der ihm nichts kostet, wofür er kein Äquivalent zahlt. Wenn dieser Mann dem Eigner der 100 Pfd.St. am Jahresschluß vielleicht 5 Pfd.St. zahlt, d.h. einen Teil des produzierten Profits, so zahlt er damit den Gebrauchswert der 100 Pfd.St., den Gebrauchswert ihrer Kapitalfunktion, der Funktion, 20 Pfd.St. Profit zu produzieren. Der Teil des Profits, den er ihm zahlt, heißt Zins, was also nichts ist als ein besondrer Name, eine besondre Rubrik für einen Teil des Profits, den das fungierende Kapital, statt in die eigne Tasche zu stecken, an den Eigner des Kapitals wegzuzahlen hat.
Es ist klar, daß der Besitz der 100 Pfd.St. ihrem Eigner die Macht gibt, den Zins, einen gewissen Teil des durch sein Kapital produzierten Profits, an sich zu ziehn. Gäbe er dem andern die 100 Pfd.St. nicht, so könnte dieser den Profit nicht produzieren, überhaupt nicht mit Beziehung auf diese 100 Pfd.St. als Kapitalist fungieren.2
Mit Gilbart (siehe Note) von natürlicher Gerechtigkeit hier zu reden, ist Unsinn. Die Gerechtigkeit der Transaktionen, die zwischen den Produktionsagenten vorgehn, beruht darauf, daß diese Transaktionen aus den Produktionsverhältnissen als natürliche Konsequenz entspringen. Die juristischen Formen, worin diese ökonomischen Transaktionen als Willenshandlungen der Beteiligten, als Äußerungen ihres gemeinsamen Willens und als der Einzelpartei gegenüber von Staats wegen erzwingbare Kontrakte erscheinen, können als bloße Formen diesen Inhalt selbst nicht bestimmen. Sie drücken ihn nur aus. Dieser Inhalt ist gerecht, sobald er der Produktionsweise entspricht, ihr adäquat ist. Er ist ungerecht, sobald er ihr widerspricht. Sklaverei, auf Basis der kapitalistischen Produktionsweise, ist ungerecht; ebenso der Betrug auf die Qualität der Ware.
Die 100 Pfd.St. produzieren dadurch den Profit von 20 Pfd.St., daß sie als Kapital fungieren, sei es als industrielles oder merkantiles. Aber das sine qua non dieser Funktion als Kapital ist, daß sie als Kapital verausgabt werden, das Geld also ausgelegt wird im Ankauf von Produktionsmitteln (beim industriellen Kapital) oder von Ware (beim merkantilen Kapital). Aber um verausgabt zu werden, muß es da sein. Wenn A, der Eigner der 100 Pfd.St., sie entweder zu seiner Privatkonsumtion verausgabte oder sie als Schatz bei sich behielte, könnten sie von B, dem fungierenden Kapitalisten, nicht als Kapital verausgabt werden. Er verausgabt nicht sein Kapital, sondern das von A; aber er kann das Kapital von A nicht verausgaben ohne den Willen von A. In der Tat ist es also A, der ursprünglich die 100 Pfd.St. als Kapital verausgabt, obgleich sich auf diese Verausgabung der 100 Pfd.St. als Kapital seine ganze Funktion als Kapitalist beschränkt. Soweit diese 100 Pfd.St. in Betracht kommen, fungiert B nur als Kapitalist, weil A ihm die 100 Pfd.St. überläßt und sie daher als Kapital verausgabt.
Betrachten wir zunächst die eigentümliche Zirkulation des zinstragenden Kapitals. Es ist dann in zweiter Instanz zu untersuchen die eigne Art, wie es als Ware verkauft wird, nämlich verliehen statt ein für allemal abgetreten.
Der Ausgangspunkt ist das Geld, das A dem B vorschießt. Es kann dies mit oder ohne Unterpfand geschehn; die erstere Form ist jedoch die altertümlichere, mit Ausnahme der Vorschüsse auf Waren oder auf Schuldpapiere wie Wechsel, Aktien etc. Diese besondren Formen gehn uns hier nichts an. Wir haben es hier mit dem zinstragenden Kapital in seiner gewöhnlichen Form zu tun.
In der Hand von B wird das Geld wirklich in Kapital verwandelt, macht die Bewegung G - W - G′ durch und kehrt dann als G′ zu A zurück, als G + ΔG, wo ΔG den Zins vorstellt. Der Vereinfachung halber sehen wir hier einstweilen von dem Fall ab, wo das Kapital auf längre Zeit in der Hand von B bleibt und die Zinsen terminsweise gezahlt werden.
Die Bewegung ist also:
G - G - W - G′- G′.
Was hier verdoppelt erscheint, ist 1. die Verausgabung des Geldes als Kapital, 2. sein Rückfluß als realisiertes Kapital, als G′ oder G + ΔG.
In der Bewegung des Handelskapitals G - W - G′ wechselt dieselbe Ware zweimal oder, wenn Kaufmann an Kaufmann verkauft, mehrmal die Hände; aber jeder solcher Stellenwechsel derselben Ware zeigt eine Metamorphose an, Kauf oder Verkauf der Ware, sooft sich auch dieser Prozeß bis zu ihrem definitiven Fall in die Konsumtion wiederholen mag.
Andrerseits in W - G - W findet zweimaliger Stellenwechsel desselben Geldes statt, zeigt aber die vollständige Metamorphose der Ware an, die erst in Geld und dann aus Geld wieder in eine andre Ware verwandelt wird.
Dagegen bei dem zinstragenden Kapital ist der erste Stellenwechsel von G durchaus kein Moment, weder der Warenmetamorphose noch der Reproduktion des Kapitals. Dies wird es erst bei der zweiten Verausgabung, in der Hand des fungierenden Kapitalisten, der Handel damit treibt oder es in produktives Kapital verwandelt. Der erste Stellenwechsel von G drückt hier nichts aus als seine Übertragung oder Übermachung von A an B; eine Übertragung, die unter gewissen juristischen Formen und Vorbehalten zu geschehn pflegt.
Dieser doppelten Verausgabung des Geldes als Kapital, wovon die erste bloße Übertragung von A auf B ist, entspricht sein doppelter Rückfluß. Als G′ oder G + ΔG fließt es zurück aus der Bewegung an den fungierenden Kapitalisten B. Dieser überträgt es dann wieder an A, aber zugleich mit einem Teil des Profits, als realisiertes Kapital, als G + ΔG, wo ΔG nicht gleich dem ganzen Profit, sondern nur ein Teil des Profits, der Zins ist. Zu B fließt es zurück nur als was er es ausgegeben hat, als fungierendes Kapital, aber als das Eigentum von A. Damit sein Rückfluß vollständig sei, hat B es daher wieder an A zu übertragen. Außer der Kapitalsumme aber hat B einen Teil des Profits, den er mit dieser Kapitalsumme gemacht hat, unter dem Namen Zins an A abzugeben, da dieser ihm das Geld nur gegeben hat als Kapital, d.h. als Wert, der sich nicht nur erhält in der Bewegung, sondern seinem Eigner einen Mehrwert schafft. Es bleibt in der Hand von B nur, solange es fungierendes Kapital ist. Und mit seinem Rückfluß - nach der abgemachten Frist - hört es auf, als Kapital zu fungieren. Als nicht länger fungierendes Kapital aber muß es wieder rückübertragen werden an A, der nicht aufgehört hat, der juristische Eigentümer desselben zu sein.
Die Form des Leihens, die dieser Ware, dem Kapital als Ware eigentümlich ist, übrigens auch in andren Transaktionen vorkommt, statt der Form des Verkaufens, ergibt sich schon aus der Bestimmung, daß Kapital hier als Ware auftritt oder daß Geld als Kapital zur Ware wird.
Man muß hier unterscheiden.
Wir haben gesehn (Buch II, Kap. I) und rufen hier kurz ins Gedächtnis zurück, daß das Kapital im Zirkulationsprozeß als Warenkapital und Geldkapital fungiert. Aber in beiden Formen wird das Kapital nicht als Kapital zur Ware.
Sobald sich das produktive Kapital in Warenkapital verwandelt hat, muß es auf den Markt geworfen, als Ware verkauft werden. Hier fungiert es einfach als Ware. Der Kapitalist erscheint hier nur als Verkäufer von Ware, wie der Käufer als Käufer von Ware. Als Ware muß das Produkt im Zirkulationsprozeß, durch seinen Verkauf, seinen Wert realisieren, seine verwandelte Gestalt als Geld annehmen. Es ist deswegen auch ganz gleichgültig, ob diese Ware von einem Konsumenten als Lebensmittel oder von einem Kapitalisten als Produktionsmittel, als Kapitalbestandteil, gekauft wird. Im Zirkulationsakt fungiert das Warenkapital nur als Ware, nicht als Kapital. Es ist Warenkapital im Unterschied von einfacher Ware, 1. weil es bereits mit Mehrwert geschwängert ist, die Realisierung seines Werts also zugleich Realisierung von Mehrwert ist; dies ändert aber nichts an seinem einfachen Dasein als Ware, als Produkt von bestimmtem Preis; 2. weil diese seine Funktion als Ware ein Moment seines Reproduktionsprozesses als Kapital ist und daher seine Bewegung als Ware, weil nur Teilbewegung seines Prozesses, zugleich seine Bewegung als Kapital ist; sie wird dies aber nicht durch den Akt des Verkaufens selbst, sondern nur durch den Zusammenhang dieses Akts mit der Gesamtbewegung dieser bestimmten Wertsumme als Kapital.
Ebenso als Geldkapital wirkt es in der Tat nur einfach als Geld, d.h. als Kaufmittel von Ware (den Produktionselementen). Daß dies Geld hier zugleich Geldkapital, eine Form des Kapitals ist, geht nicht hervor aus dem Akt des Kaufens, aus der wirklichen Funktion, die es hier als Geld verrichtet; sondern aus dem Zusammenhang dieses Akts mit der Gesamtbewegung des Kapitals, indem dieser Akt, den es als Geld verrichtet, den kapitalistischen Produktionsprozeß einleitet.
Aber soweit sie wirklich fungieren, wirklich im Prozeß ihre Rolle spielen, wirkt hier Warenkapital nur als Ware, Geldkapital nur als Geld. In keinem einzelnen Moment der Metamorphose, für sich betrachtet, verkauft der Kapitalist die Ware als Kapital an den Käufer, obgleich sie für ihn Kapital vorstellt, oder veräußert er das Geld als Kapital an den Verkäufer. In beiden Fällen veräußert er die Ware einfach als Ware und das Geld einfach als Geld, als Kaufmittel von Ware.
Es ist nur in dem Zusammenhang des ganzen Verlaufs, in dem Moment, wo der Ausgangspunkt zugleich als Punkt der Rückkehr erscheint, in G - G′ oder W′ - W′, daß das Kapital im Zirkulationsprozeß als Kapital auftritt (während es im Produktionsprozeß als Kapital auftritt durch die Unterordnung des Arbeiters unter den Kapitalisten und die Produktion des Mehrwerts). In diesem Moment der Rückkehr aber ist die Vermittlung verschwunden. Was da ist, ist G′ oder G + ΔG (ob die um ΔG vermehrte Wertsumme nun in der Form des Geldes oder der Ware oder der Produktionselemente existiere), eine Geldsumme gleich der ursprünglich vorgeschoßnen Geldsumme plus einem Überschuß darüber, dem realisierten Mehrwert. Und gerade in diesem Rückkehrpunkt, wo das Kapital als realisiertes Kapital, als verwerteter Wert existiert, in dieser Form - soweit er als Ruhepunkt fixiert wird, imaginär oder wirklich - tritt das Kapital nie in Zirkulation, sondern erscheint vielmehr aus der Zirkulation zurückgezogen, als Resultat des ganzen Prozesses. Sobald es wieder verausgabt wird, wird es nie als Kapital an einen dritten veräußert, sondern als einfache Ware an ihn verkauft oder ihm als einfaches Geld für Ware hingegeben. Es erscheint in seinem Zirkulationsprozeß nie als Kapital, sondern nur als Ware oder Geld, und dies ist hier sein einziges Dasein für andre. Ware und Geld sind hier nur Kapital, nicht soweit die Ware sich in Geld, das Geld sich in Ware verwandelt, nicht in ihren wirklichen Beziehungen zum Käufer oder Verkäufer, sondern bloß in ihren ideellen Beziehungen, entweder zum Kapitalisten selbst (subjektiv betrachtet) oder als Momente des Reproduktionsprozesses (objektiv betrachtet). Als Kapital existiert das Kapital, in der wirklichen Bewegung, nicht im Zirkulationsprozeß, sondern nur im Produktionsprozeß, im Ausbeutungsprozeß der Arbeitskraft.
Anders aber verhält es sich mit dem zinstragenden Kapital, und grade dies bildet seinen spezifischen Charakter. Der Geldbesitzer, der sein Geld als zinstragendes Kapital verwerten will, veräußert es an einen dritten, wirft es in Zirkulation, macht es zur Ware als Kapital; nicht nur als Kapital für ihn selbst, sondern auch für andre; es ist nicht bloß Kapital für den, der es veräußert, sondern es wird dem dritten von vornherein als Kapital ausgehändigt, als Wert, der den Gebrauchswert besitzt, Mehrwert, Profit zu schaffen; als ein Wert, der sich in der Bewegung forterhält und zu seinem ursprünglichen Ausgeber, hier dem Geldbesitzer, nachdem er fungiert hat, zurückkehrt; also sich nur für eine Zeitlang von ihm entfernt, aus dem Besitz seines Eigentümers nur zeitweilig in den Besitz des fungierenden Kapitalisten tritt, also weder weggezahlt noch verkauft, sondern nur ausgeliehen wird; nur entäußert wird, unter der Bedingung, nach einer bestimmten Zeitfrist erstens zu seinem Ausgangspunkt zurückzukehren, zweitens aber als realisiertes Kapital zurückzukehren, so daß es seinen Gebrauchswert, Mehrwert zu produzieren, realisiert hat.
Ware, die als Kapital verliehen wird, wird nach ihrer Beschaffenheit als fixes oder zirkulierendes Kapital verliehen. Das Geld kann in beiden Formen verliehen werden, als fixes Kapital z.B., wenn es in der Form der Leibrente zurückgezahlt wird, so daß mit dem Zins immer auch ein Stück Kapital zurückfließt. Gewisse Waren können der Natur ihres Gebrauchswerts nach immer nur als fixes Kapital verliehen werden, wie Häuser, Schiffe, Maschinen usw. Aber alles verliehene Kapital, welches immer seine Form und wie die Rückzahlung durch die Natur seines Gebrauchswerts modifiziert sein mag, ist immer nur eine besondre Form des Geldkapitals. Denn was hier verliehen wird, ist immer eine bestimmte Geldsumme, und auf diese Summe wird denn auch der Zins berechnet. Ist das, was ausgeliehen wird, weder Geld noch zirkulierendes Kapital, so wird es auch zurückgezahlt in der Weise, wie fixes Kapital zurückfließt. Der Verleiher erhält periodisch Zins und einen Teil des verbrauchten Werts des fixen Kapitals selbst, ein Äquivalent für den periodischen Verschleiß. Und am Ende der Frist kehrt der unverbrauchte Teil des verliehenen fixen Kapitals in natura zurück. Ist das verliehene Kapital zirkulierendes Kapital, so kehrt es ebenfalls dem Verleiher zurück in der Rückflußweise des zirkulierenden Kapitals.
Die Art des Rückflusses ist also jedesmal bestimmt durch die wirkliche Kreisbewegung des sich reproduzierenden Kapitals und seiner besondren Arten. Aber für das verliehene Kapital nimmt der Rückfluß die Form der Rückzahlung an, weil der Vorschuß, die Entäußerung desselben, die Form des Verleihens hat.
In diesem Kapitel behandeln wir nur das eigentliche Geldkapital, wovon die andren Formen des verliehenen Kapitals abgeleitet sind.
Das ausgeliehene Kapital fließt doppelt zurück; im Reproduktionsprozeß kehrt es zum fungierenden Kapitalisten zurück, und dann wiederholt sich die Rückkehr noch einmal als Übertragung auf den Verleiher, den Geldkapitalisten, als Rückzahlung an seinen wirklichen Eigentümer, seinen juristischen Ausgangspunkt.
Im wirklichen Zirkulationsprozeß erscheint das Kapital immer nur als Ware oder Geld, und seine Bewegung löst sich in eine Reihe von Käufen und Verkäufen auf. Kurz, der Zirkulationsprozeß löst sich auf in die Metamorphose der Ware. Anders, wenn wir das Ganze des Reproduktionsprozesses betrachten. Gehn wir vom Geld aus (und es ist dasselbe, wenn wir von der Ware ausgehn, da wir dann von ihrem Wert ausgehn, sie also selbst sub specie des Geldes betrachten), so ist eine Geldsumme ausgegeben und kehrt nach einer gewissen Periode mit einem Inkrement zurück. Der Ersatz für die vorgeschoßne Geldsumme kehrt zurück plus einem Mehrwert. Sie hat sich erhalten und vermehrt im Durchlaufen einer gewissen Kreisbewegung. Nun wird aber das Geld, soweit es als Kapital verliehen wird, eben als diese sich erhaltende und sich vermehrende Geldsumme ausgeliehen, die nach einer gewissen Periode mit Zusatz zurückkehrt und stets von neuem denselben Prozeß durchmachen kann. Es wird weder als Geld noch als Ware ausgegeben, also weder ausgetauscht gegen Ware, wenn es als Geld vorgeschossen wird, noch verkauft gegen Geld, wenn es als Ware vorgeschossen wird; sondern es wird ausgegeben als Kapital. Das Verhältnis zu sich selbst, als welches das Kapital sich darstellt, wenn man den kapitalistischen Produktionsprozeß als Ganzes und Einheit anschaut, und worin das Kapital als Geld heckendes Geld auftritt, wird hier ohne die vermittelnde Zwischenbewegung einfach als sein Charakter, als seine Bestimmtheit ihm einverleibt. Und in dieser Bestimmtheit wird es veräußert, wenn es als Geldkapital verliehen wird.
Eine absonderliche Auffassung der Rolle des Geldkapitals ist die von Proudhon ("Gratuité du Crédit. Discussion entre M. F. Bastiat et M. Proudhon", Paris 1850). Leihen scheint Proudhon deswegen vom Übel, weil es nicht Verkaufen ist. Das auf Zins leihen
"est la faculté de vendre toujours de nouveau le même objet, et d'en recevoir toujours de nouveau le prix sans jamais céder la propriété de ce qu'on vend". (p. 9)
Der Gegenstand, Geld, Haus etc. wechselt nicht den Eigentümer, wie bei Kauf und Verkauf. Aber Proudhon sieht nicht, daß beim Weggeben des Geldes in Form von zinstragendem Kapital kein Äquivalent dafür zurückerhalten ist. In jedem Akt des Kaufs und Verkaufs, soweit überhaupt Austauschprozesse stattfinden, wird allerdings das Objekt weggegeben. Das Eigentum des verkauften Gegenstands tritt man immer ab. Aber man gibt nicht den Wert weg. Beim Verkauf wird die Ware weggegeben, aber nicht ihr Wert, der in der Form von Geld oder, was hier nur eine andre Form dafür, von Schuldschein oder Zahlungstitel zurückgegeben wird. Beim Kauf wird das Geld weggegeben, aber nicht sein Wert, der in der Form der Ware ersetzt wird. Während des ganzen Reproduktionsprozesses hält der industrielle Kapitalist denselben Wert in seiner Hand (abgesehn vom Mehrwert), nur in verschiednen Formen.
Soweit Austausch, d.h. Austausch von Gegenständen stattfindet, findet kein Wertwechsel statt. Derselbe Kapitalist hält immer denselben Wert in der Hand. Soweit aber Mehrwert vom Kapitalisten produziert wird, findet kein Austausch statt; sobald Austausch stattfindet, steckt der Mehrwert bereits in den Waren. Sobald wir nicht die einzelnen Austauschakte betrachten, sondern den Gesamtkreislauf des Kapitals, G - W - G′, wird beständig eine bestimmte Wertsumme vorgeschossen und diese Wertsumme plus dem Mehrwert oder Profit aus der Zirkulation zurückgezogen. Die Vermittlung dieses Prozesses ist allerdings in den bloßen Austauschakten nicht sichtbar. Und es ist gerade dieser Prozeß von G als Kapital, worauf der Zins des verleihenden Geldkapitalisten beruht, woraus er entspringt.
"In der Tat", sagt Proudhon, "der Hutmacher, der Hüte verkauft ... erhält dafür den Wert, nicht mehr und nicht weniger. Aber der verleihende Kapitalist ... empfängt nicht nur sein Kapital unverkürzt zurück; er empfängt mehr als das Kapital, mehr als er in den Austausch wirft; er empfängt über das Kapital hinaus einen Zins." (p. 69.)
Der Hutmacher vertritt hier den produktiven Kapitalisten im Gegensatz zum verleihenden. Proudhon ist offenbar nicht hinter das Geheimnis gekommen, wie der produktive Kapitalist Ware zu ihrem Wert verkaufen kann (die Ausgleichung zu Produktionspreisen ist hier, für seine Fassung, gleichgültig) und ebendadurch einen Profit empfängt über das Kapital hinaus, das er in den Austausch wirft. Gesetzt, der Produktionspreis von 100 Hüten sei = 115 Pfd.St., und dieser Produktionspreis sei zufällig gleich dem Wert der Hüte, also das Kapital, das die Hüte produziert, von gesellschaftlicher Durchschnittszusammensetzung. Ist der Profit = 15%, so realisiert der Hutmacher einen Profit von 15 Pfd.St. dadurch, daß er die Waren zu ihrem Wert von 115 verkauft. Ihm kosten sie nur 100 Pfd.St. Hat er mit seinem eignen Kapital produziert, so steckt er den Überschuß von 15 Pfd.St. ganz in die Tasche; wenn mit geliehenem, hat er vielleicht 5 Pfd.St. davon abzugeben als Zins. Es ändert dies nichts am Wert der Hüte, sondern nur an der Verteilung des in diesem Wert schon steckenden Mehrwerts unter verschiedne Personen. Da also der Wert der Hüte durch das Zinszahlen nicht affiziert wird, so ist es Unsinn, wenn Proudhon sagt:
"Da sich im Handel der Zins des Kapitals dem Lohn des Arbeiters hinzufügt, um den Preis der Ware zusammenzusetzen, so ist es unmöglich, daß der Arbeiter das Produkt seiner eignen Arbeit zurückkaufen kann. Vivre en travaillant ist ein Prinzip, das, unter der Herrschaft des Zinses, einen Widerspruch einschließt." (p. 105.)3
Wie wenig Proudhon die Natur des Kapitals verstanden hat, zeigt folgender Satz, worin er die Bewegung des Kapitals überhaupt als eine dem zinstragenden Kapital eigentümliche Bewegung beschreibt:
"Comme, par l'accumulation des intérêts, le capital-argent, d'échange en échange, revient toujours à sa source, il s'ensuit que la relocation toujours faite par la même main, profite toujours au même personnage." [p. 154.]
Was ist es nun, das ihm in der eigentümlichen Bewegung des zinstragenden Kapitals rätselhaft bleibt? Die Kategorien: Kaufen, Preis, Gegenstände abtreten, und die unvermittelte Form, worin hier der Mehrwert erscheint; kurz das Phänomen, daß hier Kapital als Kapital zur Ware geworden ist, daß daher das Verkaufen in Leihen, der Preis in einen Anteil am Profit sich verwandelt hat.
Die Rückkehr des Kapitals zu seinem Ausgangspunkt ist überhaupt die charakteristische Bewegung des Kapitals in seinem Gesamtkreislauf. Dies zeichnet keineswegs nur das zinstragende Kapital aus. Was es auszeichnet, ist die äußerliche, vom vermittelnden Kreislauf losgetrennte Form der Rückkehr. Der verleihende Kapitalist gibt sein Kapital weg, überträgt es an den industriellen Kapitalisten, ohne ein Äquivalent zu erhalten. Sein Weggeben ist überhaupt kein Akt des wirklichen Kreislaufsprozesses des Kapitals, sondern leitet nur diesen, durch den industriellen Kapitalisten zu bewirkenden Kreislauf ein. Dieser erste Stellenwechsel des Geldes drückt keinen Akt der Metamorphose, weder Kauf noch Verkauf aus. Das Eigentum wird nicht abgetreten, weil kein Austausch vorgeht, kein Äquivalent empfangen wird. Die Rückkehr des Geldes aus der Hand des industriellen Kapitalisten in die Hand des verleihenden ergänzt bloß den ersten Akt des Weggebens des Kapitals. In Geldform vorgeschossen, kehrt das Kapital durch den Kreislaufsprozeß zum industriellen Kapitalisten wieder in Geldform zurück. Aber da das Kapital ihm nicht bei der Ausgabe gehörte, kann es ihm nicht gehören bei der Rückkehr. Der Durchgang durch den Reproduktionsprozeß kann unmöglich dies Kapital in sein Eigentum verwandeln. Er hat es also zurückzuerstatten an den Verleiher. Die erste Verausgabung, die das Kapital aus der Hand des Verleihers in die des Anleihers überträgt, ist eine juristische Transaktion, die mit dem wirklichen Reproduktionsprozeß des Kapitals nichts zu tun hat, ihn nur einleitet. Die Rückzahlung, die das zurückgefloßne Kapital wieder aus der Hand des Anleihers in die des Verleihers überträgt, ist eine zweite juristische Transaktion, die Ergänzung der ersten; die eine leitet den wirklichen Prozeß ein, die andre ist ein nachträglicher Akt nach demselben. Ausgangspunkt und Rückkehrpunkt, Weggabe und Rückerstattung des verliehenen Kapitals erscheinen also als willkürliche, durch juristische Transaktionen vermittelte Bewegungen, die vor und nach der wirklichen Bewegung des Kapitals vorgehn und mit ihr selbst nichts zu tun haben. Für diese wäre es gleichgültig, wenn das Kapital von vornherein dem industriellen Kapitalisten gehörte und als sein Eigentum daher nur zu ihm zurückflösse.
Im ersten einleitenden Akt gibt der Verleiher sein Kapital an den Anleiher weg. Im zweiten nachträglichen und Schlußakt gibt der Anleiher das Kapital an den Verleiher zurück. Soweit nur die Transaktion zwischen beiden in Betracht kommt - und einstweilen abgesehn vom Zins -, soweit es sich also nur um die Bewegung des geliehenen Kapitals selbst zwischen Verleiher und Anleiher handelt, umfassen diese beiden Akte (getrennt durch eine längere oder kürzere Zeit, worin die wirkliche Reproduktionsbewegung des Kapitals fällt) das Ganze dieser Bewegung. Und diese Bewegung: Weggeben unter der Bedingung der Rückerstattung, ist überhaupt die Bewegung des Verleihens und Anleihens, dieser spezifischen Form der nur bedingungsweisen Veräußerung von Geld oder Ware.
Die charakteristische Bewegung des Kapitals überhaupt, die Rückkehr des Geldes zum Kapitalisten, die Rückkehr des Kapitals zu seinem Ausgangspunkt, erhält im zinstragenden Kapital eine ganz äußerliche, von der wirklichen Bewegung, deren Form sie ist, getrennte Gestalt. A gibt sein Geld weg, nicht als Geld, sondern als Kapital. Es geht hier keine Veränderung mit dem Kapital vor. Es wechselt nur die Hände. Seine wirkliche Verwandlung in Kapital vollzieht sich erst in der Hand von B. Aber für A ist es Kapital geworden durch die bloße Weggabe an B. Der wirkliche Rückfluß des Kapitals aus dem Produktions- und Zirkulationsprozeß findet nur statt für B. Aber für A findet der Rückfluß statt in derselben Form wie die Veräußerung. Es geht von der Hand von B wieder in die von A zurück. Weggeben, Verleihen von Geld für eine gewisse Zeit und Rückempfang desselben mit Zins (Mehrwert) ist die ganze Form der Bewegung, die dem zinstragenden Kapital als solchem zukommt. Die wirkliche Bewegung des ausgeliehenen Geldes als Kapital ist eine Operation, die jenseits der Transaktionen zwischen Verleihern und Anleihern liegt. In diesen selbst ist diese Vermittlung ausgelöscht, nicht sichtbar, nicht unmittelbar einbegriffen. Als Ware eigner Art besitzt das Kapital auch eine eigentümliche Art der Veräußerung. Die Rückkehr drückt sich daher hier auch nicht aus als Konsequenz und Resultat einer bestimmten Reihe ökonomischer Vorgänge, sondern als Folge einer speziellen juristischen Abmachung zwischen Käufer und Verkäufer. Die Zeit des Rückflusses hängt ab vom Verlauf des Reproduktionsprozesses; beim zinstragenden Kapital scheint seine Rückkehr als Kapital von der bloßen Übereinkunft zwischen Verleiher und Anleiher abzuhängen. So daß der Rückfluß des Kapitals mit Bezug auf diese Transaktion nicht mehr als durch den Produktionsprozeß bestimmtes Resultat erscheint, sondern so, als ob die Form des Geldes dem ausgeliehenen Kapital nie verlorengegangen wäre. Allerdings sind tatsächlich diese Transaktionen durch die wirklichen Rückflüsse bestimmt. Aber dies erscheint nicht in der Transaktion selbst. Es ist auch in der Praxis keineswegs stets der Fall. Findet der wirkliche Rückfluß nicht rechtzeitig statt, so muß der Anleiher zusehn, aus welchen sonstigen Hilfsquellen er seinen Verpflichtungen gegen den Verleiher nachkommt. Die bloße Form des Kapitals - Geld, das als Summe A ausgegeben wird und als Summe A + 1/xA zurückkehrt, in einem gewissen Zeitraum, ohne irgendeine andre Vermittlung, außer diesem zeitlichen Zwischenraum - ist nur die begriffslose Form der wirklichen Kapitalbewegung.
In der wirklichen Bewegung des Kapitals ist die Rückkehr ein Moment des Zirkulationsprozesses. Erst wird das Geld in Produktionsmittel verwandelt; der Produktionsprozeß verwandelt es in Ware; durch den Verkauf der Ware wird es rückverwandelt in Geld und kehrt in dieser Form zurück in die Hand des Kapitalisten, der das Kapital zuerst in Geldform vorgeschossen hatte. Aber beim zinstragenden Kapital ist Rückkehr wie Weggabe bloß Resultat einer juristischen Transaktion zwischen dem Eigentümer des Kapitals und einer zweiten Person. Wir sehn nur Weggabe und Rückzahlung. Alles, was dazwischen vorgeht, ist ausgelöscht.
Aber weil das Geld, als Kapital vorgeschossen, die Eigenschaft hat, zu seinem Vorschießer, zu dem, der es als Kapital verausgabt, zurückzukehren, weil G - W - G′ die immanente Form der Kapitalbewegung ist, grade deshalb kann der Geldbesitzer es als Kapital verleihen, als etwas, das die Eigenschaft besitzt, zu seinem Ausgangspunkt zurückzukehren, sich in der Bewegung, die es durchläuft, als Wert zu erhalten und zu vermehren. Er gibt es als Kapital weg, weil, nachdem es als Kapital verwandt, es zurückfließt zu seinem Ausgangspunkt, also vom Anleiher nach einer gewissen Zeit zurückerstattet werden kann, eben weil es ihm selbst zurückfließt.
Die Verleihung von Geld als Kapital - seine Weggabe unter Bedingung der Rückerstattung nach gewisser Zeit - hat also zur Voraussetzung, daß das Geld wirklich als Kapital verwandt wird, wirklich zurückfließt zu seinem Ausgangspunkt. Die wirkliche Kreislaufsbewegung des Geldes als Kapital ist also Voraussetzung der juristischen Transaktion, wonach der Anleiher das Geld an den Verleiher zurückzugeben hat. Legt der Anleiher das Geld nicht als Kapital aus, so ist das seine Sache. Der Verleiher verleiht es als Kapital, und als solches hat es die Kapitalfunktionen durchzumachen, welche den Kreislauf des Geldkapitals einschließen bis zu seinem Rückfluß, in Geldform, zu seinem Ausgangspunkt.
Die Zirkulationsakte G - W und W - G′, worin die Wertsumme als Geld oder als Ware fungiert, sind nur vermittelnde Prozesse, einzelne Momente ihrer Gesamtbewegung. Als Kapital macht sie die Totalbewegung G - G′ durch. Sie wird als Geld oder Wertsumme in irgendeiner Form vorgeschossen und kehrt als Wertsumme zurück. Der Verleiher des Geldes verausgabt es nicht im Kauf von Ware, oder wenn die Wertsumme in Ware existiert, verkauft er sie nicht gegen Geld, sondern schießt sie vor als Kapital, als G - G′, als Wert, der in einem bestimmten Termin wieder zu seinem Ausgangspunkt zurückkehrt. Statt zu kaufen oder zu verkaufen, verleiht er. Dies Verleihen ist also die entsprechende Form, um es als Kapital zu veräußern, statt als Geld oder Ware. Woraus keineswegs folgt, daß Verleihen nicht auch Form sein kann für Transaktionen, die mit dem kapitalistischen Reproduktionsprozeß nichts zu schaffen haben.
Bisher haben wir nur die Bewegung des verliehenen Kapitals zwischen seinem Eigner und dem industriellen Kapitalisten betrachtet. Jetzt ist der Zins zu untersuchen.
Der Verleiher gibt sein Geld als Kapital aus; die Wertsumme, die er an einen andern veräußert, ist Kapital und fließt daher zu ihm zurück. Die bloße Rückkehr zu ihm wäre aber nicht Rückfluß der verliehenen Wertsumme als Kapital, sondern bloße Rückerstattung einer verliehenen Wertsumme. Um als Kapital zurückzufließen, muß die vorgeschoßne Wertsumme sich in der Bewegung nicht nur erhalten, sondern sich verwertet, ihre Wertgröße vermehrt haben, also mit einem Mehrwert, als G + ΔG zurückkehren, und dieses ΔG ist hier der Zins oder der Teil des Durchschnittsprofits, der nicht in der Hand des fungierenden Kapitalisten bleibt, sondern dem Geldkapitalisten zufällt.
Daß es als Kapital von ihm veräußert wird, heißt, daß es ihm als G + ΔG zurückgegeben werden muß. Es ist nachher noch besonders die Form zu betrachten, wo in der Zwischenzeit Zins terminweise zurückfließt, aber ohne das Kapital, dessen Rückzahlung erst am Ende einer längern Periode erfolgt.
Was gibt der Geldkapitalist dem Anleiher, dem industriellen Kapitalisten? Was veräußert er in der Tat an ihn? Und nur der Akt der Veräußerung macht das Verleihen des Geldes zur Veräußerung des Geldes als Kapital, d.h. zur Veräußerung des Kapitals als Ware.
Es ist nur durch den Vorgang dieser Veräußerung, daß das Kapital vom Geldverleiher als Ware oder daß die Ware, über die er verfügt, an einen Dritten als Kapital weggegeben wird.
Was wird beim gewöhnlichen Verkauf veräußert? Nicht der Wert der verkauften Ware, denn dieser ändert nur die Form. Er existiert als Preis ideell in der Ware, bevor er reell in der Form von Geld in die Hand des Verkäufers übergeht. Derselbe Wert und dieselbe Wertgröße wechseln hier nur die Form. Das eine Mal existieren sie in Warenform, das andre Mal in Geldform. Was wirklich vom Verkäufer veräußert wird und daher auch in die individuelle oder produktive Konsumtion des Käufers übergeht, ist der Gebrauchswert der Ware, die Ware als Gebrauchswert.
Was ist nun der Gebrauchswert, den der Geldkapitalist für die Zeit des Ausleihens veräußert und an den produktiven Kapitalisten, den Borger, abtritt? Es ist der Gebrauchswert, den das Geld dadurch erhält, daß es in Kapital verwandelt werden, als Kapital fungieren kann, und daß es daher einen bestimmten Mehrwert, den Durchschnittsprofit (was darüber oder darunter ist, erscheint hier zufällig) in seiner Bewegung erzeugt, außerdem, daß es seine ursprüngliche Wertgröße wahrt. Bei den übrigen Waren wird in der letzten Hand der Gebrauchswert konsumiert, und damit verschwindet die Substanz der Ware und mit ihr ihr Wert. Die Ware Kapital dagegen hat das Eigentümliche, daß durch die Konsumtion ihres Gebrauchswerts ihr Wert und ihr Gebrauchswert nicht nur erhalten, sondern vermehrt wird.
Diesen Gebrauchswert des Geldes als Kapital - die Fähigkeit, den Durchschnittsprofit zu erzeugen - veräußert der Geldkapitalist an den industriellen Kapitalisten für die Zeit, während deren er diesem die Verfügung über das verliehne Kapital abtritt.
Das so verliehene Geld hat insofern eine gewisse Analogie mit der Arbeitskraft in ihrer Stellung gegenüber dem industriellen Kapitalisten. Nur zahlt der letztre den Wert der Arbeitskraft, während er den Wert des geliehenen Kapitals einfach zurückzahlt. Der Gebrauchswert der Arbeitskraft für den industriellen Kapitalisten ist: mehr Wert (den Profit) in ihrem Verbrauch zu erzeugen, als sie selbst besitzt und als sie kostet. Dieser Überschuß von Wert ist ihr Gebrauchswert für den industriellen Kapitalisten. Und so erscheint ebenfalls der Gebrauchswert des geliehenen Geldkapitals als seine Wert setzende und vermehrende Fähigkeit.
Der Geldkapitalist veräußert in der Tat einen Gebrauchswert, und dadurch wird das, was er weggibt, als Ware weggegeben. Und soweit ist die Analogie mit der Ware als solcher vollständig. Erstens ist es ein Wert, der aus einer Hand in die andre übergeht. Bei der einfachen Ware, der Ware als solcher, bleibt derselbe Wert in der Hand des Käufers und Verkäufers, nur in verschiedner Form; sie haben beide nach wie vor denselben Wert, den sie veräußerten, der eine in Warenform, der andre in Geldform. Der Unterschied ist, daß beim Verleihen der Geldkapitalist der einzige ist, der in dieser Transaktion Wert fortgibt; aber er bewahrt ihn durch die künftige Rückzahlung. Es wird beim Verleihen nur von einer Seite Wert empfangen, da nur von einer Seite Wert weggegeben wird. - Zweitens wird auf der einen Seite ein wirklicher Gebrauchswert veräußert und auf der andren empfangen und verbraucht. Aber im Unterschied zur gewöhnlichen Ware ist dieser Gebrauchswert selbst Wert, nämlich der Überschuß der Wertgröße, die durch den Gebrauch des Geldes als Kapital sich ergibt, über seine ursprüngliche Wertgröße. Der Profit ist dieser Gebrauchswert.
Der Gebrauchswert des ausgeliehenen Geldes ist: als Kapital fungieren zu können und als solches unter durchschnittlichen Umständen den Durchschnittsprofit zu produzieren.4
Was zahlt nun der industrielle Kapitalist, und was ist daher der Preis des ausgeliehenen Kapitals?
"That which men pay as interest for the use of what they borrow", ist nach Massie "a part of the profit it is capable of producing".5
Was der Käufer einer gewöhnlichen Ware kauft, ist ihr Gebrauchswert; was er zahlt, ist ihr Wert. Was der Borger des Geldes kauft, ist ebenfalls dessen Gebrauchswert als Kapital; aber was zahlt er? Sicher nicht, wie bei den andren Waren, ihren Preis oder Wert. Zwischen Verleiher und Borger geht nicht, wie zwischen Käufer und Verkäufer, ein Formwechsel des Werts vor, so daß dieser Wert das eine Mal in der Form des Geldes, das andre Mal in der Form der Ware existiert. Die Dieselbigkeit des weggegebnen und des rückempfangnen Werts zeigt sich hier in ganz andrer Weise. Die Wertsumme, das Geld, wird fortgegeben ohne Äquivalent und wird nach einer gewissen Zeit zurückgegeben. Der Verleiher bleibt immer Eigentümer desselben Werts, auch nachdem dieser aus seiner Hand in die des Borgers übergegangen ist. Beim einfachen Warenaustausch steht das Geld stets auf seiten des Käufers; aber beim Verleihen steht das Geld auf seiten des Verkäufers. Er ist es, der das Geld für eine gewisse Zeit weggibt, und der Käufer des Kapitals ist es, der es als Ware erhält. Dies ist aber nur möglich, soweit das Geld als Kapital fungiert und daher vorgeschossen wird. Der Borger borgt das Geld als Kapital, als sich verwertenden Wert. Es ist aber nur erst Kapital an sich, wie jedes Kapital in seinem Ausgangspunkt, im Augenblick seines Vorschusses. Erst durch seinen Gebrauch verwertet es sich, realisiert es sich als Kapital. Aber als realisiertes Kapital hat der Borger es zurückzuzahlen, also als Wert plus Mehrwert (Zins); und der letztre kann nur ein Teil des von ihm realisierten Profits sein. Nur ein Teil, nicht das Ganze. Denn der Gebrauchswert für den Borger ist, daß es ihm Profit produziert. Sonst hätte keine Veräußerung des Gebrauchswerts von seiten des Verleihers stattgefunden. Andrerseits kann nicht der ganze Profit dem Borger zufallen. Er zahlte sonst nichts für die Veräußerung des Gebrauchswerts, und er gäbe das vorgeschoßne Geld an den Verleiher nur als einfaches Geld zurück, nicht als Kapital, als realisiertes Kapital, denn realisiertes Kapital ist es nur als G + ΔG.
Beide geben dieselbe Geldsumme als Kapital aus, der Verleiher und der Borger. Aber nur in der Hand des letzteren fungiert sie als Kapital. Der Profit wird nicht verdoppelt durch das doppelte Dasein derselben Geldsumme als Kapital für zwei Personen. Es kann für beide als Kapital nur fungieren durch Teilung des Profits. Der dem Verleiher zufallende Teil heißt Zins.
Die ganze Transaktion findet nach der Voraussetzung statt zwischen zwei Sorten Kapitalisten, dem Geldkapitalisten und dem industriellen oder merkantilen Kapitalisten.
Es muß nie vergessen werden, daß hier das Kapital als Kapital Ware ist oder daß die Ware, um die es sich hier handelt, Kapital ist. Die sämtlichen Verhältnisse, die hier erscheinen, wären daher irrationell vom Standpunkt der einfachen Ware aus, oder auch vom Standpunkt des Kapitals, soweit es in seinem Reproduktionsprozeß als Warenkapital fungiert. Verleihen und Borgen, statt des Verkaufens und Kaufens, ist hier ein aus der spezifischen Natur der Ware - des Kapitals - hervorgehender Unterschied. Ebenso daß das, was hier gezahlt wird, Zins ist, statt des Preises der Ware. Will man den Zins den Preis des Geldkapitals nennen, so ist dies eine irrationelle Form des Preises, durchaus im Widerspruch mit dem Begriff des Preises der Ware.6 Der Preis ist hier auf seine rein abstrakte und inhaltslose Form reduziert, daß er eine bestimmte Geldsumme ist, die für irgend etwas, was so oder so als Gebrauchswert figuriert, gezahlt wird; während seinem Begriff nach der Preis gleich ist dem in Geld ausgedrückten Wert dieses Gebrauchswerts.
Zins als Preis des Kapitals ist von vornherein ein durchaus irrationeller Ausdruck. Hier hat eine Ware einen doppelten Wert, einmal einen Wert, und dann einen von diesem Wert verschiednen Preis, während Preis der Geldausdruck des Wertes ist. Das Geldkapital ist zunächst nichts als eine Geldsumme oder der Wert einer bestimmten Warenmasse als Geldsumme fixiert. Wird Ware als Kapital verliehen, so ist sie nur die verkleidete Form einer Geldsumme. Denn was als Kapital verliehen wird, sind nicht soundso viel Pfund Baumwolle, sondern so viel Geld, das in der Form Baumwolle als deren Wert existiert. Der Preis des Kapitals bezieht sich daher auf es als Geldsumme, wenn auch nicht als currency, wie Herr Torrens meint (s. oben Note 59). Wie soll nun eine Wertsumme einen Preis haben außer ihrem eignen Preis, außer dem Preis, der in ihrer eignen Geldform ausgedrückt ist? Preis ist ja der Wert der Ware (und dies ist auch der Fall beim Marktpreis, dessen Unterschied vom Wert nicht qualitativ, sondern nur quantitativ ist, sich nur auf die Wertgröße bezieht) im Unterschied von ihrem Gebrauchswert. Preis, der qualitativ verschieden vom Wert, ist ein absurder Widerspruch.7
Das Kapital manifestiert sich als Kapital durch seine Verwertung; der Grad seiner Verwertung drückt den quantitativen Grad aus, worin es sich als Kapital realisiert. Der von ihm erzeugte Mehrwert oder Profit - seine Rate oder Höhe - ist nur meßbar durch seine Vergleichung mit dem Wert des vorgeschoßnen Kapitals. Die größre oder geringre Verwertung des zinstragenden Kapitals ist daher auch nur meßbar durch Vergleichung des Zinsbetrags, des ihm zufallenden Teils des Gesamtprofits, mit dem Wert des vorgeschoßnen Kapitals. Wenn daher der Preis den Wert der Ware, so drückt der Zins die Verwertung des Geldkapitals aus und erscheint daher als der Preis, der dem Verleiher für dasselbe gezahlt wird. Es ergibt sich hieraus, wie abgeschmackt es von vornherein ist, die einfachen Verhältnisse des durch Geld vermittelten Austausches, von Kauf und Verkauf, hierauf direkt anwenden zu wollen, wie Proudhon tut. Die Grundvoraussetzung ist eben, daß Geld als Kapital fungiert und daher als Kapital an sich, als potentielles Kapital einer dritten Person übermacht werden kann.
Als Ware aber erscheint das Kapital selbst hier, soweit es auf dem Markt ausgeboten und wirklich der Gebrauchswert des Geldes als Kapital veräußert wird. Sein Gebrauchswert aber ist: Profit zu erzeugen. Der Wert des Geldes oder der Waren als Kapital ist nicht bestimmt durch ihren Wert als Geld oder Waren, sondern durch das Quantum Mehrwert, das sie für ihren Besitzer produzieren. Das Produkt des Kapitals ist der Profit. Auf Grundlage der kapitalistischen Produktion ist es nur verschiedne Anwendung des Geldes, ob es als Geld verausgabt oder als Kapital vorgeschossen wird. Geld, resp. Ware, ist an sich, potentiell Kapital, ganz wie die Arbeitskraft potentiell Kapital ist. Denn 1. kann das Geld in die Produktionselemente verwandelt werden und ist, wie es ist, bloß abstrakter Ausdruck derselben, ihr Dasein als Wert; 2. besitzen die stofflichen Elemente des Reichtums die Eigenschaft, potentiell schon Kapital zu sein, weil ihr sie ergänzender Gegensatz, das, was sie zu Kapital macht - die Lohnarbeit -, auf Basis der kapitalistischen Produktion vorhanden ist.
Die gegensätzliche gesellschaftliche Bestimmtheit des stofflichen Reichtums - sein Gegensatz zur Arbeit als Lohnarbeit - ist, getrennt vom Produktionsprozeß, schon im Kapitaleigentum als solchem ausgedrückt. Dies eine Moment nun, getrennt vom kapitalistischen Produktionsprozeß selbst, dessen stetes Resultat es ist und als dessen stetes Resultat es seine stete Voraussetzung ist, drückt sich darin aus, daß Geld, und ebenso Ware, an sich, latent, potentiell, Kapital sind, daß sie als Kapital verkauft werden können und daß sie in dieser Form Kommando über fremde Arbeit sind, Anspruch auf Aneignung fremder Arbeit geben, daher sich verwertender Wert sind. Es tritt hier auch klar hervor, daß dies Verhältnis der Titel und das Mittel zur Aneignung fremder Arbeit ist und nicht irgendeine Arbeit als Gegenwert von Seite des Kapitalisten.
Als Ware erscheint das Kapital ferner, soweit die Teilung des Profits in Zins und eigentlichen Profit durch Nachfrage und Angebot, also durch die Konkurrenz, reguliert wird, ganz wie die Marktpreise der Waren. Der Unterschied tritt hier aber ebenso schlagend hervor wie die Analogie. Decken sich Nachfrage und Angebot, so entspricht der Marktpreis der Ware ihrem Produktionspreis, d.h. ihr Preis erscheint dann geregelt durch die innern Gesetze der kapitalistischen Produktion, unabhängig von der Konkurrenz, da die Schwankungen von Nachfrage und Angebot nichts erklären als die Abweichungen der Marktpreise von den Produktionspreisen - Abweichungen, die sich wechselseitig ausgleichen, so daß in gewissen längern Perioden die Durchschnittsmarktpreise gleich den Produktionspreisen sind. Sobald sie sich decken, hören diese Kräfte auf zu wirken, heben einander auf, und das allgemeine Gesetz der Preisbestimmung tritt dann auch als Gesetz des einzelnen Falls hervor; der Marktpreis entspricht dann schon in seinem unmittelbaren Dasein, und nicht nur als Durchschnitt der Bewegung der Marktpreise, dem Produktionspreis, der durch die immanenten Gesetze der Produktionsweise selbst geregelt ist. Ebenso beim Arbeitslohn. Decken sich Nachfrage und Angebot, so hebt sich ihre Wirkung auf, und der Arbeitslohn ist gleich dem Wert der Arbeitskraft. Anders aber mit dem Zins vom Geldkapital. Die Konkurrenz bestimmt hier nicht die Abweichungen vom Gesetz, sondern es existiert kein Gesetz der Teilung außer dem von der Konkurrenz diktierten, weil, wie wir noch weiter sehn werden, keine "natürliche" Rate des Zinsfußes existiert. Unter der natürlichen Rate des Zinsfußes versteht man vielmehr die durch die freie Konkurrenz festgesetzte Rate. Es gibt keine "natürlichen" Grenzen der Rate des Zinsfußes. Wo die Konkurrenz nicht nur die Abweichungen und Schwankungen bestimmt, wo also beim Gleichgewicht ihrer gegeneinander wirkenden Kräfte überhaupt alle Bestimmung aufhört, ist das zu Bestimmende etwas an und für sich Gesetzloses und Willkürliches. Weiteres hierüber im nächsten Kapitel.
Beim zinstragenden Kapital erscheint alles äußerlich: der Vorschuß des Kapitals als bloße Übertragung desselben vom Verleiher an den Borger; der Rückfluß des realisierten Kapitals als bloße Rückübertragung, Rückzahlung, mit Zins, vom Borger an den Verleiher. So auch die der kapitalistischen Produktionsweise immanente Bestimmung, daß die Profitrate bestimmt ist nicht nur durch das Verhältnis des in einem einzelnen Umschlag gemachten Profits zum vorgeschoßnen Kapitalwert, sondern auch durch die Länge dieser Umschlagszeit selbst, also als Profit, den das industrielle Kapital in bestimmten Zeiträumen abwirft. Auch dies erscheint beim zinstragenden Kapital ganz äußerlich so, daß für bestimmte Zeitfrist dem Verleiher bestimmter Zins gezahlt wird.
Mit seiner gewöhnlichen Einsicht in den innern Zusammenhang der Dinge sagt der romantische Adam Müller ("Elemente der Staatskunst", Berlin 1809, [Th. III,] S. 138):
"Bei der Bestimmung des Preises der Dinge wird nicht nach der Zeit gefragt; für die Bestimmung des Zinses kommt die Zeit hauptsächlich in Anschlag."
Er sieht nicht, wie die Produktionszeit und die Umlaufszeit in die Bestimmung des Preises der Waren eingeht und wie gerade dadurch die Profitrate für eine gegebne Umschlagszeit des Kapitals bestimmt ist, durch die Bestimmung des Profits für eine gegebne Zeit aber eben die des Zinses. Sein Tiefsinn besteht hier wie immer nur darin, die Staubwolken der Oberfläche zu sehn und dies Staubige anmaßlich als etwas Geheimnisvolles und Bedeutendes auszusprechen.
Zweiundzwanzigstes Kapitel. Teilung des Profits. Zinsfuß. "Natürliche" Rate des Zinsfußes
Der Gegenstand dieses Kapitels, sowie überhaupt alle später zu behandelnden Erscheinungen des Kredits, können hier nicht im einzelnen untersucht werden. Die Konkurrenz zwischen Verleihern und Borgern und die daher resultierenden kürzern Schwankungen des Geldmarkts fallen außerhalb des Bereichs unsrer Betrachtung. Der Kreislauf, den die Zinsrate während des industriellen Zyklus durchläuft, unterstellt zu seiner Darstellung die Darstellung dieses Zyklus selbst, die ebenfalls hier nicht gegeben werden kann. Dasselbe gilt für die größere oder geringere, annähernde Ausgleichung des Zinsfußes auf dem Weltmarkt. Wir haben es hier nur damit zu tun, die selbständige Gestalt des zinstragenden Kapitals und die Verselbständigung des Zinses gegen den Profit zu entwickeln.
Da der Zins bloß ein Teil des Profits ist, der nach unsrer bisherigen Voraussetzung vom industriellen Kapitalisten an den Geldkapitalisten zu zahlen ist, so erscheint als Maximalgrenze des Zinses der Profit selbst, wo der Teil, der dem fungierenden Kapitalisten zufiele, = 0 wäre. Abgesehn von einzelnen Fällen, wo der Zins tatsächlich größer als der Profit sein, dann aber auch nicht aus dem Profit gezahlt werden kann, könnte man vielleicht als Maximalgrenze des Zinses betrachten den ganzen Profit minus dem später unten zu entwickelnden Teil desselben, der in Aufsichtslohn (wages of superintendence) auflösbar. Die Minimalgrenze des Zinses ist ganz und gar unbestimmbar. Er kann zu jeder beliebigen Tiefe fallen. Indessen treten dann immer wieder gegenwirkende Umstände ein und heben ihn über dies relative Minimum.
"Das Verhältnis zwischen der Summe, bezahlt für den Gebrauch eines Kapitals, und diesem Kapital selbst, drückt die Rate des Zinsfußes aus, gemessen in Geld." -"Die Zinsrate hängt ab 1. von der Profitrate; 2. von dem Verhältnis, worin der Gesamtprofit geteilt wird zwischen Verleiher und Borger." ("Economist", 22. Januar 1853.) "Da das, was man als Zins bezahlt, für den Gebrauch dessen, was man borgt, ein Teil des Profits ist, den das Geborgte zu produzieren fähig ist, so muß dieser Zins stets reguliert sein durch jenen Profit." (Massie, l.c.p. 49.)
Wir wollen zuerst annehmen, es existiere ein fixes Verhältnis zwischen dem Gesamtprofit und dem Teil desselben, der als Zins an den Geldkapitalisten wegzuzahlen ist. Dann ist es klar, daß der Zins steigen oder fallen wird wie der Gesamtprofit, und dieser ist bestimmt durch die allgemeine Profitrate und ihre Schwankungen. Wäre z.B. die Durchschnittsprofitrate = 20% und der Zins = 1/4 des Profits, so der Zinsfuß = 5%; wenn jene = 16%, so der Zins = 4%. Bei einer Profitrate von 20% könnte der Zins auf 8% steigen, und der industrielle Kapitalist würde immer noch denselben Profit machen wie bei einer Profitrate = 16% und Zinsfuß = 4%, nämlich 12%. Stiege der Zins nur auf 6 oder 7%, so würde er immer noch einen größern Teil des Profits behalten. Wäre der Zins gleich einem konstanten Quotum des Durchschnittsprofits, so folgte, daß je höher die allgemeine Profitrate, um so größer die absolute Differenz zwischen dem Gesamtprofit und dem Zins, um so größer also der Teil des Gesamtprofits, der dem fungierenden Kapitalisten zufällt, und umgekehrt. Gesetzt, der Zins sei = 1/5 des Durchschnittsprofits. 1/5 von 10 ist 2; Differenz zwischen dem Gesamtprofit und dem Zins = 8. 1/5 von 20 ist = 4; Differenz = 20 - 4 = 16; 1/5 von 25 = 5; Differenz =25 - 5= 20; 1/5 von 30 = 6; Differenz = 30 - 6 = 24; 1/5 von 35 = 7; Differenz = 35 - 7 = 28. Die verschiednen Zinsraten von 4, 5, 6, 7% würden hier immer nur 1/5 oder 20% vom Gesamtprofit ausdrücken. Sind also die Profitraten verschieden, so können verschiedne Zinsraten dieselben aliquoten Teile des Gesamtprofits oder denselben Prozentanteil am Gesamtprofit ausdrücken. Bei solch konstantem Verhältnis des Zinses wäre der industrielle Profit (die Differenz zwischen dem Gesamtprofit und dem Zins) um so größer, je höher die allgemeine Profitrate, und umgekehrt.
Alle andern Umstände gleichgesetzt, d.h., das Verhältnis zwischen Zins und Gesamtprofit als mehr oder weniger konstant angenommen, wird der fungierende Kapitalist fähig und willig sein, höhern oder niedern Zins zu zahlen im direkten Verhältnis zur Höhe der Profitrate.8 Da man gesehn, daß die Höhe der Profitrate im umgekehrten Verhältnis steht zur Entwicklung der kapitalistischen Produktion, so folgt daher, daß der höhere oder niedre Zinsfuß in einem Lande in demselben umgekehrten Verhältnis zur Höhe der industriellen Entwicklung steht, soweit nämlich die Verschiedenheit des Zinsfußes wirklich Verschiedenheit der Profitraten ausdrückt. Man wird später sehn, daß dies keineswegs stets der Fall zu sein braucht. In diesem Sinn kann man sagen, daß der Zins reguliert wird durch den Profit, näher durch die allgemeine Profitrate. Und diese Art seiner Regulierung gilt selbst für seinen Durchschnitt.
Jedenfalls ist die Durchschnittsrate des Profits als die endgültig bestimmende Maximalgrenze des Zinses zu betrachten.
Den Umstand, daß der Zins auf den Durchschnittsprofit zu beziehn, werden wir gleich näher betrachten. Wo ein gegebnes Ganze, wie der Profit, zwischen zweien zu teilen ist, kommt es natürlich zunächst auf die Größe des zu teilenden Ganzen an, und diese, die Größe des Profits, ist bestimmt durch seine Durchschnittsrate. Die allgemeine Profitrate, also die Größe des Profits für ein Kapital von gegebner Größe, sage = 100, als gegeben vorausgesetzt, stehn die Variationen des Zinses offenbar im umgekehrten Verhältnis zu denen des Profitteils, der dem fungierenden, aber mit geborgtem Kapital arbeitenden Kapitalisten bleibt. Und die Umstände, welche die Größe des zu verteilenden Profits, des Wertprodukts unbezahlter Arbeit, bestimmen, sind sehr verschieden von denen, die seine Verteilung unter diese beiden Sorten Kapitalisten bestimmen, und wirken oft nach ganz entgegengesetzten Seiten.9
Wenn man die Umschlagszyklen betrachtet, worin sich die moderne Industrie bewegt - Zustand der Ruhe, wachsende Belebung, Prosperität, Überproduktion, Krach, Stagnation, Zustand der Ruhe etc., Zyklen, deren weitere Analyse außerhalb unserer Betrachtung fällt -, so wird man finden, daß meist niedriger Stand des Zinses den Perioden der Prosperität oder des Extraprofits entspricht, Steigen des Zinses der Scheide zwischen der Prosperität und ihrem Umschlag, Maximum des Zinses bis zur äußersten Wucherhöhe aber der Krisis.10 Vom Sommer 1843 an trat entschiedne Prosperität ein; der Zinsfuß, im Frühling 1842 noch 4 1/2%, fiel im Frühling und Sommer 1843 auf 2%11; im September selbst auf 1 1/2% (Gilbart, ["A practical treatise on banking", 5. Ausg., London 1849], I, p. 166); dann während der Krise 1847 stieg er auf 8% und mehr.
Allerdings kann andrerseits niedriger Zins mit Stockung, und mäßig steigender Zins mit wachsender Belebung zusammengehn.
Der Zinsfuß erreicht seine äußerste Höhe während der Krisen, wo geborgt werden muß, um zu zahlen, was es auch koste. Es ist dies zugleich, da dem Steigen des Zinses ein Fallen im Preise der Wertpapiere entspricht, eine sehr artige Gelegenheit für Leute mit disponiblem Geldkapital, um sich zu Spottpreisen solcher zinstragenden Papiere zu bemächtigen, die, im regelmäßigen Verlauf der Dinge, mindestens ihren Durchschnittspreis wieder erreichen müssen, sobald der Zinsfuß wieder fällt.12
Es existiert aber auch eine Tendenz zum Fallen des Zinsfußes, ganz unabhängig von den Schwankungen der Profitrate. Und zwar aus zwei Hauptursachen:
I. "Unterstellen wir selbst, Kapital würde nie anders aufgenommen als für produktive Anlagen, so ist es dennoch möglich, daß der Zinsfuß wechselt ohne irgendwelchen Wechsel in der Rate des Bruttoprofits. Denn, wie ein Volk fortschreitet in der Entwicklung des Reichtums, entsteht und wächst immer mehr eine Klasse von Leuten, die durch die Arbeiten ihrer Vorfahren sich im Besitz von Fonds befinden, von deren bloßem Zins sie leben können. Viele, auch die in der Jugend und Mannheit aktiv im Geschäft beteiligt, ziehn sich zurück, um im Alter ruhig vom Zins der akkumulierten Summen zu leben. Diese beiden Klassen haben eine Tendenz, mit dem wachsenden Reichtum des Landes sich zu vermehren; denn die, die schon mit einem mittelmäßigen Kapital anfangen, bringen es leichter zu einem unabhängigen Vermögen, als die mit wenigem anfangen. In alten und reichen Ländern macht daher der Teil des Nationalkapitals, dessen Eigentümer ihn nicht selbst anwenden wollen, ein größeres Verhältnis aus zum gesamten produktiven Kapital der Gesellschaft als in neu angebauten und armen Ländern. Wie zahlreich ist nicht die Klasse der Rentiers in England! Im Verhältnis wie die Klasse der Rentiers wächst, wächst auch die der Kapitalverleiher, denn sie sind beides dieselben." (Ramsay, "Essay on the Distribution of Wealth", p. 201, 202.)
II. Die Entwicklung des Kreditsystems und die damit beständig wachsende, durch die Bankiers vermittelte, Verfügung der Industriellen und Kaufleute über alle Geldersparnisse aller Klassen der Gesellschaft und die fortschreitende Konzentration dieser Ersparnisse zu den Massen, worin sie als Geldkapital wirken können, muß ebenfalls auf den Zinsfuß drücken. Mehr hierüber später.
Mit Bezug auf Bestimmung der Zinsrate sagt Ramsay, daß sie
"abhängt zum Teil von der Rate des Bruttoprofits, zum Teil von der Proportion, worin dieser geteilt wird in Zins und Unternehmergewinn (profits of enterprise). Diese Proportion hängt ab von der Konkurrenz zwischen Verleihern und Borgern von Kapital; diese Konkurrenz wird beeinflußt, aber nicht ausschließlich reguliert durch die voraussichtliche Rate des Bruttoprofits.13 Die Konkurrenz wird nicht ausschließlich hierdurch reguliert, weil auf der einen Seite viele borgen, ohne irgendwelche Absicht produktiver Anlage, und weil andrerseits die Größe des gesamten leihbaren Kapitals wechselt mit dem Reichtum des Landes, unabhängig von irgendwelchem Wechsel im Bruttoprofit. (Ramsay, l.c.p. 206, 207.)
Um die Durchschnittsrate des Zinses zu finden, ist 1. der Durchschnitt des Zinsfußes während seiner Variationen in den großen industriellen Zyklen zu berechnen; 2. der Zinsfuß in solchen Anlagen, wo Kapital für längere Zeit ausgeliehen wird.
Die in einem Lande herrschende Durchschnittsrate des Zinses - im Unterschied von den beständig schwankenden Marktraten - ist durchaus durch kein Gesetz bestimmbar. Es gibt in dieser Art keine natürliche Rate des Zinses in dem Sinn, wie die Ökonomen von einer natürlichen Profitrate und einer natürlichen Rate des Arbeitslohns sprechen. Schon Massie bemerkt hier mit vollem Recht (p. 49):
"The only thing which any man can be in doubt about on this occasion, is, what proportion of these profits do of right belong to the borrower, and what to the lender; and this there is no other method of determining than by the opinions of borrowers and lenders in general; for right and wrong, in this respect, are only what common consent makes so."
Das Decken der Nachfrage und Zufuhr - die Durchschnittsprofitrate als gegeben vorausgesetzt - heißt hier durchaus nichts. Wo sonst zu dieser Formel Zuflucht genommen wird (und dies ist dann auch praktisch richtig), dient sie als eine Formel, um die von der Konkurrenz unabhängige und vielmehr sie bestimmende Grundregel (die regulierenden Grenzen oder die begrenzenden Größen) zu finden; namentlich als eine Formel für die in der Praxis der Konkurrenz, in ihren Erscheinungen und den daraus sich entwickelnden Vorstellungen Befangnen, um zu einer, wenn auch selbst wieder oberflächlichen Vorstellung eines innerhalb der Konkurrenz sich darstellenden innern Zusammenhangs der ökonomischen Verhältnisse zu gelangen. Es ist eine Methode, um von den die Konkurrenz begleitenden Variationen zu den Grenzen dieser Variationen zu kommen. Dies ist nicht der Fall bei dem Durchschnittszinsfuß. Es ist durchaus kein Grund vorhanden, warum die mittleren Konkurrenzverhältnisse, das Gleichgewicht zwischen Ausleiher und Anleiher, dem Ausleiher einen Zinsfuß von 3, 4, 5% etc. auf sein Kapital oder aber einen bestimmten Prozentanteil, 20% oder 50% vom Bruttoprofit, geben sollten. Wo hier die Konkurrenz als solche entscheidet, ist die Bestimmung an und für sich zufällig, rein empirisch, und nur Pedanterie oder Phantasterei kann diese Zufälligkeit als etwas Notwendiges entwickeln wollen.14 Nichts ist amüsanter in den Parlamentsberichten von 1857 und 1858 über die Bankgesetzgebung und die Handelskrise, als Direktoren der Bank von England, Londoner Bankiers, Provinzial-Bankiers und professionelle Theoretiker hin und her schwatzen zu hören über die "real rate produced", ohne daß sie es je weiter brächten als zu Gemeinplätzen, wie z.B., daß "der Preis, der von verleihbarem Kapital bezahlt wird, mit dem Angebot dieses Kapitals wechseln dürfte", daß "hohe Zinsrate und niedrige Profitrate auf die Dauer nicht nebeneinander bestehn können" und andre solche Plattheiten.15 Gewohnheit, gesetzliche Tradition etc. haben ebensosehr, wie die Konkurrenz selbst, zu tun mit der Bestimmung des mittlern Zinsfußes, soweit dieser nicht nur als Durchschnittszahl, sondern als faktische Größe existiert. Ein mittlerer Zinsfuß muß schon in vielen Rechtsstreitigkeiten, wo Zinsen zu berechnen, als legal angenommen werden. Fragt man nun weiter, warum die Grenzen des mittlern Zinsfußes nicht aus allgemeinen Gesetzen abzuleiten sind, so liegt die Antwort einfach in der Natur des Zinses. Er ist bloß ein Teil des Durchschnittsprofits. Dasselbe Kapital erscheint in doppelter Bestimmung, als leihbares Kapital in der Hand des Verleihers, als industrielles oder kommerzielles Kapital in den Händen des fungierenden Kapitalisten. Aber es fungiert nur einmal und produziert selbst den Profit nur einmal. Im Produktionsprozeß selbst spielt der Charakter des Kapitals als verleihbares keine Rolle. Wie sich die beiden Personen darin teilen, die Ansprüche auf diesen Profit haben, ist an und für sich eine ebenso rein empirische, dem Reich des Zufälligen angehörige Tatsache wie die Teilung der Prozentanteile des gemeinschaftlichen Profits eines Kompaniegeschäfts unter die verschiednen Teilhaber. Bei der Teilung zwischen Mehrwert und Arbeitslohn, worauf die Bestimmung der Profitrate wesentlich beruht, wirken zwei ganz verschiedne Elemente, Arbeitskraft und Kapital, bestimmend ein; es sind Funktionen zweier unabhängigen Variablen, die sich gegenseitig Grenzen setzen; und aus ihrem qualitativen Unterschied geht die quantitative Teilung des produzierten Werts hervor. Man wird später sehn, daß dasselbe stattfindet bei der Teilung des Mehrwerts zwischen Rente und Profit. Bei dem Zins findet nichts Derartiges statt. Hier geht die qualitative Unterscheidung, wie wir gleich sehn werden, umgekehrt aus der rein quantitativen Teilung desselben Stücks des Mehrwerts hervor.
Aus dem bisher Entwickelten ergibt sich, daß es keine "natürliche" Zinsrate gibt. Wenn aber auf der einen Seite im Gegensatz zur allgemeinen Profitrate der mittlere Zinsfuß oder die Durchschnittsrate des Zinses, im Unterschied von den beständig schwankenden Marktraten des Zinses, in seinen Grenzen durch kein allgemeines Gesetz feststellbar ist, weil es sich nur um Teilung des Bruttoprofits zwischen zwei Besitzern des Kapitals, unter verschiednen Titeln, handelt, erscheint umgekehrt der Zinsfuß, sei es der mittlere, sei es die jedesmalige Marktrate, ganz anders als eine gleichmäßige, bestimmte und handgreifliche Größe als dies bei der allgemeinen Profitrate der Fall ist.16
Der Zinsfuß verhält sich zur Profitrate ähnlich wie der Marktpreis der Ware zu ihrem Wert. Soweit der Zinsfuß durch die Profitrate bestimmt ist, ist es stets durch die allgemeine Profitrate, nicht durch die spezifischen Profitraten, die in besondern Industriezweigen herrschen mögen, und noch weniger durch den Extraprofit, den der einzelne Kapitalist in einer besondren Geschäftssphäre machen mag.17 Die allgemeine Profitrate erscheint daher in der Tat als empirisches, gegebnes Faktum wieder in der Durchschnittszinsrate, obgleich die letztre kein reiner oder zuverlässiger Ausdruck der erstern.
Es ist zwar richtig, daß die Zinsrate selbst, je nach den Klassen der von den Borgern gegebnen Sicherheiten und nach der Zeitdauer der Anleihe beständig verschieden ist; aber für jede dieser Klassen ist sie in einem gegebnen Moment uniform. Dieser Unterschied beeinträchtigt also nicht die fixe und uniforme Gestalt des Zinsfußes.18
Der mittlere Zinsfuß erscheint in jedem Lande für längre Epochen als konstante Größe, weil die allgemeine Profitrate - trotz des beständigen Wechsels der besondren Profitraten, wo aber der Wechsel in einer Sphäre durch entgegengesetzten in der andern sich ausgleicht - nur in längern Epochen wechselt. Und ihre relative Konstanz erscheint eben in diesem mehr oder minder konstanten Charakter des mittlern Zinsfußes (average rate or common rate of interest).
Was aber die beständig fluktuierende Marktrate des Zinses betrifft, so ist sie in jedem Moment als fixe Größe gegeben, wie der Marktpreis der Waren, weil auf dem Geldmarkt beständig alles leihbare Kapital als Gesamtmasse dem fungierenden Kapital gegenübersteht, also das Verhältnis des Angebots von leihbarem Kapital auf der einen Seite, die Nachfrage darnach auf der andern den jedesmaligen Marktstand des Zinses entscheidet. Dies ist um so mehr der Fall, je mehr die Entwicklung und damit verbundne Konzentration des Kreditwesens dem leihbaren Kapital einen allgemein gesellschaftlichen Charakter gibt und es auf einmal, gleichzeitig, auf den Geldmarkt wirft. Dagegen existiert die allgemeine Profitrate beständig nur als Tendenz, als Bewegung der Ausgleichung der besondren Profitraten. Die Konkurrenz der Kapitalisten - die selbst diese Bewegung der Ausgleichung ist - besteht hier darin, daß sie den Sphären, wo der Profit auf längre Zeit unter dem Durchschnitt, allmählich Kapital entziehn und den Sphären, wo er darüber, ebenso allmählich Kapital zuführen; oder auch, daß sich Zusatzkapital nach und nach in verschiednen Proportionen zwischen diese Sphären verteilt. Es ist beständige Variation der Zufuhr und der Entziehung von Kapital, diesen verschiednen Sphären gegenüber, nie gleichzeitige Massenwirkung wie bei der Bestimmung des Zinsfußes.
Man hat gesehn, daß, obgleich eine von der Ware absolut verschiedne Kategorie, das zinstragende Kapital, zur Ware sui generis und deshalb der Zins sein Preis wird, der, wie bei der gewöhnlichen Ware ihr Marktpreis, jedesmal durch Nachfrage und Angebot fixiert wird. Die Marktrate des Zinses, obgleich beständig schwankend, erscheint daher in jedem gegebnen Moment ebenso beständig fixiert und uniform wie der jedesmalige Marktpreis der Ware. Die Geldkapitalisten führen diese Ware zu, und die fungierenden Kapitalisten kaufen sie, bilden die Nachfrage dafür. Dies findet bei der Ausgleichung zur allgemeinen Profitrate nicht statt. Stehn die Preise der Waren in einer Sphäre unter oder über dem Produktionspreis (wobei von den, jedem Geschäft eignen und mit den verschiednen Phasen des industriellen Zyklus zusammenhängenden Schwankungen abgesehn wird), so findet Ausgleichung statt durch Erweiterung oder Einengung der Produktion, d.h. Ausdehnung oder Verkürzung der von den industriellen Kapitalen auf den Markt geworfenen Warenmassen, vermittelt durch Ein- oder Auswanderung von Kapital mit Bezug auf die besondren Produktionssphären. Durch die so herbeigeführte Ausgleichung der durchschnittlichen Marktpreise der Waren zu Produktionspreisen ist es, daß die Abweichungen der besondren Profitraten von der allgemeinen oder Durchschnittsprofitrate korrigiert werden. Dieser Prozeß erscheint nie so und kann nie so erscheinen, daß das industrielle oder merkantile Kapital als solches Ware gegenüber einem Käufer ist, wie das zinstragende Kapital. Soweit er erscheint, erscheint er nur in den Schwankungen und Ausgleichungen der Marktpreise der Waren zu Produktionspreisen; nicht als direkte Festsetzung des Durchschnittsprofits. Die allgemeine Profitrate ist in der Tat bestimmt 1. durch den Mehrwert, den das Gesamtkapital produziert, 2. durch das Verhältnis dieses Mehrwerts zum Wert des Gesamtkapitals, und 3. durch die Konkurrenz, aber nur soweit, als diese die Bewegung ist, wodurch die in besondren Produktionssphären angelegten Kapitale gleiche Dividenden aus diesem Mehrwert, im Verhältnis zu ihren relativen Größen zu ziehn suchen. Die allgemeine Profitrate schöpft also in der Tat ihre Bestimmung aus ganz andren und viel komplizierteren Gründen, als die durch das Verhältnis von Nachfrage und Angebot direkt und unmittelbar bestimmte Marktrate des Zinses, und ist daher kein handgreifliches und gegebnes Faktum in der Art, wie es der Zinsfuß ist. Die besondren Profitraten in den verschiednen Produktionssphären sind selbst mehr oder minder unsicher; aber soweit sie erscheinen, ist es nicht ihre Uniformität, sondern ihre Verschiedenheit, die erscheint. Die allgemeine Profitrate selbst aber erscheint nur als Minimalgrenze des Profits, nicht als empirische, direkt sichtbare Gestalt der wirklichen Profitrate.
Indem wir diesen Unterschied zwischen der Zinsrate und der Profitrate hervorheben, sehn wir selbst ab von folgenden beiden, die Konsolidation des Zinsfußes begünstigenden Umständen: 1. der historischen Präexistenz des zinstragenden Kapitals und der Existenz eines traditionell überlieferten allgemeinen Zinsfußes; 2. dem viel größern unmittelbaren Einfluß, den der Weltmarkt, unabhängig von den Produktionsbedingungen eines Landes, auf die Feststellung des Zinsfußes ausübt, verglichen mit seinem Einfluß auf die Profitrate.
Der Durchschnittsprofit erscheint nicht als unmittelbar gegebne Tatsache, sondern als erst durch die Untersuchung festzustellendes Endresultat der Ausgleichung entgegengesetzter Schwankungen. Anders mit dem Zinsfuß. Er ist in seiner, wenigstens lokalen, Allgemeingültigkeit ein täglich fixiertes Faktum, ein Faktum, das dem industriellen und merkantilen Kapital sogar als Voraussetzung und Posten in der Kalkulation bei seinen Operationen dient. Es wird ein allgemeines Vermögen jeder Geldsumme von 100 Pfd.St., 2, 3, 4, 5% abzuwerfen. Meteorologische Berichte zeichnen nicht genauer den Stand von Barometer und Thermometer auf, als Börsenberichte den Stand des Zinsfußes, nicht für dieses oder jenes Kapital, sondern für das auf dem Geldmarkt befindliche, d.h. überhaupt verleihbare Kapital.
Auf dem Geldmarkt stehn sich nur Verleiher und Borger gegenüber. Die Ware hat dieselbe Form, Geld. Alle besondren Gestalten des Kapitals, je nach seiner Anlage in besondren Produktions- oder Zirkulationssphären sind hier ausgelöscht. Es existiert hier in der unterschiedslosen, sich selbst gleichen Gestalt des selbständigen Werts, des Geldes. Die Konkurrenz der besondren Sphären hört hier auf; sie sind alle zusammengeworfen als Geldborger, und das Kapital steht allen auch gegenüber in der Form, worin es noch gleichgültig gegen die bestimmte Art und Weise seiner Anwendung ist. Als was das industrielle Kapital nur in der Bewegung und Konkurrenz zwischen den besondren Sphären erscheint, als an sich gemeinsames Kapital der Klasse, tritt es hier wirklich, der Wucht nach, in der Nachfrage und Angebot von Kapital auf. Andrerseits besitzt das Geldkapital auf dem Geldmarkt wirklich die Gestalt, worin es als gemeinsames Element, gleichgültig gegen seine besondre Anwendung, sich unter die verschiednen Sphären, unter die Kapitalistenklasse verteilt, je nach den Produktionsbedürfnissen jeder besondren Sphäre. Es kommt hinzu, daß mit Entwicklung der großen Industrie das Geldkapital mehr und mehr, soweit es auf dem Markt erscheint, nicht vom einzelnen Kapitalisten vertreten wird, dem Eigentümer dieses oder jenes Bruchteils des auf dem Markt befindlichen Kapitals, sondern als konzentrierte, organisierte Masse auftritt, die ganz anders als die reelle Produktion unter die Kontrolle der das gesellschaftliche Kapital vertretenden Bankiers gestellt ist. So daß sowohl, was die Form der Nachfrage angeht, dem verleihbaren Kapital die Wucht einer Klasse gegenübertritt; wie, was das Angebot angeht, es selbst als Leihkapital en masse auftritt.
Dies sind einige der Gründe, warum die allgemeine Profitrate als ein verschwimmendes Nebelbild erscheint neben dem bestimmten Zinsfuß, der zwar seiner Größe nach schwankt, aber dadurch, daß er gleichmäßig für alle Borger schwankt, ihnen stets als fixer, gegebner gegenübertritt. Ganz wie die Wertwechsel des Geldes es nicht hindern, allen Waren gegenüber gleichen Wert zu haben. Ganz wie die Marktpreise der Waren täglich schwanken, was sie nicht hindert, täglich in den Berichten notiert zu werden. Ganz so der Zinsfuß, der ebenso regelmäßig als "Preis des Geldes" notiert wird. Es ist, weil hier das Kapital selbst in Geldform als Ware angeboten wird; die Fixation seines Preises daher Fixierung seines Marktpreises wie bei allen andern Waren ist; der Zinsfuß sich daher stets als allgemeiner Zinsfuß, als soviel für so viel Geld, als quantitativ bestimmt darstellt. Die Profitrate dagegen kann selbst innerhalb derselben Sphäre, bei gleichen Marktpreisen der Ware, verschieden sein, je nach den verschiednen Bedingungen, worin die einzelnen Kapitale dieselbe Ware produzieren; denn die Profitrate für das Einzelkapital wird bestimmt nicht durch den Marktpreis der Ware, sondern durch die Differenz zwischen Marktpreis und Kostpreis. Und diese verschiednen Profitraten, erst innerhalb derselben Sphäre und dann zwischen den verschiednen Sphären selbst, können sich nur durch beständige Schwankungen ausgleichen.
(Notiz für spätere Ausarbeitung.) Eine besondre Form des Kredits: Man weiß, daß, wenn das Geld als Zahlungsmittel statt als Kaufmittel fungiert, die Ware veräußert, aber ihr Wert erst später realisiert wird. Findet die Zahlung erst statt, nachdem die Ware wieder verkauft ist, so erscheint dieser Verkauf nicht als Folge des Kaufs, sondern es ist durch den Verkauf, daß der Kauf realisiert wird. Oder der Verkauf wird ein Mittel des Kaufens. - Zweitens: Schuldtitel, Wechsel etc., werden Zahlungsmittel für den Gläubiger. - Drittens: die Kompensation der Schuldtitel ersetzt das Geld.
Dreiundzwanzigstes Kapitel. Zins und Unternehmergewinn
Der Zins, wie wir in den beiden vorhergehenden Kapiteln gesehn, erscheint ursprünglich, ist ursprünglich, und bleibt in Wirklichkeit nichts als ein Teil des Profits, d.h. des Mehrwerts, den der fungierende Kapitalist, Industrieller oder Kaufmann, soweit er nicht eignes Kapital, sondern geliehenes Kapital anwendet, wegzahlen muß an den Eigentümer und Verleiher dieses Kapitals. Wendet er nur eignes Kapital an, so findet keine solche Teilung des Profits statt; dieser gehört ihm ganz. In der Tat, soweit die Eigner des Kapitals es selbst im Reproduktionsprozeß anwenden, konkurrieren sie nicht mit zur Bestimmung der Zinsrate, und schon hierin zeigt sich, wie die Kategorie des Zinses - unmöglich ohne die Bestimmung eines Zinsfußes - der Bewegung des industriellen Kapitals an sich fremd ist.
"The rate of interest may be defined to be that proportional sum which the lender is content to receive, and the borrower to pay, for a year or for any longer or shorter period for the use of a certain amount of moneyed capital ... when the owner of capital employs it actively in reproduction, he does not come under the head of those capitalists, the proportion of whom, to the number of borrowers, determines the rate of interest." (Th. Tooke, "Hist. of Prices", London 1838, II, p. 355, 356.)
Es ist in der Tat nur die Trennung der Kapitalisten in Geldkapitalisten und industrielle Kapitalisten, die einen Teil des Profits in Zins verwandelt, die überhaupt die Kategorie des Zinses schafft; und es ist nur die Konkurrenz zwischen diesen beiden Sorten Kapitalisten, die den Zinsfuß schafft.
Solang das Kapital im Reproduktionsprozeß fungiert - selbst vorausgesetzt, es gehöre dem industriellen Kapitalisten selbst, so daß er es an keinen Verleiher zurückzuzahlen hat -, solange hat er zu seiner Verfügung als Privatmann nicht dies Kapital selbst, sondern nur den Profit, den er als Revenue verausgaben kann. Solang sein Kapital als Kapital fungiert, gehört es dem Reproduktionsprozeß, ist es darin festgelegt. Er ist zwar sein Eigentümer, aber dies Eigentum befähigt ihn nicht, solange er es als Kapital zur Ausbeutung von Arbeit benützt, in andrer Weise darüber zu verfügen. Ganz so verhält es sich mit dem Geldkapitalisten. Solange sein Kapital ausgeliehen ist und daher als Geldkapital wirkt, bringt es ihm Zins, einen Teil des Profits, aber über die Hauptsumme kann er nicht verfügen. Es erscheint dies, sobald er es, zum Beispiel für ein Jahr oder mehrere, verliehen und in gewissen Terminen Zins erhält ohne Rückzahlung des Kapitals. Aber selbst die Rückzahlung macht hier keinen Unterschied. Erhält er es zurück, so muß er es stets von neuem verleihen, solange es die Wirkung von Kapital - hier Geldkapital - für ihn haben soll. Solange es sich in seiner Hand befindet, trägt es keine Zinsen und wirkt nicht als Kapital; und solange es Zinsen trägt und als Kapital wirkt, befindet es sich nicht in seiner Hand. Daher die Möglichkeit, Kapital auf ewige Zeiten zu verleihen. Die folgenden Bemerkungen von Tooke gegen Bosanquet sind daher ganz falsch. Er zitiert Bosanquet ("Metallic, Paper, and Credit Currency", p. 73):
"Wäre der Zinsfuß bis auf 1% herabgedrückt, so würde geborgtes Kapital beinahe auf gleiche Linie (on a par) gestellt mit eignem Kapital."
Hierzu macht Tooke folgende Randglosse:
"Daß ein zu diesem, oder selbst zu noch niedrigerem Zinsfuß geborgtes Kapital gelten soll als beinahe auf derselben Linie stehend mit eignem Kapital, ist eine so befremdende Behauptung, daß sie kaum ernstliche Beachtung verdiente, käme sie nicht von einem so intelligenten und in einzelnen Punkten des Themas so wohlunterrichteten Schriftsteller. Hat er den Umstand übersehn, oder hält er ihn für wenig bedeutend, daß seine Voraussetzung die Bedingung der Rückzahlung einschließt?" (Th. Tooke, "An Inquiry into the Currency Principle", 2nd ed., London 1844, p. 80.)
Wäre der Zins = 0, so stände der industrielle Kapitalist, der Kapital aufgenommen hat, sich gleich mit dem, der mit eignem Kapital arbeitet. Beide würden denselben Durchschnittsprofit einstecken, und als Kapital, ob geborgtes oder eignes, wirkt das Kapital nur, soweit es Profit produziert. Die Bedingung der Rückzahlung würde hieran nichts ändern. Je mehr der Zinsfuß sich Null nähert, also z.B. auf 1 % herabsinkt, um so mehr ist geborgtes Kapital mit eignem Kapital auf gleichen Fuß gestellt. Solange Geldkapital als Geldkapital existieren soll, muß es stets wieder ausgeliehen werden, und zwar zum bestehenden Zinsfuß, sage von 1 % und stets wieder an dieselbe Klasse der industriellen und merkantilen Kapitalisten. Solange diese als Kapitalisten fungieren, ist der Unterschied zwischen dem, der mit geborgtem, und dem, der mit eignem Kapital fungiert, nur der, daß der eine Zins zu zahlen hat und der andre nicht; der eine den Profit p ganz einsteckt, der andre p - z, den Profit minus den Zins; je mehr z sich Null nähert, um so mehr wird p - z = p, also um so mehr stehn beide Kapitale auf gleichem Fuß. Der eine muß das Kapital zurückzahlen und von neuem borgen; aber der andre, solang sein Kapital fungieren soll, muß es ebenfalls stets von neuem dem Produktionsprozeß vorschießen und hat keine von diesem Prozeß unabhängige Verfügung darüber. Der einzige sonst noch bleibende Unterschied ist der selbstverständliche, daß der eine Eigentümer seines Kapitals ist und der andre nicht.
Die Frage, die sich nun aufwirft, ist diese. Wie kommt es, daß diese rein quantitative Teilung des Profits in Nettoprofit und Zins in eine qualitative umschlägt? In andren Worten, wie kommt es, daß auch der Kapitalist, der nur sein eignes, kein geliehenes Kapital anwendet, einen Teil seines Bruttoprofits unter die besondre Kategorie des Zinses rangiert und als solchen besonders berechnet? Und daher weiter, daß alles Kapital, geliehenes oder nicht, als zinstragendes von sich selbst als Nettoprofit bringendem unterschieden wird?
Man erkennt, daß nicht jede zufällige quantitative Teilung des Profits in dieser Art in eine qualitative umschlägt. Z.B. einige industrielle Kapitalisten assoziieren sich zur Betreibung eines Geschäfts und verteilen dann den Profit untereinander nach juristisch festgesetzten Abmachungen. Andre treiben ihr Geschäft, jeder für sich, ohne Associé. Diese letzteren berechnen ihren Profit nicht unter zwei Kategorien, einen Teil als individuellen Profit, den andern als Kompanieprofit für die nichtexistierenden Gesellschafter. Hier schlägt also die quantitative Teilung nicht um in qualitative. Sie findet statt, wo zufällig der Eigentümer aus mehreren juristischen Personen besteht; sie findet nicht statt, wo dies nicht der Fall.
Um die Frage zu beantworten, müssen wir noch etwas länger verweilen bei dem wirklichen Ausgangspunkt der Zinsbildung; d.h. ausgehn von der Unterstellung, daß Geldkapitalist und produktiver Kapitalist sich wirklich gegenüberstehn, nicht nur als juristisch verschiedne Personen, sondern als Personen, die ganz verschiedne Rollen im Reproduktionsprozeß spielen oder in deren Hand dasselbe Kapital wirklich eine doppelte und gänzlich verschiedne Bewegung durchmacht. Der eine verleiht es nur, der andre wendet es produktiv an.
Für den produktiven Kapitalisten, der mit geliehenem Kapital arbeitet, zerfällt der Bruttoprofit in zwei Teile, den Zins, den er dem Verleiher zu zahlen hat, und den Überschuß über den Zins, der seinen eignen Anteil am Profit bildet. Ist die allgemeine Profitrate gegeben, so ist dieser letztre Teil bestimmt durch den Zinsfuß; ist der Zinsfuß gegeben, so durch die allgemeine Profitrate. Und ferner: wie immer der Bruttoprofit, die wirkliche Wertgröße des Gesamtprofits, in jedem einzelnen Fall abweichen mag von dem Durchschnittsprofit: der Teil, der dem fungierenden Kapitalisten gehört, ist bestimmt durch den Zins, da dieser durch den allgemeinen Zinsfuß (abgesehn von besondren juristischen Stipulationen) fixiert und als vorweggenommen vorausgesetzt ist, bevor der Produktionsprozeß beginnt, also bevor dessen Resultat, der Bruttoprofit erzielt ist. Wir haben gesehn, daß das eigentliche spezifische Produkt des Kapitals der Mehrwert, näher bestimmt der Profit ist. Aber für den Kapitalisten, der mit geborgtem Kapital arbeitet, ist es nicht der Profit, sondern der Profit minus dem Zins, der Teil des Profits, der ihm übrigbleibt nach Zahlung des Zinses. Dieser Teil des Profits erscheint ihm also notwendig als Produkt des Kapitals, soweit es fungiert; und dies ist für ihn wirklich, denn er vertritt das Kapital nur als fungierendes. Er ist seine Personifikation, soweit es fungiert, und es fungiert, soweit es profitbringend in der Industrie oder im Handel angelegt wird und mit ihm, durch seinen Anwender, die Operationen vorgenommen werden, die durch den jedesmaligen Geschäftszweig vorgeschrieben sind. Im Gegensatz zum Zins, den er aus dem Bruttoprofit an den Verleiher wegzuzahlen hat, nimmt der ihm zufallende noch übrige Teil des Profits also notwendig die Form des industriellen resp. kommerziellen Profits an, oder, um ihn mit einem deutschen Ausdruck zu bezeichnen, der beides einschließt, die Gestalt des Unternehmergewinns. Ist der Bruttoprofit gleich dem Durchschnittsprofit, so wird die Größe dieses Unternehmergewinns ausschließlich bestimmt durch den Zinsfuß. Weicht der Bruttoprofit ab vom Durchschnittsprofit, so ist die Differenz desselben vom Durchschnittsprofit (nach beiderseitigem Abzug des Zinses) durch alle die Konjunkturen bestimmt, welche eine zeitweilige Abweichung verursachen, sei es der Profitrate in einer besondren Produktionssphäre von der allgemeinen Profitrate, sei es des Profits, den ein einzelner Kapitalist in einer bestimmten Sphäre macht, vom Durchschnittsprofit dieser besondren Sphäre. Nun hat man aber gesehn, daß die Profitrate, innerhalb des Produktionsprozesses selbst, nicht nur vom Mehrwert abhängt, sondern von vielen andren Umständen: von den Einkaufspreisen der Produktionsmittel, von mehr als durchschnittlich produktiven Methoden, von Ökonomisierung des konstanten Kapitals etc. Und abgesehn vom Produktionspreis, hängt es von besondren Konjunkturen und bei jedem einzelnen Geschäftsabschluß von der größern oder geringern Schlauheit und Betriebsamkeit des Kapitalisten ab, ob und inwieweit dieser über oder unter dem Produktionspreis ein- oder verkauft, sich also innerhalb des Zirkulationsprozesses einen größern oder geringern Teil vom Gesamtmehrwert aneignet. Jedenfalls aber verwandelt sich die quantitative Teilung des Rohprofits hier in eine qualitative, und dies um so mehr, als die quantitative Teilung selbst davon abhängt, was zu verteilen ist, wie der aktive Kapitalist mit dem Kapital wirtschaftet und welchen Rohprofit es ihm als fungierendes Kapital, d.h. infolge seiner Funktionen als aktiver Kapitalist abwirft. Der fungierende Kapitalist ist hier unterstellt als Nichteigentümer des Kapitals. Das Eigentum am Kapital ist ihm gegenüber vertreten durch den Verleiher, den Geldkapitalisten. Der Zins, den er an diesen zahlt, erscheint also als der Teil des Rohprofits, der dem Kapitaleigentum als solchem zukommt. Im Gegensatz hierzu erscheint der Teil des Profits, der dem aktiven Kapitalisten zufällt, jetzt als Unternehmergewinn, entspringend ausschließlich aus den Operationen oder Funktionen, die er im Reproduktionsprozeß mit dem Kapital vollführt, speziell also den Funktionen, die er als Unternehmer in der Industrie oder dem Handel verrichtet. Ihm gegenüber erscheint also der Zins als bloße Frucht des Kapitaleigentums, des Kapitals an sich, abstrahiert vom Reproduktionsprozeß des Kapitals, soweit es nicht "arbeitet", nicht fungiert; während ihm der Unternehmergewinn erscheint als ausschließliche Frucht der Funktionen, die er mit dem Kapital verrichtet, als Frucht der Bewegung und des Prozessierens des Kapitals, eines Prozessierens, das ihm nun als seine eigne Tätigkeit erscheint im Gegensatz zur Nichttätigkeit, zur Nichtbeteiligung des Geldkapitalisten am Produktionsprozeß. Diese qualitative Scheidung zwischen den beiden Teilen des Rohprofits, daß der Zins Frucht des Kapitals an sich, des Kapitaleigentums, abgesehn vom Produktionsprozeß, und der Unternehmergewinn Frucht des prozessierenden, im Produktionsprozeß wirkenden Kapitals und daher der aktiven Rolle ist, die der Anwender des Kapitals im Reproduktionsprozeß spielt - diese qualitative Scheidung ist keineswegs bloß subjektive Auffassung des Geldkapitalisten hier und des industriellen Kapitalisten dort. Sie beruht auf objektiver Tatsache, denn der Zins fließt dem Geldkapitalisten, dem Leiher zu, der bloßer Eigentümer des Kapitals ist, also das bloße Kapitaleigentum vertritt vor dem Produktionsprozeß und außerhalb des Produktionsprozesses; und der Unternehmergewinn fließt dem bloß fungierenden Kapitalisten zu, der Nichteigentümer des Kapitals ist.
Sowohl für den industriellen Kapitalisten, soweit er mit geborgtem Kapital arbeitet, wie für den Geldkapitalisten, soweit er sein Kapital nicht selbst anwendet, schlägt hiermit die bloß quantitative Teilung des Bruttoprofits zwischen zwei verschiedne Personen, die beide verschiedne Rechtstitel haben auf dasselbe Kapital und daher auf den von ihm erzeugten Profit, um in eine qualitative Teilung. Der eine Teil des Profits erscheint nun als an und für sich zukommende Frucht des Kapitals in einer Bestimmung, als Zins; der andre Teil erscheint als spezifische Frucht des Kapitals in einer entgegengesetzten Bestimmung und daher als Unternehmergewinn; der eine als bloße Frucht des Kapitaleigentums, der andre als Frucht des bloßen Fungierens mit dem Kapital, als Frucht des Kapitals als prozessierendem oder der Funktionen, die der aktive Kapitalist ausübt. Und diese Verknöcherung und Verselbständigung der beiden Teile des Rohprofits gegeneinander, als wenn sie aus zwei wesentlich verschiednen Quellen herrührten, muß sich nun für die gesamte Kapitalistenklasse und für das Gesamtkapital festsetzen. Und zwar einerlei, ob das vom aktiven Kapitalisten angewandte Kapital geborgt sei oder nicht oder ob das dem Geldkapitalisten gehörende Kapital von ihm selbst angewandt werde oder nicht. Der Profit jedes Kapitals, also auch der auf Ausgleichung der Kapitale unter sich begründete Durchschnittsprofit zerfällt oder wird zerlegt in zwei qualitativ verschiedne, gegeneinander selbständige und voneinander unabhängige Teile, Zins und Unternehmergewinn, die beide durch besondre Gesetze bestimmt werden. Der Kapitalist, der mit eignem Kapital, so gut wie der, der mit geborgtem arbeitet, teilt seinen Rohprofit ein in Zins, der ihm als Eigentümer, als seinem eignen Verleiher von Kapital an sich selbst, und in Unternehmergewinn, der ihm als aktivem, fungierendem Kapitalisten zukommt. Es wird so für diese Teilung, als qualitative, gleichgültig, ob der Kapitalist wirklich mit einem andern zu teilen hat oder nicht. Der Anwender des Kapitals, auch wenn er mit eignem Kapital arbeitet, zerfällt in zwei Personen, den bloßen Eigentümer des Kapitals und den Anwender des Kapitals; sein Kapital selbst, mit Bezug auf die Kategorien von Profit, die es abwirft, zerfällt in Kapitaleigentum, Kapital außer dem Produktionsprozeß, das an sich Zins abwirft, und Kapital im Produktionsprozeß, das als prozessierend Unternehmergewinn abwirft.
Der Zins befestigt sich also derart, daß er nun nicht als eine der Produktion gleichgültige Teilung des Bruttoprofits auftritt, die nur dann gelegentlich stattfindet, wenn der Industrielle mit fremdem Kapital arbeitet. Auch wenn er mit eignem Kapital arbeitet, spaltet sich sein Profit in Zins und Unternehmergewinn. Hiermit wird die bloß quantitative Teilung zur qualitativen: sie findet statt unabhängig von dem zufälligen Umstand, ob der Industrielle Eigentümer oder Nichteigentümer seines Kapitals ist. Es sind nicht nur an verschiedne Personen verteilte Quota des Profits, sondern zwei verschiedne Kategorien desselben, die in verschiednem Verhältnis zum Kapital, also in einem Verhältnis zu verschiednen Bestimmtheiten des Kapitals stehn.
Es ergeben sich nun sehr einfach die Gründe, warum, sobald diese Teilung des Bruttoprofits in Zins und Unternehmergewinn einmal eine qualitative geworden ist, sie diesen Charakter einer qualitativen Teilung für das Gesamtkapital und die Gesamtklasse der Kapitalisten erhält.
Erstens folgt dies schon aus dem einfachen empirischen Umstand, daß die Mehrzahl der industriellen Kapitalisten, wenn auch in verschiednen Zahlenverhältnissen, mit eignem und erborgtem Kapital arbeitet und daß das Verhältnis zwischen eignem und erborgtem Kapital in verschiednen Perioden wechselt.
Zweitens: Die Verwandlung eines Teils des Bruttoprofits in die Form von Zins verwandelt seinen andren Teil in Unternehmergewinn. Dieser letztere ist in der Tat nur die gegensätzliche Form, die der Überschuß des Rohprofits über den Zins annimmt, sobald dieser als eigne Kategorie existiert. Die ganze Untersuchung, wie der Bruttoprofit sich in Zins und Unternehmergewinn differenziert, löst sich einfach auf in die Untersuchung, wie ein Teil des Bruttoprofits sich allgemein als Zins verknöchert und verselbständigt. Nun existiert aber historisch das zinstragende Kapital als eine fertige, überlieferte Form und daher der Zins als fertige Unterform des vom Kapital erzeugten Mehrwerts, lange bevor die kapitalistische Produktionsweise und die ihr entsprechenden Vorstellungen von Kapital und Profit existierten. Daher immer noch in der Volksvorstellung Geldkapital, zinstragendes Kapital als Kapital als solches, als Kapital par excellence gilt. Daher andrerseits die bis zur Zeit Massies vorherrschende Vorstellung, daß es das Geld als solches ist, was im Zins bezahlt wird. Der Umstand, daß verliehenes Kapital Zins abwirft, ob wirklich als Kapital verwandt oder nicht - auch wenn nur zur Konsumtion geborgt -, befestigt die Vorstellung von der Selbständigkeit dieser Form des Kapitals. Der beste Beweis von der Selbständigkeit, worin, in den ersten Perioden der kapitalistischen Produktionsweise, der Zins dem Profit und das zinstragende Kapital dem industriellen Kapital gegenüber erscheint, ist der, daß erst in der Mitte des 18. Jahrhunderts die Tatsache entdeckt wurde (von Massie und nach ihm von Hume), daß der Zins ein bloßer Teil des Bruttoprofits ist, und daß es überhaupt einer solchen Entdeckung bedurfte.
Drittens: Ob der industrielle Kapitalist mit eignem oder geborgtem Kapital arbeitet, ändert nichts an dem Umstand, daß ihm die Klasse der Geldkapitalisten als eine besondre Sorte Kapitalisten, das Geldkapital als eine selbständige Sorte des Kapitals und der Zins als die diesem spezifischen Kapital entsprechende selbständige Form des Mehrwerts gegenübersteht.
Qualitativ betrachtet ist der Zins Mehrwert, den das bloße Eigentum des Kapitals liefert, den das Kapital an sich abwirft, obgleich sein Eigentümer außerhalb des Reproduktionsprozesses stehnbleibt, den also Kapital abgesondert von seinem Prozeß abwirft.
Quantitativ betrachtet erscheint der Teil des Profits, der den Zins bildet, nicht auf das industrielle und kommerzielle Kapital als solches, sondern auf das Geldkapital bezogen, und die Rate dieses Teils des Mehrwerts, die Zinsrate oder der Zinsfuß, befestigt dies Verhältnis. Denn erstens wird der Zinsfuß - trotz seiner Abhängigkeit von der allgemeinen Profitrate - selbständig bestimmt, und zweitens erscheint er, wie der Marktpreis der Waren, der unfaßbaren Profitrate gegenüber als bei allem Wechsel festes, uniformes, handgreifliches und stets gegebnes Verhältnis. Befände sich alles Kapital in den Händen der industriellen Kapitalisten, so existierte kein Zins und kein Zinsfuß. Die selbständige Form, die die quantitative Teilung des Rohprofits annimmt, erzeugt die qualitative. Vergleicht sich der industrielle Kapitalist mit dem Geldkapitalisten, so unterscheidet ihn von diesem nur der Unternehmergewinn, als Überschuß des Rohprofits über den Durchschnittszins, der vermöge des Zinsfußes als empirisch gegebne Größe erscheint. Vergleicht er sich andrerseits mit dem industriellen Kapitalisten, der mit eignem statt geborgtem Kapital wirtschaftet, so unterscheidet dieser sich von ihm nur als Geldkapitalist, indem er den Zins selbst einsteckt, statt ihn wegzuzahlen. Nach beiden Seiten erscheint ihm der vom Zins unterschiedne Teil des Rohprofits als Unternehmergewinn und der Zins selbst als ein Mehrwert, den das Kapital an und für sich abwirft, und den es daher auch abwerfen würde ohne produktive Anwendung.
Für den einzelnen Kapitalisten ist dies praktisch richtig. Er hat die Wahl, ob er sein Kapital, sei es, daß es im Ausgangspunkt schon als Geldkapital existiert oder daß es erst in Geldkapital zu verwandeln ist, als zinstragendes Kapital verleihen oder als produktives Kapital selbst verwerten will. Allgemein gefaßt, d.h. auf das ganze Gesellschaftskapital angewendet, wie dies von einigen Vulgärökonomen geschieht und sogar als Grund des Profits angegeben wird, ist dies natürlich verrückt. Die Verwandlung des sämtlichen Kapitals in Geldkapital, ohne daß Leute da sind, die die Produktionsmittel kaufen und verwerten, in Form von denen das gesamte Kapital, abgesehn von dem in Geld existierenden, relativ kleinen Teil desselben, vorhanden ist, - dies ist natürlich Unsinn. Es steckt der noch größre Unsinn darin, daß auf Basis der kapitalistischen Produktionsweise das Kapital Zins abwerfen würde, ohne als produktives Kapital zu fungieren, d.h. ohne Mehrwert zu schaffen, wovon der Zins nur ein Teil; daß die kapitalistische Produktionsweise ihren Gang gehn würde ohne die kapitalistische Produktion. Wollte ein ungebührlich großer Teil der Kapitalisten sein Kapital in Geldkapital verwandeln, so wäre die Folge ungeheure Entwertung des Geldkapitals und ungeheurer Fall des Zinsfußes; viele würden sofort in die Unmöglichkeit versetzt, von ihren Zinsen zu leben, also gezwungen, sich in industrielle Kapitalisten rückzuverwandeln. Aber wie gesagt, für den einzelnen Kapitalisten ist dies Tatsache. Er betrachtet daher notwendig, selbst wenn er mit eignem Kapital wirtschaftet, den Teil seines Durchschnittsprofits, der gleich dem Durchschnittszins, als Frucht seines Kapitals als solchen, abgesehn von dem Produktionsprozeß; und im Gegensatz zu diesem, im Zins verselbständigten Teil, den Überschuß des Rohprofits darüber als bloßen Unternehmergewinn.
Viertens: {Lücke im Manuskript.}
Es hat sich also gezeigt, daß der Teil des Profits, den der fungierende Kapitalist dem bloßen Eigentümer von geborgtem Kapital zu zahlen hat, sich verwandelt in die selbständige Form für einen Teil des Profits, den alles Kapital als solches, ob geborgt oder nicht, unter dem Namen Zins abwirft. Wie groß dieser Teil ist, hängt ab von der Höhe des Durchschnittszinsfußes. Sein Ursprung zeigt sich nur noch darin, daß der fungierende Kapitalist, soweit er Eigentümer seines Kapitals, nicht konkurriert - wenigstens nicht aktiv - bei Bestimmung des Zinsfußes. Die rein quantitative Teilung des Profits zwischen zwei Personen, die verschiedne Rechtstitel auf ihn haben, hat sich in eine qualitative Teilung verwandelt, die aus der Natur des Kapitals und des Profits selbst zu entspringen scheint. Denn wie man gesehn, sobald ein Teil des Profits allgemein die Form des Zinses annimmt, verwandelt sich die Differenz zwischen dem Durchschnittsprofit und dem Zins, oder der über dem Zins überschüssige Teil des Profits, in eine zum Zins gegensätzliche Form, in die des Unternehmergewinns. Diese beiden Formen, Zins und Unternehmergewinn, existieren nur in ihrem Gegensatz. Sie sind also beide nicht bezogen auf den Mehrwert, von dem sie nur in verschiednen Kategorien, Rubriken oder Namen fixierte Teile sind, sondern sie sind aufeinander bezogen. Weil der eine Teil des Profits sich in Zins verwandelt, deshalb erscheint der andre Teil als Unternehmergewinn.
Unter Profit verstehn wir hier immer den Durchschnittsprofit, da die Abweichungen, sei es des individuellen Profits, sei es des Profits in verschiednen Produktionssphären - also die mit dem Konkurrenzkampf und andren Umständen hin- und herwogenden Variationen in der Verteilung des Durchschnittsprofits oder Mehrwerts -, uns hier ganz gleichgültig sind. Es gilt dies überhaupt für die ganze vorliegende Untersuchung.
Der Zins ist nun der Nettoprofit, wie Ramsay ihn bezeichnet, den das Kapitaleigentum als solches abwirft, sei es dem bloßen Verleiher, der außerhalb des Reproduktionsprozesses stehnbleibt, sei es dem Eigentümer, der sein Kapital selbst produktiv verwendet. Aber auch diesem wirft es diesen Nettoprofit ab, nicht soweit er fungierender Kapitalist, sondern soweit er Geldkapitalist, Verleiher seines eignen Kapitals, als eines zinstragenden, an sich selbst als fungierenden Kapitalisten ist. Wie die Verwandlung von Geld und überhaupt von Wert in Kapital das stete Resultat, ist sein Dasein als Kapital ebensosehr die stete Voraussetzung des kapitalistischen Produktionsprozesses. Durch seine Fähigkeit, sich in Produktionsmittel zu verwandeln, kommandiert es beständig unbezahlte Arbeit und verwandelt daher den Produktions- und Zirkulationsprozeß der Waren in die Produktion von Mehrwert für seinen Besitzer. Der Zins ist also nur der Ausdruck davon, daß Wert überhaupt - die vergegenständlichte Arbeit in ihrer allgemein gesellschaftlichen Form - Wert, der im wirklichen Produktionsprozeß die Gestalt der Produktionsmittel annimmt, als selbständige Macht der lebendigen Arbeitskraft gegenübersteht und das Mittel ist, sich unbezahlte Arbeit anzueignen; und daß er diese Macht ist, indem er als fremdes Eigentum dem Arbeiter gegenübersteht. Andrerseits jedoch ist in der Form des Zinses dieser Gegensatz gegen die Lohnarbeit ausgelöscht; denn das zinstragende Kapital hat als solches nicht die Lohnarbeit, sondern das fungierende Kapital zu seinem Gegensatz; der verleihende Kapitalist steht als solcher direkt dem im Reproduktionsprozeß wirklich fungierenden Kapitalisten gegenüber, nicht aber dem Lohnarbeiter, der gerade auf Grundlage der kapitalistischen Produktion von den Produktionsmitteln expropriiert ist. Das zinstragende Kapital ist das Kapital als Eigentum gegenüber dem Kapital als Funktion. Aber soweit das Kapital nicht fungiert, exploitiert es nicht die Arbeiter und tritt in keinen Gegensatz zur Arbeit.
Andrerseits bildet der Unternehmergewinn keinen Gegensatz zur Lohnarbeit, sondern nur zum Zins.
Erstens: Den Durchschnittsprofit als gegeben vorausgesetzt, ist die Rate des Unternehmergewinns nicht durch den Arbeitslohn bestimmt, sondern durch den Zinsfuß. Sie ist hoch oder niedrig im umgekehrten Verhältnis zu diesem.19
Zweitens: Der fungierende Kapitalist leitet seinen Anspruch auf den Unternehmergewinn, also den Unternehmergewinn selbst ab, nicht von seinem Eigentum am Kapital, sondern von der Funktion des Kapitals im Gegensatz zu der Bestimmtheit, worin es nur als träges Eigentum existiert. Dies erscheint als unmittelbar vorhandner Gegensatz, sobald er mit geliehenem Kapital operiert, wo Zins und Unternehmergewinn daher zwei verschiednen Personen zufallen. Der Unternehmergewinn entspringt aus der Funktion des Kapitals im Reproduktionsprozeß, also infolge der Operationen, der Tätigkeit, wodurch der fungierende Kapitalist diese Funktionen des industriellen und merkantilen Kapitals vermittelt. Aber Repräsentant des fungierenden Kapitals sein, ist keine Sinekure, wie die Repräsentation des zinstragenden Kapitals. Auf Basis der kapitalistischen Produktion dirigiert der Kapitalist den Produktionsprozeß wie den Zirkulationsprozeß. Die Exploitation der produktiven Arbeit kostet Anstrengung, ob er sie selbst verrichte oder in seinem Namen von andern verrichten lasse. Im Gegensatz zum Zins stellt sich ihm also sein Unternehmergewinn dar als unabhängig vom Kapitaleigentum, vielmehr als Resultat seiner Funktionen als Nichteigentümer, als - Arbeiter.
Es entwickelt sich daher notwendig in seinem Hirnkasten die Vorstellung, daß sein Unternehmergewinn - weit entfernt, irgendeinen Gegensatz zur Lohnarbeit zu bilden und nur unbezahlte fremde Arbeit zu sein - vielmehr selbst Arbeitslohn ist, Aufsichtslohn, wages of superintendence of labour, höherer Lohn als der des gewöhnlichen Lohnarbeiters, 1. weil sie kompliziertere Arbeit, 2. weil er sich selbst den Arbeitslohn auszahlt. Daß seine Funktion als Kapitalist darin besteht, Mehrwert, d.h. unbezahlte Arbeit zu produzieren, und zwar unter den ökonomischsten Bedingungen, wird vollständig vergessen über dem Gegensatz, daß der Zins dem Kapitalisten zufällt, auch wenn er keine Funktion als Kapitalist ausübt, sondern bloßer Eigentümer des Kapitals ist; und daß dagegen der Unternehmergewinn dem fungierenden Kapitalisten zufällt, auch wenn er Nichteigentümer des Kapitals ist, womit er fungiert. Über der gegensätzlichen Form der beiden Teile, worin der Profit, also der Mehrwert zerfällt, wird vergessen, daß beide bloß Teile des Mehrwerts sind und daß seine Teilung nichts an seiner Natur, seinem Ursprung und seinen Existenzbedingungen ändern kann.
Im Reproduktionsprozeß vertritt der fungierende Kapitalist das Kapital als fremdes Eigentum gegenüber den Lohnarbeitern und nimmt der Geldkapitalist, als vertreten durch den fungierenden Kapitalisten, an der Exploitation der Arbeit teil. Daß nur als Repräsentant der Produktionsmittel gegenüber den Arbeitern der aktive Kapitalist die Funktion ausüben kann, die Arbeiter für sich arbeiten oder die Produktionsmittel als Kapital fungieren zu lassen, dies wird vergessen über dem Gegensatz von Funktion des Kapitals im Reproduktionsprozeß gegenüber bloßem Eigentum am Kapital außerhalb des Reproduktionsprozesses.
In der Tat ist in der Form, die die beiden Teile des Profits, d.h. des Mehrwerts, als Zins und Unternehmergewinn annehmen, kein Verhältnis zur Arbeit ausgedrückt, weil dies Verhältnis nur existiert zwischen ihr und dem Profit oder vielmehr dem Mehrwert als der Summe, dem Ganzen, der Einheit dieser beiden Teile. Das Verhältnis, worin der Profit geteilt wird, und die verschiednen Rechtstitel, worunter diese Teilung geschieht, setzen den Profit als fertig, setzen sein Dasein voraus. Ist daher der Kapitalist Eigentümer des Kapitals, womit er fungiert, so steckt er den ganzen Profit oder Mehrwert ein; es ist für den Arbeiter ganz gleichgültig, ob er dies tut oder ob er einen Teil an eine dritte Person als juristischen Eigentümer wegzuzahlen hat. Die Teilungsgründe des Profits unter zwei Sorten Kapitalisten verwandeln sich so unter der Hand in die Existenzgründe des zu teilenden Profits, des Mehrwerts, den abgesehn von aller spätern Teilung das Kapital als solches aus dem Reproduktionsprozeß herauszieht. Daraus, daß der Zins dem Unternehmergewinn und der Unternehmergewinn dem Zins, beide einander, aber nicht der Arbeit gegenüberstehn, folgt - daß Unternehmergewinn plus Zins, d.h. der Profit, weiter der Mehrwert, worauf beruhn? Auf der gegensätzlichen Form seiner beiden Teile! Der Profit wird aber produziert, ehe diese Teilung mit ihm vorgenommen wird und ehe von ihr die Rede sein kann.
Das zinstragende Kapital bewährt sich nur als solches, soweit das verliehene Geld wirklich in Kapital verwandelt und ein Überschuß produziert wird, wovon der Zins ein Teil. Allein dies hebt nicht auf, daß ihm, unabhängig vom Produktionsprozeß, das Zinstragen als Eigenschaft eingewachsen. Die Arbeitskraft bewährt ja auch nur ihre wertschaffende Kraft, wenn sie im Arbeitsprozeß betätigt und realisiert wird; aber dies schließt nicht aus, daß sie an sich, potentiell, als Vermögen, die wertschaffende Tätigkeit ist und als solche aus dem Prozeß nicht erst entsteht, sondern ihm vielmehr vorausgesetzt ist. Als Fähigkeit, Wert zu schaffen, wird sie gekauft. Es kann einer sie auch kaufen, ohne sie produktiv arbeiten zu lassen; z.B. zu rein persönlichen Zwecken, Bedienung usw. So mit dem Kapital. Es ist Sache des Borgers, ob er es als Kapital vernutzt, also die ihm inhärente Eigenschaft, Mehrwert zu produzieren, wirklich in Tätigkeit setzt. Was er zahlt, ist in beiden Fällen der an sich, der Möglichkeit nach, in der Ware Kapital eingeschloßne Mehrwert.
Gehn wir nun näher ein auf den Unternehmergewinn.
Indem das Moment der spezifischen gesellschaftlichen Bestimmtheit des Kapitals in der kapitalistischen Produktionsweise - das Kapitaleigentum, das die Eigenschaft besitzt, Kommando über die Arbeit anderer zu sein - fixiert wird und der Zins daher erscheint als der Teil des Mehrwerts, den das Kapital in dieser Beziehung erzeugt, erscheint der andre Teil des Mehrwerts - der Unternehmergewinn - notwendig so, daß er nicht aus dem Kapital als Kapital, sondern aus dem Produktionsprozeß stammt, getrennt von seiner spezifischen gesellschaftlichen Bestimmtheit, die ja in dem Ausdruck Kapitalzins schon ihre besondre Existenzweise erhalten hat. Vom Kapital getrennt, ist aber der Produktionsprozeß Arbeitsprozeß überhaupt. Der industrielle Kapitalist, als unterschieden vom Kapitaleigentümer, erscheint daher nicht als fungierendes Kapital, sondern als Funktionär auch abgesehn vom Kapital, als einfacher Träger des Arbeitsprozesses überhaupt, als Arbeiter, und zwar als Lohnarbeiter.
Der Zins an sich drückt gerade das Dasein der Arbeitsbedingungen als Kapital, in ihrem gesellschaftlichen Gegensatz zur Arbeit, und in ihrer Verwandlung in persönliche Mächte gegenüber der Arbeit und über die Arbeit aus. Er stellt das bloße Kapitaleigentum dar als Mittel, sich Produkte fremder Arbeit anzueignen. Aber er stellt diesen Charakter des Kapitals dar als etwas, das ihm außerhalb des Produktionsprozesses zukommt und das keineswegs das Resultat der spezifisch kapitalistischen Bestimmtheit dieses Produktionsprozesses selbst ist. Er stellt es dar, nicht in direktem Gegensatz zur Arbeit, sondern umgekehrt, ohne Verhältnis zur Arbeit und als bloßes Verhältnis eines Kapitalisten zum andern. Also als eine dem Verhältnis des Kapitals zur Arbeit selbst äußerliche und gleichgültige Bestimmung. In dem Zins also, in der besondern Gestalt des Profits, worin sich der gegensätzliche Charakter des Kapitals einen selbständigen Ausdruck gibt, gibt er sich ihn so, daß dieser Gegensatz darin völlig ausgelöscht ist und ganz von ihm abstrahiert wird. Der Zins ist ein Verhältnis zwischen zwei Kapitalisten, nicht zwischen Kapitalist und Arbeiter.
Andrerseits gibt diese Form des Zinses dem andern Teil des Profits die qualitative Form des Unternehmergewinns, weiter des Aufsichtslohns. Die besondren Funktionen, die der Kapitalist als solcher zu verrichten hat, und die ihm gerade im Unterschied von und Gegensatz zu den Arbeitern zukommen, werden als bloße Arbeitsfunktionen dargestellt. Er schafft Mehrwert, nicht weil er als Kapitalist arbeitet, sondern weil er, abgesehn von seiner Eigenschaft als Kapitalist, auch arbeitet. Dieser Teil des Mehrwerts ist also gar nicht mehr Mehrwert, sondern sein Gegenteil, Äquivalent für vollbrachte Arbeit. Da der entfremdete Charakter des Kapitals, sein Gegensatz zur Arbeit, jenseits des wirklichen Exploitationsprozesses verlegt wird, nämlich ins zinstragende Kapital, so erscheint dieser Exploitationsprozeß selbst als ein bloßer Arbeitsprozeß, wo der fungierende Kapitalist nur andre Arbeit verrichtet als der Arbeiter. So daß die Arbeit des Exploitierens und die exploitierte Arbeit, beide als Arbeit, identisch sind. Die Arbeit des Exploitierens ist ebensogut Arbeit, wie die Arbeit, die exploitiert wird. Auf den Zins fällt die gesellschaftliche Form des Kapitals, aber in einer neutralen und indifferenten Form ausgedrückt; auf den Unternehmergewinn fällt die ökonomische Funktion des Kapitals, aber von dem bestimmten, kapitalistischen Charakter dieser Funktion abstrahiert.
Es geht hier im Bewußtsein des Kapitalisten ganz dasselbe vor, wie bei den im Abschn. II dieses Buchs angedeuteten Kompensationsgründen in der Ausgleichung zum Durchschnittsprofit. Diese Kompensationsgründe, die bestimmend in die Verteilung des Mehrwerts eingehn, verdrehen sich in der kapitalistischen Vorstellungsweise in Entstehungsgründe und (subjektive) Rechtfertigungsgründe des Profits selbst.
Die Vorstellung des Unternehmergewinns als Aufsichtslohns der Arbeit, die aus seinem Gegensatz zum Zins entsteht, findet weitern Halt darin, daß in der Tat ein Teil des Profits als Arbeitslohn abgesondert werden kann und sich wirklich absondert, oder vielmehr umgekehrt, daß ein Teil des Arbeitslohns, auf Basis der kapitalistischen Produktionsweise, als integrierender Bestandteil des Profits erscheint. Dieser Teil, wie schon A. Smith richtig herausfand, stellt sich rein dar, selbständig und gänzlich getrennt einerseits vom Profit (als Summe von Zins und Unternehmergewinn), andrerseits von dem Teil des Profits, der nach Abzug des Zinses als sogenannter Unternehmergewinn übrigbleibt, in dem Gehalt des Dirigenten in solchen Geschäftszweigen, deren Ausdehnung usw. hinreichende Teilung der Arbeit erlaubt, um besondren Arbeitslohn für einen Dirigenten zu gestatten.
Die Arbeit der Oberaufsicht und Leitung entspringt notwendig überall, wo der unmittelbare Produktionsprozeß die Gestalt eines gesellschaftlich kombinierten Prozesses hat und nicht als vereinzelte Arbeit der selbständigen Produzenten auftritt.20 Sie ist aber doppelter Natur.
Einerseits in allen Arbeiten, worin viele Individuen kooperieren, stellt sich notwendig der Zusammenhang und die Einheit des Prozesses in einem kommandierenden Willen dar, und in Funktionen, die nicht die Teilarbeiten, sondern die Gesamttätigkeit der Werkstatt betreffen, wie bei dem Direktor eines Orchesters. Es ist dies eine produktive Arbeit, die verrichtet werden muß in jeder kombinierten Produktionsweise.
Andrerseits - ganz abgesehn vom kaufmännischen Departement - entspringt diese Arbeit der Oberaufsicht notwendig in allen Produktionsweisen, die auf dem Gegensatz zwischen dem Arbeiter als dem unmittelbaren Produzenten und dem Eigentümer der Produktionsmittel beruhn. Je größer dieser Gegensatz, desto größer die Rolle, die diese Arbeit der Oberaufsicht spielt. Sie erreicht daher ihr Maximum im Sklavensystem.21 Sie ist aber auch in der kapitalistischen Produktionsweise unentbehrlich, da hier der Produktionsprozeß zugleich Konsumtionsprozeß der Arbeitskraft durch den Kapitalisten ist. Ganz wie in despotischen Staaten die Arbeit der Oberaufsicht und allseitigen Einmischung der Regierung beides einbegreift: sowohl die Verrichtung der gemeinsamen Geschäfte, die aus der Natur aller Gemeinwesen hervorgehn, wie die spezifischen Funktionen, die aus dem Gegensatz der Regierung zu der Volksmasse entspringen.
Bei den antiken Schriftstellern, die das Sklavensystem vor sich haben, finden sich in der Theorie, wie es denn in der Praxis der Fall war, beide Seiten der Aufsichtsarbeit ganz ebenso unzertrennlich zusammen wie bei den modernen Ökonomen, die die kapitalistische Produktionsweise als die absolute Produktionsweise ansehn. Andrerseits, wie ich gleich an einem Beispiel zeigen werde, wissen die Apologeten des modernen Sklavensystems ganz ebenso die Aufsichtsarbeit als Rechtfertigungsgrund der Sklaverei zu vernutzen, wie die andren Ökonomen als Grund des Lohnarbeitssystems.
Der villicus zur Zeit Catos:
"An der Spitze der Gutssklavenschaft (familia rustica) stand der Wirtschafter (villicus von villa), der einnimmt und ausgibt, kauft und verkauft, die Instruktionen des Herrn entgegennimmt und in dessen Abwesenheit anordnet und straft ... Der Wirtschafter stand natürlich freier als die übrigen Knechte; die Magonischen Bücher raten, ihm Ehe, Kindererzeugung und eigne Kasse zu gestatten, und Cato, ihn mit der Wirtschafterin zu verheiraten; er allein wird auch Aussicht gehabt haben, im Fall des Wohlverhaltens von dem Herrn die Freiheit zu erlangen. Im übrigen bildeten alle einen gemeinschaftlichen Hausstand ... Ein jeder Sklave, auch der Wirtschafter selbst, erhielt seine Bedürfnisse auf Rechnung des Herrn in gewissen Fristen nach festen Sätzen geliefert, womit er dann auszukommen hatte ... Die Quantität richtete sich nach der Arbeit, weshalb z.B. der Wirtschafter, der leichtere Arbeit hatte als die Knechte, knapperes Maß als diese empfing." (Mommsen, "Römische Geschichte", Zweite Auflage, 1856, I, p. 809, 810.)
Aristoteles:
Ὁ γὰρ δεσπότης οὐκ ἐν τῷ κτᾶσθαι τοὺς δούλους, ἀλλ᾿ ἐν τῷ χρῆσθαι δούλοις· (Denn der Herr - Kapitalist - betätigt sich als solcher nicht im Erwerben der Sklaven - dem Kapitaleigentum, das die Macht gibt, Arbeit zu kaufen -, sondern im Benutzen der Sklaven - der Verwendung von Arbeitern - heute Lohnarbeitern im Produktionsprozeß.) Ἔστι δ᾿ αὕτη ἡ ἐπιστήμη οὐδὲν μέγα ἔχουσα οὐδὲ σεμνόν· (Es ist aber mit dieser Wissenschaft nichts Großes oder Erhabnes;) ἃ γὰρ τὸν δοῦλον ἐπίστασθαι δεῖ ποιεῖν, ἐκεῖνον δεῖ ταῦτα ἐπίστασθαι ἐπιτάττειν. (was nämlich der Sklave zu verrichten verstehn muß, das soll jener verstehn zu befehlen.) Διὸ ὅσοις ἐξουσία μὴ αὐτοὺς κακοπαθεῖν, ἐπίτροπος λαμβάνει ταύτην τὴν τιμήν, αὐτοὶ δὲ πολιτεύονται ἢ φιλοσοφοῦσιν. (Wo die Herren sich selbst damit zu placken nicht nötig haben, da übernimmt der Aufseher diese Ehre, sie selbst aber treiben Staatsgeschäfte oder philosophieren.) (Arist. "Respubl." ed. Bekker, lib. I, 7.)
Daß die Herrschaft, wie im politischen, so im ökonomischen Gebiet, den Gewalthabern die Funktionen des Herrschens auflegt, d.h. auf ökonomischem Gebiet also, daß sie verstehn müssen, die Arbeitskraft zu konsumieren - sagt Aristoteles mit dürren Worten und fügt hinzu, daß kein großes Wesen mit dieser Aufsichtsarbeit zu machen sei, weshalb der Herr, sobald er vermögend genug ist, die "Ehre" dieser Plackerei einem Aufseher überläßt.
Die Arbeit der Leitung und Oberaufsicht, soweit sie nicht eine besondre, aus der Natur aller kombinierten gesellschaftlichen Arbeit hervorgehende Funktion ist, sondern aus dem Gegensatz zwischen dem Eigentümer der Produktionsmittel und dem Eigentümer der bloßen Arbeitskraft entspringt - sei es nun, daß die letztere mit dem Arbeiter selbst gekauft wird, wie im Sklavensystem, oder daß der Arbeiter selbst seine Arbeitskraft verkauft und der Produktionsprozeß daher zugleich als der Konsumtionsprozeß seiner Arbeit durch das Kapital erscheint -, diese aus der Knechtschaft des unmittelbaren Produzenten entspringende Funktion ist oft genug zum Rechtfertigungsgrund dieses Verhältnisses selbst gemacht, und die Exploitation, die Aneignung fremder unbezahlter Arbeit ist ebensooft als der dem Eigentümer des Kapitals gebührende Arbeitslohn dargestellt worden. Aber nie besser als von einem Verteidiger der Sklaverei in den Vereinigten Staaten, von einem Advokaten O'Conor auf einem Meeting zu New York, 19. Dez. 1859, unter dem Panier: "Gerechtigkeit für den Süden."
"Now, gentlemen", sagte er unter großem Applaus, "die Natur selbst hat den Neger zu dieser Knechtschaftslage bestimmt. Er hat die Stärke und ist kräftig zur Arbeit; aber die Natur, die ihm diese Stärke gab, verweigerte ihm sowohl den Verstand zum Regieren, wie den Willen zur Arbeit." (Beifall.) "Beide sind ihm verweigert! Und dieselbe Natur, die ihm den Willen zur Arbeit vorenthielt, gab ihm einen Herrn, diesen Willen zu erzwingen und ihn in dem Klima, wofür er geschaffen, zu einem nützlichen Diener zu machen, sowohl für sich selbst, wie für den Herrn, der ihn regiert. Ich behaupte, daß es keine Ungerechtigkeit ist, den Neger in der Lage zu lassen, worin die Natur ihn gestellt hat; ihm einen Herrn zu geben, der ihn regiert; und man beraubt ihn keines seiner Rechte, wenn man ihn zwingt, dafür auch wieder zu arbeiten und seinem Herrn eine gerechte Entschädigung zu liefern für die Arbeit und Talente, die er anwendet, um ihn zu regieren und ihn für sich selbst und für die Gesellschaft nützlich zu machen."
Nun muß auch der Lohnarbeiter wie der Sklave einen Herrn haben, um ihn arbeiten zu machen und ihn zu regieren. Und dies Herrschafts- und Knechtschaftsverhältnis vorausgesetzt, ist es in der Ordnung, daß der Lohnarbeiter gezwungen wird, seinen eignen Arbeitslohn zu produzieren und obendrein den Aufsichtslohn, eine Kompensation für die Arbeit der Herrschaft und Oberaufsicht über ihn, "und seinem Herrn eine gerechte Entschädigung zu liefern für die Arbeit und Talente, die er anwendet, um ihn zu regieren und ihn für sich und für die Gesellschaft nützlich zu machen".
Die Arbeit der Oberaufsicht und Leitung, soweit sie aus dem gegensätzlichen Charakter, aus der Herrschaft des Kapitals über die Arbeit entspringt und daher allen auf dem Klassengegensatz beruhenden Produktionsweisen mit der kapitalistischen gemeinsam ist, ist auch im kapitalistischen System unmittelbar und unzertrennbar verquickt mit den produktiven Funktionen, die alle kombinierte gesellschaftliche Arbeit einzelnen Individuen als besondre Arbeit auferlegt. Der Arbeitslohn eines Epitropos oder régisseur, wie er im feudalen Frankreich hieß, trennt sich vollständig vom Profit und nimmt auch die Form des Arbeitslohns für geschickte Arbeit an, sobald das Geschäft auf hinreichend großer Stufenleiter betrieben wird, um einen solchen Dirigenten (manager) zu zahlen, obgleich deswegen unsre industriellen Kapitalisten noch lange nicht "Staatsgeschäfte treiben oder philosophieren".
Daß nicht die industriellen Kapitalisten, sondern die industriellen managers "die Seele unsres Industriesystems" sind, hat schon Herr Ure bemerkt.22 Was den merkantilen Teil des Geschäfts angeht, so ist das Nötige darüber bereits im vorigen Abschnitt gesagt.
Die kapitalistische Produktion selbst hat es dahin gebracht, daß die Arbeit der Oberleitung, ganz getrennt vom Kapitaleigentum, auf der Straße herumläuft. Es ist daher nutzlos geworden, daß diese Arbeit der Oberleitung vom Kapitalisten ausgeübt werde. Ein Musikdirektor braucht durchaus nicht Eigentümer der Instrumente des Orchesters zu sein, noch gehört es zu seiner Funktion als Dirigent, daß er irgend etwas mit dem "Lohn" der übrigen Musikanten zu tun hat. Die Kooperativfabriken liefern den Beweis, daß der Kapitalist als Funktionär der Produktion ebenso überflüssig geworden, wie er selbst, in seiner höchsten Ausbildung, den Großgrundbesitzer überflüssig findet. Soweit die Arbeit des Kapitalisten nicht aus dem Produktionsprozeß als bloß kapitalistischem hervorgeht, also [nicht] mit dem Kapital von selbst aufhört; soweit sie sich nicht auf die Funktion beschränkt, fremde Arbeit zu exploitieren; soweit sie also aus der Form der Arbeit als gesellschaftlicher hervorgeht, aus der Kombination und Kooperation vieler zu einem gemeinsamen Resultat, ist sie ganz ebenso unabhängig vom Kapital, wie diese Form selbst, sobald sie die kapitalistische Hülle gesprengt hat. Sagen, daß diese Arbeit, als kapitalistische Arbeit, als Funktion des Kapitalisten notwendig sei, heißt nichts, als daß sich der Vulgus die im Schoß der kapitalistischen Produktionsweise entwickelten Formen nicht vorstellen kann, getrennt und befreit von ihrem gegensätzlichen kapitalistischen Charakter. Dem Geldkapitalisten gegenüber ist der industrielle Kapitalist Arbeiter, aber Arbeiter als Kapitalist, d.h. als Exploiteur fremder Arbeit. Der Lohn, den er für diese Arbeit beansprucht und bezieht, ist genau gleich dem angeeigneten Quantum fremder Arbeit und hängt direkt ab, soweit er sich der notwendigen Mühe der Exploitation unterzieht, vom Ausbeutungsgrad dieser Arbeit, nicht aber vom Grad der Anstrengung, die diese Exploitation ihm kostet und die er gegen mäßige Zahlung auf einen Dirigenten abwälzen kann. Nach jeder Krisis kann man in den englischen Fabrikbezirken genug Ex-Fabrikanten sehn, die ihre eignen frühern Fabriken jetzt als Dirigenten der neuen Eigentümer, oft ihrer Gläubiger23, für einen billigen Lohn beaufsichtigen.
Der Verwaltungslohn, sowohl für den merkantilen wie den industriellen Dirigenten, erscheint vollständig getrennt vom Unternehmergewinn sowohl in den Kooperativfabriken der Arbeiter wie in den kapitalistischen Aktienunternehmungen. Die Trennung des Verwaltungslohns vom Unternehmergewinn, die sonst zufällig erscheint, ist hier konstant. Bei der Kooperativfabrik fällt der gegensätzliche Charakter der Aufsichtsarbeit weg, indem der Dirigent von den Arbeitern bezahlt wird, statt ihnen gegenüber das Kapital zu vertreten. Die Aktienunternehmungen überhaupt - entwickelt mit dem Kreditwesen - haben die Tendenz, diese Verwaltungsarbeit als Funktion mehr und mehr zu trennen von dem Besitz des Kapitals, sei es eignes oder geborgtes; ganz wie mit der Entwicklung der bürgerlichen Gesellschaft die richterlichen und Verwaltungsfunktionen sich trennen von dem Grundeigentum, dessen Attribute sie in der Feudalzeit waren. Indem aber einerseits dem bloßen Eigentümer des Kapitals, dem Geldkapitalisten der fungierende Kapitalist gegenübertritt und mit der Entwicklung des Kredits dies Geldkapital selbst einen gesellschaftlichen Charakter annimmt, in Banken konzentriert und von diesen, nicht mehr von seinen unmittelbaren Eigentümern ausgeliehen wird; indem andrerseits aber der bloße Dirigent, der das Kapital unter keinerlei Titel besitzt, weder leihweise noch sonstwie, alle realen Funktionen versieht, die dem fungierenden Kapitalisten als solchem zukommen, bleibt nur der Funktionär und verschwindet der Kapitalist als überflüssige Person aus dem Produktionsprozeß.
Aus den öffentlichen Rechnungsablagen24 der Kooperativfabriken in England sieht man, daß - nach Abzug des Lohns des Dirigenten, der einen Teil des ausgelegten variablen Kapitals bildet, ganz wie der Lohn der übrigen Arbeiter - der Profit größer war als der Durchschnittsprofit, obgleich sie stellenweise einen viel höhern Zins zahlten als die Privatfabrikanten. Die Ursache des höhern Profits war in allen diesen Fällen größere Ökonomie in Anwendung des konstanten Kapitals. Was uns aber dabei interessiert, ist, daß hier der Durchschnittsprofit (= Zins + Unternehmergewinn) sich faktisch und handgreiflich als eine vom Verwaltungslohn ganz und gar unabhängige Größe darstellt. Da der Profit hier größer als der Durchschnittsprofit, war auch der Unternehmergewinn größer als sonst.
Dasselbe Faktum zeigt sich in einigen kapitalistischen Aktienunternehmungen, z. B. Aktienbanken (Joint Stock Banks). Die London und Westminster Bank zahlte 1863 30% jährliche Dividende, die Union Bank of London und andre 15%. Vom Bruttoprofit geht hier außer dem Salair der Dirigenten der Zins ab, der für Depositen gezahlt wird. Der hohe Profit erklärt sich hier aus der geringen Proportion des eingezahlten Kapitals zu den Depositen. Z.B. bei der London and Westminster Bank 1863: Eingezahltes Kapital 1.000.000 Pfd.St.; Depositen 14.540.275 Pfd.St. Bei der Union Bank of London 1863: Eingezahltes Kapital 600.000 Pfd.St.; Depositen 12.384.173 Pfd.St.
Die Verwechslung des Unternehmergewinns mit dem Aufsichts- oder Verwaltungslohn entstand ursprünglich aus der gegensätzlichen Form, die der Überschuß des Profits über den Zins im Gegensatz zum Zins annimmt. Sie wurde weiter entwickelt aus der apologetischen Absicht, den Profit nicht als Mehrwert, d.h. als unbezahlte Arbeit, sondern als Arbeitslohn des Kapitalisten selbst für verrichtete Arbeit darzustellen. Dem stellte sich dann von seiten der Sozialisten die Forderung gegenüber, den Profit faktisch auf das zu reduzieren, was er theoretisch zu sein vorgab, nämlich auf bloßen Aufsichtslohn. Und diese Forderung trat der theoretischen Beschönigung um so unangenehmer entgegen, je mehr dieser Aufsichtslohn einerseits sein bestimmtes Niveau und seinen bestimmten Marktpreis fand, wie aller andre Arbeitslohn, mit der Bildung einer zahlreichen Klasse industrieller und kommerzieller Dirigenten25; und je mehr er andrerseits sank, wie aller Lohn für geschickte Arbeit, mit der allgemeinen Entwicklung, die die Produktionskosten spezifisch geschulter Arbeitskraft herabsetzt.26 Mit der Entwicklung der Kooperation auf seiten der Arbeiter, der Aktienunternehmungen auf seiten der Bourgeoisie wurde auch der letzte Vorwand zur Verwechslung des Unternehmergewinns mit dem Verwaltungslohn unter den Füßen weggezogen und erschien der Profit auch praktisch, als was er theoretisch unleugbar war, als bloßer Mehrwert, Wert, für den kein Äquivalent gezahlt ist, realisierte unbezahlte Arbeit; so daß der fungierende Kapitalist die Arbeit wirklich exploitiert und die Frucht seiner Exploitation, wenn er mit geborgtem Kapital arbeitet, sich teilt in Zins und in Unternehmergewinn, Überschuß des Profits über den Zins.
Auf Basis der kapitalistischen Produktion entwickelt sich bei Aktienunternehmungen ein neuer Schwindel mit dem Verwaltungslohn, indem neben und über dem wirklichen Dirigenten eine Anzahl Verwaltungs- und Aufsichtsräte auftritt, bei denen in der Tat Verwaltung und Aufsicht bloßer Vorwand zur Plünderung der Aktionäre und zur Selbstbereicherung wird. Hierüber findet man sehr artige Details in: "The City or the Physiology of London Business; with Sketches on 'Change, and the Coffee Houses", London 1845.
"Was Bankiers und Kaufleute gewinnen dadurch, daß sie an der Direktion von acht oder neun verschiednen Kompanien beteiligt sind, mag man aus folgendem Beispiel ersehn: die Privatbilanz des Herrn Timothy Abraham Curtis, eingereicht beim Bankrottgericht bei seiner Fallite, zeigte ein Einkommen von 800 -900 Pfd.St. jährlich unter dem Posten: Direktorschaften. Da Herr Curtis Direktor der Bank von England und der Ostindischen Kompanie gewesen, schätzte jede Aktiengesellschaft sich glücklich, ihn zum Direktor gewinnen zu können." p. 81, 82.
Die Remuneration der Direktoren solcher Gesellschaften für jede wöchentliche Sitzung ist mindestens eine Guinee (21 Mark). Die Verhandlungen vor dem Bankrottgericht zeigen, daß dieser Aufsichtslohn in der Regel im umgekehrten Verhältnis steht zu der von diesen nominellen Direktoren wirklich ausgeübten Aufsicht.
Vierundzwanzigstes Kapitel. Veräußerlichung des Kapitalverhältnisses in der Form des zinstragenden Kapitals
Im zinstragenden Kapital erreicht das Kapitalverhältnis seine äußerlichste und fetischartigste Form. Wir haben hier G - G′, Geld, das mehr Geld erzeugt, sich selbst verwertenden Wert, ohne den Prozeß, der die beiden Extreme vermittelt. Im Kaufmannskapital, G - W - G′, ist wenigstens die allgemeine Form der kapitalistischen Bewegung vorhanden, obgleich sie sich nur in der Zirkulationssphäre hält, der Profit daher als bloßer Veräußerungsprofit erscheint; aber immerhin stellt er sich dar als ein Produkt eines gesellschaftlichen Verhältnisses, nicht als Produkt eines bloßen Dings. Die Form des Kaufmannskapitals stellt immer noch einen Prozeß dar, die Einheit entgegengesetzter Phasen, eine Bewegung, die in zwei entgegengesetzte Vorgänge zerfällt, in Kauf und Verkauf von Waren. Dies ist ausgelöscht in G - G′, der Form des zinstragenden Kapitals. Wenn z.B. 1.000 Pfd.St. vom Kapitalisten ausgeliehen werden, und der Zinsfuß ist 5%, so ist der Wert von 1.000 Pfd.St. als Kapital für 1 Jahr = C + Cz′, wo C das Kapital und z′ der Zinsfuß, also hier 5% = 5/100 = 1/20, 1.000 + 1.000 * 1/20 = 1.050 Pfd.St. Der Wert von 1.000 Pfd.St. als Kapital ist = 1.050 Pfd.St., d.h. das Kapital ist keine einfache Größe. Es ist Größenverhältnis, Verhältnis als Hauptsumme, als gegebner Wert, zu sich selbst als sich verwertendem Wert, als Hauptsumme, die einen Mehrwert produziert hat. Und wie man gesehn, stellt sich das Kapital als solches dar, als dieser unmittelbar sich verwertende Wert, für alle aktiven Kapitalisten, ob sie mit eignem oder geborgtem Kapital fungieren.
G - G′: Wir haben hier den ursprünglichen Ausgangspunkt des Kapitals, das Geld in der Formel G - W - G′ reduziert auf die beiden Extreme wo G′ - G, wo G′ = G + ΔG, Geld, das mehr Geld schafft. Es ist die ursprüngliche und allgemeine Formel des Kapitals, auf ein sinnloses Resumé zusammengezogen. Es ist das fertige Kapital, Einheit von Produktionsprozeß und Zirkulationsprozeß, und daher in bestimmter Zeitperiode bestimmten Mehrwert abwerfend. In der Form des zinstragenden Kapitals erscheint dies unmittelbar, unvermittelt durch Produktionsprozeß und Zirkulationsprozeß. Das Kapital erscheint als mysteriöse und selbstschöpferische Quelle des Zinses, seiner eignen Vermehrung. Das Ding (Geld, Ware, Wert) ist nun als bloßes Ding schon Kapital, und das Kapital erscheint als bloßes Ding; das Resultat des gesamten Reproduktionsprozesses erscheint als eine, einem Ding von selbst zukommende Eigenschaft; es hängt ab von dem Besitzer des Geldes, d.h. der Ware in ihrer stets austauschbaren Form, ob er es als Geld verausgaben oder als Kapital vermieten will. Im zinstragenden Kapital ist daher dieser automatische Fetisch rein herausgearbeitet, der sich selbst verwertende Wert, Geld heckendes Geld, und trägt es in dieser Form keine Narben seiner Entstehung mehr. Das gesellschaftliche Verhältnis ist vollendet als Verhältnis eines Dings, des Geldes, zu sich selbst. Statt der wirklichen Verwandlung von Geld in Kapital zeigt sich hier nur ihre inhaltlose Form. Wie bei der Arbeitskraft wird der Gebrauchswert des Geldes hier der, Wert zu schaffen, größren Wert, als der in ihm selbst enthalten ist. Das Geld als solches ist bereits potentiell sich verwertender Wert und wird als solcher verliehen, was die Form des Verkaufens für diese eigentümliche Ware ist. Es wird ganz so Eigenschaft des Geldes, Wert zu schaffen, Zins abzuwerfen, wie die eines Birnbaums, Birnen zu tragen. Und als solches zinstragendes Ding verkauft der Geldverleiher sein Geld. Damit nicht genug. Das wirklich fungierende Kapital, wie gesehn, stellt sich selbst so dar, daß es den Zins nicht als fungierendes Kapital, sondern als Kapital an sich, als Geldkapital abwirft.
Es verdreht sich auch dies: Während der Zins nur ein Teil des Profits ist, d.h. des Mehrwerts, den der fungierende Kapitalist dem Arbeiter auspreßt, erscheint jetzt umgekehrt der Zins als die eigentliche Frucht des Kapitals, als das Ursprüngliche, und der Profit, nun in die Form des Unternehmergewinns verwandelt, als bloßes im Reproduktionsprozeß hinzukommendes Accessorium und Zutat. Hier ist die Fetischgestalt des Kapitals und die Vorstellung vom Kapitalfetisch fertig. In G - G′ haben wir die begriffslose Form des Kapitals, die Verkehrung und Versachlichung der Produktionsverhältnisse in der höchsten Potenz: zinstragende Gestalt, die einfache Gestalt des Kapitals, worin es seinem eignen Reproduktionsprozeß vorausgesetzt ist; Fähigkeit des Geldes, resp. der Ware, ihren eignen Wert zu verwerten, unabhängig von der Reproduktion - die Kapitalmystifikation in der grellsten Form.
Für die Vulgärökonomie, die das Kapital als selbständige Quelle des Werts, der Wertschöpfung, darstellen will, ist natürlich diese Form ein gefundnes Fressen, eine Form, worin die Quelle des Profits nicht mehr erkenntlich und worin das Resultat des kapitalistischen Produktionsprozesses - getrennt vom Prozeß selbst - ein selbständiges Dasein erhält.
Erst im Geldkapital ist das Kapital zur Ware geworden, deren sich selbst verwertende Qualität einen fixen Preis hat, der im jedesmaligen Zinsfuß notiert ist.
Als zinstragendes Kapital, und zwar in seiner unmittelbaren Form als zinstragendes Geldkapital (die andren Formen des zinstragenden Kapitals, die uns hier nichts angehn, sind wieder von dieser Form abgeleitet und unterstellen sie) erhält das Kapital seine reine Fetischform, G - G′ als Subjekt, verkaufbares Ding. Erstens durch sein fortwährendes Dasein als Geld, eine Form, worin alle Bestimmtheiten desselben ausgelöscht und seine realen Elemente unsichtbar sind. Geld ist ja grade die Form, worin der Unterschied der Waren als Gebrauchswerte ausgelöscht ist, daher auch der Unterschied der industriellen Kapitale, die aus diesen Waren und ihren Produktionsbedingungen bestehn; es ist die Form, worin Wert - und hier Kapital - als selbständiger Tauschwert existiert. Im Reproduktionsprozeß des Kapitals ist die Geldform eine verschwindende, ein bloßes Durchgangsmoment. Auf dem Geldmarkt dagegen existiert das Kapital stets in dieser Form. - Zweitens, der von ihm erzeugte Mehrwert, hier wieder in der Form des Geldes, erscheint ihm als solchem zukommend. Wie das Wachsen den Bäumen, so scheint das Geldzeugen (τόκος) dem Kapital in dieser Form als Geldkapital eigen.
Im zinstragenden Kapital ist die Bewegung des Kapitals ins Kurze zusammengezogen; der vermittelnde Prozeß ist weggelassen, und so ist ein Kapital = 1.000 fixiert als ein Ding, das an sich = 1.000 ist und in einer gewissen Periode sich in 1.100 verwandelt, wie der Wein im Keller nach einer gewissen Zeit auch seinen Gebrauchswert verbessert. Das Kapital ist jetzt Ding, aber als Ding Kapital. Das Geld hat jetzt Lieb' im Leibe. Sobald es verliehen ist oder auch im Reproduktionsprozeß angelegt (insofern es dem fungierenden Kapitalisten als seinem Eigentümer Zins abwirft, getrennt vom Unternehmergewinn), wächst ihm der Zins an, es mag schlafen oder wachen, sich zu Hause oder auf Reisen befinden, bei Tag und bei Nacht. So ist im zinstragenden Geldkapital (und alles Kapital ist seinem Wertausdruck nach Geldkapital oder gilt jetzt als der Ausdruck des Geldkapitals) der fromme Wunsch des Schatzbildners realisiert.
Es ist dies Eingewachsensein des Zinses in das Geldkapital als in ein Ding (wie hier die Produktion des Mehrwerts durch das Kapital erscheint), was Luther in seiner naiven Polterei gegen den Wucher so sehr beschäftigt. Nachdem er entwickelt, daß Zins verlangt werden könne, wenn aus der nichterfolgten Rückzahlung am bestimmten Termin dem Verleiher, der seinerseits zu zahlen hat, Unkosten erwachsen oder wenn ihm ein Profit, den er durch Kaufen, z.B. eines Gartens, habe machen können, aus diesem Grunde verlorengeht, fährt er fort:
"Nu ich dir sie (100 Gulden) geliehen habe, machest mir einen Zwilling aus dem Schadewacht, dass hie nicht bezalen, und dort nicht kaufen kann, und also zu beiden Teilen muss Schaden leiden, das heisst man duplex interesse, damni emergentis et lucri cessantis ... nachdem sie gehöret, dass Hans mit seinen verliehnen Hundert Gülden hat Schaden gelitten und billige Erstattung seines Schadens fordert, faren sie plumps einhin, und schlahen auf ein jeglich Hundert Gülden, solche zween Schadewacht, nämlich, des Bezalens Unkost, und des versäumeten Gartens Kauf, gerade als weren den Hundert Gülden natürlich solche zween Schadewacht angewachsen, dass, wo Hundert Gülden vorhanden sind, die thun sie aus, und rechnen darauf solche zween Schaden, die sie doch nicht erlitten haben ... Darum bist du ein Wucherer, der du selber deinen ertichten Schaden von deines Nähesten Gelde büssest, den dir doch Niemand getan hat, und kannst ihn auch nicht beweisen, noch berechnen. Solchen Schaden heissen die Juristen, non verum sed phantasticum interesse. Ein Schaden, den ein jeglicher ihm selber ertreumet ... es gilt nicht also sagen, Es künnten die Schaden geschehn, dass ich nicht habe können bezalen noch kaufen. Sonst heisst's, Ex contingente necessarium, aus dem das nicht ist, machen das, das sein müsse, aus dem das ungewiss ist, eitel gewiss Ding machen. Solt' solcher Wucher nicht die Welt auffressen in kurzen Jaren ... es ist zufällig Unglück, das dem Leiher widerfaret, ohne seinen Willen, dass er sich erholen muss, aber in den Handeln ist's umgekehrt und gar das Widerspiel, da suchet und ertichtet man Schaden, auf den benetigten Nehesten, will damit sich neren und reich werden, faul und müssig prassen und prangen von ander Leut Arbeit, sonder Sorge, Fahr und Schaden; dass ich sitze hinter dem Ofen und lasse meine Hundert Gülden für mich auf dem Lande werben, und doch weil es geliehen Geld ist, gewiss im Beutel behalte, ohne all Fahr und Sorge, Lieber, wer möchte das nicht?" (M. Luther, "An die Pfarrherrn wider den Wucher zu predigen etc.", Wittenberg 1540.)
Die Vorstellung vom Kapital als sich selbst reproduzierendem und in der Reproduktion vermehrendem Wert, kraft seiner eingebornen Eigenschaft als ewig währender und wachsender Wert - also kraft der verborgnen Qualität der Scholastiker -, hat zu den fabelhaften Einfällen des Dr. Price geleitet, die bei weitem die Phantasien der Alchimisten hinter sich lassen; Einfällen, an die Pitt ernsthaft glaubte und die er in seinen Gesetzen über den sinking fund zu Säulen seiner Finanzwirtschaft machte.
"Geld, das Zinseszinsen trägt, wächst anfangs langsam; da aber die Rate des Wachstums sich fortwährend beschleunigt, wird sie nach einiger Zeit so rasch, daß sie jeder Einbildung spottet. Ein Penny, ausgeliehen bei der Geburt unsers Erlösers auf Zinseszinsen zu 5%, würde schon jetzt zu einer größren Summe herangewachsen sein, als enthalten wäre in 150 Millionen Erden, alle von gediegnem Gold. Aber ausgelegt auf einfache Zinsen, würde er in derselben Zeit nur angewachsen sein auf 7 sh. 4 1/2 d. Bis jetzt hat unsre Regierung vorgezogen, ihre Finanzen auf diesem letzteren, statt auf dem ersteren Weg zu verbessern."27
Noch höher fliegt er in seinen "Observations on reversionary payments etc.", London 1772:
"1 sh., ausgelegt bei der Geburt unsers Erlösers" (also wohl im Tempel von Jerusalem) "zu 6% Zinseszinsen, würde angewachsen sein zu einer größern Summe als das ganze Sonnensystem einbegreifen könnte, wenn in eine Kugel verwandelt von einem Durchmesser gleich dem der Bahn des Saturn." - "Ein Staat braucht deswegen sich nie in Schwierigkeiten zu befinden; denn mit den kleinsten Ersparnissen kann er die größte Schuld abzahlen in einer so kurzen Zeit wie sein Interesse erfordern mag." (p. XIII, XIV.)
Welche hübsche theoretische Einleitung zur englischen Staatsschuld!
Price wurde einfach geblendet durch die Ungeheuerlichkeit der Zahl, die aus geometrischer Progression entsteht. Da er das Kapital, ohne Rücksicht auf die Bedingungen der Reproduktion und der Arbeit, als selbsttätigen Automaten betrachtete, als eine bloße, sich selbst vermehrende Zahl (ganz wie Malthus den Menschen in seiner geometrischen Progression), konnte er wähnen, das Gesetz seines Wachstums gefunden zu haben in der Formel s = c (1 + z)ⁿ, wo s = Summe von Kapital + Zinseszins, c = dem vorgeschoßnen Kapital, z = dem Zinsfuß (in aliquoten Teilen von 100 ausgedrückt) und n die Reihe der Jahre, worin der Prozeß vorgeht.
Pitt nimmt die Mystifikation des Dr. Price ganz ernst. 1786 hatte das Haus der Gemeinen beschlossen, es solle 1 Million Pfd.St. erhoben werden für den öffentlichen Nutzen. Nach Price, an den Pitt glaubte, war natürlich nichts besser, als das Volk besteuern, um die so erhobne Summe zu "akkumulieren" und so die Staatsschuld durch das Mysterium des Zinseszinses wegzuhexen. Jener Resolution des Hauses der Gemeinen folgte bald ein von Pitt veranlaßtes Gesetz, das die Akkumulation von 250.000 Pfd.St. anordnete,
"bis daß, mit den verfallnen Leibrenten, der Fonds auf 4.000.000 Pfd.St. jährlich angewachsen sei". (Act 26 Georg III., Kap. 31.)
In seiner Rede von 1792, worin Pitt die dem Tilgungsfonds gewidmete Summe zu vermehren vorschlug, führte er an unter den Ursachen des kommerziellen Übergewichts Englands: Maschinen, Kredit etc., aber als
"die ausgedehnteste und dauerhafteste Ursache die Akkumulation. Dies Prinzip sei nun vollständig entwickelt und hinreichend erklärt in dem Werk Smiths, dieses Genies ... diese Akkumulation der Kapitale bewirke sich, indem man mindestens einen Teil des jährlichen Profits zurücklege, um die Hauptsumme zu vermehren, die in derselben Weise im nächsten Jahr zu verwenden sei und so einen kontinuierlichen Profit gebe."
Vermittelst des Dr. Price verwandelt Pitt so Smiths Akkumulationstheorie in die Bereicherung eines Volks durch Akkumulation von Schulden und kommt in den angenehmen Progreß ins Unendliche der Anleihen, Anleihen, um Anleihen zu zahlen.
Wir finden schon bei Josias Child, dem Vater des modernen Bankiertums, daß
"100 Pfd.St. zu 10% in 70 Jahren, bei Zins von Zins, 102.400 Pfd.St. produzieren würden." ("Traité sur le commerce etc. per J. Child, traduit etc.", Amsterdam et Berlin 1754, p. 115. Geschrieben 1669.)
Wie die Anschauung des Dr. Price bei der modernen Ökonomie gedankenlos unterläuft, zeigt der "Economist" in folgender Stelle:
"Capital, with compound interest on every portion of capital saved, is so all-engrossing that all the wealth in the world from which income is derived, has long ago become the interest of capital ... all rent is now the payment of interest on capital previously invested in the land." ("Economist", 19. July 1851.)
In seiner Eigenschaft als zinstragendes Kapital gehört dem Kapital aller Reichtum, der überhaupt je produziert werden kann, und alles, was es bisher erhalten hat, ist nur Abschlagszahlung an seinen all-engrossing Appetit. Nach seinen eingebornen Gesetzen gehört ihm alle Surplusarbeit, die das Menschengeschlecht je liefern kann. Moloch.
Schließlich noch folgender Galimathias des "romantischen" Müller:
"Des Dr. Price ungeheurer Anwachs des Zinseszinses, oder der sich selbst beschleunigenden Kräfte der Menschen, setzt, wenn er diese ungeheuren Wirkungen hervorbringen soll, eine ungeteilte oder ungebrochne gleichförmige Ordnung durch mehrere Jahrhunderte voraus. Sobald das Kapital zerteilt, in mehrere einzelne, in sich fortwachsende Ableger zerschnitten wird, fängt der gesamte Prozeß der Akkumulation von Kräften von neuem an. Die Natur hat die Progression der Kraft auf eine Laufbahn von etwa 20 bis 25 Jahren, die im Durchschnitt etwa jedem einzelnen Arbeiter (!) zuteil werden, verteilt. Nach Ablauf dieser Zeit verläßt der Arbeiter seine Laufbahn, und muß er nun das durch den Zinseszins der Arbeit gewonnene Kapital einem neuen Arbeiter übertragen, meistenteils es unter mehrere Arbeiter oder Kinder verteilen. Diese müssen das ihnen zufallende Kapital, ehe sie eigentlichen Zinseszins davon ziehn können, erst beleben und anwenden lernen. Ferner wird eine ungeheure Menge des Kapitals, das die bürgerliche Gesellschaft gewinnt, auch selbst in den bewegtesten Gemeinwesen, lange Jahre hindurch allmählich aufgehäuft und nicht zur unmittelbaren Erweiterung der Arbeit verwendet, vielmehr, sobald eine namhafte Summe zusammengebracht ist, einem andern Individuum, einem Arbeiter, einer Bank, Staat, unter der Benennung Anleihe übertragen, wo dann der Empfänger, indem er das Kapital in wirkliche Bewegung setzt, aus demselben Zinseszins zieht, und sich leicht anheischig machen kann, dem Darbringer einfache Zinsen zu bezahlen. Endlich reagiert gegen jene ungeheuren Progressionen, in welchen sich die Kräfte der Menschen und ihr Produkt vermehren möchten, wenn das Gesetz der Produktion oder der Sparsamkeit allein gelten sollen, das Gesetz des Verzehrens, Begehren, Verschwendung." (A. Müller, l.c., III., p. 147-149.)
Es ist unmöglich, in wenigen Zeilen mehr haarsträubenden Unsinn zusammenzufaseln. Nicht zu erwähnen der drolligen Verwechslung von Arbeiter und Kapitalist, von Wert der Arbeitskraft und Zins von Kapital usw., soll die Abnahme des Zinseszinses u.a. daraus erklärt werden, daß Kapital "ausgeliehen" wird, wo es "dann Zinseszins" bringt. Das Verfahren unsers Müller ist für die Romantik in allen Fächern charakteristisch. Ihr Inhalt besteht aus Alltagsvorurteilen, abgeschöpft von dem oberflächlichsten Schein der Dinge. Dieser falsche und triviale Inhalt soll dann durch eine mystifizierende Ausdrucksweise "erhöht" und poetisiert werden.
Der Akkumulationsprozeß des Kapitals kann insofern als Akkumulation von Zinseszins aufgefaßt werden, als der Teil des Profits (Mehrwerts), der in Kapital rückverwandelt wird, d.h. zur Aufsaugung von neuer Mehrarbeit dient, Zins genannt werden kann. Aber:
Von allen zufälligen Störungen abgesehn, wird im Lauf des Reproduktionsprozesses beständig ein großer Teil des vorhandnen Kapitals mehr oder weniger entwertet, weil der Wert der Waren bestimmt ist nicht durch die Arbeitszeit, die ihre Produktion ursprünglich kostet, sondern durch die Arbeitszeit, die ihre Reproduktion kostet, und diese infolge der Entwicklung der gesellschaftlichen Produktivkraft der Arbeit fortwährend abnimmt. Auf einer höhern Entwicklungsstufe der gesellschaftlichen Produktivität erscheint daher alles vorhandne Kapital, statt als das Resultat eines langen Prozesses der Kapitalaufsparung, als das Resultat einer verhältnismäßig sehr kurzen Reproduktionszeit.28
Wie im Abschnitt III dieses Buchs bewiesen, nimmt die Profitrate ab im Verhältnis zur steigenden Akkumulation des Kapitals und der ihr entsprechenden steigenden Produktivkraft der gesellschaftlichen Arbeit, die sich gerade in der wachsenden relativen Abnahme des variablen Kapitalteils, gegenüber dem konstanten, ausdrückt. Um dieselbe Profitrate hervorzubringen, wenn das von einem Arbeiter in Bewegung gesetzte konstante Kapital sich verzehnfacht, müßte die Mehrarbeitszeit sich verzehnfachen, und bald würde die ganze Arbeitszeit, ja die 24 Stunden des Tages dazu nicht hinreichen, selbst wenn ganz vom Kapital angeeignet. Die Vorstellung, daß die Profitrate sich nicht verringert, liegt aber der Priceschen Progression zugrunde und überhaupt dem "all-engrossing capital, with compound interest".29
Durch die Identität des Mehrwerts mit der Mehrarbeit ist eine qualitative Grenze für die Akkumulation des Kapitals gesetzt: der Gesamtarbeitstag, die jedesmal vorhandne Entwicklung der Produktivkräfte und der Bevölkerung, welche die Anzahl der gleichzeitig exploitierbaren Arbeitstage begrenzt. Wird dagegen der Mehrwert in der begriffslosen Form des Zinses gefaßt, so ist die Grenze nur quantitativ und spottet jeder Phantasie.
In dem zinstragenden Kapital ist aber die Vorstellung vom Kapitalfetisch vollendet, die Vorstellung, die dem aufgehäuften Arbeitsprodukt, und noch dazu fixiert als Geld, die Kraft zuschreibt, durch eine eingeborne geheime Qualität, als reiner Automat, in geometrischer Progression Mehrwert zu erzeugen, so daß dies aufgehäufte Arbeitsprodukt, wie der "Economist" meint, allen Reichtum der Welt für alle Zeiten als ihm von Rechts wegen gehörig und zufallend schon längst diskontiert hat. Das Produkt vergangner Arbeit, die vergangne Arbeit selbst, ist hier an und für sich geschwängert mit einem Stück gegenwärtiger oder zukünftiger lebendiger Mehrarbeit. Man weiß dagegen, daß in der Tat die Erhaltung, und insoweit auch die Reproduktion des Werts der Produkte vergangner Arbeit nur das Resultat ihres Kontakts mit der lebendigen Arbeit ist; und zweitens: daß das Kommando der Produkte vergangner Arbeit über lebendige Mehrarbeit grade nur so lange dauert, wie das Kapitalverhältnis dauert, das bestimmte soziale Verhältnis, worin die vergangne Arbeit selbständig und übermächtig der lebendigen gegenübertritt.
Fünfundzwanzigstes Kapitel. Kredit und fiktives Kapital
Die eingehende Analyse des Kreditwesens und der Instrumente, die es sich schafft (Kreditgeld usw.), liegt außerhalb unsers Planes. Es sind hier nur einige wenige Punkte hervorzuheben, notwendig zur Charakteristik der kapitalistischen Produktionsweise überhaupt. Wir haben es dabei nur mit dem kommerziellen und Bankierkredit zu tun. Der Zusammenhang zwischen dessen Entwicklung und der des öffentlichen Kredits bleibt außer Betracht.
Ich habe früher (Buch I, Kap. III, 3, b) gezeigt, wie sich aus der einfachen Warenzirkulation die Funktion des Geldes als Zahlungsmittel und damit ein Verhältnis von Gläubiger und Schuldner unter den Warenproduzenten und Warenhändlern bildet. Mit der Entwicklung des Handels und der kapitalistischen Produktionsweise, die nur mit Rücksicht auf die Zirkulation produziert, wird diese naturwüchsige Grundlage des Kreditsystems erweitert, verallgemeinert, ausgearbeitet. Im großen und ganzen fungiert das Geld hier nur als Zahlungsmittel, d.h. die Ware wird verkauft nicht gegen Geld, sondern gegen ein schriftliches Versprechen der Zahlung an einem bestimmten Termin. Diese Zahlungsversprechen können wir der Kürze halber sämtlich unter der allgemeinen Kategorie von Wechseln zusammenfassen. Bis zu ihrem Verfall- und Zahlungstage zirkulieren solche Wechsel selbst wieder als Zahlungsmittel; und sie bilden das eigentliche Handelsgeld. Soweit sie schließlich durch Ausgleichung von Forderung und Schuld sich aufheben, fungieren sie absolut als Geld, indem dann keine schließliche Verwandlung in Geld stattfindet. Wie diese wechselseitigen Vorschüsse der Produzenten und Kaufleute untereinander die eigentliche Grundlage des Kredits bilden, so bildet deren Zirkulationsinstrument, der Wechsel, die Basis des eigentlichen Kreditgelds, der Banknoten usw. Diese beruhen nicht auf der Geldzirkulation, sei es von metallischem Geld oder von Staatspapiergeld, sondern auf der Wechselzirkulation.
W. Leatham (Bankier in Yorkshire), "Letters on the Currency", 2nd edit., London 1840:
"Ich finde, daß der Gesamtbetrag der Wechsel für das ganze Jahr 1839 war 528.493.842 Pfd.St." (er nimmt die ausländischen Wechsel auf ungefähr 1/7 des Ganzen an) "und der Betrag der im selben Jahr gleichzeitig laufenden Wechsel 132.123.460 Pfd.St." (p. 55, 56.) "Die Wechsel sind ein Bestandteil der Zirkulation, von größerm Betrag als alles übrige zusammengenommen." (p. 3, 4.) - "Dieser enorme Überbau von Wechseln ruht (!) auf der Grundlage, gebildet durch den Betrag der Banknoten und des Goldes; und wenn im Lauf der Ereignisse diese Grundlage sich zu sehr verengert, gerät ihre Solidität und selbst ihre Existenz in Gefahr." (p. 8.) -"Schätzt man die ganze Zirkulation" {er meint die Banknoten} "und den Betrag der Verpflichtungen sämtlicher Banken, wofür sofortige Barzahlung verlangt werden kann, so finde ich eine Summe von 153 Millionen, deren Verwandlung in Gold nach dem Gesetz verlangt werden kann, und dagegen 14 Millionen in Gold, um diese Forderung zu befriedigen." (p. 11.) - "Die Wechsel können nicht unter Kontrolle gestellt werden, es sei denn, daß man den Geldüberfluß und den niedrigen Zinsfuß oder Diskonto verhindert, der einen Teil davon erzeugt und diese große und gefährliche Expansion ermuntert. Es ist unmöglich zu entscheiden, wieviel davon von wirklichen Geschäften herrührt, z.B. von wirklichen Käufen und Verkäufen, und welcher Teil künstlich gemacht (fictitious) ist und nur aus Reitwechseln besteht, d.h. wo ein Wechsel gezogen wird, um einen laufenden vor Verfall aufzunehmen und so durch Herstellung bloßer Umlaufsmittel fingiertes Kapital zu kreieren. In Zeiten überflüssigen und wohlfeilen Geldes weiß ich, daß dies bis zu einem enormen Grade geschieht." (p. 43, 44.)
J. W. Bosanquet, "Metallic, Paper, and Credit Currency", London 1842:
"Der Durchschnittsbetrag der an jedem Geschäftstag im Clearing House" {wo die Londoner Bankiers gegenseitig die eingezahlten Schecks und fälligen Wechsel austauschen} "erledigten Zahlungen ist über 3 Millionen Pfd.St., und der zu diesem Zweck nötige tägliche Geldvorrat ist wenig mehr als 200.000 Pfd.St." (p. 86.) {Im Jahr 1889 betrug der Gesamtumschlag des Clearing House 7.618 3/4 Millionen Pfd.St. oder bei rund 300 Geschäftstagen durchschnittlich 25 1/2 Millionen täglich. - F. E.} "Wechsel sind unstreitig Zirkulationsmittel (currency), unabhängig von Geld, soweit sie Eigentum übertragen von Hand zu Hand vermittelst Endossement." (p. 92, 93.) "Im Durchschnitt ist anzunehmen, daß jeder zirkulierende Wechsel zwei Endossements trägt und daß im Durchschnitt jeder Wechsel also zwei Zahlungen erledigt, ehe er verfällt. Hiernach scheint es, daß allein durch Endossement die Wechsel eine Eigentumsübertragung vermittelten zum Wert von zweimal 528 Millionen oder 1.056 Millionen Pfd.St., mehr als 3 Millionen täglich, im Lauf des Jahres 1839. Es ist daher sicher, daß Wechsel und Depositen zusammen durch Eigentumsübertragung von Hand zu Hand und ohne Beihilfe von Geld, Geldfunktionen verrichten zu einem täglichen Belauf von mindestens 18 Millionen Pfd.St." (p. 93.)
Tooke sagt folgendes über Kredit im allgemeinen:
"Der Kredit, in seinem einfachsten Ausdruck, ist das wohl oder übel begründete Vertrauen, das jemanden veranlaßt, einem andern einen gewissen Kapitalbelauf anzuvertrauen, in Geld oder in, auf einen bestimmten Geldwert abgeschätzten, Waren, welcher Betrag stets nach Ablauf einer bestimmten Frist zahlbar ist. Wo das Kapital in Geld verliehen wird, d.h. in Banknoten, oder in einem Barkredit oder in einer Anweisung auf einen Korrespondenten, wird ein Zuschlag von soundso viel Prozent auf den rückzuzahlenden Betrag für den Gebrauch des Kapitals gemacht. Bei Waren, deren Geldwert zwischen den Beteiligten festgestellt ist und deren Übertragung einen Verkauf ausmacht, schließt die festgestellte Summe, die gezahlt werden soll, eine Entschädigung ein für den Gebrauch des Kapitals und für das bis zur Verfallzeit übernommene Risiko. Schriftliche Zahlungsverpflichtungen auf bestimmte Verfalltage werden meist für solche Kredite gegeben. Und diese übertragbaren Verpflichtungen oder Promessen bilden das Mittel, womit die Verleiher, wenn sie Gelegenheit für den Gebrauch ihres Kapitals finden, sei es in Form von Geld oder Waren, vor Verfallzeit dieser Wechsel, meistens imstande sind, wohlfeiler zu borgen oder zu kaufen, indem ihr eigner Kredit durch den des zweiten Namens auf dem Wechsel verstärkt wird. ("Inquiry into the Currency Principle", p. 87.)
Ch. Coquelin, "Du Crédit et des Banques dans l'Industrie", "Revue des deux Mondes", 1842, tome 31 [p. 797]:
"In jedem Lande vollzieht sich die Mehrzahl der Kreditgeschäfte im Kreis der industriellen Beziehungen selbst ... der Produzent des Rohstoffs schießt diesen dem verarbeitenden Fabrikanten vor und erhält von ihm eine Zahlungspromesse auf fixen Verfalltag. Der Fabrikant, nach Ausführung seines Teils der Arbeit, schießt wiederum und zu ähnlichen Bedingungen sein Produkt einem andern Fabrikanten vor, der es weiterverarbeiten muß, und so erstreckt sich der Kredit immer weiter, von einem zum andern bis zum Konsumenten. Der Großhändler macht dem Kleinhändler Warenvorschüsse, während er selbst solche vom Fabrikanten oder vom Kommissionär erhält. Jeder borgt mit der einen Hand und leiht mit der andern, zuweilen Geld, aber weit häufiger Produkte. So vollzieht sich, in den industriellen Beziehungen, ein unaufhörlicher Austausch von Vorschüssen, die sich kombinieren und in allen Richtungen durchkreuzen. Grade in der Vervielfältigung und dem Wachstum dieser gegenseitigen Vorschüsse besteht die Entwicklung des Kredits, und hier ist der wahre Sitz seiner Macht."
Die andre Seite des Kreditwesens schließt sich an die Entwicklung des Geldhandels, die natürlich in der kapitalistischen Produktion Schritt hält mit der Entwicklung des Warenhandels. Wir haben im vorigen Abschnitt (Kapitel XIX) gesehn, wie sich die Aufbewahrung der Reservefonds der Geschäftsleute, die technischen Operationen des Geldeinnehmens und Auszahlens, der internationalen Zahlungen, und damit der Barrenhandel, in den Händen der Geldhändler konzentriert. Im Anschluß an diesen Geldhandel entwickelt sich die andre Seite des Kreditwesens, die Verwaltung des zinstragenden Kapitals oder des Geldkapitals, als besondre Funktion der Geldhändler. Das Borgen und Verleihen des Geldes wird ihr besondres Geschäft. Sie treten als Vermittler zwischen den wirklichen Verleiher und den Borger von Geldkapital. Allgemein ausgedrückt besteht das Bankiergeschäft nach dieser Seite darin, das verleihbare Geldkapital in seiner Hand zu großen Massen zu konzentrieren, so daß statt des einzelnen Geldverleihers die Bankiers als Repräsentanten aller Geldverleiher den industriellen und kommerziellen Kapitalisten gegenübertreten. Sie werden die allgemeinen Verwalter des Geldkapitals. Andrerseits konzentrieren sie, allen Verleihern gegenüber, die Borger, indem sie für die ganze Handelswelt borgen. Eine Bank stellt auf der einen Seite die Zentralisation des Geldkapitals, der Verleiher, auf der andern die Zentralisation der Borger dar. Ihr Profit besteht im allgemeinen darin, daß sie zu niedrigern Zinsen borgt, als sie ausleiht.
Das verleihbare Kapital, worüber die Banken verfügen, fließt ihnen in mehrfacher Weise zu. Zunächst konzentriert sich in ihrer Hand, da sie Kassierer der industriellen Kapitalisten sind, das Geldkapital, das jeder Produzent und Kaufmann als Reservefonds hält oder das ihm als Zahlung zufließt. Diese Fonds verwandeln sich so in verleihbares Geldkapital. Dadurch wird der Reservefonds der Handelswelt, weil als gemeinschaftlicher konzentriert, auf das nötige Minimum beschränkt, und ein Teil des Geldkapitals, der sonst als Reservefonds schlummern würde, wird ausgeliehen, fungiert als zinstragendes Kapital. Zweitens bildet sich ihr verleihbares Kapital aus den Depositen der Geldkapitalisten, die ihnen das Ausleihen derselben überlassen. Mit der Entwicklung des Banksystems und namentlich, sobald sie Zins für Depositen zahlen, werden ferner die Geldersparnisse und das augenblicklich unbeschäftigte Geld aller Klassen bei ihnen deponiert. Kleine Summen, jede für sich unfähig, als Geldkapital zu wirken, werden zu großen Massen vereinigt und bilden so eine Geldmacht. Diese Ansammlung kleiner Beträge muß als besondre Wirkung des Banksystems unterschieden werden von seiner Mittlerschaft zwischen den eigentlichen Geldkapitalisten und den Borgern. Endlich werden auch die Revenuen, die nur allmählich verzehrt werden sollen, bei den Banken deponiert.
Das Verleihen (wir haben es hier nur mit dem eigentlichen Handelskredit zu tun) geschieht durch Diskontieren der Wechsel - Verwandlung derselben in Geld vor ihrer Verfallzeit - und durch Vorschüsse in verschiednen Formen: direkte Vorschüsse auf persönlichen Kredit, Lombardvorschüsse auf zinstragende Papiere, Staatseffekten, Aktien aller Art, namentlich aber auch Vorschüsse auf Ladescheine, Dockwarrants und andre beglaubigte Besitztitel auf Waren, durch Überziehung über die Depositen usw.
Der Kredit nun, den der Bankier gibt, kann in verschiednen Formen gegeben werden, z.B. in Wechseln auf andre Banken, Schecks auf solche, Krediteröffnungen derselben Art, endlich, bei Banken mit Notenausgabe, in den eignen Banknoten der Bank. Die Banknote ist nichts als ein Wechsel auf den Bankier, zahlbar jederzeit an den Inhaber, und vom Bankier den Privatwechseln substituiert. Die letztere Form des Kredits erscheint dem Laien besonders frappant und wichtig, erstens weil diese Art Kreditgeld aus der bloßen Handelszirkulation heraus in die allgemeine Zirkulation tritt und hier als Geld fungiert; auch weil in den meisten Ländern die Hauptbanken, welche Noten ausgeben, als sonderbarer Mischmasch zwischen Nationalbank und Privatbank in der Tat den Nationalkredit hinter sich haben und ihre Noten mehr oder minder gesetzliches Zahlungsmittel sind; weil es hier sichtbar wird, daß das, worin der Bankier handelt, der Kredit selbst ist, indem die Banknote nur ein zirkulierendes Kreditzeichen vorstellt. Aber der Bankier handelt auch im Kredit in allen andern Formen, selbst wenn er bar bei ihm deponiertes Geld vorschießt. In der Tat bildet die Banknote nur die Münze des Großhandels, und ist es stets das Depositum, was als Hauptsache bei den Banken ins Gewicht fällt. Den besten Beweis liefern die schottischen Banken.
Die besondren Kreditinstitute, wie die besondren Formen der Banken selbst, sind für unsern Zweck nicht weiter zu betrachten.
"Die Bankiers haben ein doppeltes Geschäft ... 1. Kapital zu sammeln von denen, die keine unmittelbare Verwendung dafür haben, und es zu verteilen und zu übertragen an andre, die es gebrauchen können. 2. Depositen von Einkommen ihrer Kunden zu empfangen und diesen den Betrag auszuzahlen, je nachdem sie ihn zu Konsumtionsauslagen brauchen. Das erstere ist Zirkulation von Kapital, das letztere Zirkulation von Geld (currency)." - "Das eine ist Konzentration des Kapitals auf der einen und Verteilung desselben auf der andern Seite; das andre ist Verwaltung der Zirkulation für die Lokalzwecke der Umgegend." - Tooke, "Inquiry into the Currency Principle", p. 36, 37.
Wir kommen in Kap. XXVIII auf diese Stelle zurück.
"Reports of Committees", Vol. VIII, "Commercial Distress", Volume II, Part I, 1847/48, Minutes of Evidence. - (Weiterhin zitiert als "Commercial Distress", 1847/48.) In den vierziger Jahren wurden beim Wechseldiskontieren in London in zahllosen Fällen statt Banknoten, Wechsel von einer Bank auf die andre von 21 Tagen Laufzeit genommen. (Aussage von J. Pease, Provinzialbankier, Nr. 4636 und 4645.) Nach demselben Bericht hatten die Bankiers die Gewohnheit, sobald Geld knapp wurde, solche Wechsel ihren Kunden regelmäßig in Zahlung zu geben. Wollte der Empfänger Banknoten, so mußte er diesen Wechsel wieder diskontieren. Für die Banken kam dies einem Privilegium gleich, Geld zu machen. Die Herren Jones Loyd and Co. zahlten in dieser Weise "seit unvordenklichen Zeiten", sobald Geld knapp war und der Zinsfuß über 5%. Der Kunde war froh, solche Banker's Bills zu erhalten, weil Wechsel von Jones Loyd & Co. leichter diskontierbar waren als seine eignen; auch liefen sie oft durch 20 bis 30 Hände. (ibidem, Nr. 905 bis 902, 992.)
Alle diese Formen dienen dazu, den Zahlungsanspruch übertragbar zu machen.
"Es gibt kaum irgendeine Form, in die der Kredit zu bringen ist, worin er nicht zu Zeiten Geldfunktion zu verrichten hat; ob diese Form eine Banknote oder ein Wechsel oder ein Scheck ist, der Prozeß ist wesentlich derselbe und das Resultat ist wesentlich dasselbe." - Fullarton, "On the Regulation of Currencies", 2nd edit., London 1845, p. 38. - "Banknoten sind das Kleingeld des Kredits." (p. 51.)
Das Folgende aus J. W. Gilbart, "The History and Principles of Banking", London 1834:
"Das Kapital einer Bank besteht aus zwei Teilen, dem Anlagekapital (invested capital) und dem Bankkapital (Banking capital), das angeliehen ist." (p. 117) "Das Bankkapital oder geborgte Kapital wird auf drei Wegen erhalten: 1. durch Annahme von Depositen, 2. durch Ausgabe von eignen Banknoten, 3. durch Ziehung von Wechseln. Wenn mir jemand 100 Pfd.St. umsonst leihen will, und ich leihe diese 100 Pfd.St. an jemand anders für 4% Zins aus, so werde ich im Lauf des Jahrs durch dies Geschäft 4 Pfd.St. gewinnen. Ebenso, wenn jemand mein Zahlungsversprechen" (I promise to pay ist die gewöhnliche Formel für englische Banknoten) "nehmen will und es mir am Ende des Jahres zurückgeben und mir 4% dafür zahlen, ganz als ob ich ihm 100 Pfd.St. geliehen hätte, gewinne ich 4 Pfd.St. durch dies Geschäft; und wiederum, wenn jemand in einer Landstadt mir 100 Pfd.St. bringt mit der Bedingung, daß ich 21 Tage später diesen Betrag einer dritten Person in London zahlen soll, wird jeder Zins, den ich in der Zwischenzeit von dem Gelde machen kann, mein Profit sein. Dies ist eine sachgemäße Zusammenfassung der Operationen einer Bank und des Wegs, wie ein Bankkapital geschaffen wird vermittelst Depositen, Banknoten und Wechseln.", (p. 117.) "Die Profite eines Bankiers stehn im allgemeinen im Verhältnis zum Betrag seines geborgten oder Bankkapitals. Um den wirklichen Profit einer Bank festzustellen, ist der Zins auf das Anlagekapital abzuziehn vom Bruttoprofit. Der Rest ist der Bankprofit." (p. 118.) "Die Vorschüsse eines Bankiers an seine Kunden werden gemacht mit dem Geld andrer Leute." (p. 146.) "Gerade die Bankiers, die keine Banknoten ausgeben, schaffen ein Bankkapital durch Diskontieren von Wechseln. Sie vermehren ihre Depositen vermittelst ihrer Diskontooperationen. Die Londoner Bankiers diskontieren nur für diejenigen Häuser, die ein Depositenkonto bei ihnen halten." (p. 119.) "Eine Firma, die bei ihrer Bank Wechsel diskontiert und auf den ganzen Betrag dieser Wechsel Zinsen bezahlt hat, muß wenigstens einen Teil dieses Betrags in den Händen der Bank lassen, ohne Zinsen dafür zu erhalten. Auf diesem Wege erhält der Bankier auf das vorgeschoßne Geld einen höhern als den laufenden Zinsfuß und schafft sich ein Bankkapital vermittelst des in seiner Hand verbleibenden Saldos." (p. 120.)
Ökonomisierung der Reservefonds, Depositen, Schecks:
"Die Depositenbanken ökonomisieren vermittelst der Übertragung der Guthaben den Gebrauch des zirkulierenden Mediums und erledigen Geschäfte von großem Betrag mit einer geringen Summe wirkliches Geldes. Das so freigesetzte Geld wird vom Bankier angewandt in Vorschüssen an seine Kunden vermittelst Diskontos etc. Daher erhöht die Übertragung der Guthaben die Wirksamkeit des Depositensystems." (p. 123.) "Es ist gleichgültig, ob die beiden Kunden, die miteinander handeln, ihre Rechnung bei demselben oder bei verschiednen Bankiers halten. Denn die Bankiers tauschen ihre Schecks unter sich aus im Clearing House. Vermittelst der Übertragung könnte so das Depositensystem zu einem solchen Grad ausgedehnt werden, daß es den Gebrauch des Metallgelds ganz verdrängte. Wenn jeder ein Depositenkonto bei der Bank hielte und alle seine Zahlungen durch Schecks machte, so würden diese Schecks das einzige zirkulierende Medium. In diesem Falle müßte unterstellt werden, daß die Bankiers das Geld in ihrer Hand hätten, sonst hätten die Schecks keinen Wert." (p. 124.)
Die Zentralisation des Lokalverkehrs in den Händen der Banken wird vermittelt 1. durch Zweigbanken. Die Provinzialbanken haben Zweigetablissements in den kleinern Städten ihres Bereichs; die Londoner Banken in den verschiednen Stadtteilen Londons. 2. durch Agenturen.
"Jede Provinzialbank hat einen Agenten in London, um dort ihre Noten oder Wechsel zu zahlen und Geld zu empfangen, das von Londoner Einwohnern eingezahlt wird für Rechnung von Leuten, die in der Provinz wohnen." (p. 127.) "Jeder Bankier fängt die Noten des andern auf, gibt sie nicht wieder aus. In jeder größern Stadt kommen sie ein oder zweimal wöchentlich zusammen und tauschen die Noten aus. Der Saldo wird gezahlt durch Anweisung auf London." (p. 134.) "Der Zweck der Banken ist Erleichterung des Geschäfts. Alles, was das Geschäft erleichtert, erleichtert auch die Spekulation. Geschäft und Spekulation sind in vielen Fällen so eng verknüpft, daß es schwer ist zu sagen, wo das Geschäft aufhört und wo die Spekulation anfängt ... Überall, wo Banken sind, ist Kapital leichter und wohlfeiler zu erhalten. Die Wohlfeilheit des Kapitals gibt der Spekulation Vorschub, ganz wie die Wohlfeilheit von Fleisch und Bier der Gefräßigkeit und Trunkenheit Vorschub leistet." (p. 137, 138.) "Da die Banken, welche eigne Banknoten ausgeben, stets in diesen Noten zahlen, so kann es scheinen, daß ihr Diskontogeschäft gemacht werde ausschließlich mit dem hierdurch gemachten Kapital, aber dem ist nicht so. Ein Bankier kann sehr wohl alle von ihm diskontierten Wechsel in seinen eignen Noten zahlen, und dennoch können 9/10 der in seinem Besitz befindlichen Wechsel wirkliches Kapital repräsentieren. Denn obgleich er selbst für diese Wechsel nur sein eignes Papiergeld gegeben, braucht dies doch nicht in Zirkulation zu bleiben, bis die Wechsel verfallen. Die Wechsel können drei Monate zu laufen haben, die Noten in drei Tagen zurückkommen." (p. 172.) "Das Überziehen der Rechnung durch die Kunden ist geregelte Geschäftssache. Es ist in der Tat der Zweck, wofür ein Barkredit garantiert wird ... Barkredite werden garantiert nicht nur durch persönliche Sicherheit, sondern auch durch Deponierung von Wertpapieren." (p. 174, 175.) "Kapital, vorgeschossen auf Pfand von Waren, hat dieselbe Wirkung, wie wenn vorgeschossen im Diskontieren von Wechseln. Wenn jemand 100 Pfd.St. auf Sicherheit seiner Waren borgt, so ist es dasselbe, als hätte er sie für einen Wechsel von 100 Pfd.St. verkauft und diesen beim Bankier diskontiert. Der Vorschuß aber befähigt ihn, seine Waren für einen bessern Marktstand hinzuhalten und Opfer zu vermeiden, die er sonst hätte machen müssen, um Geld für dringende Zwecke zu erhalten." (p. 180, 181.)
"The Currency Theory Reviewed etc.", p. 62, 63:
"Es ist unstreitig wahr, daß die 1.000 Pfd.St., die ich heute bei A deponiere, morgen wieder ausgegeben werden und ein Depositum bei B bilden. Übermorgen mögen sie, von B wieder ausgegeben, ein Depositum bei C bilden, und so fort ins Unendliche. Dieselben 1.000 Pfd.St. Geld können sich also, durch eine Reihe von Übertragungen zu einer absolut unbestimmbaren Summe von Depositen vervielfältigen. Es ist daher möglich, daß neun Zehntel aller Depositen in England gar keine Existenz haben außer in den Buchungsposten in den Büchern der Bankiers, die jeder für seinen Teil dafür einstehn ... So in Schottland, wo das umlaufende Geld" {obendrein fast nur Papiergeld!} "nie über 3 Millionen Pfd.St., die Depositen 27 Millionen. Solange nun nicht eine allgemeine, plötzliche Rückforderung der Depositen (a run on the banks) eintritt, so können dieselben 1.000 Pfd.St., rückwärts reisend, mit derselben Leichtigkeit eine ebenso unbestimmbare Summe ausgleichen. Da dieselben 1.000 Pfd.St., womit ich heute meine Schuld an einen Geschäftsmann ausgleiche, morgen dessen Schuld an einen andern Kaufmann ausgleichen können und übermorgen dessen Ausgleichung an die Bank, und so ins Unendliche; so können dieselben 1.000 Pfd.St. von Hand zu Hand und von Bank zu Bank gehn und jede denkbare Summe von Depositen ausgleichen."
{Wir haben gesehn, daß Gilbart schon 1834 wußte:
"Alles, was das Geschäft erleichtert, erleichtert auch die Spekulation, beide sind in vielen Fällen so eng verknüpft, daß es schwer ist zu sagen, wo das Geschäft aufhört und wo die Spekulation anfängt."
Je größer die Leichtigkeit, womit Vorschüsse auf unverkaufte Waren zu erlangen sind, desto mehr solcher Vorschüsse werden aufgenommen, desto größer ist die Versuchung, Waren zu fabrizieren oder schon fabrizierte auf entfernte Märkte zu schleudern, nur, um zunächst Geldvorschüsse darauf zu erhalten. Wie die gesamte Geschäftswelt eines Landes von solchem Schwindel ergriffen werden kann und wie das dann endet, davon gibt uns die englische Handelsgeschichte von 1845 - 1847 ein schlagendes Beispiel. Hier sehn wir, was der Kredit leisten kann. Zur Erläuterung der folgenden Beispiele vorher nur einige kurze Bemerkungen.
Ende 1842 begann der Druck zu weichen, der seit 1837 fast ununterbrochen auf der englischen Industrie gelastet hatte. In den beiden folgenden Jahren steigerte sich die Nachfrage des Auslandes nach englischen Industrieprodukten noch mehr; 1845/46 bezeichnete die Periode der höchsten Prosperität. 1843 hatte der Opiumkrieg dem englischen Handel China geöffnet. Der neue Markt bot einen neuen Vorwand zu der bereits in vollem Schwung begriffnen Ausdehnung, namentlich der Baumwollindustrie. "Wie können wir je zuviel produzieren? Wir haben 300 Millionen Menschen zu kleiden" - sagte dem Schreiber dieses damals ein Fabrikant in Manchester. Aber alle die neuerrichteten Fabrikgebäude, Dampf- und Spinnmaschinen und Webstühle waren nicht hinreichend, den massenweise hereinströmenden Mehrwert von Lancashire zu absorbieren. Mit derselben Leidenschaft, womit man die Produktion steigerte, warf man sich auf den Bau von Eisenbahnen; hier fand das Spekulationsgelüst der Fabrikanten und Kaufleute zuerst Befriedigung, und zwar schon seit Sommer 1844. Man zeichnete Aktien, soviel man konnte, d.h. soweit das Geld zur Deckung der ersten Einzahlungen reichte; für das weitere wird sich schon Rat finden! Als dann die weiteren Einzahlungen kamen - nach Frage 1059, C.D. 1848/1857, betrug das 1846/47 in Eisenbahnen angelegte Kapital an 75 Millionen Pfd.St. -, mußte der Kredit in Anspruch genommen werden, und das eigentliche Geschäft der Firma mußte meist auch noch bluten.
Und dies eigentliche Geschäft war in den meisten Fällen auch schon überlastet. Die lockenden hohen Profite hatten zu weit ausgedehnteren Operationen verleitet, als die disponiblen flüssigen Mittel rechtfertigten. Aber der Kredit war ja da, leicht erlangbar und wohlfeil obendrein. Der Bankdiskonto stand niedrig: 1844 1 3/4-2 3/4%, 1845 bis Oktober unter 3%, dann eine kurze Zeit steigend bis 5% (Febr. 1846), dann wieder fallend bis auf 3 1/4% im Dez. 1846. Die Bank hatte in ihren Kellern einen Goldvorrat von unerhörtem Betrag. Alle inländischen Börsenwerte standen so hoch wie nie vorher. Warum also die schöne Gelegenheit vorbeigehn lassen, warum nicht flott ins Geschirr gehn? Warum nicht den nach englischen Fabrikaten schmachtenden fremden Märkten alle Waren zuschicken, die man nur fabrizieren konnte? Und warum sollte nicht der Fabrikant selbst den doppelten Gewinn einheimsen, der aus dem Verkauf des Garns und Gewebes im fernen Osten und aus dem Verkauf der dafür erhaltenen Rückfracht in England erwuchs?
So entstand das System der massenhaften Konsignationen, gegen Vorschuß, nach Indien und China, das sehr bald sich fortentwickelte zu einem System von Konsignationen bloß um des Vorschusses willen, wie es in den nachfolgenden Noten im einzelnen geschildert ist und wie es mit Notwendigkeit enden mußte in massenhafter Überführung der Märkte und im Krach.
Dieser Krach kam zum Ausbruch infolge der Mißernte von 1846. England und besonders Irland bedurften enormer Zufuhren von Lebensmitteln, namentlich Korn und Kartoffeln. Aber die Länder, die diese lieferten, konnten nur zum allergeringsten Teil in englischen Industrieprodukten dafür bezahlt werden; man mußte Edelmetall in Zahlung geben; Gold für mindestens 9 Millionen ging ins Ausland. Von diesem Gold kamen volle 7 1/2 Millionen aus dem Barschatz der Bank von England, deren Bewegungsfreiheit auf dem Geldmarkt dadurch empfindlich gelähmt wurde; die übrigen Banken, deren Reserven bei der Bank von England liegen, tatsächlich mit der Reserve dieser Bank identisch sind, mußten nun ebenfalls ihre Geldakkommodation einschränken; der rasch und leicht dahinströmende Fluß der Zahlungen geriet ins Stocken, erst hier und da, dann allgemein. Der Bankdiskonto, im Januar 1847 noch 3-3 1/2%, stieg im April, wo die erste Panik losbrach, auf 7%; dann kam im Sommer nochmals eine vorübergehende kleine Erleichterung (6, 5, 6%), als aber auch die neue Ernte mißriet, brach die Panik aufs neue und heftiger los. Der offizielle Minimaldiskonto der Bank stieg im Oktober auf 7, im November auf 10%, d.h. die weitaus größte Mehrzahl der Wechsel wurde nur gegen kolossale Wucherzinsen oder überhaupt nicht mehr diskontierbar; die allgemeine Zahlungsstockung brachte eine Reihe der ersten Häuser und viele, viele mittlere und kleine zum Bankrott; die Bank selbst war in Gefahr, infolge der ihr durch den pfiffigen Bankakt von 1844 auferlegten Beschränkungen fallieren zu müssen - da suspendierte, auf allgemeines Andringen, die Regierung am 25. Oktober den Bankakt und entfernte damit die der Bank auferlegten absurden gesetzlichen Fesseln. Nun konnte sie ihren Notenschatz ungehindert in Zirkulation setzen; da der Kredit dieser Banknoten tatsächlich durch den Kredit der Nation garantiert, also unerschüttert war, trat damit sofort die entscheidende Erleichterung der Geldklemme ein; natürlich fallierten noch eine Menge großer und kleiner, hoffnungslos festgerittner Firmen, aber der Höhepunkt der Krise war überwunden, der Bankdiskonto fiel im Dezember wieder auf 5%, und schon im Laufe von 1848 bereitete sich jene erneuerte Geschäftstätigkeit vor, die den revolutionären Bewegungen des Kontinents im Jahre 1849 die Spitze abbrach, und die in den fünfziger Jahren zuerst eine bis dahin unerhörte industrielle Prosperität herbeiführte, dann aber auch - den Krach von 1857. - F. E.}
I. Über die kolossale Entwertung von Staatspapieren und Aktien während der Krise 1847 gibt ein vom House of Lords 1848 herausgegebnes Aktenstück Aufschluß. Danach betrug der Wertfall am 23. Oktober 1847 verglichen mit dem Stand vom Februar desselben Jahres:
| auf englische Staatspapiere | 93.824.217 Pfd.St. |
| auf Dock- und Kanalaktien | 1.358.288 Pfd.St. |
| auf Eisenbahnaktien | 19.579.820 Pfd.St. |
| Zusammen: | 114.762.325 Pfd.St. |
II. Über den Schwindel im ostindischen Geschäft, wo man nicht mehr Wechsel zog, weil Ware gekauft worden war, sondern Waren kaufte, um diskontierbare, in Geld umsetzbare Wechsel ziehen zu können, heißt es im "Manchester Guardian" vom 24. Nov. 1847:
A in London läßt durch B beim Fabrikanten C in Manchester Waren zur Verschiffung an D in Ostindien kaufen. B zahlt C in Sechsmonats-Wechseln, gezogen von C auf B. Er deckt sich ebenfalls durch Sechsmonats-Wechsel auf A. Sobald die Ware verschifft, zieht A, gegen den eingesandten Ladeschein, ebenfalls Sechsmonats-Wechsel auf D.
"Käufer und Versender sind also beide im Besitz von Fonds, viele Monate ehe sie die Waren wirklich bezahlen; und sehr gewöhnlich wurden diese Wechsel bei Verfall erneuert unter dem Vorwand, Zeit für den Rückfluß zu geben bei einem so langatmigen Geschäft. Leider aber führten Verluste in einem solchen Geschäft nicht zu seiner Einschränkung, sondern gradezu zu seiner Ausdehnung. Je ärmer die Beteiligten wurden, desto größer ihr Bedürfnis zu kaufen, um dadurch in neuen Vorschüssen Ersatz für das in den vorigen Spekulationen verlorne Kapital zu finden. Die Einkäufe wurden nun nicht mehr reguliert durch Nachfrage und Zufuhr, sie wurden der wichtigste Teil der Finanzoperationen einer festgerittnen Firma. Aber das ist nur die eine Seite. Wie mit dem Export von Manufakturwaren hier, so ging es mit dem Einkauf und Verschiffen von Produkten drüben. Häuser in Indien, die Kredit genug hatten, ihre Wechsel diskontiert zu bekommen, kauften Zucker, Indigo, Seide oder Baumwolle - nicht weil die Einkaufspreise, gegen die letzten Londoner Preise, einen Profit versprachen. sondern weil frühere Tratten auf das Londoner Haus bald fällig wurden und gedeckt werden mußten. Was war einfacher, als eine Ladung Zucker zu kaufen, sie in Zehnmonats-Wechseln auf das Londoner Haus zu bezahlen und die Ladescheine mit der Überlandpost nach London zu schicken? Weniger als zwei Monate nachher waren die Ladescheine dieser kaum verschifften Waren, und damit die Waren selbst, in Lombard Street verpfändet, und das Londoner Haus kam zu Geld, acht Monate vor Verfall der dagegen gezognen Wechsel. Und alles das ging flott, ohne Unterbrechung oder Schwierigkeit, solange die Diskonthäuser Geld im Überfluß fanden, um es auf Ladescheine und Dockwarrants vorzuschießen und bis zu unbegrenzten Beträgen die Wechsel indischer Häuser auf 'feine' Firmen in Mincing Lane zu diskontieren."
{Diese Schwindelprozedur blieb im Schwang, solange die Waren von und nach Indien das Kap umsegeln mußten. Seitdem sie durch den Suezkanal gehn, und zwar mit Dampfschiffen, ist dieser Methode, fiktives Kapital zu fabrizieren, die Grundlage entzogen: die lange Reisezeit der Waren. Und seitdem der Telegraph den Stand des indischen Markts dem englischen Geschäftsmann und den Stand des englischen Marktes dem indischen Händler noch am selben Tag bekanntgab, wurde diese Methode vollends unmöglich. - F. E.}
III. Das Folgende ist aus dem schon zitierten Bericht "Commercial Distress", 1847/48:
"In der letzten Aprilwoche 1847 zeigte die Bank von England der Royal Bank of Liverpool an, daß sie von nun an ihr Diskontogeschäft mit der letztren auf die Hälfte des Betrags herabsetzen werde. Diese Mitteilung wirkte sehr schlimm, weil die Zahlungen in Liverpool letzthin weit mehr in Wechseln als in bar erfolgten; und weil die Kaufleute, die der Bank gewöhnlich viel bares Geld brachten, um damit ihre Akzepte zu zahlen, in der letzten Zeit nur Wechsel bringen konnten, die sie selbst für ihre Baumwolle und andre Produkte erhalten hatten. Dies hatte stark zugenommen und damit die Geschäftsschwierigkeit. Die Akzepte, die die Bank für die Kaufleute zu zahlen hatte, waren meistens auswärts gezogen und waren bisher meist ausgeglichen worden durch die für die Produkte erhaltne Zahlung. Die Wechsel, die die Kaufleute jetzt brachten, statt des frühern Bargelds, waren Wechsel von verschiedner Laufzeit und verschiedner Art, eine beträchtliche Zahl Bankwechsel auf drei Monate dato, die große Masse waren Wechsel gegen Baumwolle. Diese Wechsel waren akzeptiert, wenn Bankwechsel, durch Londoner Bankiers, sonst aber durch Kaufleute aller Art, im brasilischen, amerikanischen, kanadischen, westindischen usw. Geschäft ... Die Kaufleute zogen nicht aufeinander, sondern die Kunden im Inlande, die Produkte in Liverpool gekauft hatten, deckten sie in Wechseln auf Londoner Banken oder in Wechseln auf sonstige Häuser in London oder in Wechseln auf irgend jemand. Die Ankündigung der Bank von England verursachte, daß für Wechsel gegen verkaufte fremde Produkte die Laufzeit abgekürzt wurde, die sonst häufig über drei Monate war." (p. 26, 27.)
Die Prosperitätsperiode 1844 - 1847 in England war, wie oben geschildert, verknüpft mit dem ersten großen Eisenbahnschwindel. Über dessen Wirkung auf das Geschäft im allgemeinen hat der angeführte Bericht folgendes:
"Im April 1847 hatten fast alle kaufmännischen Häuser angefangen, ihr Geschäft mehr oder weniger auszuhungern (to starve their business) durch Anlage eines Teils ihres Handelskapitals in Eisenbahnen." (p. 41, 42.) - "Es wurden auch Anleihen zu hohem Zinsfuß, z.B. 8%, aufgenommen auf Eisenbahnaktien bei Privatleuten, Bankiers und Assekuranzgesellschaften." (p. 66, 67.) "Diese so großen Vorschüsse dieser Geschäftshäuser an die Eisenbahnen veranlaßten sie wiederum, bei den Banken zuviel Kapital vermittelst Wechseldiskontos aufzunehmen, um damit ihr eignes Geschäft fortzuführen." (p. 67.) - (Frage:) "Würden Sie sagen, daß die Einzahlungen auf Eisenbahnaktien viel beitrugen zu dem Druck, der" {auf dem Geldmarkt} "im April und Oktober" {1847} "herrschte?" (Antwort:) "Ich glaube, daß sie kaum irgend etwas beitrugen zu dem Druck im April. Nach meiner Ansicht hatten sie bis in den April, und vielleicht bis in den Sommer hinein, die Bankiers eher gestärkt als geschwächt. Denn die wirkliche Verwendung des Geldes erfolgte durchaus nicht ebenso rasch wie die Einzahlungen; infolge davon hatten die meisten Banken im Anfang des Jahrs einen ziemlich großen Betrag von Eisenbahnfonds in ihrer Hand." {Dies wird bestätigt durch zahlreiche Aussagen von Bankiers im C.D., 1848/1857.} "Dieser schmolz im Sommer allmählich zusammen und war am 31. Dezember wesentlich geringer. Eine Ursache des Drucks im Oktober war die allmähliche Abnahme der Eisenbahnfonds in den Händen der Banken; zwischen dem 22. April und dem 31. Dezember verminderten sich die Eisenbahnsaldos in unsrer Hand um ein Drittel. Diese Wirkung hatten die Eisenbahneinzahlungen in ganz Großbritannien; sie haben nach und nach die Depositen der Banken abgezapft." (p. 43, 44.)
So sagt auch Samuel Gurney (Chef der berüchtigten Firma Overend, Gurney & Co.):
"1846 war bedeutend größre Nachfrage nach Kapital für Eisenbahnen, hob aber nicht den Zinsfuß. Es fand eine Kondensation kleinerer Summen zu größern Massen statt, und diese großen Massen wurden in unserm Markt verbraucht; so daß im ganzen die Wirkung die war, mehr Geld auf den Geldmarkt der City zu werfen, nicht so sehr, es herauszunehmen." [p. 159.]
A. Hodgson, Direktor der Liverpool Joint Stock Bank, zeigt, wie sehr Wechsel die Reserve für Bankiers bilden können:
"Es war unsre Gewohnheit, mindestens 9/10 aller unsrer Depositen und alles Geld, das wir von andren Personen erhielten, in unserm Portefeuille zu halten in Wechseln, die von Tag zu Tag verfallen ... so sehr, daß während der Zeit der Krise der Ertrag der täglich verfallenden Wechsel fast dem Betrag der täglich an uns gemachten Zahlungsforderungen gleichkam." (p. 53.)
Spekulationswechsel.
Nr. 5092. "Von wem waren die Wechsel" (gegen verkaufte Baumwolle) "hauptsächlich akzeptiert?" {R. Gardner, der in diesem Werk mehr genannte Baumwollfabrikant:} "Von Warenmaklern; ein Händler kauft Baumwolle, übergibt sie einem Makler, zieht auf diesen Makler, und läßt die Wechsel diskontieren." - Nr. 5094. "Und diese Wechsel gehn zu den Liverpooler Banken und werden dort diskontiert? - Jawohl, und auch sonstwo ... Hätte nicht diese Akkommodation bestanden, die hauptsächlich von Liverpooler Banken bewilligt wurde, so wäre nach meiner Ansicht Baumwolle im vorigen Jahr um 1 1/2 d. oder 2 d. per Pfund wohlfeiler gewesen." - Nr. 600. "Sie sagten, eine ungeheure Anzahl Wechsel hätten zirkuliert, gezogen von Spekulanten auf Baumwollmakler in Liverpool; gilt dasselbe von Ihren Vorschüssen auf Wechsel gegen andre Kolonialprodukte außer Baumwolle?" - {A.Hodgson, Bankier in Liverpool:} "Es bezieht sich auf alle Arten Kolonialprodukte, aber ganz besonders auf Baumwolle." - Nr. 601. "Suchen Sie als Bankier sich diese Art Wechsel fernzuhalten? - Keineswegs; wir betrachten sie als ganz rechtmäßige Wechsel, wenn in mäßiger Menge gehalten ... Diese Art Wechsel werden oft verlängert."
Schwindel im ostindisch-chinesischen Markt 1847. - Charles Turner (Chef einer der ersten ostindischen Firmen in Liverpool):
"Wir alle kennen die Vorfälle, die in Beziehung auf das Geschäft nach Mauritius und in ähnlichen Geschäften stattgefunden haben. Die Makler waren gewohnt, Vorschüsse zu machen auf Waren, nicht nur nach ihrer Ankunft, zur Deckung der gegen diese Waren gezognen Wechsel, was vollständig in der Ordnung ist, und Vorschüsse auf Ladescheine ... sondern sie haben Vorschüsse gemacht auf das Produkt, ehe es verschifft, und in einigen Fällen, ehe es fabriziert war. Ich z.B. hatte in einem Spezialfall in Kalkutta Wechsel gekauft für 6.000-7.000 Pfd.St.; der Erlös für diese Wechsel ging nach Mauritius, um dort Zucker pflanzen zu helfen; die Wechsel kamen nach England, und über die Hälfte davon wurden protestiert; dann, als die Verschiffungen von Zucker endlich ankamen, aus denen diese Wechsel bezahlt werden sollten, da fand sich, daß dieser Zucker bereits an dritte Personen verpfändet war, ehe er verschifft, ja in der Tat fast schon, ehe er gesotten war." (p. 78.) "Die Waren für den ostindischen Markt müssen jetzt dem Fabrikanten bar bezahlt werden; aber das hat nicht viel zu sagen, denn wenn der Käufer einigen Kredit in London hat, so zieht er auf London und diskontiert den Wechsel in London, wo der Diskonto jetzt niedrig steht; er bezahlt den Fabrikanten mit dem so erhaltnen Geld ... es dauert mindestens zwölf Monate, bis ein Verschiffer von Waren nach Indien seine Retouren von dort bekommen kann ... ein Mann mit 10.000 oder 15.000 Pfd.St., der ins indische Geschäft geht, würde sich einen Kredit zu einer beträchtlichen Summe bei einem Londoner Hause ausmachen; diesem Hause würde er 1% geben und auf es ziehn, gegen die Bedingung, daß der Erlös der nach Indien gesandten Waren an dies Londoner Haus geschickt wird; wobei aber beide Teile stillschweigend einverstanden sind, daß das Londoner Haus keinen wirklichen Barvorschuß zu leisten hat; d.h. die Wechsel werden prolongiert, bis die Retouren ankommen. Die Wechsel wurden diskontiert in Liverpool, Manchester, London, manche von ihnen sind im Besitz von schottischen Banken." (p. 79.) - Nr. 786. "Da ist ein Haus, das neulich in London fallierte; bei Prüfung der Bücher entdeckte man folgendes: Hier ist eine Firma in Manchester, und eine andre in Kalkutta; sie eröffneten einen Kredit bei dem Londoner Haus für 200.000 Pfd.St.; d.h. die Geschäftsfreunde dieser Manchester Firma, die dem Hause in Kalkutta von Glasgow und Manchester Waren auf Konsignation schickten, trassierten auf das Londoner Haus bis zum Betrage von 200.000 Pfd.St.; gleichzeitig war die Verabredung, daß das Kalkutta-Haus auf das Londoner Haus auch 200.000 Pfd.St. zieht; diese Wechsel wurden in Kalkutta verkauft, mit dem Ertrag andre Wechsel gekauft, und diese wurden nach London geschickt, um das dortige Haus zu befähigen, die ersten von Glasgow oder Manchester gezognen Wechsel zu bezahlen. So wurden durch dieses eine Geschäft Wechsel für 600.000 Pfd.St. in die Welt gesetzt." - Nr. 971. "Gegenwärtig, wenn ein Haus in Kalkutta eine Schiffsladung kauft" {für England} "und sie mit ihren eignen Tratten auf ihren Londoner Korrespondenten bezahlt und die Ladescheine hierher gesandt werden, so werden diese Ladescheine sofort für sie benutzbar zur Erhebung von Vorschüssen in Lombard Street; also haben sie acht Monate Zeit, worin sie das Geld benutzen können, ehe ihre Korrespondenten die Wechsel zu zahlen haben."
IV. Im Jahr 1848 saß ein geheimer Ausschuß des Oberhauses zur Untersuchung der Ursachen der Krise von 1847. Die vor diesem Ausschuß abgelegten Zeugenaussagen wurden jedoch erst 1857 veröffentlicht (Minutes of Evidence, taken before the Secret Committee of the H. of L. appointed to inquire into the Causes of Distress etc.", 1857; zitiert als C.D., 1848/1857). Hier sagte Herr Lister, Dirigent der Union Bank of Liverpool unter andrem aus:
- "Es bestand, Frühjahr 1847, eine ungehörige Ausdehnung des Kredits ... weil Geschäftsleute ihr Kapital vom Geschäft auf Eisenbahnen übertrugen und doch das Geschäft in der alten Ausdehnung fortführen wollten. Jeder glaubte wahrscheinlich zuerst, er könne die Eisenbahnaktien mit Profit verkaufen und so das Geld im Geschäft ersetzen. Er fand vielleicht, daß das nicht möglich war und nahm so Kredit in seinem Geschäft, wo er früher bar bezahlt hatte. Hieraus entsprang eine Kreditausdehnung."
- "Diese Wechsel, worauf die Banken, die sie übernommen hatten, Verluste erlitten, waren dies Wechsel hauptsächlich gegen Korn oder gegen Baumwolle? ... Es waren Wechsel gegen Produkte aller Art, Korn, Baumwolle und Zucker und Produkte aller Art. Es gab damals fast nichts, Öl vielleicht ausgenommen, das nicht im Preise fiel." - 2506. "Ein Makler, der einen Wechsel akzeptiert, akzeptiert ihn nicht, ohne hinreichend gedeckt zu sein, auch gegen einen Preisfall der Ware, die als Deckung dient."
- "Gegen Produkte werden zweierlei Wechsel gezogen. Zur ersten Art gehört der ursprüngliche Wechsel, der von drüben auf den Importeur gezogen wird ... Die Wechsel, die so gegen Produkte gezogen werden, verfallen häufig, ehe die Produkte ankommen. Der Kaufmann muß deshalb, wenn die Ware ankommt und er nicht hinreichendes Kapital hat, sie beim Makler verpfänden, bis er sie verkaufen kann. Dann wird sofort ein Wechsel der andern Art vom Liverpooler Kaufmann auf den Makler gezogen, auf Sicherheit jener Ware ... es wird dann die Sache des Bankiers, sich beim Makler zu vergewissern, ob er die Ware hat und wieweit er darauf vorgeschossen hat. Er muß sich überzeugen, daß der Makler Deckung hat, um sich im Fall eines Verlusts zu erholen."
- "Wir bekommen auch Wechsel vom Ausland ... Jemand kauft drüben einen Wechsel auf England und schickt ihn an ein Haus in England; wir können dem Wechsel nicht ansehn, ob er verständig oder unverständig gezogen ist, ob er Produkte oder Wind repräsentiert."
- "Sie sagten, daß auswärtige Produkte fast aller Art mit großem Verlust verkauft wurden. Glauben Sie, daß das der Fall war infolge ungerechtfertigter Spekulation in diesen Produkten? - Es entsprang aus einer sehr großen Einfuhr, während keine entsprechende Konsumtion bestand, um sie wegzuführen. Nach allem Anschein fiel die Konsumtion sehr bedeutend." - 2534. - "Im Oktober ... waren Produkte fast unverkäuflich."
Wie auf der Höhe des Krachs sich ein allgemeines sauve qui peut entwickelt, darüber spricht sich im selben Bericht ein Kenner ersten Ranges aus, der würdige geriebene Quäker Samuel Gurney von Overend, Gurney & Co.:
- "Wenn eine Panik herrscht, so fragt ein Geschäftsmann sich nicht, wie hoch er seine Banknoten anlegen kann oder ob er 1 oder 2% beim Verkauf seiner Schatzscheine oder Dreiprozentigen verlieren wird. Ist er einmal unter dem Einfluß des Schreckens, so liegt ihm nichts an Gewinn oder Verlust; er bringt sich selbst in Sicherheit, die übrige Welt mag tun was sie will."
V. Über die wechselseitige Überführung zweier Märkte sagt Herr Alexander, Kaufmann im ostindischen Geschäft, vor dem Unterhaus-Ausschuß über die Bankakte 1857 (zitiert als B.C., 1857):
- "Augenblicklich, wenn ich in Manchester 6 Schill. auslege, bekomme ich 5 Schill. in Indien zurück; wenn ich 6 Schill. in Indien auslege, bekomme ich 5 Schill. in London zurück."
So daß also der indische Markt durch England und der englische durch Indien gleichmäßig überführt worden ist. Und zwar war dies der Fall im Sommer 1857, kaum zehn Jahre nach der bittern Erfahrung von 1847!
Sechsundzwanzigstes Kapitel. Akkumulation von Geldkapital, ihr Einfluß auf den Zinsfuß
"In England findet eine beständige Akkumulation von zuschüssigem Reichtum statt, die die Tendenz hat, schließlich Geldform anzunehmen. Nach dem Wunsch, Geld zu erwerben, ist aber der nächstdringliche Wunsch der, sich seiner wieder zu entledigen durch irgendeine Art Anlage, die Zins oder Profit bringt; denn Geld als Geld bringt nichts ein. Wenn daher nicht, gleichzeitig mit diesem steten Zufluß von überschüssigem Kapital, eine allmähliche und hinreichende Ausdehnung des Beschäftigungsfeldes dafür stattfindet, so müssen wir periodischen Akkumulationen von Anlage suchendem Geld ausgesetzt sein, die je nach den Umständen von größrer oder geringrer Bedeutung sind. Für eine lange Reihe von Jahren war die Staatsschuld das große Aufsaugemittel des überschüssigen Reichtums von England. Seitdem sie mit 1816 ihr Maximum erreicht hat und nicht länger aufsaugend wirkt, fand sich jedes Jahr eine Summe von mindestens 27 Millionen, die andre Anlagegelegenheit suchte. Zudem fanden verschiedne Kapitalrückzahlungen statt ... Unternehmungen, die zu ihrer Ausführung großes Kapital bedürfen und von Zeit zu Zeit den Überschuß von unbeschäftigtem Kapital ableiten ... sind wenigstens in unserm Lande absolut notwendig, um die periodischen Anhäufungen des überschüssigen Reichtums der Gesellschaft abzuführen, die in den gewöhnlichen Anlagezweigen keinen Raum finden können. ("The Currency Theory Reviewed", London 1845, p. 32-34.)
Vom Jahre 1845 heißt es ebendaselbst:
"Innerhalb einer sehr kurzen Periode sind die Preise vom niedrigsten Punkt der Depression emporgeschnellt ... die dreiprozentige Staatsschuld steht fast pari ... das Gold in den Kellern der Bank von England überragt jeden früher dort aufgespeicherten Betrag. Aktien aller Art stehn auf Preisen, die fast in jedem Fall unerhört sind, und der Zinsfuß ist so gesunken, daß er fast nominell ist ... Alles Beweise, daß jetzt wieder einmal eine schwere Akkumulation von unbeschäftigtem Reichtum in England vorhanden ist, daß wieder einmal eine Periode spekulativer Überhitzung uns nahe bevorsteht." (ibid., p. 36.)
"Obgleich die Einfuhr von Gold kein sichres Zeichen ist von Gewinn im auswärtigen Handel, so repräsentiert doch prima facie ein Teil dieser Goldeinfuhr, in Abwesenheit einer andren Erklärungsweise, solchen Profit." (J. G. Hubbard, "The Currency and the Country", London 1843, p. 40, 41.) "Gesetzt, in einer Periode mit stetig gutem Geschäft, lohnenden Preisen und wohlgefülltem Geldumlauf, gäbe eine schlechte Ernte Anlaß zu einer Ausfuhr von 5 Millionen Gold und zur Einfuhr von Korn zum selben Betrag. Die Zirkulation" {soll heißen, wie sich gleich zeigen wird, nicht Zirkulationsmittel, sondern das unbeschäftigte Geldkapital. F. E.} "wird vermindert um denselben Betrag. Die Privatleute mögen noch ebensoviel Zirkulationsmittel besitzen, aber die Depositen der Kaufleute bei ihren Banken, die Saldos der Banken bei ihren Geldmaklern und die Reserven in ihren Kassen werden alle vermindert sein, und die unmittelbare Folge dieser Verminderung im Betrag des unbeschäftigten Kapitals wird eine Erhöhung des Zinsfußes sein, z.B. von 4% auf 6. Da das Geschäft gesund ist, wird das Vertrauen nicht erschüttert, aber der Kredit wird höher geschätzt werden." (ibid., p.42.) "Fallen die Warenpreise allgemein, so fließt das überschüssige Geld in Form von vermehrten Depositen zu den Banken zurück, der Überfluß an unbeschäftigtem Kapital senkt den Zinsfuß auf ein Minimum, und dieser Stand der Dinge dauert, bis entweder höhere Preise oder ein lebhafteres Geschäft das schlummernde Geld in Dienst treten lassen, oder bis es absorbiert ist durch Anlage in ausländischen Wertpapieren oder ausländischen Waren." (p. 68.)
Die folgenden Auszüge sind wieder aus dem Parlamentsbericht über "Commercial Distress", 1847/48. - Infolge der Mißernte und Hungersnot 1846/47 wurde große Einfuhr von Nahrungsmitteln nötig.
"Daher großer Überschuß der Einfuhr über die Ausfuhr ... Daher beträchtlicher Geldabfluß bei den Banken und vermehrter Zudrang zu den Diskontomaklern von Leuten, die Wechsel zu diskontieren hatten; die Makler fingen an, den Wechseln genauer auf die Finger zu sehn. Die bisher bewilligte Akkommodation wurde sehr ernstlich eingeschränkt, und unter schwachen Häusern gab es Falliten. Diejenigen, die sich ganz auf den Kredit verließen, gingen in die Brüche. Dies vermehrte die schon früher gefühlte Beunruhigung; Bankiers und andre fanden, daß sie nicht mit derselben Sicherheit wie früher darauf rechnen konnten, ihre Wechsel und andre Wertpapiere in Banknoten zu verwandeln, um ihren Verpflichtungen nachzukommen; sie beschränkten die Akkommodation noch mehr und schlugen sie häufig rund ab; sie schlossen in vielen Fällen ihre Banknoten ein, für künftige Deckung ihrer eignen Verpflichtungen; sie gaben sie lieber gar nicht weg. Unruhe und Verwirrung nahmen täglich zu, und ohne Lord John Russells Brief war der allgemeine Bankrott da." (p. 74, 75.)
Der Brief Russells suspendierte den Bankakt. - Der obenerwähnte Charles Turner sagt aus:
"Manche Häuser hatten große Mittel, aber sie waren nicht flüssig. Ihr ganzes Kapital stak fest in Grundbesitz in Mauritius oder in Indigo- oder Zuckerfabriken. Nachdem sie einmal Verpflichtungen für 500.000-600.000 Pfd.St. eingegangen, hatten sie keine flüssigen Mittel, die Wechsel dafür zu zahlen, und schließlich zeigte sich, daß sie ihre Wechsel nur zahlen konnten vermittelst ihres Kredits und soweit dieser reichte. (p. 81.)
Der erwähnte S. Gurney:
[1664.] "Gegenwärtig" (1848) "herrscht eine Beschränkung der Umsätze und ein großer Überfluß von Geld." - Nr. 1763. "Ich glaube nicht, daß Mangel an Kapital es war, das den Zinsfuß so hoch hinauftrieb; es war der Schrecken (the alarm), die Schwierigkeit, Banknoten zu bekommen."
1847 zahlte England wenigstens 9 Millionen Pfd.St. in Gold ans Ausland für eingeführte Nahrungsmittel. Davon 7 1/2 Millionen aus der Bank von England und 1 1/2 aus andern Quellen. (p. 301.) - Morris, Gouverneur der Bank von England:
"Am 23. Oktober 1847 waren die öffentlichen Fonds und die Kanal- und Eisenbahnaktien schon depreziiert um 114.752.225 Pfd.St. (p. 312.)
Derselbe Morris, befragt von Lord G. Bentinck:
[3846.] "Ist Ihnen nicht bekannt, daß alles in Papieren und Produkten aller Art angelegte Kapital in derselben Weise entwertet war, daß Rohstoffe, Baumwolle, Seide, Wolle nach dem Kontinent gesandt wurden zu denselben Schleuderpreisen und daß Zucker, Kaffee und Tee in Zwangsverkäufen losgeschlagen wurden? - Es war unvermeidlich, daß die Nation ein beträchtliches Opfer brachte, um dem Goldabfluß entgegenzuwirken, den die enorme Einfuhr von Nahrungsmitteln verursacht hatte. - Glauben Sie nicht, es wäre besser gewesen, die 8 Millionen Pfd.St. anzuzapfen, die in den Geldschränken der Bank lagen, statt zu versuchen, das Gold mit solchen Opfern zurückzubekommen? - Das glaube ich nicht."
Nun den Kommentar zu diesem Heroismus. Disraeli examiniert Herrn W. Cotton, Direktor und ehemaligen Gouverneur der Bank von England.
"Was war die Dividende, die die Bankaktionäre 1844 erhielten? - Sie war 7% für das Jahr. - Und die Dividende für 1847? - 9%. - Bezahlt die Bank die Einkommensteuer für ihre Aktionäre im laufenden Jahr? - Jawohl. - Tat sie das auch 1844? - Nein.30 - Dann hat dieser Bankakt" (von 1844) "also sehr im Interesse der Aktionäre gewirkt... Das Resultat ist also, daß seit der Einführung des neuen Akts die Dividende der Aktionäre von 7% auf 9% gestiegen ist und die Einkommensteuer jetzt außerdem von der Bank gezahlt wird, während sie vorher von den Aktionären bezahlt werden mußte? - Das ist ganz richtig." (Nr. 4356-4361.)
Über Schatzbildung bei den Banken während der Krise von 1847 sagt Mr. Pease, ein Provinzialbankier:
- "Da die Bank genötigt war, ihren Zinsfuß immer mehr zu steigern, wurden die Befürchtungen allgemein; die Landbanken vermehrten die Geldbeträge in ihrem Besitz und ebenso die Notenbeträge; und viele von uns, die gewöhnlich vielleicht nur ein paar hundert Pfund in Gold oder Banknoten zu führen pflegten, speicherten sofort Tausende in Geldschränken und Pulten auf, da große Ungewißheit herrschte wegen des Diskontos und wegen der Umlaufsfähigkeit von Wechseln im Markt; und so erfolgte eine allgemeine Schatzanhäufung."
Ein Ausschußmitglied bemerkt:
- "Demzufolge, was auch die Ursache während der letzten 12 Jahre gewesen sein mag, so war das Resultat jedenfalls mehr zugunsten des Juden und des Geldhändlers als zugunsten der produktiven Klasse überhaupt."
Wie sehr der Geldhändler eine Zeit der Krisis ausbeutet, sagt Tooke aus:
"Im Metallwarengeschäft von Warwickshire und Staffordshire wurden 1847 sehr viele Aufträge auf Waren zurückgewiesen, weil der Zinsfuß, den der Fabrikant für Diskontierung seiner Wechsel zu bezahlen hatte, seinen ganzen Profit mehr als verschluckt hätte." (Nr. 5451.)
Nehmen wir jetzt einen andern schon vorher zitierten Parlamentsbericht: "Report of Select Committee on Bank Acts, communicated from the Commons to the Lords, 1857" (zitiert weiter unten als B.C., 1857). Darin wird Herr Norman, Direktor der Bank von England und ein Hauptlicht unter den Leuten vom Currency principle, verhört wie folgt:
- "Sie sagten, Sie sind der Ansicht, daß der Zinsfuß abhängt, nicht von der Masse der Banknoten, sondern von Nachfrage und Angebot von Kapital. Wollen Sie angeben, was Sie unter Kapital einbegreifen, außer Banknoten und Hartgeld? - Ich glaube die gewöhnliche Definition von Kapital ist: Waren oder Dienste, gebraucht in Produktion." - 3636. "Schließen Sie alle Waren in das Wort Kapital ein, wenn Sie vom Zinsfuß sprechen? - Alle Waren, gebraucht in der Produktion." - 3637. "Sie begreifen das alles ein in das Wort Kapital, wenn Sie vom Zinsfuß sprechen? - Jawohl. Nehmen wir an, ein Baumwollfabrikant braucht Baumwolle für seine Fabrik, so wird er vermutlich sie sich dadurch verschaffen, daß er einen Vorschuß von seinem Bankier erhält, und mit den so erhaltnen Banknoten geht er nach Liverpool und kauft. Was er wirklich braucht, ist die Baumwolle; er braucht die Banknoten oder das Gold nicht, außer als Mittel, die Baumwolle zu erhalten. Oder er braucht die Mittel, um seine Arbeiter zu bezahlen; dann borgt er wieder Noten und zahlt den Lohn seiner Arbeiter mit diesen Noten; und die Arbeiter ihrerseits brauchen Nahrung und Wohnung, und das Geld ist das Mittel, dafür zu zahlen." - 3638. "Aber für das Geld wird Zins gezahlt? - Gewiß, in erster Instanz; aber nehmen Sie einen andern Fall. Angenommen, er kauft die Baumwolle auf Kredit, ohne Vorschuß bei der Bank zu holen; dann ist die Differenz zwischen dem Preis für Barzahlung und dem Preis auf Kredit bei Verfallzeit der Maßstab des Zinses. Zins würde existieren, auch wenn es überhaupt kein Geld gäbe."
Dieser selbstgefällige Kohl ist ganz würdig dieses Stützpfeilers des Currency principle. Zuerst die geniale Entdeckung, daß Banknoten oder Gold Mittel sind, etwas zu kaufen, und daß man sie nicht ihrer selbst wegen pumpt. Und daraus soll folgen, daß der Zinsfuß geregelt ist durch was? Durch die Nachfrage und Zufuhr von Waren, wovon man bisher nur wußte, daß sie die Marktpreise der Waren regeln. Mit gleichbleibenden Marktpreisen der Waren sind aber ganz verschiedne Zinsraten verträglich. - Aber nun weiter die Schlauheit. Auf die richtige Bemerkung: "Aber für das Geld wird Zins gezahlt", die natürlich die Frage einschließt: Was hat der Zins, den der Bankier erhält, der gar nicht in Waren handelt, zu tun mit diesen Waren? Und erhalten nicht Fabrikanten Geld zum gleichen Zinsfuß, die dies Geld in ganz verschiednen Märkten auslegen, also in Märkten, wo ganz verschiednes Verhältnis von Nachfrage und Angebot der in der Produktion gebrauchten Waren herrscht? - Auf diese Frage bemerkt dieses feierliche Genie, daß, wenn der Fabrikant Baumwolle auf Kredit kauft, "dann ist die Differenz zwischen dem Preis für Barzahlung und dem Preis auf Kredit bei Verfallzeit der Maßstab des Zinses". Umgekehrt. Die bestehende Rate des Zinses, deren Regulierung Genie Norman erklären soll, ist der Maßstab der Differenz zwischen dem Preis für Barzahlung und dem Preis auf Kredit bis Verfallzeit. Erst ist die Baumwolle zu verkaufen zu ihrem Preis bei Barzahlung, und dieser ist bestimmt durch den Marktpreis, der selbst durch den Stand von Nachfrage und Zufuhr reguliert ist. Sage der Preis ist = 1.000 Pfd.St. Damit ist das Geschäft zwischen dem Fabrikanten und dem Baumwollmakler abgemacht, soweit es Kauf und Verkauf betrifft. Nun kommt ein zweites Geschäft hinzu. Dies ist eins zwischen Verleiher und Borger. Der Wert von 1.000 Pfd.St. wird dem Fabrikanten in Baumwolle vorgeschossen, und er hat ihn, sage in drei Monaten, in Geld zurückzuzahlen. Und die Zinsen für 1.000 Pfd.St. für drei Monate, bestimmt durch die Marktrate des Zinses, bilden dann den Aufschlag auf und über den Preis für Barzahlung. Der Preis der Baumwolle ist bestimmt durch Nachfrage und Zufuhr. Aber der Preis des Vorschusses des Baumwollenwerts, der 1.000 Pfd.St. für drei Monate, ist bestimmt durch die Zinsrate. Und dies, daß die Baumwolle selbst so in Geldkapital verwandelt wird, beweist Herrn Norman, daß Zins existieren würde, auch wenn es überhaupt kein Geld gäbe. Wenn es überhaupt kein Geld gäbe, gäbe es jedenfalls keine allgemeine Zinsrate.
Es ist erstens die pöbelhafte Vorstellung von Kapital als "Waren, gebraucht in der Produktion". Soweit diese Waren als Kapital figurieren, drückt sich ihr Wert als Kapital, im Unterschied von ihrem Wert als Waren, aus in dem Profit, der aus ihrer produktiven oder merkantilen Verwendung gemacht wird. Und die Profitrate hat unbedingt immer etwas zu tun mit dem Marktpreis der gekauften Waren und ihrer Nachfrage und Zufuhr, wird aber noch durch ganz andre Umstände bestimmt. Und daß die Zinsrate im allgemeinen ihre Grenze hat an der Profitrate, kein Zweifel. Aber Herr Norman soll uns grade sagen, wie diese Grenze bestimmt wird. Und sie wird bestimmt durch Nachfrage und Angebot von Geldkapital in seinem Unterschied von den andern Formen des Kapitals. Nun könnte weiter gefragt werden: Wie wird Nachfrage und Angebot von Geldkapital bestimmt? Daß eine stille Verbindung besteht zwischen dem Angebot von sachlichem Kapital und dem Angebot von Geldkapital, kein Zweifel, und ebensowenig, daß die Nachfrage der industriellen Kapitalisten nach Geldkapital durch die Umstände der wirklichen Produktion bestimmt ist. Statt uns hierüber aufzuklären, debitiert uns Norman die Weisheit, daß Nachfrage nach Geldkapital nicht identisch ist mit Nachfrage nach Geld als solchem; und diese Weisheit nur, weil bei ihm, Overstone und den andern Currency-Propheten immer das böse Gewissen im Hintergrund steht, daß sie durch künstliche legislatorische Einmischung aus dem Zirkulationsmittel als solchem Kapital zu machen und den Zinsfuß zu erhöhen bestrebt sind.
Nun zu Lord Overstone, alias Samuel Jones Loyd, wie er erklären muß, warum er 10% für sein "Geld" nimmt, weil das "Kapital" im Lande so rar ist.
- "Die Schwankungen in der Zinsrate entspringen aus einer von zwei Ursachen: aus einer Veränderung im Wert des Kapitals"
(vortrefflich! Wert des Kapitals, allgemein gesprochen, ist ja gerade der Zinsfuß! Die Änderung in der Rate des Zinses entspringt hier also aus einer Änderung in der Rate des Zinses. "Wert des Kapitals" wird theoretisch, wie wir früher gezeigt, nie anders gefaßt. Oder aber: versteht Herr Overstone unter Wert des Kapitals die Profitrate, so kommt der tiefsinnige Denker darauf zurück, daß die Zinsrate reguliert wird durch die Profitrate!)
"oder aus einer Veränderung in der Summe des im Lande vorhandnen Geldes. Alle großen Schwankungen des Zinsfußes, groß entweder der Dauer oder der Ausdehnung der Schwankung nach, lassen sich deutlich zurückführen auf Veränderungen im Wert des Kapitals. Schlagendere praktische Illustrationen dieser Tatsache kann es nicht geben als das Steigen des Zinsfußes 1847 und wiederum in den letzten zwei Jahren (1855/56); die geringern Schwankungen des Zinsfußes, die aus einem Wechsel in der Summe des vorhandnen Geldes entstehn, sind klein sowohl ihrer Ausdehnung wie ihrer Dauer nach. Sie sind häufig, und je häufiger, desto wirksamer für ihren Zweck."
Nämlich die Bankiers à la Overstone zu bereichern. Freund Samuel Gurney drückt sich darüber sehr naiv aus vor dem Committee of Lords, C.D., 1848[/1857]:
- "Sind Sie der Ansicht, daß die großen Schwankungen des Zinsfußes, die im vorigen Jahre stattgefunden, den Bankiers und Geldhändlern vorteilhaft waren oder nicht? - Ich glaube, sie waren den Geldhändlern vorteilhaft. Alle Schwankungen des Geschäfts sind vorteilhaft für den, der Bescheid weiß (to the knowing man)." - 1325. "Sollte nicht der Bankier schließlich doch bei dem hohen Zinsfuß verlieren infolge der Verarmung seiner besten Kunden? - Nein, ich bin nicht der Ansicht, daß diese Wirkung in bemerkbarem Grade besteht."
Voilà ce que parler veut dire.
Auf die Beeinflussung des Zinsfußes durch die Summe des vorhandnen Geldes werden wir zurückkommen. Aber man muß schon jetzt bemerken, daß Overstone hier wieder ein Quidproquo begeht. Die Nachfrage nach Geldkapital 1847 (vor Oktober bestand keine Sorge wegen Geldknappheit, "Quantität des vorhandnen Geldes", wie er es oben nannte) nahm zu aus verschiednen Gründen. Kornteuerung, steigende Baumwollpreise, Unverkäuflichkeit des Zuckers wegen Überproduktion, Eisenbahnspekulation und Krach, Überfüllung der auswärtigen Märkte mit Baumwollwaren, die oben beschriebne Zwangsausfuhr nach und Zwangseinfuhr von Indien zum Zweck bloßer Wechselreiterei. Alle diese Dinge, die Überproduktion in der Industrie so gut wie die Unterproduktion im Ackerbau, also ganz verschiedne Ursachen, verursachten Steigerung der Nachfrage nach Geldkapital, d.h. nach Kredit und Geld. Die gesteigerte Nachfrage nach Geldkapital hatte ihre Ursachen im Gang des Produktionsprozesses selbst. Aber, welches immer die Ursache, es war die Nachfrage nach Geldkapital, die den Zinsfuß, den Wert des Geldkapitals steigen machte. Will Overstone sagen, daß der Wert des Geldkapitals stieg, weil er stieg, so ist dies Tautologie. Versteht er aber unter "Wert des Kapitals" hier Steigen der Profitrate als Ursache des Steigens des Zinsfußes, so wird sich die Sache gleich als falsch herausstellen. Die Nachfrage nach Geldkapital und daher der "Wert des Kapitals" kann steigen, obgleich der Profit fällt; sobald das relative Angebot von Geldkapital fällt, steigt sein "Wert". Was Overstone nachweisen will, ist, daß die Krise von 1847 und die hohe Zinsrate, die sie begleitete, nichts zu tun hatte mit der "Quantität des vorhandnen Geldes", d.h. mit den Bestimmungen des von ihm inspirierten Bankakts von 1844; obgleich sie in der Tat damit zu tun hatte, soweit die Furcht vor der Erschöpfung der Bankreserve - einer Schöpfung von Overstone - eine Geldpanik der Krise von 1847/48 hinzufügte. Aber das ist hier nicht der Fragepunkt. Es war vorhanden eine Geldkapitalnot, verursacht durch die übermäßige Größe der Operationen, verglichen mit den vorhandnen Mitteln, und zum Ausbruch gebracht durch die Störung des Reproduktionsprozesses infolge von mißratener Ernte, von Überanlage von Eisenbahnen, von Überproduktion namentlich in Baumwollwaren, von indischem und chinesischem Schwindelgeschäft, Spekulation, Übereinfuhr von Zucker etc. Was den Leuten, die Korn gekauft hatten, als es 120 sh. per Quarter stand, fehlte, als es auf 60 sh. gefallen war, waren die 60 sh., die sie zuviel bezahlt, und der entsprechende Kredit dafür im Lombardvorschuß auf das Korn. Es war durchaus nicht Mangel an Banknoten, der sie daran hinderte, ihr Korn zum alten Preis von 120 sh. in Geld zu konvertieren. Ebenso bei denen, welche Zucker übereingeführt hatten, und dieser dann fast unverkäuflich wurde. Ebenso bei den Herren, die ihr Zirkulationskapital (floating capital) in Eisenbahnen festgelegt und sich für den Ersatz desselben in ihrem "legitimen" Geschäft auf Kredit verlassen hatten. Alles dies drückt sich für Overstone aus in einem "moralischen Gewahrwerden des erhöhten Wertes seines Geldes (a moral sense of the enhanced value of his money)". Aber diesem erhöhten Wert des Geldkapitals entsprach auf der andern Seite direkt der gefallne Geldwert des realen Kapitals (Warenkapitals und produktiven Kapitals). Der Wert des Kapitals in der einen Form stieg, weil der Wert des Kapitals in der andern sank. Overstone sucht aber diese beiden Werte verschiedner Kapitalsorten in einem einzigen Wert des Kapitals überhaupt zu identifizieren, und zwar dadurch, daß er beide einem Mangel an Zirkulationsmittel, an vorhandnem Geld gegenüberstellt. Derselbe Betrag von Geldkapital kann aber mit sehr verschiednen Massen von Zirkulationsmitteln verliehen werden.
Nehmen wir nun sein Beispiel von 1847. Der offizielle Bankzinsfuß stand: Januar 3-3 1/2%. Februar 4-4 1/2%. März meist 4%. April (Panik) 4-7 1/2%. Mai 5-5 1/2%. Juni im ganzen 5%. Juli 5%. August 5-5 1/2%. September 5% mit kleinen Variationen von 5 1/4, 5 1/2, 6%. Oktober 5, 5 1/2, 7%. November 7-10%. Dezember 7-5%. - In diesem Fall stieg der Zins, weil die Profite abnahmen und die Geldwerte der Waren enorm fielen. Wenn also Overstone hier sagt, daß der Zinsfuß 1847 stieg, weil der Wert des Kapitals stieg, so kann er unter Wert des Kapitals hier nur den Wert des Geldkapitals verstehn, und der Wert des Geldkapitals ist eben der Zinsfuß und nichts andres. Aber später kommt der Fuchsschwanz heraus, und der Wert des Kapitals wird identifiziert mit der Profitrate.
Was den hohen Zinsfuß angeht, der 1856 gezahlt wurde, so wußte Overstone in der Tat nicht, daß dieser zum Teil ein Symptom davon war, daß die Sorte Kreditritter obenauf kam, die den Zins nicht aus dem Profit, sondern aus fremdem Kapital zahlt; er behauptete, nur ein paar Monate vor der Krise von 1857, daß "das Geschäft durchaus gesund sei".
Er sagt ferner aus:
- "Die Vorstellung, daß der Geschäftsprofit durch Steigerung des Zinsfußes zerstört wird, ist höchst irrtümlich. Erstens ist eine Erhöhung des Zinsfußes selten von langer Dauer; zweitens, wenn sie von langer Dauer und bedeutend ist, so ist sie der Sache nach ein Steigen im Wert des Kapitals, und warum steigt der Wert des Kapitals? Weil die Profitrate gestiegen ist."
Hier erfahren wir also endlich, welchen Sinn der "Wert des Kapitals" hat. Übrigens kann die Profitrate für längere Zeit hoch bleiben, aber der Unternehmergewinn fallen und der Zinsfuß steigen, so daß der Zins den größten Teil des Profits verschlingt.
- "Die Erhöhung des Zinsfußes ist eine Folge gewesen der enormen Ausdehnung im Geschäft unsers Landes und der großen Erhöhung der Profitrate; und wenn geklagt wird, daß der erhöhte Zinsfuß die beiden selben Dinge zerstört, die seine eigne Ursache gewesen sind, so ist das eine logische Absurdität, von der man nicht weiß, was man davon sagen soll."
Dies ist gerade so logisch, als sagte er: Die erhöhte Profitrate ist die Folge gewesen der Steigerung der Warenpreise durch Spekulation, und wenn geklagt wird, daß die Preissteigerung ihre eigne Ursache zerstört, nämlich die Spekulation, so ist das eine logische Absurdität etc. Daß ein Ding seine eigne Ursache schließlich zerstören kann, ist nur für den in den hohen Zinsfuß verliebten Wucherer eine logische Absurdität. Die Größe der Römer war die Ursache ihrer Eroberungen, und ihre Eroberungen zerstörten ihre Größe. Reichtum ist die Ursache von Luxus, und Luxus wirkt zerstörend auf den Reichtum. Dieser Pfiffikus! Der Idiotismus der jetzigen Bürgerwelt kann nicht besser gezeichnet werden als durch den Respekt, den die "Logik" des Millionärs, dieses dung-hill aristocrat, ganz England einflößte. Übrigens, wenn hohe Profitrate und Geschäftsausdehnung Ursachen hohes Zinsfußes sein können, ist deswegen hoher Zinsfuß keineswegs Ursache von hohem Profit. Und die Frage ist gerade, ob dieser hohe Zins (wie sich in der Krise wirklich herausstellte) nicht fortgedauert oder gar erst auf die Spitze getrieben, nachdem die hohe Profitrate längst den Weg alles Fleisches gegangen.
- "Was eine große Erhöhung der Diskontorate betrifft, so ist das ein Umstand, der ganz und gar aus dem vermehrten Wert des Kapitals entspringt, und die Ursache dieses vermehrten Werts des Kapitals kann, glaube ich, jedermann mit vollständiger Klarheit entdecken. Ich habe bereits die Tatsache erwähnt, daß in den 13 Jahren, während deren dieser Bankakt in Wirksamkeit war, der Handel von England von 45 auf 120 Millionen Pfd.St. gewachsen ist. Man denke nach über alle die Ereignisse, die diese kurze Zahlenangabe einschließt; man bedenke die enorme Nachfrage nach Kapital. die eine so riesige Vermehrung des Handels mit sich bringt, und bedenke zugleich, daß die natürliche Quelle der Zufuhr für diese große Nachfrage, nämlich die jährlichen Ersparnisse des Landes, während der letzten drei oder vier Jahre in der unprofitablen Auslage für Kriegszwecke verzehrt worden ist. Ich gestehe, ich bin überrascht, daß der Zinsfuß nicht noch viel höher ist; oder in andern Worten, ich bin überrascht, daß die Kapitalklemme infolge dieser riesigen Operationen nicht noch viel heftiger ist, als Sie sie schon gefunden haben."
Welche wunderbare Durcheinanderwerfung von Worten unsers Wucherlogikers! Hier ist er wieder mit seinem gestiegnen Wert des Kapitals! Er scheint sich einzubilden, daß auf der einen Seite diese enorme Ausdehnung des Reproduktionsprozesses vorging, also Akkumulation von wirklichem Kapital, und daß auf der andern Seite ein "Kapital" stand, nach welchem "enorme Nachfrage" entsprang, um diese so riesige Vermehrung des Handels fertigzubringen! War denn diese riesige Vermehrung der Produktion nicht selbst die Vermehrung des Kapitals, und wenn sie Nachfrage schuf, schuf sie nicht zugleich auch die Zufuhr und nicht auch zugleich selbst eine vermehrte Zufuhr von Geldkapital? Stieg der Zinsfuß sehr hoch, so doch nur, weil die Nachfrage nach Geldkapital noch rascher wuchs als die Zufuhr, was in andern Worten sich darin auflöst, daß mit der Ausdehnung der industriellen Produktion ihre Führung auf Basis des Kreditsystems sich ausdehnte. Mit andern Worten, die wirkliche industrielle Expansion verursachte eine vermehrte Nachfrage nach "Akkommodation", und diese letztere Nachfrage ist augenscheinlich das, was unser Bankier unter der "enormen Nachfrage nach Kapital" versteht. Es ist sicher nicht die Ausdehnung der bloßen Nachfrage nach Kapital, die den Exporthandel von 45 auf 120 Millionen hob. Und was versteht Overstone weiter darunter, wenn er sagt, daß die vom Krimkrieg aufgefreßnen jährlichen Ersparnisse des Landes die natürliche Quelle der Zufuhr für diese große Nachfrage bilden? Erstens, womit akkumulierte denn England von 1792-1815, was ein ganz andrer Krieg war als der kleine Krimkrieg? Zweitens, wenn die natürliche Quelle vertrocknet, aus welcher Quelle floß denn das Kapital? England hat bekanntlich nicht bei fremden Nationen Vorschüsse genommen. Wenn es aber neben der natürlichen Quelle noch eine künstliche gibt, so wäre das ja eine allerliebste Methode für eine Nation, die natürliche Quelle im Krieg und die künstliche Quelle im Geschäft zu verwenden. Wenn aber nur das alte Geldkapital vorhanden war, konnte es durch hohen Zinsfuß seine Wirksamkeit verdoppeln? Herr Overstone glaubt offenbar, daß die jährlichen Ersparnisse des Landes (die aber in diesem Fall angeblich konsumiert wurden) sich bloß in Geldkapital verwandeln. Wenn aber keine wirkliche Akkumulation, d.h. Steigerung der Produktion und Vermehrung der Produktionsmittel stattfände, was würde die Akkumulation von Schuldansprüchen in Geldform auf diese Produktion nützen?
Die Steigerung des "Werts des Kapitals", die aus hoher Profitrate folgt, wirft Overstone zusammen mit der Steigerung, die aus vermehrter Nachfrage nach Geldkapital folgt. Diese Nachfrage mag steigen aus Ursachen, die ganz unabhängig von der Profitrate sind. Er selbst führt als Beispiel an, daß sie 1847 stieg infolge von Entwertung des Realkapitals. Je nachdem es ihm paßt, bezieht er den Wert des Kapitals auf Realkapital oder auf Geldkapital.
Die Unredlichkeit unsers Banklords, zusammen mit seinem bornierten Bankierstandpunkt, den er didaktisch zuspitzt, zeigt sich weiter in folgendem:
- (Frage.) "Sie sagten, daß nach Ihrer Ansicht die Diskontorate für den Kaufmann von keiner wesentlichen Bedeutung ist; wollen Sie gütigst sagen, was Sie als die gewöhnliche Profitrate ansehn?"
Dies zu beantworten erklärt Herr Overstone für "unmöglich".
- "Angenommen, die Durchschnittsprofitrate sei 7-10%; so muß eine Änderung in der Diskontorate von 2% auf 7 oder 8% die Profitrate wesentlich affizieren, nicht wahr?"
(Die Frage selbst wirft die Rate des Unternehmergewinns und die Profitrate zusammen und übersieht, daß die Profitrate die gemeinsame Quelle von Zins und Unternehmergewinn. Die Zinsrate kann die Profitrate unberührt lassen, aber nicht den Unternehmergewinn. Antwort Overstones:)
"Erstens werden Geschäftsleute nicht eine Diskontorate bezahlen, die ihren Profit wesentlich vorwegnimmt; sie werden lieber ihr Geschäft einstellen."
(Jawohl, wenn sie können, ohne sich zu ruinieren. Solange ihr Profit hoch, zahlen sie den Diskonto, weil sie wollen, und sobald er niedrig, weil sie müssen.)
"Was bedeutet Diskonto? Warum diskontiert jemand einen Wechsel? ... Weil er ein größres Kapital zu erlangen wünscht";
(halte-là! weil er den Geldrückfluß seines festgelegten Kapitals zu antizipieren und den Stillstand seines Geschäfts zu vermeiden wünscht. Weil er fällige Zahlung decken muß. Vermehrtes Kapital verlangt er nur, wenn das Geschäft gut geht oder wenn er auf fremdes Kapital spekuliert, selbst während es schlecht geht. Der Diskonto ist keineswegs bloß Mittel zur Ausdehnung des Geschäfts.)
"Und warum will er das Kommando über ein größeres Kapital erhalten? Weil er dies Kapital anwenden will; und warum will er dies Kapital anwenden? Weil dies profitlich ist; es wäre aber nicht profitlich für ihn, wenn der Diskonto seinen Profit verschlänge."
Dieser selbstgefällige Logiker unterstellt, daß Wechsel nur diskontiert werden, um das Geschäft auszudehnen, und daß das Geschäft ausgedehnt wird, weil es profitlich ist. Die erste Voraussetzung ist falsch. Der gewöhnliche Geschäftsmann diskontiert, um die Geldform seines Kapitals zu antizipieren und dadurch den Reproduktionsprozeß im Fluß zu erhalten; nicht um das Geschäft auszudehnen oder Zusatzkapital aufzubringen, sondern um den Kredit, den er gibt, auszugleichen durch den Kredit, den er nimmt. Und wenn er sein Geschäft auf Kredit ausdehnen will, wird ihm das Diskontieren von Wechseln wenig nutzen, das ja bloß ein Umsatz von schon in seiner Hand befindlichem Geldkapital aus einer Form in eine andre ist; er wird lieber eine feste Anleihe auf längere Zeit aufnehmen. Der Kreditritter allerdings wird seine Reitwechsel diskontieren lassen, um sein Geschäft auszudehnen, um ein faules Geschäft durch das andre zu decken; nicht um Profit zu machen, sondern um sich in Besitz von fremdem Kapital zu setzen.
Nachdem Herr Overstone so den Diskonto identifiziert mit Anleihe von Zusatzkapital (statt mit Verwandlung von Wechseln, die Kapital repräsentieren, in bares Geld), zieht er sich sofort zurück, sobald ihm die Daumschrauben angesetzt werden.
- (Frage:) "Müssen nicht Kaufleute, einmal im Geschäft engagiert, ihre Operationen für einen gewissen Zeitraum fortführen trotz einer zeitweiligen Steigerung des Zinsfußes?" - (Overstone:) "Es ist kein Zweifel, daß bei irgendeiner einzelnen Transaktion, wenn jemand Verfügung über Kapital erhalten kann zu einem niedrigern Zinsfuß statt zu einem hohen Zinsfuß, die Sache von diesem beschränkten Gesichtspunkt genommen, daß das für ihn angenehm ist."
Dagegen ist es ein unbeschränkter Gesichtspunkt, wenn Herr Overstone unter "Kapital" nun plötzlich nur sein Bankierskapital versteht und daher den Mann, der bei ihm Wechsel diskontiert, als einen Mann ohne Kapital betrachtet, weil sein Kapital in Warenform existiert oder die Geldform seines Kapitals ein Wechsel ist, den Herr Overstone in andre Geldform übersetzt.
- "Mit Beziehung auf den Bankakt von 1844, können Sie angeben, was das ungefähre Verhältnis des Zinsfußes zur Goldreserve der Bank war; ist es richtig, daß, wenn das Gold in der Bank 9 oder 10 Millionen betrug, der Zinsfuß 6 oder 7% war, und wenn es 16 Millionen war, der Zinsfuß auf etwa 3 bis 4% stand?"
(Der Fragesteller will ihn zwingen, den Zinsfuß, soweit er beeinflußt durch die Menge des Goldes in der Bank, zu erklären aus dem Zinsfuß, soweit er beeinflußt durch den Wert des Kapitals.)
"Ich sage nicht, daß das der Fall ist ... aber wenn dem so ist, dann müssen wir meiner Ansicht nach noch schärfre Maßregeln ergreifen als die von 1844; denn wenn es wahr sein sollte, daß je größer der Goldschatz, desto niedriger der Zinsfuß, dann müßten wir an die Arbeit gehn, nach dieser Ansicht der Sache, und den Goldschatz bis auf einen unbegrenzten Betrag erhöhen, und dann würden wir den Zins auf 0 herabbringen."
Der Fragesteller Cayley, ungerührt durch diesen schlechten Witz, fährt fort:
- "Wenn dem so wäre, angenommen, es würden 5 Millionen Gold der Bank zurückgegeben, so würde im Lauf der nächsten sechs Monate der Goldschatz etwa 16 Millionen betragen, und angenommen, der Zinsfuß fiele so auf 3 bis 4%, wie könnte dann behauptet werden, daß der Fall im Zinsfuß von einer großen Abnahme im Geschäft herrührte? - Ich sagte, die neuliche große Erhöhung des Zinsfußes, nicht der Fall des Zinsfußes, sei eng verknüpft mit der großen Ausdehnung des Geschäfts."
Aber was Cayley sagt, ist dies: Wenn Steigen des Zinsfußes, zusammen mit Kontraktion des Goldschatzes, Zeichen der Ausdehnung des Geschäfts ist, so muß Fallen des Zinsfußes, zusammen mit Ausdehnung des Goldschatzes, Zeichen der Abnahme des Geschäfts sein. Hierauf hat Overstone keine Antwort.
- {Frage:} "Ich bemerke, Sie" (im Text steht immer Your Lordship) "sagten, daß Geld das Instrument sei, um Kapital zu erhalten."
(Dies ist eben die Verkehrtheit, es als Instrument zu fassen; es ist Form des Kapitals.)
"Bei Abnahme des Goldschatzes" {der Bank von England} "besteht nicht die große Schwierigkeit umgekehrt darin, daß Kapitalisten kein Geld erhalten können?" - {Overstone:} "Nein; es sind nicht die Kapitalisten, es sind die Nichtkapitalisten, die Geld zu erlangen suchen; und warum suchen sie Geld zu erlangen? ... Weil vermittelst des Geldes sie das Kommando über das Kapital des Kapitalisten erlangen, um das Geschäft von Leuten zu führen, die keine Kapitalisten sind."
Hier erklärt er geradezu, daß Fabrikanten und Kaufleute keine Kapitalisten sind und daß das Kapital des Kapitalisten nur Geldkapital ist.
- "Sind denn die Leute, die Wechsel ziehn, keine Kapitalisten? - Die Leute, die Wechsel ziehn sind möglicherweise Kapitalisten und möglicherweise auch nicht."
Hier sitzt er fest.
Er wird nun gefragt, ob die Wechsel der Kaufleute nicht die Waren repräsentieren, die sie verkauft oder verschifft haben. Er leugnet, daß diese Wechsel den Wert der Waren ganz so repräsentieren, wie die Banknote das Gold. (3740, 3741.) Dies ist etwas unverschämt.
- "Ist nicht der Zweck des Kaufmanns, Geld zu erhalten? - Nein; Geld zu erhalten ist nicht der Zweck beim Ziehen des Wechsels; Geld zu erhalten ist der Zweck beim Diskontieren des Wechsels."
Wechselziehen ist Verwandlung von Ware in eine Form von Kreditgeld, wie Wechseldiskontieren Verwandlung dieses Kreditgelds in andres, nämlich Banknoten. Jedenfalls gibt Herr Overstone hier zu, daß der Zweck des Diskontierens ist, Geld zu erhalten. Vorher ließ er nur diskontieren, nicht um Kapital aus einer Form in die andre zu verwandeln, sondern um Zusatzkapital zu erhalten.
- "Was ist der große Wunsch der Geschäftswelt, unter dem Druck einer Panik, wie sie nach Ihrer Aussage 1825, 1837 und 1839 vorgekommen ist; bezwecken sie in den Besitz von Kapital zu kommen oder von gesetzmäßigem Zahlungsgeld? - Sie bezwecken, das Kommando über Kapital zu erhalten, um ihr Geschäft fortzuführen."
Ihr Zweck ist, Zahlungsmittel für verfallende Wechsel auf sie selbst zu erhalten, wegen des eingetretnen Kreditmangels, und um nicht ihre Waren unter dem Preis losschlagen zu müssen. Haben sie selbst überhaupt kein Kapital, so erhalten sie mit den Zahlungsmitteln natürlich zugleich Kapital, weil sie Wert ohne Äquivalent erhalten. Das Verlangen nach Geld als solchem besteht stets nur in dem Wunsch, Wert aus der Form von Ware oder Schuldforderung in die Form von Geld umzusetzen. Daher auch abgesehn von den Krisen, der große Unterschied zwischen Kapitalaufnahme und Diskonto, der bloß Verwandlung von Geldforderungen aus einer Form in die andre, oder in wirkliches Geld, zuwege bringt.
{Ich - der Herausgeber - erlaube mir hier eine Zwischenbemerkung.
Bei Norman wie bei Loyd-Overstone steht der Bankier immer da als jemand, der "Kapital vorschießt", und sein Kunde als derjenige, der "Kapital" von ihm verlangt. So sagt Overstone, jemand läßt durch ihn Wechsel diskontieren, "weil er Kapital zu erlangen wünscht" (3729), und es sei angenehm für denselben Mann, wenn er "Verfügung über Kapital erhalten kann zu niedrigem Zinsfuß" (3730). "Geld ist das Instrument, um Kapital zu erhalten" (3736), und in einer Panik ist der große Wunsch der Geschäftswelt, "Kommando über Kapital zu erhalten" (3743). Bei aller Verwirrung Loyd-Overstones über das, was Kapital ist, geht doch soviel klar hervor, daß er das, was der Bankier dem Geschäftskunden gibt, als Kapital bezeichnet, als ein vom Kunden vorher nicht besessenes, ihm vorgeschoßnes Kapital, das zusätzlich ist zu dem, worüber der Kunde bisher verfügte.
Der Bankier hat sich so sehr daran gewöhnt, als Verteiler - in Form des Verleihens - des in Geldform disponiblen gesellschaftlichen Kapitals zu figurieren, daß ihm jede Funktion, wobei er Geld weggibt, als ein Verleihen vorkommt. Alles Geld, das er auszahlt, erscheint ihm als ein Vorschuß. Ist das Geld direkt auf Anleihe ausgelegt, so ist dies wörtlich richtig. Ist es im Wechseldiskonto angelegt, so ist es in der Tat für ihn selbst Vorschuß bis zum Verfall des Wechsels. So befestigt sich in seinem Kopf die Vorstellung, daß er keine Zahlungen machen kann, die nicht Vorschüsse sind. Und zwar Vorschüsse, nicht etwa bloß in dem Sinn, daß jede Geldanlage zum Zweck des Zins- oder Profitmachens ökonomisch als ein Vorschuß betrachtet wird, den der betreffende Geldbesitzer in seiner Eigenschaft als Privatmann sich selbst in seiner Eigenschaft als Unternehmer macht. Sondern Vorschüsse in dem bestimmten Sinn, daß der Bankier dem Kunden eine Summe leihweise übergibt, die das dem letzteren zur Verfügung stehende Kapital um ebensoviel vermehrt.
Es ist diese Vorstellung, die, aus dem Bankkontor in die politische Ökonomie übertragen, die verwirrende Streitfrage geschaffen hat, ob das, was der Bankier seinen Geschäftskunden in barem Geld zur Verfügung stellt, Kapital ist oder bloß Geld, Zirkulationsmittel, Currency? Um diese - im Grunde einfache - Streitfrage zu entscheiden, müssen wir uns auf den Standpunkt des Bankkunden stellen. Es kommt darauf an, was dieser verlangt und erhält.
Bewilligt die Bank dem Geschäftskunden eine Anleihe einfach auf seinen persönlichen Kredit, ohne Sicherheitsstellung seinerseits, so ist die Sache klar. Er erhält unbedingt einen Vorschuß von bestimmter Wertgröße als Zusatz zu seinem bisher angewandten Kapital. Er erhält ihn in Geldform; also nicht nur Geld, sondern auch Geldkapital.
Erhält er den Vorschuß geleistet gegen Verpfändung von Wertpapieren etc., so ist es Vorschuß in dem Sinn, daß ihm Geld gezahlt worden ist unter Vorbehalt der Rückzahlung. Aber nicht Vorschuß von Kapital. Denn die Wertpapiere repräsentieren auch Kapital, und zwar einen höheren Betrag als der Vorschuß. Der Empfänger erhält also weniger Kapitalwert, als er in Pfand gibt; dies ist für ihn durchaus keine Akquisition von Zusatzkapital. Er macht das Geschäft nicht, weil er Kapital braucht - das hat er ja in seinen Wertpapieren -, sondern weil er Geld braucht. Hier liegt also Vorschuß von Geld vor, aber nicht von Kapital.
Wird der Vorschuß geleistet gegen Diskonto von Wechseln, so verschwindet auch die Form des Vorschusses. Es liegt vor ein reiner Kauf und Verkauf. Der Wechsel geht durch Endossement über in das Eigentum der Bank, das Geld dagegen ins Eigentum der Kunden; von Rückzahlung seinerseits ist keine Rede. Wenn der Kunde mit einem Wechsel oder ähnlichen Kreditinstrument bar Geld kauft, so ist das nicht mehr oder nicht minder ein Vorschuß, als wenn er das bare Geld mit seiner sonstigen Ware, Baumwolle, Eisen, Korn, gekauft hätte. Und am allerwenigsten kann hier von einem Vorschuß von Kapital die Rede sein. Jeder Kauf und Verkauf zwischen Händler und Händler ist eine Übertragung von Kapital. Aber ein Vorschuß kommt nur da vor, wo die Übertragung von Kapital nicht wechselseitig ist, sondern einseitig und auf Zeit. Kapitalvorschuß durch Wechseldiskonto kann also nur da stattfinden, wo der Wechsel ein Reitwechsel ist, der gar keine verkauften Waren repräsentiert, und den nimmt kein Bankier, sobald er ihn für das erkennt, was er ist. Im regelmäßigen Diskontogeschäft erhält also der Bankkunde keinen Vorschuß, weder in Kapital noch in Geld, sondern er erhält Geld für verkaufte Ware.
Die Fälle, wo der Kunde von der Bank Kapital verlangt und erhält, sind also sehr deutlich unterschieden von denen, wo er bloß Geld vorgeschossen erhält oder bei der Bank kauft. Und da namentlich Herr Loyd-Overstone nur in den allerseltensten Fällen seine Fonds ohne Deckung vorzuschießen pflegte (er war der Bankier meiner Firma in Manchester), so ist ebenfalls klar, daß seine schönen Schilderungen von den Massen Kapital, die die großmütigen Bankiers den kapitalentbehrenden Fabrikanten vorschießen, arge Flunkerei sind.
Im Kapitel XXXII sagt Marx übrigens in der Hauptsache dasselbe:
"Die Nachfrage nach Zahlungsmitteln ist bloße Nachfrage nach Umsetzbarkeit in Geld, soweit die Kaufleute und Produzenten gute Sicherheiten bieten können; sie ist Nachfrage nach Geldkapital, soweit dies nicht der Fall ist, soweit also ein Vorschuß von Zahlungsmitteln ihnen nicht nur die Geldform gibt, sondern auch das ihnen mangelnde Äquivalent, in welcher Form es sei, zum Zahlen." - Ferner in Kap. XXXIII: "Bei entwickeltem Kreditwesen, wo sich das Geld in den Händen der Banken konzentriert, sind sie es, wenigstens nominell, die es vorschießen. Dieser Vorschuß bezieht sich nur auf das in Zirkulation befindliche Geld. Es ist Vorschuß von Zirkulation, nicht Vorschuß der Kapitale, die diese zirkuliert." - Auch Herr Chapman, der es wissen muß, bestätigt obige Auffassung des Diskontogeschäfts, B.C., 1857:
"Der Bankier hat den Wechsel, der Bankier hat den Wechsel gekauft." Evid. Frage 5139.
Wir kommen übrigens im Kap. XXVIII nochmals auf dieses Thema zurück. - F. E.}
- "Wollen Sie gefälligst beschreiben, was Sie unter dem Ausdruck Kapital wirklich verstehn? - {Antwort Overstone.} "Kapital besteht aus verschiednen Waren, vermittelst deren das Geschäft in Gang gehalten wird (capital consists of various commodities, by the means of which trade is carried on); es gibt fixes Kapital, und es gibt zirkulierendes Kapital. Ihre Schiffe, Ihre Docks, Ihre Werften sind fixes Kapital, Ihre Lebensmittel, Ihre Kleider usw. sind zirkulierendes Kapital."
- "Hat der Abfluß des Goldes ins Ausland schädliche Folgen für England? - Nicht, solange man mit diesem Wort einen rationellen Sinn verbindet."
(Nun kommt die alte Ricardosche Geldtheorie.)
... "Im natürlichen Zustand der Dinge verteilt sich das Geld der Welt auf die verschiednen Länder der Welt in gewissen Proportionen; diese Proportionen sind derart, daß bei solcher Verteilung" {des Geldes} der Verkehr zwischen irgendeinem Lande einerseits und allen andren Ländern der Welt andrerseits ein bloßer Tauschverkehr ist; aber es gibt störende Einflüsse, die diese Verteilung von Zeit zu Zeit affizieren, und wenn diese Einflüsse entstehn, fließt ein Teil des Geldes eines gegebnen Landes in andre Länder ab." -3746. "Sie gebrauchen jetzt den Ausdruck: Geld. Wenn ich Sie früher recht verstand, so nannten Sie das einen Verlust von Kapital. - Was nannte ich einen Verlust von Kapital?" - 3747. "Den Goldabfluß. - Nein, das sagte ich nicht. Wenn Sie Gold als Kapital behandeln, so ist es ohne Zweifel ein Verlust von Kapital; es ist Weggabe einer gewissen Proportion des Edelmetalls, woraus das Weltgeld besteht." - 3748. "Sagten Sie nicht vorher, daß ein Wechsel in der Rate des Diskontos ein bloßes Anzeichen sei eines Wechsels im Wert des Kapitals? - Jawohl." -3749. "Und daß die Rate des Diskontos im allgemeinen wechselt mit der Goldreserve in der Bank von England? - Jawohl; aber ich habe bereits gesagt, daß die Schwankungen des Zinsfußes, die aus einem Wechsel in der Quantität des Geldes" (also darunter versteht er hier die Quantität des wirklichen Goldes) "in einem Lande entspringen, sehr geringfügig sind ..."
- "Wollen Sie also sagen, daß eine Kapitalabnahme stattgefunden hat, wenn eine längre, aber doch nur zeitweilige Steigerung des Diskontos über den gewöhnlichen Satz stattgefunden hat? - Eine Abnahme in einem gewissen Sinn des Worts. Das Verhältnis zwischen dem Kapital und der Nachfrage danach hat gewechselt; möglicherweise aber durch vermehrte Nachfrage, nicht durch eine Abnahme in der Quantität des Kapitals."
(Aber es war ja eben Kapital = Geld oder Gold, und es war noch etwas früher die Steigerung des Zinsfußes erklärt durch die hohe Profitrate, die aus der Ausdehnung, nicht der Einschränkung des Geschäfts oder Kapitals entsprang.)
- "Was ist das für ein Kapital, das Sie hier speziell im Auge haben? - Das kommt ganz darauf an, was das für ein Kapital ist, das jeder einzelne nötig hat. Es ist das Kapital, das die Nation zu ihrer Verfügung hat, um ihr Geschäft fortzuführen, und wenn dies Geschäft sich verdoppelt, so muß eine große Zunahme eintreten in der Nachfrage nach dem Kapital, womit es fortgeführt werden soll."
(Dieser pfiffige Bankier verdoppelt erst das Geschäft und dann hinterher die Nachfrage nach dem Kapital, womit es verdoppelt werden soll. Er sieht immer nur seinen Kunden, der bei Herrn Loyd ein größres Kapital verlangt, um sein Geschäft zu verdoppeln.)
"Das Kapital ist wie jede andre Ware"; (aber das Kapital ist ja nach Herrn Loyd eben nichts andres als die Gesamtheit der Waren) "es wechselt in seinem Preise" (die Waren wechseln also doppelt im Preis, einmal qua Waren, das andre Mal qua Kapital) "je nach Nachfrage und Angebot."
- "Die Schwankungen in der Rate des Diskontos stehn im allgemeinen im Zusammenhang mit den Schwankungen des Goldbetrages in der Schatzkammer der Bank. Ist dies das Kapital, das Sie meinen? - Nein." - 3753. "Können Sie ein Beispiel angeben, wo in der Bank von England ein großer Kapitalvorrat aufgehäuft war und gleichzeitig die Rate des Diskontos hoch stand? - In der Bank von England wird nicht Kapital aufgehäuft, sondern Geld." - 3754. "Sie sagten aus, daß der Zinsfuß abhängt von der Menge des Kapitals; wollen Sie gefälligst angeben, was für Kapital Sie meinen und ob Sie ein Beispiel anführen können, wo ein großer Goldvorrat in der Bank lag und gleichzeitig der Zinsfuß hoch stand? - Es ist sehr wahrscheinlich", (aha!) "daß die Anhäufung von Gold in der Bank zusammenfallen mag mit einem niedrigen Zinsfuß, weil eine Periode geringerer Nachfrage nach Kapital" (nämlich Geldkapital; die Zeit, von der hier die Rede ist, 1844 und 1845, waren Zeiten der Prosperität) "eine Periode ist, während deren natürlicherweise das Mittel oder Werkzeug, vermöge dessen man über Kapital kommandiert, akkumulieren kann." - 3755. "Sie glauben also, daß kein Zusammenhang existiert zwischen der Rate des Diskontos und der Masse des Goldes im Bankschatz? - Es mag ein Zusammenhang existieren, aber es ist kein prinzipieller Zusammenhang"; (sein Bankakt von 1844 macht es aber grade zum Prinzip der Bank von England, den Zinsfuß zu regulieren nach der Masse des in ihrem Besitz befindlichen Goldes) "sie mögen gleichzeitig stattfinden (there may be a coincidence of time)." -3758. "Beabsichtigen Sie also zu sagen, daß die Schwierigkeit bei den Kaufleuten hierzulande, in geldknapper Zeit, infolge hoher Rate des Diskontos, darin besteht, Kapital zu bekommen, und nicht darin, Geld zu bekommen? - Sie werfen zwei Dinge zusammen, die ich nicht in dieser Form zusammenbringe; die Schwierigkeit besteht darin, Kapital zu bekommen, und die Schwierigkeit ist ebenfalls, Geld zu bekommen ... Die Schwierigkeit, Geld zu bekommen, und die Schwierigkeit, Kapital zu bekommen, ist dieselbe Schwierigkeit, betrachtet auf zwei verschiednen Stufen ihres Verlaufs."
Hier sitzt der Fisch wieder fest. Die erste Schwierigkeit ist, einen Wechsel zu diskontieren oder einen Vorschuß auf Warenpfand zu erhalten. Es ist Schwierigkeit, Kapital oder ein kommerzielles Wertzeichen für Kapital in Geld zu verwandeln. Und diese Schwierigkeit drückt sich aus, unter andrem, im hohen Zinsfuß. Sobald aber das Geld empfangen ist, worin besteht dann die zweite Schwierigkeit? Wenn es sich nur ums Zahlen handelt, findet jemand Schwierigkeit, sein Geld loszuwerden? Und wenn es sich ums Kaufen handelt, wo hat je jemand in Zeiten der Krisis Schwierigkeiten gefunden, um einzukaufen? Und gesetzt auch, dies bezöge sich auf den besondren Fall einer Teurung in Korn, Baumwolle etc., so könnte diese Schwierigkeit sich doch nur zeigen, nicht in dem Wert des Geldkapitals, d.h. dem Zinsfuß, sondern in dem Preis der Ware; und diese Schwierigkeit ist ja dadurch überwunden, daß unser Mann jetzt das Geld hat, sie zu kaufen.
- "Aber eine höhere Rate des Diskontos ist doch eine vermehrte Schwierigkeit, Geld zu erhalten? - Sie ist eine vermehrte Schwierigkeit, Geld zu erhalten, aber es ist nicht das Geld, auf dessen Besitz es ankommt; es ist nur die Form", (und diese Form bringt Profit in die Tasche des Bankiers) "worin die vermehrte Schwierigkeit, Kapital zu erhalten, sich in den komplizierten Beziehungen eines zivilisierten Zustandes darbietet."
- {Antwort Overstones:} "Der Bankier ist der Mittelsmann, der auf der einen Seite Depositen empfängt und auf der andren Seite diese Depositen anwendet, indem er sie, in der Form von Kapital, anvertraut in die Hände von Personen, welche etc."
Hier haben wir endlich, was er unter Kapital versteht. Er verwandelt das Geld in Kapital, indem er es "anvertraut", weniger euphemistisch, indem er es auf Zinsen ausleiht.
Nachdem Herr Overstone vorher gesagt, daß Änderung in der Rate des Diskontos nicht im wesentlichen Zusammenhang stehe mit Änderung im Betrag des Goldschatzes der Bank oder der Menge des vorhandnen Geldes, sondern höchstens im Zusammenhang der Gleichzeitigkeit, wiederholt er:
- "Wenn das Geld im Lande durch Abfluß vermindert wird, so steigt sein Wert, und die Bank von England muß sich diesem Wechsel im Wert des Geldes anpassen."
(Also in dem Wert des Geldes als Kapital, in andren Worten, im Zinsfuß, denn der Wert des Geldes als Geld, verglichen mit Waren, bleibt derselbe.)
"Was man technisch so ausdrückt, daß sie den Zinsfuß erhöht."
- "Ich werfe die beiden nie durcheinander."
Nämlich Geld und Kapital, aus dem einfachen Grunde, weil er sie nie unterscheidet.
- "Die sehr große Summe, die" (für Korn im Jahre 1847) "für den notwendigen Lebensunterhalt des Landes weggezahlt werden mußte und die in der Tat Kapital war".
- "Die Schwankungen in der Rate des Diskontos haben unzweifelhaft eine sehr nahe Beziehung zu dem Stand der Goldreserve" {der Bank von England}, "denn der Stand der Reserve ist der Anzeiger der Zunahme oder Abnahme der im Lande vorhandnen Geldmenge; und im Verhältnis, wie das Geld im Lande zunimmt oder abnimmt, fällt oder steigt der Wert des Geldes, und die Bankrate des Diskontos wird sich dem anpassen."
Hier gibt er also das zu, was er in Nr. 3755 ein für allemal ableugnete.
- "Es findet ein enger Zusammenhang zwischen beiden statt."
Nämlich der Menge des Goldes im issue department und der Reserve von Noten im banking department. Hier erklärt er den Wechsel im Zinsfuß aus dem Wechsel in der Quantität des Geldes. Dabei ist falsch, was er sagt. Die Reserve kann abnehmen, weil das zirkulierende Geld im Lande zunimmt. Dies ist der Fall, wenn das Publikum mehr Noten nimmt und der Metallschatz nicht abnimmt. Aber dann steigt der Zinsfuß, weil dann das Bankkapital der Bank von England nach dem Gesetz von 1844 limitiert ist. Davon darf er aber nicht sprechen, da infolge dieses Gesetzes die zwei Departements der Bank nichts miteinander gemein haben.
- "Eine hohe Profitrate wird stets eine große Nachfrage nach Kapital erzeugen, eine große Nachfrage nach Kapital wird seinen Wert steigern."
Hier also endlich der Zusammenhang zwischen hoher Profitrate und Nachfrage nach Kapital, wie Overstone sich ihn vorstellt. Nun herrschte z.B. 1844/45 in der Baumwollindustrie eine hohe Profitrate, weil bei starker Nachfrage für Baumwollenwaren Rohbaumwolle wohlfeil war und wohlfeil blieb. Der Wert des Kapitals (und nach einer frühern Stelle nennt Overstone Kapital dasjenige, was jeder in seinem Geschäft braucht), also hier der Wert der Rohbaumwolle, wurde nicht erhöht für den Fabrikanten. Nun mag die hohe Profitrate manchen Baumwollfabrikanten veranlaßt haben, zur Erweiterung seines Geschäfts Geld aufzunehmen. Dadurch stieg seine Nachfrage für Geldkapital und für sonst nichts.
- "Gold kann Geld sein oder auch nicht, gerade wie Papier eine Banknote sein kann oder auch nicht."
- "Verstehe ich Sie also richtig dahin, daß Sie den Satz aufgeben, den Sie 1840 anwandten: daß die Schwankungen in den zirkulierenden Noten der Bank von England sich richten sollten nach den Schwankungen im Betrag des Goldschatzes? - Ich gebe ihn insofern auf ... daß nach dem heutigen Stand unsrer Kenntnisse wir zu den zirkulierenden Noten noch diejenigen Noten hinzuaddieren müssen, welche in der Bankreserve der Bank von England liegen."
Dies ist superlativ. Die willkürliche Bestimmung, daß die Bank soviel Papiernoten macht, wie sie Gold im Schatz hat und 14 Millionen mehr, bedingt natürlich, daß ihre Notenausgabe schwankt mit den Schwankungen des Goldschatzes. Da aber "der heutige Stand unsrer Kenntnisse" klar zeigte, daß die Masse Noten, die die Bank hiernach fabrizieren kann (und die das issue department dem banking department überträgt) - daß diese mit den Schwankungen des Goldschatzes schwankende Zirkulation zwischen den beiden Abteilungen der Bank von England die Schwankungen der Zirkulation der Banknoten außerhalb der Mauern der Bank von England nicht bestimmt, so wird die letztre, die wirkliche Zirkulation, jetzt für die Bankverwaltung gleichgültig, und die Zirkulation zwischen den zwei Abteilungen der Bank, deren Unterschied von der wirklichen sich in der Reserve zeigt, wird allein entscheidend. Für die Außenwelt ist sie nur sofern wichtig, weil die Reserve anzeigt, inwieweit die Bank sich dem gesetzlichen Maximum ihrer Notenausgabe nähert und wieviel die Kunden der Bank noch aus dem banking department erhalten können.
Von der mala fides Overstones folgendes brillante Exempel:
- "Schwankt nach Ihrer Ansicht die Menge des Kapitals von einem Monat zum andern in einem solchen Grade, daß sein Wert dadurch verändert wird in der Art, wie wir es in den letzten Jahren in den Schwankungen der Rate des Diskontos gesehn haben? - Das Verhältnis zwischen Nachfrage und Angebot von Kapital kann unzweifelhaft selbst in kurzen Zeiträumen schwanken ... Wenn Frankreich morgen anzeigt, daß es eine sehr große Anleihe aufnehmen will, so wird das unzweifelhaft sofort eine große Änderung verursachen in dem Wert des Geldes, das heißt in dem Wert des Kapitals in England."
- "Wenn Frankreich anzeigt, daß es plötzlich für irgendeinen Zweck für 30 Millionen Waren braucht, so wird eine große Nachfrage entstehn nach Kapital, um den wissenschaftlicheren und einfacheren Ausdruck zu gebrauchen."
- "Das Kapital, das Frankreich mit seiner Anleihe möchte kaufen wollen, ist eine Sache; das Geld, womit Frankreich dies kauft, ist eine andre Sache; ist es das Geld, was seinen Wert ändert oder nicht? - Wir kommen wieder auf die alte Frage, und die glaube ich, ist geeigneter für das Studierzimmer eines Gelehrten als für dies Komiteezimmer."
Und hiermit zieht er sich zurück, aber nicht ins Studierzimmer.31
Siebenundzwanzigstes Kapitel. Die Rolle des Kredits in der kapitalistischen Produktion
Die allgemeinen Bemerkungen, wozu das Kreditwesen uns bis jetzt Veranlassung gab, waren folgende:
I. Notwendige Bildung desselben, um die Ausgleichung der Profitrate zu vermitteln oder die Bewegung dieser Ausgleichung, worauf die ganze kapitalistische Produktion beruht.
II. Verringerung der Zirkulationskosten.
- Eine Hauptzirkulationskost ist das Geld selbst, soweit es Selbstwert. Es wird in dreifacher Art durch den Kredit ökonomisiert.
A. Indem es für einen großen Teil der Transaktionen ganz wegfällt.
B. Indem die Zirkulation des umlaufenden Mediums beschleunigt wird.32 Dies fällt zum Teil zusammen mit dem, was unter 2 zu sagen. Einerseits ist nämlich die Beschleunigung technisch; d.h. bei sonst gleichbleibender Größe und Menge der wirklichen, die Konsumtion vermittelnden Warenumsätze verrichtet eine geringere Masse von Geld oder Geldzeichen denselben Dienst. Dies hängt mit der Technik des Bankwesens zusammen. Andrerseits beschleunigt der Kredit die Geschwindigkeit der Warenmetamorphose und hiermit die Geschwindigkeit der Geldzirkulation.
C. Ersetzung von Goldgeld durch Papier.
- Beschleunigung, durch den Kredit, der einzelnen Phasen der Zirkulation oder der Warenmetamorphose, weiter der Metamorphose des Kapitals und damit Beschleunigung des Reproduktionsprozesses überhaupt. (Andrerseits erlaubt der Kredit, die Akte des Kaufens und Verkaufens länger auseinanderzuhalten, und dient daher der Spekulation als Basis.) Kontraktion der Reservefonds, was doppelt betrachtet werden kann: einerseits als Verminderung des zirkulierenden Mediums, andrerseits als Beschränkung des Teils des Kapitals, der stets in Geldform existieren muß.33
III. Bildung von Aktiengesellschaften. Hierdurch:
Ungeheure Ausdehnung der Stufenleiter der Produktion und Unternehmungen, die für Einzelkapitale unmöglich waren. Solche Unternehmungen zugleich, die früher Regierungsunternehmungen waren, werden gesellschaftliche.
Das Kapital, das an sich auf gesellschaftlicher Produktionsweise beruht und eine gesellschaftliche Konzentration von Produktionsmitteln und Arbeitskräften voraussetzt, erhält hier direkt die Form von Gesellschaftskapital (Kapital direkt assoziierter Individuen) im Gegensatz zum Privatkapital, und seine Unternehmungen treten auf als Gesellschaftsunternehmungen im Gegensatz zu Privatunternehmungen. Es ist die Aufhebung des Kapitals als Privateigentum innerhalb der Grenzen der kapitalistischen Produktionsweise selbst.
Verwandlung des wirklich fungierenden Kapitalisten in einen bloßen Dirigenten, Verwalter fremdes Kapitals, und der Kapitaleigentümer in bloße Eigentümer, bloße Geldkapitalisten. Selbst wenn die Dividenden, die sie beziehn, den Zins und Unternehmergewinn, d.h. den Totalprofit einschließen (denn das Gehalt des Dirigenten ist, oder soll sein, bloßer Arbeitslohn einer gewissen Art geschickter Arbeit, deren Preis im Arbeitsmarkt reguliert wird, wie der jeder andren Arbeit), so wird dieser Totalprofit nur noch bezogen in der Form des Zinses, d.h. als bloße Vergütung des Kapitaleigentums, das nun ganz so von der Funktion im wirklichen Reproduktionsprozeß getrennt wird wie diese Funktion, in der Person des Dirigenten, vom Kapitaleigentum. Der Profit stellt sich so dar (nicht mehr nur der eine Teil desselben, der Zins, der seine Rechtfertigung aus dem Profit des Borgers zieht) als bloße Aneignung fremder Mehrarbeit, entspringend aus der Verwandlung der Produktionsmittel in Kapital, d.h. aus ihrer Entfremdung gegenüber den wirklichen Produzenten, aus ihrem Gegensatz als fremdes Eigentum gegenüber allen wirklich in der Produktion tätigen Individuen, vom Dirigenten bis herab zum letzten Taglöhner. In den Aktiengesellschaften ist die Funktion getrennt vom Kapitaleigentum, also auch die Arbeit gänzlich getrennt vom Eigentum an den Produktionsmitteln und an der Mehrarbeit. Es ist dies Resultat der höchsten Entwicklung der kapitalistischen Produktion ein notwendiger Durchgangspunkt zur Rückverwandlung des Kapitals in Eigentum der Produzenten, aber nicht mehr als das Privateigentum vereinzelter Produzenten, sondern als das Eigentum ihrer als assoziierter, als unmittelbares Gesellschaftseigentum. Es ist andrerseits Durchgangspunkt zur Verwandlung aller mit dem Kapitaleigentum bisher noch verknüpften Funktionen im Reproduktionsprozeß in bloße Funktionen der assoziierten Produzenten, in gesellschaftliche Funktionen.
Bevor wir weitergehn, ist noch dies ökonomisch Wichtige zu bemerken: Da der Profit hier rein die Form des Zinses annimmt, sind solche Unternehmungen noch möglich, wenn sie bloßen Zins abwerfen, und es ist dies einer der Gründe, die das Fallen der allgemeinen Profitrate aufhalten, indem diese Unternehmungen, wo das konstante Kapital in so ungeheurem Verhältnis zum variablen steht, nicht notwendig in die Ausgleichung der allgemeinen Profitrate eingehn.
{Seit Marx obiges schrieb, haben sich bekanntlich neue Formen des Industriebetriebs entwickelt, die die zweite und dritte Potenz der Aktiengesellschaft darstellen. Der täglich wachsenden Raschheit, womit auf allen großindustriellen Gebieten heute die Produktion gesteigert werden kann, steht gegenüber die stets zunehmende Langsamkeit der Ausdehnung des Markts für diese vermehrten Produkte. Was jene in Monaten herstellt, kann dieser kaum in Jahren absorbieren. Dazu die Schutzzollpolitik, wodurch jedes Industrieland sich gegen die andern und namentlich gegen England abschließt und die heimische Produktionsfähigkeit noch künstlich steigert. Die Folgen sind allgemeine chronische Überproduktion, gedrückte Preise, fallende und sogar ganz wegfallende Profite; kurz, die altgerühmte Freiheit der Konkurrenz ist am Ende ihres Lateins und muß ihren offenbaren skandalösen Bankrott selbst ansagen. Und zwar dadurch, daß in jedem Land die Großindustriellen eines bestimmten Zweigs sich zusammentun zu einem Kartell zur Regulierung der Produktion. Ein Ausschuß setzt das von jedem Etablissement zu produzierende Quantum fest und verteilt in letzter Instanz die einlaufenden Aufträge. In einzelnen Fällen kam es zeitweise sogar zu internationalen Kartellen, so zwischen der englischen und deutschen Eisenproduktion. Aber auch diese Form der Vergesellschaftung der Produktion genügte noch nicht. Der Interessengegensatz der einzelnen Geschäftsfirmen durchbrach sie nur zu oft und stellte die Konkurrenz wieder her. So kam man dahin, in einzelnen Zweigen, wo die Produktionsstufe dies zuließ, die gesamte Produktion dieses Geschäftszweigs zu einer großen Aktiengesellschaft mit einheitlicher Leitung zu konzentrieren. In Amerika ist dies schon mehrfach durchgeführt, in Europa ist das größte Beispiel bis jetzt der United Alkali Trust, der die ganze britische Alkaliproduktion in die Hände einer einzigen Geschäftsfirma gebracht hat. Die früheren Besitzer der - mehr als dreißig - einzelnen Werke haben für ihre gesamten Anlagen den Taxwert in Aktien erhalten, im ganzen gegen 5 Millionen Pfd.St., die das fixe Kapital des Trusts darstellen. Die technische Direktion bleibt in den bisherigen Händen, aber die geschäftliche Leitung ist in der Hand der Generaldirektion konzentriert. Das Zirkulationskapital (floating capital) im Betrag von etwa einer Million Pfd.St. wurde dem Publikum zur Zeichnung angeboten. Gesamtkapital also 6 Millionen Pfd.St. So ist in diesem Zweig, der die Grundlage der ganzen chemischen Industrie bildet, in England die Konkurrenz durch das Monopol ersetzt und der künftigen Expropriation durch die Gesamtgesellschaft, die Nation, aufs erfreulichste vorgearbeitet. - F. E.}
Es ist dies die Aufhebung der kapitalistischen Produktionsweise innerhalb der kapitalistischen Produktionsweise selbst und daher ein sich selbst aufhebender Widerspruch, der prima facie als bloßer Übergangspunkt zu einer neuen Produktionsform sich darstellt. Als solcher Widerspruch stellt er sich dann auch in der Erscheinung dar. Er stellt in gewissen Sphären das Monopol her und fordert daher die Staatseinmischung heraus. Er reproduziert eine neue Finanzaristokratie, eine neue Sorte Parasiten in Gestalt von Projektenmachern, Gründern und bloß nominellen Direktoren; ein ganzes System des Schwindels und Betrugs mit Bezug auf Gründungen, Aktienausgabe und Aktienhandel. Es ist Privatproduktion ohne die Kontrolle des Privateigentums.
IV. Abgesehn von dem Aktienwesen - das eine Aufhebung der kapitalistischen Privatindustrie auf Grundlage des kapitalistischen Systems selbst ist, und in demselben Umfang, worin es sich ausdehnt und neue Produktionssphären ergreift, die Privatindustrie vernichtet -, bietet der Kredit dem einzelnen Kapitalisten oder dem, der für einen Kapitalisten gilt, eine innerhalb gewisser Schranken absolute Verfügung über fremdes Kapital und fremdes Eigentum und dadurch über fremde Arbeit.34 Verfügung über gesellschaftliches, nicht eignes Kapital, gibt ihm Verfügung über gesellschaftliche Arbeit. Das Kapital selbst, das man wirklich oder in der Meinung des Publikums besitzt, wird nur noch die Basis zum Kreditüberbau. Es gilt dies besonders im Großhandel, durch dessen Hände der größte Teil des gesellschaftlichen Produkts passiert. Alle Maßstäbe, alle mehr oder minder innerhalb der kapitalistischen Produktionsweise noch berechtigten Explikationsgründe verschwinden hier. Was der spekulierende Großhändler riskiert, ist gesellschaftliches, nicht sein Eigentum. Ebenso abgeschmackt wird die Phrase vom Ursprung des Kapitals aus der Ersparung, da jener gerade verlangt, daß andre für ihn sparen sollen. {Wie neuerdings ganz Frankreich anderthalb Milliarden Franken für die Panamaschwindler zusammengespart hat. Wie denn hier der ganze Panamaschwindel genau beschrieben ist, volle 20 Jahre ehe er sich ereignet. - F. E.} Der andren Phrase von der Entsagung schlägt sein Luxus, der nun auch selbst Kreditmittel wird, direkt ins Gesicht. Vorstellungen, die auf einer minder entwickelten Stufe der kapitalistischen Produktion noch einen Sinn haben, werden hier völlig sinnlos. Das Gelingen und Mißlingen führen hier gleichzeitig zur Zentralisation der Kapitale und daher zur Expropriation auf der enormsten Stufenleiter. Die Expropriation erstreckt sich hier von den unmittelbaren Produzenten auf die kleineren und mittleren Kapitalisten selbst. Diese Expropriation ist der Ausgangspunkt der kapitalistischen Produktionsweise; ihre Durchführung ist ihr Ziel, und zwar in letzter Instanz die Expropriation aller einzelnen von den Produktionsmitteln, die mit der Entwicklung der gesellschaftlichen Produktion aufhören, Mittel der Privatproduktion und Produkte der Privatproduktion zu sein, und die nur noch Produktionsmittel in der Hand der assoziierten Produzenten, daher ihr gesellschaftliches Eigentum, sein können, wie sie ihr gesellschaftliches Produkt sind. Diese Expropriation stellt sich aber innerhalb des kapitalistischen Systems selbst in gegensätzlicher Gestalt dar, als Aneignung des gesellschaftlichen Eigentums durch wenige; und der Kredit gibt diesen wenigen immer mehr den Charakter reiner Glücksritter. Da das Eigentum hier in der Form der Aktie existiert, wird seine Bewegung und Übertragung reines Resultat des Börsenspiels, wo die kleinen Fische von den Haifischen und die Schafe von den Börsenwölfen verschlungen werden. In dem Aktienwesen existiert schon Gegensatz gegen die alte Form, worin gesellschaftliches Produktionsmittel als individuelles Eigentum erscheint; aber die Verwandlung in die der Aktie bleibt selbst noch befangen in den kapitalistischen Schranken; statt daher den Gegensatz zwischen dem Charakter des Reichtums als gesellschaftlicher und als Privatreichtum zu überwinden, bildet sie ihn nur in neuer Gestalt aus.
Die Kooperativfabriken der Arbeiter selbst sind, innerhalb der alten Form, das erste Durchbrechen der alten Form, obgleich sie natürlich überall, in ihrer wirklichen Organisation, alle Mängel des bestehenden Systems reproduzieren und reproduzieren müssen. Aber der Gegensatz zwischen Kapital und Arbeit ist innerhalb derselben aufgehoben, wenn auch zuerst nur in der Form, daß die Arbeiter als Assoziation ihr eigner Kapitalist sind, d.h. die Produktionsmittel zur Verwertung ihrer eignen Arbeit verwenden. Sie zeigen, wie, auf einer gewissen Entwicklungsstufe der materiellen Produktivkräfte und der ihr entsprechenden gesellschaftlichen Produktionsformen, naturgemäß aus einer Produktionsweise sich eine neue Produktionsweise entwickelt und herausbildet. Ohne das aus der kapitalistischen Produktionsweise entspringende Fabriksystem könnte sich nicht die Kooperativfabrik entwickeln und ebensowenig ohne das aus derselben Produktionsweise entspringende Kreditsystem. Letztres, wie es die Hauptbasis bildet zur allmählichen Verwandlung der kapitalistischen Privatunternehmungen in kapitalistische Aktiengesellschaften, bietet ebensosehr die Mittel zur allmählichen Ausdehnung der Kooperativunternehmungen auf mehr oder minder nationaler Stufenleiter. Die kapitalistischen Aktienunternehmungen sind ebensosehr wie die Kooperativfabriken als Übergangsformen aus der kapitalistischen Produktionsweise in die assoziierte zu betrachten, nur daß in den einen der Gegensatz negativ und in den andren positiv aufgehoben ist.
Wir haben bisher die Entwicklung des Kreditwesens - und die darin enthaltne latente Aufhebung des Kapitaleigentums - mit Bezug hauptsächlich auf das industrielle Kapital betrachtet. Wir betrachten in den folgenden Kapiteln den Kredit mit Bezug auf das zinstragende Kapital als solches, sowohl seinen Effekt auf dieses wie die Form, die er hierbei annimmt; und sind dabei überhaupt noch einige spezifisch ökonomische Bemerkungen zu machen.
Vorher noch dies:
Wenn das Kreditwesen als Haupthebel der Überproduktion und Überspekulation im Handel erscheint, so nur, weil der Reproduktionsprozeß, der seiner Natur nach elastisch ist, hier bis zur äußersten Grenze forciert wird, und zwar deshalb forciert wird, weil ein großer Teil des gesellschaftlichen Kapitals von den Nichteigentümern desselben angewandt wird, die daher ganz anders ins Zeug gehn als der ängstlich die Schranken seines Privatkapitals erwägende Eigentümer, soweit er selbst fungiert. Es tritt damit nur hervor, daß die auf den gegensätzlichen Charakter der kapitalistischen Produktion gegründete Verwertung des Kapitals die wirkliche, freie Entwicklung nur bis zu einem gewissen Punkt erlaubt, also in der Tat eine immanente Fessel und Schranke der Produktion bildet, die beständig durch das Kreditwesen durchbrochen wird.35 Das Kreditwesen beschleunigt daher die materielle Entwicklung der Produktivkräfte und die Herstellung des Weltmarkts, die als materielle Grundlagen der neuen Produktionsform bis auf einen gewissen Höhegrad herzustellen, die historische Aufgabe der kapitalistischen Produktionsweise ist. Gleichzeitig beschleunigt der Kredit die gewaltsamen Ausbrüche dieses Widerspruchs, die Krisen, und damit die Elemente der Auflösung der alten Produktionsweise.
Die dem Kreditsystem immanenten doppelseitigen Charaktere: einerseits die Triebfeder der kapitalistischen Produktion, Bereicherung durch Ausbeutung fremder Arbeit, zum reinsten und kolossalsten Spiel- und Schwindelsystem zu entwickeln und die Zahl der den gesellschaftlichen Reichtum ausbeutenden Wenigen immer mehr zu beschränken; andrerseits aber die Übergangsform zu einer neuen Produktionsweise zu bilden, - diese Doppelseitigkeit ist es, die den Hauptverkündern des Kredits von Law bis Isaak Péreire ihren angenehmen Mischcharakter von Schwindler und Prophet gibt.
Achtundzwanzigstes Kapitel. Umlaufsmittel und Kapital. Die Auffassung von Tooke und Fullarton
Der Unterschied zwischen Zirkulation und Kapital, wie ihn Tooke36, Wilson und andre machen, und wobei die Unterschiede zwischen Zirkulationsmittel als Geld, als Geldkapital überhaupt, und als zinstragendes Kapital (moneyed capital im englischen Sinn) kunterbunt durcheinandergeworfen werden, kommen auf zweierlei hinaus.
Das Zirkulationsmittel zirkuliert einerseits als Münze (Geld), soweit es Verausgabung von Revenue vermittelt, also den Verkehr zwischen den individuellen Konsumenten und den Kleinhändlern, unter welche Kategorie alle Kaufleute zu rechnen sind, die an die Konsumenten verkaufen - an die individuellen Konsumenten im Unterschied von den produktiven Konsumenten oder Produzenten. Hier zirkuliert das Geld in der Funktion der Münze, obgleich es beständig Kapital ersetzt. Ein gewisser Teil des Geldes in einem Lande ist beständig dieser Funktion gewidmet, obgleich dieser Teil aus beständig wechselnden einzelnen Geldstücken besteht. Dagegen, soweit das Geld Übertragung von Kapital vermittelt, sei es als Kaufmittel (Zirkulationsmittel), sei es als Zahlungsmittel, ist es Kapital. Es ist also weder die Funktion als Kaufmittel, noch die als Zahlungsmittel, die es von der Münze unterscheidet, denn auch zwischen Händler und Händler kann es als Kaufmittel fungieren, soweit sie gegen bar voneinander kaufen, und auch zwischen Händler und Konsument kann es als Zahlungsmittel figurieren, soweit Kredit gegeben und die Revenue erst verzehrt und dann bezahlt wird. Der Unterschied ist also der, daß im zweiten Fall dies Geld nicht nur Kapital für die eine Seite, den Verkäufer, ersetzt, sondern auch von der andern Seite, vom Käufer, als Kapital verausgabt, vorgeschossen wird. Der Unterschied ist also in der Tat der von Geldform der Revenue und Geldform des Kapitals, aber nicht der von Zirkulation und Kapital, denn als Vermittler zwischen den Händlern, ebensogut wie als Vermittler zwischen Konsumenten und Händlern, zirkuliert ein seiner Menge nach bestimmter Teil des Geldes, und Zirkulation ist es demzufolge in beiden Funktionen gleichmäßig. Es kommt nun bei der Auffassung Tookes Konfusion verschiedner Art herein:
Durch die Verwechslung der funktionellen Bestimmungen;
durch die Einmischung der Frage über die Quantität des, in beiden Funktionen zusammengenommen, zirkulierenden Geldes;
durch Einmischung der Frage über die relativen Verhältnisse der in beiden Funktionen, und daher in beiden Sphären des Reproduktionsprozesses, zirkulierenden Mengen von Umlaufsmitteln, zueinander.
Ad 1. Die Verwechslung der funktionellen Bestimmungen, daß das Geld in der einen Form Zirkulation (currency) und in der andern Form Kapital ist. Soweit das Geld in der einen oder andern Funktion dient, sei es zur Realisierung von Revenue oder zur Übertragung von Kapital, fungiert es im Kauf und Verkauf oder im Zahlen als Kaufmittel oder Zahlungsmittel und im weitern Sinn des Worts als Zirkulationsmittel. Die weitere Bestimmung, die es in der Rechnung seines Ausgebers oder Empfängers hat, daß es ihm Kapital oder Revenue vorstellt, ändert hieran absolut nichts, und es zeigt sich dies auch doppelt. Obgleich die Geldsorten, die in beiden Sphären zirkulieren, verschieden sind, so geht dasselbe Geldstück, z.B. eine Fünfpfundnote, aus der einen Sphäre in die andre über und vollzieht abwechselnd beide Funktionen; was schon deswegen unvermeidlich ist, weil der Kleinhändler seinem Kapital die Geldform allein geben kann in der Form der Münze, die er von seinen Käufern erhält. Man kann annehmen, daß die eigentliche Scheidemünze ihren Zirkulationsschwerpunkt im Gebiet des Kleinhandels hat; der Kleinhändler braucht sie beständig zum Auswechseln und erhält sie beständig in Zahlung von seinen Kunden zurück. Er erhält aber auch Geld, d.h. Münze in dem Metall, das Wertmesser ist, also in England Pfundstücke und selbst Banknoten, namentlich Noten zu niedrigen Beträgen, also z.B. von 5 und 10 Pfund. Diese Goldstücke und Noten, nebst etwa überschüssiger Scheidemünze, deponiert er jeden Tag oder jede Woche bei seiner Bank und zahlt damit, durch Anweisung auf sein Bankdepositum, seine Einkäufe. Aber dieselben Goldstücke und Noten werden ebenso beständig vom ganzen Publikum, in seiner Eigenschaft als Konsument, als Geldform seiner Revenue, den Banken wieder direkt oder indirekt (z.B. Kleingeld durch Fabrikanten zur Lohnzahlung) entzogen und fließen beständig den Kleinhändlern zurück, denen sie so einen Teil ihres Kapitals, aber gleichzeitig auch ihrer Revenue aufs neue realisieren. Dieser letztere Umstand ist wichtig und wird von Tooke ganz übersehn. Nur sobald das Geld als Geldkapital ausgelegt wird, am Anfang des Reproduktionsprozesses (Buch II, Abschnitt I) existiert der Kapitalwert rein als solcher. Denn in der produzierten Ware steckt nicht nur Kapital, sondern auch schon der Mehrwert; sie ist nicht nur Kapital an sich, sondern schon gewordenes Kapital, Kapital mit der ihm einverleibten Revenuequelle. Was der Kleinhändler für das ihm zurückfließende Geld weggibt, seine Ware, ist also für ihn Kapital plus Profit, Kapital plus Revenue.
Ferner aber, indem das zirkulierende Geld dem Kleinhändler zurückfließt, stellt es die Geldform seines Kapitals wieder her.
Den Unterschied zwischen der Zirkulation als Zirkulation von Revenue und als Zirkulation von Kapital in einen Unterschied zwischen Zirkulation und Kapital verwandeln, ist also durchaus verkehrt. Diese Redeweise entspringt bei Tooke daraus, daß er sich einfach auf den Standpunkt des Bankiers stellt, der eigne Banknoten ausgibt. Der Betrag seiner Noten, der sich beständig (wenn auch stets aus andern Noten bestehend) in der Hand des Publikums befindet und als Zirkulationsmittel fungiert, kostet ihm nichts außer Papier und Druck. Es sind auf ihn selbst ausgestellte zirkulierende Schuldscheine (Wechsel), die ihm aber Geld einbringen und so als ein Mittel zur Verwertung seines Kapitals dienen. Sie sind aber von seinem Kapital verschieden, sei dies nun eignes oder aufgenommnes. Daher entspringt für ihn ein spezieller Unterschied von Zirkulation und Kapital, der aber mit den Begriffsbestimmungen als solchen nichts zu tun hat, am wenigsten mit den eben von Tooke gemachten.
Die verschiedne Bestimmtheit - ob es als Geldform der Revenue oder des Kapitals fungiert - ändert zunächst nichts an dem Charakter des Geldes als Zirkulationsmittel; diesen Charakter behält es, ob es die eine oder die andre Funktion verrichtet. Allerdings fungiert das Geld, wenn es als Geldform der Revenue auftritt, mehr als eigentliches Zirkulationsmittel (Münze, Kaufmittel), wegen der Zersplitterung dieser Käufe und Verkäufe, und weil die Mehrzahl der Revenue-Ausgebenden, die Arbeiter, relativ wenig auf Kredit kaufen können; während im Verkehr der Handelswelt, wo das Umlaufsmittel Geldform des Kapitals ist, teils wegen der Konzentration, teils wegen des vorherrschenden Kreditsystems, das Geld hauptsächlich als Zahlungsmittel fungiert. Aber der Unterschied des Geldes als Zahlungsmittel vom Geld als Kaufmittel (Zirkulationsmittel) ist eine dem Geld selbst zukommende Unterscheidung; nicht ein Unterschied zwischen Geld und Kapital. Weil im Kleinhandel mehr Kupfer und Silber, im großen mehr Gold zirkuliert, ist der Unterschied zwischen Silber und Kupfer auf der einen und von Gold auf der andren Seite, nicht der Unterschied von Zirkulation und Kapital.
Ad 2. Einmischung der Frage über die Quantität des in beiden Funktionen zusammen zirkulierenden Geldes: Soweit das Geld zirkuliert, sei es als Kaufmittel, sei es als Zahlungsmittel - einerlei, in welcher der beiden Sphären und unabhängig von seiner Funktion, Revenue oder Kapital zu realisieren -, gelten für die Quantität seiner zirkulierenden Masse die früher, bei Betrachtung der einfachen Warenzirkulation, Buch I, Kap. III, 2 b, entwickelten Gesetze. Der Grad der Zirkulationsgeschwindigkeit, also die Anzahl der Wiederholungen derselben Funktion als Kauf- und Zahlungsmittel durch dieselben Geldstücke in einem gegebnen Zeitraum, die Masse der gleichzeitigen Käufe und Verkäufe, resp. Zahlungen, die Preissumme der zirkulierenden Waren, endlich die Zahlungsbilanzen, die in derselben Zeit zu saldieren sind, bestimmen in beiden Fällen die Masse des zirkulierenden Geldes, der currency. Ob das so fungierende Geld für Zahler oder Empfänger Kapital oder Revenue vorstellt, ist gleichgültig, ändert absolut nichts an der Sache. Seine Masse wird bestimmt einfach durch seine Funktion als Kauf- und Zahlungsmittel.
Ad 3. Zur Frage über die relativen Verhältnisse der in beiden Funktionen, und daher in beiden Sphären des Reproduktionsprozesses zirkulierenden Mengen von Umlaufsmitteln. Beide Zirkulationssphären stehn in einem innern Zusammenhang, indem einerseits die Masse der zu verausgabenden Revenuen den Umfang der Konsumtion und andrerseits die Größe der in Produktion und Handel zirkulierenden Kapitalmassen den Umfang und die Geschwindigkeit des Reproduktionsprozesses ausdrücken. Trotzdem wirken dieselben Umstände verschieden, und selbst in entgegengesetzter Richtung, auf die Quanta der in beiden Funktionen oder Sphären zirkulierenden Geldmassen oder auf die Quantitäten der Zirkulation, wie die Engländer dies bankmäßig ausdrücken. Und dies gibt neuen Anlaß zu der abgeschmackten Distinktion Tookes von Zirkulation und Kapital. Der Umstand, daß die Herren von der Currency-Theorie zwei disparate Dinge verwechseln, ist durchaus kein Grund, um sie als Begriffsunterschiede darzustellen.
In Zeiten der Prosperität, großer Expansion, Beschleunigung und Energie des Reproduktionsprozesses, sind die Arbeiter voll beschäftigt. Meist tritt auch Steigen des Lohns ein und gleicht das Fallen desselben unter das Durchschnittsniveau in den andern Perioden des kommerziellen Zyklus einigermaßen aus. Gleichzeitig wachsen die Revenuen der Kapitalisten bedeutend. Die Konsumtion steigt allgemein. Die Warenpreise steigen ebenfalls regelmäßig, wenigstens in verschiednen entscheidenden Geschäftszweigen. Infolgedessen wächst das Quantum des zirkulierenden Geldes wenigstens innerhalb gewisser Grenzen, indem die größere Umlaufsgeschwindigkeit dem Wachsen der Masse des umlaufenden Mittels ihrerseits Schranken setzt. Da der Teil der gesellschaftlichen Revenue, der aus Arbeitslohn besteht, ursprünglich vom industriellen Kapitalisten in der Form von variablem Kapital und stets in Geldform vorgeschossen wird, bedarf er in Zeiten der Prosperität mehr Geld zu seiner Zirkulation. Aber wir dürfen dies nicht zweimal rechnen: einmal als Geld, nötig zur Zirkulation des variablen Kapitals, und noch einmal als Geld, nötig zur Zirkulation der Revenue der Arbeiter. Das den Arbeitern als Lohn ausgezahlte Geld wird im Kleinverkehr verausgabt und kehrt so ziemlich wöchentlich als Depositum der Kleinhändler zu den Banken zurück, nachdem es in kleinern Kreisläufen noch allerlei Zwischengeschäfte vermittelt hat. In Zeiten der Prosperität wickelt sich der Rückfluß des Geldes für die industriellen Kapitalisten glatt ab, und so steigt ihr Bedürfnis für Geldakkommodation nicht dadurch, daß sie mehr Arbeitslohn zu zahlen haben, mehr Geld zur Zirkulation ihres variablen Kapitals bedürfen.
Das Gesamtresultat ist, daß in Perioden der Prosperität die Masse der Umlaufsmittel, die zur Verausgabung von Revenue dient, entschieden wächst.
Was nun die Zirkulation betrifft, die zum Übertrag von Kapital, also nur zwischen den Kapitalisten selbst nötig ist, so ist diese flotte Geschäftszeit zugleich die Periode des elastischsten und leichtesten Kredits. Die Geschwindigkeit der Zirkulation zwischen Kapitalist und Kapitalist ist direkt durch den Kredit reguliert, und die Masse des Zirkulationsmittels, die zur Saldierung der Zahlungen und selbst zu Barkäufen erheischt ist, nimmt also verhältnismäßig ab. Sie mag sich absolut ausdehnen, aber sie nimmt unter allen Umständen relativ ab, verglichen mit der Expansion des Reproduktionsprozesses. Einerseits werden größere Massenzahlungen ohne alle Dazwischenkunft von Geld liquidiert; andrerseits, bei der großen Lebendigkeit des Prozesses, herrscht raschere Bewegung derselben Geldquanta, sowohl als Kauf- wie als Zahlungsmittel. Dieselbe Geldmasse vermittelt den Rückfluß einer größern Anzahl von Einzelkapitalen.
Im ganzen erscheint in solchen Perioden der Geldumlauf vollgefüllt (full), obgleich Teil II (Kapitalübertragung) sich wenigstens relativ kontrahiert, während Teil I (Revenueausgabe) sich absolut ausdehnt.
Die Rückflüsse drücken die Rückverwandlung des Warenkapitals in Geld aus, G - W - G′, wie man bei Betrachtung des Reproduktionsprozesses, Buch II, Abschnitt I, gesehn hat. Der Kredit macht den Rückfluß in Geldform unabhängig vom Zeitpunkt des wirklichen Rückflusses, sei es für den industriellen Kapitalisten, sei es für den Kaufmann. Jeder von beiden verkauft auf Kredit; seine Ware ist also veräußert, bevor sie sich für ihn in Geld rückverwandelt, also zu ihm selbst in Geldform zurückgeflossen ist. Andrerseits kauft er auf Kredit, und so hat sich der Wert seiner Ware für ihn rückverwandelt, sei es in produktives Kapital, sei es in Warenkapital, schon bevor dieser Wert wirklich in Geld verwandelt worden, bevor der Warenpreis verfallen und bezahlt ist. In solchen Zeiten der Prosperität wickelt sich der Rückfluß leicht und glatt ab. Der Kleinhändler zahlt mit Sicherheit dem Großhändler, dieser dem Fabrikanten, dieser dem Importeur des Rohstoffs etc. Der Schein rascher und sicherer Rückflüsse hält sich immer für längre Zeit, nachdem deren Wirklichkeit vorbei, durch den Kredit, der einmal im Gang ist, da die Kreditrückflüsse die wirklichen vertreten. Die Banken fangen an, Lunte zu riechen, sobald ihre Kunden mehr Wechsel als Geld einzahlen. Siehe die obige Aussage des Liverpooler Bankdirektors, S. 398.
Hier noch einzuschalten, was ich früher bemerkt: "In Epochen vorherrschenden Kredits wächst die Geschwindigkeit des Geldumlaufs schneller als die Preise der Waren; während mit abnehmendem Kredit die Preise der Waren langsamer fallen als die Geschwindigkeit der Zirkulation." ("Zur Kritik d. Pol. Oekon.", 1859, p.83, 84)
In der Periode der Krise verhält es sich umgekehrt. Zirkulation Nr. I kontrahiert sich, die Preise fallen, ebenso die Arbeitslöhne; die Zahl der beschäftigten Arbeiter wird eingeschränkt, die Masse der Umsätze nimmt ab. Dagegen in Zirkulation Nr. II wächst mit abnehmendem Kredit das Bedürfnis für Geldakkommodation, ein Punkt, auf den wir gleich näher eingehn.
Es unterliegt durchaus keinem Zweifel, daß bei der Abnahme des Kredits, die mit Stockung des Reproduktionsprozesses zusammenfällt, die Zirkulationsmasse, die für Nr. I, Revenueausgabe, erheischt ist, abnimmt, während die für Nr. II, Kapitalübertragung, steigt. Es ist aber zu untersuchen, wieweit dieser Satz identisch ist mit dem von Fullarton und andren aufgestellten:
"Eine Nachfrage für Kapital auf Anleihe und eine Nachfrage für zusätzliche Zirkulationsmittel sind ganz verschiedne Dinge und kommen nicht oft zusammen vor."37
Zunächst ist klar, daß im ersten der beiden obigen Fälle, zur Zeit der Prosperität, wo die Masse des zirkulierenden Mediums wachsen muß, die Nachfrage dafür wächst. Aber es ist ebenso klar, daß, wenn ein Fabrikant von seinem Guthaben bei einer Bank mehr in Gold oder Banknoten herauszieht, weil er mehr Kapital in Geldform zu verausgaben hat, deswegen seine Nachfrage für Kapital nicht wächst, sondern nur seine Nachfrage für diese besondre Form, worin er sein Kapital verausgabt. Die Nachfrage bezieht sich nur auf die technische Form, worin er sein Kapital in die Zirkulation wirft. Wie ja bei verschiedner Entwicklung des Kreditwesens z.B. dasselbe variable Kapital, dieselbe Menge Arbeitslohn, in einem Lande eine größre Masse Umlaufsmittel erfordert als im andern; in England z.B. mehr als in Schottland, in Deutschland mehr als in England. Ebenso erheischt in der Landwirtschaft dasselbe im Reproduktionsprozeß tätige Kapital zu verschiednen Jahreszeiten verschiedne Mengen von Geld zur Verrichtung seiner Funktion.
Aber der Gegensatz, wie Fullarton ihn stellt, ist nicht richtig. Es ist keineswegs, wie er sagt, die starke Nachfrage für Anleihen, was die Periode der Stockung von der Prosperität unterscheidet, sondern die Leichtigkeit, womit diese Nachfrage zur Prosperitätszeit und die Schwierigkeit, womit sie nach eingetretner Stockung befriedigt wird. Es ist ja gerade die ungeheure Entwicklung des Kreditsystems während der Prosperitätszeit, also auch die enorme Steigerung der Nachfrage nach Leihkapital und die Bereitwilligkeit, womit das Angebot sich ihr in solchen Perioden zur Verfügung stellt, welche die Kreditklemme während der Zeit der Stockung herbeiführt. Es ist also nicht der Unterschied in der Größe der Nachfrage für Anleihen, der beide Perioden charakterisiert.
Wie schon früher bemerkt, unterscheiden sich beide Perioden zunächst dadurch, daß in der Prosperitätszeit die Nachfrage nach Umlaufsmitteln zwischen Konsumenten und Händlern, in der Periode des Rückschlags die Nachfrage nach Umlaufsmitteln zwischen Kapitalisten vorherrscht. In der Periode der Geschäftsstockung nimmt die erstere ab, die zweite zu.
Was nun Fullarton und andren als entscheidend wichtig auffällt, ist das Phänomen, daß in solchen Zeiten, wo die securities - die Leihpfänder und Wechsel - in der Hand der Bank von England zunehmen, ihre Notenzirkulation abnimmt und umgekehrt. Die Höhe der securities drückt aber den Umfang der Geldakkommodation aus, der diskontierten Wechsel und der Vorschüsse auf gangbare Wertpapiere. So sagt Fullarton in der oben, Note 90, S. 436 angeführten Stelle: Die Wertpapiere (securities) im Besitz der Bank von England variieren meist in umgekehrter Richtung wie ihre Notenzirkulation, und dies bestätigt den bei den Privatbanken altbewährten Satz, daß keine Bank ihre Notenausgabe über einen gewissen, durch das Bedürfnis ihres Publikums bestimmten Betrag hinaus steigern kann; will sie aber über diesen Betrag hinaus Vorschüsse machen, so muß sie diese aus ihrem Kapital machen, also entweder Wertpapiere flüssigmachen oder Geldeingänge dazu verwenden, die sie sonst in Wertpapieren angelegt hätte.
Hier zeigt sich aber auch, was Fullarton unter Kapital versteht. Was heißt hier Kapital? Daß die Bank nicht länger die Vorschüsse machen kann mit ihren eignen Banknoten, Zahlungsversprechen, die ihr natürlich nichts kosten. Aber womit macht sie dann Vorschüsse? Mit dem Erlös aus dem Verkauf von securities in reserve, d.h. von Staatspapieren, Aktien und andren zinstragenden Wertpapieren. Aber wofür verkauft sie diese Papiere? Für Geld, Gold oder Banknoten, soweit letztre gesetzliches Zahlungsmittel, wie die der Bank von England. Was sie also vorschießt, ist unter allen Umständen Geld. Dies Geld konstituiert aber jetzt einen Teil ihres Kapitals. Wenn sie Gold vorschießt, so ist dies handgreiflich. Wenn Noten, so stellen jetzt diese Noten Kapital vor, weil sie einen wirklichen Wert, die zinstragenden Papiere, dafür veräußert hat. Bei den Privatbanken können die Noten, die ihnen durch Verkauf der Wertpapiere zufließen, der Masse nach nur Noten der Bank von England oder ihre eignen sein, da andre schwerlich in Zahlung von Wertpapieren angenommen werden. Ist es aber die Bank von England selbst, so kosten ihr dann ihre eignen Noten, die sie rückerhält, Kapital, d.h. zinstragendes Papier. Außerdem entzieht sie dadurch ihre eignen Noten der Zirkulation. Gibt sie diese Noten wieder aus oder statt ihrer neue Noten zum selben Betrag, so stellen sie also jetzt Kapital vor. Und zwar stellen sie Kapital vor, ebensogut, wenn sie zu Vorschüssen an Kapitalisten, wie wenn sie später, bei Abnahme der Nachfrage nach solcher Geldakkommodation, zu Neuanlagen in Wertpapieren verwandt werden. Unter allen diesen Umständen ist das Wort Kapital hier nur im Bankiersinn gebraucht, wo es bedeutet, daß der Bankier mehr als seinen bloßen Kredit zu verleihen gezwungen ist.
Bekanntlich macht die Bank von England alle ihre Vorschüsse in ihren Noten. Wenn nun trotzdem in der Regel die Notenzirkulation der Bank abnimmt im Verhältnis, wie die diskontierten Wechsel und Leihpfänder in ihrer Hand, also die von ihr gemachten Vorschüsse, zunehmen - was wird aus den in Umlauf gesetzten Noten, wie fließen sie der Bank zurück?
Zunächst, wenn die Nachfrage für Geldakkommodation aus einer ungünstigen nationalen Zahlungsbilanz entspringt und daher einen Goldabfluß vermittelt, ist die Sache sehr einfach. Die Wechsel werden diskontiert in Banknoten. Die Banknoten werden bei der Bank selbst, im issue department ausgetauscht gegen Gold, und das Gold wird exportiert. Es ist dasselbe, als ob die Bank direkt Gold zahlte, ohne Vermittlung von Noten, gleich beim Diskontieren der Wechsel. Eine solche steigende Nachfrage - die 7 bis 10 Millionen Pfund Sterling in gewissen Fällen erreicht - fügt natürlich der innern Zirkulation des Landes keine einzige Fünfpfundnote zu. Sagt man nun, daß die Bank hier Kapital vorschießt und nicht Zirkulationsmittel, so hat dies einen doppelten Sinn. Erstens, daß sie nicht Kredit, sondern wirklichen Wert vorschießt, einen Teil ihres eignen oder des bei ihr deponierten Kapitals. Zweitens, daß sie nicht Geld für inländische Zirkulation, sondern für internationale Zirkulation vorschießt, Weltgeld; und für diesen Zweck muß das Geld immer existieren in seiner Form als Schatz, in seiner metallischen Leiblichkeit; in der Form, worin es nicht nur Form des Werts, sondern selbst gleich dem Wert, dessen Geldform es ist. Obgleich dies Gold nun sowohl für die Bank wie für den exportierenden Goldhändler Kapital vorstellt, Bankierkapital oder Kaufmannskapital, so entsteht die Nachfrage nicht nach ihm als Kapital, sondern als der absoluten Form des Geldkapitals. Sie entsteht gerade in dem Augenblick, wo die ausländischen Märkte mit unrealisierbarem englischem Warenkapital vollgepfropft sind. Was also verlangt wird, ist Kapital nicht als Kapital, sondern Kapital als Geld, in der Form, worin das Geld allgemeine Weltmarktsware; und dies ist seine ursprüngliche Form als edles Metall. Die Goldabflüsse sind also nicht, wie Fullarton, Tooke etc. sagen, a mere question of capital. Sondern a question of money, wenn auch in einer spezifischen Funktion. Daß es keine Frage der inländischen Zirkulation ist, wie die Leute von der Currency-Theorie dies behaupten, beweist durchaus nicht, wie Fullarton und andre meinen, daß es eine bloße question of capital. Es ist a question of money in der Form, worin Geld internationales Zahlungsmittel.
"Whether that capital" (der Kaufpreis für die Millionen Quarter ausländischen Weizens nach einer Mißernte im Inland) "is transmitted in merchandize or in specie, is a point which in no way affects the nature of the transaction." (Fullarton, l.c.p. 131.)
Aber es affiziert sehr bedeutend die Frage, ob ein Goldabfluß stattfindet oder nicht. Das Kapital wird in Form von Edelmetall übermittelt, weil es gar nicht oder nicht ohne die größten Verluste in Form von Waren übermittelt werden kann. Die Angst, die das moderne Banksystem vor dem Goldabfluß hat, übertrifft alles, was das Monetarsystem, dem Edelmetall der einzig wahre Reichtum ist, je erträumt hat. Nehmen wir z.B. folgendes Verhör des Gouverneurs der Bank von England, Morris, vor dem Parlamentskomitee über die Krise von 1847/48:
- (Frage:) "Wenn ich von Entwertung von Vorräten (stocks) und fixem Kapital spreche, ist Ihnen nicht bekannt, daß alles in Vorräten und Produkten aller Art angelegte Kapital in derselben Weise entwertet war; daß Rohbaumwolle, Rohseide, Rohwolle nach dem Kontinent geschickt wurde zu denselben Schleuderpreisen, und daß Zucker, Kaffee und Tee mit großen Opfern verkauft wurden wie bei Zwangsverkäufen? Es war unvermeidlich, daß das Land ein beträchtliches Opfer bringen mußte, um dem Goldabfluß zu begegnen, der stattgefunden hatte infolge der massenhaften Einführung von Nahrungsmitteln." - 3848. "Sind Sie nicht der Ansicht, daß es besser gewesen wäre, die 8 Millionen Pfd.St. anzugreifen, die in der Schatzkammer der Bank lagen, als zu suchen, das Gold zurückzubekommen mit solchen Opfern? - Nein, der Meinung bin ich nicht."
Es ist Gold, was hier als der einzig wirkliche Reichtum gilt. Die von Fullarton zitierte Entdeckung Tookes, daß
"with only one or two exceptions, and those admitting of satisfactory explanation, every remarkable fall of the exchange, followed by a drain of gold, that has occurred during the last half century, has been coincident throughout with a comparatively low state of the circulating medium, and vice versa" (Fullarton, p. 121) -
beweist, daß diese Goldabflüsse meistens eintreten nach einer Periode der Aufregung und Spekulation als
"a signal of a collapse already commenced ... an indication of overstocked markets, of a cessation of the foreign demand for our productions, of delayed returns, and, as the necessary sequel of all these, of commercial discredit, manufactories shut up, artisans starving, and a general stagnation of industry and enterprise". (p. 129.)
Dies ist zugleich natürlich die beste Widerlegung der Behauptung der Currency-Leute, daß
"a full circulation drives out bullion and a low circulation attracts it".
Dagegen, obgleich eine starke Goldreserve der Bank von England meist in der Prosperitätszeit da ist, bildet sich dieser Schatz immer in der lustlosen und stagnierenden Zeit, die auf den Sturm folgt.
Die ganze Weisheit, mit Bezug auf die Goldabflüsse, läuft also darauf hinaus, daß die Nachfrage für internationale Zirkulations- und Zahlungsmittel verschieden ist von der Nachfrage für inländische Zirkulations- und Zahlungsmittel (weswegen auch von selbst folgt, daß "the existence of a drain does not necessarily imply any diminution of the internal demand for circulation", wie Fullarton p. 112 sagt); und daß das Heraussenden der edlen Metalle aus dem Land, ihr Hineinwerfen in die internationale Zirkulation, nicht identisch ist mit Hineinwerfen von Noten oder Münze in die inländische Zirkulation. Übrigens habe ich schon früher gezeigt, daß die Bewegung des Schatzes, der als Reservefonds für internationale Zahlungen konzentriert ist, an und für sich nichts zu tun hat mit der Bewegung des Geldes als Zirkulationsmittel. Allerdings kommt eine Komplikation dadurch hinein, daß die verschiednen Funktionen des Schatzes, die ich aus der Natur des Geldes entwickelt habe: seine Funktion als Reservefonds für Zahlungsmittel, fällige Zahlungen im Innern; als Reservefonds des Umlaufsmittels; endlich als Reservefonds des Weltgelds - einem einzigen Reservefonds aufgebürdet werden; woraus auch folgt, daß unter gewissen Umständen ein Goldabfluß von der Bank ins Inland sich mit dem Abfluß ins Ausland kombinieren kann. Eine weitere Komplikation kommt aber noch herein durch die diesem Schatz ganz willkürlich aufgeladene fernere Funktion, als Garantiefonds für Konvertibilität von Banknoten zu dienen, in Ländern, wo das Kreditsystem und das Kreditgeld entwickelt ist. Zu alledem kommt dann schließlich 1. die Konzentration des nationalen Reservefonds in einer einzigen Hauptbank, 2. seine Reduktion auf das möglichste Minimum. Daher auch die Klage Fullartons (p. 143):
"One cannot contemplate the perfect silence and facility with which variations of the exchange usually pass off in continental countries, compared with the state of feverish disquiet and alarm always produced in England whenever the treasure in the bank seems to be at all approaching to exhaustion, without being struck with the great advantage in this respect which a metallic currency possesses."
Sehn wir nun aber ab vom Goldabfluß, wie kann dann eine Bank, die Banknoten ausgibt, also z.B. die Bank von England, den Betrag der von ihr geleisteten Geldakkommodation vermehren ohne Vermehrung ihrer Notenausgabe?
Alle Noten außerhalb der Mauern der Bank, ob sie zirkulieren oder in Privatschätzen schlummern, befinden sich, was die Bank selbst betrifft, in Zirkulation, d.h. außerhalb ihres Besitzes. Dehnt also die Bank ihre Diskontos und Lombardgeschäfte, die Vorschüsse auf securities aus, so müssen die dafür ausgegebnen Banknoten wieder zu ihr zurückfließen, denn sonst vergrößern sie den Betrag der Zirkulation, was eben nicht der Fall sein soll. Dieser Rückfluß kann auf doppelte Weise geschehn.
Erstens: Die Bank zahlt dem A Noten gegen Wertpapiere: A zahlt damit fällige Wechsel an B, und B deponiert die Noten wieder bei der Bank. Die Zirkulation dieser Noten ist damit zu Ende, aber die Anleihe bleibt.
("The loan remains, and the currency, if not wanted, finds its way back to the issuer." Fullarton, p. 97.)
Die Noten, die die Bank dem A vorschoß, sind jetzt zu ihr zurückgekehrt; dagegen ist sie Gläubigerin von A oder dem Bezogenen des von A diskontierten Wechsels, Schuldnerin von B für die in diesen Noten ausgedrückte Wertsumme, und B verfügt damit über einen entsprechenden Teil des Kapitals der Bank.
Zweitens: A zahlt an B, und B selbst oder C, an den er die Noten weiter fortzahlt, zahlt mit diesen Noten fällige Wechsel an die Bank, direkt oder indirekt. In diesem Fall wurde die Bank mit ihren eignen Noten bezahlt. Hiermit ist dann die Transaktion fertig (bis auf die Rückzahlung des A an die Bank).
Inwiefern ist nun der Vorschuß der Bank an A als Vorschuß von Kapital oder als bloßer Vorschuß von Zahlungsmitteln zu betrachten?38
{Dies kommt auf die Natur des Vorschusses selbst an. Es sind dabei drei Fälle zu untersuchen.
Erster Fall. - A erhält von der Bank die Vorschußsummen auf seinen persönlichen Kredit hin, ohne irgendwelche Deckung dafür zu geben. In diesem Fall hat er nicht nur Zahlungsmittel vorgeschossen erhalten, sondern auch unbedingt ein neues Kapital, das er bis zur Rückzahlung in seinem Geschäft als Zusatzkapital verwenden und verwerten kann.
Zweiter Fall. - A hat der Bank Wertpapiere, Staatsschuldscheine oder Aktien, verpfändet und darauf Barvorschuß, sage bis zu zwei Dritteln des Tageswerts, erhalten. In diesem Fall hat er die Zahlungsmittel erhalten, die er brauchte, aber kein zusätzliches Kapital, denn er hat der Bank einen größeren Kapitalwert in die Hand gegeben, als er von ihr erhielt. Aber dieser größere Kapitalwert war einerseits für seine augenblicklichen Bedürfnisse - Zahlungsmittel - nicht verwendbar, weil er in einer bestimmten Form zinstragend angelegt war; andrerseits hatte A seine Gründe, ihn nicht durch Verkauf direkt in Zahlungsmittel zu verwandeln. Seine Wertpapiere hatten unter andern die Bestimmung, als Reservekapital zu fungieren, und als solche hat er sie in Funktion treten lassen. Es hat also zwischen A und der Bank eine zeitweilige, gegenseitige Kapitalübertragung stattgefunden, so daß A kein zusätzliches Kapital erhalten hat (im Gegenteil!), wohl aber die benötigten Zahlungsmittel. Dagegen für die Bank war das Geschäft eine zeitweilige Festlegung von Geldkapital in Form einer Anleihe, eine Verwandlung von Geldkapital aus einer Form in eine andre, und diese Verwandlung ist grade die wesentliche Funktion des Bankgeschäfts.
Dritter Fall. - A hat bei der Bank einen Wechsel diskontieren lassen und dafür, nach Abzug des Diskontos, den Betrag in bar erhalten. In diesem Fall hat er eine nicht flüssige Form von Geldkapital an die Bank verkauft gegen den Wertbetrag in flüssiger Form; den noch laufenden Wechsel gegen bares Geld. Der Wechsel ist jetzt Eigentum der Bank. Daran ändert es nichts, daß bei Mangel [an] Zahlung der letzte Indossent A der Bank für den Betrag haftet; diese Haftbarkeit teilt er mit den andern Indossenten und dem Aussteller, an die er seinerzeit Regreß hat. Hier liegt also gar kein Vorschuß vor, sondern ein ganz gewöhnlicher Kauf und Verkauf. A hat daher der Bank auch nichts zurückzuzahlen, sie deckt sich durch Einkassieren des Wechsels bei Verfall. Auch hier hat gegenseitige Kapitalübertragung zwischen A und der Bank stattgefunden, und zwar ganz wie beim Kauf und Verkauf jeder andern Ware, und ebendeshalb hat A kein zusätzliches Kapital erhalten. Was er brauchte und erhielt, waren Zahlungsmittel, und er erhielt sie dadurch, daß die Bank ihm die eine Form seines Geldkapitals - den Wechsel - in die andre - das Geld - verwandelte.
Von wirklichem Kapitalvorschuß kann also die Rede sein nur beim ersten Fall. Im zweiten und dritten Fall höchstens nur in dem Sinn, wie bei jeder Kapitalanlage man "Kapital vorschießt". In diesem Sinn schießt die Bank dem A Geldkapital vor; aber für A ist es Geldkapital höchstens in dem Sinn, daß es ein Teil seines Kapitals überhaupt ist. Und er verlangt und gebraucht es nicht speziell als Kapital, sondern speziell als Zahlungsmittel. Sonst wäre auch jeder gewöhnliche Warenverkauf, wodurch man sich Zahlungsmittel verschafft, als ein empfangner Kapitalvorschuß anzusehn. - F. E.}
Bei der Privatbank mit Notenausgabe besteht der Unterschied, daß, falls ihre Noten weder in der Lokalzirkulation bleiben, noch ihr selbst zurückkehren in Form von Depositen oder für Zahlung fälliger Wechsel, diese Noten in die Hände von Leuten fallen, denen sie Gold oder Noten der Bank von England in Auswechslung derselben zahlen muß. So repräsentiert in diesem Fall der Vorschuß ihrer Noten in der Tat Vorschuß von Noten der Bank von England, oder was für sie dasselbe, von Gold, also einen Teil ihres Bankkapitals. Dasselbe gilt von dem Fall, wo die Bank von England selbst oder irgendeine andere Bank, die einem gesetzlichen Maximum der Notenausgabe unterworfen ist, Wertpapiere verkaufen muß, um ihre eignen Noten aus der Zirkulation zu ziehn und sie dann wieder in Vorschüssen auszugeben; hier repräsentieren ihre eignen Noten einen Teil ihres mobilisierten Bankkapitals.
Selbst wenn die Zirkulation rein metallisch wäre, könnte gleichzeitig 1. ein Goldabfluß {hier ist offenbar ein Goldabfluß gemeint, der wenigstens zum Teil ins Ausland geht, F. E.} die Schatzkammer leeren, und 2., da das Gold hauptsächlich von der Bank nur zur Saldierung von Zahlungen (Erledigung vergangner Transaktionen) verlangt würde, so könnte ihr Vorschuß auf Wertpapiere sehr wachsen, ihr aber in Form von Depositen zurückkehren oder in Rückzahlung fälliger Wechsel; so daß einerseits, bei Zunahme der Wertpapiere im Portefeuille der Bank, ihr Gesamtschatz abnähme, sie andrerseits dieselbe Summe, die sie früher als Eigentümerin hielt, jetzt als Schuldnerin ihrer Depositäre halten würde und endlich die Gesamtmasse des zirkulierenden Mediums abnähme.
Es ist bisher vorausgesetzt worden, daß die Vorschüsse in Noten gemacht werden, also wenigstens eine augenblickliche, wenn auch sofort wieder verschwindende Vermehrung der Notenausgabe mit sich führen. Dies ist aber nicht nötig. Statt der Papiernote kann die Bank dem A einen Buchkredit eröffnen, wo also dieser, ihr Schuldner, zum imaginären Depositor bei ihr wird. Er zahlt seine Gläubiger mit Schecks auf die Bank, und der Empfänger dieser Schecks zahlt sie weiter an seinen Bankier, der sie gegen die auf ihn laufenden Schecks im Clearing House austauscht. In diesem Fall findet gar keine Dazwischenkunft von Noten statt, und die ganze Transaktion beschränkt sich darauf, daß der Bank eine Forderung, die sie zu machen hat, mit einem Scheck auf sie selbst saldiert wird, und ihre wirkliche Rekompensation in der Kreditforderung auf A besteht. In diesem Falle hat sie ihm einen Teil ihres Bankkapitals, weil ihre eignen Schuldforderungen, vorgeschossen.
Soweit diese Nachfrage nach Geldakkommodation Nachfrage nach Kapital ist, ist sie dies nur für Geldkapital; Kapital vom Standpunkt des Bankiers aus, nämlich für Gold - bei Goldabfluß ins Ausland - oder Noten der Nationalbank, die für die Privatbank nur durch Kauf gegen ein Äquivalent erlangbar sind, für sie also Kapital vorstellen. Oder endlich handelte es sich um zinstragende Wertpapiere, Staatseffekten, Aktien etc., die verkauft werden müssen, um Gold oder Noten an sich zu ziehn. Diese aber, wenn Staatspapiere, sind Kapital bloß für den, der sie gekauft hat, dem sie also seinen Kaufpreis, sein in ihnen angelegtes Kapital repräsentieren; an sich sind sie kein Kapital, sondern bloße Schuldforderungen; wenn Hypotheken, sind sie bloße Anweisungen auf künftige Bodenrente, und wenn sonstige Aktien, bloße Eigentumstitel, die zur Empfangnahme von künftigem Mehrwert berechtigen. Alle diese Dinge sind kein wirkliches Kapital, bilden keine Bestandteile des Kapitals und sind auch an sich keine Werte. Es kann sich auch durch ähnliche Transaktionen Geld, das der Bank gehört, in Depositum verwandeln, so daß sie, statt Eigner Schuldner desselben wird, es unter andrem Besitztitel hält. So wichtig dies für sie selbst ist, so wenig ändert es an der Masse des im Lande vorrätigen Kapitals und selbst Geldkapitals. Kapital figuriert hier also nur als Geldkapital und, wenn nicht in wirklicher Geldform vorhanden, als bloßer Kapitaltitel. Es ist dies sehr wichtig, da Seltenheit von und dringende Nachfrage nach Bankkapital verwechselt wird mit einer Verringerung des wirklichen Kapitals, das in solchen Fällen im Gegenteil, in Form von Produktionsmitteln und Produkten, im Überfluß vorhanden ist und die Märkte erdrückt.
Es erklärt sich also sehr einfach, wie die Masse der von der Bank als Deckung gehaltnen Wertpapiere wachsen, also der zunehmende Andrang nach Geldakkommodation von der Bank befriedigt werden kann, bei gleichbleibender oder abnehmender Gesamtmasse der Umlaufsmittel. Und zwar wird diese Gesamtmasse in doppelter Weise in solchen Zeiten der Geldklemme in Schranken gehalten: 1. durch Goldabfluß; 2. durch Nachfrage nach Geld als bloßem Zahlungsmittel, wo die ausgegebnen Noten sogleich zurückfließen oder wo vermittelst Buchkredit die Transaktion ohne alle Ausgabe von Noten sich abwickelt; wo also eine bloße Kredittransaktion die Zahlungen vermittelt, deren Erledigung der einzige Zweck des Geschäfts war. Es ist das Eigentümliche des Geldes, daß, wo es bloß zur Saldierung von Zahlungen fungiert (und in Zeiten der Krise wird Vorschuß aufgenommen, um zu zahlen, nicht um zu kaufen; um vergangne Geschäfte abzuwickeln, nicht um neue einzuleiten), seine Zirkulation nur verschwindend ist, selbst soweit diese Saldierung nicht durch bloße Kreditoperation, ohne alle Dazwischenkunft von Geld stattfindet; daß also bei großem Andrang nach Geldakkommodation eine ungeheure Masse dieser Transaktionen stattfinden kann, ohne die Zirkulation zu erweitern. Die bloße Tatsache aber, daß die Zirkulation der Bank von England stabil bleibt oder selbst abnimmt, gleichzeitig mit starker, von ihr geleisteter Geldakkommodation, beweist prima facie keineswegs, wie Fullarton, Tooke u.a. (infolge ihres Irrtums, wonach Geldakkommodation einerlei sei mit Aufnahme von capital on loan, von Zusatzkapital) annehmen, daß die Zirkulation des Geldes (der Banknoten) in seiner Funktion als Zahlungsmittel nicht zunimmt und sich ausdehnt. Da die Zirkulation der Noten als Kaufmittel in Zeiten der Geschäftsstockung, wo solche starke Akkommodation erforderlich, abnimmt, kann ihre Zirkulation als Zahlungsmittel zunehmen und die Gesamtsumme der Zirkulation, die Summe der als Kaufmittel und als Zahlungsmittel fungierenden Noten, dennoch stabil bleiben oder selbst abnehmen. Die Zirkulation, als Zahlungsmittel, von Banknoten, die der ausgebenden Bank sofort zurückströmen, ist in den Augen jener Ökonomen eben keine Zirkulation.
Nähme die Zirkulation als Zahlungsmittel in höherem Grade zu, als die als Kaufmittel abnimmt, so würde die Gesamtzirkulation wachsen, obgleich das als Kaufmittel fungierende Geld der Masse nach bedeutend abgenommen hätte. Und dies tritt wirklich in gewissen Momenten der Krise ein, nämlich beim vollständigen Zusammenbruch des Kredits, wo nicht nur die Waren und Wertpapiere unverkaufbar, sondern auch die Wechsel undiskontierbar geworden sind und nichts mehr gilt als bare Zahlung oder wie der Kaufmann sagt: Kassa. Da Fullarton und andre nicht begreifen, daß die Zirkulation der Noten als Zahlungsmittel das Charakteristische solcher Zeiten der Geldnot ist, behandeln sie dies Phänomen als zufällig.
"With respect again to those examples of eager competition for the possession of banknotes, which characterise seasons of panic and which may sometimes, as at the close of 1825, lead to a sudden, though only temporary, enlargement of the issues, even while the efflux of bullion is still going on, these, I apprehend, are not to be regarded as among the natural or necessary concomitants of a low exchange; the demand in such cases is not for circulation" (sollte heißen Zirkulation als Kaufmittel) "but for hoarding, a demand on the part of alarmed bankers and capitalists which arises generally in the last act of the crisis" (also als Reserve für Zahlungsmittel) "after a long continuation of the drain, and is the precursor of its termination." (Fullarton, p. 130.)
Es ist bereits bei Betrachtung des Geldes als Zahlungsmittel (Buch I, Kap. III, 3, b) auseinandergesetzt worden, wie bei einer heftigen Unterbrechung der Zahlungskette das Geld aus einer bloß idealen Form in dingliche und zugleich absolute Form des Werts, gegenüber den Waren, umschlägt. Einige Exempel davon wurden gegeben ebendaselbst, Note 100 und 101. Diese Unterbrechung selbst ist teils Wirkung, teils Ursache der Erschütterung des Kredits und der Umstände, die letztre begleiten: Überführung der Märkte, Entwertung der Waren, Unterbrechung der Produktion etc.
Klar aber ist, daß Fullarton den Unterschied zwischen Geld als Kaufmittel und Geld als Zahlungsmittel in den falschen Unterschied zwischen currency und Kapital verwandelt. Es liegt dabei aber wieder die engherzige Bankiervorstellung von Zirkulation zugrunde. -
Es könnte noch gefragt werden: Was fehlt denn in solchen Zeiten der Klemme, Kapital oder Geld in seiner Bestimmtheit als Zahlungsmittel? Und dies ist bekanntlich eine Kontroverse.
Zunächst, soweit die Klemme sich zeigt im Goldabfluß, ist es klar, daß das, was verlangt wird, das internationale Zahlungsmittel ist. Aber Geld, in seiner Bestimmtheit als internationales Zahlungsmittel, ist Gold in seiner metallischen Wirklichkeit, als selbst wertvolle Substanz, Wertmasse. Es ist zugleich Kapital, aber Kapital nicht als Warenkapital, sondern als Geldkapital, Kapital nicht in der Form der Ware, sondern in der Form des Geldes (und zwar des Geldes im eminenten Sinn des Worts, worin es existiert in der allgemeinen Weltmarktsware). Es liegt hier nicht ein Gegensatz vor zwischen der Nachfrage nach Geld als Zahlungsmittel und der Nachfrage nach Kapital. Der Gegensatz liegt zwischen dem Kapital in seiner Form als Geld und in seiner Form als Ware; und die Form, in der es hier verlangt wird und allein fungieren kann, ist seine Geldform.
Abgesehn von dieser Nachfrage nach Gold (oder Silber) kann nicht gesagt werden, daß in solchen Zeiten der Krise es in irgendeiner Weise an Kapital mangelt. Unter außerordentlichen Umständen, wie Getreideteurung, Baumwollnot etc., kann dies der Fall sein; diese aber sind keineswegs notwendige oder regelmäßige Begleiter solcher Zeiten; und die Existenz eines solchen Mangels an Kapital kann daher nicht von vornherein daraus geschlossen werden, daß ein Andrang für Geldakkommodation besteht. Im Gegenteil. Die Märkte sind überführt, mit Warenkapital überschwemmt. Es ist also jedenfalls nicht Mangel an Warenkapital, das die Klemme verursacht. Wir kommen auf diese Frage später zurück.
Neunundzwanzigstes Kapitel. Bestandteile des Bankkapitals
Es ist nun nötig, näher anzusehn, woraus das Bankkapital besteht.
Wir haben eben gesehn, daß Fullarton u.a. den Unterschied zwischen Geld als Zirkulationsmittel und Geld als Zahlungsmittel (auch als Weltgeld, soweit der Goldabfluß in Betracht kommt) verwandeln in einen Unterschied zwischen Zirkulation (currency) und Kapital.
Die sonderbare Rolle, die das Kapital hier spielt, bringt es mit sich, daß ebenso sorgfältig wie die aufgeklärte Ökonomie einzuprägen suchte, daß Geld nicht Kapital ist, ebenso sorgfältig diese Bankiersökonomie einprägt, daß in der Tat Geld das Kapital par excellence ist.
Bei den spätern Untersuchungen zeigen wir, daß hierbei aber Geldkapital verwechselt wird mit moneyed capital in dem Sinn des zinstragenden Kapitals, während im ersteren Sinn das Geldkapital stets nur eine Durchgangsform des Kapitals ist, als unterschieden von den andern Formen des Kapitals, dem Warenkapital und produktiven Kapital.
Das Bankkapital besteht 1. aus barem Geld, Gold oder Noten, 2. Wertpapieren. Diese können wir wieder in zwei Teile teilen: Handelspapiere, Wechsel, die schwebend sind, von Zeit zu Zeit verfallen und in deren Diskontierung das eigentliche Geschäft des Bankiers gemacht wird; und öffentliche Wertpapiere, wie Staatspapiere, Schatzscheine, Aktien aller Art, kurz zinstragende Papiere, die sich aber wesentlich von den Wechseln unterscheiden. Hierzu können auch Hypotheken gerechnet werden. Das aus diesen sachlichen Bestandteilen sich zusammensetzende Kapital scheidet sich wieder in das Anlagekapital des Bankiers selbst und in die Depositen, die sein banking capital oder geborgtes Kapital bilden. Bei den Banken mit Notenausgabe kommen noch die Noten hinzu. Die Depositen und Noten lassen wir zunächst außer acht. Soviel ist klar, daß es an den wirklichen Bestandteilen des Bankierkapitals - Geld, Wechsel, Depotpapiere - nichts ändert, ob diese verschiednen Elemente sein eignes Kapital repräsentieren oder Depositen, das Kapital andrer Leute. Dieselbe Einteilung bliebe, sowohl wenn er bloß mit eignem Kapital sein Geschäft betriebe, wie wenn bloß mit bei ihm deponierten Kapital.
Die Form des zinstragenden Kapitals bringt es mit sich, daß jede bestimmte und regelmäßige Geldrevenue als Zins eines Kapitals erscheint, sie mag aus einem Kapital entspringen oder nicht. Erst wird das Geldeinkommen in Zins verwandelt, und mit dem Zins findet sich dann auch das Kapital, woraus es entspringt. Ebenso erscheint mit dem zinstragenden Kapital jede Wertsumme als Kapital, sobald sie nicht als Revenue verausgabt wird; nämlich als Hauptsumme (principal) im Gegensatz zum möglichen oder wirklichen Zins, den sie tragen kann.
Die Sache ist einfach: Gesetzt, der Durchschnittszinsfuß sei 5% jährlich. Eine Summe von 500 Pfd.St. würde also jährlich, wenn in zinstragendes Kapital verwandelt, 25 Pfd.St. einbringen. Jede feste jährliche Einnahme von 25 Pfd.St. wird daher als Zins eines Kapitals von 500 Pfd.St. betrachtet. Dies ist und bleibt jedoch eine rein illusorische Vorstellung, außer in dem Fall, daß die Quelle der 25 Pfd.St., sei diese nun ein bloßer Eigentumstitel resp. Schuldforderung oder sei sie ein wirkliches Produktionselement, wie etwa ein Grundstück, direkt übertragbar ist oder eine Form erhält, worin sie übertragbar wird. Nehmen wir als Beispiele Staatsschuld und Arbeitslohn.
Der Staat hat seinen Gläubigern jährlich ein gewisses Quantum Zins für das geborgte Kapital zu zahlen. Der Gläubiger kann hier nicht seinem Schuldner aufkündigen, sondern nur die Forderung, seinen Besitztitel darüber, verkaufen. Das Kapital selbst ist aufgegessen, verausgabt vom Staat. Es existiert nicht mehr. Was der Staatsgläubiger besitzt, ist 1. ein Schuldschein auf den Staat, sage von 100 Pfd.St.; 2. gibt dieser Schuldschein ihm den Anspruch auf die jährlichen Staatseinnahmen, d.h. das jährliche Produkt der Steuern, für einen gewissen Betrag, sage 5 Pfd.St. oder 5%; 3. kann er diesen Schuldschein von 100 Pfd.St. beliebig an andre Personen verkaufen. Ist der Zinsfuß 5%, und dazu Sicherheit des Staats vorausgesetzt, so kann der Besitzer A den Schuldschein in der Regel zu 100 Pfd.St. an B verkaufen; denn für B ist es dasselbe, ob er 100 Pfd.St. zu 5% jährlich ausleiht, oder ob er durch Zahlung von 100 Pfd.St. sich einen jährlichen Tribut vom Staat zum Betrage von 5 Pfd.St. sichert. Aber in allen diesen Fällen bleibt das Kapital, als dessen Abkömmling (Zins) die Staatszahlung betrachtet wird, illusorisch, fiktives Kapital. Nicht nur, daß die Summe, die dem Staat geliehen wurde, überhaupt nicht mehr existiert. Sie war überhaupt nie bestimmt, als Kapital verausgabt, angelegt zu werden, und nur durch ihre Anlage als Kapital hätte sie in einen sich erhaltenden Wert verwandelt werden können. Für den Originalgläubiger A repräsentiert der ihm zufallende Teil der jährlichen Steuer Zins von seinem Kapital, wie dem Wucherer der ihm zufallende Teil des Vermögens des Verschwenders, obgleich in beiden Fällen die geliehene Geldsumme nicht als Kapital verausgabt ward. Die Möglichkeit, den Schuldschein auf den Staat zu verkaufen, repräsentiert für A den möglichen Rückfluß der Hauptsumme. Was den B angeht, so ist von seinem Privatstandpunkt aus sein Kapital als zinstragendes Kapital angelegt. Der Sache nach ist er bloß an die Stelle von A getreten und hat dessen Schuldforderung auf den Staat gekauft. Diese Transaktionen mögen sich noch so sehr vervielfältigen, das Kapital der Staatsschuld bleibt ein rein fiktives, und von dem Moment an, wo die Schuldscheine unverkaufbar würden, fiele der Schein dieses Kapitals weg. Nichtsdestoweniger, wie wir gleich sehn werden, hat dies fiktive Kapital seine eigne Bewegung.
Im Gegensatz nun zum Kapital der Staatsschuld, wo ein Minus als Kapital erscheint - wie das zinstragende Kapital überhaupt die Mutter aller verrückten Formen ist, so daß z.B. Schulden in der Vorstellung des Bankiers als Waren erscheinen können -, wollen wir nun die Arbeitskraft betrachten. Der Arbeitslohn wird hier als Zins aufgefaßt und daher die Arbeitskraft als das Kapital, das diesen Zins abwirft. Ist z.B. der Arbeitslohn eines Jahrs = 50 Pfd.St. und steht der Zinsfuß auf 5%, so gilt die jährliche Arbeitskraft als gleich einem Kapital von 1.000 Pfd.St. Die Verrücktheit der kapitalistischen Vorstellungsweise erreicht hier ihre Spitze, indem statt die Verwertung des Kapitals aus der Exploitation der Arbeitskraft zu erklären, umgekehrt die Produktivität der Arbeitskraft daraus erklärt wird, daß Arbeitskraft selbst dies mystische Ding, zinstragendes Kapital ist. In der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts (z.B. bei Petty) war dies eine Lieblingsvorstellung, die aber auch heutzutage in allem Ernst teils von Vulgärökonomen, teils und hauptsächlich von deutschen Statistikern gebraucht wird.39 Es treten hier leider zwei, diese gedankenlose Vorstellung unangenehm durchkreuzende Umstände ein, erstens, daß der Arbeiter arbeiten muß, um diesen Zins zu erhalten, und zweitens, daß er den Kapitalwert seiner Arbeitskraft nicht durch Übertragung versilbern kann. Vielmehr ist der jährliche Wert seiner Arbeitskraft gleich seinem jährlichen Durchschnittslohn, und was er ihrem Käufer durch seine Arbeit zu ersetzen hat, ist dieser Wert selbst plus dem Mehrwert, der Verwertung desselben. Im Sklavensystem hat der Arbeiter einen Kapitalwert, nämlich seinen Kaufpreis. Und wenn er vermietet wird, hat der Mieter erstens den Zins des Kaufpreises zu zahlen und obendrein den jährlichen Verschleiß des Kapitals zu ersetzen.
Die Bildung des fiktiven Kapitals nennt man kapitalisieren. Man kapitalisiert jede regelmäßig sich wiederholende Einnahme, indem man sie nach dem Durchschnittszinsfuß berechnet, als Ertrag, den ein Kapital, zu diesem Zinsfuß ausgeliehen, abwerfen würde; z.B. wenn die jährliche Einnahme = 100 Pfd.St. und der Zinsfuß = 5%, so wären die 100 Pfd.St. der jährliche Zins von 2.000 Pfd.St., und diese 2.000 Pfd.St. gelten nun als der Kapitalwert des juristischen Eigentumstitels auf die 100 Pfd.St. jährlich. Für den, der diesen Eigentumstitel kauft, stellen die 100 Pfd.St. jährliche Einnahme dann in der Tat die Verzinsung seines angelegten Kapitals zu 5% vor. Aller Zusammenhang mit dem wirklichen Verwertungsprozeß des Kapitals geht so bis auf die letzte Spur verloren, und die Vorstellung vom Kapital als einem sich durch sich selbst verwertenden Automaten befestigt sich.
Auch da, wo der Schuldschein - das Wertpapier - nicht wie bei den Staatsschulden rein illusorisches Kapital vorstellt, ist der Kapitalwert dieses Papiers rein illusorisch. Man hat vorhin gesehn, wie das Kreditwesen assoziiertes Kapital erzeugt. Die Papiere gelten als Eigentumstitel, die dies Kapital vorstellen. Die Aktien von Eisenbahn-, Bergwerks-, Schiffahrts- etc. Gesellschaften stellen wirkliches Kapital vor, nämlich das in diesen Unternehmungen angelegte und fungierende Kapital oder die Geldsumme, welche von den Teilhabern vorgeschossen ist, um als Kapital in solchen Unternehmungen verausgabt zu werden. Wobei keineswegs ausgeschlossen ist, daß sie auch bloßen Schwindel vorstellen. Aber dies Kapital existiert nicht doppelt, einmal als Kapitalwert der Eigentumstitel, der Aktien, und das andre Mal als das in jenen Unternehmungen wirklich angelegte oder anzulegende Kapital. Es existiert nur in jener letztern Form, und die Aktie ist nichts als ein Eigentumstitel, pro rata, auf den durch jenes zu realisierenden Mehrwert. A mag diesen Titel an B, und B ihn an C verkaufen. Diese Transaktionen ändern nichts an der Natur der Sache. A oder B hat dann seinen Titel in Kapital, aber C sein Kapital in einen bloßen Eigentumstitel auf den von dem Aktienkapital zu erwartenden Mehrwert verwandelt.
Die selbständige Bewegung des Werts dieser Eigentumstitel, nicht nur der Staatseffekten, sondern auch der Aktien, bestätigt den Schein, als bildeten sie wirkliches Kapital neben dem Kapital oder dem Anspruch, worauf sie möglicherweise Titel sind. Sie werden nämlich zu Waren, deren Preis eine eigentümliche Bewegung und Festsetzung hat. Ihr Marktwert erhält eine von ihrem Nominalwert verschiedne Bestimmung, ohne daß sich der Wert (wenn auch die Verwertung) des wirklichen Kapitals änderte. Einerseits schwankt ihr Marktwert mit der Höhe und Sicherheit der Erträge, worauf sie Rechtstitel geben. Ist der Nominalwert einer Aktie, d.h. die eingeschoßne Summe, die die Aktie ursprünglich repräsentiert, 100 Pfd.St. und wirft das Unternehmen statt 5% 10% ab, so steigt ihr Marktwert bei sonst gleichbleibenden Umständen und bei einem Zinsfuß von 5% auf 200 Pfd.St., denn zu 5% kapitalisiert, stellt sie jetzt ein fiktives Kapital von 200 Pfd.St. vor. Wer sie zu 200 Pfd.St. kauft, erhält 5% Revenue von dieser Kapitalanlage. Umgekehrt, wenn der Ertrag der Unternehmung abnimmt. Der Marktwert dieser Papiere ist zum Teil spekulativ, da er nicht nur durch die wirkliche Einnahme, sondern durch die erwartete, vorweg berechnete bestimmt ist. Aber die Verwertung des wirklichen Kapitals als konstant vorausgesetzt, oder wo kein Kapital existiert, wie bei den Staatsschulden, den jährlichen Ertrag als gesetzlich fixiert und auch sonst hinreichend sicher vorausgesetzt, steigt und fällt der Preis dieser Wertpapiere umgekehrt wie der Zinsfuß. Steigt der Zinsfuß von 5 auf 10%, so stellt ein Wertpapier, das einen Ertrag von 5 Pfd.St. sichert, nur noch ein Kapital von 50 Pfd.St. vor. Fällt der Zinsfuß auf 2 1/2%, so stellt dasselbe Wertpapier ein Kapital von 200 Pfd.St. vor. Sein Wert ist stets nur der kapitalisierte Ertrag, d.h. der Ertrag, berechnet auf ein illusorisches Kapital nach dem bestehenden Zinsfuß. In Zeiten einer Klemme im Geldmarkt werden diese Wertpapiere also doppelt im Preise fallen; erstens, weil der Zinsfuß steigt, und zweitens, weil sie massenhaft auf den Markt geworfen werden, um sie in Geld zu realisieren. Dieser Preisfall findet statt unabhängig davon, ob der Ertrag, den diese Papiere ihrem Besitzer sichern, konstant ist, wie bei den Staatseffekten, oder ob die Verwertung des wirklichen Kapitals, das sie repräsentieren, wie bei industriellen Unternehmungen, möglicherweise durch die Störung des Reproduktionsprozesses mit betroffen wird. Im letztern Fall tritt nur zu der erwähnten Entwertung noch eine weitere hinzu. Sobald der Sturm vorüber ist, steigen diese Papiere wieder auf ihre frühere Höhe, soweit sie nicht verunglückte oder Schwindelunternehmungen vorstellen. Ihre Depreziation in der Krise wirkt als kräftiges Mittel zur Zentralisation des Geldvermögens.40
Soweit die Entwertung oder Wertsteigerung dieser Papiere unabhängig ist von der Wertbewegung des wirklichen Kapitals, das sie repräsentieren, ist der Reichtum einer Nation gerade so groß vor wie nach der Entwertung oder Wertsteigerung.
"Am 23. Oktober 1847 waren die öffentlichen Fonds und die Kanal- und Eisenbahnaktien bereits entwertet um 114.752.225 Pfd.St." (Morris, Gouverneur der Bank von England, Aussage im Bericht über "Commercial Distress", 1847/48.)
Soweit ihre Entwertung nicht wirklichen Stillstand der Produktion und des Verkehrs auf Eisenbahnen und Kanälen oder Aufgeben von angefangnen Unternehmungen ausdrückte oder Wegwerfen von Kapital in positiv wertlosen Unternehmungen, wurde die Nation um keinen Heller ärmer durch das Zerplatzen dieser Seifenblasen von nominellem Geldkapital.
Alle diese Papiere stellen in der Tat nichts vor als akkumulierte Ansprüche, Rechtstitel, auf künftige Produktion, deren Geld- oder Kapitalwert entweder gar kein Kapital repräsentiert, wie bei den Staatsschulden, oder von dem Wert des wirklichen Kapitals, das sie vorstellen, unabhängig reguliert wird.
In allen Ländern kapitalistischer Produktion existiert eine ungeheure Masse des sog. zinstragenden Kapitals oder moneyed capital in dieser Form. Und unter Akkumulation des Geldkapitals ist zum großen Teil nichts zu verstehn als Akkumulation dieser Ansprüche auf die Produktion, Akkumulation des Marktpreises, des illusorischen Kapitalwerts dieser Ansprüche.
Ein Teil des Bankierkapitals ist nun angelegt in diesen sog. zinstragenden Papieren. Es ist dies selbst ein Teil des Reservekapitals, das nicht im wirklichen Bankgeschäft fungiert. Der bedeutendste Teil besteht aus Wechseln, d.h. Zahlungsversprechen von industriellen Kapitalisten oder Kaufleuten. Für den Geldverleiher sind diese Wechsel zinstragende Papiere; d.h. wenn er sie kauft, zieht er den Zins ab für die Zeit, die sie noch zu laufen haben. Dies ist, was man diskontieren nennt. Es hängt also vom jedesmaligen Zinsfuß ab, wie groß der Abzug ist von der Summe, die der Wechsel vorstellt. -
Der letzte Teil des Kapitals des Bankiers endlich besteht aus seiner Geldreserve von Gold oder Noten. Die Depositen, wenn nicht für längre Zeit kontraktlich ausbedungen, stehn stets zur Verfügung der Depositoren. Sie befinden sich in beständiger Fluktuation. Aber, wenn von den einen entzogen, werden sie von den andern ersetzt, so daß der allgemeine Durchschnittsbetrag in Zeiten normalen Geschäftsverlaufs wenig schwankt.
Die Reservefonds der Banken, in Ländern entwickelter kapitalistischer Produktion, drücken immer im Durchschnitt die Größe des als Schatz vorhandnen Geldes aus, und ein Teil dieses Schatzes besteht selbst wieder aus Papier, bloßen Anweisungen auf Gold, die aber keine Selbstwerte sind. Der größte Teil des Bankierkapitals ist daher rein fiktiv und besteht aus Schuldforderungen (Wechseln), Staatspapieren (die vergangnes Kapital repräsentieren) und Aktien (Anweisungen auf künftigen Ertrag). Wobei nicht vergessen werden muß, daß der Geldwert des Kapitals, den diese Papiere in den Panzerschränken des Bankiers vorstellen, selbst soweit sie Anweisungen auf sichre Erträge (wie bei den Staatspapieren) oder soweit sie Eigentumstitel auf wirkliches Kapital (wie bei den Aktien), durchaus fiktiv ist und von dem Wert des wirklichen Kapitals, das sie wenigstens teilweise vorstellen, abweichend reguliert wird; oder wo sie bloße Forderung auf Erträge vorstellen und kein Kapital, die Forderung auf denselben Ertrag in beständig wechselndem fiktivem Geldkapital sich ausdrückt. Außerdem kommt noch hinzu, daß dies fiktive Bankierkapital großenteils nicht sein Kapital, sondern das des Publikums vorstellt, das bei ihm deponiert, sei es mit, sei es ohne Zinsen.
Die Depositen werden immer in Geld gemacht, in Gold oder Noten, oder in Anweisungen darauf. Mit Ausnahme des Reservefonds, der je nach dem Bedürfnis der wirklichen Zirkulation sich zusammenzieht oder ausdehnt, befinden sich diese Depositen in Wirklichkeit stets in der Hand einerseits der industriellen Kapitalisten und Kaufleute, deren Wechsel damit diskontiert und denen Vorschüsse damit gemacht werden; andrerseits in der Hand der Händler in Wertpapieren (Börsenmakler) oder in der Hand von Privaten, die ihre Wertpapiere verkauft haben, oder in der Hand der Regierung (bei Schatzscheinen und neuen Anleihen). Die Depositen selbst spielen eine doppelte Rolle. Einerseits werden sie, wie eben erwähnt, als zinstragendes Kapital ausgeliehen und finden sich also nicht in den Kassen der Banken, sondern figurieren nur in ihren Büchern als Guthaben der Depositoren. Andrerseits fungieren sie als solche bloße Buchposten, soweit die wechselseitigen Guthaben der Depositoren durch Schecks auf ihre Depositen sich ausgleichen und gegeneinander abgeschrieben werden; wobei es ganz gleichgültig ist, ob die Depositen bei demselben Bankier liegen, so daß dieser die verschiednen Konti gegeneinander abschreibt, oder ob dies durch verschiedne Banken geschieht, die ihre Schecks gegeneinander austauschen und sich nur die Differenzen zahlen.
Mit der Entwicklung des zinstragenden Kapitals und des Kreditsystems scheint sich alles Kapital zu verdoppeln und stellenweis zu verdreifachen durch die verschiedne Weise, worin dasselbe Kapital oder auch nur dieselbe Schuldforderung in verschiednen Händen unter verschiednen Formen erscheint.41 Der größte Teil dieses "Geldkapitals" ist rein fiktiv. Die sämtlichen Depositen, mit Ausnahme des Reservefonds, sind nichts als Guthaben an den Bankier, die aber nie im Depositum existieren. Soweit sie zum Girogeschäft dienen, fungieren sie als Kapital für die Bankiers, nachdem diese sie ausgeliehen haben. Sie zahlen sich untereinander die wechselseitigen Anweisungen auf die nichtexistierenden Depositen durch Abrechnung dieser Guthaben gegeneinander.
A. Smith sagt mit Bezug auf die Rolle, die das Kapital im Geldverleihen spielt:
"Selbst im Geldgeschäft ist jedoch das Geld gleichsam nur die Anweisung, die die Kapitale, für die ihre Eigentümer keine Verwendung haben, aus einer Hand in die andre überträgt. Diese Kapitale können fast beliebig größer sein als der Geldbetrag, der als Werkzeug ihrer Übertragung dient; dieselben Geldstücke dienen nacheinander bei vielen verschiednen Anleihen, ebensogut wie bei vielen verschiednen Einkäufen. Z.B. A leiht an W 1.000 Pfd.St., womit W sofort von B für 1.000 Pfd.St. Waren kauft. Da B selbst keine Verwendung für das Geld hat, leiht er die identischen Geldstücke an X, womit X sogleich von C wieder für 1.000 Pfd.St. Waren kauft. In derselben Weise und aus demselben Grund verleiht C das Geld an Y, der wieder Waren damit von D kauft. So können dieselben Stücke Gold oder Papier im Lauf weniger Tage zur Vermittlung von drei verschiednen Anleihen und von drei verschiednen Einkäufen dienen, deren jeder dem Wert nach gleich ist dem ganzen Betrag dieser Stücke. Was die drei Geldleute A, B und C den drei Borgern W, X und Y überwiesen haben, ist die Macht, diese Einkäufe zu machen. In dieser Macht besteht sowohl der Wert wie der Nutzen dieser Anleihen. Das von den drei Geldleuten geliehene Kapital ist gleich dem Wert der Waren, die damit gekauft werden können, und ist dreimal größer als der Wert des Geldes, womit die Käufe gemacht werden. Trotzdem können alle diese Anleihen vollkommen sicher sein, da die damit von den verschiednen Schuldnern gekauften Waren so angewandt werden, daß sie ihrer Zeit einen gleichen Wert von Gold- oder Papiergeld, samt einem Profit, heimbringen. Und wie dieselben Geldstücke zur Vermittlung verschiedner Anleihen bis zu ihrem dreifachen oder selbst ihrem dreißigfachen Wert dienen können, ebensogut können sie nacheinander wieder als Mittel der Rückzahlung dienen." (Book II, chap. IV.)
Da dasselbe Geldstück verschiedne Einkäufe, je nach der Geschwindigkeit seiner Zirkulation, verrichten kann, so kann es ebensogut verschiedne Anleihen vollziehn, denn die Einkäufe bringen es aus einer Hand in die andre, und die Anleihe ist nur eine Übertragung von einer Hand in die andre, die durch keinen Kauf vermittelt ist. Jedem der Verkäufer stellt das Geld die verwandelte Form seiner Ware vor; heutzutage, wo jeder Wert als Kapitalwert ausgedrückt wird, stellt es in den verschiednen Anleihen der Reihe nach verschiedne Kapitale vor, was nur andrer Ausdruck für den frühern Satz, daß es verschiedne Warenwerte der Reihe nach realisieren kann. Zugleich dient es als Zirkulationsmittel, um die sachlichen Kapitale aus einer Hand in die andre zu befördern. Im Anleihen geht es nicht als Zirkulationsmittel aus der einen Hand in die andre über. Solange es in der Hand des Verleihers bleibt, ist es in seiner Hand nicht Zirkulationsmittel, sondern Wertdasein seines Kapitals. Und in dieser Form überträgt er es im Anleihen an einen Dritten. Hätte A das Geld an B, und B es an C geliehen, ohne die Vermittlung der Einkäufe, so würde dasselbe Geld nicht drei Kapitale, sondern nur eins vorstellen, nur einen Kapitalwert. Wie viele Kapitale es wirklich vorstellt, hängt davon ab, wie oft es als die Wertform verschiedner Warenkapitale fungiert.
Dasselbe was A. Smith von den Anleihen überhaupt sagt, gilt von den Depositen, die ja nur ein besondrer Name für die Anleihen sind, die das Publikum den Bankiers macht. Dieselben Geldstücke können als Instrument für eine beliebige Anzahl von Depositen dienen.
"Es ist unstreitig wahr, daß die 1.000 Pfd.St., die jemand heute bei A deponiert, morgen wieder ausgegeben werden und ein Depositum bei B bilden. Den Tag nachher, weggezahlt durch B, können sie ein Depositum bei C bilden, und so fort ins Unendliche. Dieselben 1.000 Pfd.St. in Geld können daher, durch eine Reihe von Übertragungen, sich zu einer absolut unbestimmbaren Summe von Depositen vervielfältigen. Es ist daher möglich, daß 9/10 aller Depositen im Vereinigten Königreich keine Existenz haben außer den sie belegenden Buchposten in den Büchern der Bankiers, die ihrerseits darüber abzurechnen haben ... So z.B. in Schottland, wo der Geldumlauf nie über 3 Millionen Pfd.St. war, die Depositen aber 27 Millionen. Entstünde nun nicht ein allgemeiner Ansturm auf die Banken wegen der Depositen, so könnten dieselben 1.000 Pfd.St., ihren Weg rückwärts verfolgend, mit derselben Leichtigkeit eine ebenso unbestimmbare Summe wieder ausgleichen. Da dieselben 1.000 Pfd.St., womit jemand heute eine Schuld an einen Händler ausgleicht, morgen dessen Schuld an den Kaufmann ausgleichen können, den Tag darauf die Schuld des Kaufmanns an die Bank, und so fort ohne Ende; so können dieselben 1.000 Pfd.St. von Hand zu Hand und von Bank zu Bank wandern und jede nur erdenkliche Summe von Depositen ausgleichen." ("The Currency Theory Reviewed", p. 62, 63.)
Wie alles in diesem Kreditsystem sich verdoppelt und verdreifacht und in bloßes Hirngespinst sich verwandelt, so gilt das auch vom "Reservefonds", wo man endlich glaubt, etwas Solides zu packen.
Hören wir wieder Herrn Morris, den Gouverneur der Bank von England:
"Die Reserven der Privatbanken sind in den Händen der Bank von England in Form von Depositen. Die erste Wirkung eines Goldabflusses scheint nur die Bank von England zu treffen; aber er würde ebensogut auf die Reserven der andern Banken einwirken, da es der Abfluß eines Teils der Reserve ist, die sie in unsrer Bank haben. Geradeso würde er wirken auf die Reserven aller Provinzialbanken." ("Commercial Distress", 1847/48.)
Schließlich lösen sich also die Reservefonds in Wirklichkeit auf in den Reservefonds der Bank von England.42 Aber auch dieser Reservefonds hat wieder Doppelexistenz. Der Reservefonds des banking department ist gleich dem Überschuß der Noten, die die Bank berechtigt ist auszugeben, über die in Zirkulation befindlichen Noten. Das gesetzliche Maximum der auszugebenden Noten ist = 14 Millionen (wofür keine Metallreserve erheischt; es ist der ungefähre Betrag der Schuld des Staats an die Bank) plus dem Betrag des Edelmetallvorrats der Bank. Wenn also dieser Vorrat = 14 Millionen Pfd.St., so kann die Bank 28 Millionen Pfd.St. in Noten ausgeben, und wenn davon 20 Millionen zirkulieren, so ist der Reservefonds des banking department = 8 Millionen. Diese 8 Millionen Noten sind dann gesetzlich das Bankierkapital, worüber die Bank zu verfügen hat, und zugleich der Reservefonds für ihre Depositen. Tritt nun ein Goldabfluß ein, der den Metallvorrat um 6 Millionen vermindert - wofür ebensoviel Noten vernichtet werden müssen -, so würde die Reserve des banking department von 8 auf 2 Millionen fallen. Einerseits würde die Bank ihren Zinsfuß sehr erhöhen; andrerseits würden die Banken, die bei ihr deponiert haben, und die andren Depositoren den Reservefonds für ihre eignen Guthaben bei der Bank sehr abnehmen sehn. 1857 drohten die vier größten Aktienbanken von London, wenn die Bank von England nicht einen "Regierungsbrief" zur Suspension des Bankakts von 1844 erwirke43, ihre Depositen einzufordern, womit das banking department bankrott gewesen wäre. So kann das banking department fallieren, wie 1847, während beliebige Millionen (z.B. 1847 8 Millionen) in issue department liegen, als Garantie für die Konvertibilität der zirkulierenden Noten. Dies ist aber wieder illusorisch.
"Der große Teil der Depositen, wofür die Bankiers selbst keine unmittelbare Nachfrage haben, geht in die Hände der bill-brokers" (buchstäblich Wechselmakler, der Sache nach halbe Bankiers), "die dem Bankier dagegen als Sicherheit für seinen Vorschuß Handelswechsel geben, die sie schon für Leute in London und der Provinz diskontiert haben. Der bill-broker ist dem Bankier verantwortlich für die Rückzahlung dieses money at call" {Geld, das auf Verlangen sofort rückzahlbar ist} "und diese Geschäfte sind von so gewaltigem Umfang, daß Herr Neave, der gegenwärtige Gouverneur der Bank" {von England,} "in seiner Zeugenaussage sagt: 'Wir wissen, daß ein broker 5 Millionen hatte, und wir haben Grund anzunehmen, daß ein andrer zwischen 8 und 10 Millionen hatte; einer hatte 4, ein andrer 3 1/2, ein dritter mehr als 8. Ich spreche von Depositen bei den brokers.'" ("Report of Committee on Bank Acts", 1857/58, p. V, Absatz Nr. 8.)
"Die Londoner bill-brokers ... führten ihr enormes Geschäft ohne irgendwelche Reserve in bar; sie verließen sich auf die Eingänge von ihren nach und nach verfallenden Wechseln oder im Notfall auf ihre Macht, Vorschüsse von der Bank von England gegen Depot der von ihnen diskontierten Wechsel zu erhalten." - "Zwei Firmen von bill-brokers in London stellten ihre Zahlungen 1847 ein; beide nahmen das Geschäft später wieder auf. 1857 suspendierten sie wieder. Die Passiva des einen Hauses waren 1847 in runder Zahl 2.683.000 Pfd.St. bei einem Kapital von 180.000 Pfd.St.; seine Passiva waren 1857 = 5.300.000 Pfd.St., während das Kapital wahrscheinlich nicht mehr als ein Viertel betrug von dem, was es 1847 gewesen. Die Passiva der andern Firma waren beidemal zwischen 3 und 4 Millionen, bei einem Kapital von nicht mehr als 45.000 Pfd.St." (ibidem, p. XXI. Absatz Nr. 52.)
Dreißigstes Kapitel. Geldkapital und wirkliches Kapital. I
Die einzig schwierigen Fragen, denen wir uns jetzt mit Beziehung auf das Kreditwesen nähern, sind folgende:
Erstens: Die Akkumulation des eigentlichen Geldkapitals. Wieweit und wieweit nicht ist sie Anzeichen von wirklicher Akkumulation des Kapitals, d.h. von Reproduktion auf erweiterter Stufenleiter? Die sog. Plethora des Kapitals, ein Ausdruck, der immer nur vom zinstragenden, i.e. Geldkapital gebraucht wird, ist sie nur eine besondre Manier, die industrielle Überproduktion auszudrücken, oder bildet sie ein besondres Phänomen neben ihr? Fällt diese Plethora, dies Überangebot von Geldkapital, zusammen mit Vorhandensein stagnanter Geldmassen (Barren, Goldgeld und Banknoten), so daß dieser Überfluß an wirklichem Geld Ausdruck und Erscheinungsform jener Plethora von Leihkapital ist?
Und zweitens: Wieweit drückt Geldklemme, d.h. Mangel an Leihkapital, einen Mangel an wirklichem Kapital (Warenkapital und produktivem Kapital) aus? Wieweit fällt sie andrerseits zusammen mit Mangel an Geld als solchem, Mangel an Zirkulationsmitteln?
Soweit wir die eigentümliche Form der Akkumulation des Geldkapitals und Geldvermögens überhaupt bis jetzt betrachtet haben, hat sie sich aufgelöst in Akkumulation von Ansprüchen des Eigentums auf die Arbeit. Die Akkumulation des Kapitals der Staatsschuld heißt, wie sich gezeigt hat, weiter nichts als Vermehrung einer Klasse von Staatsgläubigern, die gewisse Summen auf den Betrag der Steuern für sich vorwegzunehmen berechtigt sind.44 In diesen Tatsachen, daß sogar eine Akkumulation von Schulden als Akkumulation von Kapital erscheinen kann, zeigt sich die Vollendung der Verdrehung, die im Kreditsystem stattfindet. Diese Schuldscheine, die für das ursprünglich geliehene und längst verausgabte Kapital ausgestellt sind, diese papiernen Duplikate von vernichtetem Kapital fungieren für ihre Besitzer soweit als Kapital, als sie verkaufbare Waren sind, und daher in Kapital rückverwandelt werden können.
Die Eigentumstitel auf Gesellschaftsgeschäfte, Eisenbahnen, Bergwerke etc. sind, wie wir ebenfalls gesehn haben, zwar in der Tat Titel auf wirkliches Kapital. Indes geben sie keine Verfügung über dies Kapital. Es kann nicht entzogen werden. Sie geben nur Rechtsansprüche auf einen Teil des von demselben zu erwerbenden Mehrwerts. Aber diese Titel werden ebenfalls papierne Duplikate des wirklichen Kapitals, wie wenn der Ladungsschein einen Wert erhielte neben der Ladung und gleichzeitig mit ihr. Sie werden zu nominellen Repräsentanten nicht existierender Kapitale. Denn das wirkliche Kapital existiert daneben und ändert durchaus nicht die Hand dadurch, daß diese Duplikate die Hände wechseln. Sie werden zu Formen des zinstragenden Kapitals, weil sie nicht nur gewisse Erträge sichern, sondern auch, weil durch Verkauf ihre Rückzahlung als Kapitalwerte erhalten werden kann. Soweit die Akkumulation dieser Papiere die Akkumulation von Eisenbahnen, Bergwerken, Dampfschiffen etc. ausdrückt, drückt sie Erweiterung des wirklichen Reproduktionsprozesses aus, ganz wie die Erweiterung einer Steuerliste z.B. auf Mobilareigentum die Expansion dieses Mobilars anzeigt. Aber als Duplikate, die selbst als Waren verhandelbar sind und daher selbst als Kapitalwerte zirkulieren, sind sie illusorisch, und ihr Wertbetrag kann fallen und steigen ganz unabhängig von der Wertbewegung des wirklichen Kapitals, auf das sie Titel sind. Ihr Wertbetrag, d.h. ihre Kursnotierung an der Börse, hat mit dem Fallen des Zinsfußes, soweit dies, unabhängig von den eigentümlichen Bewegungen des Geldkapitals, einfache Folge des tendenziellen Falles der Profitrate ist, notwendig die Tendenz zu steigen, so daß dieser imaginäre Reichtum, dem Wertausdruck nach für jeden seiner aliquoten Teile von bestimmtem ursprünglichem Nominalwert, sich schon aus diesem Grunde im Entwicklungsgang der kapitalistischen Produktion expandiert.45
Gewinnen und Verlieren durch Preisschwankungen dieser Eigentumstitel sowie deren Zentralisation in den Händen von Eisenbahnkönigen usw. wird der Natur der Sache nach mehr und mehr Resultat des Spiels, das an der Stelle der Arbeit als die ursprüngliche Erwerbsart von Kapitaleigentum erscheint und auch an die Stelle der direkten Gewalt tritt. Diese Sorte imaginären Geldvermögens bildet nicht nur einen sehr bedeutenden Teil des Geldvermögens der Privaten, sondern auch des Bankierkapitals, wie schon erwähnt.
Man könnte - wir erwähnen es nur, um es rasch zu erledigen - unter Akkumulation des Geldkapitals auch verstehn die Akkumulation des Reichtums in der Hand von Bankiers (Geldverleihern von Profession) als der Vermittler zwischen den Privatgeldkapitalisten hier, und dem Staat, den Gemeinden und den reproduzierenden Borgern dort, indem die ganze ungeheure Ausdehnung des Kreditsystems, überhaupt der gesamte Kredit, von ihnen als ihr Privatkapital exploitiert wird. Diese Burschen besitzen das Kapital und die Einnahme stets in Geldform oder in direkten Forderungen auf Geld. Die Akkumulation des Vermögens dieser Klasse kann vor sich gehn in sehr verschiedner Richtung mit der wirklichen Akkumulation, beweist aber jedenfalls, daß diese Klasse einen guten Teil von dieser letzteren einsteckt.
Um die vorliegende Frage auf engere Grenzen zurückzuführen: Staatseffekten wie Aktien und andere Wertpapiere aller Art sind Anlagesphären für verleihbares Kapital, für Kapital, das bestimmt ist, zinstragend zu werden. Sie sind Formen, es auszuleihen. Aber sie sind nicht selbst das Leihkapital, das in ihnen angelegt wird. Andrerseits, soweit der Kredit direkte Rolle im Reproduktionsprozeß spielt: Was der Industrielle oder Kaufmann braucht, wenn er Wechsel diskontiert haben oder eine Anleihe aufnehmen will, sind weder Aktien noch Staatspapiere. Was er braucht, ist Geld. Er versetzt oder verkauft also jene Wertpapiere, wenn er das Geld sich anders nicht beschaffen kann. Es ist die Akkumulation dieses Leihkapitals, von der wir hier zu handeln haben, und zwar speziell von der des leihbaren Geldkapitals. Es handelt sich hier nicht um Anleihen von Häusern, Maschinen oder andrem fixen Kapital. Es handelt sich auch nicht um die Vorschüsse, die sich Industrielle und Kaufleute untereinander in Waren und innerhalb des Zirkels des Reproduktionsprozesses machen; obgleich wir auch diesen Punkt vorher noch näher untersuchen müssen; es handelt sich ausschließlich um die Geldanleihen, die durch die Bankiers, als Vermittler, den Industriellen und Kaufleuten gemacht werden.
Analysieren wir also zunächst den kommerziellen Kredit, d.h. den Kredit, den die in der Reproduktion beschäftigten Kapitalisten einander geben. Er bildet die Basis des Kreditsystems. Sein Repräsentant ist der Wechsel, Schuldschein mit bestimmtem Zahlungstermin, document of deferred payment. Jeder gibt Kredit mit der einen Hand und empfängt Kredit mit der andern. Sehn wir zunächst ganz ab vom Bankierkredit, der ein ganz andres, wesentlich verschiednes Moment bildet. Soweit diese Wechsel unter den Kaufleuten selbst wieder als Zahlungsmittel zirkulieren, durch Endossement von einem auf den andern, wo aber der Diskonto nicht dazwischenkommt, ist es nichts als eine Übertragung der Schuldforderung von A auf B und ändert absolut nichts am Zusammenhang. Es setzt nur eine Person an die Stelle einer andern. Und selbst in diesem Fall kann die Liquidation ohne Dazwischenkunft von Geld stattfinden. Der Spinner A z.B. hat einen Wechsel zu zahlen an den Baumwollmakler B, dieser an den Importeur C. Wenn C nun ebenfalls Garn exportiert, was oft genug vorkommt, so kann er Garn von A gegen Wechsel kaufen und der Spinner A den Makler B mit dessen eignem, von C in Zahlung erhaltnen Wechsel decken, wobei höchstens ein Saldo in Geld zu zahlen ist. Die ganze Transaktion vermittelt dann nur den Austausch von Baumwolle und Garn. Der Exporteur repräsentiert nur den Spinner, der Baumwollmakler den Baumwollpflanzer.
Es ist nun bei dem Kreislauf dieses rein kommerziellen Kredits zweierlei zu bemerken:
Erstens: Die Saldierung dieser wechselseitigen Schuldforderungen hängt ab vom Rückfluß des Kapitals; d.h. von W - G, das nur vertagt ist. Wenn der Spinner einen Wechsel vom Kattunfabrikanten erhalten hat, so kann der Kattunfabrikant zahlen, wenn der Kattun, den er auf dem Markt hat, in der Zwischenzeit verkauft ist. Hat der Kornspekulant einen Wechsel auf seinen Faktor gegeben, so kann der Faktor das Geld zahlen, wenn unterdes das Korn zum erwarteten Preise verkauft ist. Es hängen also diese Zahlungen ab von der Flüssigkeit der Reproduktion, d.h. des Produktions- und Konsumtionsprozesses. Da die Kredite aber wechselseitig sind, hängt die Zahlungsfähigkeit eines jeden zugleich ab von der Zahlungsfähigkeit eines andern; denn beim Ausstellen seines Wechsels kann jener entweder auf den Rückfluß des Kapitals in seinem eignen Geschäft oder auf Rückfluß im Geschäft eines Dritten gerechnet haben, der ihm in der Zwischenzeit einen Wechsel zu zahlen hat. Abgesehn von der Aussicht auf Rückflüsse, kann die Zahlung nur möglich werden durch Reservekapital, worüber der Wechselaussteller verfügt, um seinen Verpflichtungen im Fall verzögerter Rückflüsse nachzukommen.
Zweitens: Dies Kreditsystem beseitigt nicht die Notwendigkeit barer Geldzahlungen. Einmal ist ein großer Teil der Auslagen stets bar zu zahlen, Arbeitslohn, Steuern etc. Dann aber z.B. hat B, der von C einen Wechsel an Zahlungsstatt erhalten, ehe dieser Wechsel fällig, selbst einen fälligen Wechsel an D zu zahlen, und dafür muß er bares Geld haben. Ein so vollständiger Kreislauf der Reproduktion, wie er oben vom Baumwollpflanzer bis Baumwollspinner und umgekehrt vorausgesetzt worden, kann nur eine Ausnahme bilden und muß stets an vielen Stellen durchbrochen werden. Wir haben beim Reproduktionsprozeß (Buch II, Abschn. III ) gesehn, daß die Produzenten des konstanten Kapitals zum Teil konstantes Kapital miteinander austauschen. Dafür können sich die Wechsel mehr oder weniger ausgleichen. Ebenso in aufsteigender Linie der Produktion, wo der Baumwollmakler auf den Spinner, der Spinner auf den Kattunfabrikanten, dieser auf den Exporteur, dieser auf den Importeur (vielleicht wieder von Baumwolle) zu ziehen hat. Aber es findet nicht zugleich Kreislauf der Transaktionen und daher Umbiegung der Forderungsreihe statt. Die Forderung, z.B. des Spinners an den Weber, wird nicht saldiert durch die Forderung des Kohlenlieferanten an den Maschinenbauer; der Spinner hat nie in seinem Geschäft Gegenforderungen auf den Maschinenbauer zu machen, weil sein Produkt, Garn, nie als Element in dessen Reproduktionsprozeß eingeht. Solche Forderungen müssen daher durch Geld ausgeglichen werden.
Die Grenzen für diesen kommerziellen Kredit, für sich betrachtet, sind 1. der Reichtum der Industriellen und Kaufleute, d.h. ihre Verfügung über Reservekapital im Fall verzögerter Rückflüsse; 2. diese Rückflüsse selbst. Diese können der Zeit nach verzögert werden, oder die Warenpreise können in der Zwischenzeit fallen, oder die Ware kann momentan unverkäuflich werden bei Stockung der Märkte. Je langsichtiger die Wechsel, desto größer muß erstens das Reservekapital sein und desto größer ist die Möglichkeit einer Schmälerung oder Verspätung des Rückflusses durch Preisfall oder Überführung der Märkte. Und ferner sind die Retouren um so unsicherer, je mehr die ursprüngliche Transaktion durch Spekulation auf Steigen oder Fallen der Warenpreise bedingt war. Es ist aber klar, daß mit der Entwicklung der Produktivkraft der Arbeit und daher der Produktion auf großer Stufenleiter, 1. die Märkte sich ausdehnen und vom Produktionsort sich entfernen, 2. daher die Kredite sich verlängern müssen und also 3. das spekulative Element mehr und mehr die Transaktionen beherrschen muß. Die Produktion auf großer Stufenleiter und für entfernte Märkte wirft das Gesamtprodukt in die Hand des Handels; es ist aber unmöglich, daß sich das Kapital der Nation verdopple, so daß der Handel für sich fähig wäre, mit eignem Kapital das gesamte nationale Produkt aufzukaufen und wieder zu verkaufen. Kredit ist hier also unerläßlich; Kredit, dem Umfang nach wachsend mit dem wachsenden Wertumfang der Produktion und der Zeitdauer nach mit der zunehmenden Entfernung der Märkte. Es findet hier Wechselwirkung statt. Die Entwicklung des Produktionsprozesses erweitert den Kredit, und der Kredit führt zur Ausdehnung der industriellen und merkantilen Operationen.
Betrachten wir diesen Kredit, getrennt vom Bankierkredit, so ist klar, daß er wächst mit dem Umfang des industriellen Kapitals selbst. Leihkapital und industrielles Kapital sind hier identisch; die geliehenen Kapitale sind Warenkapitale, bestimmt entweder für schließliche individuelle Konsumtion oder zum Ersatz der konstanten Elemente von produktivem Kapital. Was hier also als geliehenes Kapital erscheint, ist immer Kapital, das sich in einer bestimmten Phase des Reproduktionsprozesses befindet, aber durch Kauf und Verkauf aus einer Hand in die andre übergeht, während das Äquivalent dafür von dem Käufer erst später zu bedungner Frist gezahlt wird. Z.B. die Baumwolle geht gegen Wechsel in die Hand des Spinners über, das Garn gegen Wechsel in die Hand des Kattunfabrikanten, der Kattun gegen Wechsel in die Hand des Kaufmanns, aus dessen Hand gegen Wechsel in die des Exporteurs, aus der Hand des Exporteurs gegen Wechsel in die eines Kaufmanns in Indien, der ihn verkauft und dafür Indigo kauft usw. Während dieses Übergangs aus einer Hand in die andre vollzieht die Baumwolle ihre Verwandlung in Kattun, und der Kattun wird schließlich nach Indien transportiert und ausgetauscht gegen Indigo, der nach Europa verschifft wird und dort wieder in die Reproduktion eingeht. Die verschiednen Phasen des Reproduktionsprozesses sind hier vermittelt durch den Kredit, ohne daß der Spinner die Baumwolle, der Kattunfabrikant das Garn, der Kaufmann den Kattun etc. gezahlt hat. In den ersten Akten des Vorgangs geht die Ware, Baumwolle, durch ihre verschiednen Produktionsphasen, und dieser Übergang wird vermittelt durch den Kredit. Aber sobald die Baumwolle in der Produktion ihre letzte Form als Ware erhalten hat, geht dasselbe Warenkapital nur noch durch die Hände verschiedner Kaufleute, die den Transport zum entlegnen Markt vermitteln und deren letzter sie schließlich an den Konsumenten verkauft und andre Ware dafür einkauft, die entweder in die Konsumtion eingeht oder in den Reproduktionsprozeß. Es sind also hier zwei Abschnitte zu unterscheiden: im ersten vermittelt der Kredit die wirklichen sukzessiven Phasen in der Produktion desselben Artikels; im zweiten bloß den Übergang aus der Hand eines Kaufmanns in die des andern, der den Transport einschließt, also den Akt W - G. Aber auch hier befindet sich die Ware wenigstens immer im Zirkulationsakt, also in einer Phase des Reproduktionsprozesses.
Was demnach hier verliehen wird, ist nie unbeschäftigtes Kapital, sondern Kapital, das in der Hand seines Besitzers seine Form ändern muß, das in einer Form existiert, worin es für ihn bloßes Warenkapital ist, d.h. Kapital, das rückverwandelt, und zwar wenigstens zunächst in Geld umgesetzt werden muß. Es ist somit die Metamorphose der Ware, die hier durch den Kredit vermittelt wird; nicht nur W - G, sondern auch G - W und der wirkliche Produktionsprozeß. Viel Kredit innerhalb des reproduktiven Kreislaufs - abgesehn vom Bankierkredit - heißt nicht: viel unbeschäftigtes Kapital, das zu Anleihen ausgeboten wird und profitliche Anlage sucht, sondern: große Beschäftigung von Kapital im Reproduktionsprozeß. Der Kredit vermittelt hier also 1. soweit die industriellen Kapitalisten in Betracht kommen, den Übergang des industriellen Kapitals aus einer Phase in die andre, den Zusammenhang der zueinander gehörigen und ineinander eingreifenden Produktionssphären; 2. soweit die Kaufleute in Betracht kommen, den Transport und den Übergang der Waren aus einer Hand in die andre bis zu ihrem definitiven Verkauf für Geld oder ihrem Austausch mit einer andern Ware.
Das Maximum des Kredits ist hier gleich der vollsten Beschäftigung des industriellen Kapitals, d.h. der äußersten Anspannung seiner Reproduktionskraft ohne Rücksicht auf die Grenzen der Konsumtion. Diese Grenzen der Konsumtion werden erweitert durch die Anspannung des Reproduktionsprozesses selbst; einerseits vermehrt sie den Verzehr von Revenue durch Arbeiter und Kapitalisten, andrerseits ist sie identisch mit Anspannung der produktiven Konsumtion.
Solange der Reproduktionsprozeß flüssig und damit der Rückfluß gesichert bleibt, dauert dieser Kredit und dehnt sich aus, und seine Ausdehnung ist basiert auf die Ausdehnung des Reproduktionsprozesses selbst. Sobald eine Stockung eintritt, infolge verzögerter Rückflüsse, überführter Märkte, gefallner Preise, ist Überfluß von industriellem Kapital vorhanden, aber in einer Form, worin es seine Funktion nicht vollziehn kann. Masse von Warenkapital, aber unverkäuflich. Masse von fixem Kapital, aber durch Stockung der Reproduktion großenteils unbeschäftigt. Der Kredit kontrahiert sich, 1. weil dies Kapital unbeschäftigt ist, d.h. in einer seiner Reproduktionsphasen stockt, weil es seine Metamorphose nicht vollziehn kann; 2. weil das Vertrauen in die Flüssigkeit des Reproduktionsprozesses gebrochen ist; 3. weil die Nachfrage nach diesem kommerziellen Kredit abnimmt. Der Spinner, der seine Produktion einschränkt und eine Masse unverkauftes Garn auf Lager hat, braucht keine Baumwolle auf Kredit zu kaufen; der Kaufmann braucht keine Waren auf Kredit zu kaufen, weil er deren schon mehr als genug hat.
Tritt also Störung in dieser Expansion oder auch nur in der normalen Anspannung des Reproduktionsprozesses ein, so damit auch Kreditmangel; Waren sind schwerer auf Kredit zu erhalten. Besonders aber ist das Verlangen nach barer Zahlung und die Vorsicht im Kreditverkauf charakteristisch für die Phase des industriellen Zyklus, die auf den Krach folgt. In der Krisis selbst, da jeder zu verkaufen hat und nicht verkaufen kann und doch verkaufen muß, um zu zahlen, ist die Masse, nicht des unbeschäftigten, unterzubringenden Kapitals, sondern die des in seinem Reproduktionsprozeß gehemmten Kapitals gerade dann am größten, wenn auch der Kreditmangel am größten ist (und daher bei Bankierkredit die Diskontorate am höchsten). Das schon ausgelegte Kapital ist dann in der Tat massenweis unbeschäftigt, weil der Reproduktionsprozeß stockt. Fabriken stehn still, Rohstoffe häufen sich auf, fertige Produkte überfüllen als Waren den Markt. Es ist also nichts falscher, als solchen Zustand einem Mangel an produktivem Kapital zuzuschreiben. Es ist gerade dann Überfluß von produktivem Kapital vorhanden, teils in bezug auf den normalen, aber augenblicklich kontrahierten Maßstab der Reproduktion, teils in bezug auf die gelähmte Konsumtion.
Denken wir uns die ganze Gesellschaft bloß aus industriellen Kapitalisten und Lohnarbeitern zusammengesetzt. Sehn wir ferner ab von den Preiswechseln, die große Portionen des Gesamtkapitals hindern, sich in ihren Durchschnittsverhältnissen zu ersetzen, und die, bei dem allgemeinen Zusammenhang des ganzen Reproduktionsprozesses, wie ihn namentlich der Kredit entwickelt, immer zeitweilige allgemeine Stockungen hervorbringen müssen. Sehn wir ab ebenfalls von den Scheingeschäften und spekulativen Umsätzen, die das Kreditwesen fördert. Dann wäre eine Krise nur erklärlich aus Mißverhältnis der Produktion in verschiednen Zweigen und aus einem Mißverhältnis, worin der Konsum der Kapitalisten selbst zu ihrer Akkumulation stände. Wie aber die Dinge liegen, hängt der Ersatz der in der Produktion angelegten Kapitale großenteils ab von der Konsumtionsfähigkeit der nicht produktiven Klassen; während die Konsumtionsfähigkeit der Arbeiter teils durch die Gesetze des Arbeitslohns, teils dadurch beschränkt ist, daß sie nur solange angewandt werden, als sie mit Profit für die Kapitalistenklasse angewandt werden können. Der letzte Grund aller wirklichen Krisen bleibt immer die Armut und Konsumtionsbeschränkung der Massen gegenüber dem Trieb der kapitalistischen Produktion, die Produktivkräfte so zu entwickeln, als ob nur die absolute Konsumtionsfähigkeit der Gesellschaft ihre Grenze bilde.
Von wirklichem Mangel an produktivem Kapital, wenigstens bei kapitalistisch entwickelten Nationen, kann nur gesprochen werden bei allgemeinen Mißernten, sei es der Hauptnahrungsmittel, sei es der hauptsächlichsten industriellen Rohstoffe.
Es kommt aber nun zu diesem kommerziellen Kredit der eigentliche Geldkredit hinzu. Das Vorschießen der Industriellen und Kaufleute untereinander verquickt sich mit dem Vorschießen des Geldes an sie seitens der Bankiers und Geldverleiher. Beim Diskontieren der Wechsel ist der Vorschuß nur nominell. Ein Fabrikant verkauft sein Produkt gegen Wechsel und diskontiert diesen Wechsel bei einem bill-broker. In der Tat schießt dieser nur den Kredit seines Bankiers vor, der ihm wieder das Geldkapital seiner Depositoren vorschießt, die gebildet werden von den Industriellen und Kaufleuten selbst, aber auch von Arbeitern (vermittelst Sparbanken), von Grundrentnern und den sonstigen unproduktiven Klassen. So wird für jeden individuellen Fabrikanten oder Kaufmann sowohl die Notwendigkeit eines starken Reservekapitals umgangen, wie die Abhängigkeit von den wirklichen Rückflüssen. Andrerseits aber kompliziert sich teils durch einfache Wechselreiterei, teils durch Warengeschäfte zum Zweck der bloßen Wechselfabrikation der ganze Prozeß so sehr, daß der Schein eines sehr soliden Geschäfts und flotter Rückflüsse noch ruhig fortexistieren kann, nachdem die Rückflüsse in der Tat schon längst nur noch auf Kosten teils geprellter Geldverleiher, teils geprellter Produzenten gemacht worden sind. Daher scheint immer das Geschäft fast übertrieben gesund gerade unmittelbar vor dem Krach. Den besten Beweis liefern z.B. die "Reports on Bank Acts" von 1857 und 1858, wo alle Bankdirektoren, Kaufleute, kurz alle vorgeladnen Sachverständigen, an ihrer Spitze Lord Overstone, sich wechselseitig Glück wünschten über die Blüte und Gesundheit des Geschäfts - genau einen Monat bevor die Krise im August 1857 ausbrach. Und sonderbarerweise macht Tooke in seiner "History of Prices" diese Illusion noch einmal als Geschichtsschreiber jeder Krise durch. Das Geschäft ist immer kerngesund und die Kampagne im gedeihlichsten Fortgang, bis auf einmal der Zusammenbruch erfolgt.
Wir kommen jetzt zurück auf die Akkumulation des Geldkapitals.
Nicht jede Vermehrung des leihbaren Geldkapitals zeigt wirkliche Kapitalakkumulation oder Erweiterung des Reproduktionsprozesses an. Dies tritt am klarsten hervor in der Phase des industriellen Zyklus unmittelbar nach überstandner Krisis, wo Leihkapital massenhaft brachliegt. In solchen Momenten, wo der Produktionsprozeß eingeschränkt ist (die Produktion in den englischen Industriebezirken war nach der Krise von 1847 um ein Drittel verringert), wo die Preise der Waren auf ihrem niedrigsten Punkt stehn, wo der Unternehmungsgeist gelähmt ist, herrscht niedriger Stand des Zinsfußes, der hier nichts anzeigt als Vermehrung des leihbaren Kapitals grade durch Kontraktion und Lähmung des industriellen Kapitals. Daß weniger Zirkulationsmittel erheischt sind mit gefallnen Warenpreisen, verminderten Umsätzen und der Kontraktion des in Arbeitslohn ausgelegten Kapitals; daß andrerseits, nach Liquidation der Schulden ans Ausland teils durch Goldabfluß und teils durch Bankrotte, kein zuschüssiges Geld für die Funktion als Weltgeld erheischt ist; daß endlich der Umfang des Geschäfts des Wechseldiskontierens mit der Zahl und den Beträgen dieser Wechsel selbst abnimmt -, alles dies ist augenscheinlich. Die Nachfrage nach leihbarem Geldkapital, sei es für Zirkulationsmittel, sei es für Zahlungsmittel (von neuer Kapitalanlage ist noch keine Rede), nimmt daher ab, und es wird damit relativ reichlich. Aber auch das Angebot des leihbaren Geldkapitals nimmt unter solchen Umständen positiv zu, wie sich später zeigen wird.
So herrschte nach der Krise von 1847 "eine Einschränkung der Umsätze und ein großer Überfluß an Geld". ("Comm. Distress", 1847/48, Evid. Nr. 1664.) Der Zinsfuß war sehr niedrig wegen "fast vollständiger Vernichtung des Handels und fast gänzlicher Abwesenheit der Möglichkeit, Geld anzulegen". (l.c.p. 45. Aussage von Hodgson, Direktor der Royal Bank of Liverpool.) Welchen Unsinn diese Herren (und Hodgson ist noch einer der Besten) zusammenfabeln, um sich dies zu erklären, kann man aus folgender Phrase sehn:
"Die Klemme" (1847) "entsprang aus einer wirklichen Verminderung des Geldkapitals im Lande, verursacht teils durch die Notwendigkeit, die Einfuhren aus allen Weltgegenden in Gold zu bezahlen, und teils durch die Verwandlung von Zirkulationskapital (floating capital) in fixes."
Wie die Verwandlung von Zirkulationskapital in fixes das Geldkapital des Landes vermindern soll, ist nicht abzusehn, da z.B. bei Eisenbahnen, worin hauptsächlich damals Kapital festgelegt worden, kein Gold oder Papier zu Viadukten und Schienen verbraucht wird und das Geld für die Eisenbahnaktien, soweit es bloß für Einzahlungen deponiert, ganz wie alles andre bei den Banken deponierte Geld fungierte und selbst, wie schon oben gezeigt, momentan das leihbare Geldkapital vermehrte; soweit es aber wirklich im Bau verausgabt, roulierte es als Kauf- und Zahlungsmittel im Lande. Nur soweit fixes Kapital kein exportierbarer Artikel ist, also mit der Unmöglichkeit der Ausfuhr auch das disponible Kapital wegfällt, das durch Retouren für ausgeführte Artikel beschafft wird, also auch die Retouren in bar oder Barren, nur soweit könnte das Geldkapital affiziert werden. Aber auch englische Exportartikel lagerten damals massenweise unverkäuflich auf den auswärtigen Märkten. Für die Kaufleute und Fabrikanten in Manchester usw., die einen Teil ihres normalen Geschäftskapitals in Eisenbahnaktien festgeritten und zur Führung ihres Geschäfts daher von Borgkapital abhingen, hatte sich in der Tat ihr floating capital fixiert, und dafür mußten sie die Folgen tragen. Es wäre aber dasselbe gewesen, wenn sie das ihrem Geschäft gehörige, aber entzogne Kapital statt in Eisenbahnen z.B. in Bergwerken angelegt gehabt hätten, deren Produkt selbst wieder floating capital ist, Eisen, Kohle, Kupfer etc. - Die wirkliche Verminderung des disponiblen Geldkapitals durch Mißernte, Korneinfuhr und Goldausfuhr war natürlich ein Ereignis, das mit dem Eisenbahnschwindel nichts zu tun hatte.
"Fast alle kaufmännischen Häuser hatten angefangen, ihr Geschäft mehr oder weniger auszuhungern, um das Geld in Eisenbahnen anzulegen." - "Die so ausgedehnten Vorschüsse, die an Eisenbahnen von Handelshäusern gemacht wurden, verleiteten diese, sich viel zu sehr durch Wechseldiskonto auf die Banken zu stützen und dadurch ihre Handelsgeschäfte weiterzuführen." (Derselbe Hodgson, l.c.p. 67.) "In Manchester fanden immense Verluste statt durch die Spekulation in Eisenbahnen." (Der in Buch I, Kap. XIII, 3, c, und sonst mehrfach angeführte R. Gardner, Aussagenummer 4884, l.c.)
Eine Hauptursache der Krisis von 1847 war die kolossale Marktüberführung und der grenzenlose Schwindel im ostindischen Warengeschäft. Aber auch andre Umstände brachten sehr reiche Häuser dieses Zweigs zu Fall:
"Sie hatten reichliche Mittel, aber sie waren nicht flüssig zu machen. Ihr ganzes Kapital lag fest in Grundbesitz in Mauritius oder Indigo und Zuckerfabriken. Wenn sie dann Verpflichtungen bis zu 500.000-600.000 Pfd. St. eingegangen waren, hatten sie keine flüssigen Mittel, ihre Wechsel zu zahlen, und schließlich stellte sich heraus, daß, um ihre Wechsel zu zahlen, sie sich gänzlich auf ihren Kredit verlassen mußten." (Ch. Turner, großer ostindischer Kaufmann in Liverpool, Nr. 730, l.c.)
Ferner Gardner (Nr. 4872, l.c.):
"Gleich nach dem chinesischen Vertrag wurden dem Lande so große Aussichten gemacht auf eine gewaltige Ausdehnung unsers Handels mit China, daß viele große Fabriken expreß für dies Geschäft gebaut wurden, um die im chinesischen Markt hauptsächlich gangbaren Baumwollengewebe anzufertigen, und diese kamen zu allen unsern schon bestehenden Fabriken hinzu." - 4874. "Wie ist dieses Geschäft abgelaufen? - Höchst ruinierend, so daß es fast jeder Beschreibung spottet; ich glaube nicht, daß von den sämtlichen Verschiffungen von 1844 und 1845 nach China mehr als 2/3 des Betrags je zurückgekommen sind; weil Tee der Hauptartikel des Rückexports ist und weil man uns so große Erwartungen gemacht hatte, rechneten wir Fabrikanten mit Sicherheit auf eine große Herabsetzung des Teezolls."
Und nun kommt, naiv ausgedrückt, das charakteristische Credo des englischen Fabrikanten:
"Unser Handel mit einem auswärtigen Markt ist nicht beschränkt durch dessen Fähigkeit, die Waren zu kaufen, aber er ist beschränkt hier im Lande durch unsre Fähigkeit, die Produkte zu konsumieren, die wir als Retouren für unsre Industrieerzeugnisse erhalten."
(Die relativ armen Länder, womit England handelt, können natürlich jeden nur möglichen Belauf englischer Fabrikate zahlen und konsumieren, leider aber kann das reiche England die Retourprodukte nicht verdauen.)
- "Ich schickte anfangs einige Waren hinaus, und diese wurden zu etwa 15% Verlust verkauft, in der vollen Überzeugung, daß der Preis, zu dem meine Agenten Tee kaufen konnten, beim Wiederverkauf hier einen so großen Profit ergeben würde, daß dieser Verlust gedeckt wäre; aber statt Profit zu machen, verlor ich manchmal 25 und bis zu 50%." - 4877. "Exportierten die Fabrikanten für eigne Rechnung? - Hauptsächlich; die Kaufleute, scheint es, sahn sehr bald, daß nichts bei der Sache herauskam, und sie ermunterten die Fabrikanten mehr zu Konsignationen, als daß sie sich selbst dabei beteiligten."
1857 dagegen fielen Verluste und Bankrotte vorzugsweise auf die Kaufleute, da diesmal die Fabrikanten ihnen die Überführung der fremden Märkte "auf eigne Rechnung" überließen.
Eine Expansion des Geldkapitals, die daraus entsteht, daß infolge der Ausbreitung des Bankwesens (siehe das Beispiel von Ipswich weiter unten, wo im Lauf weniger Jahre unmittelbar vor 1857 die Depositen der Pächter sich vervierfachten) das, was früher Privatschatz oder Münzreserve war, sich für bestimmte Zeit immer in leihbares Kapital verwandelt, drückt ebensowenig ein Wachsen des produktiven Kapitals aus wie die wachsenden Depositen bei den Londoner Aktienbanken, sobald diese anfingen, Zinsen auf Depositen zu zahlen. Solange die Produktionsleiter dieselbe bleibt, bewirkt diese Expansion nur Reichlichkeit des leihbaren Geldkapitals gegenüber dem produktiven. Daher niedriger Zinsfuß.
Hat der Reproduktionsprozeß wieder den Stand der Blüte erreicht, der dem der Überanspannung vorhergeht, so erreicht der kommerzielle Kredit eine sehr große Ausdehnung, die dann in der Tat wieder die "gesunde" Basis leicht eingehender Rückflüsse und ausgedehnter Produktion hat. In diesem Zustand ist der Zinsfuß immer noch niedrig, wenn er auch über sein Minimum steigt. Es ist dies in der Tat der einzige Zeitpunkt, wo gesagt werden kann, daß niedriger Zinsfuß, und daher relative Reichlichkeit des verleihbaren Kapitals, zusammenfällt mit wirklicher Ausdehnung des industriellen Kapitals. Die Leichtigkeit und Regelmäßigkeit der Rückflüsse, verknüpft mit einem ausgedehnten kommerziellen Kredit, sichert das Angebot von Leihkapital trotz der gesteigerten Nachfrage und verhindert das Niveau des Zinsfußes zu steigen. Andrerseits kommen jetzt erst in merklichem Grad die Ritter herein, die ohne Reservekapital oder überhaupt ohne Kapital arbeiten und daher ganz auf den Geldkredit hin operieren. Es kommt jetzt auch hinzu die große Ausdehnung des fixen Kapitals in allen Formen und die massenhafte Eröffnung neuer weitreichender Unternehmungen. Der Zins steigt jetzt auf seine Durchschnittshöhe. Sein Maximum erreicht er wieder, sobald die neue Krisis hereinbricht, der Kredit plötzlich aufhört, die Zahlungen stocken, der Reproduktionsprozeß gelähmt wird und, mit früher erwähnten Ausnahmen, neben fast absolutem Mangel von Leihkapital, Überfluß von unbeschäftigtem industriellem Kapital eintritt.
Im ganzen also verläuft die Bewegung des Leihkapitals, wie sie sich im Zinsfuß ausdrückt, in umgekehrter Richtung zu der des industriellen Kapitals. Die Phase, wo der niedrige, aber über dem Minimum stehende Zinsfuß mit der "Besserung" und dem wachsenden Vertrauen nach der Krise zusammenfällt, und besonders die Phase, wo er seine Durchschnittshöhe erreicht, die Mitte, gleichweit entfernt von seinem Minimum und Maximum, nur diese beiden Momente drücken das Zusammenfallen von reichlichem Leihkapital mit großer Expansion des industriellen Kapitals aus. Aber am Anfang des industriellen Zyklus ist der niedrige Zinsfuß zusammenfallend mit Kontraktion und am Ende des Zyklus der hohe Zinsfuß mit Überreichlichkeit von industriellem Kapital. Der niedrige Zinsfuß, der die "Besserung" begleitet, drückt aus, daß der kommerzielle Kredit nur in geringem Maß des Bankkredits bedarf, indem er noch auf seinen eignen Füßen steht.
Es verhält sich mit diesem industriellen Zyklus so, daß derselbe Kreislauf, nachdem der erste Anstoß einmal gegeben, sich periodisch reproduzieren muß.46 Im Zustand der Abspannung sinkt die Produktion unter die Stufe, die sie im vorigen Zyklus erreicht und wofür jetzt die technische Basis gelegt ist. In der Prosperität - der Mittelperiode - entwickelt sie sich weiter auf dieser Basis. In der Periode der Überproduktion und des Schwindels spannt sie die Produktivkräfte aufs höchste an, bis hinaus über die kapitalistischen Schranken des Produktionsprozesses.
Daß es in der Periode der Krise an Zahlungsmitteln fehlt, ist selbsteinleuchtend. Die Konvertibilität der Wechsel hat sich substituiert der Metamorphose der Waren selbst, und grade zu solcher Zeit um so mehr, je mehr ein Teil der Geschäftshäuser bloß auf Kredit arbeitet. Unwissende und verkehrte Bankgesetzgebung, wie die von 1844/45, kann diese Geldkrise erschweren. Aber keine Art Bankgesetzgebung kann die Krise beseitigen.
In einem Produktionssystem, wo der ganze Zusammenhang des Reproduktionsprozesses auf dem Kredit beruht, wenn da der Kredit plötzlich aufhört und nur noch bare Zahlung gilt, muß augenscheinlich eine Krise eintreten, ein gewaltsamer Andrang nach Zahlungsmitteln. Auf den ersten Blick stellt sich daher die ganze Krise nur als Kreditkrise und Geldkrise dar. Und in der Tat handelt es sich nur um die Konvertibilität der Wechsel in Geld. Aber diese Wechsel repräsentieren der Mehrzahl nach wirkliche Käufe und Verkäufe, deren das gesellschaftliche Bedürfnis weit überschreitende Ausdehnung schließlich der ganzen Krisis zugrunde liegt. Daneben aber stellt auch eine ungeheure Masse dieser Wechsel bloße Schwindelgeschäfte vor, die jetzt ans Tageslicht kommen und platzen; ferner mit fremdem Kapital getriebne, aber verunglückte Spekulationen; endlich Warenkapitale, die entwertet oder gar unverkäuflich sind, oder Rückflüsse, die nie mehr einkommen können. Das ganze künstliche System gewaltsamer Ausdehnung des Reproduktionsprozesses kann natürlich nicht dadurch kuriert werden, daß nun etwa eine Bank, z.B. die Bank von England, in ihrem Papier allen Schwindlern das fehlende Kapital gibt und die sämtlichen entwerteten Waren zu ihren alten Nominalwerten kauft. Übrigens erscheint hier alles verdreht, da in dieser papiernen Welt nirgendswo der reale Preis und seine realen Momente erscheinen, sondern nur Barren, Hartgeld, Noten, Wechsel, Wertpapiere. Namentlich in den Zentren, wo das ganze Geldgeschäft des Landes zusammengedrängt, wie London, erscheint diese Verkehrung; der ganze Vorgang wird unbegreiflich; weniger schon in den Zentren der Produktion.
Übrigens ist mit Bezug auf die in den Krisen zutage tretende Überreichlichkeit des industriellen Kapitals zu bemerken: Das Warenkapital ist an sich zugleich Geldkapital, d.h. bestimmte Wertsumme, ausgedrückt im Preis der Ware. Als Gebrauchswert ist es bestimmtes Quantum bestimmter Gebrauchsgegenstände, und dies ist im Moment der Krise im Überfluß vorhanden. Aber als Geldkapital an sich, als potentielles Geldkapital, ist es beständiger Expansion und Kontraktion unterworfen. Am Vorabend der Krise und innerhalb derselben ist das Warenkapital in seiner Eigenschaft als potentielles Geldkapital kontrahiert. Es stellt für seinen Besitzer und dessen Gläubiger (wie auch als Sicherheit für Wechsel und Anleihen) weniger Geldkapital vor, als zur Zeit, wo es eingekauft und wo die auf es begründeten Diskontierungen und Pfandgeschäfte abgeschlossen wurden. Soll dies der Sinn der Behauptung sein, daß das Geldkapital eines Landes in Zeiten der Klemme vermindert ist, so ist dies identisch damit, daß die Preise der Waren gefallen sind. Ein solcher Zusammenbruch der Preise gleicht übrigens nur ihre frühere Aufblähung aus.
Die Einnahmen der unproduktiven Klassen und derer, die von festem Einkommen leben, bleiben zum größten Teil stationär während der Preisaufblähung, die mit der Überproduktion und Überspekulation Hand in Hand geht. Ihre Konsumtionsfähigkeit vermindert sich daher relativ und damit ihre Fähigkeit, den Teil der Gesamtreproduktion zu ersetzen, der normaliter in ihre Konsumtion eingehn müßte. Selbst wenn ihre Nachfrage nominell dieselbe bleibt, nimmt sie in Wirklichkeit ab.
Mit Bezug auf Einfuhr und Ausfuhr ist zu bemerken, daß der Reihe nach alle Länder in die Krisis verwickelt werden und daß es sich dann zeigt, daß sie alle, mit wenigen Ausnahmen, zuviel exportiert und importiert haben, also die Zahlungsbilanz gegen alle ist, die Sache also in der Tat nicht an der Zahlungsbilanz liegt. Z.B. England laboriert an Goldabfluß. Es hat überimportiert. Aber zugleich sind alle andren Länder mit englischen Waren überladen. Sie haben also auch überimportiert oder sind überimportiert worden. (Allerdings tritt ein Unterschied ein zwischen dem Land, das auf Kredit exportiert, und denen, die nicht oder nur wenig gegen Kredit exportieren. Die letzteren importieren dann aber auf Kredit; und dies ist nur dann nicht der Fall, wenn die Ware dorthin auf Konsignation geschickt wird.) Die Krise mag zuerst in England ausbrechen, in dem Lande, das den meisten Kredit gibt und den wenigsten nimmt, weil die Zahlungsbilanz, die Bilanz der fälligen Zahlungen, die sofort liquidiert werden muß, gegen es, obgleich die allgemeine Handelsbilanz für es ist. Dies letztere erklärt sich teils aus dem von ihm gegebnen Kredit, teils aus der Masse ans Ausland verliehner Kapitale, so daß eine Masse Rückflüsse in Waren, außer den eigentlichen Handelsretouren, ihm zuströmen. (Die Krise brach aber zuweilen auch zuerst in Amerika aus, dem Lande, das den meisten Handels- und Kapitalkredit von England nimmt.) Der Krach in England, eingeleitet und begleitet von Goldabfluß, saldiert Englands Zahlungsbilanz, teils durch den Bankrott seiner Importeurs (worüber weiter unten), teils durch Wegtreiben eines Teils seines Warenkapitals zu wohlfeilen Preisen ins Ausland, teils durch Verkauf fremder Wertpapiere, Ankauf von englischen etc. Nun kommt die Reihe an ein andres Land. Die Zahlungsbilanz war momentan für es; aber jetzt ist der in normalen Zeiten geltende Termin zwischen Zahlungsbilanz und Handelsbilanz weggefallen oder doch verkürzt durch die Krise; alle Zahlungen sollen auf einmal erledigt werden. Dieselbe Sache wiederholt sich nun hier. England hat jetzt Goldrückfluß, das andre Land Goldabfluß. Was in dem einen Land als Übereinfuhr, erscheint in dem andren als Überausfuhr und umgekehrt. Es hat aber Übereinfuhr und Überausfuhr in allen Ländern stattgefunden (wir sprechen hier nicht von Mißernten etc., sondern von allgemeiner Krise); d.h. Überproduktion, befördert durch den Kredit und die ihn begleitende allgemeine Aufblähung der Preise.
1857 brach die Krisis in den Vereinigten Staaten aus. Es erfolgte Goldabfluß aus England nach Amerika. Aber sobald die Aufblähung in Amerika geplatzt, erfolgte Krise in England und Goldabfluß von Amerika nach England. Ebenso zwischen England und dem Kontinent. Die Zahlungsbilanz ist in Zeiten der allgemeinen Krise gegen jede Nation, wenigstens gegen jede kommerziell entwickelte Nation, aber stets bei einer nach der andern, wie in einem Rottenfeuer, sobald die Reihe der Zahlung an sie kommt; und die einmal, z.B. in England, ausgebrochne Krise drängt die Reihe dieser Termine in eine ganz kurze Periode zusammen. Es zeigt sich dann, daß alle diese Nationen gleichzeitig überexportiert (also überproduziert) und überimportiert (also überhandelt) haben, daß in allen die Preise aufgetrieben waren und der Kredit überspannt. Und bei allen folgt derselbe Zusammenbruch. Die Erscheinung des Goldabflusses kommt dann an alle der Reihe nach und zeigt eben durch ihre Allgemeinheit 1., daß der Goldabfluß bloßes Phänomen der Krise, nicht ihr Grund ist; 2., daß die Reihenfolge, worin er bei den verschiednen Nationen eintritt, nur anzeigt, wann die Reihe an sie gekommen, ihre Rechnung mit dem Himmel zu schließen, wann der Termin der Krise bei ihnen eingetreten und die latenten Elemente derselben bei ihnen zum Ausbruch kommen.
Es ist charakteristisch für die englischen ökonomischen Schriftsteller - und die erwähnenswerte ökonomische Literatur seit 1830 löst sich hauptsächlich auf in Literatur über currency, Kredit, Krisen -, daß sie den Export von Edelmetall, trotz der Wendung der Wechselkurse, in Zeiten der Krise bloß vom Standpunkt von England aus betrachten, als ein rein nationales Phänomen, und ihre Augen resolut gegen die Tatsache verschließen, daß, wenn ihre Bank in Zeiten der Krise den Zinsfuß erhöht, alle andern europäischen Banken dasselbe tun, und daß, wenn heute bei ihnen der Notschrei wegen des Goldabflusses ertönt, er morgen in Amerika, übermorgen in Deutschland und Frankreich erschallt.
1847 "war den auf England laufenden Verpflichtungen" (zum sehr großen Teil für Korn) "nachzukommen. Unglücklicherweise kam man ihnen großenteils nach durch Bankrotte." (Das reiche England verschaffte sich Luft durch Bankrott gegenüber dem Kontinent und Amerika.) "Aber soweit man sie nicht durch Bankrott erledigte, kam man ihnen nach durch Ausfuhr von Edelmetallen." ("Report of Committee on Bank Acts", 1857.)
Soweit also die Krise in England verschärft wird durch die Bankgesetzgebung, ist diese Gesetzgebung ein Mittel, um in Zeiten der Hungersnot die kornausführenden Nationen zu prellen, erst um ihr Korn und dann um das Geld für ihr Korn. Ein Verbot der Kornausfuhr in solchen Zeiten für Länder, die selbst mehr oder weniger an Teuerung laborieren, ist also ein sehr rationelles Mittel gegen diesen Plan der Bank von England, "Verpflichtungen nachzukommen" für Korneinfuhr "durch Bankrotte". Es ist dann viel besser, daß die Kornproduzenten und Spekulanten einen Teil ihres Profits zum Besten des Landes verlieren, als ihr Kapital zum Besten Englands.
Aus dem Gesagten ergibt sich, daß das Warenkapital seine Eigenschaft, potentielles Geldkapital darzustellen, in der Krise und überhaupt in Geschäftsstockungen in großem Maß verliert. Dasselbe gilt von dem fiktiven Kapital, den zinstragenden Papieren, soweit diese selbst als Geldkapitale auf der Börse zirkulieren. Mit dem steigenden Zins fällt ihr Preis. Er fällt ferner durch den allgemeinen Kreditmangel, der ihre Eigner zwingt, sie massenweis auf dem Markt loszuschlagen, um sich Geld zu verschaffen. Er fällt endlich bei Aktien, teils infolge der Abnahme der Revenuen, worauf sie Anweisungen sind, teils infolge des Schwindelcharakters der Unternehmungen, die sie oft genug repräsentieren. Dies fiktive Geldkapital ist in Krisen enorm vermindert und damit die Macht seiner Eigner, Geld darauf im Markt aufzunehmen. Die Verminderung der Geldnamen dieser Wertpapiere im Kurszettel hat jedoch nichts zu tun mit dem wirklichen Kapital, das sie vorstellen, dagegen sehr viel mit der Zahlungsfähigkeit seiner Eigner.
Einunddreißigstes Kapitel. Geldkapital und wirkliches Kapital. II (Fortsetzung)
Wir sind noch immer nicht zu Ende mit der Frage, wieweit die Akkumulation des Kapitals in Form von leihbarem Geldkapital zusammenfällt mit der wirklichen Akkumulation, der Erweiterung des Reproduktionsprozesses.
Die Verwandlung von Geld in leihbares Geldkapital ist eine viel einfachere Geschichte als die Verwandlung von Geld in produktives Kapital. Aber wir haben hier zweierlei zu unterscheiden:
die bloße Verwandlung von Geld in Leihkapital;
die Verwandlung von Kapital oder Revenue in Geld, das in Leihkapital verwandelt wird.
Es ist bloß der letztere Punkt, der eine, mit der wirklichen Akkumulation des industriellen Kapitals zusammenhängende, positive Akkumulation des Leihkapitals einschließen kann.
1. Verwandlung von Geld in Leihkapital
Wir haben bereits gesehn, daß eine Anhäufung, eine Überreichlichkeit von Leihkapital stattfinden kann, die nur insofern mit der produktiven Akkumulation zusammenhängt, als sie im umgekehrten Verhältnis dazu steht. Dies ist in zwei Phasen des industriellen Zyklus der Fall, nämlich erstens zur Zeit, wo das industrielle Kapital, in den beiden Formen des produktiven und des Warenkapitals, kontrahiert ist, also am Beginn des Zyklus nach der Krise; und zweitens zur Zeit, wo die Besserung beginnt, aber der kommerzielle Kredit den Bankkredit noch wenig in Anspruch nimmt. Im ersten Fall erscheint das Geldkapital, das früher in Produktion und Handel angewandt war, als unbeschäftigtes Leihkapital; im zweiten Fall erscheint es in steigendem Maß angewandt, aber zu sehr niedrigem Zinsfuß, weil jetzt der industrielle und kommerzielle Kapitalist dem Geldkapitalisten die Bedingungen vorschreibt. Der Überfluß an Leihkapital drückt im ersten Fall eine Stagnation des industriellen Kapitals aus und im zweiten relative Unabhängigkeit des kommerziellen Kredits vom Bankkredit, beruhend auf Flüssigkeit des Rückstroms, kurzen Kreditterminen und vorwiegendem Arbeiten mit eignem Kapital. Die Spekulanten, die auf fremdes Kreditkapital rechnen, sind noch nicht ins Feld gerückt; die Leute, die mit eignem Kapital arbeiten, sind noch weit entfernt von annähernd reinen Kreditoperationen. In der ersteren Phase ist der Überfluß an Leihkapital das gerade Gegenteil vom Ausdruck der wirklichen Akkumulation. In der zweiten Phase fällt er zusammen mit erneuter Expansion des Reproduktionsprozesses, begleitet sie, ist aber nicht Ursache davon. Der Überfluß an Leihkapital nimmt schon ab, ist nur noch relativ im Verhältnis zur Nachfrage. In beiden Fällen wird die Ausdehnung des wirklichen Akkumulationsprozesses dadurch gefördert, weil der niedrige Zins, der im ersten Fall mit niedrigen Preisen, im zweiten mit langsam steigenden Preisen zusammenfällt, den Teil des Profits vergrößert, der sich in Unternehmergewinn verwandelt. Noch mehr findet dies statt beim Steigen des Zinses auf seinen Durchschnitt während der Höhe der Prosperitätszeit, wo er zwar gewachsen ist, aber nicht im Verhältnis zum Profit.
Wir haben andrerseits gesehn, daß eine Akkumulation des Leihkapitals stattfinden kann, ohne alle wirkliche Akkumulation, durch bloß technische Mittel, wie Ausdehnung und Konzentration des Bankwesens, Ersparung der Zirkulationsreserve oder auch der Reservefonds von Zahlungsmitteln der Privaten, die dadurch immer für kurze Zeiten in Leihkapital verwandelt werden. Obgleich dies Leihkapital, was daher auch schwebendes Kapital (floating capital) genannt wird, stets nur für kurze Perioden die Form von Leihkapital behält (wie ja auch nur für kurze Perioden diskontiert werden soll), so fließt es beständig zu und ab. Zieht der eine es weg, so bringt der andre es hin. Die Masse des leihbaren Geldkapitals (wir sprechen hier überhaupt nicht von Anleihen auf Jahre, sondern nur von kurzlebigen gegen Wechsel und Depot) wächst so in der Tat ganz unabhängig von der wirklichen Akkumulation.
B.C. 1857, Frage 501. "Was verstehn Sie unter floating capital?" (Herr Weguelin, Gouverneur der Bank von England:) "Es ist Kapital, verwendbar für Geldanleihen auf kurze Zeit ... (502). Noten der Bank von England ... der Provinzialbanken, und der Betrag des im Land vorhandnen Geldes." {Frage:} "Es scheint nicht, nach den dem Ausschuß vorliegenden Ausweisen, daß, wenn Sie unter floating capital die aktive Zirkulation" {nämlich der Noten der Bank von England} "verstehn, in dieser aktiven Zirkulation irgendwelche sehr bedeutende Schwankung vorkommt?" (Es ist aber ein sehr großer Unterschied, durch wen die aktive Zirkulation vorgeschossen ist, ob durch den Geldverleiher oder durch den reproduktiven Kapitalisten selbst. - Antwort Weguelins:) "Ich schließe in das floating capital die Reserven der Bankiers ein, in denen bedeutende Schwankung ist."
D.h. also, bedeutende Schwankung findet statt in dem Teil der Depositen, den die Bankiers nicht wieder verliehen haben, sondern der als ihre Reserve, großenteils aber auch als die Reserve der Bank von England figuriert, bei der sie deponiert sind. Zuletzt sagt derselbe Herr: floating capital sei - bullion, d.h. Barren und Hartgeld. (503.) Es ist überhaupt wundervoll, wie in diesem Kreditkauderwelsch des Geldmarkts alle Kategorien der politischen Ökonomie einen andern Sinn und eine andre Form erhalten. Floating capital ist dort der Ausdruck für circulating capital, was natürlich etwas ganz andres ist, und money ist capital, und bullion ist capital, und Banknoten sind circulation, und Kapital ist a commodity, und Schulden sind commodities, und fixed capital ist Geld, das in schwer verkäuflichen Papieren angelegt ist!
"Die Aktienbanken von London ... haben ihre Depositen vermehrt von 8.850.774 Pfd.St. in 1847 auf 43.100.724 Pfd.St. in 1857 ... Die dem Ausschuß vorgelegten Nachweise und Aussagen lassen schließen, daß von diesem ungeheuren Betrage ein großer Teil aus Quellen abgeleitet ist, die früher für diesen Zweck nicht benutzbar waren; und daß die Gewohnheit, eine Rechnung beim Bankier zu eröffnen und Geld bei ihm zu deponieren, sich ausgedehnt hat auf zahlreiche Quellen, die früher für diesen Zweck nicht benutzbar waren; und daß die Gewohnheit, Rechnung beim Bankier zu eröffnen und Geld bei ihm zu deponieren, sich ausgebreitet hat auf zahlreiche Klassen, die früher ihr Kapital (!) nicht in dieser Weise anlegten. Herr Rodwell, Präsident der Assoziation der Provinzial-Privatbanken" {im Unterschied von Aktienbanken} "und delegiert von ihr, um vor dem Ausschuß auszusagen, gibt an, daß in der Gegend von Ipswich diese Gewohnheit neuerdings sich ums Vierfache vermehrt hat unter den Pächtern und Kleinhändlern jenes Bezirkes; daß fast alle Pächter, selbst die nur 50 Pfd.St. jährliche Pacht zahlen, jetzt bei Banken Depositen halten. Die Masse dieser Depositen findet natürlich ihren Weg zur Verwendung im Geschäft und gravitiert namentlich nach London, dem Zentrum der kommerziellen Tätigkeit, wo sie zunächst Verwendung findet im Wechseldiskonto und in andren Vorschüssen an die Kunden der Londoner Bankiers. Ein großer Teil jedoch, wofür die Bankiers selbst keine unmittelbare Nachfrage haben, geht in die Hände der bill-brokers, die den Bankiers dagegen Handelswechsel geben, welche sie schon einmal für Leute in London und in den Provinzen diskontiert haben." (B.C. 1858, p. 8.)
Indem der Bankier auf die Wechsel, die der bill-broker bereits einmal diskontiert hat, diesem bill-broker Vorschüsse macht, rediskontiert er sie tatsächlich noch einmal; aber in Wirklichkeit sind sehr viele dieser Wechsel bereits vom bill-broker rediskontiert worden, und mit demselben Geld, womit der Bankier die Wechsel des bill-brokers rediskontiert, rediskontiert dieser neue Wechsel. Wozu dies führt:
"Ausgedehnte fiktive Kredite sind geschaffen worden durch Akkommodationswechsel und Blankokredite, was sehr erleichtert wurde durch das Verfahren der provinziellen Aktienbanken, die solche Wechsel diskontierten und sie dann bei bill-brokers im Londoner Markt rediskontieren ließen, und zwar allein auf den Kredit der Bank hin, ohne Rücksicht auf die sonstige Qualität der Wechsel." (l.c.)
Über dies Rediskontieren und über den Vorschub, die diese bloß technische Vermehrung des leihbaren Geldkapitals bei Kreditschwindeleien leistet, ist folgende Stelle aus dem "Economist" interessant:
"Während vieler Jahre akkumulierte sich das Kapital" (nämlich das leihbare Geldkapital) "in einigen Distrikten des Landes rascher, als es angewandt werden konnte, während in andren die Mittel seiner Anlage rascher wuchsen als das Kapital selbst. Während so die Bankiers in den Ackerbaudistrikten keine Gelegenheit fanden, ihre Depositen profitlich und sicher in ihrer eignen Gegend anzulegen, hatten diejenigen in den Industriebezirken und den Handelsstädten mehr Nachfrage nach Kapital, als sie liefern konnten. Die Wirkung dieser verschiednen Lagen in den verschiednen Distrikten hat in den letzten Jahren zur Entstehung und reißend schnellen Ausdehnung einer neuen, in der Verteilung des Kapitals beschäftigten Klasse von Häusern geführt, die, obgleich gewöhnlich bill-brokers genannt, in Wirklichkeit Bankiers auf dem allergrößten Maßstabe sind. Das Geschäft dieser Häuser ist, für bestimmt abgemachte Perioden und zu bestimmt abgemachten Zinsen das Surpluskapital zu übernehmen von den Banken der Distrikte, wo es nicht verwandt werden konnte, ebenso wie die zeitweis brachliegenden Mittel von Aktiengesellschaften und großen kaufmännischen Häusern, und dies Geld vorzuschießen, zu höherem Zinsfuß, an die Banken der Distrikte, wo Kapital mehr gefragt wird; in der Regel durch Rediskontieren der Wechsel von ihren Kunden... So wurde Lombardstreet das große Zentrum, wo die Übertragung von brachliegendem Kapital erfolgt von einem Teil des Landes, wo es nicht nützlich verwandt werden kann, zu einem andern, wo Nachfrage darnach; und dies sowohl für die verschiednen Landesteile, wie auch für ähnlich gestellte Individuen. Ursprünglich waren diese Geschäfte fast ausschließlich beschränkt auf Borgen und auf Leihen gegen bankmäßiges Unterpfand. Aber im Verhältnis, wie das Kapital des Landes rasch anwuchs und durch Errichtung von Banken immer mehr ökonomisiert wurde, wurden die Fonds zur Verfügung dieser Diskontohäuser so groß, daß sie dazu übergingen, Vorschüsse zu machen, zuerst auf dock warrants (Lagerscheine auf Waren in den Docks) und dann auch auf Ladescheine, die noch gar nicht angekommene Produkte repräsentierten, obgleich manchmal, wenn nicht regelmäßig, schon Wechsel darauf auf den Warenmakler gezogen waren. Diese Praxis änderte bald den ganzen Charakter des englischen Geschäfts. Die so in Lombardstreet gebotnen Erleichterungen gaben den Warenmaklern in Mincing Lane eine sehr verstärkte Stellung; diese gaben ihrerseits wieder den ganzen Vorteil den importierenden Kaufleuten; diese letzteren nahmen so sehr teil daran, daß, während 25 Jahre vorher Kreditnahme auf seine Ladescheine oder selbst seine dock warrants den Kredit eines Kaufmanns ruiniert hätte, in den letzten Jahren diese Praxis so allgemein wurde, daß man sie als die Regel betrachten kann, und nicht mehr, wie vor 25 Jahren, als seltne Ausnahme. Ja, dies System ist so weit ausgedehnt worden, daß große Summen in Lombardstreet aufgenommen worden sind auf Wechsel, gezogen gegen die noch wachsende Ernte entlegner Kolonien. Die Folge solcher Erleichterungen war, daß die Importkaufleute ihre auswärtigen Geschäfte erweiterten und ihr schwebendes (floating) Kapital, womit ihr Geschäft bisher geführt worden, festlegten in der verwerflichsten aller Anlagen, in Kolonialplantagen, worüber sie wenig oder gar keine Kontrolle ausüben konnten. So sehn wir die direkte Verkettung der Kredite. Das Kapital des Landes, das in unsern Ackerbaudistrikten angesammelt, wird in kleinen Beträgen als Depositen in Landbanken niedergelegt und zur Verwendung in Lombardstreet zentralisiert. Aber nutzbar gemacht worden ist es erstens zur Ausdehnung des Geschäfts in unsern Bergwerks- und Industriebezirken vermittelst Rediskontieren von Wechseln an dortige Banken; sodann aber auch zur Gewährung größrer Erleichterungen an Importeure auswärtiger Produkte durch Vorschüsse auf dock warrants und Ladescheine, wodurch das 'legitime' Kaufmannskapital von Häusern im auswärtigen und Kolonialgeschäft freigesetzt und so zu den verwerflichsten Anlagearten in überseeischen Plantagen verwandt werden konnte." ("Economist", 1847, p. 1334.)
Es ist dies die "schöne" Verschlingung der Kredite. Der ländliche Depositor bildet sich ein, nur bei seinem Bankier zu deponieren, und bildet sich ferner ein, daß, wenn der Bankier ausleiht, dies an diesem bekannte Privatpersonen geschieht. Er hat nicht die entfernteste Ahnung, daß dieser Bankier sein Depositum zur Verfügung eines Londoner bill-brokers stellt, über dessen Operationen sie beide nicht die geringste Kontrolle haben.
Wie große öffentliche Unternehmungen, z. B. Eisenbahnbau, momentan das Leihkapital vermehren können, indem die eingezahlten Beträge bis zu ihrer wirklichen Verwendung immer während einer gewissen Zeit in den Händen der Banken disponibel bleiben, haben wir bereits gesehn.
Die Masse des Leihkapitals ist übrigens durchaus verschieden von der Quantität der Zirkulation. Unter Quantität der Zirkulation verstehn wir hier die Summe aller in einem Lande befindlichen, zirkulierenden Banknoten und alles Hartgeldes, inkl. der Barren von Edelmetallen. Ein Teil dieser Quantität bildet die ihrer Größe nach stets wechselnde Reserve der Banken.
"Am 12. Nov. 1857" (dem Datum der Suspension des Bankakts von 1844) "betrug die Gesamtreserve der Bank von England, alle Zweigbanken einbegriffen, nur 580.751 Pfd.St.; die Summe der Depositen betrug gleichzeitig 22½ Millionen Pfd.St., wovon nahe an 6½ Millionen den Londoner Bankiers gehörten." (B.A. 1858, p. LVII.)
Die Variationen des Zinsfußes (abgesehn von den in längern Perioden erfolgenden oder von dem Unterschied des Zinsfußes in verschiednen Ländern; die erstern sind bedingt durch Variationen in der allgemeinen Profitrate, die zweiten durch Differenzen in den Profitraten und in der Entwicklung des Kredits) hängen ab vom Angebot des Leihkapitals (alle andern Umstände, Stand des Vertrauens etc. gleichgesetzt), d.h. des Kapitals, das in Form von Geld, Hartgeld und Noten, verliehen wird; im Unterschied zum industriellen Kapital, das als solches, in Warenform, vermittelst des kommerziellen Kredits, unter den reproduktiven Agenten selbst verliehen wird.
Aber dennoch ist die Masse dieses leihbaren Geldkapitals verschieden und unabhängig von der Masse des zirkulierenden Geldes.
Wenn 20 Pfd.St. z.B. fünfmal per Tag verliehen würden, so würde ein Geldkapital von 100 Pfd.St. verliehen, und dies würde zugleich einschließen, daß diese 20 Pfd.St. außerdem wenigstens viermal als Kauf- oder Zahlungsmittel fungiert hätten; denn wäre es ohne Vermittlung von Kauf und Zahlung, so daß es nicht wenigstens viermal die verwandelte Form von Kapital (Ware, darunter auch Arbeitskraft eingeschlossen) vorgestellt hätte, würde es nicht ein Kapital von 100 Pfd.St., sondern nur fünf Forderungen auf je 20 Pfd.St. konstituieren.
In Ländern von entwickeltem Kredit können wir annehmen, daß alles zur Verleihung disponible Geldkapital in der Form von Depositen bei Banken und Geldverleihern existiert. Dies gilt wenigstens für das Geschäft im ganzen und großen. Zudem wird in guten Geschäftszeiten, ehe die eigentliche Spekulation losgelassen wird, bei leichtem Kredit und wachsendem Vertrauen der größte Teil der Zirkulationsfunktionen durch einfache Kreditübertragung erledigt, ohne Dazwischenkunft von Metall- oder papiernem Geld.
Die bloße Möglichkeit großer Depositenbeträge, bei relativ geringem Quantum von Zirkulationsmitteln, hängt einzig ab:
von der Anzahl der Käufe und Zahlungen, die dasselbe Geldstück verrichtet;
der Anzahl seiner Rückwanderungen, worin es als Depositum zu den Banken zurückkehrt, so daß seine wiederholte Funktion als Kauf- und Zahlungsmittel vermittelt ist durch seine erneuerte Verwandlung in Depositum. Z.B. ein Kleinhändler deponiere wöchentlich beim Bankier 100 Pfd.St. in Geld; der Bankier zahlt damit einen Teil des Depositums des Fabrikanten aus; dieser zahlt es weg an die Arbeiter; diese zahlen damit beim Kleinhändler, der es aufs neue bei der Bank deponiert. Die vom Kleinhändler deponierten 100 Pfd.St. haben also gedient, erstens ein Depositum des Fabrikanten auszuzahlen, zweitens die Arbeiter zu zahlen, drittens den Kleinhändler selbst zu zahlen, viertens einen ferneren Teil des Geldkapitals desselben Kleinhändlers zu deponieren; denn am Schluß von 20 Wochen, wenn er selbst nicht gegen dies Geld zu ziehn hätte, hätte er so mit denselben 100 Pfd.St. 2.000 Pfd.St. beim Bankier deponiert.
Wie weit dies Geldkapital unbeschäftigt ist, zeigt sich nur im Ab- und Zufluß der Reservefonds der Banken. Daher schließt Herr Weguelin, 1857 Gouverneur der Bank von England, daß das Gold in der Bank von England das "einzige" Reservekapital ist:
- "Nach meiner Ansicht wird die Diskontrate tatsächlich bestimmt durch den Belauf des unbeschäftigten Kapitals, das im Land vorhanden ist. Der Betrag des unbeschäftigten Kapitals wird repräsentiert durch die Reserve der Bank von England, die tatsächlich eine Goldreserve ist. Wenn also das Gold abfließt, so vermindert dies den Betrag des unbeschäftigten Kapitals im Lande und steigert deshalb den Wert des noch übrigen Teils." - 1364. "Die Goldreserve der Bank von England ist in Wahrheit die Zentralreserve oder der Barschatz, auf Grundlage wovon das ganze Geschäft des Landes bewirkt wird ... Es ist dieser Schatz oder dies Reservoir, worauf die Wirkung der auswärtigen Wechselkurse immer fällt." ("Report on Bank Acts", 1857.)
Für die Akkumulation des wirklichen, d.h. produktiven und Warenkapitals gibt einen Maßstab die Statistik der Ausfuhr und Einfuhr. Und da zeigt sich stets, daß für die in zehnjährigen Zyklen sich bewegende Entwicklungsperiode der englischen Industrie (1815-1870) jedesmal das Maximum der letzten Prosperitätszeit vor der Krise als Minimum der nächstfolgenden Prosperitätszeit wieder erscheint, um dann zu einem weit höheren neuen Maximum zu steigen.
Der wirkliche oder deklarierte Wert der ausgeführten Produkte von Großbritannien und Irland im Prosperitätsjahr 1824 war 40.396.300 Pfd.St. Der Betrag der Ausfuhr fällt dann mit der Krisis von 1825 unter diese Summe und schwankt zwischen 35 und 39 Millionen jährlich. Mit der wiederkehrenden Prosperität 1834 steigt er über das frühere höchste Niveau auf 41.649.191 Pfd.St. und erreicht 1836 das neue Maximum von 53.368.571 Pfd.St. Mit 1837 fällt er wieder auf 42 Millionen, so daß das neue Minimum bereits höher steht als das alte Maximum, und schwankt dann zwischen 50 und 53 Millionen. Die Rückkehr der Prosperität hebt den Ausfuhrbetrag 1844 auf 58½ Millionen, wo das Maximum von 1836 schon wieder weit übertroffen ist. 1845 erreicht er 60.111.082 Pfd.St.; fällt dann auf über 57 Millionen 1846, 1847 beinahe 59 Millionen, 1848 beinahe 53 Millionen, steigt 1849 auf 63½ Millionen, 1853 beinahe 99 Millionen, 1854 97 Millionen, 1855 94½ Millionen, 1856 beinahe 116 Millionen und erreicht das Maximum 1857 mit 122 Millionen. Er fällt 1858 auf 116 Millionen, steigt aber schon 1859 auf 130 Millionen, 1860 beinahe 136 Millionen, 1861 nur 125 Millionen (hier wieder das neue Minimum höher als das frühere Maximum), 1863 146½ Millionen.
Dasselbe könnte natürlich auch nachgewiesen werden für die Einfuhr, die die Ausdehnung des Markts zeigt; hier haben wir es nur mit der Stufenleiter der Produktion zu tun. {Dies gilt für England selbstverständlich nur für die Zeit des tatsächlichen industriellen Monopols; es gilt aber überhaupt für die Gesamtheit der Länder mit moderner großer Industrie, solange der Weltmarkt sich noch expandiert. - F. E.}
2. Verwandlung von Kapital oder Revenue in Geld, das in Leihkapital verwandelt wird
Wir betrachten hier die Akkumulation des Geldkapitals, soweit sie nicht Ausdruck ist entweder einer Stockung im Fluß des kommerziellen Kredits oder aber einer Ökonomisierung, sei es des wirklich umlaufenden Mittels, sei es des Reservekapitals der in der Reproduktion beschäftigten Agenten.
Außer diesen beiden Fällen kann Akkumulation von Geldkapital entstehn durch außergewöhnlichen Goldzufluß, wie 1852 und 1853 infolge der australischen und kalifornischen neuen Goldminen. Solches Gold wurde in der Bank von England deponiert. Die Depositoren nahmen Noten dagegen, die sie nicht wieder direkt bei Bankiers deponierten. Dadurch wurde das zirkulierende Mittel außergewöhnlich vermehrt. (Aussage von Weguelin, B. C. 1857, Nr. 1329.) Die Bank suchte diese Depositen zu verwerten durch Erniedrigung des Diskontos auf 2%. Die in der Bank aufgehäufte Goldmasse stieg während sechs Monaten von 1853 auf 22-23 Mill.
Die Akkumulation aller Geld verleihenden Kapitalisten geschieht selbstredend stets unmittelbar in der Geldform, während wir gesehn haben, daß die wirkliche Akkumulation der industriellen Kapitalisten in der Regel durch Vermehrung der Elemente des reproduktiven Kapitals selbst sich vollzieht. Die Entwicklung des Kreditwesens und die ungeheure Konzentration des Geld verleihenden Geschäfts in den Händen großer Banken muß also an und für sich schon die Akkumulation des leihbaren Kapitals beschleunigen als eine von der wirklichen Akkumulation verschiedne Form. Diese rasche Entwicklung des Leihkapitals ist daher ein Resultat der wirklichen Akkumulation, denn sie ist die Folge der Entwicklung des Reproduktionsprozesses, und der Profit, der die Akkumulationsquelle dieser Geldkapitalisten bildet, ist nur ein Abzug von dem Mehrwert, den die Reproduktiven herausschlagen (zugleich Aneignung eines Teils des Zinses von fremden Ersparungen). Das Leihkapital akkumuliert auf Kosten zugleich der Industriellen und Kommerziellen. Wir haben gesehn, wie in den ungünstigen Phasen des industriellen Zyklus der Zinsfuß so hoch steigen kann, daß er für einzelne, besonders nachteilig gestellte Geschäftszweige den Profit zeitweilig ganz verschlingt. Gleichzeitig fallen die Preise der Staatseffekten und andren Wertpapiere. Dies ist der Moment, wo die Geldkapitalisten diese entwerteten Papiere massenhaft aufkaufen, die in den spätern Phasen bald wieder auf und über ihre normale Höhe steigen. Dann werden sie losgeschlagen und so ein Teil des Geldkapitals des Publikums angeeignet. Der Teil, der nicht losgeschlagen wird, wirft höhere Zinsen ab, weil unter dem Preis gekauft. Allen Profit aber, den die Geldkapitalisten machen und den sie in Kapital rückverwandeln, verwandeln sie zunächst in leihbares Geldkapital. Die Akkumulation des letzteren, als unterschieden von der wirklichen Akkumulation, obgleich deren Sprößling, folgt also schon, wenn wir nur die Geldkapitalisten, Bankiers etc. selbst betrachten, als Akkumulation dieser besonderen Klasse von Kapitalisten. Und sie muß wachsen mit jeder Ausdehnung des Kreditwesens, wie es die wirkliche Erweiterung des Reproduktionsprozesses begleitet.
Steht der Zinsfuß niedrig, so fällt diese Entwertung des Geldkapitals hauptsächlich auf die Depositoren, nicht auf die Banken. Vor der Entwicklung der Aktienbanken lagen in England ¾ aller Depositen bei den Banken unverzinst. Wo jetzt Zins dafür gezahlt wird, beträgt dieser mindestens 1% weniger als der Tageszinsfuß.
Was die Geldakkumulation der übrigen Klassen von Kapitalisten anbetrifft, so sehn wir ab von dem Teil, der in zinstragenden Papieren angelegt wird und in dieser Form akkumuliert. Wir betrachten bloß den Teil, der als leihbares Geldkapital auf den Markt geworfen wird.
Wir haben hier erstens den Teil des Profits, der nicht als Revenue verausgabt, sondern zur Akkumulation bestimmt wird, wofür aber die industriellen Kapitalisten zunächst keine Verwendung in ihrem eignen Geschäft haben. Unmittelbar existiert dieser Profit im Warenkapital, von dessen Wert er einen Teil ausmacht, und wird mit diesem in Geld realisiert. Wird er nun nicht (wir sehn zunächst vom Kaufmann ab, von dem wir besonders sprechen werden) rückverwandelt in die Produktionselemente des Warenkapitals, so muß es eine Zeitlang in Form des Geldes verharren. Diese Masse steigt mit der Masse des Kapitals selbst, auch bei abnehmender Profitrate. Der Teil, der als Revenue verausgabt werden soll, wird nach und nach verzehrt, bildet aber in der Zwischenzeit als Depositum Leihkapital beim Bankier. Also selbst das Wachsen des als Revenue verausgabten Teils des Profits drückt sich aus in einer allmählichen, sich beständig wiederholenden Akkumulation von Leihkapital. Und ebenso der andre Teil, der zur Akkumulation bestimmt ist. Mit Entwicklung des Kreditwesens und seiner Organisation drückt sich also selbst das Steigen der Revenue, d.h. der Konsumtion der industriellen und kommerziellen Kapitalisten aus als Akkumulation von Leihkapital. Und dies gilt von allen Revenuen, soweit sie nach und nach verzehrt werden, also von Grundrente, Arbeitslohn in seinen höhern Formen, Einnahme der unproduktiven Klassen etc. Sie alle nehmen für eine gewisse Zeit die Form der Geldrevenue an und sind daher verwandelbar in Depositen und damit in Leihkapital. Es gilt von aller Revenue, ob zur Konsumtion oder zur Akkumulation bestimmt, sobald sie in irgendwelcher Geldform existiert, daß sie ein in Geld verwandelter Wertteil des Warenkapitals ist und daher Ausdruck und Resultat der wirklichen Akkumulation, aber nicht das produktive Kapital selbst. Wenn ein Spinner sein Garn ausgetauscht hat gegen Baumwolle, den Teil aber, der Revenue bildet, gegen Geld, so ist das wirkliche Dasein seines industriellen Kapitals das Garn, das in die Hand des Webers oder auch etwa des Privatkonsumenten übergegangen, und zwar ist das Garn das Dasein - sei es für Reproduktion, sei es für Konsumtion - sowohl des Kapitalwerts wie des Mehrwerts, der in ihm steckt. Die Größe des in Geld verwandelten Mehrwerts hängt ab von der Größe des im Garn steckenden Mehrwerts. Sobald es aber in Geld verwandelt, ist dies Geld nur das Wertdasein dieses Mehrwerts. Und als solches wird es Moment des Leihkapitals. Dazu ist nichts nötig, als daß es sich in Depositum verwandelt, wenn nicht schon durch seinen Eigner selbst ausgeliehn. Um in produktives Kapital rückverwandelt zu werden, muß es dagegen schon eine bestimmte Minimalgrenze erreicht haben.
Zweiunddreißigstes Kapitel. Geldkapital und wirkliches Kapital. III (Schluß)
Die Masse des so in Kapital rückzuverwandelnden Geldes ist Resultat des massenhaften Reproduktionsprozesses, aber für sich betrachtet, als leihbares Geldkapital, ist sie nicht selbst Masse von reproduktivem Kapital.
Das Wichtigste von dem bisher Entwickelten ist, daß die Ausdehnung des Teils der Revenue, der zur Konsumtion bestimmt ist (wobei vom Arbeiter abgesehn wird, weil seine Revenue = dem variablen Kapital), zunächst als Akkumulation von Geldkapital sich darstellt. Es geht also ein Moment in die Akkumulation des Geldkapitals ein, das wesentlich verschieden ist von der wirklichen Akkumulation des industriellen Kapitals; denn der zur Konsumtion bestimmte Teil des jährlichen Produkts wird in keiner Weise Kapital. Ein Teil davon ersetzt Kapital, d.h. das konstante Kapital der Produzenten von Konsumtionsmitteln, aber, soweit er wirklich sich in Kapital verwandelt, existiert er in der Naturalform der Revenue der Produzenten dieses konstanten Kapitals. Dasselbe Geld, das die Revenue repräsentiert, das als bloßer Vermittler der Konsumtion dient, verwandelt sich regelmäßig für eine Zeitlang in leihbares Geldkapital. Soweit dies Geld Arbeitslohn darstellt, ist es zugleich die Geldform des variablen Kapitals; und soweit es das konstante Kapital der Produzenten von Konsumtionsmitteln ersetzt, ist es die Geldform, die ihr konstantes Kapital momentan annimmt, und dient zum Ankauf der Naturalelemente ihres zu ersetzenden konstanten Kapitals. Weder in der einen noch in der andern Form drückt es an sich Akkumulation aus, obgleich seine Masse wächst mit dem Umfang des Reproduktionsprozesses. Aber es verrichtet zeitweilig die Funktion von ausleihbarem Geld, also von Geldkapital. Nach dieser Seite hin muß also die Akkumulation des Geldkapitals immer eine größere Akkumulation von Kapital widerspiegeln, als wirklich vorhanden ist, indem die Ausdehnung der individuellen Konsumtion, weil vermittelt durch Geld, als Akkumulation von Geldkapital erscheint, weil sie die Geldform liefert für wirkliche Akkumulation, für Geld, das neue Kapitalanlagen eröffnet.
Die Akkumulation des leihbaren Geldkapitals drückt also zum Teil nichts aus als die Tatsache, daß alles Geld, worin das industrielle Kapital im Prozeß seines Kreislaufs sich verwandelt, die Form annimmt, nicht von Geld, das die Reproduktiven vorschießen, sondern von Geld, das sie borgen; so daß in der Tat der Vorschuß des Geldes, der im Reproduktionsprozeß geschehn muß, als Vorschuß von geliehenem Geld erscheint. In der Tat leiht auf Grundlage des kommerziellen Kredits der eine dem andern das Geld, das er im Reproduktionsprozeß braucht. Dies nimmt nun aber die Form an, daß der Bankier, dem ein Teil der Reproduktiven es leiht, es dem andern Teil der Reproduktiven leiht, wobei dann der Bankier als der Segenspender erscheint; und zugleich, daß die Verfügung über dies Kapital ganz in die Hände der Bankiers als Mittelspersonen gerät.
Es sind nun noch einige besondre Formen der Akkumulation von Geldkapital anzuführen. Es wird Kapital freigesetzt, z.B. durch Fall im Preis der Produktionselemente, Rohstoffe etc. Kann der Industrielle nicht unmittelbar seinen Reproduktionsprozeß ausdehnen, so wird ein Teil seines Geldkapitals als überschüssig aus dem Kreislauf abgestoßen und verwandelt sich in leihbares Geldkapital. Zweitens aber wird Kapital in Geldform freigesetzt, namentlich beim Kaufmann, sobald Unterbrechungen im Geschäft eintreten. Hat der Kaufmann eine Reihe von Geschäften erledigt und kann infolge solcher Unterbrechungen die neue Reihe erst später beginnen, so repräsentiert das realisierte Geld für ihn nur Schatz, überschüssiges Kapital. Aber zugleich stellt es unmittelbar Akkumulation von leihbarem Geldkapital dar. Im ersten Fall drückt die Akkumulation des Geldkapitals Wiederholung des Reproduktionsprozesses unter günstigern Bedingungen aus, wirkliches Freiwerden eines Teils des früher gebundnen Kapitals, also Befähigung zur Erweiterung des Reproduktionsprozesses mit denselben Geldmitteln. Im andern Fall dagegen bloße Unterbrechung des Flusses der Transaktionen. Aber in beiden Fällen verwandelt es sich in leihbares Geldkapital, stellt Akkumulation desselben dar, wirkt gleichmäßig auf Geldmarkt und Zinsfuß, obgleich es hier Beförderung, dort Hemmung des wirklichen Akkumulationsprozesses ausdrückt. Endlich wird Akkumulation von Geldkapital bewirkt durch die Anzahl von Leuten, die ihr Schäfchen ins trockne gebracht und die sich von der Reproduktion zurückziehn. Je mehr Profite im Lauf des industriellen Zyklus gemacht worden, desto größer ihre Anzahl. Hier drückt die Akkumulation des leihbaren Geldkapitals einerseits wirkliche Akkumulation aus (ihrem relativen Umfang nach); andrerseits bloß den Umfang der Verwandlung industrieller Kapitalisten in bloße Geldkapitalisten.
Was nun den andern Teil des Profits angeht, der nicht bestimmt ist, als Revenue konsumiert zu werden, so verwandelt er sich nur in Geldkapital, wenn nicht unmittelbar anwendbar zur Erweiterung des Geschäfts in der Produktionssphäre, worin er gemacht ist. Dies kann aus zwei Gründen herrühren. Entweder weil diese Sphäre mit Kapital gesättigt ist. Oder weil die Akkumulation, um als Kapital fungieren zu können, erst einen gewissen Umfang erreicht haben muß, je nach den Maßverhältnissen der Anlage von neuem Kapital in diesem bestimmten Geschäft. Sie verwandelt sich also zunächst in leihbares Geldkapital und dient zur Erweiterung der Produktion in andren Sphären. Alle andren Umstände als gleichbleibend angenommen, wird die Masse des zur Rückverwandlung in Kapital bestimmten Profits abhängen von der Masse des gemachten Profits und daher von der Ausdehnung des Reproduktionsprozesses selbst. Stößt aber diese neue Akkumulation in ihrer Anwendung auf Schwierigkeiten, auf Mangel an Anlagesphären, findet also Überfüllung der Produktionszweige und Überangebot von Leihkapital statt, so beweist diese Plethora des leihbaren Geldkapitals nichts als die Schranken der kapitalistischen Produktion. Der nachfolgende Kreditschwindel beweist, daß kein positives Hindernis der Anwendung dieses überflüssigen Kapitals besteht. Wohl aber ein Hindernis vermöge seiner Verwertungsgesetze, vermöge der Schranken, worin sich das Kapital als Kapital verwerten kann. Plethora von Geldkapital als solchem drückt nicht notwendig Überproduktion aus, noch auch nur Mangel an Verwendungssphären für Kapital.
Die Akkumulation des Leihkapitals besteht einfach darin, daß Geld sich als verleihbares Geld niederschlägt. Dieser Prozeß ist sehr verschieden von der wirklichen Verwandlung in Kapital; es ist nur die Akkumulation von Geld in einer Form, worin es in Kapital verwandelt werden kann. Diese Akkumulation kann aber, wie nachgewiesen, Momente ausdrücken, die von der wirklichen Akkumulation sehr verschieden sind. Bei beständiger Erweiterung der wirklichen Akkumulation kann diese erweiterte Akkumulation von Geldkapital teils ihr Resultat sein, teils das Resultat von Momenten, die sie begleiten, aber ganz von ihr verschieden sind, teils endlich auch das Resultat sogar von Stockungen der wirklichen Akkumulation. Schon weil die Akkumulation von Leihkapital angeschwellt wird durch solche, von der wirklichen Akkumulation unabhängige, aber dennoch sie begleitende Momente, muß in bestimmten Phasen des Zyklus beständig Plethora von Geldkapital stattfinden und diese Plethora mit der Ausbildung des Kredits sich entwickeln. Mit ihr muß sich also zugleich die Notwendigkeit entwickeln, den Produktionsprozeß über seine kapitalistischen Schranken hinauszutreiben: Überhandel, Überproduktion, Überkredit. Gleichzeitig muß dies stets in Formen geschehn, die einen Rückschlag hervorrufen.
Was die Akkumulation des Geldkapitals aus Grundrente, Arbeitslohn etc. angeht, so ist es überflüssig, hier darauf einzugehn. Nur dies Moment ist hervorzuheben, daß das Geschäft des wirklichen Sparens und Entsagens (durch Schatzbildner), soweit es Elemente der Akkumulation liefert, durch die Teilung der Arbeit im Fortschritt der kapitalistischen Produktion denen überlassen wird, die das Minimum solcher Elemente beziehn und oft genug noch ihr Erspartes verlieren, wie die Arbeiter bei Falliten von Banken. Einerseits wird das Kapital des industriellen Kapitalisten nicht von ihm selbst "erspart", sondern im Verhältnis zur Größe seines Kapitals verfügt er über fremde Ersparungen; andrerseits macht der Geldkapitalist die fremden Ersparungen zu seinem Kapital und den Kredit, den sich die reproduktiven Kapitalisten untereinander geben und den ihnen das Publikum gibt, zu seiner privaten Bereicherungsquelle. Die letzte Illusion des kapitalistischen Systems, als ob Kapital der Sprößling eigner Arbeit und Ersparung wäre, geht damit in die Brüche. Nicht nur besteht der Profit in Aneignung fremder Arbeit, sondern das Kapital, womit diese fremde Arbeit in Bewegung gesetzt und ausgebeutet wird, besteht aus fremdem Eigentum, das der Geldkapitalist dem industriellen Kapitalisten zur Verfügung stellt und wofür er diesen seinerseits exploitiert.
Es ist noch einiges über das Kreditkapital zu bemerken.
Wie oft dasselbe Geldstück als Leihkapital figurieren kann, hängt, wie schon oben entwickelt, ganz davon ab
wie oft es Warenwerte in Verkauf oder in Zahlung realisiert, also Kapital überträgt, und ferner davon, wie oft es Revenue realisiert. Wie oft es in andre Hand kommt als realisierter Wert, sei es von Kapital oder Revenue, hängt daher offenbar ab von Umfang und Masse der wirklichen Umsätze;
hängt dies ab von der Ökonomie der Zahlungen und von der Entwicklung und Organisation des Kreditwesens;
endlich von der Verkettung und Aktionsgeschwindigkeit der Kredite, so daß, wenn es an einem Punkt als Depositum niederfällt, es auf dem andern sofort wieder als Anleihe hinausgeht.
Selbst gesetzt, die Form, worin das Leihkapital existiert, sei bloß die des wirklichen Geldes, Goldes oder Silbers, der Ware, deren Stoff als Maß der Werte dient, so ist notwendig stets ein großer Teil dieses Geldkapitals bloß fiktiv, d.h. Titel auf Wert, ganz wie die Wertzeichen. Soweit Geld fungiert im Kreislauf des Kapitals, bildet es zwar für einen Moment Geldkapital; aber es verwandelt sich nicht in leihbares Geldkapital, sondern wird entweder ausgetauscht gegen die Elemente des produktiven Kapitals, oder bei Realisierung der Revenue als Umlaufsmittel weggezahlt und kann sich also nicht für seinen Besitzer in Leihkapital verwandeln. Soweit es sich aber in Leihkapital verwandelt und dasselbe Geld wiederholt Leihkapital vorstellt, ist klar, daß es nur an einem Punkt als metallisches Geld existiert; an allen andern Punkten existiert es nur in der Form von Anspruch auf Kapital. Die Akkumulation dieser Ansprüche, nach der Voraussetzung, entspringt aus der wirklichen Akkumulation, d.h. aus der Verwandlung des Werts des Warenkapitals etc. in Geld; aber dennoch ist die Akkumulation dieser Ansprüche oder Titel als solche verschieden, sowohl von der wirklichen Akkumulation, der sie entspringt, wie von der zukünftigen Akkumulation (dem neuen Produktionsprozeß), welche durch das Ausleihen des Geldes vermittelt wird.
Prima facie existiert das Leihkapital immer in der Form des Geldes47, später als Anspruch auf Geld, indem das Geld, worin es ursprünglich existiert, nun in der Hand des Borgers in wirklicher Geldform vorhanden ist. Für den Verleiher hat es sich in Anspruch auf Geld, in einen Eigentumstitel verwandelt. Dieselbe Masse wirkliches Geld kann daher sehr verschiedene Massen von Geldkapital vorstellen. Bloßes Geld, ob es realisiertes Kapital oder realisierte Revenue vorstellt, wird Leihkapital durch den bloßen Akt des Ausleihens, durch seine Verwandlung in Depositum, wenn wir die allgemeine Form bei entwickeltem Kreditsystem betrachten. Das Depositum ist Geldkapital für den Depositor. Es mag aber in der Hand des Bankiers nur potentielles Geldkapital sein, das in seiner Kasse brachliegt statt in der seines Eigentümers.48
Mit dem Wachstum des stofflichen Reichtums wächst die Klasse der Geldkapitalisten; es vermehrt sich einerseits die Zahl und der Reichtum der sich zurückziehenden Kapitalisten, der Rentiers; und zweitens wird die Entwicklung des Kreditsystems gefördert und damit die Zahl der Bankiers, Geldverleiher, Finanziers etc. vermehrt. - Mit der Entwicklung des disponiblen Geldkapitals entwickelt sich die Masse der zinstragenden Papiere, Staatspapiere, Aktien etc., wie früher entwickelt. Aber damit zugleich die Nachfrage nach disponiblem Geldkapital, indem die Jobbers, die in diesen Papieren Spekulationsgeschäfte machen, eine Hauptrolle im Geldmarkt spielen. Wären alle Käufe und Verkäufe dieser Papiere nur der Ausdruck wirklicher Kapitalanlage, so wäre es richtig zu sagen, daß sie nicht auf die Nachfrage nach Leihkapital wirken können, indem, wenn A sein Papier verkauft, er gerade so viel Geld herauszieht, wie B in das Papier steckt. Indes selbst dann, da das Papier zwar existiert, aber nicht das Kapital (wenigstens nicht als Geldkapital), das es ursprünglich vorstellt, erzeugt es immer pro tanto neue Nachfrage für solches Geldkapital. Aber jedenfalls ist es dann Geldkapital, worüber früher B, jetzt A disponiert.
B.A. 1857. Nr. 4886: "Ist es nach Ihrer Ansicht eine richtige Angabe der Ursachen, die die Diskontorate bestimmen, wenn ich sage, daß sie geregelt wird durch die Menge des im Markt befindlichen Kapitals, das verwendbar ist für den Diskonto von Handelswechseln, im Unterschied von andern Arten von Wertpapieren?" - {Chapman:} "Nein; ich halte dafür, daß der Zinsfuß affiziert wird durch alle leichtkonvertiblen Wertpapiere (all convertible securities of a current character); es würde unrecht sein, die Frage einfach auf den Wechseldiskonto zu beschränken; denn wenn große Nachfrage für Geld besteht auf" {Depot von} "Konsols, oder selbst Schatzscheine, wie das neuerdings stark der Fall war, und zu einem viel höhern als dem kommerziellen Zinsfuß, so wäre es absurd, zu sagen, daß unsre Handelswelt nicht davon berührt würde; sie wird sehr wesentlich davon berührt." - 4890. "Wenn gute und gangbare Wertpapiere, wie Bankiers sie als solche anerkennen, im Markt sind und die Eigner Geld darauf aufnehmen wollen, so hat das ganz sicher seine Wirkung auf Handelswechsel; ich kann z.B. nicht erwarten, daß ein Mann mir sein Geld zu 5% auf Handelswechsel gibt, wenn er dies Geld gleichzeitig zu 6% auf Konsols usw. ausleihen kann; es affiziert uns in derselben Weise; niemand kann von mir verlangen, daß ich seine Wechsel zu 5½% diskontiere, wenn ich mein Geld zu 6% ausleihen kann." - 4892. "Von Leuten, die für 2.000 Pfd.St. oder 5.000 Pfd.St. oder 10.000 Pfd.St. Wertpapiere als feste Kapitalanlagen kaufen, sprechen wir nicht, als ob sie wesentlich auf den Geldmarkt einwirken. Wenn Sie mich fragen nach dem Zinsfuß auf" {Depot von} "Konsols, so spreche ich von Leuten, die Geschäfte zum Betrag von Hunderttausenden machen, von sogenannten Jobbers, die große Beträge öffentlicher Anleihen zeichnen oder im Markt kaufen und die dann diese Papiere halten müssen, bis sie sie mit einem Profit loswerden können; diese Leute müssen zu diesem Zweck Geld aufnehmen."
Mit der Entwicklung des Kreditwesens werden große konzentrierte Geldmärkte geschaffen, wie London, die zugleich Hauptsitze des Handels in diesen Papieren sind. Die Bankiers stellen dem Gelichter dieser Händler das Geldkapital des Publikums massenhaft zur Verfügung, und so wächst diese Brut von Spielern.
"Geld ist auf der Effektenbörse gewöhnlich wohlfeiler als irgendwo anders", sagt 1848 der damalige Gouverneur der Bank v. E. vor dem geheimen Komitee der Lords. (C.D. 1848, printed 1857, Nr. 219.)
Es ist bereits bei Betrachtung des zinstragenden Kapitals dargestellt worden, daß der Durchschnittszins für eine längere Reihe von Jahren, bei sonst gleichbleibenden Umständen, bestimmt wird durch die Durchschnittsrate des Profits, nicht des Unternehmergewinns, der selbst nichts ist als der Profit minus dem Zins.
Daß auch für die Variationen des kommerziellen Zinses - des Zinses, der für Diskontierungen und Anleihen innerhalb des Kreises der Handelswelt von den Geldverleihern berechnet wird - im Verlauf des industriellen Zyklus eine Phase eintritt, wo der Zinsfuß sein Minimum übersteigt und die mittlere Durchschnittshöhe erreicht (die er dann später überschreitet), und wo diese Bewegung Folge des Steigens des Profits ist -, auch dies ist bereits erwähnt und wird noch weiter untersucht werden.
Indes ist hier zweierlei zu bemerken:
Erstens: Wenn der Zinsfuß sich für längere Zeit hochhält (wir sprechen hier vom Zinsfuß in einem gegebnen Land wie England, wo der mittlere Zinsfuß für längere Zeit gegeben ist und sich auch darstellt in dem für Anleihen auf längere Perioden bezahlten Zins, was man Privatzins nennen kann), so ist dies prima facie Beweis, daß während dieser Zeit die Rate des Profits hoch ist, beweist aber nicht notwendig, daß die Rate des Unternehmergewinns hoch ist. Dieser letztere Unterschied fällt mehr oder weniger weg für Kapitalisten, die vorwiegend mit eignem Kapital arbeiten: sie realisieren die hohe Rate des Profits, da sie sich den Zins selbst zahlen. Die Möglichkeit länger dauernden hohen Zinsfußes - wir sprechen hier nicht von der Phase der eigentlichen Klemme - ist gegeben mit hoher Rate des Profits. Es ist aber möglich, daß diese hohe Profitrate, nach Abzug der hohen Zinsrate, nur eine niedrige Rate des Unternehmergewinns übrigläßt. Diese letztere mag einschrumpfen, während die hohe Profitrate fortdauert. Es ist dies möglich, weil die einmal in Angriff genommenen Unternehmungen fortgeführt werden müssen. In dieser Phase wird stark mit bloßem Kreditkapital (fremdem Kapital) gearbeitet; und die hohe Profitrate kann stellenweise spekulativ, prospektiv sein. Hohe Zinsrate kann gezahlt werden mit hoher Profitrate, aber abnehmendem Unternehmergewinn. Sie kann gezahlt werden - und dies ist z.T. der Fall in Zeiten der Spekulation - nicht aus dem Profit, sondern aus dem geborgten fremden Kapital selbst, und dies kann eine Zeitlang fortdauern.
Zweitens: Der Ausdruck, daß die Nachfrage nach Geldkapital und daher die Zinsrate wächst, weil die Profitrate hoch, ist nicht identisch damit, daß die Nachfrage nach industriellem Kapital wächst und daher die Zinsrate hoch ist.
In Zeiten der Krise erreicht die Nachfrage nach Leihkapital und damit die Zinsrate ihr Maximum; die Profitrate und mit ihr die Nachfrage nach industriellem Kapital ist so gut wie verschwunden. In solchen Zeiten borgt jeder nur, um zu zahlen, um bereits eingegangne Verpflichtungen abzuwickeln. Dagegen in Zeiten der Wiederbelebung nach der Krise wird Leihkapital verlangt, um zu kaufen und um das Geldkapital in produktives oder kommerzielles Kapital zu verwandeln. Und dann wird es verlangt entweder vom industriellen Kapitalisten oder vom Kaufmann. Der industrielle Kapitalist legt es aus in Produktionsmitteln und in Arbeitskraft.
Die steigende Nachfrage nach Arbeitskraft kann an sich nie Grund sein für steigenden Zinsfuß, soweit er durch die Profitrate bestimmt wird. Höherer Arbeitslohn ist nie Grund eines höhern Profits, obgleich er, besondre Phasen des industriellen Zyklus betrachtet, eine seiner Folgen sein kann.
Es kann die Nachfrage nach Arbeitskraft zunehmen, weil die Exploitation der Arbeit unter besonders günstigen Umständen vor sich geht, aber die steigende Nachfrage nach Arbeitskraft und daher nach variablem Kapital vermehrt an und für sich nicht den Profit, sondern schmälert ihn pro tanto. Dennoch kann aber damit die Nachfrage nach variablem Kapital zunehmen, also auch die Nachfrage nach Geldkapital, und dies den Zinsfuß erhöhen. Der Marktpreis der Arbeitskraft steigt dann über seinen Durchschnitt, es wird eine mehr als die durchschnittliche Zahl von Arbeitern beschäftigt, und gleichzeitig steigt der Zinsfuß, weil mit jenen Umständen die Nachfrage nach Geldkapital. Die steigende Nachfrage nach Arbeitskraft verteuert diese Ware wie jede andre, steigert ihren Preis, aber nicht den Profit, der hauptsächlich auf der relativen Wohlfeilheit gerade dieser Ware beruht. Sie erhöht aber zugleich - unter den vorausgesetzten Umständen - die Zinsrate, weil sie die Nachfrage nach Geldkapital erhöht. Verwandelte sich der Geldkapitalist, statt das Geld auszuleihen, in einen Industriellen, so würde der Umstand, daß er die Arbeit teurer zu zahlen hat, an und für sich seinen Profit nicht erhöhen, sondern pro tanto vermindern. Die Konjunktur der Umstände mag so sein, daß trotzdem sein Profit steigt, aber nie weil er die Arbeit teurer zahlt. Der letztre Umstand, soweit er die Nachfrage nach Geldkapital vermehrt, ist aber hinreichend, um die Zinsrate zu erhöhen. Stiege aus irgendwelchen Ursachen der Arbeitslohn, bei sonst ungünstigen Konjunkturen, so würde das Steigen des Arbeitslohns die Profitrate senken, aber die Zinsrate steigern in dem Maß, wie es die Nachfrage nach Geldkapital vermehrte.
Von der Arbeit abgesehn, besteht das, was Overstone die "Nachfrage nach Kapital" nennt, nur in Nachfrage nach Waren. Die Nachfrage nach Waren steigert ihren Preis, sei es, daß sie über den Durchschnitt steigt, oder daß die Zufuhr unter den Durchschnitt fällt. Wenn der industrielle Kapitalist oder Kaufmann jetzt z.B. 150 Pfd.St. für dieselbe Warenmasse zu zahlen hat, wofür er früher 100 Pfd.St. zahlte, so hätte er 150 Pfd.St. anzuleihen, wo sonst 100 Pfd.St., und hätte daher bei 5% Zins 7½ Pfd.St. zu zahlen, wo er sonst 5 Pfd.St. zahlte. Die Masse des von ihm zu zahlenden Zinses würde steigen, weil die Masse des geborgten Kapitals.
Der ganze Versuch des Herrn Overstone besteht darin, die Interessen des Leihkapitals und des industriellen Kapitals als identisch darzustellen, während sein Bankakt gerade darauf berechnet ist, die Differenz dieser Interessen zum Vorteil des Geldkapitals auszubeuten.
Es ist möglich, daß die Nachfrage nach Waren, im Fall ihre Zufuhr unter den Durchschnitt gefallen, nicht mehr Geldkapital absorbiert als früher. Es ist dieselbe Summe, vielleicht eine kleinere, zu zahlen für ihren Gesamtwert, aber für dieselbe Summe wird ein kleineres Quantum von Gebrauchswerten erhalten. In diesem Falle wird die Nachfrage nach leihbarem Geldkapital dieselbe bleiben, also der Zinsfuß nicht steigen, obgleich die Nachfrage nach der Ware im Verhältnis zu ihrer Zufuhr und daher der Preis der Ware gestiegen wäre. Der Zinsfuß kann nur berührt werden, sobald die Gesamtnachfrage nach Leihkapital wächst, und dies ist unter obigen Voraussetzungen nicht der Fall.
Die Zufuhr eines Artikels kann aber auch unter den Durchschnitt fallen, wie bei Mißernte in Korn, Baumwolle etc., und die Nachfrage nach Leihkapital wachsen, weil darauf spekuliert wird, daß die Preise noch höher steigen, und das nächste Mittel, sie steigen zu machen, darin besteht, einen Teil der Zufuhr dem Markt zeitweilig zu entziehn. Um aber die gekaufte Ware zu bezahlen, ohne sie zu verkaufen, wird vermittelst der kommerziellen "Wechselwirtschaft" Geld verschafft. In diesem Fall wächst die Nachfrage nach Leihkapital, und der Zinsfuß kann steigen infolge dieses Versuchs, die Zufuhr der Ware zum Markt künstlich zu verhindern. Der höhere Zinsfuß drückt dann eine künstliche Verminderung der Zufuhr des Warenkapitals aus.
Andrerseits kann die Nachfrage nach einem Artikel wachsen, weil seine Zufuhr gewachsen ist und der Artikel unter seinem Durchschnittspreis steht.
In diesem Fall kann die Nachfrage nach Leihkapital dieselbe bleiben oder selbst fallen, weil mit derselben Geldsumme mehr Waren zu haben sind. Es könnte aber auch spekulative Vorratbildung eintreten, teils zur Benutzung des günstigen Moments für Produktionszwecke, teils in Erwartung späterer Preissteigerung. In diesem Fall könnte die Nachfrage nach Leihkapital wachsen, und der erhöhte Zinsfuß wäre so Ausdruck von Kapitalanlage in überschüssiger Vorratbildung von Elementen des produktiven Kapitals. Wir betrachten hier nur die Nachfrage nach Leihkapital, wie sie beeinflußt wird durch die Nachfrage und Zufuhr des Warenkapitals. Es ist schon früher auseinandergesetzt, wie der wechselnde Stand des Reproduktionsprozesses in den Phasen des industriellen Zyklus auf das Angebot von Leihkapital wirkt. Den trivialen Satz, daß die Marktrate des Zinsfußes bestimmt ist durch Zufuhr und Nachfrage von (Leih-)Kapital, wirft Overstone schlauerweise zusammen mit seiner eignen Annahme, wonach Leihkapital identisch ist mit Kapital überhaupt, und sucht dadurch den Wucherer in den einzigen Kapitalisten und sein Kapital in das einzige Kapital zu verwandeln.
In Zeiten der Klemme ist die Nachfrage nach Leihkapital Nachfrage nach Zahlungsmittel und weiter gar nichts; keineswegs Nachfrage nach Geld als Kaufmittel. Der Zinsfuß kann dabei sehr hoch gehn, einerlei ob reales Kapital - produktives und Warenkapital - im Übermaß vorhanden oder knapp. Die Nachfrage nach Zahlungsmitteln ist bloße Nachfrage nach Umsetzbarkeit in Geld, soweit die Kaufleute und Produzenten gute Sicherheiten bieten können; sie ist Nachfrage nach Geldkapital, soweit dies nicht der Fall ist, soweit also ein Vorschuß von Zahlungsmitteln ihnen nicht nur die Geldform gibt, sondern das ihnen mangelnde Äquivalent, in welcher Form es sei, zum Zahlen. Dies ist der Punkt, wo beide Seiten der landläufigen Theorie bei Beurteilung der Krisen recht und unrecht haben. Die da sagen, daß bloß Mangel an Zahlungsmitteln existiert, haben entweder bloß die Besitzer von bona fide Sicherheiten im Auge oder sind Narren, die glauben, es sei die Pflicht und in der Macht einer Bank, durch Papierzettel alle bankrotten Schwindler in zahlungsfähige solide Kapitalisten zu verwandeln. Die da sagen, daß bloß Mangel an Kapital existiert, machen entweder bloße Wortklauberei, da ja in solchen Zeiten das inkonvertible Kapital infolge von Übereinfuhr und Überproduktion massenhaft vorhanden ist, oder sie sprechen bloß von jenen Kreditrittern, die nun in der Tat in Umstände gesetzt sind, wo sie nicht länger fremdes Kapital erhalten, um damit zu wirtschaften, und nun verlangen, die Bank solle ihnen nicht nur das verlorne Kapital zahlen helfen, sondern sie auch noch zur Fortsetzung des Schwindels befähigen.
Es ist Grundlage der kapitalistischen Produktion, daß das Geld als selbständige Form des Werts der Ware gegenübertritt oder daß der Tauschwert selbständige Form im Geld erhalten muß, und dies ist nur möglich, indem eine bestimmte Ware das Material wird, in deren Wert sich alle andern Waren messen, daß sie ebendadurch die allgemeine Ware, die Ware par excellence im Gegensatz zu allen andern Waren wird. Dies muß sich in doppelter Hinsicht zeigen, und namentlich bei kapitalistisch entwickelten Nationen, die das Geld in großem Maß ersetzen, einerseits durch Kredit-Operationen, andrerseits durch Kreditgeld. In Zeiten der Klemme, wo der Kredit einschrumpft oder ganz aufhört, tritt plötzlich Geld als einziges Zahlungsmittel und wahres Dasein des Werts absolut den Waren gegenüber. Daher die allgemeine Entwertung der Waren, die Schwierigkeit, ja die Unmöglichkeit, sie in Geld zu verwandeln, d.h. in ihre eigne rein phantastische Form. Zweitens aber: das Kreditgeld selbst ist nur Geld, soweit es im Betrage seines Nominalwerts absolut das wirkliche Geld vertritt. Mit dem Goldabfluß wird seine Konvertibilität in Geld problematisch, d.h. seine Identität mit wirklichem Gold. Daher Zwangsmaßregeln, Heraufsetzung des Zinsfußes etc., um die Bedingungen dieser Konvertibilität zu sichern. Dies kann mehr oder minder auf die Spitze getrieben werden durch falsche Gesetzgebung, beruhend auf falschen Theorien vom Geld und der Nation aufgedrängt durch das Interesse der Geldhändler, der Overstone und Konsorten. Die Grundlage aber ist gegeben mit der Grundlage der Produktionsweise selbst. Eine Entwertung des Kreditgeldes (gar nicht zu sprechen von einer übrigens nur imaginären Entgeldung desselben) würde alle bestehenden Verhältnisse erschüttern. Der Wert der Waren wird daher geopfert, um das phantastische und selbständige Dasein dieses Werts im Geld zu sichern. Als Geldwert ist er überhaupt nur gesichert, solange das Geld gesichert ist. Für ein paar Millionen Geld müssen daher viele Millionen Waren zum Opfer gebracht werden. Dies ist unvermeidlich in der kapitalistischen Produktion und bildet eine ihrer Schönheiten. In frühern Produktionsweisen kommt dies nicht vor, weil bei der engen Basis, auf der sie sich bewegen, weder der Kredit noch das Kreditgeld zur Entwicklung kommt. Solange der gesellschaftliche Charakter der Arbeit als das Gelddasein der Ware und daher als ein Ding außer der wirklichen Produktion erscheint, sind Geldkrisen, unabhängig oder als Verschärfung wirklicher Krisen, unvermeidlich. Es ist andrerseits klar, daß, solange der Kredit einer Bank nicht erschüttert ist, sie durch Vermehrung des Kreditgelds in solchen Fällen die Panik lindert, durch dessen Einziehung sie aber vermehrt. Alle Geschichte der modernen Industrie zeigt, daß Metall in der Tat nur erheischt wäre zur Saldierung des internationalen Handels, sobald dessen Gleichgewicht momentan verschoben ist, wenn die inländische Produktion organisiert wäre. Daß das Inland schon jetzt kein Metallgeld bedarf, beweist die Suspension der Barzahlungen der sog. Nationalbanken, zu der, als zum einzigen Hilfsmittel, in allen extremen Fällen gegriffen wird.
Bei zwei Individuen wäre es lächerlich, zu sagen, daß im Verkehr untereinander beide die Zahlungsbilanz gegen sich haben. Wenn sie wechselseitig Schuldner und Gläubiger voneinander sind, ist es klar, daß, wenn ihre Forderungen sich nicht ausgleichen, für den Rest der eine der Schuldner des andern sein muß. Bei Nationen ist dies keineswegs der Fall. Und daß es nicht der Fall ist, ist von allen Ökonomen in dem Satz anerkannt, daß die Zahlungsbilanz für oder gegen eine Nation sein kann, obwohl ihre Handelsbilanz sich schließlich ausgleichen muß. Die Zahlungsbilanz unterscheidet sich dadurch von der Handelsbilanz, daß sie eine in einer bestimmten Zeit fällige Handelsbilanz ist. Was nun die Krisen tun, ist, daß sie die Differenz zwischen der Zahlungsbilanz und der Handelsbilanz in eine kurze Zeit zusammendrängen; und die bestimmten Zustände, die sich bei der Nation entwickeln, bei der die Krise ist, bei der daher jetzt der Zahlungstermin eintritt, - diese Zustände bringen schon eine solche Kontraktion der Ausgleichungszeit mit sich. Erstens das Wegsenden von Edelmetallen; dann das Losschlagen konsignierter Waren; das Exportieren von Waren, um sie loszuschlagen oder um im Inland Geldvorschüsse darauf aufzutreiben; das Steigen des Zinsfußes, das Aufkündigen der Kredite, das Fallen der Wertpapiere, das Losschlagen fremder Wertpapiere, die Attraktion von fremdem Kapital zur Anlage in diesen entwerteten Wertpapieren, endlich der Bankrott, der eine Masse Forderungen ausgleicht. Es wird dabei oft noch Metall versandt nach dem Land, wo die Krise ausgebrochen, weil die Wechsel darauf unsicher, also die Zahlung am sichersten in Metall erfolgt. Es kommt dazu der Umstand, daß mit Bezug auf Asien alle kapitalistischen Nationen meist gleichzeitig, direkt oder indirekt, seine Schuldner sind. Sobald diese verschiednen Umstände auf die andre beteiligte Nation ihre volle Wirkung üben, tritt auch bei ihr Gold- oder Silberexport, kurz der Zahlungstermin ein, und dieselben Phänomene wiederholen sich.
Bei dem kommerziellen Kredit geht der Zins, als Unterschied des Kreditpreises vom Barpreise, nur soweit in den Warenpreis ein, als die Wechsel längre als gewöhnliche Laufzeit haben. Andernfalls nicht. Und dies erklärt sich daraus, daß jeder mit der einen Hand diesen Kredit nimmt und ihn mit der andern gibt. {Dies stimmt nicht mit meiner Erfahrung. - F. E.} Soweit aber der Diskonto in dieser Form hier eingeht, ist er nicht durch diesen kommerziellen Kredit, sondern durch den Geldmarkt geregelt.
Wären Nachfrage und Angebot von Geldkapital, die den Zinsfuß bestimmen, identisch mit Nachfrage und Angebot von wirklichem Kapital, wie Overstone behauptet, so müßte, je nachdem man verschiedne Waren oder dieselbe Ware in verschiednen Stadien (Rohstoff, Halbfabrikat, fertiges Produkt) betrachtet, der Zins gleichzeitig niedrig und hoch sein. 1844 schwankte der Zinsfuß der B. v. E. zwischen 4% (von Januar bis September) und 2½ und 3% von November bis Jahresschluß. 1845 war er 2½, 2¾, 3% von Januar bis Oktober, zwischen 3 und 5% in den letzten Monaten. Der Durchschnittspreis von fair Orleans Baumwolle war 1844 6¼ d. und 1845 4⅞ d. Am 3. März 1844 war der Baumwollvorrat in Liverpool 627.042 Ballen und am 3. März 1845 773.800 Ballen. Nach dem niedrigen Preis der Baumwolle zu schließen, mußte der Zinsfuß 1845 niedrig sein, was er in der Tat während des größten Teils dieser Zeit war. Aber nach dem Garn zu schließen, hätte er hoch sein müssen, denn die Preise waren relativ und die Profite absolut hoch. Aus Baumwolle zu 4 d. das Pfund konnte 1845 mit 4 d. Spinnkosten ein Garn gesponnen werden (Nr. 40 gut secunda mule twist), das dem Spinner also 8 d. kostete und das er September und Oktober 1845 zu 10½ oder 11½ d. per Pfund verkaufen konnte. (S. Aussage von Wylie weiter unten.)
Die ganze Sache kann dadurch zur Entscheidung gebracht werden:
Nachfrage und Angebot von Leihkapital wäre identisch mit Nachfrage und Angebot von Kapital überhaupt (obgleich diese letztere Phrase absurd ist; für den Industriellen oder Kaufmann ist die Ware eine Form seines Kapitals, aber er verlangt doch nie Kapital als solches, sondern stets nur diese spezielle Ware als solche, kauft und zahlt sie als Ware, Korn oder Baumwolle, unabhängig von der Rolle, die sie im Kreislauf seines Kapitals einzunehmen hat), wenn es keine Geldverleiher gäbe und statt deren die verleihenden Kapitalisten im Besitz von Maschinerie, Rohstoff etc. wären und sie diese ausliehen oder vermieteten, wie jetzt Häuser, an die industriellen Kapitalisten, die selbst Eigner eines Teils dieser Gegenstände sind. Unter solchen Umständen wäre die Zufuhr von Leihkapital identisch mit Zufuhr von Produktionselementen für den industriellen Kapitalisten, von Waren für den Kaufmann. Es ist aber klar, daß dann die Teilung des Profits zwischen Leiher und Borger zunächst ganz abhängen würde von dem Verhältnis, worin dies Kapital geliehen ist und worin es Eigentum dessen, der es anwendet.
Nach Herrn Weguelin (B.A. 1857) ist der Zinsfuß bestimmt durch "die Masse des unbeschäftigten Kapitals" (252); ist "nur ein Index der Masse des unbeschäftigten Kapitals, das Anlage sucht" (271); später heißt dies unbeschäftigte Kapital "floating capital" (485) und darunter versteht er "Noten der Bank von England und andre Zirkulationsmittel im Lande; z.B. die Noten der Provinzialbanken und die im Lande vorhandne Münze ... ich schließ unter floating capital auch die Reserven der Banken ein" (502, 503) und später auch Barrengold (503). So sagt derselbe Weguelin, daß die Bank von England großen Einfluß auf den Zinsfuß hat zu Zeiten, "wo wir" (die B. v. E.) "tatsächlich den größten Teil des unbeschäftigten Kapitals in unsrer Hand haben" (1198), während nach obigen Aussagen des Herrn Overstone die Bank von England "kein Platz für Kapital ist". Ferner sagt Weguelin:
"Nach meiner Ansicht wird die Diskontorate reguliert durch die Menge des unbeschäftigten Kapitals im Lande. Die Menge des unbeschäftigten Kapitals ist repräsentiert durch die Reserve der B. v. E., die tatsächlich eine Metallreserve ist. Wenn also der Metallschatz vermindert wird, vermindert dies die Menge des unbeschäftigten Kapitals im Lande und steigert also den Wert des noch vorhandnen Rests." (1258.)
J. Stuart Mill sagt 2102:
"Die Bank ist genötigt, um ihr banking department solvent zu erhalten, ihr möglichstes zu tun, die Reserve dieses Departements zu füllen; sobald sie also findet, daß ein Abfluß eintritt, muß sie sich eine Reserve sichern und entweder ihre Diskontierungen einschränken oder Wertpapiere verkaufen."
Die Reserve, soweit bloß das banking department betrachtet wird, ist Reserve nur für die Depositen. Nach den Overstones soll das banking department bloß als Bankier handeln, ohne Rücksicht auf die "automatische" Notenausgabe. Aber in Zeiten wirklicher Klemme hat das Institut, unabhängig von der Reserve des banking department, die nur aus Noten besteht, ein sehr scharfes Auge auf den Metallschatz und muß es haben, wenn es nicht fallieren will. Denn im selben Maß wie der Metallschatz schwindet, schwindet auch die Reserve von Banknoten, und niemand sollte dies besser wissen als Herr Overstone, der dies eben durch seinen Bankakt von 1844 so weise eingerichtet hat.
Dreiunddreißigstes Kapitel. Das Umlaufsmittel unter dem Kreditsystem
"Der große Regulator der Geschwindigkeit der Zirkulation ist der Kredit. Daher erklärt sich, warum eine scharfe Klemme im Geldmarkt gewöhnlich zusammenfällt mit einer gefüllten Zirkulation." ("The Currency Theory Reviewed", p. 65.)
Dies ist doppelt zu verstehn. Einerseits sind alle Methoden, die Zirkulationsmittel ersparen, begründet auf den Kredit. Zweitens aber: nimm z.B. eine 500-Pfund-Note. A gibt sie heute in Zahlung eines Wechsels an B; B deponiert sie denselben Tag bei seinem Bankier; dieser diskontiert noch selben Tags einen Wechsel damit für C; C zahlt sie an seine Bank, die Bank gibt sie dem bill-broker auf Vorschuß etc. Die Geschwindigkeit, mit der die Note hier zirkuliert, zu Käufen oder Zahlungen dient, ist vermittelt durch die Geschwindigkeit, womit sie immer wieder in der Form des Depositums zu jemandem zurückkehrt und in der Form des Anlehens wieder zu jemand anders übergeht. Das bloße Ökonomisieren des Zirkulationsmittels erscheint am höchsten entwickelt im Clearing House, dem bloßen Austausch von fälligen Wechseln, und der vorwiegenden Funktion des Geldes als Zahlungsmittel zum Ausgleich bloßer Überschüsse. Aber das Dasein dieser Wechsel beruht selbst wieder auf dem Kredit, den sich die Industriellen und Kaufleute untereinander geben. Nimmt dieser Kredit ab, so nimmt die Zahl der Wechsel ab, namentlich der langsichtigen, also auch die Wirksamkeit dieser Methode der Ausgleichungen. Und diese Ökonomie, die in der Beseitigung des Geldes aus den Umsätzen besteht und die ganz auf der Funktion des Geldes als Zahlungsmittel beruht, welche wieder auf dem Kredit beruht, kann (abgesehn von der mehr oder minder entwickelten Technik in der Konzentration dieser Zahlungen) nur zweierlei Art sein: Wechselseitige Schuldforderungen, repräsentiert durch Wechsel oder Schecks, gleichen sich aus entweder bei demselben Bankier, der nur die Forderung vom Konto des einen auf das des andern überschreibt; oder die verschiednen Bankiers gleichen untereinander aus.49 Die Konzentration von 8-10 Millionen Wechseln in der Hand eines bill-brokers, wie z.B. der Firma Overend, Gurney & Co., war eins der Hauptmittel, die Stufenleiter dieser Ausgleichung lokal zu erweitern. Durch diese Ökonomisierung wird die Wirksamkeit des Umlaufsmittels erhöht, soweit ein geringres Quantum davon erfordert wird zur bloßen Saldierung der Bilanz. Andrerseits hängt die Geschwindigkeit des als Zirkulationsmittel umlaufenden Geldes (wodurch es auch ökonomisiert wird) ganz ab von dem Fluß der Käufe und Verkäufe, oder auch von der Verkettung der Zahlungen, soweit sie nacheinander in Geld erfolgen. Aber der Kredit vermittelt und erhöht dadurch die Geschwindigkeit der Zirkulation. Das einzelne Geldstück kann z.B. nur fünf Umläufe bewirken und bleibt länger in jeder einzelnen Hand ruhen - als bloßes Zirkulationsmittel ohne Dazwischenkunft des Kredits -, wenn A, sein ursprünglicher Besitzer, von B, B von C, C von D, D von E, E von F kauft, also sein Übergang von einer Hand in die andre nur durch wirkliche Käufe und Verkäufe vermittelt ist. Wenn aber B das von A in Zahlung erhaltne Geld bei seinem Bankier deponiert und dieser es ausgibt in Wechseldiskont an C, dieser von D kauft, D es bei seinem Bankier deponiert und dieser es an E leiht, der von F kauft, so ist selbst seine Geschwindigkeit als bloßes Zirkulationsmittel (Kaufmittel) vermittelt durch mehrere Kreditoperationen: das Deponieren des B bei seinem Bankier und dessen Diskontieren für C, das Deponieren des D bei seinem Bankier und dessen Diskontieren für E; also durch vier Kreditoperationen. Ohne diese Kreditoperationen hätte dasselbe Geldstück nicht fünf Käufe nacheinander im gegebnen Zeitraum verrichtet. Daß es ohne Vermittlung von wirklichem Kauf und Verkauf - als Depositum und im Diskonto - die Hände wechselte, hat hier seinen Händewechsel in der Reihe wirklicher Absätze beschleunigt.
Es hat sich vorhin gezeigt, wie eine und dieselbe Banknote Depositen bei verschiednen Bankiers bilden kann. Ebenso kann sie verschiedne Depositen bei demselben Bankier bilden. Er diskontiert mit der Note, die A deponiert hat, den Wechsel von B, B zahlt an C, C deponiert dieselbe Note bei demselben Bankier, der sie verausgabt.
Es ist bereits bei Betrachtung der einfachen Geldzirkulation (Buch I, Kap. III, 2) nachgewiesen worden, daß die Masse des wirklich zirkulierenden Geldes, Geschwindigkeit der Zirkulation und Ökonomie der Zahlungen als gegeben vorausgesetzt, bestimmt ist durch die Preise der Waren und die Masse der Transaktionen. Dasselbe Gesetz herrscht bei der Notenzirkulation.
In der folgenden Tabelle sind für jedes Jahr die Jahresdurchschnitte der Noten der Bank von England, soweit sich solche in der Hand des Publikums befanden, verzeichnet, und zwar die Beträge der 5- und 10-Pfund-Noten, die der Noten von 20-100 Pfd.St. und die der höheren Noten von 200-1.000 Pfd.St.; sowie der Prozentsatz der Gesamtzirkulation, den jede dieser Rubriken liefert. Die Beträge sind in Tausenden, unter Streichung der drei letzten Stellen.
| Jahr | Noten von 5-10 Pfd.St. | Noten von 20-100 Pfd.St. | Noten von 200-1000 Pfd.St. | Insgesamt | |||
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Pfd.St. | % | Pfd.St. | % | Pfd.St. | % | Pfd.St. | |
| 1844 | 9.263 | 45,7 | 5.735 | 28,3 | 5.253 | 26,0 | 20.241 |
| 1845 | 9.698 | 46,9 | 6.082 | 29,3 | 4.942 | 23,8 | 20.722 |
| 1846 | 9.918 | 48,9 | 5.778 | 28,5 | 4.590 | 22,6 | 20.286 |
| 1847 | 9.591 | 50,1 | 5.498 | 28,7 | 4.066 | 21,2 | 19.155 |
| 1848 | 8.732 | 48,3 | 5.046 | 27,9 | 4.307 | 23,8 | 18.085 |
| 1849 | 8.692 | 47,2 | 5.234 | 28,5 | 4.477 | 24,3 | 18.403 |
| 1850 | 9.164 | 47,2 | 5.587 | 28,8 | 4.646 | 24,0 | 19.398 |
| 1851 | 9.362 | 48,1 | 5.554 | 28,5 | 4.557 | 23,4 | 19.473 |
| 1852 | 9.839 | 45,0 | 6.161 | 28,2 | 5.856 | 26,8 | 21.856 |
| 1853 | 10.699 | 47,3 | 6.393 | 28,2 | 5.541 | 24,5 | 22.653 |
| 1854 | 10.565 | 51,0 | 5.910 | 28,5 | 4.234 | 20,5 | 20.709 |
| 1855 | 10.628 | 53,6 | 5.706 | 28,9 | 3.459 | 17,5 | 19.793 |
| 1856 | 10.680 | 54,4 | 5.645 | 28,7 | 3.323 | 16,9 | 19.648 |
| 1857 | 10.659 | 54,7 | 5.567 | 28,6 | 3.241 | 16,7 | 19.467 |
(B.A. 1858, p. XXVI.)
Die Gesamtsumme der zirkulierenden Banknoten hat also von 1844 bis 1857 positiv abgenommen, obgleich der durch Ausfuhr und Einfuhr nachgewiesene Geschäftsverkehr sich mehr als verdoppelt hatte. Die kleinern Banknoten von 5 Pfd.St. und 10 Pfd.St. nahmen zu, wie die Liste zeigt, von 9.263.000 Pfd.St. in 1844 auf 10.659.000 Pfd.St. in 1857. Und dies gleichzeitig mit der gerade damals so starken Vermehrung der Goldzirkulation. Dagegen Abnahme der Noten von höhern Beträgen (von 200 bis 1.000 Pfd.St.) von 5.856.000 Pfd.St. in 1852 auf 3.241.000 Pfd.St. in 1857. Also Abnahme von mehr als 2½ Mill. Pfd.St. Dies wird erklärt wie folgt:
"Am 8. Juni 1854 ließen die Privatbankiers von London die Aktienbanken an der Einrichtung des Clearing House teilnehmen, und bald darauf wurde das schließliche clearing in der Bank von England eingerichtet. Die täglichen Saldierungen werden erledigt durch Überschreibung auf den Kontos, die die verschiednen Banken in der Bank von England halten. Durch Einführung dieses Systems sind die Noten von hohem Betrag, deren sich die Banken früher zur Ausgleichung ihrer gegenseitigen Rechnungen bedienten, überflüssig geworden." (B.A. 1858, p. V.)
Wie sehr der Gebrauch des Geldes im Großhandel auf ein geringes Minimum reduziert ist, darüber vgl. die Tabelle, die Buch I, Kap. III, Note 103 abgedruckt und die dem Bankausschuß geliefert wurde von Morrison, Dillon & Co., einem der größten derjenigen Londoner Häuser, wo ein Kleinhändler seinen ganzen Vorrat von Waren aller Art einkaufen kann.
Nach der Aussage von W. Newmarch vor dem B.A. 1857, Nr. 1741, trugen auch noch andre Umstände zur Ersparung von Zirkulationsmitteln bei: das Penny-Briefporto, die Eisenbahnen, die Telegraphen, kurz die verbesserten Verkehrsmittel; so daß England jetzt bei ungefähr derselben Banknotenzirkulation ein fünf- bis sechsmal so großes Geschäft machen kann. Dies sei aber auch wesentlich der Ausschaltung der Noten von mehr als 10 Pfd.St. aus der Zirkulation geschuldet. Dies scheint ihm eine natürliche Erklärung dafür, daß in Schottland und Irland, wo auch 1-Pfund-Noten zirkulieren, die Notenzirkulation um ungefähr 31% gestiegen ist. (1747.) Die Gesamtzirkulation von Banknoten im Vereinigten Königreich, mit Einschluß der 1-Pfund-Noten, sei 39 Mill. Pfd.St. (1749.) Die Goldzirkulation 70 Mill. Pfd.St. (1750.) In Schottland war die Notenzirkulation 1834 - 3.120.000 Pfd.St.; 1844 - 3.020.000 Pfd.St.; 1854 - 4.050.000 Pfd.St. (1752.)
Schon hieraus geht hervor, daß es keineswegs in der Hand der Noten ausgebenden Banken steht, die Zahl der zirkulierenden Noten zu vermehren, solange diese Noten jederzeit gegen Geld austauschbar sind. {Von inkonvertiblem Papiergeld ist hier überhaupt nicht die Rede; inkonvertible Banknoten können nur da allgemeines Zirkulationsmittel werden, wo sie tatsächlich durch Staatskredit gestützt werden, wie z.B. gegenwärtig in Rußland. Sie fallen damit unter die Gesetze des inkonvertiblen Staatspapiergelds, die schon entwickelt sind. (Buch I, Kap. III, 2, c: Die Münze. Das Wertzeichen.) - F. E.}
Die Menge der zirkulierenden Noten richtet sich nach den Bedürfnissen des Verkehrs, und jede überflüssige Note wandert sofort zurück zu ihrem Ausgeber. Da in England nur die Noten der Bank von England als gesetzliches Zahlungsmittel allgemein umlaufen, können wir die unbedeutende und nur lokale Notenzirkulation der Provinzialbanken hier vernachlässigen.
Vor dem B. A. 1858 sagt Herr Neave, Gouverneur der Bank von England, aus:
Nr. 947. (Frage:) "Welche Maßregeln auch immer Sie ergreifen, der Notenbetrag in den Händen des Publikums, sagen Sie, bleibt derselbe; d.h. ungefähr 20 Mill. Pfd.St.? - In gewöhnlichen Zeiten scheint der Gebrauch des Publikums ungefähr 20 Mill. zu erfordern. Zu gewissen periodisch wiederkehrenden Zeiten im Jahr steigen sie um 1 oder 1 1/2 Mill. Wenn das Publikum mehr braucht, so kann es sie, wie ich sagte, stets bei der Bank von England bekommen." - 948. "Sie sagten, daß während der Panik das Publikum Ihnen nicht erlauben wollte, den Notenbetrag zu vermindern; wollen Sie das begründen? - In Zeiten der Panik hat das Publikum, wie mir scheint, volle Macht, sich Noten zu verschaffen; und natürlich, solange die Bank eine Verpflichtung hat, kann das Publikum auf diese Verpflichtung hin die Noten von der Bank entnehmen." -949. "Es scheinen also jederzeit ungefähr 20 Mill. Noten der B. v. E. erforderlich zu sein? - 20 Mill. Noten in der Hand des Publikums; es wechselt. Es sind 18 1/2, 19, 20 Mill. usw.; aber im Durchschnitt können Sie sagen 19-20 Millionen."
Aussage von Thomas Tooke vor dem Ausschuß der Lords über Commercial Distress (C.D. 1848/1857), Nr. 3094:
"Die Bank hat keine Macht, nach eignem Willen den Betrag der Noten in der Hand des Publikums zu erweitern; sie hat die Macht, den Notenbetrag in der Hand des Publikums zu vermindern, aber nur vermittelst einer sehr gewaltsamen Operation."
J. C. Wright, seit 30 Jahren Bankier in Nottingham, nachdem er ausführlich die Unmöglichkeit auseinandergesetzt, daß die Provinzialbanken jemals mehr Noten in Umlauf erhalten könnten, als das Publikum braucht und will, sagt von den Noten der Bank von England (CD. 1848/1857), Nr. 2844:
"Ich weiß von keiner Schranke" (der Notenausgabe) "für die B. von E., aber jeder Überschuß der Zirkulation wird in die Depositen übergehn und so eine andre Form annehmen."
Dasselbe gilt für Schottland, wo fast nur Papier zirkuliert, weil dort wie in Irland auch Einpfundnoten gestattet sind und "the scotch hate gold".
Kennedy, Dirigent einer schottischen Bank, erklärt, die Banken könnten ihre Notenzirkulation nicht einmal vermindern, und ist
"der Ansicht, daß, solange inländische Geschäftsabschlüsse Noten oder Gold erfordern, um zustande zu kommen, die Bankiers soviel Umlaufmittel liefern müssen, wie diese Geschäfte erfordern - sei es auf Verlangen ihrer Depositoren oder sonstwie ... Die schottischen Banken können ihre Geschäfte einschränken, aber sie können keine Kontrolle ausüben über ihre Notenausgabe." (ib., Nr. 3446, 3448.)
Desgleichen Anderson, Dirigent der Union Bank of Scotland, ib., Nr. 3578:
"Verhindert das System des gegenseitigen Notenaustausches" {zwischen den schottischen Banken} "eine Überausgabe von Noten von seiten einer einzelnen Bank? - Jawohl; wir haben aber ein wirksameres Mittel als den Notenaustausch" (der in der Tat gar nichts damit zutun hat, wohl aber die Umlaufsfähigkeit der Noten jeder Bank über ganz Schottland sichert) "und dies ist der allgemeine Gebrauch in Schottland, ein Bankkonto zu halten; jedermann, der irgendwie Geld hat, hat auch ein Konto bei einer Bank und zahlt tagtäglich alles Geld ein, das er nicht unmittelbar selbst nötig hat, so daß am Schluß eines jeden Geschäftstags alles Geld in den Banken ist, ausgenommen was jeder in der Tasche hat."
Ebenso für Irland, s. die Aussagen des Gouverneurs der Bank von Irland, MacDonnell, und des Dirigenten der Provincial Bank of Ireland, Murray, vor demselben Ausschuß.
Ebenso unabhängig wie vom Willen der Bank von England ist die Notenzirkulation vom Stand des Goldschatzes in den Kellern der Bank, der die Konvertibilität dieser Noten sichert.
"Am 18. September 1846 war die Notenzirkulation der Bank von England 20.900.000 Pfd.St. und ihr Metallschatz 16.273.000 Pfd.St.; am 5. April 1847 die Zirkulation 20.815.000 Pfd.St. und der Metallschatz 10.246.000 Pfd.St. Also fand trotz des Exports der 6 Millionen Pfd.St. Edelmetall keine Einschrumpfung der Zirkulation statt." (J. G. Kinnear, "The Crisis and the Currency", Ld. 1847, p. 5.)
Es versteht sich jedoch, daß dies nur gilt unter den in England heute herrschenden Verhältnissen, und auch da nur, soweit nicht die Gesetzgebung über das Verhältnis von Notenausgabe und Metallschatz ein anderes befiehlt.
Es sind also nur die Bedürfnisse des Geschäfts selbst, die einen Einfluß auf die Quantität des zirkulierenden Geldes - Noten und Gold - ausüben. Hier kommen zunächst die periodischen Schwankungen in Betracht, die sich jedes Jahr wiederholen, was auch die allgemeine Geschäftslage sein mag, so daß seit 20 Jahren
"in einem bestimmten Monat die Zirkulation hoch, in einem andern niedrig ist und in einem dritten bestimmten Monat ein mittlerer Punkt vorkommt". (Newmarch, B.A. 1857, Nr. 1650.)
So gehn im August jedes Jahres einige Millionen, meist in Gold, aus der B. von E. in die inländische Zirkulation, um die Kosten der Ernte zu zahlen; da es sich in der Hauptsache um Zahlung von Arbeitslöhnen handelt, sind Banknoten hier für England weniger zu gebrauchen. Bis Jahresschluß ist dies Geld der Bank dann wieder zurückgeströmt. In Schottland gibt es statt Sovereigns fast nur Pfundnoten; hier dehnt sich daher im entsprechenden Fall die Notenzirkulation aus, und zwar zweimal im Jahr, im Mai und November, von 3 auf 4 Millionen; nach 14 Tagen stellt sich bereits der Rückfluß ein, in einem Monat ist er fast vollendet. (Anderson, l.c., Nr. 3595-3600.)
Die Notenzirkulation der Bank von England erfährt auch vierteljährlich eine momentane Schwankung infolge der vierteljährlichen Zahlung der "Dividenden", d.h. der Zinsen der Staatsschuld, wodurch zuerst Banknoten der Zirkulation entzogen und dann wieder unter das Publikum geworfen werden; sie fließen aber sehr bald wieder zurück. Weguelin (B.A. 1857, Nr. 38) gibt den Betrag der hierdurch verursachten Schwankung der Notenzirkulation auf 2½ Millionen an. Dagegen berechnet Herr Chapman von der notorischen Firma Overend, Gurney & Co. den Betrag der hierdurch auf dem Geldmarkt hervorgerufenen Störung weit höher.
"Wenn Sie aus der Zirkulation 6 oder 7 Millionen für Steuern herausnehmen, um damit die Dividenden zu zahlen, so muß irgend jemand da sein, der diesen Betrag in der Zwischenzeit zur Verfügung stellt." (B.A. 1857, Nr. 5196.)
Viel bedeutender und nachhaltiger sind die Schwankungen im Betrag des umlaufenden Mittels, die den verschiednen Phasen des industriellen Zyklus entsprechen. Hören wir hierüber einen andern Associé jener Firma, den würdigen Quäker Samuel Gurney (C.D. 1848/1857, Nr. 2645):
"Ende Oktober" (1847) "waren 20.800.000 Pfd.St. Noten in den Händen des Publikums. Zu jener Zeit herrschte eine große Schwierigkeit, Banknoten im Geldmarkt zu bekommen. Dies entstand aus der allgemeinen Befürchtung, man werde infolge der Beschränkung des Bankakts von 1844 nicht imstande sein, sie sich zu verschaffen. Gegenwärtig" (März 1848) "ist der Betrag der Banknoten in Händen des Publikums ... 17.700.000 Pfd.St., aber da jetzt keinerlei kommerzieller Alarm herrscht, ist dies viel mehr, als was gebraucht wird. Es gibt keinen Bankier oder keinen Geldhändler in London, der nicht mehr Banknoten hat, als er gebrauchen kann." -2650. "Der Belauf der Banknoten ... außerhalb des Gewahrsams der Bank von England bildet einen total ungenügenden Exponenten des aktiven Standes der Zirkulation, wenn man nicht ebenfalls gleichzeitig in Erwägung zieht ...den Stand der Handelswelt und des Kredits." - 2651. "Das Gefühl, daß wir bei dem gegenwärtigen Belauf der Zirkulation in den Händen des Publikums einen Überschuß haben, entspringt in hohem Grad aus unsrer gegenwärtigen Lage großer Stagnation. Bei hohen Preisen und aufgeregtem Geschäft würden uns 17.700.000 Pfd.St. ein Gefühl der Knappheit verursachen."
{Solange die Geschäftslage derart ist, daß die Rückflüsse für die gemachten Vorschüsse regelmäßig eingehn und also der Kredit unerschüttert bleibt, richtet sich die Ausdehnung und Zusammenziehung der Zirkulation einfach nach den Bedürfnissen der Industriellen und Kaufleute. Da wenigstens in England Gold für den Großhandel nicht in Betracht kommt und die Goldzirkulation, abgesehn von den jahreszeitlichen Schwankungen, als eine für längere Zeit ziemlich konstante Größe angesehn werden kann, so bildet die Notenzirkulation der B. von E. den hinreichend genauen Gradmesser dieser Veränderungen. In der stillen Zeit nach der Krise läuft am wenigsten um, mit der Wiederbelebung der Nachfrage tritt auch größerer Bedarf an Umlaufsmitteln ein, der sich steigert mit der steigenden Prosperität; den Höhepunkt erreicht die Menge des Umlaufsmittels in der Periode der Überspannung und Überspekulation - da bricht die Krise herein, und über Nacht sind die gestern noch so reichlichen Banknoten vom Markt verschwunden und mit ihnen die Diskontierer von Wechseln, die Vorschußleister auf Wertpapiere, die Käufer von Waren. Die Bank von England soll helfen - aber auch ihre Kräfte sind bald erschöpft, der Bankakt von 1844 zwingt sie, ihre Notenzirkulation einzuschränken grade im Moment, wo alle Welt nach Banknoten schreit, wo die Warenbesitzer nicht verkaufen können und doch zahlen sollen und jedes Opfer zu bringen bereit sind, wenn sie nur Banknoten erhalten.
"Während des Alarms", sagt der obenerwähnte Bankier Wright, l.c., Nr. 2930, "gebraucht das Land zweimal soviel Zirkulation wie in gewöhnlichen Zeiten, weil das Umlaufsmittel von Bankiers und andern aufgespeichert wird."
Sowie die Krise hereinbricht, handelt es sich nur noch um Zahlungsmittel. Da aber jeder vom andern abhängig ist für den Eingang dieser Zahlungsmittel und keiner weiß, ob der andre imstand sein wird, am Verfalltag zu zahlen, tritt ein vollständiges Kirchturmrennen ein um die im Markt befindlichen Zahlungsmittel, d.h. für Banknoten. Jeder schatzt davon auf, so viele er erhalten kann, und so verschwinden die Noten aus der Zirkulation am selben Tag, wo man sie am nötigsten braucht. Samuel Gurney (C.D. 1848/1857, Nr. 1116) gibt die Zahl der so im Moment des Schreckens unter Schloß und Riegel gebrachten Banknoten für Oktober 1847 auf 4-5 Millionen Pfd.St. an. - F. E.}
In dieser Beziehung ist besonders interessant das Verhör des Associés von Gurney, des bereits erwähnten Chapman, vor dem B.A. von 1857. Ich gebe hier den Hauptinhalt desselben im Zusammenhang, obwohl auch einige Punkte darin behandelt werden, die wir erst später untersuchen.
Herr Chapman läßt sich vernehmen wie folgt.
"Ich nehme auch keinen Anstand zu sagen, daß ich es nicht für in der Ordnung halte, daß der Geldmarkt unter der Macht eines beliebigen individuellen Kapitalisten stehn sollte (wie es in London deren gibt), der einen ungeheuren Geldmangel und eine Klemme erzeugen kann, wenn die Zirkulation grade sehr niedrig steht ... Das ist möglich ...es gibt mehr als einen Kapitalisten, der aus dem Zirkulationsmittel 1 oder 2 Mill. Pfd.St. Noten herausnehmen kann, wenn er einen Zweck dadurch erreicht."
Ein großer Spekulant kann für 1 oder 2 Mill. Konsols verkaufen und so das Geld aus dem Markt nehmen. Etwas Ähnliches ist vor ganz kurzem geschehn, "es erzeugt eine äußerst heftige Klemme".
Die Noten sind dann allerdings unproduktiv.
"Aber das ist nichts, wenn es einen großen Zweck bewirkt; sein großer Zweck ist, die Fondspreise zu werfen, eine Geldklemme zu schaffen, und das zu tun, hat er vollständig in seiner Gewalt."
Ein Beispiel: Eines Morgens war große Geldnachfrage auf der Fondsbörse; niemand kannte die Ursache; jemand bot Chapman an, dieser solle ihm 50.000 Pfd.St. zu 7% leihen. Chapman war erstaunt, sein Zinsfuß stand viel niedriger; er griff zu. Gleich darauf kam der Mann wieder, nahm weitre 50.000 Pfd.St. zu 7½%, dann 100.000 Pfd.St. zu 8% und wollte noch mehr haben zu 8½%. Da bekam aber selbst Chapman Angst. Es stellte sich nachher heraus, daß plötzlich eine bedeutende Summe Geldes dem Markt entzogen worden war. Aber, sagt Chapman,
"ich habe doch eine bedeutende Summe zu 8% ausgeliehen; weiter zu gehn hatte ich Angst; ich wußte nicht, was kommen würde."
Man muß nie vergessen, daß, obgleich ziemlich beständig 19 bis 20 Mill. Noten angeblich in der Hand des Publikums sind, doch einerseits der Teil dieser Noten, der wirklich zirkuliert, und andrerseits der, der unbeschäftigt als Reserve bei den Banken liegt, gegeneinander beständig und bedeutend variiert. Ist diese Reserve groß, also die wirkliche Zirkulation niedrig, so heißt das vom Standpunkt des Geldmarkts, daß die Zirkulation voll (the circulation is full, money is plentiful) ist; ist die Reserve klein, also die wirkliche Zirkulation voll, so nennt der Geldmarkt sie niedrig (the circulation is low, money is scarce), nämlich der Teil hat einen niedrigen Betrag, der unbeschäftigtes Leihkapital vorstellt. Wirkliche, von den Phasen des industriellen Zyklus unabhängige Expansion oder Kontraktion der Zirkulation - so daß aber der Betrag, den das Publikum braucht, derselbe bleibt - findet nur aus technischen Gründen statt, z.B. an den Zahlungsterminen der Steuern oder der Zinsen der Staatsschuld. Bei Steuerzahlung fließen Noten und Gold in die Bank von England über das gewöhnliche Maß und kontrahieren faktisch die Zirkulation, ohne Rücksicht auf das Bedürfnis für letztre. Umgekehrt, wenn die Dividenden der Staatsschuld ausgezahlt werden. Im ersten Fall werden Anleihen bei der Bank gemacht, um Zirkulationsmittel zu erhalten. Im letztren Fall sinkt der Zinsfuß bei den Privatbanken wegen des momentanen Wachsens ihrer Reserven. Es hat dies mit der absoluten Masse der Umlaufsmittel nichts zu tun, sondern nur mit der Bankfirma, die diese Umlaufsmittel in Zirkulation setzt und für die sich dieser Prozeß als Veräußerung von Leihkapital darstellt und die daher den Profit davon in die Tasche steckt.
In dem einen Fall findet bloß temporäres Deplacement des zirkulierenden Mediums statt, das die B. v. E. dadurch ausgleicht, daß sie kurz vor Verfall der vierteljährlichen Steuern und der ebenfalls vierteljährlichen Dividenden kurze Vorschüsse zu niedrigen Zinsen macht; diese so ausgegebnen überzähligen Noten füllen nun zuerst die Lücke aus, die das Zahlen der Steuern verursacht, während ihre Rückzahlung an die Bank gleich darauf den Notenüberfluß zurückbringt, den das Auszahlen der Dividenden ins Publikum geworfen.
In dem andern Fall ist niedrige oder volle Zirkulation immer nur andre Verteilung derselben Masse Umlaufsmittel in aktive Zirkulation und Depositen, d.h. Instrument von Anleihen.
Andrerseits, wenn z.B. durch Goldzufluß zur Bank von England die Zahl der dagegen ausgegebnen Noten vermehrt wird, so helfen diese zum Diskontieren außerhalb der Bank und fließen zurück in Abzahlung von Anleihen, so daß die absolute Masse der zirkulierenden Noten nur momentan vermehrt wird.
Ist die Zirkulation voll, wegen Ausdehnung des Geschäfts (was auch bei relativ niedrigen Preisen möglich), so kann der Zinsfuß relativ hoch sein wegen Nachfrage nach Leihkapital infolge steigender Profite und vermehrter Neuanlagen. Ist sie niedrig, wegen Kontraktion des Geschäfts oder auch wegen großer Flüssigkeit des Kredits, so kann der Zinsfuß niedrig sein auch bei hohen Preisen. (Siehe Hubbard.)
Die absolute Quantität der Zirkulation wirkt bestimmend auf den Zinsfuß nur in Zeiten der Klemme. Entweder drückt hier die Nachfrage nach voller Zirkulation nur Nachfrage für Mittel der Schatzbildung aus (abgesehn von der verminderten Geschwindigkeit, womit das Geld zirkuliert, und womit dieselben identischen Geldstücke sich beständig in Leihkapital umsetzen) wegen der Kreditlosigkeit, wie 1847, wo die Suspension des Bankakts keine Expansion der Zirkulation veranlaßte, aber hinreichte, die aufgeschatzten Noten wieder ans Licht zu ziehen und in die Zirkulation zu werfen. Oder es kann wirklich unter den Umständen mehr Zirkulationsmittel erheischt sein, wie 1857 die Zirkulation nach der Suspension des Bankakts für einige Zeit wirklich wuchs.
Sonst wirkt die absolute Masse der Zirkulation nicht auf den Zinsfuß, da sie - Ökonomie und Geschwindigkeit des Umlaufs als konstant vorausgesetzt - erstens bestimmt ist durch die Preise der Waren und die Masse der Transaktionen (wobei meist ein Moment die Wirkung des andern paralysiert) und endlich durch den Stand des Kredits, während sie keineswegs umgekehrt den letztren bestimmt; und da zweitens Warenpreise und Zins in keinem notwendigen Zusammenhang stehn.
Während des Bank Restriction Act (1797-1820) fand ein Überfluß an currency statt, der Zinsfuß war stets viel höher als seit Wiederaufnahme der Barzahlungen. Er fiel später rasch mit Einschränkung der Notenausgabe und steigenden Wechselkursen. 1822, 1823, 1832 war die allgemeine Zirkulation niedrig, der Zinsfuß ebenfalls niedrig. 1824, 1825, 1836 war die Zirkulation hoch, der Zinsfuß stieg. Sommer 1830 war die Zirkulation hoch, der Zinsfuß niedrig. Seit den Goldentdeckungen hat sich der Geldumlauf in ganz Europa expandiert, der Zinsfuß stieg. Der Zinsfuß hängt also nicht ab von der Menge des umlaufenden Geldes.
Der Unterschied zwischen Ausgabe von Umlaufsmittel und Ausleihen von Kapital zeigt sich am besten beim wirklichen Reproduktionsprozeß. Wir haben dort (Buch II, Abschnitt III) gesehn, wie sich die verschiednen Bestandteile der Produktion austauschen. Z.B. das variable Kapital besteht sachlich in den Lebensmitteln der Arbeiter, einem Teil ihres eignen Produkts. Es ist ihnen aber stückweise ausgezahlt worden in Geld. Dies muß der Kapitalist vorschießen, und es hängt sehr ab von der Organisation des Kreditwesens, ob er die nächste Woche das neue variable Kapital wieder auszahlen kann mit dem alten Geld, das er vorige Woche auszahlte. Ebenso in den Austauschakten zwischen den verschiednen Bestandteilen eines gesellschaftlichen Gesamtkapitals, z.B. zwischen Konsumtionsmitteln und den Produktionsmitteln von Konsumtionsmitteln. Das Geld zu ihrer Zirkulation muß, wie wir gesehn haben, von einem oder beiden der Austauschenden vorgeschossen werden. Es bleibt dann in Zirkulation, kehrt aber nach vollendetem Austausch immer wieder zu dem zurück, der es vorschoß, da es von ihm über sein wirklich beschäftigtes industrielles Kapital hinaus vorgeschossen worden war (s. Buch II, 20. Kapitel). Bei entwickeltem Kreditwesen, wo sich das Geld in den Händen der Banken konzentriert, sind sie es, wenigstens nominell, die es vorschießen. Dieser Vorschuß bezieht sich nur auf das in Zirkulation befindliche Geld. Es ist Vorschuß von Zirkulation, nicht Vorschuß der Kapitale, die es zirkuliert.
Chapman:
- "Es können Zeiten vorkommen, wo die Banknoten in der Hand des Publikums einen sehr großen Betrag ausmachen und dennoch keine zu haben sind."
Geld ist auch während der Panik da; aber jeder hütet sich wohl, es in leihbares Kapital, in leihbares Geld zu verwandeln; jeder hält es fest für wirkliches Zahlungsbedürfnis.
- "Die Banken in den ländlichen Bezirken schicken ihre unbeschäftigten Überschüsse an Sie und andre Londoner Häuser? - Jawohl." - 5100. "Auf der andren Seite lassen die Fabrikdistrikte von Lancashire und Yorkshire Wechsel bei Ihnen diskontieren für ihre Geschäftszwecke? - Jawohl." - 5101. "So daß auf diesem Wege das überschüssige Geld eines Landesteils nutzbar gemacht wird für die Anforderungen eines andern Landesteils? - Ganz richtig."
Chapman sagt, die Sitte der Banken, ihr überschüssiges Geldkapital für kürzere Zeit im Ankauf von Konsols und Schatzscheinen anzulegen, habe in der letzten Zeit sehr abgenommen, seitdem es Gebrauch geworden sei, dies Geld at call (von Tag zu Tag, jederzeit rückforderbar) auszuleihn. Er selbst hält den Ankauf solcher Papiere für sein Geschäft für höchst unzweckmäßig. Er legt es deshalb in guten Wechseln an, von denen täglich ein Teil verfällt, so daß er stets weiß, auf wieviel flüssiges Geld er jeden Tag zu rechnen hat. (5101-5105.)
Selbst das Wachsen der Ausfuhr stellt sich mehr oder weniger für jedes Land, zumeist aber für das Land, das Kredit gibt, als wachsende Anforderung auf den inländischen Geldmarkt dar, die aber erst in Zeiten der Klemme als solche gefühlt wird. In Zeiten, wo die Ausfuhr zunimmt, werden gegen Konsignationen britischer Fabrikate in der Regel langsichtige Wechsel von Fabrikanten auf den Exportkaufmann gezogen. (5126.)
- "Ist es nicht häufig der Fall, daß ein Übereinkommen existiert, daß diese Wechsel von Zeit zu Zeit erneuert werden?" - [Chapman.] "Dies ist eine Sache, die sie uns geheimhalten; wir würden keinen Wechsel derart zulassen ... Es mag sicherlich geschehn, aber ich kann über etwas Derartiges nichts sagen." (Der unschuldige Chapman.) - 5129. "Wenn eine große Zunahme der Ausfuhr stattfindet, wie allein im letzten Jahr von 20 Mill. Pfd.St., führt das nicht von selbst zu einer großen Nachfrage nach Kapital für den Diskonto von Wechseln, die diese Ausfuhren vorstellen? - Unzweifelhaft." - 5130. "Da England in der Regel dem Ausland für alle seine Ausfuhren Kredit gibt, würde das nicht die Absorption eines entsprechenden Zusatzkapitals bedingen für die Zeit, wo dies dauert? - England gibt einen ungeheuren Kredit; aber dagegen nimmt es Kredit für seine Rohstoffe. Man zieht auf uns von Amerika immer auf 60 Tage und von andern Gegenden auf 90 Tage. Auf der andern Seite geben wir Kredit; wenn wir Waren nach Deutschland schicken, geben wir 2 oder 3 Monate."
Wilson fragt Chapman (5131), ob gegen diese importierten Rohstoffe und Kolonialwaren nicht gleichzeitig mit deren Verladung bereits Wechsel auf England gezogen werden und ob sie nicht schon selbst gleichzeitig mit den Ladescheinen ankommen? Chapman glaubt so, weiß nichts von diesen "kaufmännischen" Geschäften, man solle kundigere Leute fragen. - Im Export nach Amerika, sagt Chapman, würden "die Waren im Transit symbolisiert"; dies Kauderwelsch soll heißen, daß der englische Exportkaufmann gegen die Waren auf eins der großen amerikanischen Bankhäuser in London Viermonatswechsel zieht und das Bankhaus von Amerika Deckung erhält.
- "Werden nicht in der Regel die Geschäfte nach weit entlegnen Ländern durch den Kaufmann geführt, der auf sein Kapital wartet, bis die Waren verkauft sind? - Es mag Häuser von großem Privatreichtum geben, die imstande sind, ihr eignes Kapital auszulegen, ohne Vorschüsse auf die Waren zu nehmen; aber diese Waren werden meistens in Vorschüsse verwandelt durch die Akzepte wohlbekannter Firmen." - 5137. "Diese Häuser sind etabliert ... in London, Liverpool und anderswo." - 5138. "Es macht also keinen Unterschied, ob der Fabrikant sein eignes Geld hergeben muß oder ob er einen Kaufmann in London oder Liverpool bekommt, der es vorschießt; es bleibt immer ein in England gemachter Vorschuß? - Ganz richtig. Der Fabrikant hat nur in wenigen Fällen etwas damit zu tun" (dagegen 1847 in fast allen Fällen). "Ein Händler in Fabrikaten, z.B. in Manchester, kauft Waren und verschifft sie durch ein respektables Haus in London; sobald das Londoner Haus sich überzeugt hat, daß alles nach Übereinkunft verpackt ist, zieht er Sechsmonatswechsel auf das Londoner Haus gegen diese nach Indien, China oder sonstwohin gehenden Waren; dann kommt die Bankwelt herein und diskontiert ihm diese Wechsel; so daß um die Zeit, wo er für diese Waren zu zahlen hat, er das Geld bereitliegen hat vermöge der Diskontierung jener Wechsel." - 5139. "Aber wenn jener auch das Geld hat, so hat der Bankier es doch vorschießen müssen? - Der Bankier hat den Wechsel; der Bankier hat den Wechsel gekauft; er verwendet sein Bankkapital in dieser Form, nämlich im Diskontieren von Handelswechseln."
{Also auch Chapman sieht das Diskontieren von Wechseln nicht als Vorschuß an, sondern als Warenkauf. - F. E.}
- "Aber das bildet doch immer einen Teil der Anforderungen an den Geldmarkt in London? - Unzweifelhaft; es ist das die wesentliche Beschäftigung des Geldmarkts und der Bank von England. Die Bank von England ist ebenso froh, diese Wechsel zu bekommen wie wir, sie weiß, daß sie eine gute Anlage sind." - 5141. "Auf die Weise, wie das Exportgeschäft wächst, wächst auch die Nachfrage im Geldmarkt? - Im Maß wie die Prosperität des Landes wächst, nehmen wir" (die Chapmans) "mit teil daran." - 5142. "Wenn also diese verschiednen Felder der Kapitalanlage sich plötzlich ausdehnen, so ist die natürliche Folge ein Steigen des Zinsfußes? - Kein Zweifel daran."
5143 kann Chapman "nicht ganz begreifen, daß bei unsern großen Ausfuhren wir soviel Verwendung für Gold hatten".
5144 fragt der würdige Wilson:
"Kann es nicht sein, daß wir größre Kredite auf unsre Ausfuhr geben, als wir auf unsre Einfuhr nehmen? - Ich selbst möchte diesen Punkt bezweifeln. Wenn jemand gegen seine nach Indien gesandten Manchester-Waren akzeptieren läßt, so können Sie nicht für weniger als 10 Monate akzeptieren. Wir haben, und das ist ganz sicher, Amerika für seine Baumwolle bezahlen müssen, einige Zeit ehe Indien uns bezahlt; aber wie das wirkt, das zu untersuchen, ist ein ziemlich feiner Punkt." - 5145. "Wenn wir, wie im vorigen Jahr, eine Zunahme der Ausfuhr von Manufakturwaren von 20 Mill. Pfd.St. hatten, so müssen wir doch vorher schon eine sehr bedeutende Zunahme der Einfuhr von Rohstoffen gehabt haben" (und schon in dieser Weise ist Überexport identisch mit Überimport, und Überproduktion mit Überhandel), "um diese vermehrte Quantität von Waren zu produzieren? - Unzweifelhaft." - "Wir müssen eine sehr beträchtliche Bilanz zu zahlen gehabt haben; d.h. die Bilanz muß während der Zeit gegen uns gewesen sein, aber auf die Dauer ist der Wechselkurs mit Amerika für uns, und wir haben seit längrer Zeit bedeutende Zufuhren von Edelmetall von Amerika erhalten."
5148 fragt Wilson den Erzwucherer Chapman, ob er seine hohen Zinsen nicht als Zeichen großer Prosperität und hoher Profite betrachte. Chapman, offenbar erstaunt über die Naivität dieses Sykophanten, bejaht dies natürlich, ist jedoch aufrichtig genug, folgende Klausel zu machen:
"Es gibt einige, die sich nicht anders helfen können; sie haben Verpflichtungen zu erfüllen, und sie müssen sie erfüllen, ob es profitlich ist oder nicht; aber wenn er dauert" {der hohe Zinsfuß}, "würde er Prosperität anzeigen."
Beide vergessen, daß er auch anzeigen kann, wie 1857 der Fall war, daß die fahrenden Ritter des Kredits das Land unsicher machen, die hohen Zins zahlen können, weil sie ihn aus fremder Tasche zahlen (dabei aber den Zinsfuß für alle bestimmen helfen) und inzwischen flott auf antizipierte Profite leben. Gleichzeitig kann grade dies übrigens für Fabrikanten usw. ein wirklich sehr profitables Geschäft abwerfen. Die Rückflüsse werden durch das Vorschußsystem vollständig trügerisch. Dies erklärt auch folgendes, was mit Bezug auf die Bank v. E. keiner Erklärung bedarf, weil sie bei hohem Zinsfuß niedriger diskontiert als die andern.
- "Ich kann wohl sagen", sagt Chapman, "daß unsre Diskontobeträge im gegenwärtigen Augenblick, wo wir für so lange Zeit einen hohen Zinsfuß hatten, auf ihrem Maximum sind."
(Dies sagte Chapman am 21. Juli 1857, ein paar Monate vor dem Krach.)
- "1852" (wo der Zins niedrig) "waren sie bei weitem nicht so groß."
Weil in der Tat damals das Geschäft noch viel gesunder war.
- "Wenn eine große Geldüberflutung auf dem Markt wäre ... und der Bankdiskonto niedrig, würden wir eine Abnahme von Wechseln haben ... 1852 waren wir in einer ganz andern Phase. Die Ausfuhren und Einfuhren des Landes waren damals gar nichts verglichen mit heute." - 5161. "Unter dieser hohen Diskontorate sind unsre Diskontierungen ebenso groß wie 1854." (Wo der Zins 5-5 1/2%.)
Höchst amüsant ist im Zeugenverhör des Chapman, wie diese Leute in der Tat das Geld des Publikums als ihr Eigentum betrachten und ein Recht zu haben glauben auf stete Konvertibilität der von ihnen diskontierten Wechsel. Die Naivetät in den Fragen und Antworten ist groß. Es wird Pflicht der Gesetzgebung, die von großen Häusern akzeptierten Wechsel immer konvertibel zu machen, dafür zu sorgen, daß die Bank von England sie unter allen Umständen den bill-brokers wieder weiter diskontiert. Und dabei fallierten 1857 drei solcher bill-brokers mit ungefähr 8 Millionen und einem gegen diese Schulden verschwindenden eignen Kapital.
- "Wollen Sie damit sagen, daß nach Ihrer Meinung sie" (Akzepte von Barings oder Loyds) "zwangsmäßig diskontierbar sein sollten, in der Art wie eine Note der Bank von England jetzt zwangsmäßig gegen Gold einwechselbar ist? - Ich bin der Ansicht, daß es eine sehr beklagenswerte Sache sein würde, wenn sie nicht diskontierbar wären; eine höchst außerordentliche Lage, daß ein Mann die Zahlungen einstellen müßte, weil er Akzepte von Smith, Payne & Co. oder Jones Loyd & Co. besitzt und sie nicht diskontieren kann." - 5178. "Ist nicht das Akzept von Barings eine Verpflichtung, eine gewisse Summe Geldes zu zahlen, wenn der Wechsel verfällt? - Das ist ganz richtig; aber die Herren Baring, wenn sie eine solche Verpflichtung übernehmen, wie jeder Kaufmann, wenn er eine solche Verpflichtung übernimmt, denken nicht im Traum daran, daß sie das werden in Sovereigns bezahlen müssen; sie rechnen darauf, daß sie es im Clearing House bezahlen werden." - 5180. "Meinen Sie dann, es müsse eine Art Maschinerie erdacht werden, vermittelst deren das Publikum ein Recht hätte, Geld zu empfangen vor Verfall des Wechsels dadurch, daß jemand anders ihn diskontieren müßte? - Nein, nicht vom Akzeptanten; aber wenn Sie damit meinen, daß wir nicht die Möglichkeit haben sollen, kommerzielle Wechsel diskontiert zu bekommen, dann müssen wir die ganze Verfassung der Dinge ändern." - 5182. "Sie glauben also, er" {ein Handelswechsel} "müßte in Geld konvertibel sein, genauso wie eine Note der Bank von England in Gold konvertibel sein muß? - Ganz entschieden, unter gewissen Umständen." - 5184. "Sie glauben also, daß die Einrichtungen der currency so gestaltet werden müßten, daß ein Handelswechsel von unbezweifelter Solidität zu allen Zeiten ebenso leicht gegen Geld umwechselbar wäre wie eine Banknote? - Das glaube ich." - 5185. "Sie gehn nicht soweit, zu sagen, daß, sei es die Bank von England, sei es irgend jemand anders, gesetzlich gezwungen werden sollte, ihn einzuwechseln? - Ich gehe allerdings so weit, zu sagen, daß, wenn wir ein Gesetz zur Regelung der currency machen, wir Vorkehrungen treffen sollten, die Möglichkeit zu verhindern, daß eine Inkonvertibilität der inländischen Handelswechsel eintritt, soweit diese Wechsel unbezweifelt solid und legitim sind."
Dies ist die Konvertibilität des Handelswechsels gegen die Konvertibilität der Banknote.
- "Die Geldhändler des Landes repräsentieren tatsächlich nur das Publikum" -
wie Herr Chapman später vor den Assisen im Fall Davidson. Siehe die Great City Frauds.
- "Während der Quartalzeiten" (wenn die Dividenden gezahlt werden) "ist es absolut nötig, daß wir uns an die Bank von England wenden. Wenn Sie aus der Zirkulation 6 oder 7 Millionen Staatseinkommen in Antizipation der Dividenden herausnehmen, so muß irgend jemand da sein, der diesen Betrag in der Zwischenzeit zur Verfügung stellt."
(In diesem Fall handelt es sich also um Zufuhr von Geld, nicht von Kapital oder Leihkapital.)
- "Jeder, der unsre Handelswelt kennt, muß wissen, daß, wenn wir in einer solchen Lage sind, daß Schatzscheine unverkäuflich werden, daß Obligationen der Ostindischen Kompanie vollkommen nutzlos sind, daß man die besten Handelswechsel nicht diskontieren kann, eine große Besorgnis herrschen muß bei denen, deren Geschäft sie in den Fall bringt, auf einfaches Verlangen augenblicklich Zahlungen im landesüblichen Zirkulationsmittel zu machen, und dies ist der Fall mit allen Bankiers. Die Wirkung davon ist dann, daß jedermann seine Reserve verdoppelt. Nun sehn Sie mal, was die Wirkung davon im ganzen Lande ist, wenn jeder Landbankier, deren es ungefähr 500 gibt, seinen Londoner Korrespondenten zu beauftragen hat, ihm 5.000 Pfd.St. in Banknoten zu remittieren. Selbst wenn wir eine so kleine Summe als Durchschnitt nehmen, was schon ganz absurd ist, kommen wir auf 2 1/2 Mill. Pfd.St., die der Zirkulation entzogen werden. Wie sollen die ersetzt werden?"
Andrerseits wollen die Privatkapitalisten etc., die Geld haben, es zu keinem Zins hergeben, denn sie sagen nach Chapman:
"Wir wollen lieber gar keine Zinsen haben, als im Zweifel sein, ob wir das Geld bekommen können, falls wir es brauchen."
"Unser System ist dies: Wir haben 300 Mill. Pfd.St. Verpflichtungen, deren Bezahlung in laufender Landesmünze in einem einzigen gegebnen Moment verlangt werden kann; und diese Landesmünze, wenn wir sie alle darauf verwenden, beträgt 23 Mill. Pfd.St. oder wieviel es sein mag; ist das nicht ein Zustand, der uns jeden Augenblick in Konvulsionen werfen kann?"
Daher in den Krisen der plötzliche Umschlag des Kreditsystems in das Monetarsystem.
Abgesehn von der inländischen Panik in den Krisen, kann von Quantität des Geldes nur die Rede sein, soweit es Metall betrifft, das Weltgeld. Und grade dies schließt Chapman aus, er spricht nur von 23 Mill. Banknoten.
Derselbe Chapman:
- "Die ursprüngliche Ursache der Störung im Geldmarkt" {April und später Oktober 1847} "war unbezweifelt in der Menge des Geldes, das erforderlich war, um die Wechselkurse zu regulieren, infolge der außerordentlichen Einfuhren des Jahres."
Erstens war dieser Schatz des Weltmarktsgeldes damals auf sein Minimum reduziert. Zweitens diente er zugleich als Sicherheit für die Konvertibilität des Kreditgeldes, der Banknoten. Er vereinigte so zwei ganz verschiedne Funktionen, die aber beide aus der Natur des Geldes hervorgehn, da das wirkliche Geld stets Weltmarktsgeld ist und das Kreditgeld stets auf dem Weltmarktsgeld beruht.
1847, ohne Suspension des Bankakts von 1844 "hätten die Clearing Houses ihre Geschäfte nicht erledigen können". (5221.)
Daß Chapman doch eine Ahnung der bevorstehenden Krise hatte:
"Es gibt gewisse Lagen des Geldmarktes (und die gegenwärtige ist nicht sehr entfernt davon), wo Geld sehr schwierig ist und man zur Bank seine Zuflucht nehmen muß."
"Was die Summen angeht, die wir von der Bank entnahmen am Freitag, Samstag und Montag, den 19., 20. und 22. Oktober 1847, so wären wir nur zu dankbar gewesen am folgenden Mittwoch, hätten wir die Wechsel zurückbekommen können; das Geld floß augenblicklich zu uns zurück, sobald die Panik vorüber war."
Am Dienstag, 23. Oktober, wurde nämlich der Bankakt suspendiert, und die Krise war damit gebrochen.
Chapman glaubt 5274, daß die gleichzeitig auf London schwebenden Wechsel 100-120 Mill. Pfd.St. betragen. Dies begreift nicht die Lokalwechsel auf Provinzialplätze.
- "Während im Oktober 1856 der Notenbetrag in den Händen des Publikums auf 21.155.000 Pfd.St. stieg, war doch eine ganz außerordentliche Schwierigkeit, Geld zu bekommen; trotzdem daß das Publikum so viel in der Hand hatte, konnten wir es nicht in die Finger bekommen."
Nämlich infolge der Besorgnisse, erzeugt durch die Klemme, in der sich die Eastern Bank eine Zeitlang (März 1856) befunden hatte.
- Sobald die Panik einmal vorüber,
"fangen alle Bankiers, die ihren Profit aus dem Zins machen, sofort an, ihr Geld zu beschäftigen".
- Chapman erklärt die Beunruhigung bei Abnahme der Bankreserve nicht aus Furcht wegen der Depositen, sondern weil alle diejenigen, die große Geldsummen plötzlich zu zahlen in den Fall kommen können, sehr wohl wissen, daß sie zur Bank als letzter Hilfsquelle bei Klemme im Geldmarkt getrieben werden können; und
"wenn die Bank eine sehr kleine Reserve hat, ist sie nicht erfreut, uns zu empfangen, im Gegenteil".
Es ist übrigens schön, wie die Reserve als faktische Größe verschwindet. Die Bankiers halten ein Minimum für ihr laufendes Geschäft teils bei sich, teils bei der Bank von England. Die bill-brokers halten das "lose Bankgeld des Landes" ohne Reserve. Und die Bank v. E. hat gegen ihre Depositenschulden nur die Reserve der Bankiers und anderer, nebst public deposits etc., die sie auf den niedrigsten Punkt kommen läßt, z.B. bis auf 2 Mill. Außer diesen 2 Mill. Papier hat daher dieser ganze Schwindel, in Zeiten der Klemme (und diese vermindert die Reserve, weil die Noten, die gegen abfließendes Metall eingehn, annulliert werden müssen) absolut keine andre Reserve als den Metallschatz, und daher steigert jede Verminderung desselben durch Goldabfluß die Krise.
- "Wenn kein Geld vorhanden wäre, um die Ausgleichungen im Clearing House zu erledigen, so sehe ich nicht, daß uns etwas andres übrigbliebe, als zusammenzukommen und unsre Zahlungen in Primawechseln zu machen, Wechseln auf das Schatzamt, Smith, Payne & Co. etc." - 5307. "Also, falls die Regierung ermangelte, Sie mit Zirkulationsmitteln zu versehn, würden Sie eins für sich selbst schaffen? - Was können wir tun? Das Publikum kommt herein und nimmt uns das Zirkulationsmittel aus der Hand; es existiert nicht." - 5308. "Sie würden also bloß das in London tun, was man in Manchester jeden Tag tut? - Jawohl."
Sehr gut ist die Antwort Chapmans auf die Frage, die Cayley (Birmingham-man der Attwoodschen Schule) mit Bezug auf Overstones Vorstellung von Kapital stellt:
"Es ist vor dem Komitee ausgesagt worden, daß in einer Klemme, wie die von 1847, man sich nicht nach Geld umsieht, sondern nach Kapital; was ist Ihre Meinung darüber? - Ich verstehe Sie nicht; wir handeln nur in Geld; ich verstehe nicht, was Sie damit meinen." - 5316. "Wenn Sie darunter" (kommerzielles Kapital) "die Menge des ihm selbst gehörigen Geldes verstehn, das ein Mann in seinem Geschäft hat, wenn Sie das Kapital nennen, so bildet das meistens einen sehr geringen Teil des Geldes, womit er in seinen Geschäften wirtschaftet, vermittelst des Kredits, den ihm das Publikum gibt" - durch die Vermittlung der Chapmans.
"Ist es Mangel an Reichtum, daß wir unsre Barzahlungen suspendieren? - Keineswegs; ... wir haben keinen Mangel an Reichtum, sondern wir bewegen uns unter einem höchst künstlichen System, und wenn wir eine ungeheure drohende (superincumbent) Nachfrage nach unserm Zirkulationsmittel haben, so mögen Umstände eintreten, die uns verhindern, dieses Zirkulationsmittels habhaft zu werden. Soll deswegen die ganze kommerzielle Industrie des Landes lahmgelegt werden? Sollen wir alle Zugänge der Beschäftigung zuschließen?" - 5338. "Sollten wir vor die Frage gestellt werden, was wir aufrechterhalten wollen, die Barzahlungen oder die Industrie des Landes, so weiß ich, welches von beiden ich fallen ließe."
Über Aufschatzung von Banknoten "mit der Absicht, die Klemme zu verschärfen und von den Folgen Nutzen zu ziehn" (5358), sagt er, daß dies sehr leicht geschehn kann. Drei große Banken würden dazu hinreichen.
- "Muß es Ihnen nicht bekannt sein, als einem mit den großen Geschäften unsrer Hauptstadt vertrauten Mann, daß Kapitalisten diese Krisen benutzen, um enorme Profite zu machen aus dem Ruin derjenigen, die zum Opfer fallen? - Daran kann kein Zweifel sein."
Und Herrn Chapman dürfen wir dies glauben, obwohl er schließlich über dem Versuch, "aus dem Ruin der Opfer enorme Profite zu machen", kommerziell den Hals gebrochen hat. Denn wenn sein Associé Gurney sagt: jede Änderung im Geschäft ist vorteilhaft für den, der Bescheid weiß, so sagt Chapman:
"Der eine Teil der Gesellschaft weiß nichts vom andern; da ist z.B. der Fabrikant, der nach dem Kontinent exportiert oder seinen Rohstoff importiert, er weiß nichts von dem andern, der in Goldbarren macht." (5046.)
Und so geschah es, daß eines Tags Gurney und Chapman selbst nicht "Bescheid wußten" und einen berüchtigten Bankrott machten.
Wir sahen schon oben, daß Ausgabe von Noten nicht in allen Fällen Vorschuß von Kapital bedeutet. Die jetzt folgende Aussage von Tooke vor dem C.D. Ausschuß der Lords 1848 beweist nur, daß Kapitalvorschuß, selbst wenn von der Bank durch Ausgabe neuer Noten bewerkstelligt, nicht ohne weiteres eine Vermehrung der Menge der umlaufenden Noten bedeutet:
- "Glauben Sie, daß die B. v. E. z.B. ihre Vorschüsse bedeutend erweitern könne, ohne daß dies zu vermehrter Notenausgabe führte? - Es liegen Tatsachen im Überfluß vor, die dies beweisen. Eins der schlagendsten Beispiele war 1835, wo die Bank von den westindischen Depositen und von der Anleihe bei der Ostindischen Kompanie Gebrauch machte zu vermehrten Vorschüssen ans Publikum; da nahm zur selben Zeit der Notenbetrag in den Händen des Publikums tatsächlich etwas ab ... Etwas Ähnliches ist bemerkbar 1846 zur Zeit der Einzahlungen der Eisenbahndepositen in die Bank; die Wertpapiere" (in Diskonto und Depot) "stiegen auf ungefähr 30 Mill., während keine merkliche Wirkung eintrat auf den Notenbetrag in der Hand des Publikums."
Neben den Banknoten aber hat der Großhandel ein zweites und für ihn weit wichtigeres Zirkulationsmittel: die Wechsel. Herr Chapman hat uns gezeigt, wie wesentlich es ist für einen regelmäßigen Geschäftsgang, daß gute Wechsel überall und unter allen Umständen in Zahlung genommen werden: "Gilt nicht mehr der Tausves Jontof, was soll gelten, Zeter, Zeter!" Wie verhalten sich nun diese beiden Umlaufsmittel zueinander?
Gilbart sagt hierüber:
"Die Beschränkung des Betrags der Notenzirkulation vermehrt regelmäßig den Betrag der Wechselzirkulation. Die Wechsel sind zweierlei Art - Handelswechsel und Bankierwechsel - ... wird das Geld selten, so sagen die Geldverleiher: 'Ziehen Sie auf uns, und wir werden akzeptieren', und wenn ein Provinzialbankier einem Kunden einen Wechsel diskontiert, so gibt er ihm nicht bares Geld, sondern seine eigne Tratte für 21 Tage auf seinen Londoner Agenten. Diese Wechsel dienen als ein Zirkulationsmittel." (J. W. Gilbart, "An Inquiry into the Causes of the Pressure etc.", p.31.)
Dies wird, in etwas modifizierter Form, bestätigt durch Newmarch,
B.A. 1857, Nr. 1426:
"Es besteht kein Zusammenhang zwischen den Schwankungen im Betrag der zirkulierenden Wechsel und denen in den zirkulierenden Banknoten ... das einzige ziemlich gleichmäßige Resultat ist ... daß, sobald die geringste Klemme im Geldmarkt eintritt, wie eine Steigerung der Diskontrate sie anzeigt, der Umfang der Wechselzirkulation bedeutend vermehrt wird und umgekehrt."
Die in solchen Zeiten gezognen Wechsel sind aber keineswegs nur die kurzen Bankwechsel, die Gilbart erwähnt. Im Gegenteil, es sind zum großen Teil Akkommodationswechsel, die gar kein wirkliches Geschäft repräsentieren oder nur Geschäfte, die bloß eingeleitet wurden, um daraufhin Wechsel ziehen zu können; von beidem haben wir Beispiele genug gegeben. Daher sagt der "Economist" (Wilson), die Sicherheit solcher Wechsel vergleichend mit der der Banknoten:
"Bei Vorzeigung zahlbare Banknoten können nie im Übermaß draußen bleiben, weil das Übermaß immer zur Bank zur Auswechslung zurückfließen würde, während Zweimonatswechsel in großem Übermaß ausgegeben werden können, da es kein Mittel gibt, die Ausgabe zu kontrollieren, bis sie verfallen, wo sie dann vielleicht schon wieder durch andre ersetzt sind. Daß eine Nation die Sicherheit der Zirkulation von Wechseln, zahlbar an einem künftigen Termin, zugeben, dagegen aber Bedenken erheben sollte gegen eine Zirkulation von Papiergeld, zahlbar bei Vorzeigung, ist für uns vollständig unbegreiflich." ("Economist", 1847, p. 575.)
Die Menge der zirkulierenden Wechsel ist also, wie die der Banknoten, lediglich bestimmt durch die Bedürfnisse des Verkehrs; in gewöhnlichen Zeiten zirkulierten in den fünfziger Jahren im Vereinigten Königreich neben 39 Mill. Banknoten ungefähr 300 Mill. Wechsel, davon 100-120 Mill. auf London allein. Der Umfang, worin die Wechsel zirkulieren, hat keinen Einfluß auf den Umfang der Notenzirkulation und wird von diesem letzteren beeinflußt nur in Zeiten der Geldknappheit, wo die Quantität der Wechsel zunimmt und ihre Qualität sich verschlechtert. Endlich, im Moment der Krise, versagt die Wechselzirkulation gänzlich; kein Mensch kann Zahlungsversprechen brauchen, da jeder nur Barzahlung nehmen will; nur die Banknote bewahrt, wenigstens bis jetzt in England, die Umlaufsfähigkeit, da die Nation mit ihrem Gesamtreichtum hinter der Bank von England steht.
Wir haben gesehn, wie selbst Herr Chapman, der doch 1857 selbst ein Magnat auf dem Geldmarkt war, sich bitter darüber beklagt, daß es in London mehrere große Geldkapitalisten gebe, stark genug, um in einem gegebnen Moment den ganzen Geldmarkt in Unordnung zu bringen und dadurch die kleineren Geldhändler schmählichst zu schröpfen. So gebe es mehrere solche große Haifische, die eine Klemme bedeutend verschärfen könnten, indem sie 1-2 Millionen Konsols verkauften und dadurch einen gleichen Betrag von Banknoten (und gleichzeitig von disponiblem Leihkapital) aus dem Markt nähmen. Durch ein gleiches Manöver eine Klemme in eine Panik zu verwandeln, dazu würde das Zusammenwirken dreier großer Banken hinreichen.
Die größte Kapitalmacht in London ist natürlich die Bank von England, die aber durch ihre Stellung als halbes Staatsinstitut in die Unmöglichkeit versetzt ist, ihre Herrschaft in so brutaler Weise kundzutun. Trotzdem weiß auch sie Mittel und Wege genug - namentlich seit dem Bankakt von 1844 -, wie sie ihr Schäfchen ins trockne bringt.
Die Bank von England hat ein Kapital von 14.553.000 Pfd.St. und verfügt außerdem über zirka 3 Millionen Pfd.St. "Rest", d.h. unverteilte Profite, sowie über alle bei der Regierung für Steuern etc. eingehenden Gelder, die bei ihr deponiert werden müssen, bis sie gebraucht werden. Rechnet man hierzu noch die Summe der sonstigen Depositengelder (in gewöhnlichen Zeiten etwa 30 Mill. Pfd.St.) und der ungedeckt ausgegebnen Banknoten, so wird man Newmarchs Schätzung noch ziemlich mäßig finden, wenn dieser (B.A. 1857, Nr. 1889) sagt:
"Ich habe mich überzeugt, daß die Gesamtsumme der fortwährend im" {Londoner} "Geldmarkt beschäftigten Fonds auf ungefähr 120 Mill. Pfd.St. angeschlagen werden kann; und von diesen 120 Millionen verfügt die Bank v. E. über einen sehr bedeutenden Teil, gegen 15-20%."
Soweit die Bank Noten ausgibt, die nicht durch den Metallschatz in ihren Gewölben gedeckt sind, kreiert sie Wertzeichen, die nicht nur Umlaufsmittel, sondern auch zusätzliches - wenn auch fiktives - Kapital für sie bilden zum Nominalbetrag dieser ungedeckten Noten. Und dies Zusatzkapital wirft ihr einen zusätzlichen Profit ab. - B. A. 1857 fragt Wilson den Newmarch:
- "Die Zirkulation der eignen Banknoten einer Bank, d.h. der durchschnittlich in den Händen des Publikums verbleibende Betrag, bildet einen Zusatz zum effektiven Kapital jener Bank, nicht wahr? - Ganz gewiß." - 1564. "Aller Profit also, den die Bank aus dieser Zirkulation zieht, ist ein Profit, der vom Kredit und nicht von einem von ihr wirklich besessenen Kapital herstammt? - Ganz gewiß."
Dasselbe gilt natürlich auch für die Noten ausgebenden Privatbanken. In seinen Antworten Nr. 1866-1868 betrachtet Newmarch zwei Drittel aller von diesen ausgegebnen Banknoten (für das letzte Drittel müssen diese Banken Metallreserven halten) als "Schöpfung von so viel Kapital", weil Hartgeld zu diesem Betrag erspart wird. Der Profit des Bankiers mag deshalb nicht größer sein als der Profit andrer Kapitalisten. Die Tatsache bleibt, daß er den Profit zieht aus dieser nationalen Ersparung von Hartgeld. Daß eine nationale Ersparung als Privatprofit erscheint, schockiert gar nicht den bürgerlichen Ökonomen, da der Profit überhaupt Aneignung nationaler Arbeit ist. Gibt es etwas Verrückteres, als z.B. die Bank von England 1797 bis 1817, deren Noten nur durch den Staat Kredit haben und die sich dann vom Staat, also vom Publikum, in der Form von Zinsen für Staatsanleihen, bezahlen läßt für die Macht, die der Staat ihr gibt, diese selben Noten aus Papier in Geld zu verwandeln und sie dann dem Staat zu leihen?
Die Banken haben übrigens noch andre Mittel, Kapital zu kreieren. Nach demselben Newmarch haben die Provinzialbanken, wie schon oben erwähnt, die Gepflogenheit, ihre überflüssigen Fonds (d.h. Noten der B. v. E.) an Londoner bill-brokers zu schicken, die ihnen dagegen diskontierte Wechsel zurückschicken. Mit diesen Wechseln bedient die Bank ihre Kunden, da es Regel für sie ist, die von ihren Lokalkunden empfangnen Wechsel nicht wieder auszugeben, damit nicht die Geschäftsoperationen dieser Kunden in ihrer eignen Nachbarschaft bekannt werden. Diese von London erhaltnen Wechsel dienen nicht nur dazu, an Kunden ausgegeben zu werden, die direkt Zahlungen in London zu machen haben, falls diese nicht vorziehn, sich von der Bank eine eigne Anweisung auf London ausstellen zu lassen; sie dienen auch zur Erledigung von Zahlungen in der Provinz, denn das Endossement des Bankiers sichert ihnen den lokalen Kredit. Sie haben so, z.B. in Lancashire, alle eignen Noten von Lokalbanken und einen großen Teil der Bank-v.-E.-Noten aus der Zirkulation verdrängt. (ibidem, Nr. 1568 bis 1574.)
Wir sehn hier also, wie die Banken Kredit und Kapital kreieren: 1. Durch Ausgabe eigner Banknoten; 2. durch Ausstellung von Anweisungen auf London mit bis zu 21 Tagen Laufzeit, die ihnen aber bei Ausstellung gleich bar bezahlt werden; 3. durch Wegzahlung diskontierter Wechsel, deren Kreditfähigkeit zunächst und wesentlich, wenigstens für den betreffenden Lokalbezirk, durch das Endossement der Bank hergestellt wurde.
Die Macht der Bank von England zeigt sich in ihrer Regulierung der Marktrate des Zinsfußes. In Zeiten normalen Geschäftsverlaufs kann es vorkommen, daß die Bank v. E. einem mäßigen Goldabfluß aus ihrem Metallschatz nicht durch Erhöhung der Diskontorate50 einen Riegel vorschieben kann, weil der Bedarf an Zahlungsmitteln durch die Privat- und Aktienbanken und bill-brokers, die in den letzten dreißig Jahren bedeutend an Kapitalmacht gewonnen, befriedigt wird. Sie hat dann andre Mittel anzuwenden. Aber für kritische Momente gilt noch immer, was der Bankier Glyn (von Glyn, Mills, Currie & Co.) vor dem C.D. 1848/1857 aussagte:
- "In Zeiten großer Klemme im Lande kommandiert die Bank v. E. den Zinsfuß." - 1710. "In Zeiten außerordentlicher Klemme, ... wenn die Diskontierungen der Privatbankiers oder Brokers verhältnismäßig eingeschränkt werden, fallen sie auf die Bank v. E., und dann hat sie die Macht, die Marktrate des Zinsfußes festzustellen."
Allerdings darf sie, als öffentliches Institut unter Staatsschutz und mit Staatsprivilegien, diese ihre Macht nicht schonungslos ausnutzen, wie die Privatgeschäfte sich dies erlauben dürfen. Deshalb sagt auch Hubbard vor dem Bankkomitee B.A. 1857:
- (Frage:) "Ist es nicht der Fall, daß, wenn die Diskontorate am höchsten, dann die Bank von England am wohlfeilsten bedient, und wenn am niedrigsten, dann die Brokers am wohlfeilsten? " - (Hubbard:) "Das wird immer der Fall sein, denn die Bank v. E. geht nie so sehr herunter wie ihre Konkurrenten, und wenn die Rate am höchsten, geht sie nie ganz so hoch hinauf."
Trotzdem aber ist es ein ernsthaftes Ereignis im Geschäftsleben, wenn die Bank in Zeiten der Klemme, nach dem landläufigen Ausdruck, die Schraube anzieht, d.h. den schon über dem Durchschnitt stehenden Zinsfuß noch höher setzt.
"Sobald die Bank v. E. die Schraube anzieht, hören alle Einkäufe für Ausfuhr ins Ausland auf ... die Exporteure warten, bis die Depression der Preise den niedrigsten Punkt erreicht hat, und erst dann und nicht früher kaufen sie ein. Aber wenn dieser Punkt erreicht ist, sind die Kurse schon wieder geregelt - Gold hört auf, exportiert zu werden, ehe dieser niedrigste Punkt der Depression erreicht ist. Warenkäufe für Export können möglicherweise einen Teil des auswärts gesandten Goldes zurückbringen, aber sie kommen zu spät, den Abfluß zu verhindern." (J. W. Gilbart, "An Inquiry into the Causes of the Pressure on the Money Market", London 1840, p. 35.) "Eine andre Wirkung der Regulierung des Zirkulationsmittels vermittelst der auswärtigen Wechselkurse ist, daß sie in Zeiten der Klemme einen enormen Zinsfuß herbeiführt." (l.c.p. 40.) "Die Kosten, die aus der Wiederherstellung der Wechselkurse entstehn, fallen auf die produktive Industrie des Landes, während im Verlauf dieses Prozesses der Profit der Bank v. E. positiv dadurch gesteigert wird, daß sie ihr Geschäft mit einem geringern Betrag von Edelmetall fortführt." (l.c. p. 52.)
Aber, sagt Freund Samuel Gurney,
"diese großen Schwankungen des Zinsfußes sind den Bankiers und Geldhändlern vorteilhaft - alle Schwankungen im Geschäft sind vorteilhaft für den, der Bescheid weiß".
Und wenn auch die Gurneys den Rahm der rücksichtslosen Ausbeutung der Geschäftsnotlage abschöpfen, während die Bank v. E. sich dies nicht mit derselben Freiheit erlauben darf, so fallen auch für sie ganz hübsche Profite ab - von den Privatprofiten nicht zu sprechen, die den Herren Direktoren, infolge ihrer ausnahmsweisen Gelegenheit zur Kenntnisnahme der allgemeinen Geschäftslage, von selbst in den Schoß fallen. Nach Angabe vor dem Lord's Committee 1817 bei Wiederaufnahme der Barzahlungen, betrugen diese Profite der Bank von England für die gesamte Zeit von 1797-1817:
| Bonuses and increased dividends | 7.451.136 |
| New stock divided among proprietors | 7.276.500 |
| Increased value of capital | 14.553.000 |
| Summa | 29.280.636 |
auf ein Kapital von 11.642.400 Pfd.St. in 19 Jahren. (D. Hardcastle, "Banks and Bankers", 2nd ed., London 1843, p. 120.) Schätzen wir den Totalgewinn der Bank von Irland, die auch 1797 die Barzahlungen suspendierte, nach demselben Prinzip, so erhalten wir folgendes Resultat:
| Dividends as by returns due 1821 | 4.736.085 |
| Declared Bonus | 1.225.000 |
| Increased assets | 1.214.800 |
| Increased value of capital | 4.185.000 |
| Summa | 11.360.885 |
auf ein Kapital von 3 Mill. Pfd.St. (ibidem, p. 363, 364.)
Man spreche noch von Zentralisation! Das Kreditsystem, das seinen Mittelpunkt hat in den angeblichen Nationalbanken und den großen Geldverleihern und Wucherern um sie herum, ist eine enorme Zentralisation und gibt dieser Parasitenklasse eine fabelhafte Macht, nicht nur die industriellen Kapitalisten periodisch zu dezimieren, sondern auf die gefährlichste Weise in die wirkliche Produktion einzugreifen - und diese Bande weiß nichts von der Produktion und hat nichts mit ihr zu tun. Die Akte von 1844 und 1845 sind Beweise der wachsenden Macht dieser Banditen, an die sich die Finanziers und stock-jobbers anschließen.
Wenn aber noch jemand zweifelt, daß diese ehrbaren Banditen die nationale und internationale Produktion ausbeuten nur im Interesse der Produktion und der Ausgebeuteten selbst, der wird sicher eines Bessern belehrt durch folgenden Exkurs über die hohe sittliche Würde des Bankiers:
"Die Banketablissements sind religiöse und moralische Institutionen. Wie oft hat die Furcht, durch das wachsame und mißbilligende Auge seines Bankiers gesehn zu werden, den jungen Handelsmann abgeschreckt von der Gesellschaft lärmender und ausschweifender Freunde? Welche Angst hat er, gut in der Achtung des Bankiers zu stehn, immer respektabel zu erscheinen! Das Stirnrunzeln des Bankiers hat mehr Einfluß auf ihn, als die Moralpredigten seiner Freunde; zittert er nicht, im Verdacht zu stehn, sich einer Täuschung oder der kleinsten unrichtigen Aussage schuldig gemacht zu haben, aus Furcht, dies könne Verdacht erregen, und infolgedessen könne seine Bankakkommodation beschränkt oder gekündigt werden! Der Rat des Bankiers ist ihm wichtiger als der des Geistlichen." (G. M. Bell, schottischer Bankdirigent, "The Philosophy of Joint Stock Banking", London 1840, p. 46, 47.)
Vierunddreißigstes Kapitel. Das Currency Principle und die englische Bankgesetzgebung von 1844
{In einer frühern Schrift51 ist die Theorie Ricardos über den Wert des Geldes im Verhältnis zu den Preisen der Waren untersucht worden; wir können uns daher hier auf das Nötigste beschränken. Nach Ricardo wird der Wert des - metallischen - Geldes bestimmt durch die in ihm vergegenständlichte Arbeitszeit, aber nur solange die Quantität des Geldes im richtigen Verhältnis steht zu Menge und Preis der umzusetzenden Waren. Steigt die Quantität des Geldes über dies Verhältnis, so sinkt sein Wert, die Warenpreise steigen; fällt sie unter das richtige Verhältnis, so steigt sein Wert, und die Warenpreise fallen - bei sonst gleichbleibenden Umständen. Im ersten Fall wird das Land, wo dieser Überschuß von Gold besteht, das unter seinen Wert gesunkene Gold ausführen und Waren einführen; im zweiten wird Gold hinströmen zu den Ländern, wo es über seinen Wert geschätzt wird, während die unterschätzten Waren von dort zu andern Märkten fließen, wo sie normale Preise erzielen können. Da unter diesen Voraussetzungen "das Gold selbst, sei es als Münze, sei es als Barre, Wertzeichen von größerem oder geringerem Metallwert als seinem eignen werden kann, so versteht es sich, daß etwa zirkulierende konvertible Banknoten dasselbe Schicksal teilen. Obgleich die Banknoten konvertibel sind, also ihr Realwert ihrem Nominalwert entspricht, kann die Gesamtmasse des zirkulierenden Geldes, Gold und Noten (the aggregate currency consisting of metal and of convertible notes) appreziiert oder depreziiert werden, je nachdem ihre Gesamtquantität, aus den vorher entwickelten Gründen, über oder unter das Niveau steigt oder fällt, das durch den Tauschwert der zirkulierenden Waren und den Metallwert des Goldes bestimmt ist ... Diese Depreziation, nicht des Papiers gegen Gold, sondern des Goldes und Papiers zusammengenommen oder der gesamten Masse der Zirkulationsmittel eines Landes, ist eine der Haupterfindungen Ricardos, die Lord Overstone & Co. in ihren Dienst preßten und zu einem Fundamentalprinzip von Sir Robert Peels Bankgesetzgebung von 1844 und 1845 machten." (l.c.p. 155.)
Den an derselben Stelle geführten Nachweis von der Verkehrtheit dieser Ricardoschen Theorie brauchen wir hier nicht zu wiederholen. Uns interessiert nur die Art und Weise, wie Ricardos Lehrsätze verarbeitet wurden von der Schule von Banktheoretikern, die die obigen Peelschen Bankakte diktierte.
"Die Handelskrisen während des 19. Jahrhunderts, namentlich die großen Krisen von 1825 und 1836, riefen keine Fortentwicklung, wohl aber neue Nutzanwendung der Ricardoschen Geldtheorie hervor. Es waren nicht mehr einzelne ökonomische Phänomene, wie bei Hume die Depreziation der edlen Metalle im 16. und 17. Jahrhundert oder wie bei Ricardo die Depreziation des Papiergelds während des 18. und im Anfang des 19. Jahrhunderts, sondern die großen Weltmarktsungewitter, worin der Widerstreit aller Elemente des bürgerlichen Produktionsprozesses sich entladet, deren Ursprung und Abwehr innerhalb der oberflächlichsten und abstraktesten Sphäre dieses Prozesses, der Sphäre der Geldzirkulation, gesucht wurden. Die eigentlich theoretische Voraussetzung, wovon die Schule der ökonomischen Wetterkünstler ausgeht, besteht in der Tat in nichts andrem als dem Dogma, daß Ricardo die Gesetze der rein metallischen Zirkulation entdeckt hat. Was ihnen zu tun übrigblieb, war die Unterwerfung der Kredit- oder Banknotenzirkulation unter diese Gesetze.
Das allgemeinste und sinnfälligste Phänomen der Handelskrisen ist plötzlicher, allgemeiner Fall der Warenpreise, folgend auf ein längeres, allgemeines Steigen derselben. Allgemeiner Fall der Warenpreise kann ausgedrückt werden als Steigen im relativen Wert des Geldes, verglichen mit allen Waren, und allgemeines Steigen der Preise umgekehrt als Fallen des relativen Werts des Geldes. In beiden Ausdrucksweisen ist das Phänomen ausgesprochen, nicht erklärt ... Die verschiedene Phraseologie läßt die Aufgabe ebenso unverändert, wie es ihre Übersetzung aus der deutschen in die englische Sprache tun würde. Ricardos Geldtheorie kam daher ungemein gelegen, da sie einer Tautologie den Schein eines Kausalverhältnisses gibt. Woher das periodische allgemeine Fallen der Warenpreise? Vom periodischen Steigen des relativen Werts des Geldes. Woher umgekehrt das periodische, allgemeine Steigen der Warenpreise? Von einem periodischen Fall im relativen Wert des Geldes. Es könnte ebenso richtig gesagt werden, daß das periodische Steigen und Fallen der Preise von ihrem periodischen Steigen und Fallen herrührt ... Die Verwandlung der Tautologie in ein Kausalverhältnis einmal zugegeben, ergibt sich alles andre mit Leichtigkeit. Das Steigen der Warenpreise entspringt aus dem Fallen des Werts des Geldes. Das Fallen des Geldwerts aber, wie wir von Ricardo wissen, aus übervoller Zirkulation, d.h. daher, daß die Masse des zirkulierenden Geldes über das, durch seinen eignen immanenten Wert und die immanenten Werte der Waren bestimmte Niveau steigt. Ebenso umgekehrt das allgemeine Fallen der Warenpreise aus dem Steigen des Geldwerts über seinen immanenten Wert infolge einer untervollen Zirkulation. Die Preise steigen und fallen also periodisch, weil periodisch zu viel oder zu wenig Geld zirkuliert. Wird nun etwa nachgewiesen, daß das Steigen der Preise mit einer verminderten Geldzirkulation und das Fallen der Preise mit einer vermehrten Zirkulation zusammenfiel, so kann trotzdem behauptet werden, infolge irgendeiner, wenn auch statistisch durchaus unnachweisbaren, Verminderung oder Vermehrung der zirkulierenden Warenmasse sei die Quantität des zirkulierenden Geldes, obgleich nicht absolut, doch relativ vermehrt oder vermindert worden. Wir sahen nun, daß nach Ricardo diese allgemeinen Schwankungen der Preise auch bei einer rein metallischen Zirkulation stattfinden müssen, sich aber durch ihre Abwechslung ausgleichen, indem z.B. untervolle Zirkulation Fallen der Warenpreise, das Fallen der Warenpreise Ausfuhr der Waren ins Ausland, diese Ausfuhr aber Einfuhr von Gold ins Inland, dieser Einfluß von Geld aber wieder Steigen der Warenpreise hervorruft. Umgekehrt bei einer übervollen Zirkulation, wo Waren importiert und Gold exportiert werden. Da nun trotz dieser aus der Natur der Ricardoschen Metallzirkulation selbst entspringenden allgemeinen Preisschwankungen ihre heftige und gewaltsame Form, ihre Krisenform, den Perioden entwickelten Kreditwesens angehört, so wird es sonnenklar, daß die Ausgabe von Banknoten nicht exakt nach den Gesetzen der metallischen Zirkulation reguliert wird. Die metallische Zirkulation besitzt ihr Heilmittel im Import und Export der edlen Metalle, die sofort als Münze in Umlauf treten und so durch ihren Einfluß oder Ausfluß die Warenpreise fallen oder steigen machen. Dieselbe Wirkung auf die Warenpreise muß nun künstlich durch Nachahmung der Gesetze der Metallzirkulation von den Banken hervorgebracht werden. Fließt Geld vom Ausland ein, so ist das ein Beweis, daß die Zirkulation untervoll ist, der Geldwert zu hoch und die Warenpreise zu niedrig stehn und folglich Banknoten im Verhältnis zu dem neu importierten Gold in Zirkulation geworfen werden müssen. Sie müssen umgekehrt der Zirkulation entzogen werden, im Verhältnis wie Gold aus dem Land ausströmt. In andern Worten, die Ausgabe von Banknoten muß reguliert werden nach dem Import und Export der edlen Metalle oder nach dem Wechselkurs. Ricardos falsche Voraussetzung, daß Gold nur Münze ist, daher alles importierte Gold das umlaufende Geld vermehrt und darum die Preise steigen macht, alles exportierte Gold die Münze vermindert und darum die Preise fallen macht, diese theoretische Voraussetzung wird hier zum praktischen Experiment, soviel Münze zirkulieren zu machen als jedesmal Gold vorhanden ist. Lord Overstone (Bankier Jones Loyd), Oberst Torrens, Norman, Clay, Arbuthnot und eine Anzahl andrer Schriftsteller, in England bekannt unter dem Namen der Schule des 'Currency Principle', haben diese Doktrin nicht nur gepredigt, sondern vermittelst Sir R. Peels Bankakten von 1844 und 1845 zur Grundlage der englischen und schottischen Bankgesetzgebung gemacht. Ihr schmähliches Fiasko theoretisch wie praktisch, nach Experimenten auf der größten nationalen Stufenleiter, kann erst in der Lehre vom Kredit dargestellt werden." (l.c.p. 165-168.)
Die Kritik dieser Schule wurde geliefert von Thomas Tooke, James Wilson (im "Economist" von 1844-1847) und John Fullarton. Wie mangelhaft aber auch sie die Natur des Goldes durchschauten und wie unklar sie über das Verhältnis von Geld und Kapital waren, haben wir mehrfach, namentlich im Kapitel XXVIII dieses Buchs gesehn. Hier nun noch einiges im Anschluß an die Verhandlungen des Unterhaus-Ausschusses von 1857 über die Peelschen Bankakte (B.C. 1857) - F. E.}
J. G. Hubbard, ehemaliger Gouverneur der Bank v. E., sagt aus:
- "Die Wirkung der Goldausfuhr ... bezieht sich absolut nicht auf die Warenpreise. Dagegen sehr bedeutend auf die Preise der Wertpapiere, weil im Maß wie der Zinsfuß wechselt, der Wert von Waren, die diesen Zins verkörpern, notwendigerweise gewaltig affiziert wird."
Er legt zwei Tabellen vor über die Jahre 1834-1843 und 1845-1856, welche beweisen, daß die Preisbewegung von fünfzehn der bedeutendsten Handelsartikel ganz unabhängig war vom Ab- und Zufluß des Goldes und vom Zinsfuß. Dagegen aber beweisen sie einen engen Zusammenhang zwischen dem Ab- und Zufluß des Goldes, das in der Tat "der Repräsentant unsres Anlage suchenden Kapitals" ist, und dem Zinsfuß.
"1847 wurde ein sehr großer Betrag amerikanischer Wertpapiere nach Amerika zurückübertragen, ebenso russische Wertpapiere nach Rußland und andre kontinentale Papiere nach den Ländern, von denen wir unsre Kornzufuhr bezogen."
Die in der folgenden Hubbardschen Tabelle zugrunde gelegten 15 Hauptartikel sind: Baumwolle, Baumwollengarn, ditto Gewebe, Wolle, Wollentuch, Flachs, Leinwand, Indigo, Roheisen, Weißblech, Kupfer, Talg, Zucker, Kaffee, Seide.
I. Von 1834-1843
| Datum | Metallschatz der Bank Pfd.St. | Marktrate des Diskontos | von 15 Hauptartikeln sind: im Preis gestiegen | gefallen | unverändert |
|---|---|---|---|---|---|
| 1834, 1. März | 9.104.000 | 2 3/4% | - | - | - |
| 1835, 1. März | 6.274.000 | 3 3/4% | 7 | 7 | 1 |
| 1836, 1. März | 7.918.000 | 3 1/4% | 11 | 3 | 1 |
| 1837, 1. März | 4.077.000 | 5% | 5 | 9 | 1 |
| 1838, 1. März | 10.471.000 | 2 3/4% | 4 | 11 | - |
| 1839, 1. Sept. | 2.684.000 | 6% | 8 | 5 | 2 |
| 1840, 1. Juni | 4.571.000 | 4 3/4% | 5 | 9 | 1 |
| 1840, 1. Dez. | 3.642.000 | 5 3/4% | 7 | 6 | 2 |
| 1841, 1. Dez. | 4.873.000 | 5% | 3 | 12 | - |
| 1842, 1. Dez. | 10.603.000 | 2 1/2% | 2 | 13 | - |
| 1843, 1. Juni | 11.566.000 | 2 1/4% | 1 | 14 | - |
II. Von 1844-1853
| Datum | Metallschatz der Bank Pfd.St. | Marktrate des Diskontos | von 15 Hauptartikeln sind: im Preis gestiegen | gefallen | unverändert |
|---|---|---|---|---|---|
| 1844, 1. März | 16.162.000 | 2 1/4% | - | - | - |
| 1845, 1. Dez. | 13.237.000 | 4 1/2% | 11 | 4 | - |
| 1846, 1. Sept. | 16.366.000 | 3% | 7 | 8 | - |
| 1847, 1. Sept. | 9.140.000 | 6% | 6 | 6 | 3 |
| 1850, 1. März | 17.126.000 | 2 1/2% | 5 | 9 | 1 |
| 1851, 1. Juni | 13.705.000 | 3% | 2 | 11 | 2 |
| 1852, 1. Sept. | 21.853.000 | 1 3/4% | 9 | 5 | 1 |
| 1853, 1. Dez. | 15.093.000 | 5% | 14 | - | 1 |
Hubbard macht dazu die Glosse:
"Wie in den 10 Jahren 1834-1843, so waren in 1844-1853 Schwankungen im Gold der Bank in jedem Fall begleitet von einer Zunahme oder Abnahme des leihbaren Wertes des auf Diskonto vorgeschoßnen Geldes; und andrerseits zeigen die Änderungen in den Warenpreisen des Inlandes eine vollständige Unabhängigkeit von der Masse der Zirkulation, wie sie sich in den Goldschwankungen der Bank von England zeigt." ("Bank Acts Report" 1857, II, p. 290 u. 291.)
Da die Nachfrage und Zufuhr von Waren deren Marktpreise reguliert, wird hier klar, wie falsch Overstones Identifikation der Nachfrage nach leihbarem Geldkapital (oder vielmehr der Abweichungen der Zufuhr davon), wie sie sich in der Diskontorate ausdrückt, und der Nachfrage nach wirklichem "Kapital". Die Behauptung, daß die Warenpreise durch die Schwankungen im Betrag der Currency reguliert sind, versteckt sich jetzt unter der Phrase, daß die Schwankungen der Diskontorate Schwankungen in der Nachfrage nach wirklichem stofflichen Kapital ausdrücken, im Unterschied vom Geldkapital. Wir haben gesehn, wie sowohl Norman wie Overstone dies in der Tat vor demselben Ausschuß behaupteten und zu welchen lahmen Ausflüchten namentlich letzterer dabei gedrängt wurde, bis er schließlich ganz festsaß. (Kapitel XXVI.) Es ist in der Tat die alte Flause, daß die Änderungen in der Masse des vorhandnen Goldes, indem sie die Menge des Umlaufsmittels im Lande vermehren oder vermindern, innerhalb dieses Landes die Warenpreise steigern oder senken müßten. Wird Gold ausgeführt, so müssen nach dieser Currency-Theorie die Preise der Waren steigen in dem Lande, wohin das Gold geht, und damit der Wert der Exporte des Gold ausführenden Landes auf dem Markt des Gold einführenden; der Wert der Exporte des letzteren auf dem Markt des ersteren würde dagegen fallen, während er stiege in ihrem Ursprungsland, wohin das Gold geht. In der Tat aber steigert die Verminderung der Goldmenge nur den Zinsfuß, während ihre Vermehrung ihn senkt; und kämen diese Schwankungen des Zinsfußes nicht in Rechnung bei Feststellung der Kostpreise oder bei der Bestimmung von Nachfrage und Angebot, so würden sie die Warenpreise gänzlich unberührt lassen. -
Im selben Bericht spricht sich N. Alexander, Chef eines großen Hauses im indischen Geschäft, folgendermaßen aus über den starken Abfluß von Silber nach Indien und China um die Mitte der 50er Jahre, infolge teils des chinesischen Bürgerkriegs, der dem Absatz englischer Gewebe in China Einhalt tat, teils der Seidenwürmerkrankheit in Europa, die die italienische und französische Seidenzucht stark einschränkte:
- "Ist der Abfluß nach China oder nach Indien? - Sie schicken das Silber nach Indien, und mit einem guten Teil davon kaufen Sie Opium, das alles nach China geht, um Fonds zu bilden zum Einkauf für Seide; und der Stand der Märkte in Indien" (trotz der Akkumulation von Silber dort) "macht es profitlicher für den Kaufmann, Silber hinzuschicken, als Gewebe oder andre britische Fabrikate." - 4338. "Fand nicht ein großer Abfluß aus Frankreich statt, wodurch wir das Silber bekamen? - Jawohl, ein sehr großer." - 4344. "Statt Seide von Frankreich und Italien einzuführen, schicken wir sie in großen Quantitäten hin, sowohl bengalische wie chinesische."
Also wurden nach Asien Silber - das Geldmetall dieses Weltteils - geschickt statt Ware, nicht weil die Preise dieser Waren gestiegen waren in dem Land, das sie produziert (England), sondern gefallen - gefallen durch Überimport - in dem Land, wohin es sie importiert; obgleich dies Silber von England aus Frankreich bezogen und teilweise mit Gold bezahlt werden mußte. Nach der Currency-Theorie hätten bei solchem Import die Preise in England fallen und in Indien und China steigen müssen.
Ein andres Beispiel. Vor dem Ausschuß der Lords (C.D. 1848/1857) sagt Wylie, einer der ersten Liverpooler Kaufleute, aus wie folgt:
- "Ende 1845 gab es kein lohnenderes Geschäft und keins, das so große Profite abwarf" {als die Baumwollspinnerei}. "Der Baumwollvorrat war groß, und gute brauchbare Baumwolle war zu 4 d. das Pfund zu haben, und von solcher Baumwolle konnte gut secunda mule twist Nr. 40 gesponnen werden mit einer Auslage ebenfalls von 4 d., etwa zu 8 d. Gesamtauslage für den Spinner. Dieses Garn wurde in großen Massen verkauft im September und Oktober 1845 und ebenso große Lieferungskontrakte abgeschlossen, zu 10 1/2 und 11 1/2 d. pro Pfund, und in einigen Fällen haben die Spinner einen Profit realisiert, der dem Einkaufspreis der Baumwolle gleichkam." - 1996. "Das Geschäft blieb lohnend bis Anfang 1846." - 2000. "Am 3. März 1844 war der Baumwollvorrat" {627.042 Ballen} "mehr als das Doppelte von dem, was er heute" {am 7. März 1848, wo er 301.070 Ballen war}, "und dennoch war der Preis 1 1/4 d. per Pfund teurer" {6 1/4 d. gegen 5 d.}. "Gleichzeitig war Garn - gut secunda mule twist Nr. 40 - von 11 1/2-12 d. gefallen auf 9 1/2 d. im Oktober und 7 3/4 d. Ende Dezember 1847; es wurde Garn verkauft zum Einkaufspreis der Baumwolle, woraus es gesponnen war." (ib., Nr. 2021, 2023.)
Dies zeigt die interessierte Weisheit Overstones, daß das Geld "teuer" sein soll, weil Kapital "selten" ist. Am 3. März 1844 stand der Bankzinsfuß auf 3%; Okt. und Nov. 1847 ging er auf 8 und 9% und stand am 7. März 1848 noch auf 4%. Die Baumwollpreise wurden durch die totale Absatzstockung und die Panik mit dem ihr entsprechenden hohen Zinsfuß niedergeschlagen tief unter ihren dem Stand der Zufuhr entsprechenden Preis. Die Folge davon war einerseits ungeheure Abnahme der Einfuhr 1848 und andrerseits Abnahme der Produktion in Amerika; daher neues Steigen der Baumwollpreise 1849. Nach Overstone waren die Waren zu teuer, weil zuviel Geld im Lande war.
- "Die neuliche Verschlechterung in der Lage der Baumwollindustrie ist nicht dem Mangel an Rohstoff geschuldet, da der Preis niedriger ist, obwohl der Vorrat von Rohbaumwolle bedeutend vermindert."
Aber angenehme Verwechslung bei Overstone zwischen dem Preis resp. Wert der Ware und dem Wert des Geldes, nämlich dem Zinsfuß. In der Antwort auf Frage 2026 gibt Wylie sein Gesamturteil über die Currency-Theorie, wonach Cardwell und Sir Charles Wood im Mai 1847 "die Notwendigkeit behauptet hatten, den Bankakt von 1844 in seinem ganzen Inhalt durchzuführen":
"Diese Prinzipien scheinen mir von einer Art zu sein, daß sie dem Geld einen künstlichen hohen Wert und allen Waren einen künstlichen, ruinierend niedrigen Wert geben würden."
Er sagt ferner über die Wirkungen dieses Bankakts auf das allgemeine Geschäft:
"Da Viermonatswechsel, die die regelmäßigen Tratten der Fabrikstädte auf Kaufleute und Bankiers gegen gekaufte und für die Vereinigten Staaten bestimmte Waren sind, nur noch mit großen Opfern diskontiert werden konnten, wurde die Ausführung von Aufträgen in bedeutendem Maß gehemmt, bis nach dem Regierungsbrief vom 25. Oktober" {Suspension des Bankakts}, "wo diese Viermonatswechsel wieder diskontierbar wurden." (2097.)
Also auch in der Provinz wirkte die Suspension dieses Bankakts wie eine Erlösung.
- "Im vorigen Oktober" {1847} "haben fast alle amerikanischen Einkäufer, die hier Waren kaufen, soviel wie möglich ihre Aufträge sofort eingeschränkt; und als die Nachricht von der Geldteuerung nach Amerika kam, hörten alle neuen Aufträge auf." - 2134. "Korn und Zucker waren Spezialfälle. Der Kornmarkt wurde affiziert durch die Ernteaussichten, und Zucker wurde affiziert durch die ungeheuren Vorräte und Einfuhren." - 2163. "Von unsern Zahlungsverpflichtungen gegen Amerika ... wurde vieles liquidiert durch Zwangsverkäufe von konsignierter Ware, und vieles, fürchte ich, wurde annulliert durch die Bankerotte hier." - 2106. "Wenn ich mich recht erinnere, wurden auf unsrer Fondsbörse im Oktober 1847 bis 70% Zinsen gezahlt."
{Die Krisis von 1837 mit ihren langen Nachwehen, an die sich 1842 noch eine vollständige Nachkrise schloß, und die interessierte Verblendung der Industriellen und Kaufleute, die platterdings keine Überproduktion sehn wollten - diese war ja, nach der Vulgärökonomie, ein Unsinn und eine Unmöglichkeit! -, hatten endlich diejenige Verwirrung in den Köpfen verursacht, die der Currency-Schule erlaubte, ihr Dogma auf nationalem Maßstab in die Praxis zu übersetzen. Die Bankgesetzgebung von 1844/45 ging durch.
Der Bankakt von 1844 teilt die Bank von England in ein Notenausgabe-Departement und ein Bankdepartement. Das erstere erhält Sicherheiten - größtenteils Regierungsschuld - für 14 Millionen und den gesamten Metallschatz, der zu höchstens 1/4 aus Silber bestehn darf, und gibt für den Gesamtbetrag beider eine gleiche Summe von Noten aus. Soweit sich diese nicht in den Händen des Publikums befinden, liegen sie im Bankdepartement und bilden, mit der wenigen zum täglichen Gebrauch nötigen Münze (etwa einer Million) dessen stets bereite Reserve. Das Ausgabe-Departement gibt dem Publikum Gold für Noten und Noten für Gold; den übrigen Verkehr mit dem Publikum besorgt das Bankdepartement. Die 1844 zur Ausgabe eigner Noten in England und Wales berechtigten Privatbanken behalten dies Recht, doch wird ihre Notenausgabe kontingentiert; hört eine dieser Banken auf, eigne Noten auszugeben, so kann die Bank von England ihren ungedeckten Notenbetrag um 2/3 des eingegangnen Kontingents erhöhen; auf diesem Weg ist derselbe bis 1892 von 14 auf 16 1/2 Millionen Pfd.St. (genau 16.450.000 Pfd.St.) gestiegen.
Für jede fünf Pfund in Gold also, die aus dem Bankschatz abfließen, geht eine Fünfpfundnote zurück an das Ausgabe-Departement und wird vernichtet; für jede dem Schatz zugehenden fünf Sovereigns kommt eine neue Fünfpfundnote in Umlauf. Damit ist Overstones ideale Papierzirkulation, die sich genau nach den Gesetzen der metallischen Zirkulation richtet, praktisch ausgeführt, und damit sind, nach den Behauptungen der Currency-Leute, die Krisen für immer unmöglich gemacht.
In Wirklichkeit aber entzog die Trennung der Bank in zwei unabhängige Departements der Direktion die Möglichkeit, in entscheidenden Momenten über ihre gesamten disponiblen Mittel frei zu verfügen, so daß Fälle eintreten konnten, wo das Bankdepartement vor dem Bankerott stand, während das Ausgabe-Departement mehrere Millionen in Gold und außerdem noch seine 14 Millionen Sicherheiten intakt besaß. Und zwar konnte dies um so leichter eintreten, als in fast jeder Krise ein Abschnitt vorkommt, wo ein starker Goldabfluß ins Ausland stattfindet, der in der Hauptsache durch den Metallschatz der Bank zu decken ist. Für jede fünf Pfund aber, die dann ins Ausland fließen, wird der Zirkulation des Inlands eine Fünfpfundnote entzogen, also die Menge des Umlaufsmittels grade in dem Augenblick verkleinert, wo am meisten davon, und am nötigsten, gebraucht wird. Der Bankakt von 1844 provoziert also die sämtliche Handelswelt direkt dazu, bei hereinbrechender Krise sich einen Reserveschatz von Banknoten beizeiten anzulegen, also die Krise zu beschleunigen und zu verschärfen; er treibt durch diese, im entscheidenden Augenblick wirksam werdende, künstliche Steigerung der Nachfrage nach Geldakkommodation, d.h. nach Zahlungsmittel, bei gleichzeitiger Beschränkung der Zufuhr davon, den Zinsfuß in Krisen zu bisher unerhörter Höhe; statt also die Krisen zu beseitigen, steigert er sie vielmehr bis auf den Punkt, wo entweder die ganze industrielle Welt in die Brüche gehn muß oder der Bankakt. Zweimal, am 25. Okt. 1847 und am 12. Nov. 1857, war die Krisis auf diese Höhe gestiegen; da befreite die Regierung die Bank von der Beschränkung ihrer Notenausgabe, indem sie den Akt von 1844 suspendierte, und dies reichte beidemal hin, die Krise zu brechen. 1847 genügte die Gewißheit, daß nun wieder Banknoten gegen Sicherheit ersten Rangs zu haben seien, um die aufgeschatzten 4-5 Millionen Noten wieder ans Tageslicht und in die Zirkulation zu bringen; 1857 wurde bis nicht ganz eine Million in Noten über das gesetzliche Quantum ausgegeben, aber nur für ganz kurze Zeit.
Zu erwähnen ist auch, daß die Gesetzgebung von 1844 noch die Spuren der Erinnerung an die ersten zwanzig Jahre des Jahrhunderts aufweist, die Zeit der Einstellung der Barzahlungen der Bank und der Notenentwertung. Die Furcht, die Banknoten möchten ihren Kredit verlieren, ist noch sehr bemerkbar; eine sehr überflüssige Furcht, da schon 1825 die Ausgabe eines vorgefundnen alten Vorrats außer Kurs gesetzter Einpfundnoten die Krise gebrochen und damit bewiesen hatte, daß schon damals der Kredit der Noten, selbst in der Zeit des allgemeinsten und stärksten Mißtrauens, unerschüttert blieb. Es ist dies auch ganz begreiflich; steht doch tatsächlich die gesamte Nation mit ihrem Kredit hinter diesen Wertzeichen. - F. E.}
Hören wir nun ein paar Zeugnisse über die Wirkung des Bankakts. J. St. Mill glaubt, daß der Bankakt von 1844 die Überspekulation niedergehalten habe. Dieser weise Mann sprach glücklicherweise am 12. Juni 1857. Vier Monate später war die Krisis losgebrochen. Er gratuliert buchstäblich den "Bankdirektoren und dem kommerziellen Publikum im allgemeinen" dazu, daß sie
"die Natur einer Handelskrisis weit besser verstehn als früher und den sehr großen Schaden, den sie sich selbst und dem Publikum durch Unterstützung der Überspekulation antun". (B.C. 1857, Nr. 2031.)
Der weise Mill meint, wenn 1-Pfund-Noten ausgegeben werden
"als Vorschüsse an Fabrikanten u.a., welche Arbeitslöhne auszahlen ... so können die Noten in die Hände von andren kommen, die sie zu Konsumtionszwecken ausgeben, und in diesem Fall konstituieren die Noten in sich selbst eine Nachfrage nach Waren, und können zeitweilig eine Preiserhöhung zu befördern streben".
Herr Mill nimmt also an, daß die Fabrikanten höhern Lohn zahlen werden, weil sie ihn in Papier statt in Gold zahlen? Oder glaubt er, wenn der Fabrikant seinen Vorschuß in 100-Pfund-Noten erhält, diese auswechselt gegen Gold, so würde dieser Lohn weniger Nachfrage bilden, als wenn sogleich in 1-Pfund-Noten bezahlt? Und weiß er nicht, daß z.B. in gewissen Bergwerksbezirken Arbeitslohn gezahlt wurde in Noten von Lokalbanken, so daß mehrere Arbeiter zusammen eine 5-Pfund-Note erhielten? Vermehrt dies ihre Nachfrage? Oder werden die Bankiers den Fabrikanten in kleinen Noten leichter und mehr Geld vorschießen als in großen?
{Diese sonderbare Angst Mills vor Einpfundnoten wäre unerklärlich, zeigte nicht sein ganzes Werk über politische Ökonomie einen Eklektizismus, der vor keinen Widersprüchen zurückschreckt. Einerseits gibt er Tooke in vielen Dingen gegen Overstone recht, andrerseits glaubt er an die Bestimmung der Warenpreise durch die Menge des vorhandnen Geldes. Er ist also keineswegs überzeugt, daß für jede ausgegebne Einpfundnote - alle andren Umstände gleichgesetzt - ein Sovereign in den Schatz der Bank wandert; er fürchtet, die Masse des Zirkulationsmittels könne vermehrt und somit entwertet werden, d.h. die Warenpreise steigern. Das ist es und weiter nichts, was sich hinter obiger Bedenklichkeit verbirgt. - F. E.}
Über die Zweiteilung der Bank und die übermäßige Vorsorge für Sicherstellung der Banknoteneinlösung spricht sich Tooke aus vor dem C.D. 1848/1857:
Die größern Schwankungen des Zinsfußes 1847, verglichen mit 1837 und 1839, seien nur der Trennung der Bank in zwei Departements geschuldet. (3010.) - Die Sicherheit der Banknoten wurde nicht affiziert, weder 1825 noch 1837 und 1839. (3015.) - Die Nachfrage nach Gold 1825 bezweckte nur, den leeren Raum auszufüllen, entstanden durch die gänzliche Diskreditierung der 1-Pfund-Noten der Provinzialbanken; dieser leere Raum konnte nur durch Gold ausgefüllt werden, bis die Bank von England auch 1-Pfund-Noten ausgab. (3022.) - Im November und Dezember 1825 existierte nicht die geringste Nachfrage nach Gold für Ausfuhr. (3023.)
"Was eine Diskreditierung der Bank im In- und Auslande betrifft, würde eine Suspension der Zahlung von Dividenden und Depositen von viel schwereren Folgen sein, als eine Suspension der Zahlung der Banknoten." (3028.)
- "Würden Sie nicht sagen, daß jeder Umstand, der in letzter Instanz die Konvertibilität der Banknoten gefährdete, in einem Augenblick der kommerziellen Klemme neue und ernstliche Schwierigkeiten erzeugen könnte? - Ganz und gar nicht."
Im Lauf von 1847 "würde eine vermehrte Notenausgabe vielleicht dazu beigetragen haben, den Goldschatz der Bank wieder zu füllen, wie sie dies 1825 tat". (3058.)
Vor dem B. A. 1857 sagt Newmarch aus:
- "Die erste schlimme Wirkung ... dieser Trennung der beiden Departements" (der Bank) und der daraus notwendig folgenden Zweiteilung der Goldreserve war die, daß das Bankgeschäft der B. v. E., also derjenige ganze Zweig ihrer Operationen, der sie in direktere Verbindung mit dem Handel des Landes bringt, mit nur der Hälfte des Betrags der frühern Reserve fortgeführt worden ist. Infolge dieser Spaltung der Reserve ist es gekommen, daß, sobald die Reserve des Bankdepartements nur im geringsten zusammenschmolz, die Bank gezwungen war, ihre Diskontrate zu erhöhen. Diese verminderte Reserve hat daher eine Reihe stoßweiser Veränderungen in der Diskontrate verursacht." - 1358. "Solche Änderungen sind seit 1844" (bis Juni 1857) "einige 60 in der Zahl gewesen, während sie vor 1844 in derselben Zeit kaum ein Dutzend betrugen."
Von besondrem Interesse ist auch die Aussage von Palmer, seit 1811 Direktor und eine Zeitlang Gouverneur der Bank von England, vor dem C. D. Ausschuß der Lords (1848/1857):
- "Im Dezember 1825 hatte die Bank nur noch ungefähr 1.100.000 Pfd.St. Gold übrigbehalten. Damals müßte sie ganz unfehlbar total falliert haben, wenn dieser Akt" (von 1844) "damals bestanden hätte. Im Dezember gab sie, glaube ich, 5 oder 6 Millionen Noten in einer Woche aus, und das erleichterte die damalige Panik bedeutend."
- "Die erste Periode" (seit 1. Juli 1825), "wo die gegenwärtige Bankgesetzgebung zusammengebrochen wäre, wenn die Bank versucht hätte, die einmal in Angriff genommenen Transaktionen zu Ende zu führen, war am 28. Februar 1837; damals waren 3.900.000 Pfd.St. bis 4 Millionen Pfd.St. im Besitz der Bank, und sie würde dann nur noch 650.000 Pfd.St. in Reserve behalten haben. Eine andre Periode ist 1839 und dauerte vom 9. Juli bis 5. Dezember." - 826. "Was war der Betrag der Reserve in diesem Fall? Die Reserve bestand in einem Defizit von insgesamt 200.000 Pfd.St. (the reserve was minus altogether 200.000 Pfd.St.) am 5. September. Am 5. November stieg sie auf ungefähr 1 bis 1 1/2 Mill." - 830. "Der Akt von 1844 würde die Bank verhindert haben, dem amerikanischen Geschäft 1837 beizustehn." - 831. "Drei der hauptsächlichsten amerikanischen Häuser fallierten ... Fast jedes Haus im amerikanischen Geschäft war außer Kredit gesetzt, und wäre damals die Bank nicht zu Hilfe gekommen, so glaube ich nicht, daß mehr als 1 oder 2 Häuser sich hätten halten können." - 836. "Die Klemme von 1837 ist gar nicht zu vergleichen mit der von 1847. Die von 1837 beschränkte sich hauptsächlich auf das amerikanische Geschäft." - 838. (Anfangs Juni 1837 wurde in der Bankdirektion die Frage diskutiert, wie der Klemme abzuhelfen sei.) "Worauf einige Herren die Meinung verteidigten, ... das richtige Prinzip sei, den Zinsfuß zu erhöhen, wodurch die Warenpreise fallen würden; kurz, Geld teuer und Waren wohlfeil zu machen, wodurch die Zahlung ans Ausland zustande gebracht würde (by which the foreign payment would be accomplished)." - 906. "Die Einführung einer künstlichen Beschränkung der Vollmachten der Bank durch den Akt von 1844 statt der alten und natürlichen Schranke ihrer Vollmacht, des wirklichen Betrags ihres Metallvorrats, erzeugt künstliche Geschäftserschwerung und damit eine Wirkung auf die Warenpreise, die ganz unnötig war ohne diesen Akt." - 968. "Unter der Wirkung des Akts von 1844 kann man den Metallvorrat der Bank, unter gewöhnlichen Umständen, nicht wesentlich unter 9 1/2 Mill. reduzieren. Dies würde einen Druck auf Preise und Kredit verursachen, der einen solchen Umschwung in den auswärtigen Wechselkursen herbeiführen müßte, daß die Goldeinfuhr stiege und damit den Betrag des Goldes im Ausgabe-Departement vermehrte." - 996. "Unter der jetzigen Beschränkung haben Sie" {die Bank} "nicht das Kommando über Silber, das erforderlich ist zu Zeiten, wo man Silber braucht, um auf den auswärtigen Kurs zu wirken." - 999. "Was war der Zweck der Vorschrift, die den Silbervorrat der Bank auf 1/5 ihres Metallvorrats beschränkt? - Die Frage kann ich nicht beantworten."
Der Zweck war, Geld teuer zu machen; ganz wie, abgesehn von der Currency-Theorie, die Trennung der beiden Bankdepartements und der Zwang für die schottischen und irischen Banken, für Notenausgabe über einen gewissen Satz hinaus Gold in Reserve zu halten. Es entstand so eine Dezentralisation des nationalen Metallschatzes, der ihn weniger fähig machte, ungünstige Wechselkurse zu korrigieren. Auf Steigerung des Zinsfußes laufen alle diese Bestimmungen hinaus: daß die B. v. E. nicht Noten ausgeben darf über 14 Mill. außer gegen Goldreserve; daß das Bankdepartement als gewöhnliche Bank verwaltet werden soll, den Zinsfuß herabdrückend in Zeiten des Geldüberflusses, ihn herauftreibend in Zeiten der Klemme; die Beschränkung des Silbervorrats, des hauptsächlichen Mittels, die Wechselkurse mit dem Kontinent und Asien zu rektifizieren; die Vorschriften wegen der schottischen und irischen Banken, die nie Gold für Export brauchen und es jetzt halten müssen unter dem Vorwand einer, tatsächlich rein illusorischen, Konvertibilität ihrer Noten. Die Tatsache ist, daß der Akt von 1844 zum erstenmal einen Ansturm nach Gold auf die schottischen Banken 1857 produzierte. Die neue Bankgesetzgebung macht ebenfalls keinen Unterschied zwischen Goldabfluß ins Ausland und dem fürs Inland, obgleich deren Wirkungen selbstredend durchaus verschieden. Daher die beständigen heftigen Schwankungen in der Marktrate des Zinses. Mit Bezug auf Silber sagt Palmer zweimal, 992 und 994, daß die Bank nur Silber gegen Noten kaufen kann, wenn der Wechselkurs günstig für England, das Silber also überflüssig ist; denn:
- "Der einzige Zweck, weshalb ein beträchtlicher Teil des Metallschatzes in Silber gehalten werden kann, ist der, ausländische Zahlungen zu erleichtern, während der Zeit, wo die Wechselkurse gegen England sind." - 1004. "Silber ist eine Ware, die, weil sie Geld ist in der ganzen übrigen Welt, deshalb die passendste Ware ... für diesen Zweck ist" {Zahlung ans Ausland}. "Nur die Vereinigten Staaten haben in der letzten Zeit ausschließlich Gold genommen."
Nach seiner Ansicht brauchte die Bank in Zeiten der Klemme, solange keine ungünstigen Wechselkurse das Gold ins Ausland ziehn, den Zinsfuß nicht über den alten Stand von 5% zu erhöhen. Wäre nicht der Akt von 1844, so würde sie dabei ohne Schwierigkeit alle Wechsel ersten Ranges (first class bills), die ihr präsentiert würden, diskontieren können. (1018 bis 1020.) Aber mit dem Akt von 1844 und in der Lage, in der die Bank im Oktober 1847 war,
"gab es keinen Zinsfuß, den die Bank kreditfähigen Häusern abverlangen konnte, den sie nicht bereitwillig gezahlt hätten, um ihre Zahlungen fortzuführen".
Und dieser hohe Zinsfuß war grade der Zweck des Akts.
- "Ich muß einen großen Unterschied machen zwischen der Wirkung des Zinsfußes auf ausländische Nachfrage" {für Edelmetall} "und einer Zinserhöhung zum Zweck der Hemmung eines Andrangs auf die Bank während einer Periode inländischen Kreditmangels." - 1023. "Vor dem Akt von 1844, wenn die Kurse zugunsten Englands waren und Beunruhigung, ja positive Panik im Lande herrschte, war keine Grenze gesetzt auf die Notenausgabe, durch die allein dieser Zustand der Klemme erleichtert werden konnte."
So spricht ein Mann sich aus, der 39 Jahre lang in der Direktion der Bank von England gesessen. Hören wir nun einen Privatbankier, Twells, seit 1801 Associé von Spooner, Attwoods & Co. Er ist der einzige unter sämtlichen Zeugen vor dem B.C. 1857, der einen Blick in den wirklichen Zustand des Landes tun läßt und die Krisis herannahen sieht. Im übrigen ist er eine Art von Birminghamer Little-Shilling-Mann, wie denn seine Associés, die Brüder Attwood, die Stifter dieser Schule sind (s. "Zur Kritik der pol. Oek.", S. 59). Er sagt aus:
- "Wie glauben Sie, daß der Akt von 1844 gewirkt hat? - Sollte ich Ihnen als Bankier antworten, so würde ich sagen, daß er ganz ausgezeichnet gewirkt hat, denn er hat den Bankiers und {Geld-} Kapitalisten aller Art eine reiche Ernte geliefert. Aber er hat sehr schlecht gewirkt für den ehrlichen fleißigen Geschäftsmann, der Stetigkeit in der Diskontorate bedarf, so daß er seine Arrangements mit Zuversicht machen kann ... er hat das Geldverleihen zu einem höchst profitlichen Geschäft gemacht." - 4489. "Er" {der Bankakt} "befähigt die Londoner Aktienbanken, den Aktionären 20 bis 22% zu zahlen? - Eine zahlte neulich 18%, und ich glaube, eine andre 20%; sie haben allen Grund, sehr entschieden für den Akt einzutreten." - 4490. "Kleine Geschäftsleute und respektable Kaufleute, die kein großes Kapital haben ... er kneift sie sehr ... Das einzige Mittel, das ich habe, um dies zu erfahren, ist, daß ich eine so erstaunliche Masse ihrer Akzepte sehe, die nicht bezahlt werden. Diese Akzepte sind immer klein, etwa von 20-100 Pfd.St., viele von ihnen werden nicht bezahlt und gehn zurück mit Mangelzahlung nach allen Teilen des Landes, und dies ist immer ein Zeichen der Gedrücktheit unter ... den Kleinhändlern."
4494 erklärt er, das Geschäft sei jetzt nicht profitabel. Seine folgenden Bemerkungen sind wichtig, weil er das latente Dasein der Krise sah, als noch keiner der übrigen es ahnte.
- "Die Preise in Mincing Lane halten sich noch ziemlich, aber es wird nichts verkauft, man kann zu keinem Preise verkaufen; man hält sich auf dem nominellen Preis."
- Er erzählt einen Fall: Ein Franzose schickt einem Makler in Mincing Lane Waren für 3.000 Pfd.St. zum Verkauf für einen gewissen Preis. Der Makler kann den Preis nicht machen, der Franzose kann unter dem Preise nicht verkaufen. Die Ware bleibt liegen, aber der Franzose braucht Geld. Der Makler schießt ihm also 1.000 Pfd.St. vor, derart, daß der Franzose auf Sicherheit der Waren einen Wechsel für 1.000 Pfd.St. für 3 Monate auf den Makler zieht. Nach 3 Monaten verfällt der Wechsel, aber die Waren sind noch immer unverkäuflich. Der Makler muß dann den Wechsel zahlen, und obgleich er Deckung für 3.000 Pfd.St. hat, kann er sie nicht flüssigmachen und gerät in Schwierigkeiten. So zieht einer den andern mit herunter.
- "Was die starken Ausfuhren betrifft ... wenn das Geschäft im Innern gedrückt ist, so ruft dies mit Notwendigkeit auch eine starke Ausfuhr hervor." - 4497. "Glauben Sie, daß die inländische Konsumtion abgenommen hat? - Sehr bedeutend ... ganz ungeheuer ... die Kleinhändler sind hier die beste Autorität." - 4498. "Und doch sind die Einfuhren sehr groß; zeigt das nicht eine starke Konsumtion an? - Jawohl, wenn Sie verkaufen können; aber viele Warenlager sind voll von diesen Sachen; in dem Beispiel, das ich soeben erzählt habe, sind für 3.000 Pfd.St. Waren importiert worden, die unverkäuflich sind."
- "Wenn Geld teuer ist, würden Sie sagen, daß dann Kapital wohlfeil ist? - Jawohl."
Der Mann ist also keineswegs der Meinung Overstones, daß hoher Zinsfuß dasselbe sei wie teures Kapital.
Wie das Geschäft jetzt betrieben wird:
4516 " ... Andre gehn sehr bedeutend ins Geschirr, machen ein riesiges Geschäft in Ausfuhren und Einfuhren, weit über das Maß hinaus, wozu ihr Kapital sie berechtigt; daran kann nicht der geringste Zweifel sein. Das kann diesen Leuten glücken; sie können durch irgendwelchen Glücksfall große Vermögen machen und alles abzahlen. Das ist in großem Maß das System, auf dem heutzutage ein bedeutender Teil des Geschäfts geführt wird. Solche Leute verlieren willig 20, 30 und 40% auf eine Verschiffung; das nächste Geschäft kann es ihnen zurückbringen. Schlägt ihnen eins nach dem andern fehl, dann sind sie kaputt; und das ist gerade der Fall, den wir in der letzten Zeit oft gesehn haben; Geschäftshäuser haben falliert, ohne daß für einen Schilling Aktiva übrigblieben."
- "Der niedrigere Zinsfuß" {während der letzten 10 Jahre} "wirkt allerdings gegen die Bankiers, aber ohne Ihnen die Geschäftsbücher vorzulegen, würde ich Ihnen nur sehr schwer erklären können, um wieviel höher der Profit" {sein eigner} "jetzt ist gegen früher. Wenn der Zinsfuß niedrig ist, infolge übermäßiger Notenausgabe, haben wir bedeutende Depositen; wenn der Zinsfuß hoch ist, so bringt uns das direkten Gewinn." - 4794. "Wenn Geld zu mäßigem Zinsfuß zu haben ist, haben wir mehr Nachfrage dafür; wir leihen mehr aus; es wirkt" {für uns, die Bankiers} "auf diesem Wege. Wenn er steigt, so bekommen wir mehr dafür als billig ist; wir bekommen mehr, als wir haben sollten."
Wir haben gesehn, wie der Kredit der Noten der Bank von England bei allen Sachverständigen als unerschütterlich gilt. Trotzdem legt der Bankakt 9-10 Millionen in Gold zu ihrer Einlösbarkeit absolut fest. Die Heiligkeit und Unantastbarkeit des Schatzes wird damit ganz anders durchgeführt als bei den alten Schatzbildnern. W. Brown (Liverpool) sagt aus, C.D. 1847/1857, 2311:
"In Beziehung auf den Nutzen, den dies Geld" (der Metallschatz im Ausgabe-Departement) "damals brachte, so hätte man es ebensogut in die See werfen können; man konnte ja nicht das geringste davon verwenden, ohne den Parlamentsakt zu brechen."
Der Bauunternehmer E. Capps, derselbe, der schon früher angeführt und dessen Aussage auch die Schilderung des modernen Londoner Bausystems (Buch II, Kap. XII) entlehnt ist, faßt seine Ansicht über den Bankakt von 1844 zusammen wie folgt (B.A. 1857):
- "Sie sind also im allgemeinen der Ansicht, daß das gegenwärtige System" (der Bankgesetzgebung) "eine recht geschickte Einrichtung ist, um die Profite der Industrie periodisch in den Geldsack des Wucherers zu bringen? - Das ist meine Ansicht. Ich weiß, daß es im Baugeschäft so gewirkt hat."
Wie schon erwähnt, wurden die schottischen Banken durch den Bankakt von 1845 in ein System gezwängt, das sich dem englischen annäherte. Es wurde ihnen die Verpflichtung auferlegt, für ihre Notenausgabe über einen für jede Bank festgesetzten Betrag hinaus Gold in Reserve zu halten. Welche Wirkung dies gehabt, darüber hier einige Zeugnisse vor dem B.C. 1857.
Kennedy, Dirigent einer schottischen Bank:
- "Gab es irgend etwas in Schottland, das man eine Goldzirkulation nennen konnte, vor Einführung des Akts von 1845? - Nichts derart." - 3376. "Ist seitdem eine zusätzliche Zirkulation von Gold eingetreten? - Nicht im geringsten; die Leute wollen kein Gold haben (the people dislike gold)." - 3450. Die ungefähr 900.000 Pfd.St. in Gold, die die schottischen Banken halten müssen seit 1845, sind nach seiner Ansicht nur schädlich und "absorbieren unprofitlich einen gleichen Teil des Kapitals von Schottland."
Ferner Anderson, Dirigent der Union Bank of Scotland.
- "Die einzige starke Nachfrage für Gold, die bei der Bank von England von seiten der schottischen Banken stattfand, fand statt wegen der auswärtigen Wechselkurse? - Dem ist so; und diese Nachfrage wird nicht vermindert dadurch, daß wir Gold in Edinburgh halten." - 3590. "Solange wir denselben Betrag von Wertpapieren in der Bank von England" (oder bei den Privatbanken in England) "liegen haben, haben wir dieselbe Macht wie vorher, einen Goldabfluß bei der B. v. E. herbeizuführen."
Endlich noch ein Artikel des "Economist" (Wilson):
"Die schottischen Banken halten unbeschäftigte Barbeträge bei ihren Londoner Agenten; diese halten sie bei der Bank von England. Dies gibt den schottischen Banken, innerhalb der Grenzen dieser Beträge, Kommando über den Metallschatz in der Bank, und hier ist er immer auf der Stelle, wo er gebraucht wird, wenn auswärtige Zahlungen zu machen sind."
Dies System wurde gestört durch den Akt von 1845:
"Infolge des Akts von 1845 für Schottland hat in der letzten Zeit ein starker Abfluß von Goldmünze aus der Bank v. E. stattgefunden, um einer bloß möglichen Nachfrage in Schottland zu begegnen, die vielleicht nie eintreten würde ... Seit dieser Zeit findet sich eine bedeutende Summe regelmäßig festgelegt in Schottland, und eine andre beträchtliche Summe ist beständig auf der Reise hin und her zwischen London und Schottland. Tritt eine Zeit ein, wo ein schottischer Bankier vermehrte Nachfrage nach seinen Noten erwartet, so wird eine Kiste mit Gold von London hinübergeschickt; ist diese Zeit vorbei, so geht dieselbe Kiste, meist ohne je geöffnet worden zu sein, nach London zurück." ("Economist", 23. Okt. 1847.)
{Und was sagt der Vater des Bankakts, Bankier Samuel Jones Loyd, alias Lord Overstone, zu alledem?
Er hat bereits 1848 vor dem C.D. Ausschuß der Lords wiederholt, daß
"Geldklemme und hoher Zinsfuß, verursacht durch Mangel an hinreichendem Kapital, nicht erleichtert werden kann durch vermehrte Ausgabe von Banknoten", (1514)
obwohl die bloße Erlaubnis der vermehrten Notenausgabe durch den Regierungsbrief vom 25. Okt. 1847 hingereicht hatte, der Krise die Spitze abzubrechen.
Er bleibt dabei, daß
"die hohe Rate des Zinsfußes und die gedrückte Lage der Fabrikindustrie die notwendige Folge war der Verminderung des materiellen Kapitals, das für industrielle und kommerzielle Zwecke verwendbar war". (1604.)
Und doch bestand die gedrückte Lage der Fabrikindustrie seit Monaten darin, daß das materielle Warenkapital im Überfluß die Speicher füllte und gradezu unverkäuflich war und daß ebendeshalb das materielle produktive Kapital ganz oder halb brachlag, um nicht noch mehr unverkäufliches Warenkapital zu produzieren.
Und vor dem Bankausschuß 1857 sagt er:
"Durch strenge und prompte Einhaltung der Grundsätze des Akts von 1844 ist alles mit Regelmäßigkeit und Leichtigkeit verlaufen, das Geldsystem ist sicher und unerschüttert, die Prosperität des Landes ist unbestritten, das öffentliche Vertrauen in den Akt von 1844 gewinnt täglich an Stärke. Wünscht der Ausschuß noch weitere praktische Belege für die Gesundheit der Prinzipien, auf denen dieser Akt beruht, und der wohltätigen Folgen, die er sichergestellt hat, so ist die wahre und hinreichende Antwort diese: Schauen Sie um sich; betrachten Sie die gegenwärtige Lage des Geschäfts unsres Landes, betrachten Sie die Zufriedenheit des Volks; betrachten Sie den Reichtum und die Prosperität aller Klassen der Gesellschaft; und dann, nachdem dies geschehn, wird der Ausschuß imstande sein, zu entscheiden, ob er die Fortdauer eines Akts verhindern will, unter dem solche Erfolge erreicht worden sind." (B.C. 1857, Nr. 4189.)
Auf diesen Dithyrambus, den Overstone dem Ausschuß am 14. Juli vorsang, antwortete die Gegenstrophe am 12. November desselben Jahrs, der Brief an die Bankdirektion, worin die Regierung das wundertätige Gesetz von 1844 suspendierte, um zu retten, was noch zu retten war. - F. E.}
Fünfunddreißigstes Kapitel. Edelmetall und Wechselkurs
I. Die Bewegung des Goldschatzes
Mit Bezug auf die Aufspeicherung von Noten in Zeiten der Klemme ist zu bemerken, daß hier die Schatzbildung mit edlen Metallen, wie sie in den ursprünglichsten Zuständen der Gesellschaft in unruhigen Zeiten vorkommt, sich wiederholt. Der Akt von 1844 ist in seinen Wirkungen deswegen interessant, weil er alles im Land befindliche Edelmetall in Zirkulationsmittel verwandeln will: er sucht Goldabfluß mit Kontraktion des Umlaufsmittels und Goldzufluß mit Expansion des Umlaufsmittels gleichzusetzen. Dadurch ist dann experimentell der Beweis des Gegenteils geliefert worden. Mit einer einzigen Ausnahme, die wir gleich erwähnen werden, hat die Masse der zirkulierenden Noten der Bank von England seit 1844 nie das Maximum erreicht, das die Bank ausgeben durfte. Und die Krisis von 1857 bewies andrerseits, daß unter gewissen Umständen dies Maximum nicht ausreicht. Vom 13.-30. November 1857 zirkulierten im Durchschnitt täglich 488.830 Pfd.St. über dies Maximum hinaus. (B.A. 1858, p. XI.) Das gesetzliche Maximum war damals 14.475.000 Pfd.St. plus dem Betrag des Metallschatzes in den Bankkellern.
Mit Bezug auf den Ab- und Zufluß von Edelmetall zu bemerken:
Erstens ist zu unterscheiden zwischen dem Hin- und Herlaufen des Metalls innerhalb des Gebiets, das kein Gold und Silber produziert, einerseits, und andrerseits dem Strom des Golds und Silbers von ihren Produktionsquellen über die verschiednen andren Länder und der Verteilung dieses Zuschusses unter die letztren.
Vor der Einwirkung der russischen, kalifornischen und australischen Goldminen war seit Anfang dieses Jahrhunderts die Zufuhr nur hinreichend zum Ersatz der verschlissenen Münzen, zum gewöhnlichen Gebrauch als Luxusmaterial und zur Ausfuhr von Silber nach Asien.
Seit jener Zeit jedoch wuchs erstens, mit dem asiatischen Handel Amerikas und Europas, die Silberausfuhr nach Asien außerordentlich. Das aus Europa ausgeführte Silber wurde zum großen Teil ersetzt durch das zusätzliche Gold. Ferner wurde ein Teil des neuzugeführten Goldes von der innern Geldzirkulation absorbiert. Es wird geschätzt, daß bis 1857 ungefähr 30 Mill. Gold zusätzlich in die innere Zirkulation von England eingingen.52 Sodann vermehrte sich seit 1844 die Durchschnittshöhe der Metallreserven in allen Zentralbanken von Europa und Nordamerika. Das Wachstum der inländischen Geldzirkulation brachte es zugleich mit sich, daß nach der Panik, in der darauffolgenden Stillstandsperiode, die Bankreserve schon rascher wuchs infolge der größern Masse der von der inländischen Zirkulation abgestoßnen und immobilisierten Goldmünze. Endlich stieg seit den neuen Goldentdeckungen der Konsum von Edelmetall für Luxusartikel infolge des gewachsnen Reichtums.
Zweitens. Zwischen den nicht Gold und Silber produzierenden Ländern fließt Edelmetall beständig ab und zu; dasselbe Land importiert davon beständig und exportiert ebenso beständig. Es ist nur das Überwiegen der Bewegung nach der einen oder andern Seite, welches entscheidet, ob schließlich Abfluß oder Zufluß stattfindet, da die bloß oszillierenden und oft parallelen Bewegungen sich großenteils neutralisieren. Aber deswegen wird auch, mit Rücksicht auf dies Resultat, die Beständigkeit und der im ganzen parallele Verlauf beider Bewegungen übersehn. Es wird immer nur so aufgefaßt, als ob Mehreinfuhr und Mehrausfuhr von Edelmetall nur Wirkung und Ausdruck des Verhältnisses von Einfuhr und Ausfuhr von Waren, während es zugleich Ausdruck des Verhältnisses einer vom Warenhandel unabhängigen Einfuhr und Ausfuhr von Edelmetall selbst ist.
Drittens. Das Überwiegen der Einfuhr über die Ausfuhr und umgekehrt mißt sich im ganzen an der Zu- oder Abnahme der Metallreserve in den Zentralbanken. Wieweit dieser Gradmesser mehr oder minder exakt ist, hängt natürlich zunächst davon ab, wieweit das Bankwesen überhaupt zentralisiert ist. Denn davon hängt es ab, wieweit das in der sog. Nationalbank aufgespeicherte Edelmetall überhaupt den nationalen Metallschatz repräsentiert. Vorausgesetzt aber, daß dies der Fall ist, ist der Gradmesser nicht exakt, weil zuschüssige Einfuhr unter gewissen Umständen aufgesogen wird durch inländische Zirkulation und wachsende Luxusverwendung von Gold und Silber; ferner aber, weil ohne zuschüssige Einfuhr ein Herausziehn von Goldmünze für inländische Zirkulation stattfinden und so der Metallschatz abnehmen könnte, auch ohne gleichzeitige Vermehrung der Ausfuhr.
Viertens. Eine Metallausfuhr nimmt die Gestalt eines Abflusses (drain) an, wenn die Bewegung der Abnahme für längere Zeit fortdauert, so daß die Abnahme als Tendenz der Bewegung sich darstellt und die Metallreserve der Bank bedeutend unter ihre mittlere Höhe herabdrückt, bis gegen das mittlere Minimum dieser Reserve hin. Dies letztre ist insofern mehr oder minder willkürlich festgesetzt, da es durch die Gesetzgebung über die Deckung für Barzahlung der Noten etc. in jedem einzelnen Fall verschieden bestimmt ist. Über die quantitativen Grenzen, die ein solcher Abfluß in England erreichen kann, sagt Newmarch vor dem B.A. 1857, Evid. Nr. 1494:
"Nach der Erfahrung zu urteilen, ist es sehr unwahrscheinlich, daß der Metallabfluß infolge irgendwelcher Schwankung im auswärtigen Geschäft 3 oder 4 Millionen Pfd.St. übersteigen wird."
1847 zeigt der niedrigste Stand der Goldreserve der B. of E. am 23. Okt. gegen den 26. Dez. 1846 ein Minus von 5.198.156 Pfd.St. und gegen den höchsten Stand von 1846 (29. August) ein Minus von 6.453.748 Pfd.St.
Fünftens. Die Bestimmung der Metallreserve der sog. Nationalbank, eine Bestimmung, die aber keineswegs allein die Größe des Metallschatzes reguliert, denn er kann wachsen durch bloße Lähmung des innern und äußern Geschäfts - ist dreifach: 1. Reservefonds für internationale Zahlungen, in einem Wort Reservefonds von Weltgeld. 2. Reservefonds für die abwechselnd expandierende und kontrahierende inländische metallische Zirkulation. 3. Was mit der Bankfunktion zusammenhängt und mit den Funktionen des Geldes als bloßen Geldes nichts zu tun hat: Reservefonds für Depositenzahlung und für Konvertibilität von Noten. Er kann daher auch affiziert werden durch Verhältnisse, die jede einzelne dieser drei Funktionen berühren; also als internationaler Fonds durch die Zahlungsbilanz, von welchen Gründen diese auch immer bestimmt und was auch immer ihr Verhältnis zur Handelsbilanz sei; als Reservefonds der inländischen metallischen Zirkulation, durch deren Ausdehnung oder Einschrumpfung. Die dritte Funktion, als Garantiefonds, bestimmt zwar nicht die selbständige Bewegung der Metallreserve, wirkt aber doppelt. Werden Noten ausgegeben, die das Metallgeld (also auch Silbermünze in Ländern, wo Silber das Wertmaß) in der inländischen Zirkulation ersetzen, so fällt die Funktion sub 2 des Reservefonds fort. Und ein Teil des Edelmetalls, der dazu gedient hat, wird dauernd ins Ausland wandern. In diesem Falle findet kein Herausziehn von metallischer Münze für inländische Zirkulation statt, und damit fällt zugleich die zeitweilige Verstärkung der Metallreserve durch Immobilisierung eines Teils des zirkulierenden gemünzten Metalls fort. Ferner: Muß ein Minimum von Metallschatz für Auszahlung von Depositen und Konvertibilität von Noten unter allen Umständen festgehalten werden, so affiziert dies in eigner Art die Wirkungen eines Gold-Abflusses oder -Zuflusses; es wirkt auf den Teil des Schatzes, den die Bank unter allen Umständen zu halten verbunden ist, oder auf den, den sie zu andrer Zeit als nutzlos loszuwerden sucht. Bei rein metallischer Zirkulation und konzentriertem Bankwesen würde die Bank ihren Metallschatz ebenfalls als Garantie für Auszahlung ihrer Depositen zu betrachten haben, und bei einem Metallabfluß könnte dieselbe Panik eintreten wie 1857 in Hamburg.
Sechstens. Mit Ausnahme von etwa 1837 brach die wirkliche Krise immer los erst nach Wendung der Wechselkurse, d.h. sobald die Einfuhr von Edelmetall über die Ausfuhr wieder die Oberhand gewonnen.
1825 trat der wirkliche Krach ein, nachdem der Goldabfluß aufgehört hatte. 1839 fand Goldabfluß statt, ohne daß es zum Krach kam. 1847 hörte der Goldabfluß auf im April, und der Krach kam im Oktober. 1857 hatte der Goldabfluß ins Ausland seit Anfang November aufgehört, erst später im November kam der Krach.
Besonders deutlich tritt dies hervor in der Krise von 1847, wo der Goldabfluß im April schon aufhörte, nachdem er eine relativ gelinde Vorkrise bewirkt und dann die eigentliche Geschäftskrise erst im Oktober zum Ausbruch kam.
Die folgenden Aussagen sind abgegeben vor dem Secret Committee of the House of Lords on Commercial Distress 1848; die Zeugenaussagen (evidence) wurden erst gedruckt 1857 (auch zitiert als C.D. 1848/1857).
Aussagen von Tooke:
"Im April 1847 entstand eine Klemme, die streng gesprochen einer Panik gleichkam, aber von verhältnismäßig kurzer Dauer war und nicht begleitet von kommerziellen Falliten von irgendwelcher Bedeutung. Im Oktober war die Klemme weit intensiver als zu irgendeiner Zeit im April, eine fast unerhörte Summe von kommerziellen Bankrotten fand statt." (2996.) - "Im April legten uns die Wechselkurse, besonders mit Amerika, die Notwendigkeit auf, eine beträchtliche Menge Gold zu exportieren, in Zahlung für ungewöhnlich große Importe; nur durch eine äußerst gewaltsame Anstrengung brachte die Bank den Goldabfluß zum Stocken und trieb den Kurs in die Höhe." (2997.) - "Im Oktober waren die Wechselkurse zugunsten von England." (2998.) - "Die Wendung in den Wechselkursen hatte begonnen in der dritten Aprilwoche." (3000.) - "Sie schwankten im Juli und August; seit Anfang August waren sie stets für England." (3001.) - Der Goldabfluß im August "entsprang der Nachfrage für innere Zirkulation".
J. Morris, Gouverneur der Bank v. England: Obwohl der Wechselkurs seit August 1847 für England günstig geworden und deshalb Goldeinfuhr stattgefunden hatte, nahm der Metallvorrat in der Bank dennoch ab.
"2.200.000 Pfd.St. in Gold gingen hinaus ins Land, infolge inländischer Nachfrage." (137.) - Dies wird erklärt einerseits aus der vermehrten Beschäftigung von Arbeitern bei Eisenbahnbauten, andererseits aus dem "Wunsch der Bankiers, in Zeiten der Krise eine eigne Goldreserve zu besitzen". (147.)
Palmer, Exgouverneur und seit 1811 Direktor der B. of E.:
- "Während der ganzen Periode von Mitte April 1847 bis zum Tag der Suspension des Bankakts von 1844 waren die Wechselkurse zugunsten Englands."
Der Metallabfluß, der im April 1847 eine selbständige Geldpanik bewirkt, ist also hier wie immer nur Vorläufer der Krise und hat sich schon gewendet, ehe diese losbricht. 1839 fand bei großem Geschäftsdruck sehr starker Metallabfluß statt - für Korn usw. - aber ohne Krisis und Geldpanik.
Siebentens. Sobald die allgemeinen Krisen sich ausgebrannt haben, verteilt sich - abgesehn von dem Zufluß von frischem Edelmetall aus den Produktionsländern - das Gold und Silber wieder in den Verhältnissen, worin es als besondrer Schatz der verschiednen Länder, im Zustand ihres Gleichgewichts, existierte. Bei sonst gleichbleibenden Umständen wird seine relative Größe in jedem Land durch dessen Rolle auf dem Weltmarkt bestimmt sein. Von dem Land, das einen größern als den normalen Teil hatte, fließt es ab und dem andern zu; diese Bewegungen des Zu- und Abflusses stellen nur seine ursprüngliche Verteilung unter die verschiednen nationalen Schätze wieder her. Diese Rückverteilung ist jedoch vermittelt durch die Wirkung verschiedner Umstände, die bei Behandlung der Wechselkurse erwähnt werden. Sobald die normale Verteilung wieder da - über diesen Punkt hinaus -, tritt zuerst Wachstum ein und dann wieder Abfluß. {Dieser letzte Satz gilt selbstredend nur für England als Mittelpunkt des Welt-Geldmarkts. - F. E.}
Achtens. Die Metallabflüsse sind meistens Symptom einer Veränderung in der Lage des auswärtigen Handels, und diese Veränderung ist ihrerseits ein Vorzeichen, daß die Verhältnisse wieder zur Krise heranreifen.53
Neuntens. Die Zahlungsbilanz kann für Asien gegen Europa und Amerika sein.54
Einfuhr von Edelmetall findet statt vorwiegend in zwei Momenten. Einerseits in der ersten Phase niedrigen Zinsfußes, die der Krise folgt und Ausdruck der Einschränkung der Produktion ist; und dann in der zweiten Phase, wo der Zinsfuß steigt, aber noch nicht seine mittlere Höhe erreicht hat. Dies ist die Phase, worin die Rückflüsse sich leicht bewirken, der kommerzielle Kredit groß ist und daher die Nachfrage nach Leihkapital nicht im Verhältnis zur Ausdehnung der Produktion wächst. In beiden Phasen, wo Leihkapital verhältnismäßig reichlich, muß der überschüssige Zufluß von Kapital, das in Form von Gold und Silber existiert, also in einer Form, worin es zunächst nur als Leihkapital fungieren kann, bedeutend auf den Zinsfuß und damit auf den Ton des ganzen Geschäfts wirken.
Andrerseits: Abfluß, fortgesetzte starke Ausfuhr von Edelmetall tritt ein, sobald die Eingänge nicht mehr flüssig, die Märkte überführt sind und die scheinbare Prosperität nur noch durch den Kredit aufrechterhalten wird; sobald also bereits eine sehr verstärkte Nachfrage nach Leihkapital existiert und daher der Zinsfuß mindestens schon seine mittlere Höhe erreicht hat. Unter diesen sich eben im Edelmetallabfluß widerspiegelnden Umständen verstärkt sich bedeutend die Wirkung der fortgesetzten Entziehung von Kapital in einer Form, worin es direkt als leihbares Geldkapital existiert. Es muß dies direkt auf den Zinsfuß wirken. Statt aber daß das Steigen des Zinsfußes die Kreditgeschäfte einschränkte, erweitert es sie und führt zur Überanspannung aller ihrer Hilfsmittel. Diese Periode geht deshalb dem Krach voraus.
Newmarch wird gefragt (B. A. 1857):
- "Der Betrag der zirkulierenden Wechsel steigt also mit dem Zinsfuß? - Es scheint so." - 1522. "In ruhigen, gewöhnlichen Zeiten ist das Hauptbuch das wirkliche Instrument des Austausches; aber wenn Schwierigkeiten entstehn, wenn z.B. unter Umständen, wie ich sie angeführt habe, die Diskontorate der Bank erhöht wird ... dann lösen sich die Geschäfte ganz von selbst in Ziehen von Wechseln auf; diese Wechsel sind nicht nur geeigneter, als gesetzlicher Beweis des abgeschloßnen Geschäfts zu dienen, sondern sie passen auch besser für den Zweck, weitre Einkäufe zu machen, und sind vor allen Dingen brauchbar als Kreditmittel, um Kapital aufzunehmen."
Es kommt hinzu, daß, sobald bei einigermaßen drohenden Umständen die Bank ihre Diskontorate erhöht - womit zugleich die Wahrscheinlichkeit gegeben, daß die Bank die Laufzeit der von ihr zu diskontierenden Wechsel einer Beschränkung unterwerfen wird -, die allgemeine Befürchtung eintritt, daß dies crescendo gehn wird. Jeder, und am ersten der Kreditritter, sucht also die Zukunft zu diskontieren und soviel Kreditmittel wie möglich im gegebnen Moment zu seiner Verfügung zu haben. Die eben angeführten Gründe kommen also darauf hinaus, daß die bloße Quantität, sei es des eingeführten, sei es des ausgeführten Edelmetalls, nicht als solche wirkt, sondern daß sie wirkt erstens durch den spezifischen Charakter des Edelmetalls als Kapital in Geldform und daß sie zweitens wirkt wie die Feder, die, der Last auf der Waagschale hinzugefügt, hinreicht, die schwankende Waagschale nach der einen Seite endgültig zu senken; wirkt, weil sie in Umständen eintritt, wo irgendein Excess nach dieser oder jener Seite den Ausschlag gibt. Ohne diese Gründe wäre es ganz und gar unbegreiflich, wie ein Goldabfluß sage von 5-8 Mill. Pfd.St., und dies ist die Grenze der bisherigen Erfahrung, irgend bedeutende Wirkungen ausüben könnte; dies geringe Mehr oder Weniger von Kapital, das selbst gegenüber den 70 Mill. Pfd.St. in Gold, die durchschnittlich in England zirkulieren, unbedeutend erscheint, ist in einer Produktion vom Umfang der englischen in der Tat eine verschwindende Größe.55 Es ist aber eben die Entwicklung des Kredit- und Banksystems, das einerseits dahin treibt, alles Geldkapital in den Dienst der Produktion zu pressen (oder was auf dasselbe hinauskommt, alles Geldeinkommen in Kapital zu verwandeln) und das andrerseits in einer gewissen Phase des Zyklus die Metallreserve auf ein Minimum reduziert, worin sie die ihr zukommenden Funktionen nicht mehr vollziehn kann - es ist dies ausgebildete Kredit- und Banksystem, das diese Überempfindlichkeit des ganzen Organismus erzeugt. Auf minder entwickelten Produktionsstufen ist Verringerung oder Vergrößerung des Schatzes, gegen sein Durchschnittsmaß, eine relativ gleichgültige Sache. Ebenso ist andrerseits selbst ein sehr bedeutender Goldabfluß relativ wirkungslos, wenn er nicht in der kritischen Periode des industriellen Zyklus eintritt.
Bei der gegebnen Erklärung ist abgesehn von Fällen, wo der Metallabfluß infolge von Mißernten usw. eintritt. Hier macht die große und plötzliche Störung des Gleichgewichts der Produktion, deren Ausdruck der Abfluß ist, keine weitre Erklärung seiner Wirkung nötig. Diese Wirkung ist um so größer, je mehr solche Störung eintritt in einer Periode, wo die Produktion unter Hochdruck arbeitet.
Wir haben ferner abgesehn von der Funktion des Metallschatzes als Garanten der Konvertibilität der Banknoten und als Angelpunkt des ganzen Kreditsystems. Die Zentralbank ist Angelpunkt des Kreditsystems. Und die Metallreserve ihrerseits ist Angelpunkt der Bank.56 Der Umschlag des Kreditsystems in das Monetarsystem ist notwendig, wie ich schon in Buch I, Kap. III, beim Zahlungsmittel dargestellt habe. Daß die größten Opfer an realem Reichtum nötig sind, um im kritischen Moment die metallne Basis zu halten, ist von Tooke so gut zugegeben wie von Loyd-Overstone. Der Streit dreht sich nur um ein Plus oder Minus, und um die mehr oder minder rationelle Behandlung des Unvermeidlichen.57 Ein gewisses, im Vergleich mit der Gesamtproduktion unbedeutendes Quantum Metall ist als Angelpunkt des Systems anerkannt. Daher, abgesehn von der erschreckenden Exemplifikation dieses seines Charakters als Angelpunkt in den Krisen, der schöne theoretische Dualismus. Solange sie "von Kapital" ex professo handelt, sieht die aufgeklärte Ökonomie mit der größten Verachtung auf Gold und Silber herab als auf die in der Tat gleichgültigste und nutzloseste Form des Kapitals. Sobald sie vom Bankwesen handelt, dreht sich das alles um, und Gold und Silber werden das Kapital par excellence, für dessen Erhaltung jede andre Form von Kapital und Arbeit geopfert werden muß. Wodurch aber unterscheiden sich nun Gold und Silber von den andren Gestalten des Reichtums? Nicht durch die Wertgröße, denn diese ist bestimmt durch die Menge der in ihnen vergegenständlichten Arbeit. Sondern als selbständige Inkarnationen, Ausdrücke des gesellschaftlichen Charakters des Reichtums. {Der Reichtum der Gesellschaft besteht nur als Reichtum einzelner, die seine Privateigentümer sind. Er bewährt sich nur dadurch als gesellschaftlicher, daß diese einzelnen, zur Befriedigung ihrer Bedürfnisse, die qualitativ verschiednen Gebrauchswerte gegeneinander austauschen. In der kapitalistischen Produktion können sie dies nur vermittelst des Geldes. So wird nur vermittelst des Geldes der Reichtum des einzelnen als gesellschaftlicher Reichtum verwirklicht; im Geld, in diesem Ding, ist die gesellschaftliche Natur dieses Reichtums verkörpert. - F. E.} Dies sein gesellschaftliches Dasein erscheint also als Jenseits, als Ding, Sache, Ware, neben und außerhalb der wirklichen Elemente des gesellschaftlichen Reichtums. Solange die Produktion flüssig, wird dies vergessen. Der Kredit, als ebenfalls gesellschaftliche Form des Reichtums, verdrängt das Geld und usurpiert seine Stelle. Es ist das Vertrauen in den gesellschaftlichen Charakter der Produktion, welches die Geldform der Produkte als etwas nur Verschwindendes und Ideales, als bloße Vorstellung erscheinen läßt. Aber sobald der Kredit erschüttert wird - und diese Phase tritt immer notwendig ein im Zyklus der modernen Industrie -, soll nun aller reale Reichtum wirklich und plötzlich in Geld verwandelt werden, in Gold und Silber, eine verrückte Forderung, die aber notwendig aus dem System selbst hervorwächst. Und alles Gold und Silber, das diesen ungeheuren Ansprüchen genügen soll, beläuft sich auf ein paar Millionen in den Kellern der Bank.58 In den Wirkungen des Goldabflusses tritt also der Umstand, daß die Produktion nicht wirklich als gesellschaftliche Produktion der gesellschaftlichen Kontrolle unterworfen ist, schlagend hervor in der Form, daß die gesellschaftliche Form des Reichtums als ein Ding außer ihm existiert. Das kapitalistische System hat dies in der Tat gemein mit frühern Produktionssystemen, soweit sie auf Warenhandel und Privataustausch beruhen. Es tritt aber erst in ihm am schlagendsten und in der grotesksten Form des absurden Widerspruchs und Widersinns hervor, weil 1. im kapitalistischen System am vollständigsten die Produktion für den unmittelbaren Gebrauchswert, für den Selbstgebrauch der Produzenten aufgehoben ist, also der Reichtum nur als gesellschaftlicher Prozeß existiert, der sich als Verschlingung von Produktion und Zirkulation ausdrückt; 2. weil mit der Entwicklung des Kreditsystems die kapitalistische Produktion diese metallne Schranke, zugleich dingliche und phantastische Schranke des Reichtums und seiner Bewegung, beständig aufzuheben strebt, sich aber immer wieder den Kopf an dieser Schranke einstößt.
In der Krise tritt die Forderung ein, daß sämtliche Wechsel, Wertpapiere, Waren auf einmal gleichzeitig in Bankgeld konvertibel sein sollen und dies sämtliche Bankgeld wieder in Gold.
II. Der Wechselkurs
{Der Barometer für die internationale Bewegung der Geldmetalle ist bekanntlich der Wechselkurs. Hat England mehr Zahlungen zu machen an Deutschland als Deutschland an England, so steigt in London der Preis von Mark, in Sterling ausgedrückt, und in Hamburg und Berlin fällt der Preis von Sterling, ausgedrückt in Mark. Gleicht sich dies Übergewicht der Zahlungsverpflichtungen Englands an Deutschland nicht wieder aus, z.B. durch überwiegende Einkäufe Deutschlands in England, so muß der Sterlingpreis für Markwechsel auf Deutschland bis zu dem Punkt steigen, wo es sich lohnt, statt Wechseln Metall - Goldgeld oder Barren - aus England in Zahlung nach Deutschland zu schicken. Dies ist der typische Verlauf.
Nimmt dieser Export von Edelmetall stärkeren Umfang und längere Dauer an, so wird die englische Bankreserve angegriffen, und der englische Geldmarkt, voran die B. von E., muß Schutzmaßregeln ergreifen. Diese bestehn wesentlich, wie wir schon gesehn, in Heraufsetzung des Zinsfußes. Bei bedeutendem Goldabfluß ist der Geldmarkt regelmäßig schwierig, d.h. die Nachfrage nach Leihkapital in Geldform überwiegt bedeutend das Angebot, und der höhere Zinsfuß ergibt sich hieraus ganz von selbst; die von der B. von E. dekretierte Diskontorate entspricht der Sachlage und setzt sich im Markte durch. Es kommen aber auch Fälle vor, wo der Metallabfluß aus andern als den gewöhnlichen Geschäftskombinationen entspringt (z.B. durch Anleihen fremder Staaten, Kapitalanlage im Ausland usw.), wo der Londoner Geldmarkt als solcher eine wirksame Zinsratenerhöhung keineswegs rechtfertigt; die B. von E. hat dann durch starke Anleihen im "offnen Markt" erst "Geld rar zu machen", wie der Ausdruck lautet, um so künstlich die Lage zu schaffen, die eine Zinserhöhung rechtfertigt oder nötig macht; ein Manöver, das ihr von Jahr zu Jahr schwerer wird. - F. E.}
Wie nun diese Heraufsetzung der Zinsrate auf die Wechselkurse wirkt, zeigen folgende Aussagen vor dem Unterhausausschuß über Bankgesetzgebung 1857 (zitiert als B.A. oder B.C., 1857).
John Stuart Mill:
- "Wenn das Geschäft schwierig geworden ist ... tritt ein beträchtlicher Fall im Preis der Wertpapiere ein ... Ausländer lassen hier in England Eisenbahnaktien kaufen, oder englische Eigner auswärtiger Eisenbahnaktien verkaufen sie im Ausland ... um so viel wird die Übertragung von Gold beseitigt." - 2182. "Eine große und reiche Klasse von Bankiers und Händlern in Wertpapieren, durch welche die Ausgleichung des Zinsfußes und die Ausgleichung des kommerziellen Barometerstandes (pressure) zwischen den verschiednen Ländern gewöhnlich bewirkt wird ... ist immer auf der Ausschau, um Wertpapiere zu kaufen, die eine Preissteigerung versprechen ... der richtige Ort für sie, zum Einkauf, wird das Land sein, das Gold ins Ausland schickt." - 2183. "Diese Kapitalanlagen fanden 1847 in bedeutendem Maßstab statt, hinreichend, den Goldabfluß zu vermindern."
J. G. Hubbard, Ex-Gouverneur und seit 1838 in der Direktion der B. of E.:
- "Es gibt große Mengen europäischer Wertpapiere ... die eine europäische Zirkulation haben in allen den verschiednen Geldmärkten, und diese Papiere, sobald sie in einem Markt um 1 oder 2% fallen, werden sofort aufgekauft zur Übersendung nach den Märkten, wo ihr Wert sich noch gehalten hat." - 2565. "Stehn nicht auswärtige Länder in bedeutender Schuld gegenüber den Kaufleuten in England? - ... Sehr bedeutend." - 2566. "Die Einkassierung dieser Schulden könnte also allein hinreichen, eine sehr große Akkumulation von Kapital in England zu erklären? - Im Jahre 1847 wurde unsre Position schließlich dadurch wiederhergestellt, daß wir einen Strich machten durch soundso viel Millionen, die Amerika und Rußland früher an England schuldeten."
{England schuldete eben denselben Ländern gleichzeitig "soundso viel Millionen" für Korn und verfehlte nicht, auch hierdurch großenteils "einen Strich zu machen" vermittelst Bankerotts der englischen Schuldner. Siehe den Bericht über die Bankakte von 1857, oben Kap. 30, S. 31.}
- "1847 stand der Kurs zwischen England und Petersburg sehr hoch. Als der Regierungsbrief erlassen wurde, der die Bank bevollmächtigte, Banknoten auszugeben, ohne sich an die vorgeschriebne Grenze von 14 Mill." {über die Goldreserve hinaus} "zu binden, war die Bedingung, daß der Diskonto auf 8% gehalten werden müsse. In jenem Augenblick, und bei jener Diskontorate, war es ein profitliches Geschäft, Gold von Petersburg nach London verschiffen zu lassen und es bei seiner Ankunft zu 8% auszuleihen bis zum Verfall der Dreimonatswechsel, die gegen das verkaufte Gold gezogen waren." - 2573. "In allen Goldoperationen sind viele Punkte in Erwägung zu ziehn; es kommt auf den Wechselkurs an und auf den Zinsfuß, zu dem man das Geld anlegen kann bis zum Verfall des" {dagegen gezognen} "Wechsels."
Wechselkurs mit Asien
Die folgenden Punkte sind wichtig, einerseits weil sie zeigen, wie England, wenn sein Wechselkurs mit Asien ungünstig ist, sich bei andern Ländern erholen muß, deren Import aus Asien durch englische Vermittlung bezahlt wird. Zweitens aber, weil Herr Wilson hier wieder den törichten Versuch macht, die Wirkung einer Ausfuhr von Edelmetall auf die Wechselkurse zu identifizieren mit der Wirkung eines Exports von Kapital überhaupt auf diese Kurse; beides im Fall, wo es sich handelt um Export, nicht als Zahlungs- oder Kaufmittel, sondern für Kapitalanlage. Zunächst ist es selbstverständlich, daß, ob soundsoviel Millionen Pfd.St. in Edelmetall oder in Eisenschienen nach Indien geschickt werden, um sie dort in Eisenbahnen anzulegen, dies beides nur verschiedne Form ist, denselben Kapitalbelauf von einem Land auf ein andres zu übertragen; und zwar eine Übertragung, die nicht in die Rechnung der gewöhnlichen merkantilen Geschäfte eingeht, und wofür das exportierende Land keinen andern Rückfluß erwartet als spätre jährliche Revenue aus den Einkünften dieser Eisenbahnen. Geschieht dieser Export in Form von Edelmetall, so wird er, weil Edelmetall, und als solches unmittelbar leihbares Geldkapital und Basis des ganzen Geldsystems, nicht notwendig unter allen Umständen, aber unter früher entwickelten, direkt auf den Geldmarkt, und damit auf den Zinsfuß, des dies Edelmetall exportierenden Landes wirken. Er wirkt auch ebenso direkt auf den Wechselkurs. Es wird nämlich nur deshalb Edelmetall versandt, weil und soweit die Wechsel, z.B. auf Indien, die im Londoner Geldmarkt angeboten werden, nicht hinreichen, um diese Extrarimessen zu machen. Es findet also eine das Angebot übersteigende Nachfrage für Wechsel auf Indien statt, und so wendet sich der Kurs momentan gegen England, nicht weil es an Indien verschuldet ist, sondern weil es außerordentliche Summen nach Indien zu schicken hat. Auf die Dauer muß eine solche Versendung von Edelmetall nach Indien dahin wirken, die indische Nachfrage nach englischen Waren zu vermehren, weil sie indirekt die Konsumtionsfähigkeit Indiens für europäische Waren steigert. Wird dagegen das Kapital in der Form von Schienen usw. verschickt, so kann es gar keinen Einfluß auf den Wechselkurs haben, da Indien keine Rückzahlung dafür zu machen hat. Ebendeshalb braucht es auch keinen Einfluß auf den Geldmarkt zu haben. Einen solchen Einfluß sucht Wilson dadurch herauszubringen, daß solche Extraauslage eine Extranachfrage nach Geldakkommodation hervorbringe und so auf den Zinsfuß wirken werde. Dies kann der Fall sein; aber zu behaupten, daß es unter allen Umständen stattfinden müsse, ist total verkehrt. Wo immer die Schienen hingeschickt und festgelegt werden, ob auf englischem Boden oder indischem, sie stellen nichts vor, als eine bestimmte Ausdehnung englischer Produktion in einer bestimmten Sphäre. Zu behaupten, daß eine Ausdehnung der Produktion, selbst innerhalb sehr weiter Grenzen, nicht stattfinden könne ohne Herauftreibung des Zinsfußes, ist Torheit. Die Geldakkommodation mag wachsen, d.h. die Summe der Geschäfte, worin Kreditoperationen eingehn; aber diese Operationen können zunehmen bei gleichbleibendem gegebnem Zinsfuß. Dies war wirklich der Fall während der Eisenbahnmanie in England in den 40er Jahren. Der Zinsfuß stieg nicht. Und es ist augenscheinlich, daß, soweit wirkliches Kapital, d.h. hier Waren, in Betracht kommt, die Wirkung auf den Geldmarkt ganz dieselbe ist, ob diese Waren fürs Ausland bestimmt sind oder für innern Verbrauch. Es könnte nur dann einen Unterschied machen, wenn Englands Kapitalanlagen im Ausland beschränkend auf seinen kommerziellen Export wirkten - den Export, der bezahlt werden muß, also einen Rückfluß bringt - oder soweit diese Kapitalanlagen überhaupt schon Symptom von Überanspannung des Kredits und beginnender Schwindeloperationen wären.
Im folgenden fragt Wilson und antwortet Newmarch.
- "Sie sagten früher, mit Bezug auf die Silbernachfrage für Ostasien, daß nach Ihrer Ansicht die Wechselkurse mit Indien zugunsten Englands seien, trotz der fortwährend nach Ostasien gesandten bedeutenden Metallschätze; haben Sie Gründe hierfür? - Allerdings ... Ich finde, daß der wirkliche Wert der Ausfuhren des Vereinigten Königreichs nach Indien 1851 sich auf 7.420.000 Pfd.St. belief; hierzu ist zu addieren der Betrag der Wechsel des India House, d.h. der Fonds, die die Ostindische Kompanie von Indien zieht zur Bestreitung ihrer eignen Ausgaben. Diese Tratten betrugen in jenem Jahr 3.200.000 Pfd.St.; so daß die Gesamtausfuhr des Vereinigten Königreichs nach Indien 10.620.000 Pfd.St. betrug. 1855 ... war der wirkliche Wert des Warenexports gestiegen auf 10.350.000 Pfd.St.; die Tratten des India House waren 3.700.000 Pfd.St.; die Totalausfuhr also 14.050.000 Pfd.St. Für 1851, glaube ich, haben wir kein Mittel, den wirklichen Wert der Wareneinfuhr von Indien nach England festzustellen; wohl aber für 1854 und 1855. 1855 war der gesamte wirkliche Wert der Wareneinfuhr von Indien nach England 12.670.000 Pfd.St., und diese Summe, verglichen mit den 14.050.000 Pfd.St., läßt eine Bilanz zugunsten Englands im direkten Handel zwischen beiden Ländern von 1.380.000 Pfd.St."
Hierauf bemerkt Wilson, daß die Wechselkurse auch durch den indirekten Handel berührt werden. So werden z.B. die Ausfuhren von Indien nach Australien und Nordamerika durch Tratten auf London gedeckt und wirken daher auf den Wechselkurs ganz so, als ob die Waren direkt von Indien nach England gingen. Ferner, wenn Indien und China zusammengenommen werden, so sei die Bilanz gegen England, da China fortwährend bedeutende Zahlungen für Opium an Indien und England Zahlungen an China zu machen hat und die Beträge auf diesem Umweg nach Indien gehn. (1787, 1788.)
1791 fragt nun Wilson, ob der Effekt auf die Wechselkurse nicht derselbe sein werde, einerlei ob das Kapital "in Form von Eisenschienen und Lokomotiven, oder in Form von Metallgeld hinausginge". Hierauf antwortet Newmarch ganz richtig: die 12 Mill. Pfd.St., die in den letzten Jahren für Eisenbahnbau nach Indien gesandt, hätten gedient zum Ankauf einer Jahresrente, die Indien in regelmäßigen Terminen an England zu zahlen habe.
"Soweit unmittelbare Wirkung auf den Edelmetallmarkt in Betracht kommt, kann die Anlage der 12 Mill. Pfd.St. eine solche nur ausüben, soweit Metall hinausgesandt werden mußte für wirkliche Anlage in Geld."
- (Weguelin fragt:) "Wenn kein Rückfluß erfolgt für dies Eisen" (die Schienen), "wie kann man sagen, daß es auf den Wechselkurs wirkt? - Ich glaube nicht, daß der Teil der Auslage, der in Form von Waren hinausgeschickt wird, den Stand des Wechselkurses affiziert ... der Stand des Kurses zwischen zwei Ländern wird, man kann sagen ausschließlich, affiziert durch die Quantität der Obligationen oder Wechsel, die in dem einen Land angeboten werden, verglichen mit der Quantität, die im andern Land dagegen angeboten wird; das ist die rationelle Theorie des Wechselkurses. Was die Übersendung der 12 Millionen betrifft, so sind diese 12 Millionen zunächst hier gezeichnet worden; wäre nun das Geschäft derart, daß diese gesamten 12 Mill. in Kalkutta, Bombay und Madras in Hartgeld niedergelegt werden ..., so würde diese plötzliche Nachfrage gewaltsam auf den Silberpreis und den Wechselkurs wirken, gradesogut als wenn die Ostindische Kompanie morgen ankündigte, daß sie ihre Tratten von 3 auf 12 Mill. erhöhe. Aber die Hälfte dieser 12 Mill. wird ausgelegt ... im Ankauf von Waren in England ... Eisenschienen und Holz und andre Stoffe ... es ist eine Auslage von englischem Kapital in England selbst, für eine gewisse Warensorte, die nach Indien geschickt wird, und damit hat die Sache ein Ende." - 1798. (Weguelin:) "Aber die Produktion dieser für die Eisenbahnen nötigen Waren von Eisen und Holz produziert eine starke Konsumtion auswärtiger Waren, und diese könnte doch den Wechselkurs affizieren? - Sicherlich."
Wilson meint nun, das Eisen repräsentiere zum großen Teil Arbeit, und der für diese Arbeit gezahlte Lohn repräsentiere großenteils importierte Waren (1799), und fragt dann weiter:
- "Aber ganz allgemein gesprochen: wenn man die Waren, die produziert worden sind vermittelst der Konsumtion dieser importierten Waren, derart hinausschickt, daß wir keine Retour dafür erhalten, sei es in Produkten oder sonstwie; würde dies nicht die Wirkung haben, die Kurse ungünstig für uns zu machen? - Dieses Prinzip ist genau, was stattfand in England während der Zeit der großen Eisenbahnanlagen" {1845}. "Drei oder vier oder fünf Jahre hintereinander haben Sie auf Eisenbahnen 30 Mill. Pfd.St. ausgelegt und fast das ganze in Arbeitslohn. Sie haben während drei Jahren im Bau von Eisenbahnen, Lokomotiven, Wagen und Bahnhöfen eine stärkre Volkszahl unterhalten als in allen Fabrikdistrikten zusammen. Diese Leute ... legten ihren Lohn aus im Ankauf von Tee, Zucker, Spirituosen und andren auswärtigen Waren; diese Waren mußten importiert werden; aber es steht fest, daß während der Zeit, wo diese große Auslage vor sich ging, die Wechselkurse zwischen England und andren Ländern nicht wesentlich gestört wurden. Es fand kein Abfluß von Edelmetall statt, im Gegenteil, eher ein Zufluß."
- Wilson besteht darauf, daß bei ausgeglichener Handelsbilanz und Parikurs zwischen England und Indien die Extrasendung des Eisens und der Lokomotiven "den Wechselkurs mit Indien affizieren müsse". Newmarch kann dies nicht einsehn, solange die Schienen als Kapitalanlage hinausgeschickt werden und Indien sie nicht in dieser oder jener Form zu bezahlen hat; er fügt hinzu:
"Ich stimme mit dem Prinzip überein, daß kein Land auf die Dauer einen ungünstigen Wechselkurs haben kann mit allen Ländern, womit es handelt; ein ungünstiger Wechselkurs mit einem Land produziert notwendig einen günstigen mit einem andern."
Hierauf wirft ihm Wilson die Trivialität ein:
- "Würde aber nicht eine Kapitalübertragung dieselbe sein, ob das Kapital in dieser oder jener Form geschickt wird? - Soweit die Schuldverpflichtung in Betracht kommt, jawohl." - 1804. "Ob Sie also Edelmetall herausschicken oder Waren, die Wirkung des Eisenbahnbaus in Indien auf den Kapitalmarkt hier würde also dieselbe sein und würde den Wert des Kapitals ebenso erhöhen, als ob das Ganze in Edelmetall hinausgesandt wäre?"
Wenn die Eisenpreise nicht stiegen, so war das jedenfalls ein Beweis, daß der "Wert" des in Schienen steckenden "Kapitals" nicht vermehrt war. Worum es sich handelt, ist der Wert des Geldkapitals, der Zinsfuß. Wilson möchte Geldkapital und Kapital überhaupt identifizieren. Die einfache Tatsache ist zunächst die, daß in England 12 Mill. für indische Eisenbahnen gezeichnet waren. Dies ist eine Sache, die direkt nichts mit den Wechselkursen zu tun hat, und die Bestimmung der 12 Mill. ist für den Geldmarkt ebenfalls gleichgültig. Ist der Geldmarkt in günstiger Lage, so braucht dies überhaupt keine Wirkung zu produzieren, wie die englischen Eisenbahnzeichnungen 1844 und 1845 den Geldmarkt ebenfalls unberührt ließen. Ist der Geldmarkt schon einigermaßen schwierig, so könnte der Zinsfuß allerdings dadurch betroffen werden, aber doch nur in der Richtung der Steigerung, und dies müßte ja nach Wilsons Theorie günstig auf die Kurse für England wirken, d.h. die Tendenz zur Ausfuhr von Edelmetall hemmen; wenn nicht nach Indien, so doch woandershin. Herr Wilson springt von einem zum andern. In Frage 1802 sollten die Wechselkurse affiziert werden; in Nr. 1804 der "Wert des Kapitals", zwei sehr verschiedne Dinge. Der Zinsfuß mag auf die Wechselkurse, und die Kurse mögen auf den Zinsfuß wirken, aber bei wechselnden Kursen kann der Zinsfuß, und bei wechselndem Zinsfuß können die Kurse konstant sein. Es will Wilson nicht in den Kopf, daß bei der Kapitalversendung ins Ausland, die bloße Form, in der es versandt wird, einen solchen Unterschied in der Wirkung macht, d.h. daß die Formverschiedenheit des Kapitals diese Wichtigkeit hat, und nun gar erst seine Geldform, was der ökonomischen Aufklärung gar sehr widerspricht. Newmarch antwortet dem Wilson sofern einseitig, als er ihn gar nicht aufmerksam macht, daß er so plötzlich und ohne Grund vom Wechselkurs auf den Zinsfuß übergesprungen ist. Newmarch antwortet auf jene Frage 1804 unsicher und schwankend:
"Kein Zweifel, wenn 12 Mill. aufgebracht werden sollen, so ist es unwesentlich, soweit der allgemeine Zinsfuß in Betracht kommt, ob diese 12 Mill. in Edelmetall oder in Materialien herausgeschickt werden sollen. Ich glaube jedoch" (schöner Übergang dies jedoch, um nun das direkte Gegenteil zu sagen), "dies ist nicht ganz unwesentlich" (es ist unwesentlich, aber jedoch ist es nicht unwesentlich), "weil in dem einen Fall die 6 Mill. Pfd.St. sofort zurückfließen würden; in dem andern Fall würden sie nicht so rasch zurückfließen. Deshalb würde es einigen" (welche Bestimmtheit!) "Unterschied machen, ob die 6 Mill. hier im Lande ausgelegt werden oder ob sie ganz herausgeschickt werden."
Was soll das heißen, daß die 6 Mill. sofort zurückfließen würden? Soweit die 6 Mill. Pfd.St. in England verausgabt sind, existieren sie in Schienen, Lokomotiven etc., die nach Indien geschickt werden, von wo sie nicht zurückkehren, und ihr Wert erst durch Amortisation, also sehr langsam, während die 6 Mill. Edelmetall vielleicht sehr rasch in natura retournieren. Soweit die 6 Mill. in Arbeitslohn verausgabt sind, sind sie aufgegessen; aber das Geld, worin sie vorgeschossen waren, zirkuliert nach wie vor im Lande oder bildet Reserve. Dasselbe gilt von den Profiten der Schienenproduzenten und dem Teil der 6 Mill., der ihr konstantes Kapital ersetzt. Die zweideutige Phrase vom Rückfluß wird also von Newmarch nur gebraucht, um nicht direkt zu sagen: Das Geld ist im Lande geblieben, und soweit es als leihbares Geldkapital fungiert, ist der Unterschied für den Geldmarkt (abgesehn davon, daß etwa die Zirkulation mehr Hartgeld verschluckt haben könnte) nur der, daß es für Rechnung von A statt von B verausgabt wird. Anlage dieser Art, wo das Kapital in Waren, nicht in Edelmetall in fremde Länder übertragen wird, kann nur auf die Wechselkurse wirken (und zwar nicht mit dem Land, worin angelegt wird), soweit die Produktion dieser exportierten Waren Extraimport andrer auswärtiger Waren erheischt. Diese Produktion ist dann nicht bestimmt, diesen Extraimport zu liquidieren. Dasselbe findet aber bei jedem Export auf Kredit statt, einerlei, ob als Kapitalanlage oder für gewöhnliche Handelszwecke. Außerdem kann dieser Extraimport auch rückwirkend Extranachfrage nach englischen Waren z.B. auf seiten der Kolonien oder der Vereinigten Staaten hervorrufen.
Vorher sagte Newmarch, infolge der Tratten der Ostindischen Kompanie seien die Ausfuhren von England nach Indien größer als die Einfuhren, Sir Charles Wood nimmt ihn über diesen Punkt ins Kreuzverhör. Dieser Überschuß englischer Ausfuhr nach, über die Einfuhr von, Indien wird tatsächlich zustande gebracht durch eine Einfuhr von Indien, wofür England kein Äquivalent zahlt: die Tratten der Ostindischen Kompanie (jetzt der ostindischen Regierung) lösen sich auf in einen Tribut, der von Indien erhoben wird. Z.B. 1855: die Einfuhr von Indien nach England von 12.670.000 Pfd.St.; die englischen Ausfuhren nach Indien 10.350.000 Pfd.St. Bilanz zugunsten Indiens 2.250.000 Pfd.St.
"Wenn hiermit die Sachlage erschöpft wäre, so würden diese 2.250.000 Pfd.St. in irgendeiner Form nach Indien zu remittieren sein. Aber dann kommen die Aufforderungen vom India House. Das India House annonciert, daß es in der Lage ist, Tratten auf die verschiednen Präsidentschaften in Indien auszugeben zum Betrage von 3.250.000 Pfd.St." (Dieser Betrag wurde erhoben für die Londoner Unkosten der Ostindischen Kompanie und für die an die Aktionäre zu zahlenden Dividenden.) "Und dies liquidiert nicht nur die Bilanz von 2.250.000 Pfd.St., die im Handelsweg entstand, sondern ergibt noch eine Million Überschuß." (1917.)
- (Wood:) "Dann ist also die Wirkung dieser Tratten des India House, nicht die Ausfuhren nach Indien zu vermehren, sondern sie pro tanto zu vermindern?"
(Soll heißen, die Notwendigkeit zu vermindern, die Einfuhr von Indien durch Ausfuhr ebendorthin zu diesem Betrag zu decken.) Dies erklärt Herr Newmarch dadurch, daß die Engländer für diese 3.700.000 Pfd.St. "gute Regierung" nach Indien importieren. (1925.) Richtig und ironisch sagt Wood, der als Minister für Indien die von den Engländern importierte Sorte "guter Regierung" sehr gut kannte. 1926:
"Dann ist die Ausfuhr, die, wie Sie sagen, durch die India-House-Tratten verursacht wird, eine Ausfuhr von guter Regierung und nicht von Waren."
Da England viel exportiert "in dieser Weise" für "gute Regierung" und für Kapitalanlagen in auswärtigen Ländern - also Einfuhren erhält, die ganz unabhängig sind vom gewöhnlichen Gang des Geschäfts, Tribute, teils für exportierte "gute Regierung", teils als Revenue von in den Kolonien und anderswo angelegtem Kapital, Tribute, wofür es kein Äquivalent zu zahlen hat -, so ist klar, daß die Wechselkurse nicht affiziert werden, wenn England diese Tribute einfach aufißt, ohne Gegenexport; es ist also auch klar, daß die Kurse nicht affiziert werden, wenn es diese Tribute wieder anlegt, nicht in England, sondern produktiv oder unproduktiv im Ausland; wenn es z.B. Munition dafür nach der Krim schickt. Zudem, soweit die Einfuhren vom Ausland in die Revenue von England eingehn - bezahlt müssen sie natürlich sein, entweder als Tribut, wo kein Äquivalent nötig, oder durch Austausch gegen diese nicht bezahlten Tribute oder im gewöhnlichen Gang des Handels -, kann England sie entweder konsumieren oder sie als Kapital wieder neu anlegen. Weder das eine noch das andre berührt die Wechselkurse, und dies übersieht der weise Wilson. Ob einheimisches oder fremdes Produkt einen Teil der Revenue bildet, wo der letztere Fall nur Austausch heimischer Produkte gegen auswärtige voraussetzt, - der Konsum dieser Revenue, produktiv oder unproduktiv, ändert nichts an den Wechselkursen, wenn auch an der Stufenleiter der Produktion. Danach ist das Folgende zu beurteilen.
- Wood fragt ihn, wie die Sendung von Kriegsvorräten nach der Krim den Wechselkurs mit der Türkei affizieren würde. Newmarch antwortet:
"Ich sehe nicht ein, wie die bloße Versendung von Kriegsvorräten den Wechselkurs notwendig affizieren würde, aber die Versendung von Edelmetall würde den Kurs sicherlich affizieren."
Hier unterscheidet er also Kapital in Geldform von andrem Kapital.
Aber nun fragt Wilson:
- "Wenn Sie einen Export veranstalten in großer Ausdehnung von irgendeinem Artikel, wofür kein korrespondierender Import stattfindet",
(Herr Wilson vergißt, daß in Beziehung auf England sehr bedeutender Import stattfindet, wofür nie ein entsprechender Export stattgefunden hat, ausgenommen in der Form von "guter Regierung" oder von früher exportiertem Anlagekapital; jedenfalls kein Import, der in die regelmäßige Handelsbewegung eingeht. Aber dieser Import wird wieder ausgetauscht z.B. mit amerikanischem Produkt, und daß amerikanisches Produkt exportiert wird ohne entsprechenden Import, ändert nichts an der Sache, daß der Wert dieses Imports konsumiert werden kann ohne einen äquivalenten Abfluß nach außen; es ist empfangen worden ohne Gegenexport, und es kann daher auch verbraucht werden, ohne in die Handelsbilanz einzugehn)
"so bezahlen Sie nicht die auswärtige Schuld, die Sie durch Ihre Einfuhr kontrahiert haben."
(Aber wenn Ihr diesen Import schon vorher bezahlt habt, z.B. durch den im Ausland gegebnen Kredit, so wird keine Schuld dadurch kontrahiert, und die Frage hat gar nichts zu tun mit der internationalen Bilanz; sie löst sich auf in produktive oder unproduktive Ausgabe, einerlei ob die so verbrauchten Produkte inländisches oder ausländisches Produkt sind.)
"Und deshalb müssen Sie durch diese Transaktion die Wechselkurse affizieren, indem die ausländische Schuld nicht bezahlt wird, weil Ihr Export keinen korrespondierenden Import hat. - Das ist richtig von Ländern im allgemeinen."
Der Vortrag des Wilson kommt darauf hinaus, daß jeder Export ohne entsprechenden Import zugleich ein Import ohne entsprechenden Export ist; weil in die Produktion des exportierten Artikels fremde, also importierte Waren eingehn. Die Unterstellung ist, daß jeder solcher Export begründet ist auf einen nicht bezahlten Import oder ihn erzeugt -, also Schuld ans Ausland. Dies ist falsch, selbst abgesehn von den zwei Umständen, daß England 1. Gratisimporte hat, wofür es kein Äquivalent zahlt; z.B. einen Teil seiner indischen Importe. Es kann diese austauschen gegen amerikanische Importe, und letztre exportieren ohne Gegenimport; jedenfalls, was den Wert betrifft, hat es nur exportiert, was ihm nichts gekostet hat. Und 2. es mag Importe bezahlt haben, z.B. amerikanische, die zuschüssiges Kapital bilden; wenn es diese unproduktiv, z.B. in Kriegsmunition konsumiert, so bildet dies keine Schuld gegen Amerika und affiziert nicht den Wechselkurs mit Amerika. Newmarch widerspricht sich 1934 und 1935 und wird hierauf aufmerksam gemacht durch Wood, 1938:
"Wenn kein Teil der Waren, angewandt in der Anfertigung der Artikel, die wir ausführen, ohne daß Rückfluß erfolgt" (Kriegsausgabe), "herkommt von dem Lande, wohin diese Artikel geschickt werden, wie berührt dies den Wechselkurs mit diesem Lande? Angenommen, der Handel mit der Türkei sei im gewöhnlichen Zustand des Gleichgewichts; wie wird der Wechselkurs zwischen England und der Türkei affiziert durch die Ausfuhr von Kriegsvorräten nach der Krim?"
Hier verliert Newmarch seinen Gleichmut; er vergißt, daß er dieselbe einfache Frage unter Nr. 1934 bereits richtig beantwortet hat, und sagt:
"Wir haben, scheint mir, die praktische Frage erschöpft und kommen jetzt in eine sehr erhabne Region metaphysischer Diskussion."
{Wilson hat noch eine andre Fassung seiner Behauptung, daß der Wechselkurs affiziert werde durch jede Kapitalübertragung von einem Land auf ein andres, gleichviel ob diese stattfinde in Form von Edelmetall oder von Waren. Wilson weiß natürlich, daß der Wechselkurs affiziert wird durch den Zinsfuß, speziell durch das Verhältnis der in den beiden Ländern, deren gegenseitiger Wechselkurs in Frage ist, geltenden Zinsraten. Kann er nun nachweisen, daß Überschuß an Kapital überhaupt, also zunächst an Waren aller Art, mit Einschluß von Edelmetall, eine mitbestimmende Wirkung auf den Zinsfuß ausübt, so kommt er seinem Ziel schon einen Schritt näher; Übertragung eines bedeutenden Teils dieses Kapitals auf ein andres Land muß dann in beiden Ländern den Zinsfuß ändern, und zwar in entgegengesetzter Richtung und damit in zweiter Instanz auch den Wechselkurs zwischen beiden Ländern. - F. E.}
Er sagt nun in dem, damals von ihm redigierten "Economist" 1847, p.574:
"Es ist klar, daß ein solcher Überschuß von Kapital, angezeigt durch große Vorräte aller Art, Edelmetall eingeschlossen, notwendig führen muß nicht allein zu niedrigen Preisen der Waren überhaupt, sondern zu einem niedrigeren Zinsfuß für den Gebrauch von Kapital (1). Wenn wir einen Vorrat von Waren zur Hand haben, hinreichend, dem Land für zwei kommende Jahre zu dienen, so wird Kommando über diese Waren für eine gegebne Periode zu viel niedrigerer Rate erhalten, als wenn der Vorrat kaum für zwei Monate ausreicht (2). Alle Anleihen von Geld, in welcher Form immer gemacht, sind nur Übertragung des Kommandos über Waren von dem einen auf den andern. Sind Waren daher überflüssig vorhanden, so muß der Geldzins niedrig, sind sie selten, so muß er hoch sein (3). Wenn die Waren reichlicher zufließen, wird die Zahl der Verkäufer im Vergleich mit der Zahl der Käufer zunehmen, und im Maß, wie die Quantität die Bedürfnisse der unmittelbaren Konsumtion übersteigt, muß ein stets größerer Teil für spätern Gebrauch aufbewahrt werden. Unter diesen Umständen wird ein Warenbesitzer zu niedrigeren Bedingungen auf künftige Zahlung oder auf Kredit verkaufen, als wenn er sicher wäre, daß sein ganzer Vorrat in wenigen Wochen zum Verkauf käme"(4).
Zu dem Satz ad (1) ist zu bemerken, daß ein starker Zufluß von Edelmetall stattfinden kann gleichzeitig mit einer Einschränkung der Produktion, wie dies stets der Fall ist in der Zeit nach einer Krise. In der folgenden Phase mag Edelmetall zufließen von Ländern, die vorwiegend Edelmetall produzieren; die Einfuhr der andern Waren wird in dieser Periode gewöhnlich durch die Ausfuhr ausgeglichen. In diesen beiden Phasen ist der Zinsfuß niedrig und nur langsam steigend; warum, haben wir gesehn. Dieser niedrige Zinsfuß ließ sich überall erklären ohne irgendwelche Einwirkung irgendwelcher "großen Vorräte aller Art". Und wie soll diese Einwirkung stattfinden? Der niedrige Preis von Baumwolle z.B. ermöglicht hohe Profite der Spinner usw. Warum ist nun der Zinsfuß niedrig? Sicher nicht, weil der Profit, der mit geliehenem Kapital gemacht werden kann, hoch ist. Sondern einzig und allein, weil unter den bestehenden Umständen die Nachfrage nach Leihkapital nicht wächst im Verhältnis zu diesem Profit; also das Leihkapital andre Bewegung hat als das industrielle Kapital. Was der "Economist" beweisen will, ist gerade das Umgekehrte: daß seine Bewegung identisch sei mit der Bewegung des industriellen Kapitals.
Der Satz ad (2), wenn wir die absurde Voraussetzung eines Vorrats für zwei Jahre im voraus bis zur Ermöglichung eines Sinns herabmindern, unterstellt eine Überführung des Warenmarkts. Dies würde ein Sinken der Preise verursachen. Es wäre weniger zu zahlen für einen Ballen Baumwolle. Daraus folgt keineswegs, daß das Geld, um einen Ballen Baumwolle zu kaufen, wohlfeiler aufzunehmen wäre. Dies hängt ab vom Stand des Geldmarkts. Wenn es wohlfeiler aufzunehmen ist, dann nur, weil der kommerzielle Kredit in solcher Lage ist, daß er den Bankkredit weniger in Anspruch zu nehmen genötigt ist als gewöhnlich. Die den Markt überführenden Waren sind Lebensmittel oder Produktionsmittel. Der niedrige Preis beider erhöht den Profit des industriellen Kapitalisten. Warum soll er den Zins erniedrigen, außer durch den Gegensatz, statt der Identität, zwischen Reichlichkeit von industriellem Kapital und Nachfrage nach Geldakkommodation? Die Umstände liegen so, daß der Kaufmann und der Industrielle einander leichter Kredit geben können; wegen dieser Erleichterung des kommerziellen Kredits braucht der Industrielle wie der Kaufmann weniger Bankkredit; daher kann der Zinsfuß niedrig sein. Dieser niedrige Zinsfuß hat nichts zu tun mit dem Zufluß von Edelmetall, obgleich beide nebeneinander gehn können, und dieselben Ursachen, die die niedrigen Preise der Einfuhrartikel, auch den Überschuß des zugeführten Edelmetalls produzieren mögen. Wäre der Importmarkt wirklich überführt, so bewiese dies Abnahme der Nachfrage für Importwaren, die bei niedrigen Preisen unerklärlich wäre, außer als Folge von Einschränkung der heimischen industriellen Produktion; dies aber wäre wieder unerklärlich bei übergroßen Einfuhren zu niedrigen Preisen. Lauter Absurditäten, um zu beweisen, daß Fallen der Preise = Fallen des Zinses. Beides mag gleichzeitig nebeneinander bestehn. Dann aber als Ausdruck des Gegensatzes der Richtungen, worin die Bewegung von industriellem Kapital und die Bewegung von leihbarem Geldkapital erfolgt, nicht als Ausdruck ihrer Identität.
Warum, ad (3), der Geldzins niedrig sein soll, wenn Waren im Überfluß vorhanden, ist auch nach dieser weiteren Ausführung nicht abzusehn. Sind Waren wohlfeil, so brauche ich, um ein bestimmtes Quantum zu kaufen, sage 1.000 Pfd.St. statt früher 2.000. Vielleicht aber lege ich auch jetzt 2.000 Pfd.St. an und kaufe dafür das Doppelte der Waren gegen früher und erweitre mein Geschäft durch Vorschuß desselben Kapitals, das ich vielleicht aufnehmen muß. Ich kaufe jetzt wie früher für 2.000 Pfd.St. Meine Nachfrage auf dem Geldmarkt bleibt also dieselbe, wenn auch meine Nachfrage auf dem Warenmarkt mit dem Sinken der Warenpreise steigt. Fällt aber diese letztre, d.h. erweitert sich die Produktion nicht mit dem Sinken der Warenpreise, was allen Gesetzen des "Economist" widersprechen würde, so nähme die Nachfrage nach leihbarem Geldkapital ab, obgleich der Profit zunähme; dieser zunehmende Profit würde aber Nachfrage nach Leihkapital schaffen. Übrigens mag die Niedrigkeit der Warenpreise aus drei Ursachen herrühren. Erstens aus Mangel an Nachfrage. Dann ist der Zinsfuß niedrig, weil die Produktion gelähmt, nicht weil die Waren wohlfeil, da diese Wohlfeilheit bloß Ausdruck jener Lähmung. Oder weil die Zufuhr übergroß im Verhältnis zur Nachfrage. Dies mag der Fall sein infolge von Überführung der Märkte etc., die zur Krise führt, und mag in der Krise selbst zusammenfallen mit hohem Zinsfuß; oder es mag der Fall sein, weil der Wert der Waren gesunken, also dieselbe Nachfrage zu niedrigerem Preis befriedigt werden kann. Warum soll im letzten Fall der Zinsfuß sinken? Weil der Profit wächst? Wenn, weil weniger Geldkapital nötig, um dasselbe produktive oder Warenkapital zu erhalten, so bewiese dies nur, daß Profit und Zins in umgekehrtem Verhältnis zueinander stehn. Jedenfalls ist der allgemeine Satz des "Economist" falsch. Niedrige Geldpreise der Waren und niedriger Zinsfuß gehören nicht notwendig zusammen. Sonst müßte in den ärmsten Ländern, wo die Geldpreise der Produkte am niedrigsten, auch der Zinsfuß am niedrigsten, und in den reichsten Ländern, wo die Geldpreise der Agrikulturprodukte am höchsten, auch der Zinsfuß am höchsten stehn. Im allgemeinen gibt der "Economist" zu: fällt der Wert des Geldes, so übt das keinen Einfluß auf den Zinsfuß. 100 Pfd.St. bringt nach wie vor 105 Pfd.St.; sind die 100 weniger wert, so auch die 5 Zins. Das Verhältnis wird nicht affiziert durch Wertsteigerung oder Entwertung der Originalsumme. Als Wert betrachtet, ist ein bestimmtes Warenquantum gleich einer gewissen Geldsumme. Steigt sein Wert, so ist er gleich einer größern Geldsumme; umgekehrt, wenn er fällt. Ist er = 2.000, so 5% = 100; ist er = 1.000, so 5% = 50. Dies ändert aber nichts am Zinssatz. Das Rationale an der Sache ist nur, daß mehr Geldakkommodation erheischt, wenn 2.000 Pfd.St. nötig, um dasselbe Quantum Waren zu verkaufen, als wenn nur 1.000 Pfd.St. nötig. Aber dies zeigt hier nur umgekehrtes Verhältnis zwischen Profit und Zins. Denn der Profit wächst mit der Wohlfeilheit der Elemente des konstanten und variablen Kapitals, und der Zins fällt. Aber das Umgekehrte kann auch der Fall sein und ist häufig der Fall. Baumwolle z.B. kann wohlfeil sein, weil keine Nachfrage für Garn und Gewebe besteht; sie kann relativ teuer sein, weil großer Profit in der Baumwollindustrie große Nachfrage für sie erzeugt. Andrerseits kann der Profit der Industriellen hoch sein, grade weil der Preis von Baumwolle niedrig ist. Die Liste von Hubbard beweist, daß der Zinsfuß und die Warenpreise durchaus voneinander unabhängige Bewegungen vollführen; während die Bewegungen des Zinsfußes sich genau den Bewegungen des Metallschatzes und der Wechselkurse anpassen.
"Sind Waren daher im Überfluß vorhanden, so muß der Geldzins niedrig sein".
sagt der "Economist". Grade das Umgekehrte findet statt in den Krisen; die Waren sind überschüssig, inkonvertibel in Geld, und daher der Zinsfuß hoch; in einer andren Phase des Zyklus herrscht große Nachfrage nach Waren, daher leichte Rückflüsse, aber zugleich Steigen der Warenpreise, und wegen der leichten Rückflüsse niedriger Zinsfuß. "Sind sie" (die Waren) "selten, so muß er hoch sein." Wieder findet das Umgekehrte statt in Zeiten der Abspannung nach der Krise. Waren sind selten, absolut gesprochen, nicht mit Rücksicht auf die Nachfrage; und der Zinsfuß ist niedrig.
Daß, ad (4), bei überführtem Markt ein Warenbesitzer wohlfeiler losschlagen wird - wenn er überhaupt verkaufen kann - als bei voraussichtlich rascher Erschöpfung der vorhandnen Vorräte, ist ziemlich klar. Weniger aber, weshalb deswegen der Zinsfuß fallen soll.
Ist der Markt mit der importierten Ware überführt, so mag der Zinsfuß steigen infolge gesteigerter Nachfrage nach Leihkapital von seiten der Eigner, um die Waren nicht auf den Markt werfen zu müssen. Er mag fallen, weil die Flüssigkeit des kommerziellen Kredits die Nachfrage für Bankkredit noch relativ niedrig hält.
Der "Economist" erwähnt die rasche Wirkung auf die Kurse 1847 infolge der Erhöhung des Zinsfußes und andern Drucks auf den Geldmarkt. Aber es ist nicht zu vergessen, daß trotz der Wendung der Kurse das Gold fortfuhr abzufließen bis Ende April; die Wendung tritt hier erst ein mit Anfang Mai.
Am 1. Januar 1847 war der Metallschatz der Bank 15.066.691 Pfd.St.; Zinsfuß 3½%; Dreimonatskurs auf Paris 25.75; auf Hamburg 13.10; auf Amsterdam 12.3¼. Am 5. März war der Metallschatz gefallen auf 11.595.535 Pfd.St.; Diskonto gestiegen auf 4%; der Wechselkurs fiel auf Paris 25.67½, Hamburg 13.9¼, Amsterdam 12.2½. Goldabfluß dauert fort; s. folgende Tabelle:
| Datum 1847 | Edelmetallschatz der Bank von England Pfd.St. | Geldmarkt | Höchste Dreimonatskurse: Paris | Höchste Dreimonatskurse: Hamburg | Höchste Dreimonatskurse: Amsterdam |
|---|---|---|---|---|---|
| März 20. | 11.231.630 | Bankdiskont 4% | 25.67½ | 13.09¾ | 12.2½ |
| April 03. | 10.246.410 | Bankdiskont 5% | 25.80 | 13.10 | 12.3½ |
| April 10. | 9.867.053 | Geld sehr rar | 25.90 | 13.10⅓ | 12.4½ |
| April 17. | 9.329.841 | Bankdiskont 5½% | 26.02½ | 13.10¾ | 12.5½ |
| April 24. | 9.213.890 | Druck | 26.05 | 13.12 | 12.6 |
| Mai 01. | 9.337.716 | Steigender Druck | 26.15 | 13.12¾ | 12.6½ |
| Mai 08. | 9.588.759 | Größter Druck | 26.27½ | 13.15½ | 12.7¾ |
Im Jahr 1847 betrug der Gesamtexport von Edelmetall aus England 8.602.597 Pfd.St.
| Davon ging nach den Vereinigten Staaten | 3.226.411 Pfd.St |
| Davon ging nach Frankreich | 2.479.892 Pfd.St |
| Davon ging nach den Hansestädten | 958.781 Pfd.St |
| Davon ging nach Holland | 247.743 Pfd.St |
Trotz der Wendung der Kurse Ende März dauert der Goldabfluß noch einen vollen Monat fort; wahrscheinlich nach den Vereinigten Staaten.
"Wir sehn hier", (sagt der "Economist", 1847, p. 954) "wie schnell und schlagend die Wirkung eines gesteigerten Zinsfußes und der darauffolgenden Geldklemme war in der Korrektion eines ungünstigen Kurses und in der Wendung der Goldflut, so daß sie wieder nach England floß. Die Wirkung wurde hervorgebracht ganz unabhängig von der Zahlungsbilanz. Ein höherer Zinsfuß erzeugte einen niedrigern Preis der Wertpapiere, englischer wie auswärtiger, und veranlaßte große Einkäufe davon für ausländische Rechnung. Dies vermehrte die Summe der von England aus gezogenen Wechsel, während andrerseits bei hohem Zinsfuß die Schwierigkeit, Geld zu erhalten, so groß war, daß die Nachfrage nach diesen Wechseln fiel, während ihre Summe stieg. Es geschah aus derselben Ursache, daß Aufträge für fremde Waren annulliert und englische Kapitalanlagen in auswärtigen Wertpapieren realisiert und das Geld nach England zur Anlage gebracht wurde. So lesen wir z.B. im 'Rio de Janeiro Price Current' vom 10. Mai: 'Der Wechselkurs' {auf England} 'hat einen neuen Rückgang erfahren, verursacht hauptsächlich durch einen Druck auf den Markt für Rimessen gegen den Erlös bedeutender Verkäufe von' {brasilischen} 'Staatsfonds für englische Rechnung.' Englisches Kapital, das im Ausland in verschiednen Wertpapieren angelegt worden, als der Zinsfuß hier sehr niedrig, wurde so zurückgebracht, als der Zinsfuß gestiegen war."
Handelsbilanz von England
Indien allein hat an 5 Mill. Tribut zu zahlen, für "gute Regierung", Zinsen und Dividenden von britischem Kapital etc., wobei gar nicht berechnet sind die Summen, die jährlich heimgesandt werden, teils von Beamten als Ersparnisse aus ihrem Gehalt, teils durch englische Kaufleute als Teil ihrer Profite, um in England angelegt zu werden. Von jeder britischen Kolonie sind aus denselben Gründen fortwährend große Rimessen zu machen. Die meisten Banken in Australien, Westindien, Kanada sind mit britischem Kapital gegründet, die Dividenden sind in England zu zahlen. Ebenso besitzt England viel auswärtige Staatspapiere, europäische, nord- und südamerikanische, wovon es die Zinsen zu empfangen hat. Dazu kommt dann noch seine Beteiligung bei ausländischen Eisenbahnen, Kanälen, Bergwerken etc., mit den entsprechenden Dividenden. Die Rimessen gegen alle diese Posten werden fast ausschließlich in Produkten gemacht, über den Betrag der englischen Ausfuhr hinaus. Was andrerseits von England ins Ausland geht an Besitzer englischer Wertpapiere und an Verzehr für Engländer im Ausland, ist dagegen verschwindend.
Die Frage, soweit sie die Handelsbilanz und die Wechselkurse betrifft, ist
"in jedem gegebnen Moment eine Frage der Zeit. In der Regel ... gibt England lange Kredite auf seine Ausfuhr, während die Einfuhren bar bezahlt werden. In gewissen Momenten hat dieser Unterschied der Usance eine bedeutende Wirkung auf die Kurse. Zu einer Zeit, wo unsre Ausfuhren sehr beträchtlich zunehmen, wie 1850, muß eine fortwährende Ausdehnung der Anlage von britischem Kapital im Gang sein ... so können die Rimessen von 1850 gegen Waren gemacht werden, die 1849 exportiert wurden. Aber wenn 1850 die Ausfuhren die von 1849 um 6 Mill. übersteigen, so muß die praktische Wirkung sein, daß mehr Geld außer Landes gesandt ist, zu diesem Betrag, als im selben Jahr zurückgeflossen; und in dieser Weise wird eine Wirkung hervorgebracht auf die Kurse und den Zinsfuß. Sobald dagegen unser Geschäft in einer Krise deprimiert und unsre Ausfuhr sehr eingeschränkt ist, so übersteigen die für die größren Exporte früherer Jahre verfallenden Rimessen sehr bedeutend den Wert unsrer Einfuhr; die Kurse drehn sich dementsprechend zu unsern Gunsten, das Kapital akkumuliert rasch im Inland, und der Zinsfuß fällt." ("Economist", 11. Januar 1851.)
Der auswärtige Wechselkurs kann sich ändern
infolge der augenblicklichen Zahlungsbilanz, durch welche Ursachen immer diese bestimmt sei: durch rein merkantilische, durch Kapitalanlage im Ausland oder aber durch Staatsausgaben, bei Kriegen usw., soweit Barzahlungen im Ausland dabei gemacht werden.
Infolge von Entwertung des Geldes in einem Land, sei dies nun Metall- oder Papiergeld. Dies ist rein nominell. Wenn 1 Pfd.St. nur noch halb soviel Geld repräsentierte wie früher, würde es selbstredend zu 12½ Fr. statt zu 25 Fr. berechnet.
Wo es sich um den Kurs zwischen Ländern handelt, von denen das eine Silber, das andre Gold als "Geld" verwendet, ist der Wechselkurs abhängig von den relativen Wertschwankungen dieser beiden Metalle, da diese Schwankungen offenbar das Pari zwischen beiden alterieren. Ein Beispiel vom letztren waren die Kurse 1850; sie waren gegen England, obgleich sein Export enorm stieg; aber dennoch fand kein Goldabfluß statt. Es war Wirkung des momentanen Steigens des Silberwerts gegen den Goldwert. (Siehe "Economist", 30. November 1850.)
Das Pari des Wechselkurses ist für 1 Pfund Sterling: auf Paris 25 Fr. 20 cent.; Hamburg 13 Mark Banko 10½ Sch.; Amsterdam 11 fl. 97 cents. Im Verhältnis wie der Wechselkurs auf Paris über 25.20 steigt, wird er günstiger für den englischen Schuldner an Frankreich oder den Käufer französischer Waren. In beiden Fällen braucht er weniger Pfund Sterling, um seinen Zweck zu erreichen. - In entlegneren Ländern, wo Edelmetall nicht leicht zu erlangen, wenn Wechsel selten und ungenügend sind für die nach England zu machenden Rimessen, ist die natürliche Wirkung Herauftreibung der Preise derjenigen Produkte, die gewöhnlich nach England verschifft werden, indem für diese nun größre Nachfrage entsteht, um sie anstatt Wechsel nach England zu senden; dies ist oft der Fall in Indien.
Ein ungünstiger Wechselkurs und selbst ein Goldabfluß kann stattfinden, wenn in England sehr großer Überfluß an Geld, niedriger Zinsfuß und hoher Preis der Wertpapiere herrscht.
Im Laufe von 1848 erhielt England große Quantitäten Silber von Indien, da gute Wechsel selten waren und mittelmäßige ungern genommen wurden, infolge der Krisis von 1847 und der großen Kreditlosigkeit im indischen Geschäft. Dies ganze Silber, kaum angekommen, fand bald den Weg nach dem Kontinent, wo die Revolution Schatzbildung an allen Ecken herbeiführte. Dasselbe Silber machte 1850 großenteils die Reise nach Indien zurück, da der Stand des Wechselkurses dies nun profitlich machte.
Das Monetarsystem ist wesentlich katholisch, das Kreditsystem wesentlich protestantisch. "The Scotch hate gold." Als Papier hat das Gelddasein der Waren ein nur gesellschaftliches Dasein. Es ist der Glaube, der selig macht. Der Glaube in den Geldwert als immanenten Geist der Waren, der Glaube in die Produktionsweise und ihre prädestinierte Ordnung, der Glaube in die einzelnen Agenten der Produktion als bloße Personifikationen des sich selbst verwertenden Kapitals. So wenig aber der Protestantismus von den Grundlagen des Katholizismus sich emanzipiert, so wenig das Kreditsystem von der Basis des Monetarsystems.
Sechsunddreißigstes Kapitel. Vorkapitalistisches
Das zinstragende Kapital, oder wie wir es in seiner altertümlichen Form bezeichnen können, das Wucherkapital, gehört mit seinem Zwillingsbruder, dem kaufmännischen Kapital, zu den antediluvianischen Formen des Kapitals, die der kapitalistischen Produktionsweise lange vorhergehn und sich in den verschiedensten ökonomischen Gesellschaftsformationen vorfinden.
Die Existenz des Wucherkapitals erfordert nichts, als daß wenigstens ein Teil der Produkte sich in Waren verwandelt und zugleich mit dem Warenhandel das Geld sich in seinen verschiednen Funktionen entwickelt hat.
Die Entwicklung des Wucherkapitals schließt sich an die des Kaufmannskapitals und speziell an die des Geldhandlungskapitals. Im alten Rom, von den letzten Zeiten der Republik an, wo die Manufaktur tief unter der antiken Durchschnittsentwicklung stand, war Kaufmannskapital, Geldhandlungskapital und Wucherkapital - innerhalb der antiken Form - auf den höchsten Punkt entwickelt.
Man hat gesehn, wie sich mit dem Geld notwendig die Schatzbildnerei einfindet. Der professionelle Schatzbildner wird jedoch erst wichtig, sobald er sich in den Wucherer verwandelt.
Der Kaufmann borgt Geld, um Profit mit dem Geld zu machen, um es als Kapital anzuwenden, d.h. zu verausgaben. Auch in den frühern Formen steht ihm also der Geldverleiher ganz so gegenüber wie dem modernen Kapitalisten. Dies spezifische Verhältnis wurde auch von den katholischen Universitäten gefühlt.
"Die Universitäten von Alcalá, von Salamanca, von Ingolstadt, von Freiburg im Breisgau, Mainz, Köln und Trier erkannten nacheinander die Rechtmäßigkeit der Zinsen für Handelsanleihen an. Die ersten fünf dieser Approbationen sind niedergelegt worden in den Archiven des Konsulats der Stadt Lyon und gedruckt im Anhang des Traité de l'usure et des intérêts, Lyon, Bruyset-Ponthus." (M. Augier. "Le Crédit public etc.", Paris 1842, p. 206.)
In allen Formen, worin die Sklavenwirtschaft (nicht patriarchalisch, sondern wie in den spätern griechischen und römischen Zeiten) als Mittel der Bereicherung besteht, wo Geld also Mittel ist, durch Ankauf von Sklaven, Land etc., fremde Arbeit anzueignen, wird das Geld, eben weil es so angelegt werden kann, als Kapital verwertbar, zinstragend.
Die charakteristischen Formen jedoch, worin das Wucherkapital in den Vorzeiten der kapitalistischen Produktionsweise existiert, sind zweierlei. Ich sage charakteristische Formen. Dieselben Formen wiederholen sich auf Basis der kapitalistischen Produktion, aber als bloß untergeordnete Formen. Sie sind hier nicht mehr die Formen, die den Charakter des zinstragenden Kapitals bestimmen. Diese beiden Formen sind: erstens, der Wucher durch Geldverleihen an verschwenderische Große, wesentlich Grundeigentümer; zweitens, Wucher durch Geldverleihen an den kleinen, im Besitz seiner eignen Arbeitsbedingungen befindlichen Produzenten, worin der Handwerker eingeschlossen ist, aber ganz spezifisch der Bauer, da überhaupt in vorkapitalistischen Zuständen, soweit sie kleine selbständige Einzelproduzenten zulassen, die Bauernklasse deren große Majorität bilden muß.
Beides, sowohl der Ruin der reichen Grundeigentümer durch den Wucher, wie die Aussaugung der kleinen Produzenten führt zur Bildung und Konzentration großer Geldkapitalien. Wieweit aber dieser Prozeß die alte Produktionsweise aufhebt, wie dies im modernen Europa der Fall war, und ob er an ihrer Stelle die kapitalistische Produktionsweise setzt, hängt ganz von der historischen Entwicklungsstufe und den damit gegebnen Umständen ab.
Das Wucherkapital als charakteristische Form des zinstragenden Kapitals entspricht dem Vorherrschen der kleinen Produktion, der selbstarbeitenden Bauern und kleinen Handwerksmeister. Wo dem Arbeiter, wie in der entwickelten kapitalistischen Produktionsweise, die Arbeitsbedingungen und das Produkt der Arbeit als Kapital gegenübertreten, hat er als Produzent kein Geld zu borgen. Wo er es borgt, geschieht es wie im Pfandhaus für persönliche Notdurft. Wo der Arbeiter dagegen Eigentümer, wirklicher oder nomineller, seiner Arbeitsbedingungen und seines Produkts ist, steht er als Produzent im Verhältnis zum Kapital des Geldverleihers, das ihm als Wucherkapital gegenübertritt. Newman drückt die Sache fad aus, wenn er sagt, daß der Bankier angesehn ist, während der Wucherer verhaßt und verachtet ist, weil jener den Reichen leiht, dieser den Armen. (F. W. Newman, "Lectures on Pol. Econ.", London 1851, p. 44.) Er übersieht, daß hier der Unterschied zweier gesellschaftlicher Produktionsweisen und der ihnen entsprechenden gesellschaftlichen Ordnungen dazwischenliegt und die Sache nicht mit dem Gegensatz von arm und reich abgemacht ist. Vielmehr geht der Wucher, der den armen Kleinproduzenten aussaugt, Hand in Hand mit dem Wucher, der den reichen Großgrundbesitzer aussaugt. Sobald der Wucher der römischen Patrizier die römischen Plebejer, die Kleinbauern, völlig ruiniert hatte, hatte diese Form der Ausbeutung ein Ende, und trat die reine Sklavenwirtschaft an die Stelle der kleinbäuerlichen.
Unter der Form des Zinses kann hier vom Wucherer aller Überschuß über die notdürftigsten Subsistenzmittel (den Betrag des spätern Arbeitslohns) der Produzenten verschlungen werden (was später als Profit und Bodenrente erscheint), und es ist daher höchst abgeschmackt, die Höhe dieses Zinses da, wo er, mit Ausnahme dessen, was dem Staat zukommt, allen Mehrwert sich aneignet, zu vergleichen mit der Höhe des modernen Zinsfußes, wo der Zins, wenigstens der normale, nur einen Teil dieses Mehrwerts bildet. Es wird dabei vergessen, daß der Lohnarbeiter dem Kapitalisten, der ihn anwendet, Profit, Zins und Grundrente, kurz den gesamten Mehrwert produziert und abgibt. Carey macht diese abgeschmackte Vergleichung, um damit zu zeigen, wie vorteilhaft für die Arbeiter die Entwicklung des Kapitals und der sie begleitende Fall des Zinsfußes ist. Wenn der Wucherer ferner, nicht zufrieden damit, die Mehrarbeit seines Opfers auszupressen, nach und nach sich die Eigentumstitel auf seine Arbeitsbedingungen selbst, Land, Haus etc., erwirbt und beständig damit beschäftigt ist, ihn so zu expropriieren, so wird demgegenüber wieder vergessen, daß diese vollständige Expropriation des Arbeiters von seinen Arbeitsbedingungen nicht ein Resultat ist, dem die kapitalistische Produktionsweise zustrebt, sondern die fertige Voraussetzung, wovon sie ausgeht. Der Lohnsklave ist ebensogut wie der wirkliche Sklave durch seine Stellung davon ausgeschlossen, Schuldsklave zu werden, wenigstens in seiner Qualität als Produzent; er kann es nur allenfalls werden in seiner Eigenschaft als Konsument. Das Wucherkapital, in dieser Form, worin es in der Tat alle Mehrarbeit der unmittelbaren Produzenten sich aneignet, ohne die Produktionsweise zu ändern; worin das Eigentum resp. der Besitz der Produzenten an den Arbeitsbedingungen - und die ihr entsprechende vereinzelte Kleinproduktion - wesentliche Voraussetzung ist; wo das Kapital also die Arbeit sich nicht direkt unterordnet und ihr daher nicht als industrielles Kapital gegenübertritt, dies Wucherkapital verelendet diese Produktionsweise, lähmt die Produktivkräfte, statt sie zu entwickeln, und verewigt zugleich diese jammervollen Zustände, in denen nicht, wie in der kapitalistischen Produktion, die gesellschaftliche Produktivität der Arbeit auf Kosten der Arbeit selbst entwickelt wird.
Der Wucher wirkt so einerseits untergrabend und zerstörend auf den antiken und feudalen Reichtum und auf das antike und feudale Eigentum. Andrerseits untergräbt und ruiniert er die kleinbäuerliche und kleinbürgerliche Produktion, kurz alle Formen, worin der Produzent noch als Eigentümer seiner Produktionsmittel erscheint. In der ausgebildeten kapitalistischen Produktionsweise ist der Arbeiter nicht Eigentümer der Produktionsbedingungen, des Ackers, den er bebaut, des Rohstoffs, den er verarbeitet, etc. Dieser Entfremdung der Produktionsbedingung vom Produzenten entspricht hier aber eine wirkliche Umwälzung in der Produktionsweise selbst. Die vereinzelten Arbeiter werden in großer Werkstatt vereinigt zu geteilter, ineinandergreifender Tätigkeit; das Werkzeug wird zur Maschine. Die Produktionsweise selbst erlaubt nicht mehr diese mit dem kleinen Eigentum verbundne Zersplittrung der Produktionsinstrumente, sowenig wie die Isolierung der Arbeiter selbst. In der kapitalistischen Produktion kann der Wucher nicht mehr die Produktionsbedingungen vom Produzenten scheiden, weil sie bereits geschieden sind.
Der Wucher zentralisiert Geldvermögen, wo die Produktionsmittel zersplittert sind. Er ändert die Produktionsweise nicht, sondern saugt sich an sie als Parasit fest und macht sie miserabel. Er saugt sie aus, entnervt sie und zwingt die Reproduktion, unter immer erbärmlichern Bedingungen vorzugehn. Daher der populäre Haß gegen den Wucher, am höchsten in der antiken Welt, wo das Eigentum des Produzenten an seinen Produktionsbedingungen zugleich Basis der politischen Verhältnisse, der Selbständigkeit des Staatsbürgers.
Soweit Sklaverei herrscht oder soweit das Mehrprodukt vom Feudalherrn und seiner Gefolgschaft aufgegessen wird und Sklavenbesitzer oder Feudalherr dem Wucher verfallen, bleibt die Produktionsweise auch dieselbe; nur wird sie härter für die Arbeiter. Der verschuldete Sklavenhalter oder Feudalherr saugt mehr aus, weil er selbst mehr ausgesaugt wird. Oder schließlich macht er dem Wucherer Platz, der selbst Grundeigentümer oder Sklavenbesitzer wird wie der Ritter im alten Rom. An die Stelle der alten Ausbeuter, deren Exploitation mehr oder minder patriarchalisch, weil großenteils politisches Machtmittel war, tritt ein harter, geldsüchtiger Emporkömmling. Aber die Produktionsweise selbst wird nicht verändert.
Revolutionär wirkt der Wucher in allen vorkapitalistischen Produktionsweisen nur, indem er die Eigentumsformen zerstört und auflöst, auf deren fester Basis und beständiger Reproduktion in derselben Form die politische Gliederung ruht. Bei asiatischen Formen kann der Wucher lange fortdauern, ohne etwas andres als ökonomisches Verkommen und politische Verdorbenheit hervorzurufen. Erst wo und wann die übrigen Bedingungen der kapitalistischen Produktionsweise vorhanden, erscheint der Wucher als eines der Bildungsmittel der neuen Produktionsweise, durch Ruin der Feudalherrn und der Kleinproduktion einerseits, durch Zentralisation der Arbeitsbedingungen zu Kapital andrerseits.
Im Mittelalter herrschte in keinem Lande ein allgemeiner Zinsfuß. Die Kirche verbot alle Zinsgeschäfte von vornherein. Gesetze und Gerichte sicherten Anleihen nur wenig. Desto höher war der Zinssatz in einzelnen Fällen. Der geringe Geldumlauf, die Notwendigkeit, die meisten Zahlungen bar zu leisten, zwangen zu Geldaufnahmen, und um so mehr, je weniger das Wechselgeschäft noch ausgebildet war. Es herrschte große Verschiedenheit sowohl des Zinsfußes wie der Begriffe vom Wucher. Zu Karls des Großen Zeit galt es für wucherisch, wenn jemand 100% nahm. Zu Lindau am Bodensee nahmen 1344 einheimische Bürger 216⅔%. In Zürich bestimmte der Rat 43⅓% als gesetzlichen Zins. In Italien mußten zuweilen 40% gezahlt werden, obgleich vom 12.-14. Jahrhundert der gewöhnliche Satz 20% nicht überschritt. Verona ordnete 12½% als gesetzlichen Zins an. Kaiser Friedrich II. setzte 10% fest, aber dies bloß für die Juden. Für die Christen mochte er nicht sprechen. 10% war schon im 13. Jahrhundert im rheinischen Deutschland das gewöhnliche. (Hüllmann, Geschichte des Städtewesens, II, p.55-57.)
Das Wucherkapital besitzt die Exploitationsweise des Kapitals ohne seine Produktionsweise. Dies Verhältnis wiederholt sich auch innerhalb der bürgerlichen Ökonomie in zurückgebliebnen Industriezweigen oder solchen, die sich gegen den Übergang in die moderne Produktionsweise sträuben. Will man z.B. den englischen Zinsfuß mit dem indischen vergleichen, so muß man nicht den Zinsfuß der B. v. E. nehmen, sondern den z.B. von Verleihern kleiner Maschinen an Kleinproduzenten der Hausindustrie.
Der Wucher ist gegenüber dem konsumierenden Reichtum historisch wichtig als selbst ein Entstehungsprozeß des Kapitals. Wucherkapital und Kaufmannsvermögen vermitteln die Bildung eines vom Grundeigentum unabhängigen Geldvermögens. Je weniger der Charakter des Produkts als Ware sich entwickelt, je weniger sich der Tauschwert der Produktion in ihrer ganzen Breite und Tiefe bemächtigt hat, desto mehr erscheint Geld als der eigentliche Reichtum als solcher, als der allgemeine Reichtum, gegenüber seiner beschränkten Darstellungsweise in Gebrauchswerten. Darauf beruht die Schatzbildung. Abgesehn vom Geld als Weltgeld und Schatz, ist es namentlich die Form des Zahlungsmittels, worin es als absolute Form der Ware auftritt. Und es ist namentlich seine Funktion als Zahlungsmittel, die den Zins und damit das Geldkapital entwickelt. Was der verschwenderische und korrumpierende Reichtum will, ist Geld als Geld, Geld als Mittel, alles zu kaufen. (Auch zum Schuldenzahlen.) Wozu der kleine Produzent vor allem Geld braucht, ist zum Zahlen. (Die Verwandlung der Naturalleistungen und Lieferungen an Grundherrn und Staat in Geldrente und Geldsteuern spielt hier eine große Rolle.) In beiden Fällen wird das Geld als Geld gebraucht. Auf der andren Seite wird die Schatzbildung erst real, erfüllt ihren Traum im Wucher. Was vom Schatzeigner verlangt wird, ist nicht Kapital, sondern Geld als Geld; aber durch den Zins verwandelt er diesen Geldschatz für sich in Kapital - in ein Mittel, wodurch er sich der Mehrarbeit ganz oder teilweise bemächtigt und ebenso eines Teils der Produktionsbedingungen selbst, wenn sie auch nominell als fremdes Eigentum ihm gegenüber stehnbleiben. Der Wucher lebt scheinbar in den Poren der Produktion wie die Götter in den Intermundien bei Epikur. Geld ist um so schwieriger zu haben, je weniger die Warenform die allgemeine Form des Produkts. Der Wucherer kennt daher durchaus keine Schranke außer der Leistungsfähigkeit oder Widerstandsfähigkeit der Geldbedürftigen. Als Kaufmittel wird in der kleinbäuerlichen und kleinbürgerlichen Produktion das Geld hauptsächlich gebraucht, wenn die Produktionsbedingungen dem Arbeiter (der in diesen Produktionsweisen vorwiegend noch ihr Eigentümer) durch Zufälle oder außerordentliche Erschüttrungen verlorengehn oder wenigstens nicht im gewöhnlichen Lauf der Reproduktion ersetzt werden. Lebensmittel und Rohstoffe bilden wesentlichen Teil dieser Produktionsbedingungen. Ihre Verteurung kann ihren Ersatz aus dem Erlös des Produkts unmöglich machen, wie einfache Mißernten den Bauer verhindern können, sein Saatkorn in natura zu ersetzen. Dieselben Kriege, wodurch die römischen Patrizier die Plebejer ruinierten, sie zu Kriegsdiensten zwangen, die sie an der Reproduktion ihrer Arbeitsbedingungen hinderten, sie daher verarmen machten (und Verarmung, Verkümmerung oder Verlust der Reproduktionsbedingungen, ist hier die vorherrschende Form), füllten jenen die Speicher und Keller mit erbeutetem Kupfer, dem damaligen Geld. Statt den Plebejern direkt die benötigten Waren zu geben, Korn, Pferde, Hornvieh, liehen sie ihnen dies für sie selbst nutzlose Kupfer und benutzten diese Lage zur Erpressung enormer Wucherzinsen, wodurch sie die Plebejer zu ihren Schuldsklaven machten. Unter Karl dem Großen wurden die fränkischen Bauern ebenfalls durch Kriege ruiniert, so daß ihnen nichts übrigblieb, als aus Schuldnern Leibeigne zu werden. Im römischen Reich geschah es bekanntlich häufig, daß Hungersnot den Verkauf der Kinder und Selbstverkauf von Freien als Sklaven an die Reicheren herbeiführte. Soviel für allgemeine Wendepunkte. Im einzelnen betrachtet, hängt Erhaltung oder Verlust der Produktionsbedingungen für den Kleinproduzenten von tausend Zufällen ab, und jeder solcher Zufall oder Verlust bedeutet Verarmung und wird ein Punkt, wo der Wucherparasit sich ansetzen kann. Dem Kleinbauer braucht bloß eine Kuh zu krepieren, damit er unfähig wird, seine Reproduktion auf der alten Stufenleiter wieder zu beginnen. Damit verfällt er dem Wucher, und einmal verfallen, kommt er nie wieder frei.
Die Funktion des Geldes als Zahlungsmittel ist jedoch das eigentliche, große und eigentümliche Terrain des Wuchers. Jede an bestimmtem Termin fällige Geldleistung, Grundzins, Tribut, Steuer etc., bringt die Notwendigkeit einer Geldzahlung mit sich. Daher setzt sich der Wucher im großen von den alten Römern bis auf die modernen Zeiten an die Steuerpächter, fermiers généraux, receveurs généraux an. Dann entwickelt sich mit dem Handel und der Verallgemeinerung der Warenproduktion die zeitliche Trennung von Kauf und Zahlung. Das Geld ist an bestimmtem Termin zu liefern. Wie dies zu Umständen führen kann, wo Geldkapitalist und Wucherer noch heute ineinander verschwimmen, beweisen die modernen Geldkrisen. Derselbe Wucher wird aber Hauptmittel, die Notwendigkeit des Geldes als Zahlungsmittel weiter auszubilden, indem er den Produzenten tiefer und tiefer verschuldet und ihm die gewöhnlichen Zahlungsmittel dadurch vernichtet, daß er durch die Zinslast selbst seine regelmäßige Reproduktion unmöglich macht. Hier schießt der Wucher aus dem Geld als Zahlungsmittel empor und erweitert diese Funktion des Geldes, sein eigenstes Terrain.
Die Entwicklung des Kreditwesens vollbringt sich als Reaktion gegen den Wucher. Man muß dies aber nicht mißverstehn und keineswegs im Sinn der antiken Schriftsteller, der Kirchenväter, Luthers oder der älteren Sozialisten nehmen. Es bedeutet nichts mehr und nichts weniger als die Unterordnung des zinstragenden Kapitals unter die Bedingungen und Bedürfnisse der kapitalistischen Produktionsweise.
Im großen und ganzen wird das zinstragende Kapital im modernen Kreditsystem den Bedingungen der kapitalistischen Produktion angepaßt. Der Wucher als solcher existiert nicht nur fort, sondern wird bei Völkern entwickelter kapitalistischer Produktion von den Schranken befreit, die ihm alle ältere Gesetzgebung gezogen hat. Das zinstragende Kapital behält die Form von Wucherkapital gegenüber Personen und Klassen oder in Verhältnissen, wo nicht im Sinn der kapitalistischen Produktionsweise geborgt wird und geborgt werden kann; wo aus individueller Not geborgt wird wie im Pfandhaus; wo dem genießenden Reichtum für Verschwendung geborgt wird: oder wo der Produzent nichtkapitalistischer Produzent ist, kleiner Bauer, Handwerker etc., also noch als unmittelbarer Produzent Besitzer seiner eignen Produktionsbedingungen; endlich wo der kapitalistische Produzent selbst auf so kleiner Stufenleiter operiert, daß er sich jenen selbst arbeitenden Produzenten nähert.
Was das zinstragende Kapital, soweit es ein wesentliches Element der kapitalistischen Produktionsweise bildet, vom Wucherkapital unterscheidet, ist in keiner Weise die Natur oder der Charakter dieses Kapitals selbst. Es sind nur die veränderten Bedingungen, unter denen es fungiert, und daher auch die total verwandelte Gestalt des Borgers, der dem Geldverleiher gegenübertritt. Selbst wo ein vermögensloser Mann als Industrieller oder Kaufmann Kredit erhält, geschieht es in dem Vertrauen, daß er als Kapitalist fungieren, unbezahlte Arbeit aneignen wird mit dem geliehenen Kapital. Es wird ihm Kredit gegeben als potentiellem Kapitalisten. Und dieser Umstand, der so sehr bewundert wird von den ökonomischen Apologeten, daß ein Mann ohne Vermögen, aber mit Energie, Solidität, Fähigkeit und Geschäftskenntnis sich in dieser Weise in einen Kapitalisten verwandeln kann - wie denn überhaupt in der kapitalistischen Produktionsweise der Handelswert eines jeden mehr oder weniger richtig abgeschätzt wird -, so sehr er beständig gegenüber den vorhandnen einzelnen Kapitalisten eine unwillkommene Reihe neuer Glücksritter ins Feld führt, befestigt die Herrschaft des Kapitals selbst, erweitert ihre Basis und erlaubt ihr, sich mit stets neuen Kräften aus der gesellschaftlichen Unterlage zu rekrutieren. Ganz wie der Umstand, daß die katholische Kirche im Mittelalter ihre Hierarchie ohne Ansehn von Stand, Geburt, Vermögen aus den besten Köpfen im Volk bildete, ein Hauptbefestigungsmittel der Pfaffenherrschaft und der Unterdrückung der Laien war. Je mehr eine herrschende Klasse fähig ist, die bedeutendsten Männer der beherrschten Klassen in sich aufzunehmen, desto solider und gefährlicher ist ihre Herrschaft.
Statt des Bannfluchs gegen das zinstragende Kapital überhaupt, ist es daher umgekehrt seine ausdrückliche Anerkennung, wovon die Initiatoren des modernen Kreditsystems ausgehn.
Wir sprechen hier nicht von der Reaktion gegen den Wucher, die die Armen vor ihm zu schützen suchte, wie die Monts-de-piété (1350 zu Sarlins in der Franche-Comté, später zu Perugia und Savona in Italien, 1400 und 1479). Sie sind nur merkwürdig, weil sie die geschichtliche Ironie zeigen, womit fromme Wünsche in ihrer Realisation ins grade Gegenteil umschlagen. Die englische Arbeiterklasse zahlt nach einer mäßigen Schätzung 100% an die Pfandhäuser, diese Nachkömmlinge der Monts-de-piété.59 Wir sprechen ebensowenig von den Kreditphantasien z.B. eines Dr. Hugh Chamberleyne oder John Briscoe, die im letzten Dezennium des 17. Jahrhunderts durch eine Landbank mit auf Grundeigentum basiertem Papiergeld die englische Aristokratie vom Wucher zu emanzipieren suchten.60
Die Kreditassoziationen, die sich im 12. und 14. Jahrhundert in Venedig und Genua bildeten, entsprangen aus dem Bedürfnis des Seehandels und des auf denselben gegründeten Großhandels, sich von der Herrschaft des altmodischen Wuchers und den Monopolisierern des Geldhandels zu emanzipieren. Wenn die eigentlichen Banken, die in diesen Stadtrepubliken gestiftet wurden, zugleich als Anstalten für den öffentlichen Kredit sich darstellen, von denen der Staat Vorschüsse auf einzunehmende Steuern erhielt, so darf nicht vergessen werden, daß die Kaufleute, die jene Assoziationen bildeten, selbst die ersten Leute jener Staaten und ebenso interessiert waren, ihre Regierung wie sich selbst vom Wucher zu emanzipieren61 und zugleich sich den Staat dadurch mehr und sicherer zu unterwerfen. Als die Bank von England gestiftet werden sollte, warfen daher auch die Tories ein:
"Banken seien republikanische Institutionen. Blühende Banken existierten zu Venedig, Genua, Amsterdam und Hamburg. Aber wer hätte je gehört von einer Bank von Frankreich oder Spanien."
Die Bank von Amsterdam 1609 bezeichnet ebensowenig wie die von Hamburg (1619) eine Epoche in der Entwicklung des modernen Kreditwesens. Sie war eine reine Depositenbank. Die Bons, die die Bank ausgab, waren in der Tat nur Empfangscheine für das deponierte gemünzte und ungemünzte Edelmetall und zirkulierten nur mit dem Endossement ihrer Empfänger. Aber in Holland hatte sich mit dem Handel und der Manufaktur der kommerzielle Kredit und der Geldhandel entwickelt, und war das zinstragende Kapital durch den Gang der Entwicklung selbst dem industriellen und kommerziellen Kapital untergeordnet worden. Dies zeigte sich schon in der Niedrigkeit des Zinsfußes. Holland aber galt im 17. Jahrhundert für das Musterland der ökonomischen Entwicklung, wie England jetzt. Das Monopol des altmodischen Wuchers, der auf der Armut basierte, war dort von selbst über den Haufen geworfen.
Während des ganzen 18. Jahrhunderts ertönt - und die Gesetzgebung handelt in diesem Sinn - mit Hinweis auf Holland der Schrei nach gewaltsamer Herabsetzung des Zinsfußes, um das zinstragende Kapital dem kommerziellen und industriellen unterzuordnen statt umgekehrt. Der Hauptstimmführer ist Sir Josiah Child, der Vater des normalen englischen Privatbankiertums. Er deklamiert ganz so gegen das Monopol der Wucherer, wie die Massenkonfektionsschneider Moses & Son sich als Bekämpfer des Monopols der "Privatschneider" ausschreien. Dieser Josiah Child ist zugleich der Vater der englischen Stockjobberei. So verteidigt er, der Autokrat der Ostindischen Kompanie, ihr Monopol im Namen der Handelsfreiheit. Gegen Thomas Manley ("Interest of Money mistaken") sagt er:
"Als Vorkämpfer der furchtsamen und zitternden Bande der Wucherer errichtet er seine Hauptbatterie an dem Punkt, den ich für den schwächsten erklärt habe ... er leugnet gradezu, daß der niedrige Zinsfuß die Ursache des Reichtums sei, und versichert, er sei nur seine Wirkung." ("Traités sur le Commerce etc.", 1669, Trad. Amsterdam et Berlin, 1754.) "Wenn es der Handel ist, der ein Land bereichert, und wenn die Herabsetzung des Zinses den Handel vermehrt, so ist eine Herabsetzung des Zinses oder Beschränkung des Wuchers ohne Zweifel eine fruchtbare Hauptursache der Reichtümer einer Nation. Es ist durchaus nicht abgeschmackt zu sagen, daß dieselbe Sache zu gleicher Zeit Ursache unter gewissen Umständen und Wirkung unter andern sein kann." (l.c.p. 155.) "Das Ei ist die Ursache der Henne, und die Henne ist die Ursache des Eies. Die Zinsreduktion kann eine Vermehrung des Reichtums, und die Vermehrung des Reichtums kann eine noch größre Zinsreduktion verursachen." (l.c.p. 156.) "Ich bin der Verteidiger der Industrie, und mein Gegner verteidigt die Faulheit und den Müßiggang." (p. 179.)
Diese gewaltsame Bekämpfung des Wuchers, diese Forderung der Unterordnung des zinstragenden unter das industrielle Kapital ist nur der Vorläufer der organischen Schöpfungen, die diese Bedingungen der kapitalistischen Produktion im modernen Bankwesen herstellen, das einerseits das Wucherkapital seines Monopols beraubt, indem es alle totliegenden Geldreserven konzentriert und auf den Geldmarkt wirft, andrerseits das Monopol der edlen Metalle selbst durch Schöpfung des Kreditgelds beschränkt.
Ebenso wie hier bei Child wird man in allen Schriften über Bankwesen in England im letzten Drittel des 17. und Anfang des 18. Jahrhunderts den Gegensatz gegen den Wucher finden, die Forderung der Emanzipation des Handels und der Industrie wie des Staats vom Wucher. Zugleich kolossale Illusionen über die Wunderwirkung des Kredits, der Entmonopolisierung der edlen Metalle, ihren Ersatz durch Papier etc. Der Schotte William Paterson, Stifter der Bank v. E. und der Bank von Schottland, ist durchaus Law der Erste.
Gegen die B. v. E. "erhoben alle Goldschmiede und Pfandverleiher ein Wutgeheul". (Macaulay, "History of England", IV., p. 499.)
"In den ersten 10 Jahren hatte die Bank mit großen Schwierigkeiten zu kämpfen; große Feindschaft von außen; ihre Noten wurden nur weit unter dem Nominalwert angenommen ... die Goldschmiede" (in deren Händen der Handel mit den edlen Metallen zur Basis eines primitiven Bankgeschäfts diente) "intrigierten bedeutend gegen die Bank, weil durch diese ihr Geschäft vermindert, ihr Diskonto herabgedrückt wurde, und ihre Geschäfte mit der Regierung in die Hände dieser Gegnerin gekommen waren." (J. Francis, l.c.p. 73.)
Schon vor der Stiftung der B. v. E. entstand 1683 der Plan einer National Bank of Credit, deren Zweck u.a. war:
"daß Geschäftsleute, wenn sie eine beträchtliche Menge Waren besitzen, durch Unterstützung dieser Bank ihre Waren deponieren und auf ihre festliegenden Vorräte einen Kredit aufnehmen, ihre Angestellten beschäftigen und ihr Geschäft vermehren können, bis sie einen guten Markt finden, statt mit Verlust zu verkaufen".
Nach vielen Mühen wurde diese Bank of Credit errichtet in Devonshire House in Bishopsgate Street. Sie lieh an Industrielle und Kaufleute auf Sicherheit deponierter Waren ¾ des Werts derselben in Wechseln. Um diese Wechsel lauffähig zu machen, wurde in jedem Geschäftszweig eine Anzahl von Leuten zu einer Gesellschaft vereinigt, von der jeder Besitzer solcher Wechsel Waren dagegen mit derselben Leichtigkeit erhalten sollte, als ob er bare Zahlung offerierte. Die Bank machte keine blühenden Geschäfte. Die Maschinerie war zu kompliziert, das Risiko bei Depreziation der Waren zu groß.
Hält man sich an den wirklichen Inhalt jener Schriften, die die Gestaltung des modernen Kreditwesens in England theoretisch begleiten und befördern, so wird man darin nichts finden als die Forderung der Unterordnung des zinstragenden Kapitals, überhaupt der verleihbaren Produktionsmittel, unter die kapitalistische Produktionsweise als eine ihrer Bedingungen. Hält man sich an die bloße Phrase, so wird die Übereinstimmung, bis auf den Ausdruck herab, mit den Bank- und Kreditillusionen der St. Simonisten oft in Erstaunen setzen.
Ganz wie der cultivateur bei den Physiokraten nicht den wirklichen Landbauer, sondern den Großpächter bedeutet, so der travailleur bei St. Simon, und immer noch durchlaufend bei seinen Schülern, nicht den Arbeiter, sondern den industriellen und kommerziellen Kapitalisten.
"Un travailleur a besoin d'aides, de seconds, d'ouvriers; il les cherche intelligents, habiles, dévoués; il les met à l'œuvre, et leurs travaux sont productifs." ("Religion Saint-Simonienne. Économie politique et Politique", Paris 1831, p. 104.)
Man muß überhaupt nicht vergessen, daß erst in seiner letzten Schrift, dem "Nouveau Christianisme", St. Simon direkt als Wortführer der arbeitenden Klasse auftritt und ihre Emanzipation als Endzweck seines Strebens erklärt. Alle seine frühern Schriften sind in der Tat nur Verherrlichung der modernen bürgerlichen Gesellschaft gegen die feudale oder der Industriellen und Bankiers gegen die Marschälle und juristischen Gesetzfabrikanten der Napoleonischen Zeit. Welcher Unterschied, verglichen mit den gleichzeitigen Schriften Owens!62 Auch bei seinen Nachfolgern, wie schon die zitierte Stelle zeigt, bleibt der industrielle Kapitalist der travailleur par excellence. Wenn man ihre Schriften kritisch liest, wird man sich nicht wundern, daß die Realisierung ihrer Kredit- und Bankträume der vom Ex-St.-Simonisten Émile Péreire gegründete Crédit mobilier war, eine Form, die übrigens nur in einem Land wie Frankreich vorherrschend werden konnte, wo weder das Kreditsystem noch die große Industrie zur modernen Höhe entwickelt waren. In England und Amerika war so etwas unmöglich. - In den folgenden Stellen der "Doctrine de St. Simon. Exposition. Première année. 1828/29", 3e ed., Paris 1831, steckt schon der Keim zum Crédit mobilier. Begreiflicherweise kann der Bankier wohlfeiler vorschießen als der Kapitalist und Privatwucherer. Es ist also diesen Bankiers
"möglich, den Industriellen Werkzeuge weit wohlfeiler, d.h. zu niedrigeren Zinsen zu verschaffen, als die Grundeigentümer und Kapitalisten es könnten, die sich leichter in der Auswahl der Borger täuschen können". (p.202.)
Aber die Verfasser fügen selbst in der Note hinzu:
"Der Vorteil, der aus der Vermittlung des Bankiers zwischen den Müßigen und den travailleurs folgen müßte, wird oft aufgewogen und selbst vernichtet durch die Gelegenheit, die unsre desorganisierte Gesellschaft dem Egoismus bietet, sich in den verschiednen Formen des Betrugs und des Charlatanismus geltend zu machen; die Bankiers drängen sich oft zwischen travailleurs und Müßige, um beide zum Schaden der Gesellschaft auszubeuten."
Travailleur steht hier für capitaliste industriel. Übrigens ist es falsch, die Mittel, worüber das moderne Bankwesen verfügt, bloß als die Mittel der Müßigen zu betrachten. Erstens ist es der Teil des Kapitals, den Industrielle und Kaufleute momentan unbeschäftigt in Geldform halten, als Geldreserve oder erst anzulegendes Kapital; also müßiges Kapital, aber nicht Kapital der Müßigen. Zweitens der Teil der Revenuen und Ersparungen aller, der permanent oder transitorisch für Akkumulation bestimmt ist. Und beides ist wesentlich für den Charakter des Banksystems.
Es muß aber nie vergessen werden, daß erstens das Geld - in der Form der edlen Metalle - die Unterlage bleibt, wovon das Kreditwesen der Natur der Sache nach nie loskommen kann. Zweitens, daß das Kreditsystem das Monopol der gesellschaftlichen Produktionsmittel (in der Form von Kapital und Grundeigentum) in den Händen von Privaten zur Voraussetzung hat, daß es selbst einerseits eine immanente Form der kapitalistischen Produktionsweise ist und andrerseits eine treibende Kraft ihrer Entwicklung zu ihrer höchst- und letztmöglichen Form.
Das Banksystem ist, der formellen Organisation und Zentralisation nach, wie schon 1697 in "Some Thoughts of the Interests of England" ausgesprochen, das künstlichste und ausgebildetste Produkt, wozu es die kapitalistische Produktionsweise überhaupt bringt. Daher die ungeheure Macht eines Instituts wie die Bank v. E. auf Handel und Industrie, obgleich deren wirkliche Bewegung ganz außerhalb ihres Bereichs bleibt und sie sich passiv dazu verhält. Es ist damit allerdings die Form einer allgemeinen Buchführung und Verteilung der Produktionsmittel auf gesellschaftlicher Stufenleiter gegeben, aber auch nur die Form. Wir haben gesehn, daß der Durchschnittsprofit des einzelnen Kapitalisten, oder jedes besondren Kapitals, bestimmt ist nicht durch die Mehrarbeit, die dies Kapital in erster Hand aneignet, sondern durch das Quantum von Gesamtmehrarbeit, die das Gesamtkapital aneignet und wovon jedes besondre Kapital nur als proportioneller Teil des Gesamtkapitals seine Dividende zieht. Dieser gesellschaftliche Charakter des Kapitals wird erst vermittelt und vollauf verwirklicht durch volle Entwicklung des Kredit- und Banksystems. Andrerseits geht dies weiter. Es stellt den industriellen und kommerziellen Kapitalisten alles disponible und selbst potentielle, nicht bereits aktiv engagierte Kapital der Gesellschaft zur Verfügung, so daß weder der Verleiher noch der Anwender dieses Kapitals dessen Eigentümer oder Produzenten sind. Es hebt damit den Privatcharakter des Kapitals auf und enthält so an sich, aber auch nur an sich, die Aufhebung des Kapitals selbst. Durch das Bankwesen ist die Verteilung des Kapitals den Händen der Privatkapitalisten und Wucherer als ein besondres Geschäft, als gesellschaftliche Funktion entzogen. Bank und Kredit werden aber dadurch zugleich das kräftigste Mittel, die kapitalistische Produktion über ihre eignen Schranken hinauszutreiben, und eins der wirksamsten Vehikel der Krisen und des Schwindels.
Das Banksystem zeigt ferner durch die Substitution verschiedner Formen von zirkulierendem Kredit an Stelle des Geldes, daß das Geld in der Tat nichts andres ist als ein besondrer Ausdruck des gesellschaftlichen Charakters der Arbeit und ihrer Produkte, der aber als im Gegensatz zu der Basis der Privatproduktion stets in letzter Instanz als ein Ding, als besondre Ware neben andren Waren sich darstellen muß.
Endlich unterliegt es keinem Zweifel, daß das Kreditsystem als ein mächtiger Hebel dienen wird während des Übergangs aus der kapitalistischen Produktionsweise in die Produktionsweise der assoziierten Arbeit; jedoch nur als ein Element im Zusammenhang mit andren großen organischen Umwälzungen der Produktionsweise selbst. Dagegen entspringen die Illusionen über die wunderwirkende Macht des Kredit- und Bankwesens, im sozialistischen Sinn, aus völliger Unkenntnis der kapitalistischen Produktionsweise und des Kreditwesens als einer ihrer Formen. Sobald die Produktionsmittel aufgehört haben, sich in Kapital zu verwandeln (worin auch die Aufhebung des Privatgrundeigentums eingeschlossen ist), hat der Kredit als solcher keinen Sinn mehr, was übrigens selbst die St.-Simonisten eingesehn haben. Solange andrerseits die kapitalistische Produktionsweise fortdauert, dauert das zinstragende Kapital als eine ihrer Formen fort und bildet in der Tat die Basis ihres Kreditsystems. Nur derselbe Sensationsschriftsteller, Proudhon, der die Warenproduktion fortbestehn lassen und das Geld aufheben wollte63, war fähig, das Ungeheuer eines crédit gratuit zu erträumen, diese vorgebliche Realisation des frommen Wunsches des kleinbürgerlichen Standpunkts.
In der "Religion Saint-Simonienne, Économie et Politique", heißt es p. 45:
"Der Kredit hat zum Zweck, in einer Gesellschaft, wo die einen Werkzeuge der Industrie besitzen, ohne die Fähigkeit oder den Willen zu ihrer Anwendung zu haben, und wo andre industriöse Leute keine Arbeitsinstrumente besitzen, diese Instrumente auf die leichtest mögliche Weise aus den Händen der ersteren, ihrer Besitzer, zu übertragen in die Hände der andern, die sie zu verwenden wissen. Bemerken wir, daß nach dieser Definition der Kredit eine Folge der Art und Weise ist, in der das Eigentum konstituiert ist."
Also fällt der Kredit fort mit dieser Konstitution des Eigentums. Es heißt ferner, p. 98: Die jetzigen Banken
"betrachten sich als bestimmt, der Bewegung Folge zu geben, die die außerhalb ihrer bewirkten Geschäfte in Gang gesetzt haben, nicht aber ihnen selbst den Impuls zu geben; in andren Worten, die Banken erfüllen bei den travailleurs, denen sie Kapitalien vorschießen, die Rolle von Kapitalisten".
In dem Gedanken, daß die Banken selbst die Leitung übernehmen und sich auszeichnen sollen
"durch die Zahl und die Nützlichkeit der kommanditierten Etablissements und der in Anregung gebrachten Arbeiten" (p. 101)
liegt der crédit mobilier latent. Ebenso verlangt Constantin Pecqueur, daß die Banken (was die St.-Simonisten Système général des banques nennen) "die Produktion regieren". Überhaupt ist Pecqueur wesentlich St. Simonist, obgleich viel radikaler. Er will, daß
"die Kreditanstalt ... die ganze Bewegung der nationalen Produktion regiere. - "Versucht eine nationale Kreditanstalt zu schaffen, die dem nichtbesitzenden Talent und Verdienst Mittel vorschießt, ohne jedoch diese Borger zwangsmäßig durch eine enge Solidarität in Produktion und Konsumtion unter sich zu verknüpfen, sondern im Gegenteil so, daß sie selbst ihre Austausche und ihre Produktionen bestimmen. Auf diesem Wege werdet ihr nur erreichen, was jetzt schon die Privatbanken erreichen, die Anarchie, das Mißverhältnis zwischen Produktion und Konsumtion, den plötzlichen Ruin der einen und die plötzliche Bereicherung der andren; derart, daß eure Anstalt nie weiter kommen wird, als für die einen eine Summe von Wohlergehn zu produzieren, welche gleichkommt der Summe des von den andren ertragnen Unglücks ... bloß daß ihr den von euch mit Vorschüssen unterstützten Lohnarbeitern die Mittel gegeben habt, sich untereinander dieselbe Konkurrenz zu machen, die sich jetzt ihre kapitalistischen Meister machen." (C. Pecqueur, "Théorie Nouvelle d'Économie Soc. et Pol.", Paris 1842, p. 433, 434.)
Wir haben gesehn, daß das Kaufmannskapital und das zinstragende Kapital die ältesten Formen des Kapitals sind. Es liegt aber in der Natur der Sache, daß das zinstragende Kapital in der Volksvorstellung sich als die Form des Kapitals par excellence darstellt. Im Kaufmannskapital findet eine vermittelnde Tätigkeit statt, möge sie nun als Prellerei, Arbeit oder wie immer ausgelegt werden. Dagegen stellt sich im zinstragenden Kapital der selbstreproduzierende Charakter des Kapitals, der sich verwertende Wert, die Produktion des Mehrwerts, als okkulte Qualität rein dar. Daher kommt es denn auch, daß selbst ein Teil der politischen Ökonomen, besonders in Ländern, wo das industrielle Kapital noch nicht vollständig entwickelt ist, wie in Frankreich, daran als an der Grundform des Kapitals festhalten und z.B. die Grundrente nur als andre Form davon fassen, indem auch hier die Form des Verleihens vorherrscht. Es wird dadurch die innere Gliederung der kapitalistischen Produktionsweise völlig verkannt und ganz übersehn, daß der Boden, ebenso wie das Kapital, nur an Kapitalisten verliehen wird. Statt Geld können natürlich Produktionsmittel in natura, wie Maschinen, Geschäftsgebäude usw., verliehen werden. Sie stellen dann aber eine bestimmte Geldsumme dar, und daß außer dem Zins ein Teil für Verschleiß gezahlt wird, geht aus dem Gebrauchswert, aus der spezifischen Naturalform dieser Kapitalelemente hervor. Das Entscheidende ist hier wieder, ob sie an den unmittelbaren Produzenten verliehen werden, was Nichtexistenz der kapitalistischen Produktionsweise voraussetzt, wenigstens in der Sphäre, worin dies stattfindet; oder ob sie an den industriellen Kapitalisten verliehen werden, was eben die Voraussetzung auf Basis der kapitalistischen Produktionsweise ist. Noch ungehöriger und begriffsloser ist es, das Verleihen von Häusern etc. für den individuellen Konsum hierherzuziehn. Daß die Arbeiterklasse auch in dieser Form beschwindelt wird, und zwar himmelschreiend, ist klare Tatsache; aber dies geschieht ebenso von dem Kleinhändler, der ihr die Lebensmittel liefert. Es ist dies eine sekundäre Ausbeutung, die neben der ursprünglichen herläuft, die im Produktionsprozeß selbst unmittelbar vor sich geht. Der Unterschied zwischen Verkaufen und Verleihen ist hier ein durchaus gleichgültiger und formeller, der, wie schon gezeigt, nur der völligen Unkenntnis des wirklichen Zusammenhangs als wesentlich erscheint.
Der Wucher wie der Handel exploitieren eine gegebne Produktionsweise, schaffen sie nicht, verhalten sich äußerlich zu ihr. Der Wucher sucht sie direkt zu erhalten, um sie stets von neuem ausbeuten zu können, ist konservativ, macht sie nur miserabler. Je weniger die Produktionselemente als Waren in den Produktionsprozeß eintreten und als Waren aus ihm herauskommen, um so mehr erscheint ihre Herstellung aus Geld als ein besondrer Akt. Je unbedeutender die Rolle ist, die die Zirkulation in der gesellschaftlichen Reproduktion spielt, desto blühender der Wucher.
Daß das Geldvermögen als besondres Vermögen sich entwickelt, heißt mit Bezug auf das Wucherkapital, daß es alle seine Forderungen in der Form von Geldforderungen besitzt. Es entwickelt sich um so mehr in einem Lande, je mehr die Masse der Produktion auf Naturalleistungen etc., also auf Gebrauchswert beschränkt.
Insofern der Wucher das Doppelte bewirkt: erstens überhaupt, neben dem Kaufmannsstand, ein selbständiges Geldvermögen zu bilden, zweitens die Arbeitsbedingungen sich anzueignen, d.h. die Besitzer der alten Arbeitsbedingungen zu ruinieren, ist er ein mächtiger Hebel zur Bildung der Voraussetzungen für das industrielle Kapital.
Zins im Mittelalter
"Im Mittelalter war die Bevölkerung rein ackerbauend. Und da, wie unter der feudalen Regierung, kann nur wenig Verkehr und daher auch nur wenig Profit sein. Daher waren die Wuchergesetze im Mittelalter gerechtfertigt. Zudem kommt in einem ackerbauenden Land jemand selten in die Lage, Geld zu borgen, außer wenn er zu Armut und Elend heruntergekommen ist ... Heinrich VIII. beschränkt den Zins auf 10%, Jakob I. auf 8, Karl II. auf 6, Anna auf 5% ... In jenen Zeiten waren die Geldverleiher, wenn nicht rechtliche, so doch tatsächliche Monopolisten, und daher war es nötig, sie wie andre Monopolisten unter Beschränkung zu setzen ... In unsern Zeiten reguliert die Rate des Profits die Rate des Zinses; in jenen Zeiten regulierte die Rate des Zinses die Rate des Profits. Wenn der Geldverleiher dem Kaufmann eine hohe Zinsrate aufbürdete, mußte der Kaufmann eine höhere Profitrate auf seine Waren schlagen. Daher wurde eine große Summe Geldes aus den Taschen der Käufer genommen, um sie in die Taschen der Geldverleiher zu bringen." (Gilbart, "History and Princ. of Banking", p. 164, 165.)
"Ich lasse mir sagen, dass man jetzt jährlich auf einen jeglichen Leiptzischen Markt 10 Gulden, das ist 30 aufs Hundert nimmt; etliche setzen hinzu den Neuenburgischen Markt, dass es 40 aufs Hundert werden: obs nur sei, das weiss ich nicht. Pfui dich, wo zum Teufel will denn auch zuletzt das hinaus? ... Wer nun jetzt zu Leipztig 100 Floren hat, der nimmt järlich 40, das heisst einen Bauer oder einen Bürger in einem Jar gefressen. Hat er 1.000 Floren; so nimmt er järlich 400, das heisst einen Ritter oder reichen Edelmann in einem Jar gefressen. Hat er 10.000, so nimmt er järlich 4.000; das heisst einen reichen Grafen in einem Jar gefressen. Hat er 100.000, wie es sein muss bei den grossen Händlern, so nimmt er järlich 40.000; das heisst einen grossen reichen Fürsten in einem Jahr gefressen. Hat er 1.000.000, so nimmt er järlich 400.000, das heisst einen grossen König in einem Jar gefressen. Und leidet darüber kein Fahr, weder an Laib noch an Wahr, Arbeit nichts, sitzt hinter dem Ofen und brät Aepfel: also möchte ein Stul-Räuber sitzen zu Hause, und eine ganze Welt in zehn Jahren fressen." (Dies ist aus "An die Pfarrherrn wider den Wucher zu predigen" vom Jahre 1540. Luther's Werke, Wittenberg 1589, 6. Theil.)
"Ich habe vor 15 Jahren wider den Wucher geschrieben, da er bereit so gewaltig eingerissen war, dass ich keine Besserung zu hoffen wüsste. Sait der Zeit hat er sich also erhebt, dass er nie auch kein Laster, Sünde oder Schande mehr sein will, sondern lässt sich rhümen für eitel Tugend und Ehre, als thue er den Leuten grosse Liebe und einen christlichen Dienst. Was will nun helfen rahten da Schande ist Ehre und Laster ist Tugend worden." (An die Pfarherrn wider den Wucher zu predigen. Wittenberg 1540.)
"Juden, Lombarden, Wucherer und Blutsauger waren unsre ersten Bankiers, unsre ursprünglichen Bankschacherer, ihr Charakter war fast infam zu nennen ... Dem gesellten sich dann die Londoner Goldschmiede bei. Im ganzen ... waren unsre ursprünglichen Bankiers ... eine sehr schlimme Gesellschaft, sie waren gierige Wucherer, steinherzige Aussauger." (D. Hardcastle, "Banks and Bankers", 2nd ed. London 1843, p. 19, 20.)
"Das von Venedig gegebne Beispiel" (der Bildung einer Bank) "wurde also rasch nachgeahmt; alle Seestädte und überhaupt alle Städte, die sich durch ihre Unabhängigkeit und ihren Handel einen Namen gemacht hatten, gründeten ihre ersten Banken. Die Rückkehr ihrer Schiffe, die oft lange auf sich warten ließ, führte unvermeidlich zur Gewohnheit des Kreditgebens, die die Entdeckung Amerikas und der Handel dorthin in der Folge noch weiter verstärkte." (Dies ein Hauptpunkt.) "Die Schiffsbefrachtungen zwangen zur Aufnahme starker Vorschüsse, was bereits im Altertum in Athen und Griechenland vorgekommen. 1308 besaß die Hansestadt Brügge eine Assekuranzkammer." (M. Augier, l.c.p. 202, 203.)
Wie sehr das Verleihen an die Grundeigentümer und damit überhaupt an den genießenden Reichtum, selbst noch in England vorwog im letzten Drittel des 17. Jahrhunderts, vor der Entwicklung des modernen Kreditsystems, kann man u.a. ersehn aus Sir Dudley North, nicht nur einem der ersten englischen Kaufleute, sondern auch einem der bedeutendsten theoretischen Ökonomen seiner Zeit:
"Die in unserm Volk auf Zinsen ausgelegten Gelder werden noch lange nicht zum zehnten Teil an Geschäftsleute ausgegeben, um damit ihre Geschäfte zu betreiben; sie werden zum größten Teil ausgeliehen für Luxusartikel und für die Ausgaben von Leuten, die, obwohl große Grundbesitzer, doch rascher Geld ausgeben, als ihr Grundbesitz es einbringt; und da sie den Verkauf ihrer Güter scheuen, sie lieber verhypothekieren." ("Discourses upon Trade", London 1691, p. 6, 7.)
Im 18. Jahrhundert in Polen:
"Warschau machte ein großes Wechselgeschäft, das aber hauptsächlich den Wucher seiner Bankiers zum Grunde und zur Absicht hatte. Um sich Geld zu verschaffen, welches sie den verschwenderischen Großen zu 8 und zu mehr Prozent leihen konnten, suchten und fanden sie außer Landes einen Wechselkredit in Blanco, d.h. der gar keinen Warenhandel zu Grunde hatte, welchen der ausländische Trassat aber so lange geduldig akzeptierte, als noch die durch Wechselreiterei erschaffnen Rimessen nicht ausblieben. Dafür haben diese durch die Bankrotte eines Tepper und andrer großgeachteter Warschauer Bankiers schwer gebüßt." (J. G. Büsch, "Theoretisch-praktische Darstellung der Handlung etc.", 3. Auflage, Hamburg 1808, Band II, p. 232, 233.)
Nutzen für die Kirche vom Zinsverbot
"Zins zu nehmen hatte die Kirche verboten; aber nicht das Eigentum zu verkaufen, um sich aus der Not zu helfen; ja auch nicht einmal, dasselbe dem Geldleihenden auf eine bestimmte Zeit und bis zur Wiederbezahlung abzutreten, damit derselbe seine Sicherheit darin finden, aber auch während des Besitzes in dessen Nutzung den Ersatz des von ihm entlehnten Geldes genießen möchte ... Die Kirche selbst, oder die ihr angehörenden Kommunen und pia corpora zogen ihren großen Nutzen davon, zumal in den Zeiten der Kreuzzüge. Dies brachte einen so großen Teil des Nationalreichtums in den Besitz der sog. 'toten Hand', zumal da der Jude in diesem Wege nicht wuchern durfte, weil der Besitz eines so festen Unterpfandes nicht verhehlt werden konnte ... Ohne das Verbot der Zinsen würden die Kirchen und Klöster nimmermehr so reich haben werden können." (l.c.p. 55.)
Es wären hier einige Stellen zu zitieren, wo die Ökonomen die Sache so fassen. - "You" (the Bank of England) "are very large dealers in the commodity of capital?" wird im Zeugenverhör zum "Report on Bank Act", H. of C. 1857 [p. 104] ein Direktor dieser Bank gefragt. ↩
"Daß ein Mann, der Geld borgt, mit der Absicht, Profit davon zu machen, einen Teil des Profits dem Verleiher geben soll, ist ein selbstverständliches Prinzip der natürlichen Gerechtigkeit." (Gilbart, "The History and Principles of Banking", London 1834, p.163.) ↩
"Ein Haus", "Geld" etc. sollen daher, wenn's nach Proudhon geht, nicht als "Kapital" verliehen, sondern als "Ware... zum Kostpreis" (p. 43, 44) veräußert werden. Luther stand etwas höher als Proudhon. Er wußte schon, daß das Profitmachen unabhängig ist von der Form des Leihens oder Kaufens: "Machen aus dem Kaufen auch einen Wucher. Aber das ist jetzt zu viel auf einen Bissen. Müssen jetzt das eine Stück, als vom Wucher im Leihen handeln, wenn wir dem haben gesteuret (nach dem jüngsten Tage), so wollen wir dem Kaufwucher auch seinen Text wol lesen." (M. Luther, "An die Pfarrherrn wider den Wucher zu predigen", Wittenberg 1540.) ↩
"The equitableness of taking interest depends not upon a man's making or not making profit, but upon its" (des Geborgten) "being capable of producing profit, if rightly employed." ("An Essay on the Governing Causes of the Natural Rate of Interest, wherein the sentiments of Sir W. Petty and Mr. Locke, on that head, are considered", London 1750, p. 49. Verfasser der anonymen Schrift: J. Massie) ↩
"Rich people, instead of employing their money themselves ... let it out to other people for them to make profit of, reserving for the owners a proportion of the profits so made." (l.c.p. 23, 24.) ↩
"Der Ausdruck Wert (value) angewandt auf currency hat drei Bedeutungen ... 2. currency actually in hand verglichen mit demselben Betrag von currency, der an einem spätern Tage eingehn wird. Dann ist ihr Wert gemessen durch den Zinsfuß, und der Zinsfuß bestimmt by the ratio between the amount of loanable capital and the demand for it". (Oberst R. Torrens, "On the Operation of the Bank Charter Act of 1844 etc.", 2nd ed., 1847 [p. 5, 6].) ↩
"The ambiguity of the term value of money or of the currency, when employed indiscriminately as it is, to signify both value in exchange for commodities and value in use of capital, is a constant source of confusion." (Tooke, "Inquiry into the Currency Principle", p. 77.) - Die Hauptkonfusion (die in der Sache selbst liegt), daß Wert als solcher (der Zins) zum Gebrauchswert des Kapitals wird, sieht Tooke nicht. ↩
"The natural rate of interest is governed by the profits of trade to particulars." (Massie, l.c.p. 51.) ↩
Hier findet sich folgende Bemerkung im Manuskript: "Aus dem Gang dieses Kapitels ergibt sich, daß es doch besser ist, bevor die Gesetze der Verteilung des Profits untersucht werden, zunächst zu entwickeln, wie die quantitative Teilung eine qualitative wird. Es ist, um den Übergang vom vorigen Kapitel dazu zu machen, nichts nötig, als zunächst den Zins als irgendeinen nicht näher bestimmten Teil des Profits zu unterstellen." ↩
"In der ersten Periode, unmittelbar nach einer Zeit des Drucks, ist Geld reichlich ohne Spekulation; in der zweiten Periode ist Geld reichlich und die Spekulation üppig; in der dritten Periode beginnt die Spekulation nachzulassen und Geld ist gesucht; in der vierten Periode ist Geld rar und der Druck tritt ein." (Gilbart, l.c., I, p. 149.) ↩
Tooke erklärt dies "by the accumulation of surplus capital necessarily accompanying the scarcity of profitable employment for it in previous years, by the release of hoards, and by the revival of confidence in commercial prospects". ("History of Prices from 1839 to 1847", London 1848, p. 54.) ↩
"An old customer of a banker was refused a loan upon a 200,000 £ bond; when about to leave to make known his suspension of payment, he was told there was no necessity for the step, under the circumstances the banker would buy the bond at 150,000 £." ([H. Roy,] "The Theory of the Exchanges. The Bank Charter Act of 1844 etc.", London 1864, p. 80.) ↩
Da der Zinsfuß im ganzen bestimmt ist durch die Durchschnittsprofitrate, kann sehr oft außerordentlicher Schwindel mit niedrigem Zinsfuß verbunden sein. Z.B. beim Eisenbahnschwindel im Sommer 1844. Der Zinsfuß der Bank von England wurde erst auf 3% erhöht 16. Oktober 1844. ↩
So macht z.B. J. G. Opdyke: "A Treatise on Pol. Econ.", New York 1851, einen höchst mißlungenen Versuch, die Allgemeinheit des Zinsfußes von 5% aus ewigen Gesetzen zu erklären. Ungleich naiver Herr Karl Arnd in: "Die naturgemäße Volkswirthschaft gegenüber dem Monopoliengeist und dem Kommunismus etc.", Hanau 1845. Hier steht zu lesen: "In dem natürlichen Gange der Gütererzeugung gibt es nur eine Erscheinung, welche - in ganz angebauten Ländern - den Zinsfuß einigermaßen zu regulieren bestimmt scheint; es ist dies das Verhältnis, in welchem die Holzmassen der europäischen Wälder durch ihren jährlichen Nachwuchs zunehmen. Dieser Nachwuchs folgt, ganz unabhängig von ihrem Tauschwert" (wie komisch von den Bäumen, ihren Nachwuchs unabhängig von ihrem Tauschwert einzurichten!) "in dem Verhältnisse 3 bis 4 zu 100. Hiernach wäre also" (da der Nachwuchs der Bäume nämlich von ihrem Tauschwert ganz unabhängig ist, sosehr ihr Tauschwert von ihrem Nachwuchs abhängen mag) "ein Herabsinken unter den Stand, welchen er" (der Zinsfuß) "gegenwärtig in den reichsten Ländern hat, nicht zu erwarten." (p. 124, 125.) - Dies verdient, der "waldursprüngliche Zinsfuß" genannt zu werden, und sein Entdecker macht sich im selben Werk noch weiter um "unsere Wissenschaft" verdient als "Philosoph der Hundesteuer" [p. 420, 421]. ↩
Die Bank von England erhöht und senkt die Rate ihres Diskontos, obgleich natürlich immer mit Berücksichtigung der im offnen Markt herrschenden Rate, nach dem Zufluß und Abfluß des Goldes. "By which, gambling in discounts, by anticipation of the alterations in the bank rate, has now become half the trade of the great heads of the money centre" - d.h. des Londoner Geldmarkts. ([H. Roy,] "The Theory of the Exchanges etc.", p. 113.) ↩
"Der Preis der Waren schwankt beständig; sie sind alle für verschiedne Arten von Gebrauch bestimmt; das Geld dient für jeden Zweck. Die Waren, selbst derselben Art, unterscheiden sich nach der Güte; das bare Geld ist immer vom selben Wert oder soll es doch sein. Daher kommt es, daß der Preis des Geldes, den wir mit dem Wort Zins bezeichnen, eine größre Festigkeit und Gleichmäßigkeit besitzt als der jeder andern Sache." (J. Steuart, "Principles of Pol. Econ.", Franz. Übers., 1789, IV, p. 27.) ↩
"This rule of dividing profits is not, however, to be applied particularly to every lender and borrower, but to lenders and borrowers in general ... remarkably great and small gains are the reward of skill and the want of understanding, which lenders have nothing at all to do with; for as they will not suffer by the one, they ought not to benefit by the other. What has been said of particular men in the same business is applicable to particular sorts of business; if the merchants and tradesmen employed in any one branch of trade get more by what they borrow than the common profits made by other merchants and tradesmen of the same country, the extraordinary gain is theirs, though it required only common skill and understanding to get it; and not the lenders', who supplied them with money ... for the lenders would not have lent their money to carry on any business or trade upon lower terms than would admit of paying so much as the common rate of interest; and, therefore, they ought not to receive more than that, whatever advantage may be made by their money." (Massie, l.c.p. 50, 51.) ↩
Bank rate 5 p. c. Market rate of disct., 60 days' drafts 3 5/8 p. c. Do. do. 3 months 3 1/2 p. c. Do. do. 6 months 3 5/16 p. c. Loans to bill-brokers, day to day 1 to 2 p. c. Do. do. for one week 3 p. c. Last rate for fortnight, loans to stockbrokers 4 3/4 to 5 p. c. Deposit allowance (banks) 3 1/2 p. c. Do. do. (discount houses) 3 to 3 1/4 p. c. Wie groß dieser Unterschied an einem und demselben Tage sein kann, beweist obige Aufstellung der Zinsrate des Londoner Geldmarkts am 9. Dez. 1889, aus dem City-Artikel der "Daily News" vom 10. Dez. Das Minimum ist 1%, das Maximum 5%.[F. E.] ↩
"The profits of enterprise depend upon the net profits of capital, not the latter upon the former." (Ramsay, l.c.p. 214. Net profits bei Ramsay immer = Zins.) ↩
"Superintendence is here" (beim bäuerlichen Grundbesitzer) "completely dispensed with." (J. E. Cairnes, "The Slave Power", London 1862, p. 48, 49.) ↩
"If the nature of the work requires that the workmen" (nämlich die Sklaven) "should be dispersed over an extended area, the number of overseers and, therefore, the cost of the labour which requires this supervision, will be proportionately increased." (Cairnes, l.c.p. 44.) ↩
A. Ure, "Philos. of Manufactures", Franz. Übers., 1836, I, p. 67, 68, wo dieser Pindar der Fabrikanten diesen zugleich das Zeugnis aussteht, daß die meisten von ihnen von dem Mechanismus, den sie anwenden, nicht die leiseste Vorstellung haben. ↩
In einem mir bekannten Fall wurde nach der Krisis von 1868 ein fallierter Fabrikant bezahlter Lohnarbeiter seiner eignen frühern Arbeiter. Die Fabrik wurde nämlich nach dem Bankrott von einer Arbeitergenossenschaft weitergeführt und der ehemalige Besitzer als Dirigent angestellt. - F. E. ↩
Die hier angezognen Rechnungsablagen gehn höchstens bis 1864, da das Obige 1865 geschrieben wurde. - F. E. ↩
"Masters are labourers as well as their journeymen. In this character their interest is precisely the same as that of their men. But they are also either capitalists, or the agents of capitalists, and in this respect their interest is decidedly opposed to the interest of the workmen." (p. 27.) "The wide spread of education among the journeymen mechanics of this country diminishes daily the value of the labour and skill of almost all masters and employers by increasing the number of persons who possess their peculiar knowledge." (p. 30. Hodgskin, "Labour defended against the Claims of Capital etc.", London 1825.) ↩
"The general relaxation of conventional barriers, the increased facilities of education tend to bring down the wages of skilled labour instead of raising those of the unskilled." (J. St. Mill, "Princ. of Pol. Econ.", 2nd ed., London 1849, I, p. 479.) ↩
Richard Price, "An Appeal to the Public on the subject of the National Debt", London 1772. Er macht den naiven Witz: "Man muß Geld borgen zu einfachen Zinsen, um es auf Zinseszinsen zu vermehren." (R. Hamilton, "An Inquiry into the Rise and Progress of the National Debt of Great Britain", 2nd ed., Edinburgh 1814.) Darnach wäre Pumpen überhaupt das sicherste Mittel der Bereicherung auch für Private. Aber wenn ich z.B. 100 Pfd.St. zu 5% jährlichem Zins aufnehme, habe ich Ende des Jahrs 5 Pfd.St. zu zahlen, und gesetzt, dieser Vorschuß daure 100 Millionen Jahre, so habe ich in der Zwischenzeit in jedem Jahr immer nur 100 Pfd.St. auszuleihen und ebenso in jedem Jahre 5 Pfd.St. zu zahlen. Ich komme durch diesen Prozeß nie dazu, 105 Pfd.St. auszuleihen, dadurch, daß ich 100 Pfd.St. aufnehme. Und wovon soll ich die 5% zahlen? Durch neue Anleihen, oder wenn ich der Staat bin, durch Steuern. Nimmt aber der industrielle Kapitalist Geld auf, so hat er bei einem Profit von sage 15%, 5% zu zahlen als Zins, 5% zu verzehren (obgleich sein Appetit wächst mit seiner Einnahme) und 5% zu kapitalisieren. Es sind also schon 15% Profit vorausgesetzt, um beständig 5% Zins zu zahlen. Dauert der Prozeß fort, so fällt die Profitrate aus den schon entwickelten Gründen, sage von 15% auf 10%. Aber Price vergißt ganz, daß der Zins von 5% eine Profitrate von 15% voraussetzt, und läßt diese mit der Akkumulation des Kapitals fortdauern. Er hat überhaupt nichts mit dem wirklichen Akkumulationsprozeß zu tun, sondern nur Geld auszuleihen, damit es mit Zinseszinsen zurückfließe. Wie es das anfängt, ist ihm ganz gleichgültig, da dies ja die eingeborne Qualität des zinstragenden Kapitals ist. ↩
Sieh Mill und Carey, und Roschers mißverständlichen Kommentar dazu. ↩
"It is clear, that no labour, no productive power, no ingenuity, and no art, can answer the overwhelming demands of compound interest. But all saving is made from the revenue of the capitalist, so that actually these demands are constantly made and as constantly the productive power of labour refused to satisfy them. A sort of balance is, therefore, constantly struck." ("Labour defended against the Claims of Capital", p. 23. Von Hodgskin.) ↩
D.h. früher wurde erst die Dividende festgesetzt und dann von dieser dem einzelnen Aktionär bei der Auszahlung die Einkommensteuer abgezogen; nach 1844 aber wurde erst die Steuer vom Gesamtprofit der Bank bezahlt und dann die Dividende "free of Income Tax" verteilt. Dieselben nominellen Prozente sind im letzteren Fall also höher um den Betrag der Steuer. - F. E. ↩
Weiteres über die Begriffsverwirrung Overstones in Sachen des Kapitals am Schluß von Kap. XXXII. [F. E.] ↩
"Die durchschnittliche Notenzirkulation der Bank von Frankreich war 1812: 106.538.000 Franken; 1818: 101.205.000 Franken, während der Geldumlauf, die Gesamtmasse aller Eingänge und Zahlungen, war 1812: 2.837.712.000 Franken; 1818: 9.665.030.000 Franken. Die Tätigkeit des Umlaufs in Frankreich 1818 verhielt sich also zu der von 1812 wie 3 : 1. Der große Regulator der Geschwindigkeit der Zirkulation ist der Kredit ... Daher zu erklären, warum ein heftiger Druck auf den Geldmarkt gewöhnlich zusammenfällt mit einer vollgefüllten Zirkulation." ("The Currency Theory reviewed etc.", p. 65.) - "Zwischen September 1833 und September 1843 traten nahe an 300 Banken in Großbritannien ins Leben, welche eigne Banknoten ausgaben; die Folge war eine Einschränkung in der Notenzirkulation von 2 1/2 Millionen; sie war Ende September 1833: 36.035.244 Pfd.St. und Ende September 1843: 33.518.544 Pfd.St." (l.c.p. 53.) - "Die wunderbare Tätigkeit der schottischen Zirkulation befähigt sie, mit 100 Pfd.St. dieselbe Menge Geldgeschäfte zu erledigen, die in England 420 Pfd.St. erheischt." (l.c.p. 55. Dies letztere bezieht sich nur auf das Technische der Operation.) ↩
"Vor der Errichtung der Banken war der für die Funktion des zirkulierenden Mediums in Anspruch genommene Kapitalbetrag jederzeit größer als die wirkliche Warenzirkulation erforderte." ("Economist", 1845, p. 238.) ↩
Man sehe z.B. in der "Times" die Fallitenlisten eines Krisenjahrs wie 1857 an und vergleiche das eigne Vermögen der Falliten mit dem Betrag ihrer Schulden. - "In Wahrheit überschreitet die Kaufkraft von Leuten, die Kapital und Kredit besitzen, weitaus alles, was in die Vorstellung derjenigen eingeht, die mit spekulativen Märkten keine praktische Bekanntschaft haben." (Tooke, "Inquiry into the Currency Principle", p. 79.) "Ein Mann, der im Ruf steht, Kapital genug für sein regelmäßiges Geschäft zu besitzen, und der in seiner Branche guten Kredit genießt, kann, wenn er sanguinische Ansichten von der steigenden Konjunktur des von ihm geführten Artikels hat und wenn er im Anfang und Verlauf seiner Spekulation durch die Umstände begünstigt wird, Käufe bewerkstelligen von einer geradezu enormen Ausdehnung. verglichen mit seinem Kapital." (ibidem. p. 136.) - "Die Fabrikanten, Kaufleute etc. machen sämtlich Geschäfte weit über ihr Kapital hinaus ... Das Kapital ist heutzutage viel mehr die Grundlage, worauf ein guter Kredit gebaut wird, als die Schranke der Umsätze irgendeines kommerziellen Geschäfts." ("Economist", 1847, p. 1333.) ↩
Th. Chalmers. ↩
Wir gehen hier die bezügliche, auf S. 390 deutsch im Auszug zitierte Stelle aus Tooke im Original: "The business of bankers, setting aside the issue of promissory notes payable on demand, may be divided into two branches, corresponding with the distinction pointed out by Dr. (Adam) Smith of the transactions between dealers and dealers, and between dealers and consumers. One branch of the bankers' business is to collect capital from those who have not immediate employment for it, and to distribute or transfer it to those who have. The other branch is to receive deposits of the income, of their customers, and to pay out the amount, as it is wanted for expenditure by the latter in the objects of their consumption ... the former being a circulation of capital, the latter of currency." (Tooke, "Inquiry into the Currency Principle". p. 36.) Das erstere ist "the concentration of capital on the one hand and the distribution of it on the other", das zweite ist "administering the circulation for local purposes of the district" (ibid. p. 37.) - Weit näher der richtigen Auffassung kommt Kinnear, in folgender Stelle: "Geld wird gebraucht, um zwei wesentlich verschiedne Operationen zu vollziehn. Als Austauschmittel zwischen Händler und Händler ist es das Instrument, wodurch Übertragungen von Kapital bewirkt werden; d.h. der Austausch eines bestimmten Kapitalbetrags in Geld für einen gleichen Kapitalbetrag in Waren. Aber Geld ausgelegt in Zahlung von Arbeitslohn und in Kauf und Verkauf zwischen Händler und Konsument ist nicht Kapital, sondern Revenue; der Teil der Revenue der Gesamtheit, der auf tägliche Ausgaben verwandt wird. Dies Geld zirkuliert in fortwährendem täglichem Gebrauch, und dies ist es allein, das im strengen Sinn Zirkulationsmittel (currency) genannt werden kann. Kapitalvorschüsse hängen ausschließlich ab von dem Willen der Bank oder andrer Kapitalbesitzer - denn Borger finden sich immer; aber der Betrag des Zirkulationsmittels hängt ab von den Bedürfnissen der Gesamtheit, innerhalb deren das Geld zum Zweck täglicher Verausgabung zirkuliert." (J. G. Kinnear, "The Crisis and the Currency", London 1847.) ↩
"A demand for capital on loan and a demand for additional circulation are quite distinct things, and not often found associated." (Fullarton. l.c.p. 82, Überschrift zu ch. 5.) - "It is a great error, indeed, to imagine that the demand for pecuniary accommodation (i.e. for the loan of capital) is identical with a demand for additional means of circulation, or even that the two are frequently associated. Each demand originates in circumstances peculiarly affecting itself, and very distinct from each other. It is when everything looks prosperous, when wages are high, prices on the rise, and factories busy, that an additional supply of currency is usually required to perform the additional functions inseparable from the necessity of making larger and more numerous payments; whereas it is chiefly in a more advanced stage of the commercial cycle, when difficulties begin to present themselves, when markets are overstocked, and returns delayed, that interest rises, and a pressure comes upon the Bank for advances of capital. It is true that there is no medium through which the Bank is accustomed to advance capital except that of its promissory notes; and that, to refuse the notes, therefore, is to refuse the accommodation. But, the accommodation once granted, everything adjusts itself in conformity with the necessities of the market; the loan remains, and the currency, if not wanted, finds its way back to the issuer. Accordingly, a very slight examination of the Parliamentary Returns may convince any one, that the securities in the hand of the Bank of England fluctuate more frequently in an opposite direction to its circulation than in concert with it, and that the example, therefore, of that great establishment furnishes no exception to the doctrine so strongly pressed by the country bankers, to the effect that no bank can enlarge its circulation, if that circulation be already adequate to the purposes to which a banknote currency is commonly applied; but that every addition to its advances, after that limit is passed, must be made from its capital, and supplied by the sale of some of its securities in reserve, or by abstinence from further investment in such securities. The table compiled from the Parliamentary Returns for the interval between 1833 and 1840, to which I have referred in a preceding page, furnishes continued examples of this truth; but two of these are so remarkable that it will be quite unnecessary for me to go beyond them. On the 3rd January, 1837, when the resources of the Bank were strained to the uttermost to sustain credit and meet the difficulties of the money market, we find its advances on loan and discount carried to the enormous sum of £ 17 022 000, an amount scarcely known since the war, and almost equal to the entire aggregate issues, which, in the meanwhile, remain unmoved at so low a point as £ 17 076 000! On the other hand, we have, on the 4th of June 1833 a circulation of £ 18 892 000 with a return of private securities in hand, nearly, if not the very lowest on record for the last half-century, amounting to no more than £ 972 000!" (Fullarton, l.c.p. 97, 98.) - Daß ein demand for pecuniary accommodation keineswegs identisch zu sein braucht mit einem demand for gold (was Wilson, Tooke u.a. Kapital nennen), sieht man aus folgenden Aussagen des Herrn Weguelin, Gouverneurs der Bank von England: "Das Diskontieren von Wechseln bis zu diesem Belauf" (eine Million täglich drei Tage hintereinander) "würde die Reserve" (von Banknoten) "nicht verringern, falls nicht das Publikum einen größern Betrag aktiver Zirkulation verlangte. Die beim Wechseldiskontieren ausgegebnen Noten würden zurückfließen durch Vermittlung von Banken und durch Depositen. Falls nicht jene Transaktionen die Goldausfuhr zum Zweck haben oder falls nicht im Inland eine Panik herrscht, derart, daß das Publikum seine Banknoten festhält, statt sie an die Banken einzuzahlen, würde die Reserve nicht berührt werden durch so gewaltige Umsätze." - "Die Bank kann täglich anderthalb Millionen diskontieren, und dies geschieht fortwährend, ohne daß ihre Reserve im geringsten berührt wird. Die Noten kommen zurück als Depositen, und die einzige Änderung, die stattfindet, ist die bloße Übertragung von einem Konto auf das andre." ("Report on Bank Acts, 1857", Evidence Nr. 241, 500.) Die Noten dienen hier also nur als Mittel der Übertragung von Krediten. ↩
Die nun folgende Stelle des Originals ist im Zusammenhang unverständlich und bis zum Schluß der Klammer vom Herausgeber neu bearbeitet. In andrem Zusammenhang ist dieser Punkt bereits in Kap. XXVI berührt worden. - F. E. ↩
"Der Arbeiter hat Kapitalwert, gefunden, wenn man den Geldwert seines jährlichen Verdienstes als Zinsertrag betrachtet ... Wenn man ... die durchschnittlichen Taglohnsätze mit 4% kapitalisiert, so erhält man als Durchschnittswert eines landwirtschaftlichen Arbeiters männlichen Geschlechts: Deutsch-Östreich 1.500 Taler, Preußen 1.500, England 3.750, Frankreich 2.000, Inneres Rußland 750 Taler." (Von Reden, "Vergleichende Kulturstatistik", Berlin 1848, p. 434.) ↩
{Unmittelbar nach der Februarrevolution, als in Paris Waren und Wertpapiere aufs äußerste entwertet und total unverkäuflich waren, machte ein Schweizer Kaufmann in Liverpool, Herr R. Zwilchenbart (der dies meinem Vater erzählt hat) zu Geld, was er konnte, reiste mit der Barschaft nach Paris und ging zu Rothschild, ihm vorschlagend, ein gemeinsames Geschäft zu machen. Rothschild sah ihn starr an, stürzte auf ihn zu, ihn bei beiden Schultern fassend: "Avez-vous de l'argent sur vous?" - "Oui, M. le baron." - "Alors vous êtes mon homme!" - Und sie machten beide ein brillantes Geschäft. - F. E.} ↩
{Diese Verdopplung und Verdreifachung von Kapital hat in den letzten Jahren sich bedeutend weiterentwickelt, z.B. durch die Financial Trusts, die im Londoner Börsenbericht schon eine besondre Rubrik einnehmen. Es bildet sich eine Gesellschaft zum Ankauf einer gewissen Klasse zinstragender Papiere, sage ausländische Staatspapiere, englische städtische oder amerikanische öffentliche Schuldscheine, Eisenbahnaktien etc. Das Kapital, sage 2 Millionen Pfd.St., wird durch Aktienzeichnung aufgebracht; die Direktion kauft die betr. Werte ein, resp. spekuliert mehr oder weniger aktiv darin, und verteilt den jährlichen Zinsenertrag nach Abzug der Kosten als Dividende unter die Aktionäre. - Ferner ist bei einzelnen Aktiengesellschaften der Brauch aufgekommen, die gewöhnlichen Aktien in zwei Klassen zu teilen, preferred und deferred. Die preferred erhalten eine fixe Verzinsung, sage 5%, vorausgesetzt, daß der Gesamtprofit dies erlaubt; bleibt dann noch etwas übrig, so erhalten es die deferred. Auf diese Weise wird die "solide" Kapitalanlage in den preferred mehr oder weniger von der eigentlichen Spekulation - in den deferred - getrennt. Da nun einzelne große Unternehmungen sich dieser neuen Mode nicht fügen wollen, ist es vorgekommen, daß sich Gesellschaften gebildet haben, die eine oder einige Millionen Pfd.St. in den Aktien jener anlegen und daraufhin für den Nominalwert dieser Aktien neue Aktien ausgeben, aber die eine Hälfte preferred und die andre deferred. In diesen Fällen werden die ursprünglichen Aktien verdoppelt, indem sie zur Grundlage neuer Aktienausgabe dienen. - F. E.} ↩
{Wie sehr sich dies seitdem noch gesteigert, beweist folgende amtliche, der "Daily News" vom 15. Dez. 1892 entlehnte Aufstellung der Bankreserven der fünfzehn größten Londoner Banken im November 1892:
Name der Bank Passiva Pfd.St. Barreserven Pfd.St. In Prozenten City 9.317.629 746.551 8.01 Capital and Counties 11.392.744 1.307.483 11.47 Imperial 3.987.400 447.157 11.21 Lloyds 23.800.937 2.966.806 12.46 London and Westminster 24.671.559 3.818.885 15.50 London and S. Western 5.570.268 812.353 14.58 London Joint Stock 12.127.993 1.288.977 10.62 London and Midland 8.814.499 1.127.280 12.79 London and County 37.111.035 3.600.374 9.70 National 11.163.829 1.426.225 12.77 National Provincial 41.907.384 4.614.780 11.01 Parrs and the Alliance 12.794.489 1.532.707 11.98 Prescott and Co. 4.041.058 538.517 13.07 Union of London 15.502.618 2.300.084 14.84 Williams, Deacon, and Manchester & Co. 10.452.381 1.317.628 12.60 Total 232.655.823 27.845.807 11.97 Von diesen fast 28 Millionen Reserve sind allermindestens 25 Millionen bei der Bank von England deponiert, höchstens 3 Millionen in bar in den Kassenschränken der 15 Banken selbst. Die Barreserve aber des Bankdepartements der Bank von England betrug im selben November 1892 nie volle 16 Millionen! - F. E.} ↩
{Die Suspension des Bankakts von 1844 erlaubt der Bank, beliebige Mengen von Banknoten auszugeben, ohne Rücksicht auf deren Deckung durch den in ihren Händen befindlichen Goldschatz; also beliebige Mengen von papiernem fiktivem Geldkapital zu kreieren und damit den Banken und Wechselmaklern, und durch sie dem Handel, Vorschüsse zu machen.} ↩
"Les fonds publics ne sont autre chose que le capital imaginaire qui représente la partie du revenue annuel affectée à payer la dette. Un capital équivalent a été dissipé; c'est lui qui sert de dénominateur à l'emprunt, mais ce n'est pas lui que le fond public représente; car le capital n'existe plus nulle part. De nouvelles richesses cependant doivent naître du travail de l'industrie; une portion annuelle de ces richesses est assignée par avance à ceux qui ont prêté celles qui ont été détruites; cette portion sera ôtée par les impôts à ceux qui les produisent, pour être donnée aux créanciers de l'État, et d'après la proportion usuelle dans le pays entre le capital et l'intérêt, on suppose un capital imaginaire équivalent à celui dont pourrait naître la rente annuelle que les créanciers doivent recevoir." (Sismondi, "Nouveaux Principes", II, p. 229, 230.) ↩
Ein Teil des akkumulierten verleihbaren Geldkapitals ist in der Tat bloßer Ausdruck von industriellem Kapital. Wenn z.B. England um 1857 in amerikanischen Eisenbahnen und andren Unternehmungen 80 Millionen Pfd.St. angelegt hatte, so wurde diese Anlage fast durchweg vermittelt durch Ausfuhr englischer Waren, wofür die Amerikaner keine Rückzahlung zu machen hatten. Der englische Exporteur zog gegen diese Waren Wechsel auf Amerika, die von den englischen Aktienzeichnern aufgekauft und nach Amerika zur Einzahlung der Aktienbeträge gesandt wurden. ↩
{Wie ich schon an andrer Stelle bemerkt, ist hier seit der letzten großen allgemeinen Krise eine Wendung eingetreten. Die akute Form des periodischen Prozesses mit ihrem bisherigen zehnjährigen Zyklus scheint in eine mehr chronische, länger gezogne, sich auf die verschiednen Industrieländer verschiedenzeitig verteilende Abwechslung von relativ kurzer, matter Geschäftsbesserung mit relativ langem, entscheidungslosem Druck gewichen zu sein. Vielleicht aber handelt es sich nur um eine Ausdehnung der Dauer des Zyklus. In der Kindheit des Welthandels, 1815-1847, lassen sich annähernd fünfjährige Zyklen nachweisen; von 1847-67 ist der Zyklus entschieden zehnjährig; sollten wir uns in der Vorbereitungsperiode eines neuen Weltkrachs von unerhörter Vehemenz befinden? Dahin scheint manches zu deuten. Seit der letzten allgemeinen Krise von 1867 sind große Änderungen eingetreten. Die kolossale Ausdehnung der Verkehrsmittel - ozeanische Dampfschiffe, Eisenbahnen, elektrische Telegraphen, Suezkanal - hat den Weltmarkt erst wirklich hergestellt. Dem früher die Industrie monopolisierenden England sind eine Reihe konkurrierender Industrieländer zur Seite getreten; der Anlage des überschüssigen europäischen Kapitals sind in allen Weltteilen unendlich größere und mannigfaltigere Gebiete eröffnet, so daß es sich weit mehr verteilt und lokale Überspekulation leichter überwunden wird. Durch alles dies sind die meisten alten Krisenherde und Gelegenheiten zur Krisenbildung beseitigt oder stark abgeschwächt. Daneben weicht die Konkurrenz im innern Markt zurück vor den Kartellen und Trusts, während sie auf dem äußeren Markt beschränkt wird durch die Schutzzölle, womit außer England alle großen Industrieländer sich umgeben. Aber diese Schutzzölle selbst sind nichts als die Rüstungen für den schließlichen allgemeinen Industriefeldzug, der über die Herrschaft auf dem Weltmarkt entscheiden soll. So birgt jedes der Elemente, das einer Wiederholung der alten Krisen entgegenstrebt, den Keim einer weit gewaltigeren künftigen Krise in sich. - F. E.} ↩
B.A. 1857, Aussagen von Twells, Bankier: 4516. "Als Bankier machen Sie Geschäfte in Kapital oder in Geld? - Wir handeln in Geld." - 4517. "Wie werden die Depositen in Ihrer Bank eingezahlt? - In Geld." - 4518. "Wie werden sie ausgezahlt? - In Geld. - Kann man also sagen, daß sie etwas andres sind als Geld? - Nein."
Overstone (siehe Kap. XXVI) verwirrt sich fortwährend zwischen "capital" und "money". "Value of money" heißt bei ihm auch Zins, aber soweit er bestimmt ist durch die Masse des Geldes; "value of capital" soll der Zins sein, soweit er bestimmt wird durch die Nachfrage nach produktivem Kapital und durch den Profit, den es abwirft. Er sagt: 4140. "Der Gebrauch des Wortes Kapital ist sehr gefährlich." - 4148. "Die Goldausfuhr aus England ist eine Verminderung der Geldmenge im Lande, und diese muß natürlich vermehrte Nachfrage im Geldmarkt überhaupt verursachen" (hiernach also nicht im Kapitalmarkt). - 4112. "Im Maß, wie das Geld aus dem Lande geht, wird die Menge im Lande vermindert. Diese Verminderung der im Lande bleibenden Menge erzeugt einen gesteigerten Wert dieses Geldes." (Dies bedeutet ursprünglich in seiner Theorie eine durch die Kontraktion der Zirkulation verursachte Wertsteigerung des Geldes als Geld, im Vergleich zu den Warenwerten; wo also diese Steigerung im Wert des Geldes = Fall im Wert der Waren. Da aber in der Zwischenzeit selbst für ihn unwidersprechlich nachgewiesen, daß die Masse des zirkulierenden Geldes nicht die Preise bestimmt, so ist es jetzt die Verminderung des Geldes als Umlaufsmittel, die seinen Wert als zinstragendes Kapital und damit den Zinsfuß steigern soll.) "Und dieser gesteigerte Wert des noch übrigen Geldes tut dem Abfluß Einhalt und dauert fort, bis er soviel Geld zurückgebracht hat, als nötig ist, das Gleichgewicht wiederherzustellen." - Die Fortsetzung der Widersprüche des Overstone weiter unten. ↩
Hier tritt nun die Konfusion ein, daß dies beides "Geld" ist, das Depositum als Anspruch auf Zahlung von seiten des Bankiers und das deponierte Geld in der Hand des Bankiers. Bankier Twells, vor dem Bankausschuß von 1857, nimmt folgendes Beispiel: "Ich fange mein Geschäft an mit 10.000 Pfd.St. Mit 5.000 Pfd.St. kaufe ich Waren und nehme sie auf mein Lager. Die andern 5.000 Pfd.St. deponiere ich bei einem Bankier, um dagegen nach Bedarf zu ziehn. Aber ich betrachte das Ganze immer noch als mein Kapital, obgleich 5.000 Pfd.St. davon sich in der Form von Depositum oder Geld befinden." (4528.) Hieraus entspinnt sich nun folgende artige Debatte: 4531. "Sie haben also Ihre 5.000 Pfd.St. in Banknoten jemand anders gegeben? - Jawohl." - 4532. "Dann hat dieser 5.000 Pfd.St. Depositen? - Jawohl." - 4533. "Und Sie haben 5.000 Pfd.St. Depositen? - Ganz richtig." - 4534. "Er hat 5.000 Pfd.St. in Geld, und Sie haben 5.000 Pfd.St. in Geld? - Jawohl." - 4535. "Aber es ist schließlich nichts als Geld? -Nein." - Die Konfusion rührt z.T. daher: A, der die 5.000 Pfd.St. deponiert hat, kann dagegen ziehn, verfügt über sie, so gut als wenn er sie noch hätte. Sie fungieren soweit für ihn als potentielles Geld. In allen Fällen, wo er dagegen zieht, vernichtet er aber sein Depositum pro tanto. Zieht er wirkliches Geld heraus und ist sein Geld schon weiter verliehen, so wird er nicht mit seinem eignen Geld bezahlt, sondern mit von einem andern deponierten Geld. Zahlt er eine Schuld an B mit einem Scheck auf seinen Bankier und deponiert B diesen Scheck bei seinem Bankier und hat der Bankier von A ebenfalls einen Scheck auf den Bankier von B, so daß die beiden Bankiers nur die Schecks austauschen, so hat das von A deponierte Geld zweimal Geldfunktion verrichtet; erstens in der Hand dessen, der das von A deponierte Geld erhalten hat; zweitens in der Hand von A selbst. In der zweiten Funktion ist es Ausgleichung von Schuldforderung (die Schuldforderung des A auf seinen Bankier und die Schuldforderung des letztern auf den Bankier von B) ohne Dazwischenkunft von Geld. Hier wirkt das Depositum zweimal als Geld, nämlich als wirkliches Geld und sodann als Anspruch auf Geld. Bloße Ansprüche auf Geld können Geldstelle vertreten nur durch Ausgleichung von Schuldforderungen. ↩
Durchschnittliche Anzahl der Tage, während deren eine Banknote in Zirkulation blieb:
Jahr 5 Pfd.St 10 Pfd.St 20-100 Pfd.St 200-500 Pfd.St 1000 Pfd.St 1792 ? 236 209 31 22 1818 148 237 121 18 13 1846 79 71 34 12 8 1856 70 58 27 9 7 (Aufstellung des Kassierers der B. v. E. Marshall im "Report on Bank Acts". 1857. II. Appendix p. 300, 301.) ↩
In der Generalversammlung der Aktionäre der Union Bank of London am 17. Jan. 1894 erzählt der Präsident Herr Ritchie, die Bank v. E. habe 1893 den Diskonto von 2½% (Juli) im August auf 3 und 4%, und da sie trotzdem in vier Wochen volle 4½ Mill. Pfd.St. Gold verloren, auf 5% erhöht, worauf Gold zurückfloß und die Bankrate im Sept. auf 4, im Oktober auf 3% herabgesetzt wurde. Aber diese Bankrate sei im Markt nicht anerkannt worden. "Als die Bankrate 5% war, war die Marktrate 3½% und die Rate für Geld 2½%; als die Bankrate auf 4% fiel, war die Diskontorate 2½% und die Geldrate 1¾%; als die Bankrate 3%, war die Diskontorate 1½% und die Geldrate eine Kleinigkeit niedriger." ("Daily News", 18. Jan. 1894.) - F. E. ↩
Marx, "Zur Kritik der politischen Oekonomie", Berlin 1859, S. 150ff. ↩
Wie dies auf den Geldmarkt wirkte, zeigen folgende Aussagen von W. Newmarch: 1509. "Gegen Ende 1853 fanden beträchtliche Befürchtungen im Publikum statt; im September erhöhte die Bank von England ihren Diskonto dreimal hintereinander ... in den ersten Oktobertagen ... zeigte sich ein bedeutender Grad von Besorgnis und Alarm unter dem Publikum. Diese Befürchtungen und diese Beunruhigung wurden größtenteils gehoben vor Ende November und wurden fast ganz beseitigt durch die Ankunft von 5 Mill. Edelmetall von Australien. Dasselbe wiederholte sich im Herbst 1854 bei Ankunft, im Oktober und November, von beinahe 6 Mill. Edelmetall. Dasselbe wiederholte sich im Herbst 1855, bekanntlich eine Zeit der Aufregung und Beunruhigung, durch die Ankunft von ungefähr 8 Millionen Edelmetall während der Monate September, Oktober und November. Ende 1856 finden wir, daß dasselbe geschieht. Kurz, ich könnte ganz wohl an die Erfahrung fast jedes Mitgliedes des Ausschusses appellieren, ob wir uns nicht schon gewöhnt haben, bei irgendwelcher finanziellen Klemme die natürliche komplette Abhilfe zu sehn in der Ankunft eines Goldschiffs." ↩
Nach Newmarch kann Goldabfluß ins Ausland aus dreierlei Ursachen entspringen und zwar 1. aus rein geschäftlichen Ursachen, d.h. wenn die Einfuhr größer gewesen ist als die Ausfuhr, wie zwischen 1836 und 1844, und wiederum 1847, hauptsächlich starke Korneinfuhr; 2. um die Mittel zu beschaffen für Anlage von englischem Kapital im Ausland, wie 1857 für Eisenbahnen in Indien; und 3. für definitive Verausgabung im Ausland, wie 1853 und 1854 für Kriegszwecke im Orient. ↩
- Newmarch. "Wenn Sie Indien und China zusammennehmen, wenn Sie in Rechnung ziehn die Umsätze zwischen Indien und Australien und die noch wichtigern Umsätze zwischen China und den Vereinigten Staaten, und in diesen Fällen ist das Geschäft ein trianguläres und die Ausgleichung findet statt durch unsere Vermittlung ... dann ist es richtig, daß die Handelsbilanz nicht nur gegen England war, sondern auch gegen Frankreich und die Vereinigten Staaten." - (B.A. 1857.)
Man sehe z.B. die lächerliche Antwort von Weguelin, wo er sagt, daß 5 Mill. weggeflossenes Gold um soviel Kapital weniger ist, und er damit Erscheinungen erklären will, die bei unendlich größern Preissteigerungen oder Entwertungen, Expansionen und Kontraktionen des wirklichen industriellen Kapitals nicht eintreten. Andrerseits ist der Versuch nicht minder lächerlich, diese Erscheinungen direkt als Symptome einer Expansion oder Kontraktion in der Masse des realen Kapitals (seinen stofflichen Elementen nach betrachtet) zu erklären. ↩
Newmarch (B.A. 1857): 1364. "Die Metallreserve in der Bank v. E. ist in Wahrheit ... die Zentralreserve oder der Zentralmetallschatz, auf Grund wovon das ganze Geschäft des Landes betrieben wird. Sie ist sozusagen der Angelpunkt, um den das ganze Geschäft des Landes sich zu drehn hat; alle andern Banken im Lande betrachten die Bank von England als den Zentralschatz oder das Reservoir, von wo sie ihre Reserve von Hartgeld zu ziehn haben; und die Wirkung der auswärtigen Wechselkurse fällt stets grade auf diesen Schatz und dies Reservoir." ↩
"Praktisch also würden beide, Tooke und Loyd, einer übergroßen Nachfrage nach Gold begegnen durch eine frühzeitige Einschränkung der Kredite vermittelst Erhöhung des Zinsfußes und Verminderung des Kapitalvorschusses. Nur verursacht Loyd durch seine Illusion lästige und selbst gefährliche {gesetzliche} Beschränkungen und Vorschriften." ("Economist", 1847, p. 1418.) ↩
"Sie stimmen ganz damit überein, daß es keinen Weg gibt, die Nachfrage nach Gold zu modifizieren, als durch Erhöhung des Zinsfußes?" - Chapman {Associé der großen Billbrokerfirma Overend, Gurney & Co.}: "Das ist meine Ansicht. Wenn unser Gold auf einen gewissen Punkt fällt, tun wir am besten, sogleich die Sturmglocke zu läuten und zu sagen: Wir sind im Niedergang, und wer Gold ins Ausland schickt, muß es auf seine eigne Gefahr tun." - B.A. 1857, Evid. Nr. 5057. ↩
"Es ist infolge häufiger Versetzungen und Einlösungen im selben Monat und durch Versatz eines Artikels, um einen andern herauszunehmen und dabei eine kleine Gelddifferenz zu erhalten, daß der Pfandhauszins so übermäßig wird. In London sind 240 konzessionierte Pfandverleiher und in der Provinz ungefähr 450. Das angewandte Kapital wird auf ungefähr 1 Mill. geschätzt. Es wird wenigstens dreimal im Jahre umgeschlagen und jedesmal im Durchschnitt für 33½% so daß die untern Klassen von England 100% jährlich bezahlen für den temporären Vorschuß einer Million, abgesehn von dem Verlust durch verwirkte Auslösungsfrist versetzter Artikel." (J. D. Tuckett, "A History of the Past and Present State of the Labouring Population", London 1846,I, p. 114.) ↩
Selbst in den Titeln ihrer Werke gaben sie als Hauptzweck an "das allgemeine Wohl der Grundbesitzer, die große Steigerung des Wertes von Grundbesitz, die Befreiung des Adels und der gentry etc. von Steuern, die Vermehrung ihres jährlichen Einkommens etc." Nur die Wucherer würden verlieren, diese schlimmsten Feinde der Nation, die dem Adel und der yeomanry mehr Schaden getan, als eine Invasionsarmee aus Frankreich hätte tun können. ↩
"Karl II. von England z.B. hatte noch enorme Wucherzinsen und Agios an 'die Goldschmiede'" (die Vorläufer der Bankiers) "zu zahlen, 20-30%. Ein so profitliches Geschäft veranlaßte 'die Goldschmiede', mehr und mehr dem Könige Vorschüsse zu machen, die gesamten Steuereingänge zu antizipieren, jede parlamentarische Geldbewilligung in Pfand zu nehmen, sobald sie gemacht war, auch miteinander zu wetteifern im Aufkauf und Pfandnahme von bills, orders und tallies, so daß in Wirklichkeit sämtliche Staatseinnahmen durch ihre Hand gingen." (John Francis, "History of the Bank of England", London 1848, I., p. 30, 31.) "Die Errichtung einer Bank war schon früher manchmal vorgeschlagen. Sie war endlich notwendig geworden." (l.c.p. 38.) "Die Bank war schon nötig allein für die von den Wucherern ausgesaugte Regierung, um Geld zu einem erträglichen Zinsfuß zu erhalten, auf die Sicherheit von parlamentarischen Bewilligungen." (l.c.p. 59, 60.) ↩
Bei der Überarbeitung des Manuskripts hätte Marx diese Stelle unbedingt stark modifiziert. Sie ist inspiriert durch die Rolle der Ex-Saint-Simonisten unter dem zweiten Kaiserreich in Frankreich, wo grade, als Marx obiges schrieb, die welterlösenden Kreditphantasien der Schule kraft der geschichtlichen Ironie sich realisierten als Schwindel auf bisher unerhörter Potenz. Später sprach Marx nur mit Bewunderung vom Genie und enzyklopädischen Kopf Saint-Simons. Wenn dieser in seinen frühern Schriften den Gegensatz zwischen der Bourgeoisie und dem in Frankreich eben erst entstehenden Proletariat ignorierte, wenn er den in der Produktion tätigen Teil der Bourgeoisie mit zu den travailleurs rechnete, so entspricht dies der Auffassung Fouriers, der Kapital und Arbeit versöhnen wollte, und erklärt sich aus der ökonomischen und politischen Lage des damaligen Frankreichs. Wenn Owen hier weiter sah, so, weil er in einem andern umgebenden Mittel lebte, inmitten der industriellen Revolution und dem sich bereits akut zuspitzenden Klassengegensatz. - F. E. ↩
Karl Marx, "Misère de la Philosophie", Bruxelles et Paris 1847. - Karl Marx. "Kritik der Polit. Oekonomie", p. 64 ↩