Karl Marx, Das Kapital. Kritik der politischen Ökonomie. Dritter Band. Buch III: Der Gesamtprozeß der kapitalistischen Produktion. Herausgegeben von Friedrich Engels; erste Auflage: Hamburg, Otto Meissner, 1894. Text nach MEW 25 (Berlin 1964), verglichen mit MEGA II/15. Traducción al español
Vorwort und Nachtrag · I · II · III · IV · V · VI · VII · Erster Band · Zweiter Band
Sechzehntes Kapitel. Das Warenhandlungskapital
Das kaufmännische oder Handelskapital zerfällt in zwei Formen oder Unterarten, Warenhandlungskapital und Geldhandlungskapital, die wir jetzt näher charakterisieren werden, soweit es zur Analyse des Kapitals in seiner Kernstruktur nötig ist. Und es ist um so nötiger, als die moderne Ökonomie, selbst in ihren besten Repräsentanten, das Handelskapital direkt mit dem industriellen Kapital zusammenwirft und seine charakteristischen Eigentümlichkeiten in der Tat ganz übersieht.
Die Bewegung des Warenkapitals ist in Buch II analysiert worden. Das Gesamtkapital der Gesellschaft betrachtet, befindet sich stets ein Teil desselben, obgleich aus stets andren Elementen zusammengesetzt und selbst von wechselnder Größe, als Ware auf dem Markt, um in Geld überzugehn; ein andrer Teil in Geld auf dem Markt, um in Ware überzugehn. Es ist stets in der Bewegung dieses Übergehns, dieser formellen Metamorphose begriffen. Sofern diese Funktion des im Zirkulationsprozeß befindlichen Kapitals überhaupt als besondre Funktion eines besondren Kapitals verselbständigt wird, sich fixiert als eine durch die Teilung der Arbeit einer besondren Gattung von Kapitalisten zugewiesene Funktion, wird das Warenkapital zum Warenhandlungskapital oder kommerziellen Kapital.
Es ist (Buch II, Kap. VI, die Zirkulationskosten, 2 und 3) auseinandergesetzt worden, wieweit Transportindustrie, Aufbewahrung und Verteilung der Waren in einer distributablen Form als Produktionsprozesse zu betrachten sind, die innerhalb des Zirkulationsprozesses fortdauern. Diese Zwischenfälle der Zirkulation des Warenkapitals werden zum Teil verwechselt mit den eigentümlichen Funktionen des kaufmännischen oder Warenhandlungskapitals; zum Teil finden sie sich mit dessen eigentümlichen spezifischen Funktionen in der Praxis verbunden, obgleich mit der Entwicklung der gesellschaftlichen Teilung der Arbeit die Funktion des Kaufmannskapitals sich auch rein herausarbeitet, d.h. geschieden von jenen realen Funktionen und selbständig gegen sie. Für unsern Zweck, wo es gilt, die spezifische Differenz dieser besondren Gestalt des Kapitals zu bestimmen, ist von jenen Funktionen also zu abstrahieren. Soweit das bloß im Zirkulationsprozeß fungierende Kapital, speziell das Warenhandlungskapital, zum Teil jene Funktionen mit den seinen verbindet, tritt es nicht in seiner reinen Form hervor. Nach der Abstreifung und Entfernung jener Funktionen haben wir die reine Form desselben.
Man hat gesehn, daß das Dasein des Kapitals als Warenkapital und die Metamorphose, die es innerhalb der Zirkulationssphäre, auf dem Markt, als Warenkapital durchläuft - eine Metamorphose, die sich in Kaufen und Verkaufen auflöst, Verwandlung von Warenkapital in Geldkapital und von Geldkapital in Warenkapital -, eine Phase des Reproduktionsprozesses des industriellen Kapitals bildet, also seines Gesamtproduktionsprozesses; daß es sich zugleich aber in dieser seiner Funktion als Zirkulationskapital von sich selbst als produktivem Kapital unterscheidet. Es sind zwei gesonderte, unterschiedne Existenzformen desselben Kapitals. Ein Teil des gesellschaftlichen Gesamtkapitals befindet sich fortwährend in dieser Existenzform als Zirkulationskapital auf dem Markt, im Prozeß dieser Metamorphose begriffen, obgleich für jedes einzelne Kapital sein Dasein als Warenkapital und seine Metamorphose als solches nur einen beständig verschwindenden und beständig erneuerten Durchgangspunkt, ein Durchgangsstadium der Kontinuität seines Produktionsprozesses bildet und obgleich daher die Elemente des auf dem Markt befindlichen Warenkapitals beständig wechseln, indem sie beständig dem Warenmarkt entzogen und ihm ebenso beständig als neues Produkt des Produktionsprozesses zurückgegeben werden.
Das Warenhandlungskapital nun ist nichts als die verwandelte Form eines Teils dieses beständig auf dem Markt befindlichen, in dem Prozeß der Metamorphose befindlichen und stets von der Zirkulationssphäre umfangenen Zirkulationskapitals. Wir sagen eines Teils, weil ein Teil des Warenverkaufs und -kaufs beständig direkt zwischen den industriellen Kapitalisten selbst vorgeht. Von diesem Teil abstrahieren wir ganz in dieser Untersuchung, da er zur Begriffsbestimmung, zur Einsicht in die spezifische Natur des Kaufmannskapitals nicht beiträgt und andrerseits für unsern Zweck erschöpfend bereits im Buch II dargestellt worden.
Der Warenhändler, als Kapitalist überhaupt, tritt zunächst auf den Markt als Repräsentant einer gewissen Geldsumme, die er als Kapitalist vorschießt, d.h., die er aus x (dem ursprünglichen Wert der Summe) in x + Δx (diese Summe plus dem Profit darauf) verwandeln will. Aber für ihn nicht nur als Kapitalisten überhaupt, sondern speziell als Warenhändler ist es selbstredend, daß sein Kapital ursprünglich in der Form des Geldkapitals auf dem Markt erscheinen muß, denn er produziert keine Waren, sondern handelt nur mit ihnen, vermittelt ihre Bewegung, und um mit ihnen zu handeln, muß er sie zuerst kaufen, also Besitzer von Geldkapital sein.
Gesetzt, ein Warenhändler besitze 3.000 Pfd.St., die er als Handlungskapital verwertet. Er kauft mit diesen 3.000 Pfd.St. z.B. 30.000 Ellen Leinwand vom Leinwandfabrikanten, die Elle zu 2 sh. Er verkauft diese 30.000 Ellen. Wenn die jährliche Durchschnittsprofitrate = 10% und er nach Abzug aller Nebenkosten 10% jährlichen Profit macht, so hat er am Ende des Jahrs die 3.000 Pfd.St. in 3.300 Pfd.St. verwandelt. Wie er diesen Profit macht, ist eine Frage, die wir erst später behandeln. Hier wollen wir zunächst die bloße Form der Bewegung seines Kapitals betrachten. Er kauft mit den 3.000 Pfd.St. beständig Leinwand und verkauft beständig diese Leinwand; wiederholt beständig diese Operation des Kaufens, um zu verkaufen, G - W - G′, die einfache Form des Kapitals, wie es ganz in den Zirkulationsprozeß gebannt ist, ohne durch das Intervall des Produktionsprozesses, der außerhalb seiner eignen Bewegung und Funktion liegt, unterbrochen zu werden.
Welches ist nun das Verhältnis dieses Warenhandlungskapitals zum Warenkapital als einer bloßen Existenzform des industriellen Kapitals? Was den Leinwandfabrikanten betrifft, so hat er mit dem Geld des Kaufmanns den Wert seiner Leinwand realisiert, die erste Phase der Metamorphose seines Warenkapitals, dessen Verwandlung in Geld, vollzogen und kann nun, bei sonst gleichbleibenden Umständen, das Geld rückverwandeln in Garn, Kohle, Arbeitslohn etc., andrerseits in Lebensmittel etc. zum Verzehr seiner Revenue; also, abgesehn von der Revenueausgabe, im Reproduktionsprozeß fortfahren.
Aber obgleich für ihn, den Produzenten der Leinwand, ihre Metamorphose in Geld, ihr Verkauf stattgefunden hat, hat sie noch nicht stattgefunden für die Leinwand selbst. Sie befindet sich nach wie vor auf dem Markt als Warenkapital mit der Bestimmung, ihre erste Metamorphose zu vollziehn, verkauft zu werden. Mit dieser Leinwand hat sich nichts zugetragen als ein Wechsel in der Person ihres Besitzers. Ihrer eignen Bestimmung nach, ihrer Stellung im Prozeß nach, ist sie nach wie vor Warenkapital, verkäufliche Ware; nur daß sie jetzt in der Hand des Kaufmanns, statt früher des Produzenten ist. Die Funktion, sie zu verkaufen, die erste Phase ihrer Metamorphose zu vermitteln, ist dem Produzenten durch den Kaufmann abgenommen und in sein besondres Geschäft verwandelt worden, während es früher eine Funktion war, die dem Produzenten zu verrichten blieb, nachdem er die Funktion, sie zu produzieren, erledigt hatte.
Gesetzt, es gelinge dem Kaufmann nicht, die 30.000 Ellen zu verkaufen während des Intervalls, das der Leinwandproduzent braucht, um von neuem 30.000 Ellen zum Wert von 3.000 Pfd.St. auf den Markt zu werfen. Der Kaufmann kann sie nicht von neuem kaufen, weil er noch die 30.000 unverkauften Ellen auf Lager hat und sie ihm noch nicht rückverwandelt sind in Geldkapital. Es tritt dann Stockung ein, Unterbrechung der Reproduktion. Der Leinwandproduzent könnte allerdings zuschüssiges Geldkapital zur Verfügung haben, das er, unabhängig vom Verkauf der 30.000 Ellen, fähig wäre, in produktives Kapital zu verwandeln und so den Produktionsprozeß fortzuführen. Aber diese Unterstellung ändert an der Sache nichts. Soweit das in den 30.000 Ellen vorgeschoßne Kapital in Betracht kommt, ist und bleibt dessen Reproduktionsprozeß unterbrochen. Hier zeigt es sich also in der Tat handgreiflich, daß die Operationen des Kaufmanns weiter nichts sind als die Operationen, die überhaupt verrichtet werden müssen, um das Warenkapital des Produzenten in Geld zu verwandeln, die Operationen, welche die Funktionen des Warenkapitals im Zirkulations- und Reproduktionsprozeß vermitteln. Wenn statt eines unabhängigen Kaufmanns ein bloßer Kommis des Produzenten sich ausschließlich mit diesem Verkauf, und außerdem mit dem Einkauf, zu beschäftigen hätte, wäre dieser Zusammenhang keinen Augenblick versteckt.
Das Warenhandlungskapital ist also durchaus nichts andres als das Warenkapital des Produzenten, das den Prozeß seiner Verwandlung in Geld durchzumachen, seine Funktion als Warenkapital auf dem Markt zu verrichten hat, nur daß diese Funktion statt als beiläufige Operation des Produzenten nun als ausschließliche Operation einer besondren Gattung von Kapitalisten, der Warenhändler, erscheint, verselbständigt wird als Geschäft einer besondren Kapitalanlage.
Übrigens zeigt sich dies auch in der spezifischen Form der Zirkulation des Warenhandlungskapitals. Der Kaufmann kauft die Ware und verkauft sie dann: G - W - G′. In der einfachen Warenzirkulation oder selbst in der Warenzirkulation, wie sie als Zirkulationsprozeß des industriellen Kapitals erscheint, W′ - G - W, wird die Zirkulation dadurch vermittelt, daß jedes Geldstück zweimal die Hände wechselt. Der Leinwandproduzent verkauft seine Ware, die Leinwand, verwandelt sie in Geld; das Geld des Käufers geht in seine Hand über. Mit diesem selben Geld kauft er Garn, Kohle, Arbeit etc., gibt dasselbe Geld wieder aus, um den Wert der Leinwand rückzuverwandeln in die Waren, die die Produktionselemente der Leinwand bilden. Die Ware, die er kauft, ist nicht dieselbe Ware, nicht Ware derselben Art, wie die, die er verkauft. Er hat Produkte verkauft und Produktionsmittel gekauft. Aber es verhält sich anders in der Bewegung des Kaufmannskapitals. Mit den 3.000 Pfd.St. kauft der Leinwandhändler 30.000 Ellen Leinwand; er verkauft dieselben 30.000 Ellen Leinwand, um das Geldkapital (3.000 Pfd.St. nebst Profit) aus der Zirkulation zurückzuziehn. Hier wechseln also nicht dieselben Geldstücke, sondern dieselbe Ware zweimal die Stelle; sie geht aus der Hand des Verkäufers in die des Käufers und aus der Hand des Käufers, der nun Verkäufer geworden, in die eines andren Käufers über. Sie wird zweimal verkauft und kann noch mehrmals verkauft werden bei Zwischenschieben einer Reihe von Kaufleuten; und gerade erst durch diesen wiederholten Verkauf, den zweimaligen Stellenwechsel derselben Ware, wird das im Ankauf der Ware vorgeschoßne Geld vom ersten Käufer zurückgezogen, der Rückfluß desselben zu ihm vermittelt. In dem einen Fall W′ - G - W vermittelt der zweimalige Stellenwechsel desselben Geldes, daß Ware in einer Gestalt veräußert und in einer andren Gestalt angeeignet wird. In dem andren Fall G - W - G′ vermittelt der zweimalige Stellenwechsel derselben Ware, daß das vorgeschoßne Geld wieder aus der Zirkulation zurückgezogen wird. Es zeigt sich eben darin, daß die Ware noch nicht endgültig verkauft wird, sobald sie aus der Hand des Produzenten in die des Kaufmanns übergegangen, daß der letztre die Operation des Verkaufs - oder die Vermittlung der Funktion des Warenkapitals - nur weiter fortführt. Es zeigt sich aber zugleich darin, daß, was für den produktiven Kapitalisten W - G, eine bloße Funktion seines Kapitals in seiner vorübergehenden Gestalt als Warenkapital, für den Kaufmann G - W - G′, eine besondre Verwertung des von ihm vorgeschoßnen Geldkapitals ist. Eine Phase der Warenmetamorphose zeigt sich hier, mit Bezug auf den Kaufmann, als G - W - G′, also als Evolution einer eignen Sorte von Kapital.
Der Kaufmann verkauft definitiv die Ware, also die Leinwand, an den Konsumenten, ob dies nun ein produktiver Konsument sei (z.B. ein Bleicher) oder ein individueller, der die Leinwand zu seinem Privatgebrauch vernutzt. Dadurch kehrt ihm das vorgeschoßne Kapital (mit Profit) zurück, und er kann die Operation von neuem beginnen. Hätte beim Kauf der Leinwand das Geld nur als Zahlungsmittel fungiert, so daß er erst sechs Wochen nach Abnahme zu zahlen brauchte, und hätte er vor dieser Zeit verkauft, so könnte er den Leinwandproduzenten zahlen, ohne selbst Geldkapital vorgeschossen zu haben. Hätte er sie nicht verkauft, so müßte er die 3.000 Pfd.St. bei Verfall, statt sogleich bei Ablieferung der Leinwand an ihn, vorschießen; und hätte er wegen eines Falls der Marktpreise sie unter dem Einkaufspreis verkauft, so müßte er den fehlenden Teil aus seinem eignen Kapital ersetzen.
Was gibt nun dem Warenhandlungskapital den Charakter eines selbständig fungierenden Kapitals, während es in der Hand des selbstverkaufenden Produzenten augenscheinlich nur als eine besondre Form seines Kapitals in einer besondren Phase seines Reproduktionsprozesses, während seines Aufenthalts in der Zirkulationssphäre, erscheint?
Erstens: Daß das Warenkapital in der Hand eines, von seinem Produzenten verschiednen, Agenten seine definitive Verwandlung in Geld, also seine erste Metamorphose, seine ihm qua Warenkapital zukommende Funktion auf dem Markt vollzieht und daß diese Funktion des Warenkapitals vermittelt ist durch die Operation des Kaufmanns, durch sein Kaufen und Verkaufen, so daß diese Operation als eignes, von den übrigen Funktionen des industriellen Kapitals getrenntes und daher verselbständigtes Geschäft sich gestaltet. Es ist eine besondre Form der gesellschaftlichen Teilung der Arbeit, so daß ein Teil der sonst in einer besondren Phase des Reproduktionsprozesses des Kapitals, hier der Zirkulation, zu verrichtenden Funktion als die ausschließliche Funktion eines eignen, vom Produzenten unterschiednen Zirkulationsagenten erscheint. Aber damit erschiene dies besondre Geschäft noch keineswegs als die Funktion eines besondren, von dem in seinem Reproduktionsprozeß begriffnen industriellen Kapital verschiednen, und gegen es selbständigen Kapitals; wie es denn in der Tat nicht als solches da erscheint, wo der Warenhandel betrieben wird durch bloße Handelsreisende oder andre direkte Agenten des industriellen Kapitalisten. Es muß also noch ein zweites Moment hinzukommen.
Zweitens: Dies kommt dadurch herein, daß der selbständige Zirkulationsagent, der Kaufmann, Geldkapital (eignes oder geliehenes) in dieser Position vorschießt. Was für das in seinem Reproduktionsprozeß befindliche industrielle Kapital sich einfach als W - G, Verwandlung des Warenkapitals in Geldkapital oder bloßen Verkauf darstellt, stellt sich für den Kaufmann dar als G - W - G′, als Kauf und Verkauf derselben Ware und daher als Rückfluß des Geldkapitals, das sich im Kauf von ihm entfernt, zu ihm zurück durch den Verkauf.
Es ist immer W - G, die Verwandlung des Warenkapitals in Geldkapital, das sich für den Kaufmann als G - W - G darstellt, sofern er Kapital vorschießt, im Kauf der Ware von den Produzenten; immer die erste Metamorphose des Warenkapitals, obgleich derselbe Akt für einen Produzenten oder für das in seinem Reproduktionsprozeß befindliche industrielle Kapital sich als G - W, Rückverwandlung des Gelds in Ware (die Produktionsmittel) oder als zweite Phase der Metamorphose darstellen mag. Für den Leinwandproduzenten war W - G die erste Metamorphose, Verwandlung des Warenkapitals in Geldkapital. Dieser Akt stellt sich für den Kaufmann dar als G - W, Verwandlung seines Geldkapitals in Warenkapital. Verkauft er nun die Leinwand an den Bleicher, so stellt dies für den Bleicher dar G - W, Verwandlung von Geldkapital in produktives Kapital oder die zweite Metamorphose seines Warenkapitals; für den Kaufmann aber W - G, den Verkauf der von ihm gekauften Leinwand. In der Tat ist aber erst jetzt das Warenkapital, das der Leinwandfabrikant fabriziert hat, endgültig verkauft, oder dies G - W - G des Kaufmanns stellt nur einen vermittelnden Prozeß dar für das W - G zwischen zwei Produzenten. Oder nehmen wir an, der Leinwandfabrikant kauft mit einem Teil des Werts der verkauften Leinwand Garn von einem Garnhändler. So ist dies für ihn G - W. Aber für den Kaufmann, der das Garn verkauft, ist es W - G, Wiederverkauf des Garns; und in bezug auf das Garn selbst, als Warenkapital, ist es nur sein definitiver Verkauf, womit es aus der Zirkulationssphäre in die Konsumtionssphäre übertritt; W - G, der endgültige Abschluß seiner ersten Metamorphose. Ob der Kaufmann also vom industriellen Kapitalisten kauft oder an ihn verkauft, sein G - W - G, der Kreislauf des Kaufmannskapitals, drückt immer nur aus, was mit Bezug auf das Warenkapital selbst, als Durchgangsform des sich reproduzierenden industriellen Kapitals bloß W - G, bloß die Vollziehung seiner ersten Metamorphose ist. Das G - W des Kaufmannskapitals ist nur für den industriellen Kapitalisten zugleich W - G, nicht aber für das von ihm produzierte Warenkapital: es ist nur Übergang des Warenkapitals aus der Hand des Industriellen in die des Zirkulationsagenten; erst das W - G des Kaufmannskapitals ist das endgültige W - G des fungierenden Warenkapitals. G - W - G sind nur zwei W - G desselben Warenkapitals, zwei sukzessive Verkäufe desselben, die seinen letzten und definitiven Verkauf nur vermitteln.
Das Warenkapital nimmt also im Warenhandlungskapital dadurch die Gestalt einer selbständigen Sorte von Kapital an, daß der Kaufmann Geldkapital vorschießt, das sich nur als Kapital verwertet, nur als Kapital fungiert, indem es ausschließlich damit beschäftigt ist, die Metamorphose des Warenkapitals, seine Funktion als Warenkapital, d.h. seine Verwandlung in Geld zu vermitteln, und es tut dies durch beständigen Kauf und Verkauf von Waren. Dies ist seine ausschließliche Operation; diese den Zirkulationsprozeß des industriellen Kapitals vermittelnde Tätigkeit ist die ausschließliche Funktion des Geldkapitals, womit der Kaufmann operiert. Durch diese Funktion verwandelt er sein Geld in Geldkapital, stellt sein G dar als G - W - G′, und durch denselben Prozeß verwandelt er das Warenkapital in Warenhandlungskapital.
Das Warenhandlungskapital, sofern und solange es in der Form des Warenkapitals existiert - den Reproduktionsprozeß des gesellschaftlichen Gesamtkapitals betrachtet -, ist augenscheinlich nichts andres als der noch auf dem Markt befindliche, im Prozeß seiner Metamorphose begriffene Teil des industriellen Kapitals, der jetzt als Warenkapital existiert und fungiert. Es ist also nur das vom Kaufmann vorgeschoßne Geldkapital, das ausschließlich zum Kauf und Verkauf bestimmt ist, daher nie andre Form als die des Warenkapitals und Geldkapitals, nie die des produktiven Kapitals annimmt und stets in der Zirkulationssphäre des Kapitals eingepfercht bleibt - es ist nur dies Geldkapital, was jetzt zu betrachten ist mit Bezug auf den gesamten Reproduktionsprozeß des Kapitals.
Sobald der Produzent, der Leinwandfabrikant, seine 30.000 Ellen an den Kaufmann für 3.000 Pfd.St. verkauft hat, kauft er mit dem so gelösten Geld die nötigen Produktionsmittel, und sein Kapital geht wieder in den Produktionsprozeß ein; sein Produktionsprozeß kontinuiert, geht ununterbrochen fort. Für ihn hat die Verwandlung seiner Ware in Geld stattgefunden. Aber für die Leinwand selbst hat die Verwandlung, wie wir sahen, noch nicht stattgefunden. Sie ist noch nicht endgültig in Geld rückverwandelt, noch nicht als Gebrauchswert, sei es in die produktive, sei es in die individuelle Konsumtion eingegangen. Der Leinwandhändler repräsentiert jetzt auf dem Markt dasselbe Warenkapital, das der Leinwandproduzent dort ursprünglich repräsentierte. Für diesen ist der Prozeß der Metamorphose abgekürzt, aber nur, um in der Hand des Kaufmanns fortzudauern.
Müßte der Leinwandproduzent warten, bis seine Leinwand wirklich aufgehört hat, Ware zu sein, bis sie an den letzten Käufer, den produktiven oder individuellen Konsumenten übergegangen ist, so wäre sein Reproduktionsprozeß unterbrochen. Oder um ihn nicht zu unterbrechen, hätte er seine Operationen einschränken müssen, einen geringern Teil seiner Leinwand in Garn, Kohlen, Arbeit etc., kurz in die Elemente des produktiven Kapitals verwandeln und einen größern Teil davon als Geldreserve bei sich behalten müssen, damit, während ein Teil seines Kapitals sich als Ware auf dem Markt befindet, ein andrer Teil den Produktionsprozeß fortsetzen könne, so daß, wenn dieser als Ware auf den Markt tritt, jener in Geldform zurückfließt. Diese Teilung seines Kapitals wird durch die Dazwischenkunft des Kaufmanns nicht beseitigt. Aber ohne letztre müßte der in Form von Geldreserve vorhandne Teil des Zirkulationskapitals stets größer sein im Verhältnis zu dem in Form von produktivem Kapital beschäftigten Teil und dementsprechend die Stufenleiter der Reproduktion beschränkt werden. Statt dessen kann der Produzent nun einen größern Teil seines Kapitals beständig im eigentlichen Produktionsprozeß anwenden, einen geringern als Geldreserve.
Dafür befindet sich aber nun ein andrer Teil des gesellschaftlichen Kapitals, in der Form des Kaufmannskapitals, beständig innerhalb der Zirkulationssphäre. Er ist stets nur angewandt, um Ware zu kaufen und zu verkaufen. Es scheint so nur ein Wechsel der Personen vorgegangen zu sein, die dies Kapital in der Hand haben.
Wendete der Kaufmann, statt für 3.000 Pfd.St. Leinwand zu kaufen, in der Absicht, sie wieder zu verkaufen, diese 3.000 Pfd.St. selbst produktiv an, so wäre das produktive Kapital der Gesellschaft vergrößert. Allerdings müßte dann der Leinwandproduzent einen bedeutendern Teil seines Kapitals als Geldreserve festhalten, und ebenso der jetzt in einen industriellen Kapitalisten verwandelte Kaufmann. Andrerseits, wenn der Kaufmann Kaufmann bleibt, so spart der Produzent Zeit im Verkaufen, die er zur Überwachung des Produktionsprozesses anwenden kann, während der Kaufmann seine ganze Zeit im Verkaufen verwenden muß.
Falls das Kaufmannskapital nicht seine notwendigen Proportionen überschreitet, ist anzunehmen:
daß infolge der Teilung der Arbeit das Kapital, das sich ausschließlich mit Kaufen und Verkaufen beschäftigt (und es gehört hierzu außer dem Geld zum Ankauf von Waren das Geld, das ausgelegt werden muß in der zum Betrieb des kaufmännischen Geschäfts notwendigen Arbeit, im konstanten Kapital des Kaufmanns, Lagergebäuden, Transport etc.), kleiner ist, als es wäre, wenn der industrielle Kapitalist den ganzen kaufmännischen Teil seines Geschäfts selbst betreiben müßte;
daß, weil der Kaufmann ausschließlich mit diesem Geschäft sich befaßt, nicht nur für den Produzenten seine Ware früher in Geld verwandelt wird, sondern das Warenkapital selbst rascher seine Metamorphose durchmacht, als es in der Hand des Produzenten tun würde;
daß, das gesamte Kaufmannskapital im Verhältnis zum industriellen Kapital betrachtet, ein Umschlag des Kaufmannskapitals nicht nur die Umschläge vieler Kapitale in einer Produktionssphäre, sondern die Umschläge einer Anzahl von Kapitalen in verschiednen Produktionssphären vorstellen kann. Das erstere ist der Fall, wenn z.B. der Leinwandhändler, nachdem er mit seinen 3.000 Pfd.St. das Produkt eines Leinwandproduzenten gekauft und wieder verkauft hat, bevor derselbe Produzent dasselbe Quantum Waren wieder auf den Markt wirft, das Produkt eines andren oder mehrerer Leinwandproduzenten kauft und dies wieder verkauft, so die Umschläge verschiedner Kapitale in derselben Produktionssphäre vermittelnd. Das zweite, wenn der Kaufmann, z.B. nach dem Verkauf der Leinwand, nun Seide kauft, also den Umschlag eines Kapitals in einer andern Produktionssphäre vermittelt.
Im allgemeinen ist zu bemerken: Der Umschlag des industriellen Kapitals ist nicht nur durch die Umlaufszeit, sondern auch durch die Produktionszeit beschränkt. Der Umschlag des Kaufmannskapitals, soweit es nur mit einer bestimmten Warensorte handelt, ist beschränkt nicht durch den Umschlag eines industriellen Kapitals, sondern durch den aller industriellen Kapitale in demselben Produktionszweig. Nachdem der Kaufmann die Leinwand des einen gekauft und verkauft, kann er die des andren kaufen und verkaufen, bevor der erste wieder eine Ware auf den Markt wirft. Dasselbe Kaufmannskapital kann also nacheinander die verschiednen Umschläge der in einem Produktionszweig angelegten Kapitale vermitteln; so daß sein Umschlag nicht identisch ist mit den Umschlägen eines einzelnen industriellen Kapitals und daher nicht bloß die eine Geldreserve ersetzt, die dieser einzelne industrielle Kapitalist in petto haben müßte. Der Umschlag des Kaufmannskapitals in einer Produktionssphäre ist natürlich durch deren Gesamtproduktion beschränkt. Aber er ist nicht beschränkt durch die Grenzen der Produktion oder die Umschlagszeit des einzelnen Kapitals derselben Sphäre, soweit diese Umschlagszeit durch die Produktionszeit gegeben ist. Gesetzt, A liefre eine Ware, die drei Monate zu ihrer Produktion braucht. Nachdem der Kaufmann sie gekauft und verkauft, sage in einem Monat, kann er dasselbe Produkt eines andren Produzenten kaufen und verkaufen. Oder nachdem er z.B. das Getreide eines Pächters verkauft, kann er mit demselben Geld das des zweiten kaufen und verkaufen usw. Der Umschlag seines Kapitals ist begrenzt durch die Masse Getreide, die er nacheinander in einer gegebnen Zeit, z.B. einem Jahr, kaufen und verkaufen kann, während der Umschlag des Pächterkapitals, abgesehn von der Umlaufszeit, beschränkt ist durch die Produktionszeit, die ein Jahr dauert.
Der Umschlag desselben Kaufmannskapitals kann aber ebensogut die Umschläge von Kapitalen in verschiednen Produktionszweigen vermitteln.
Soweit dasselbe Kaufmannskapital in verschiednen Umschlägen dazu dient, verschiedne Warenkapitale sukzessive in Geld zu verwandeln, sie also der Reihe nach kauft und verkauft, verrichtet es als Geldkapital dieselbe Funktion gegenüber dem Warenkapital, die das Geld überhaupt durch die Anzahl seiner Umläufe in einer gegebnen Periode gegenüber den Waren verrichtet.
Der Umschlag des Kaufmannskapitals ist nicht identisch mit dem Umschlag oder der einmaligen Reproduktion eines gleich großen industriellen Kapitals; er ist vielmehr gleich der Summe der Umschläge einer Anzahl solcher Kapitale, sei es in derselben, sei es in verschiednen Produktionssphären. Je rascher das Kaufmannskapital umschlägt, um so kleiner, je langsamer es umschlägt, um so größer ist der Teil des gesamten Geldkapitals, das als Kaufmannskapital figuriert. Je unentwickelter die Produktion, desto größer die Summe des Kaufmannskapitals im Verhältnis zur Summe der überhaupt in Zirkulation geworfnen Waren; desto kleiner aber ist es absolut oder verglichen mit entwickeltern Zuständen. Umgekehrt, umgekehrt. In solchen unentwickelten Zuständen befindet sich daher der größte Teil des eigentlichen Geldkapitals in den Händen der Kaufleute, deren Vermögen so den andren gegenüber das Geldvermögen bildet.
Die Geschwindigkeit der Zirkulation des vom Kaufmann vorgeschoßnen Geldkapitals hängt ab: 1. von der Geschwindigkeit, womit sich der Produktionsprozeß erneuert und die verschiednen Produktionsprozesse ineinandergreifen; 2. von der Geschwindigkeit der Konsumtion.
Es ist nicht nötig, daß das Kaufmannskapital bloß den oben betrachteten Umschlag durchmacht, für seinen ganzen Wertumfang erst Ware zu kaufen und sie dann zu verkaufen. Sondern der Kaufmann macht gleichzeitig beide Bewegungen durch. Sein Kapital teilt sich dann in zwei Teile. Der eine besteht aus Warenkapital und der andre aus Geldkapital. Er kauft hier und verwandelt damit sein Geld in Ware. Er verkauft dort und verwandelt damit einen andren Teil des Warenkapitals in Geld. Auf der einen Seite strömt ihm sein Kapital als Geldkapital zurück, während auf der andren ihm Warenkapital zufließt. Je größer der Teil, der in der einen Form, desto kleiner der, der in der andren existiert. Dies wechselt ab und gleicht sich aus. Verbindet sich mit der Anwendung des Geldes als Zirkulationsmittel die als Zahlungsmittel und das darauf erwachsende Kreditsystem, so vermindert sich noch ferner der Geldkapitalteil des Kaufmannskapitals im Verhältnis zur Größe der Transaktionen, die dies Kaufmannskapital verrichtet. Kaufe ich für 1.000 Pfd.St. Wein auf 3 Monate Ziel, und habe ich den Wein verkauft gegen bar, vor Ablauf der drei Monate, so ist für diese Transaktion kein Heller vorzuschießen. In diesem Fall ist auch sonnenklar, daß das Geldkapital, das hier als Kaufmannskapital figuriert, durchaus nichts ist als das industrielle Kapital selbst in seiner Form als Geldkapital, in seinem Rückfluß zu sich in der Form des Geldes. (Daß der Produzent, der für 1.000 Pfd.St. Ware auf 3 Monate Ziel verkauft hat, den Wechsel, d.h. Schuldschein, dafür beim Bankier diskontieren kann, ändert nichts an der Sache und hat nichts mit dem Kapital des Warenhändlers zu schaffen.) Fielen die Marktpreise der Ware in der Zwischenzeit vielleicht um 1/10, so erhielte der Kaufmann nicht nur keinen Profit, sondern überhaupt nur 2.700 Pfd.St. zurück statt 3.000. Er müßte 300 Pfd.St. zulegen, um zu zahlen. Diese 300 Pfd.St. fungierten nur als Reserve zur Ausgleichung der Preisdifferenz. Aber dasselbe gilt für den Produzenten. Hätte er selbst verkauft, zu fallenden Preisen, so hätte er ebenfalls 300 Pfd.St. verloren und könnte die Produktion auf derselben Stufenleiter nicht wieder beginnen ohne Reservekapital.
Der Leinwandhändler kauft für 3.000 Pfd.St. Leinwand vom Fabrikanten; dieser zahlt von diesen 3.000 Pfd.St. z.B. 2.000, um Garn zu kaufen; er kauft dies Garn vom Garnhändler. Das Geld, womit der Fabrikant den Garnhändler zahlt, ist nicht das Geld des Leinwandhändlers; denn dieser hat Ware zum Belauf dieser Summe dafür erhalten. Es ist Geldform seines eignen Kapitals. In der Hand des Garnhändlers erscheinen diese 2.000 Pfd.St. nun als zurückgefloßnes Geldkapital; aber wieweit sind sie es, als unterschieden von diesen 2.000 Pfd.St., als der abgestreiften Geldform der Leinwand und der angenommnen Geldform des Garns? Hat der Garnhändler auf Kredit gekauft und hat er gegen bar verkauft vor Verfall seiner Zahlungsfrist, so steckt in diesen 2.000 Pfd.St. kein Heller Kaufmannskapital als unterschieden von der Geldform, die das industrielle Kapital selbst in seinem Kreislaufsprozeß annimmt. Das Warenhandlungskapital, soweit es also nicht bloße Form des industriellen Kapitals ist, das sich in der Gestalt von Warenkapital oder Geldkapital in der Hand des Kaufmanns befindet, ist nichts als der Teil des Geldkapitals, der dem Kaufmann selbst gehört und im Kauf und Verkauf von Waren umgetrieben wird. Dieser Teil stellt auf reduziertem Maßstab den Teil des zur Produktion vorgeschoßnen Kapitals vor, der sich als Geldreserve, Kaufmittel, stets in der Hand des Industriellen befinden und stets als ihr Geldkapital zirkulieren müßte. Dieser Teil befindet sich jetzt, reduziert, in der Hand von kaufmännischen Kapitalisten; als solcher stets fungierend im Zirkulationsprozeß. Es ist der Teil des Gesamtkapitals, der, abgesehn von Revenueausgaben, beständig als Kaufmittel auf dem Markt zirkulieren muß, um die Kontinuität des Reproduktionsprozesses in Gang zu halten. Er ist um so kleiner im Verhältnis zum Gesamtkapital, je rascher der Reproduktionsprozeß und je entwickelter die Funktion des Geldes als Zahlungsmittel, d.h. des Kreditsystems.1
Das Kaufmannskapital ist nichts als innerhalb der Zirkulationssphäre fungierendes Kapital. Der Zirkulationsprozeß ist eine Phase des gesamten Reproduktionsprozesses. Aber im Zirkulationsprozeß wird kein Wert produziert, also auch kein Mehrwert. Es gehn nur Formveränderungen derselben Wertmasse vor. Es geht in der Tat nichts vor als die Metamorphose der Waren, die als solche mit Wertschöpfung oder Wertveränderung nichts zu tun hat. Wird beim Verkauf der produzierten Ware ein Mehrwert realisiert, so, weil dieser bereits in ihr existiert; bei dem zweiten Akt, dem Rückaustausch des Geldkapitals gegen Ware (Produktionselemente), wird daher auch vom Käufer kein Mehrwert realisiert, sondern hier nur durch Austausch des Geldes gegen Produktionsmittel und Arbeitskraft die Produktion des Mehrwerts eingeleitet. Im Gegenteil. Soweit diese Metamorphosen Zirkulationszeit kosten - eine Zeit, innerhalb deren das Kapital überhaupt nicht, also auch keinen Mehrwert produziert -, ist sie Beschränkung der Wertschöpfung, und der Mehrwert wird sich als Profitrate gerade im umgekehrten Verhältnis zur Dauer der Zirkulationszeit ausdrücken. Das Kaufmannskapital schafft daher weder Wert noch Mehrwert, d.h. nicht direkt. Sofern es zur Abkürzung der Zirkulationszeit beiträgt, kann es indirekt den vom industriellen Kapitalisten produzierten Mehrwert vermehren helfen. Soweit es den Markt ausdehnen hilft und die Teilung der Arbeit zwischen den Kapitalen vermittelt, also das Kapital befähigt, auf größrer Stufenleiter zu arbeiten, befördert seine Funktion die Produktivität des industriellen Kapitals und dessen Akkumulation. Soweit es die Umlaufszeit abkürzt, erhöht es das Verhältnis des Mehrwerts zum vorgeschoßnen Kapital, also die Profitrate. Soweit es einen geringern Teil des Kapitals als Geldkapital in die Zirkulationssphäre einbannt, vermehrt es den direkt in der Produktion angewandten Teil des Kapitals.
Siebzehntes Kapitel. Der kommerzielle Profit
Man hat in Buch II gesehn, daß die reinen Funktionen des Kapitals in der Zirkulationssphäre - die Operationen, die der industrielle Kapitalist vornehmen muß, um erstens den Wert seiner Waren zu realisieren und zweitens diesen Wert in die Produktionselemente der Ware rückzuverwandeln, die Operationen zur Vermittlung der Metamorphosen des Warenkapitals W′ - G - W, also die Akte des Verkaufens und Kaufens - weder Wert noch Mehrwert erzeugen. Umgekehrt zeigte es sich, daß die Zeit, die hierfür erheischt, objektiv mit Bezug auf die Waren und subjektiv mit Bezug auf den Kapitalisten, Grenzen erzeugt für die Bildung von Wert und Mehrwert. Was von der Metamorphose des Warenkapitals an sich gilt, wird natürlich in keiner Weise dadurch geändert, daß ein Teil desselben die Gestalt des Warenhandlungskapitals annimmt oder daß die Operationen, wodurch die Metamorphose des Warenkapitals vermittelt wird, als das besondre Geschäft einer besondren Abteilung von Kapitalisten oder als ausschließliche Funktion eines Teils des Geldkapitals erscheint. Wenn das Verkaufen und Kaufen von Waren - und darin löst sich die Metamorphose des Warenkapitals W′ - G - W auf - durch die industriellen Kapitalisten selbst keine Wert oder Mehrwert schaffenden Operationen sind, so werden sie es unmöglich dadurch, daß sie statt von diesen, von andren Personen verrichtet werden. Wenn ferner der Teil des gesellschaftlichen Gesamtkapitals, der beständig als Geldkapital disponibel sein muß, damit der Reproduktionsprozeß nicht durch den Zirkulationsprozeß unterbrochen werde, sondern kontinuierlich sei - wenn dies Geldkapital weder Wert noch Mehrwert schafft, so kann es diese Eigenschaften nicht dadurch erwerben, daß es, statt vom industriellen Kapitalisten, von einer andern Abteilung Kapitalisten, zur Verrichtung derselben Funktionen, beständig in Zirkulation geworfen wird. Wieweit das Kaufmannskapital indirekt produktiv sein kann, ist bereits angedeutet und wird später noch weiter erörtert werden.
Das Warenhandlungskapital also - abgestreift alle heterogenen Funktionen, wie Aufbewahren, Spedieren, Transportieren, Einteilen, Detaillieren, die damit verknüpft sein mögen, und beschränkt auf seine wahre Funktion des Kaufens, um zu verkaufen - schafft weder Wert noch Mehrwert, sondern vermittelt nur ihre Realisation und damit zugleich den wirklichen Austausch der Waren, ihr Übergehn aus einer Hand in die andre, den gesellschaftlichen Stoffwechsel. Dennoch, da die Zirkulationsphase des industriellen Kapitals ebensosehr eine Phase des Reproduktionsprozesses bildet wie die Produktion, muß das im Zirkulationsprozeß selbständig fungierende Kapital ebensosehr den jährlichen Durchschnittsprofit abwerfen wie das in den verschiednen Zweigen der Produktion fungierende Kapital. Würfe das Kaufmannskapital einen höhern prozentigen Durchschnittsprofit ab als das industrielle Kapital, so würde sich ein Teil des industriellen Kapitals in Kaufmannskapital verwandeln. Würfe es einen niedrigern Durchschnittsprofit ab, so fände der umgekehrte Prozeß statt. Ein Teil des Kaufmannskapitals würde sich in industrielles verwandeln. Keine Kapitalgattung hat größre Leichtigkeit, ihre Bestimmung, ihre Funktion zu ändern, als das Kaufmannskapital.
Da das Kaufmannskapital selbst keinen Mehrwert erzeugt, so ist klar, daß der Mehrwert, der in der Form des Durchschnittsprofits auf es fällt, einen Teil des von dem gesamten produktiven Kapital erzeugten Mehrwerts bildet. Aber die Frage ist nun die: Wie zieht das Kaufmannskapital den ihm zufallenden Teil des vom produktiven Kapital erzeugten Mehrwerts oder Profits an sich?
Es ist nur Schein, daß der merkantile Profit bloßer Zuschlag, nominelle Erhöhung des Preises der Waren über ihren Wert.
Es ist klar, daß der Kaufmann seinen Profit nur aus dem Preis der von ihm verkauften Waren beziehn kann, und noch mehr, daß dieser Profit, den er beim Verkauf seiner Waren macht, gleich sein muß der Differenz zwischen seinem Kaufpreis und seinem Verkaufspreis, gleich dem Überschuß des erstern über den letztern.
Es ist möglich, daß nach dem Kauf der Ware und vor ihrem Verkauf zusätzliche Kosten (Zirkulationskosten) in sie eingehn, und es ist ebenso möglich, daß dies nicht der Fall. Gehn solche Kosten ein, so ist klar, daß der Überschuß des Verkaufspreises über den Kaufpreis nicht bloß Profit vorstellt. Um die Untersuchung zu vereinfachen, unterstellen wir zunächst, daß keine solchen Kosten eingehn.
Bei dem industriellen Kapitalisten ist der Unterschied zwischen dem Verkaufspreis und dem Kaufpreis seiner Waren gleich dem Unterschied zwischen ihrem Produktionspreis und ihrem Kostpreis, oder wenn wir das gesellschaftliche Gesamtkapital betrachten, gleich dem Unterschied zwischen dem Wert der Waren und ihrem Kostpreis für die Kapitalisten, was sich wieder auflöst in dem Unterschied des Gesamtquantums der in ihnen vergegenständlichten Arbeit über das Quantum der in ihnen vergegenständlichten bezahlten Arbeit. Bevor die von dem industriellen Kapitalisten gekauften Waren wieder als verkaufbare Waren auf den Markt zurückgeworfen werden, machen sie den Produktionsprozeß durch, in welchem der später als Profit zu realisierende Bestandteil ihres Preises erst produziert wird. Aber mit dem Warenhändler verhält es sich anders. Die Waren befinden sich nur in seiner Hand, solange sie sich in ihrem Zirkulationsprozeß befinden. Er setzt nur ihren vom produktiven Kapitalisten begonnenen Verkauf, die Realisierung ihres Preises fort und läßt sie daher keinen Zwischenprozeß durchmachen, worin sie von neuem Mehrwert einsaugen könnten. Während der industrielle Kapitalist in der Zirkulation den bisher produzierten Mehrwert oder Profit nur realisiert, soll der Kaufmann dagegen in der Zirkulation und durch sie seinen Profit nicht nur realisieren, sondern erst machen. Dies scheint nur dadurch möglich zu sein, daß er die ihm vom industriellen Kapitalisten zu ihren Produktionspreisen, oder wenn wir das gesamte Warenkapital betrachten, zu ihren Werten verkauften Waren über ihren Produktionspreisen verkauft, einen nominellen Zuschlag zu ihren Preisen macht, also, das gesamte Warenkapital betrachtet, es über seinem Wert verkauft und diesen Überschuß ihres Nominalwerts über ihren Realwert einkassiert, in einem Wort, sie teurer verkauft, als sie sind.
Diese Form des Zuschlags ist sehr einfach zu verstehn, z.B. eine Elle Leinwand kostet 2 sh. Soll ich 10% Profit aus dem Wiederverkauf machen, so muß ich 1/10 auf den Preis schlagen, also die Elle zu 2 sh. 2 2/5 d. verkaufen. Die Differenz zwischen ihrem wirklichen Produktionspreis und ihrem Verkaufspreis ist dann 2 2/5 d., und dies ist auf die 2 sh. ein Profit von 10%. In der Tat verkaufe ich dem Käufer dann die Elle zu einem Preis, der wirklich der Preis für 1 1/10 Elle ist. Oder was auf dasselbe hinauskommt: Es ist ganz, als verkaufte ich dem Käufer nur 10/11 Ellen für 2 sh. und behielte 1/11 Elle für mich. In der Tat kann ich mit 2 2/5 d. 1/11 Elle zurückkaufen, den Preis der Elle zu 2 sh. 2 2/5 d. gerechnet. Es wäre dies also nur ein Umweg, um an dem Mehrwert und Mehrprodukt teilzunehmen durch nominelle Preiserhöhung der Waren.
Dies ist die Realisierung des merkantilen Profits durch Preisaufschlag der Waren, wie sie sich zunächst in der Erscheinung darbietet. Und in der Tat ist die ganze Vorstellung vom Entspringen des Profits aus einer nominellen Preiserhöhung der Waren oder aus dem Verkauf derselben über ihren Wert aus der Anschauung des merkantilen Kapitals entsprungen.
Näher betrachtet zeigt sich jedoch bald, daß dies bloßer Schein ist. Und daß, die kapitalistische Produktionsweise als die herrschende vorausgesetzt, der kommerzielle Profit sich nicht in dieser Weise realisiert. (Es handelt sich hier immer nur um den Durchschnitt, nicht um einzelne Fälle.) Warum unterstellen wir, daß der Warenhändler einen Profit von sage 10% auf seine Waren nur realisieren kann, indem er sie um 10% über ihren Produktionspreisen verkauft? Weil wir angenommen haben, daß der Produzent dieser Waren, der industrielle Kapitalist (der als Personifikation des industriellen Kapitals der Außenwelt gegenüber immer als "der Produzent" figuriert), sie dem Kaufmann zu ihrem Produktionspreis verkauft hat. Wenn die vom Warenhändler gezahlten Kaufpreise der Waren gleich ihren Produktionspreisen, in letzter Instanz gleich ihren Werten, so daß also der Produktionspreis, in letzter Instanz der Wert der Waren den Kostpreis für den Kaufmann darstellt, so muß in der Tat der Überschuß seines Verkaufspreises über seinen Kaufpreis - und nur diese Differenz bildet die Quelle seines Profits - ein Überschuß ihres merkantilen Preises über ihren Produktionspreis sein und in letzter Instanz der Kaufmann alle Waren über ihren Werten verkaufen. Aber warum wurde angenommen, daß der industrielle Kapitalist dem Kaufmann die Waren zu ihren Produktionspreisen verkauft? Oder vielmehr, was war in dieser Annahme vorausgesetzt? Daß das merkantile Kapital (hier haben wir es mit demselben nur noch als Warenhandlungskapital zu tun) nicht in die Bildung der allgemeinen Profitrate eingeht. Wir gingen notwendig von dieser Voraussetzung aus bei Darstellung der allgemeinen Profitrate, erstens, weil das merkantile Kapital als solches damals für uns noch nicht existierte; und zweitens, weil der Durchschnittsprofit, und daher die allgemeine Profitrate, zunächst notwendig zu entwickeln war als Ausgleichung der Profite oder Mehrwerte, die von den industriellen Kapitalen der verschiednen Produktionssphären wirklich produziert werden. Bei dem Kaufmannskapital haben wir es dagegen mit einem Kapital zu tun, das am Profit teilnimmt, ohne an seiner Produktion teilzunehmen. Es ist also jetzt nötig, die frühere Darstellung zu ergänzen.
Gesetzt, das während des Jahres vorgeschoßne industrielle Gesamtkapital sei 720c + 180v = 900 (etwa Millionen Pfd.St.) und m′ = 100%. Das Produkt also = 720c + 180v + 180m. Nennen wir dann dies Produkt oder das produzierte Warenkapital W, so ist sein Wert oder Produktionspreis (da beide für die Totalität der Waren zusammenfallen) = 1.080 und die Rate des Profits für das gesamte Kapital von 900 = 20%. Diese 20% sind nach dem früher Entwickelten die Durchschnittsprofitrate, da der Mehrwert hier nicht auf dieses oder jenes Kapital von besondrer Zusammensetzung, sondern auf das gesamte industrielle Kapital mit seiner Durchschnittszusammensetzung berechnet ist. Also W = 1.080 und die Profitrate = 20%. Wir wollen aber nun annehmen, daß außer diesen 900 Pfd.St. industrielles Kapital noch 100 Pfd.St. Kaufmannskapital hinzukommt, welches pro rata seiner Größe denselben Anteil am Profit hat wie jenes. Nach der Voraussetzung ist es 1/10 des Gesamtkapitals von 1.000. Es beteiligt sich also mit 1/10 am Gesamtmehrwert von 180 und erhält so einen Profit zur Rate von 18%. In der Tat also ist der zwischen den andren 9/10 des Gesamtkapitals zu verteilende Profit nur noch = 162 oder auf das Kapital von 900 ebenfalls = 18%. Der Preis also, wozu W von den Besitzern des industriellen Kapitals von 900 an die Warenhändler verkauft wird, ist = 720c + 180v + 162m = 1.062. Schlägt der Kaufmann also auf sein Kapital von 100 den Durchschnittsprofit von 18%, so verkauft er die Waren zu 1.062 + 18 = 1.080, d.h. zu ihrem Produktionspreis oder, das gesamte Warenkapital betrachtet, zu ihrem Wert, obgleich er seinen Profit nur in der Zirkulation und durch sie macht und nur durch den Überschuß seines Verkaufspreises über seinen Kaufpreis. Aber dennoch verkauft er die Waren nicht über ihrem Wert oder nicht über ihrem Produktionspreis, eben weil er sie unter ihrem Wert oder unter ihrem Produktionspreis von den industriellen Kapitalisten gekauft hat.
In die Bildung der allgemeinen Profitrate geht also das Kaufmannskapital bestimmend ein pro rata des Teils, den es vom Gesamtkapital bildet. Wenn also im angegebnen Fall gesagt wird: die Durchschnittsprofitrate ist = 18%, so wäre sie = 20%, wenn nicht 1/10 des Gesamtkapitals Kaufmannskapital wäre und dadurch die allgemeine Profitrate um 1/10 herabgesetzt worden. Es tritt damit auch eine nähere, einschränkende Bestimmung des Produktionspreises ein. Unter Produktionspreis ist nach wie vor zu verstehn der Preis der Ware = ihren Kosten (dem Wert des in ihr enthaltnen konstanten + variablen Kapitals) + dem Durchschnittsprofit darauf. Aber dieser Durchschnittsprofit ist jetzt anders bestimmt. Er ist bestimmt durch den Gesamtprofit, den das totale produktive Kapital erzeugt; aber nicht berechnet auf dies produktive Totalkapital, so daß, wenn dies wie oben = 900 und der Profit = 180, die Durchschnittsprofitrate = 180/900 = 20% wäre, sondern berechnet auf das totale produktive + Handelskapital, so daß, wenn 900 produktives und 100 Handelskapital, die Durchschnittsprofitrate = 180/1.000 = 18% ist. Der Produktionspreis ist also = k (den Kosten) + 18, statt = k + 20. In der Durchschnittsprofitrate ist bereits der auf das Handelskapital fallende Teil des Gesamtprofits eingerechnet. Der wirkliche Wert oder Produktionspreis des gesamten Warenkapitals ist daher = k + p + h (wo h der kommerzielle Profit). Der Produktionspreis oder der Preis, wozu der industrielle Kapitalist als solcher verkauft, ist also kleiner als der wirkliche Produktionspreis der Ware; oder, wenn wir die Gesamtheit der Waren betrachten, so sind die Preise, wozu die industrielle Kapitalistenklasse sie verkauft, kleiner als ihre Werte. So im obigen Fall: 900 (Kosten) + 18% auf 900 oder 900 + 162 = 1.062. Indem nun der Kaufmann Ware, die ihm 100 kostet, zu 118 verkauft, schlägt er allerdings 18% auf; aber da die Ware, die er zu 100 gekauft hat, 118 wert ist, verkauft er sie deswegen nicht über ihrem Wert. Wir wollen den Ausdruck Produktionspreis in dem oben entwickelten nähern Sinn beibehalten. Es ist dann klar, daß der Profit des industriellen Kapitalisten gleich dem Überschuß des Produktionspreises der Ware über ihren Kostpreis und daß, im Unterschied von diesem industriellen Profit, der kommerzielle Profit gleich dem Überschuß des Verkaufspreises über den Produktionspreis der Ware, welcher ihr Kaufpreis für den Kaufmann ist; daß aber der wirkliche Preis der Ware = ihrem Produktionspreise + dem merkantilen (kommerziellen) Profit ist. Wie das industrielle Kapital nur Profit realisiert, der als Mehrwert schon im Wert der Ware steckt, so das Handelskapital nur, weil der ganze Mehrwert oder Profit noch nicht realisiert ist in dem vom industriellen Kapital realisierten Preis der Ware.2 Der Verkaufspreis des Kaufmanns steht so über dem Einkaufspreis, nicht weil jener über, sondern weil dieser unter dem Totalwert steht.
Das Kaufmannskapital geht also ein in die Ausgleichung des Mehrwerts zum Durchschnittsprofit, obgleich nicht in die Produktion dieses Mehrwerts. Daher enthält die allgemeine Profitrate bereits den Abzug vom Mehrwert, der dem Kaufmannskapital zukommt, also einen Abzug vom Profit des industriellen Kapitals.
Es folgt aus dem Bisherigen:
Je größer das Kaufmannskapital im Verhältnis zum industriellen Kapital, desto kleiner die Rate des industriellen Profits und umgekehrt.
Wenn es sich im ersten Abschnitt zeigte, daß die Profitrate immer eine kleinere Rate ausdrückt als die Rate des wirklichen Mehrwerts, d.h. den Exploitationsgrad der Arbeit immer zu klein ausdrückt, z.B. im obigen Fall 720c + 180v + 180m, eine Rate des Mehrwerts von 100%, als eine Profitrate von nur 20%, so weicht dies Verhältnis noch mehr ab, soweit nun die Durchschnittsprofitrate selbst, bei Einrechnung des dem Kaufmannskapital zufallenden Anteils, wieder kleiner erscheint, hier als 18% statt 20%. Die Durchschnittsrate des Profits des direkt exploitierenden Kapitalisten drückt also die Rate des Profits kleiner aus, als sie wirklich ist.
Alle andren Umstände gleichbleibend vorausgesetzt, wird der relative Umfang des Kaufmannskapitals (wobei aber das der Kleinhändler, eine Zwittergattung, Ausnahme bildet) in umgekehrtem Verhältnis stehn zur Geschwindigkeit seines Umschlags, also im umgekehrten Verhältnis zur Energie des Reproduktionsprozesses überhaupt. Im Gang der wissenschaftlichen Analyse erscheint die Bildung der allgemeinen Profitrate als ausgehend von den industriellen Kapitalen und ihrer Konkurrenz und erst später berichtigt, ergänzt und modifiziert durch die Dazwischenkunft des Kaufmannskapitals. Im Gang der historischen Entwicklung verhält sich die Sache geradezu umgekehrt. Es ist das kommerzielle Kapital, das zuerst die Preise der Waren mehr oder minder durch ihre Werte bestimmt, und es ist die Sphäre der den Reproduktionsprozeß vermittelnden Zirkulation, worin zuerst eine allgemeine Profitrate sich bildet. Der kommerzielle Profit bestimmt ursprünglich den industriellen Profit. Erst sobald die kapitalistische Produktionsweise durchgedrungen und der Produzent selbst Kaufmann geworden, wird der merkantile Profit reduziert auf den aliquoten Teil des Gesamtmehrwerts, der dem Handelskapital als einem aliquoten Teil des im gesellschaftlichen Reproduktionsprozeß beschäftigten Gesamtkapitals zukommt.
In der ergänzenden Ausgleichung der Profite durch die Dazwischenkunft des Kaufmannskapitals zeigte sich, daß in den Wert der Ware kein zusätzliches Element eingeht für das vorgeschoßne Geldkapital des Kaufmanns, daß der Zuschlag auf den Preis, wodurch der Kaufmann seinen Profit macht, nur gleich ist dem Wertteil der Ware, den das produktive Kapital im Produktionspreis der Ware nicht berechnet, weggelassen hat. Es verhält sich nämlich mit diesem Geldkapital wie mit dem fixen Kapital des industriellen Kapitalisten, soweit es nicht aufgezehrt ist, sein Wert daher kein Element des Werts der Ware ausmacht. Nämlich in seinem Kaufpreis des Warenkapitals ersetzt er dessen Produktionspreis, = G, in Geld. Sein Verkaufspreis, wie früher entwickelt, ist = G + ΔG, welches ΔG den durch die allgemeine Profitrate bestimmten Zusatz zum Warenpreis ausdrückt. Verkauft er also die Ware, so fließt ihm außer ΔG das ursprüngliche Geldkapital zurück, das er im Ankauf der Waren vorgeschossen. Es tritt hier wieder hervor, daß sein Geldkapital überhaupt nichts ist als das in Geldkapital verwandelte Warenkapital des industriellen Kapitalisten, das ebensowenig die Wertgröße dieses Warenkapitals affizieren kann, als wenn letztres statt an den Kaufmann direkt an den letzten Konsumenten verkauft wäre. Es antizipiert tatsächlich bloß die Zahlung durch den letztern. Dies ist jedoch nur richtig, wenn wie bisher angenommen wird, daß der Kaufmann keine Unkosten hat oder daß er außer dem Geldkapital, das er vorschießen muß, um die Ware vom Produzenten zu kaufen, kein andres Kapital, zirkulierendes oder fixes, im Prozeß der Metamorphose der Waren, des Kaufens und Verkaufens vorzuschießen hat. Dem ist jedoch nicht so, wie man gesehn hat bei Betrachtung der Zirkulationskosten (Buch II, Kap. VI). Und diese Zirkulationskosten stellen sich dar, teils als Kosten, die der Kaufmann zu reklamieren hat von andren Zirkulationsagenten, teils als Kosten, die direkt aus seinem spezifischen Geschäft hervorgehn.
Welcher Art immer diese Zirkulationskosten sein mögen; ob sie aus dem rein kaufmännischen Geschäft als solchem entspringen, also zu den spezifischen Zirkulationskosten des Kaufmanns gehören; oder ob sie Posten vorstellen, die aus nachträglichen, innerhalb des Zirkulationsprozesses hinzukommenden Produktionsprozessen, wie Spedition, Transport, Aufbewahrung etc. entspringen: sie unterstellen auf Seite des Kaufmanns, außer dem im Warenkauf vorgeschoßnen Geldkapital, stets ein zusätzliches Kapital, das in Ankauf und Zahlung dieser Zirkulationsmittel vorgeschossen war. Soweit dies Kostenelement aus zirkulierendem Kapital besteht, geht es ganz, soweit aus fixem Kapital, geht es nach Maßgabe seines Verschleißes als Zusatzelement in den Verkaufspreis der Waren ein; aber als ein Element, das einen nominellen Wert bildet, selbst wenn es keinen wirklichen Wertzusatz der Ware bildet, wie die rein kaufmännischen Zirkulationskosten. Ob aber zirkulierend oder fix, dies ganze zusätzliche Kapital geht ein in die Bildung der allgemeinen Profitrate.
Die rein kaufmännischen Zirkulationskosten (also mit Ausschluß der Kosten für Spedition, Transport, Aufbewahrung etc.) lösen sich auf in die Kosten, die nötig sind, um den Wert der Ware zu realisieren, ihn, sei es aus Ware in Geld oder aus Geld in Ware zu verwandeln, ihren Austausch zu vermitteln. Es wird dabei gänzlich abgesehn von etwaigen Produktionsprozessen, die während des Zirkulationsakts fortdauern und von denen das kaufmännische Geschäft ganz getrennt existieren kann; wie in der Tat z.B. die wirkliche Transportindustrie und die Spedition vom Handel ganz verschiedne Industriezweige sein können und sind, auch die zu kaufenden und zu verkaufenden Waren in Docks und andren öffentlichen Räumen lagern mögen und die hieraus entspringenden Kosten dem Kaufmann von dritten Personen berechnet werden, sofern er sie vorzuschießen hat. Alles dies findet sich im eigentlichen Großhandel, wo das kaufmännische Kapital am reinsten und am wenigsten verquickt mit andren Funktionen erscheint. Der Fuhrunternehmer, der Eisenbahndirigent, der Schiffsreeder sind keine "Kaufleute". Die Kosten, die wir hier betrachten, sind die des Kaufens und die des Verkaufens. Es ist schon früher bemerkt worden, daß sie sich auflösen in Rechnen, Buchführen, Markten, Korrespondenz etc. Das konstante Kapital, das dazu erfordert ist, besteht in Kontor, Papier, Porto etc. Die andren Kosten lösen sich auf in variables Kapital, das in Anwendung merkantiler Lohnarbeiter vorgeschossen wird. (Speditionsspesen, Transportkosten, Vorschüsse von Zöllen etc. können z.T. so betrachtet werden, daß der Kaufmann sie im Ankauf der Waren vorschießt und daß sie für ihn daher in den Kaufpreis eingehn.)
Diese sämtlichen Kosten werden nicht gemacht in der Produktion des Gebrauchswerts der Waren, sondern in der Realisation ihres Werts; sie sind reine Zirkulationskosten. Sie gehn nicht ein in den unmittelbaren Produktionsprozeß, aber in den Zirkulationsprozeß, daher in den Gesamtprozeß der Reproduktion.
Der einzige Teil dieser Kosten, der uns hier interessiert, ist der in variablem Kapital ausgelegte. (Außerdem wäre zu untersuchen: Erstens, wie das Gesetz, daß nur notwendige Arbeit in den Wert der Ware eingeht, sich im Zirkulationsprozeß geltend macht. Zweitens, wie die Akkumulation beim Kaufmannskapital erscheint. Drittens, wie das Kaufmannskapital im wirklichen Gesamtreproduktionsprozeß der Gesellschaft fungiert.)
Diese Kosten gehn aus der ökonomischen Form des Produkts als Ware hervor.
Wenn die Arbeitszeit, die die industriellen Kapitalisten selbst verlieren, um einander ihre Waren direkt zu verkaufen - also objektiv gesprochen, die Umlaufszeit der Waren -, diesen Waren durchaus keinen Wert zusetzt, so ist es klar, daß diese Arbeitszeit keinen andren Charakter dadurch erhält, daß sie auf den Kaufmann statt auf den industriellen Kapitalisten fällt. Die Verwandlung von Ware (Produkt) in Geld und von Geld in Ware (Produktionsmittel) ist notwendige Funktion des industriellen Kapitals und daher notwendige Operation des Kapitalisten, der in der Tat nur das personifizierte, mit eignem Bewußtsein und Willen begabte Kapital ist. Aber diese Funktionen vermehren weder den Wert, noch schaffen sie Mehrwert. Der Kaufmann, indem er diese Operationen vollzieht oder die Funktionen des Kapitals in der Zirkulationssphäre weiter vermittelt, nachdem der produktive Kapitalist aufgehört hat, dies zu tun, tritt bloß an die Stelle des industriellen Kapitalisten. Die Arbeitszeit, die diese Operationen kosten, wird verwandt auf notwendige Operationen im Reproduktionsprozeß des Kapitals, aber sie setzt keinen Wert zu. Wenn der Kaufmann diese Operationen nicht verrichtete (also auch nicht die dafür erheischte Arbeitszeit anwendete), so würde er sein Kapital nicht anwenden als Zirkulationsagent des industriellen Kapitals; er setzte nicht die abgebrochne Funktion des industriellen Kapitalisten weiter fort und hätte daher auch nicht als Kapitalist, pro rata seines vorgeschoßnen Kapitals, an der Profitmasse teilzunehmen, die von der industriellen Kapitalistenklasse produziert wird. Um an der Mehrwertsmasse teilzunehmen, um seinen Vorschuß als Kapital zu verwerten, braucht daher der kaufmännische Kapitalist keine Lohnarbeiter anzuwenden. Wenn sein Geschäft und sein Kapital klein ist, mag er selbst der einzige Arbeiter sein, den er anwendet. Wodurch er bezahlt wird, ist der Teil des Profits, der ihm aus der Differenz zwischen dem Kaufpreis der Waren und dem wirklichen Produktionspreis erwächst.
Andrerseits mag denn auch, bei kleinem Umfang des vom Kaufmann vorgeschoßnen Kapitals, der Profit, den er realisiert, durchaus nicht größer oder kann selbst kleiner sein als der Arbeitslohn eines der besser bezahlten geschickten Lohnarbeiter. In der Tat, neben ihm fungieren direkte kommerzielle Agenten des produktiven Kapitalisten, Einkäufer, Verkäufer, Reisende, die dasselbe oder mehr Einkommen beziehn, sei es in der Form des Arbeitslohns oder in der Form einer Anweisung auf den Profit (Provision, Tantieme), der auf jeden Verkauf gemacht wird. Im ersten Fall kassiert der Kaufmann den merkantilen Profit als selbständiger Kapitalist ein; im andren Fall wird dem Kommis, dem Lohnarbeiter des industriellen Kapitalisten, ein Teil des Profits, sei es in der Form des Arbeitslohns, sei es in der Form eines proportionellen Anteils am Profit des industriellen Kapitalisten, dessen direkter Agent er ist, ausgezahlt, und sein Prinzipal sackt in diesem Fall sowohl den industriellen wie kommerziellen Profit ein. Aber in allen diesen Fällen, obgleich dem Zirkulationsagenten selbst seine Einnahme als bloßer Arbeitslohn erscheinen mag, als Zahlung für die von ihm verrichtete Arbeit, und obgleich, wo sie nicht so erscheint, der Umfang seines Profits nur dem Arbeitslohn eines besser bezahlten Arbeiters gleichkommen mag, entspringt seine Einnahme nur aus dem merkantilen Profit. Dies geht daraus hervor, daß seine Arbeit nicht wertschaffende Arbeit ist.
Die Verlängerung der Zirkulationsoperation stellt für den industriellen Kapitalisten dar 1. Zeitverlust persönlich, soweit er dadurch gehindert wird, seine Funktion als Dirigent des Produktionsprozesses selbst zu verrichten; 2. verlängerten Aufenthalt seines Produkts, in Geld- oder Warenform, im Zirkulationsprozeß, also in einem Prozeß, worin es sich nicht verwertet und worin der unmittelbare Produktionsprozeß unterbrochen wird. Soll dieser nicht unterbrochen werden, so muß entweder die Produktion beschränkt werden, oder es ist zusätzliches Geldkapital vorzuschießen, damit der Produktionsprozeß stets auf derselben Stufenleiter fortdauert. Dies kommt jedesmal darauf hinaus, daß entweder mit dem bisherigen Kapital kleinerer Profit gemacht wird oder daß zusätzliches Geldkapital vorzuschießen ist, um den bisherigen Profit zu machen. Dies bleibt nun alles dasselbe, wenn an die Stelle des industriellen Kapitalisten der Kaufmann tritt. Statt daß jener mehr Zeit im Zirkulationsprozeß verwendet, verwendet sie der Kaufmann; statt daß er Zusatzkapital für die Zirkulation vorschießen muß, schießt es der Kaufmann vor; oder was auf dasselbe hinauskommt: statt daß ein größrer Teil des industriellen Kapitals sich beständig im Zirkulationsprozeß herumtreibt, ist das Kapital des Kaufmanns gänzlich darin eingepfercht; und statt daß der industrielle Kapitalist geringern Profit macht, muß er einen Teil seines Profits gänzlich an den Kaufmann abtreten. Soweit das Kaufmannskapital auf die Grenzen beschränkt bleibt, in denen es notwendig ist, ist der Unterschied nur der, daß durch diese Teilung der Funktion des Kapitals weniger Zeit ausschließlich auf den Zirkulationsprozeß verwendet, weniger Zusatzkapital dafür vorgeschossen wird und der Verlust am Gesamtprofit, der sich in der Gestalt des merkantilen Profits zeigt, kleiner ist, als er sonst wäre. Wenn im obigen Beispiel 720c + 180v + 180m neben einem Kaufmannskapital von 100 dem industriellen Kapitalisten einen Profit von 162 oder 18% läßt, also einen Abzug von 18 verursacht, so betrüge das nötige Zuschußkapital ohne diese Verselbständigung vielleicht 200, und wir hätten dann als Gesamtvorschuß der industriellen Kapitalisten statt 900 1.100, also auf einen Mehrwert von 180 eine Profitrate von nur 16 4/11%.
Hat der industrielle Kapitalist, der sein eigner Kaufmann ist, nun außer dem Zusatzkapital, womit er neue Ware kauft, ehe sein in Zirkulation befindliches Produkt in Geld rückverwandelt ist, außerdem noch Kapital (Bürokosten und Lohn für kommerzielle Arbeiter) vorgeschossen für die Realisierung des Werts seines Warenkapitals, also für den Zirkulationsprozeß, so bilden diese zwar zusätzliches Kapital, aber keinen Mehrwert. Sie müssen aus dem Wert der Waren ersetzt werden; denn ein Wertteil dieser Waren muß sich wieder umsetzen in diese Zirkulationskosten; aber hierdurch wird kein zusätzlicher Mehrwert gebildet. Mit Bezug auf das Gesamtkapital der Gesellschaft kommt dies tatsächlich darauf hinaus, daß ein Teil desselben für sekundäre Operationen erheischt ist, die nicht in den Verwertungsprozeß eingehn, und daß dieser Teil des gesellschaftlichen Kapitals beständig für diese Zwecke reproduziert werden muß. Für den einzelnen Kapitalisten und für die ganze industrielle Kapitalistenklasse wird dadurch die Profitrate vermindert, ein Resultat, das aus jeder Hinzufügung von Zusatzkapital folgt, soweit dies erforderlich ist, um dieselbe Masse variablen Kapitals in Bewegung zu setzen.
Soweit diese mit dem Zirkulationsgeschäft selbst verbundnen Zusatzkosten dem industriellen Kapitalisten nun abgenommen werden vom kaufmännischen, findet diese Verminderung der Profitrate auch statt, nur in geringerm Grade und auf anderm Wege. Die Sache stellt sich jetzt so dar, daß der Kaufmann mehr Kapital vorschießt als nötig wäre, wenn diese Kosten nicht existierten, und daß der Profit auf dies Zusatzkapital die Summe des merkantilen Profits erhöht, also das Kaufmannskapital in größrem Umfang in die Ausgleichung der Durchschnittsprofitrate mit dem industriellen Kapital eingeht, also der Durchschnittsprofit fällt. Wenn in unserm obigen Beispiel außer den 100 Kaufmannskapital noch 50 Zusatzkapital für die fraglichen Kosten vorgeschossen werden, so verteilt sich der Gesamtmehrwert von 180 nun auf ein produktives Kapital von 900 plus einem Kaufmannskapital von 150, zusammen = 1.050. Die Durchschnittsprofitrate sinkt also auf 17 1/7%. Der industrielle Kapitalist verkauft die Waren an den Kaufmann zu 900 + 154 2/7 = 1.054 2/7, und der Kaufmann verkauft sie zu 1.130 (1.080 + 50 für Kosten, die er wieder ersetzen muß). Im übrigen muß angenommen werden, daß mit der Teilung zwischen kaufmännischem und industriellem Kapital Zentralisation der Handelskosten und daher Verringerung derselben verbunden ist.
Es fragt sich jetzt: Wie verhält es sich mit den kommerziellen Lohnarbeitern, die der kaufmännische Kapitalist, hier der Warenhändler, beschäftigt?
Nach einer Seite hin ist ein solcher kommerzieller Arbeiter Lohnarbeiter wie ein andrer. Erstens, insofern die Arbeit gekauft wird vom variablen Kapital des Kaufmanns, nicht von dem als Revenue verausgabten Geld, und daher auch nur gekauft wird nicht für Privatbedienung, sondern zum Zweck der Selbstverwertung des darin vorgeschoßnen Kapitals. Zweitens, sofern der Wert seiner Arbeitskraft und daher sein Arbeitslohn bestimmt ist, wie bei allen andren Lohnarbeitern, durch die Produktions- und Reproduktionskosten seiner spezifischen Arbeitskraft, nicht durch das Produkt seiner Arbeit.
Aber es muß zwischen ihm und den direkt vom industriellen Kapital beschäftigten Arbeitern derselbe Unterschied stattfinden, der zwischen dem industriellen Kapital und dem Handelskapital und daher zwischen dem industriellen Kapitalisten und dem Kaufmann stattfindet. Da der Kaufmann als bloßer Zirkulationsagent weder Wert noch Mehrwert produziert (denn der Zusatzwert, den er den Waren durch seine Unkosten zusetzt, löst sich auf in Zusatz vorher existierenden Werts, obgleich sich hier die Frage aufdrängt, wie erhält, konserviert er diesen Wert seines konstanten Kapitals?), so können auch die von ihm in denselben Funktionen beschäftigten merkantilen Arbeiter unmöglich unmittelbar Mehrwert für ihn schaffen. Hier, wie bei den produktiven Arbeitern unterstellen wir, daß der Arbeitslohn durch den Wert der Arbeitskraft bestimmt ist, also der Kaufmann sich nicht bereichert durch Abzug am Lohn, so daß er in seiner Kostenberechnung nicht einen Vorschuß für Arbeit ansetzt, den er nur zum Teil bezahlte, mit andren Worten, daß er sich nicht bereichert, indem er seine Kommis etc. prellt.
Was Schwierigkeiten macht mit Bezug auf die merkantilen Lohnarbeiter, ist keineswegs, zu erklären, wie sie direkt für ihren Beschäftiger Profit produzieren, obgleich sie nicht direkt Mehrwert (wovon der Profit bloß eine verwandelte Form) produzieren. Diese Frage ist in der Tat schon gelöst durch die allgemeine Analyse des merkantilen Profits. Ganz wie das industrielle Kapital dadurch Profit macht, daß es in den Waren steckende und realisierte Arbeit verkauft, für die es kein Äquivalent bezahlt hat, so das merkantile Kapital dadurch, daß es dem produktiven Kapital die unbezahlte Arbeit, die in der Ware steckt (in der Ware, soweit das in ihrer Produktion ausgelegte Kapital als aliquoter Teil des gesamten industriellen Kapitals fungiert), nicht ganz zahlt, dagegen beim Verkauf der Waren diesen noch in den Waren steckenden und von ihm unbezahlten Teil sich zahlen läßt. Das Verhältnis des Kaufmannskapitals zum Mehrwert ist ein andres als das des industriellen Kapitals. Das letztere produziert den Mehrwert durch direkte Aneignung unbezahlter fremder Arbeit. Das erstere eignet sich einen Teil dieses Mehrwerts an, indem es diesen Teil vom industriellen Kapital auf sich übertragen läßt.
Es ist nur durch seine Funktion der Realisierung der Werte, daß das Handelskapital im Reproduktionsprozeß als Kapital fungiert und daher, als fungierendes Kapital, aus dem vom Gesamtkapital erzeugten Mehrwert zieht. Die Masse seines Profits hängt ab für den einzelnen Kaufmann von der Masse Kapital, die er in diesem Prozeß anwenden kann, und er kann um so mehr davon anwenden, im Kaufen und Verkaufen, je größer die unbezahlte Arbeit seiner Kommis. Die Funktion selbst, kraft deren sein Geld Kapital ist, läßt der kaufmännische Kapitalist großenteils durch seine Arbeiter verrichten. Die unbezahlte Arbeit dieser Kommis, obgleich sie nicht Mehrwert schafft, schafft ihm aber Aneignung von Mehrwert, was für dies Kapital dem Resultat nach ganz dasselbe; sie ist also für es Quelle des Profits. Das kaufmännische Geschäft könnte sonst nie auf großer Stufenleiter, nie kapitalistisch betrieben werden.
Wie die unbezahlte Arbeit des Arbeiters dem produktiven Kapital direkt Mehrwert, schafft die unbezahlte Arbeit der kommerziellen Lohnarbeiter dem Handelskapital einen Anteil an jenem Mehrwert.
Die Schwierigkeit ist diese: Da die Arbeitszeit und Arbeit des Kaufmanns selbst keine wertschaffende Arbeit ist, obgleich sie ihm Anteil an bereits erzeugtem Mehrwert schafft, wie verhält es sich mit dem variablen Kapital, das er auslegt im Ankauf von kommerzieller Arbeitskraft? Ist dies variable Kapital als Kostenauslage zuzurechnen zum vorgeschoßnen Kaufmannskapital? Wenn nicht, scheint dies zu widersprechen dem Gesetz der Ausgleichung der Profitrate; welcher Kapitalist würde 150 vorschießen, wenn er nur 100 als vorgeschoßnes Kapital berechnen könnte? Wenn doch, so scheint es dem Wesen des Handelskapitals zu widersprechen, da diese Kapitalsorte nicht dadurch als Kapital fungiert, daß sie, wie das industrielle Kapital, fremde Arbeit in Bewegung setzt, sondern dadurch, daß sie selbst arbeitet, d.h. die Funktionen des Kaufens und Verkaufens vollzieht, und gerade nur dafür und dadurch einen Teil des vom industriellen Kapital erzeugten Mehrwerts auf sich überträgt.
(Es sind also folgende Punkte zu untersuchen: das variable Kapital des Kaufmanns; das Gesetz der notwendigen Arbeit in der Zirkulation; wie die Kaufmannsarbeit den Wert ihres konstanten Kapitals forterhält; die Rolle des Kaufmannskapitals im gesamten Reproduktionsprozeß; endlich die Verdoppelung in Warenkapital und Geldkapital einerseits und in Warenhandlungskapital und Geldhandlungskapital andrerseits.)
Besäße jeder Kaufmann nur soviel Kapital, als er persönlich fähig ist, durch seine eigne Arbeit umzuschlagen, so fände eine unendliche Zersplitterung des Kaufmannskapitals statt; diese Zersplitterung müßte im selben Maß wachsen, wie das produktive Kapital im Fortgang der kapitalistischen Produktionsweise auf größrer Stufenleiter produziert und mit größren Massen operiert. Also steigendes Mißverhältnis beider. Im selben Maß, wie sich das Kapital in der Produktionssphäre zentralisierte, dezentralisierte es sich in der Zirkulationssphäre. Das rein kaufmännische Geschäft des industriellen Kapitalisten, und damit seine rein kaufmännischen Ausgaben würden sich dadurch unendlich erweitern, indem er statt mit je 100, mit je 1.000 Kaufleuten zu tun hätte. Damit ginge ein großer Teil des Vorteils der Verselbständigung des Kaufmannskapitals verloren; außer den rein kaufmännischen wüchsen auch die andren Zirkulationskosten, Sortierung, Spedierung etc. Dies, was das industrielle Kapital betrifft. Betrachten wir nun das Kaufmannskapital. Erstens, was die rein kaufmännischen Arbeiten betrifft. Es kostet nicht mehr Zeit, mit großen als mit kleinen Zahlen zu rechnen. Es kostet zehnmal soviel Zeit, 10 Einkäufe für 100 Pfd.St. wie einen Einkauf für 1.000 Pfd.St. zu machen. Es kostet zehnmal soviel Korrespondenz, Papier, Briefporto, mit 10 kleinen Kaufleuten wie mit einem großen zu korrespondieren. Die beschränkte Teilung der Arbeit in der kommerziellen Werkstatt, wo der eine Bücher führt, der andre die Kasse, ein dritter korrespondiert, dieser einkauft, jener verkauft, dieser reist etc., erspart Arbeitszeit in ungeheuren Massen, so daß die im Großhandel verwandte Zahl von kaufmännischen Arbeitern in gar keinem Verhältnis steht zu der vergleichsmäßigen Größe des Geschäfts. Es ist dies der Fall, weil im Handel viel mehr als in der Industrie dieselbe Funktion, ob im großen oder kleinen verrichtet, gleich viel Arbeitszeit kostet. Daher zeigt sich auch die Konzentration im Kaufmannsgeschäft historisch früher als in der industriellen Werkstatt. Ferner nun die Ausgaben an konstantem Kapital. 100 kleine Kontors kosten unendlich mehr als ein großes, 100 kleine Warenlager als ein großes etc. Die Transportkosten, die wenigstens als vorzuschießende Kosten in das Kaufmannsgeschäft eingehn, wachsen mit der Zersplitterung.
Der industrielle Kapitalist müßte mehr Arbeit und Zirkulationskosten im kommerziellen Teil seines Geschäfts verausgaben. Dasselbe Kaufmannskapital, wenn auf viele kleine Kaufleute verteilt, würde wegen dieser Zersplitterung viel mehr Arbeiter zur Vermittlung seiner Funktionen erheischen, und es wäre außerdem größres Kaufmannskapital erheischt, um dasselbe Warenkapital umzuschlagen.
Nennen wir das sämtliche direkt im Kauf und Verkauf von Waren angelegte Kaufmannskapital B und das entsprechende variable, in Zahlung kommerzieller Hilfsarbeiter ausgelegte Kapital b, so ist B + b kleiner als das gesamte Kaufmannskapital B sein müßte, wenn jeder Kaufmann sich ohne Gehilfen durchschlüge, wenn also nicht ein Teil in b angelegt wäre. Indes sind wir immer noch nicht mit der Schwierigkeit fertig.
Der Verkaufspreis der Waren muß hinreichen, 1. um den Durchschnittsprofit auf B + b zu zahlen. Dies ist schon dadurch erklärt, daß B + b eine Verkürzung des ursprünglichen B überhaupt ist, ein kleineres Kaufmannskapital darstellt, als ohne b notwendig wäre. Aber dieser Verkaufspreis muß 2. hinreichen, um außer dem nun zusätzlich erscheinenden Profit auf b auch den gezahlten Arbeitslohn, das variable Kapital des Kaufmanns = b selbst zu ersetzen. Dies letztre macht die Schwierigkeit. Bildet b einen neuen Bestandteil des Preises, oder ist es bloß ein Teil des mit B + b gemachten Profits, der nur mit Bezug auf den merkantilen Arbeiter als Arbeitslohn erscheint und mit Bezug auf den Kaufmann selbst als bloßes Ersetzen seines variablen Kapitals? In letztrem Fall wäre der vom Kaufmann gemachte Profit auf sein vorgeschoßnes Kapital B + b nur gleich dem Profit, der nach der allgemeinen Rate auf B fällt, plus b, welches letztre er in der Form von Arbeitslohn bezahlt, welches aber selbst keinen Profit abwürfe.
Es kommt in der Tat darauf an, die Grenzen (im mathematischen Sinn) von b zu finden. Wir wollen erst die Schwierigkeit genau festsetzen. Nennen wir das direkt im Kauf und Verkauf von Waren ausgelegte Kapital B, das konstante Kapital, das in dieser Funktion verbraucht wird (die sachlichen Handlungsunkosten) K und das variable Kapital, das der Kaufmann auslegt, b.
Der Ersatz von B bietet durchaus keine Schwierigkeit. Es ist für den Kaufmann nur der realisierte Einkaufspreis oder der Produktionspreis für den Fabrikanten. Diesen Preis zahlt der Kaufmann, und beim Wiederverkauf erhält er B zurück als Teil seines Verkaufspreises; außer diesem B den Profit auf B, wie früher erklärt. Z.B. die Ware kostet 100 Pfd.St. Der Profit darauf sei 10%. So wird die Ware verkauft zu 110. Die Ware kostete schon vorher 100; das Kaufmannskapital von 100 setzt ihr nur 10 zu.
Nehmen wir ferner K, so ist dies höchstens ebenso groß, in der Tat aber geringer als der Teil des konstanten Kapitals, den der Produzent im Verkauf und Einkauf verbrauchen würde; der aber einen Zusatz zu dem konstanten Kapital bilden würde, das er direkt in der Produktion braucht. Nichtsdestoweniger muß dieser Teil beständig aus dem Preis der Ware ersetzt werden, oder was dasselbe ist, ein entsprechender Teil der Ware muß in dieser Form beständig verausgabt, muß - das Gesamtkapital der Gesellschaft betrachtet - in dieser Form beständig reproduziert werden. Dieser Teil des vorgeschoßnen konstanten Kapitals würde ebensowohl wie die ganze Masse desselben, die direkt in der Produktion angelegt ist, auf die Profitrate beschränkend wirken. Soweit der industrielle Kapitalist den kommerziellen Teil seines Geschäfts dem Kaufmann überläßt, braucht er diesen Kapitalteil nicht vorzuschießen. Statt seiner schießt ihn der Kaufmann vor. Dies ist insofern nur nominell; der Kaufmann produziert weder, noch reproduziert er das von ihm vernutzte konstante Kapital (die sachlichen Handlungsunkosten). Die Produktion desselben erscheint also als eignes Geschäft oder wenigstens als Teil des Geschäfts gewisser industrieller Kapitalisten, die so dieselbe Rolle spielen, wie die, welche das konstante Kapital denen liefern, die Lebensmittel produzieren. Der Kaufmann erhält also erstens dies ersetzt und zweitens den Profit hierauf. Durch beides findet also Verringerung des Profits für den industriellen Kapitalisten statt. Aber, wegen der mit der Teilung der Arbeit verbundnen Konzentration und Ökonomie, in geringerm Maß, als wenn er selbst dies Kapital vorzuschießen hätte. Die Verminderung der Profitrate ist geringer, weil das so vorgeschoßne Kapital geringer ist.
Bisher besteht also der Verkaufspreis aus B + K + dem Profit auf B + K. Dieser Teil desselben bietet nach dem Bisherigen keine Schwierigkeit. Aber nun kommt b hinein oder das vom Kaufmann vorgeschoßne variable Kapital.
Der Verkaufspreis wird dadurch B + K + b + dem Profit auf B + K, + dem Profit auf b.
B ersetzt nur den Kaufpreis, fügt aber außer dem Profit auf B diesem Preis keinen Teil zu. K fügt nicht nur den Profit auf K zu, sondern K selbst; aber K + Profit auf K, der in Form von konstantem Kapital vorgeschoßne Teil der Zirkulationskosten + dem entsprechenden Durchschnittsprofit, wäre größer in der Hand des industriellen Kapitalisten als in der Hand des kaufmännischen. Die Verringerung des Durchschnittsprofits erscheint in der Form, daß der volle Durchschnittsprofit - nach Abzug von B + K vom vorgeschoßnen industriellen Kapital - berechnet, der Abzug vom Durchschnittsprofit für B + K aber an den Kaufmann gezahlt wird, so daß dieser Abzug als Profit eines besondren Kapitals, des Kaufmannskapitals erscheint.
Aber mit b + dem Profit auf b, oder im gegebnen Fall, da die Profitrate unterstellt ist = 10%, mit b + 1/10 b, verhält es sich anders. Und hier liegt die wirkliche Schwierigkeit.
Was der Kaufmann mit b kauft, ist der Unterstellung nach bloß kaufmännische Arbeit, also Arbeit, notwendig, um die Funktionen der Kapitalzirkulation, W - G und G - W zu vermitteln. Aber die kaufmännische Arbeit ist die Arbeit, die überhaupt notwendig ist, damit ein Kapital als Kaufmannskapital fungiere, damit es die Verwandlung von Ware in Geld und Geld in Ware vermittle. Es ist Arbeit, die Werte realisiert, aber keine Werte schafft. Und nur sofern ein Kapital diese Funktionen verrichtet - also ein Kapitalist diese Operationen, diese Arbeit mit seinem Kapital verrichtet -, fungiert dies Kapital als kaufmännisches Kapital und nimmt es teil an der Regelung der allgemeinen Profitrate, d.h. zieht es seine Dividende aus dem Gesamtprofit. In (b + Profit auf b) scheint aber erstens die Arbeit bezahlt zu werden (denn ob der industrielle Kapitalist sie dem Kaufmann für seine eigne Arbeit bezahlt oder für die des vom Kaufmann bezahlten Kommis, ist dasselbe) und zweitens der Profit auf Zahlung dieser Arbeit, die der Kaufmann selbst verrichten müßte. Das Kaufmannskapital erhält erstens die Rückzahlung von b und zweitens den Profit darauf; dies entspringt also daraus, daß es sich erstens die Arbeit zahlen läßt, wodurch es als kaufmännisches Kapital fungiert, und daß es zweitens sich den Profit zahlen läßt, weil es als Kapital fungiert, d.h. weil es die Arbeit verrichtet, die ihm im Profit als fungierendem Kapital gezahlt wird. Dies also ist die Frage, die zu lösen ist.
Nehmen wir an B = 100, b = 10 und die Profitrate 10%. Wir setzen K = 0, um dies nicht hierher gehörige und bereits erledigte Element des Kaufpreises nicht wieder unnötig in Rechnung zu bringen. So wäre der Verkaufspreis = B + p + b + p (= B + Bp′ + b + bp′, wo p′ die Profitrate) = 100 + 10 + 10 + 1 = 121.
Würde aber b nicht in Arbeitslohn vom Kaufmann ausgelegt - da b nur bezahlt wird für kaufmännische Arbeit, also für Arbeit, nötig zur Realisierung des Werts des Warenkapitals, das das industrielle Kapital in den Markt wirft -, so stände die Sache so: Um für B = 100 zu kaufen oder zu verkaufen, gäbe der Kaufmann seine Zeit hin, und wir wollen annehmen, daß dies die einzige Zeit ist, über die er verfügt. Die kaufmännische Arbeit, die durch b oder 10 repräsentiert ist, wenn sie nicht durch Arbeitslohn, sondern durch Profit bezahlt wäre, unterstellt ein andres kaufmännisches Kapital = 100, da dies zu 10% = b = 10 ist. Dies zweite B = 100 würde nicht zusätzlich in den Preis der Ware eingehn, aber wohl die 10%. Es würden daher zwei Operationen zu 100, = 200, Waren kaufen für 200 + 20 = 220.
Da das Kaufmannskapital absolut nichts ist als eine verselbständigte Form eines Teils des im Zirkulationsprozeß fungierenden industriellen Kapitals, so müssen alle auf dasselbe bezüglichen Fragen dadurch gelöst werden, daß man sich das Problem zunächst in der Form stellt, worin die dem kaufmännischen Kapital eigentümlichen Phänomene noch nicht selbständig erscheinen, sondern noch in direktem Zusammenhang mit dem industriellen Kapital, als dessen Zweig. Als Kontor, im Unterschied von Werkstatt, fungiert das merkantile Kapital fortwährend im Zirkulationsprozeß. Hier ist also das jetzt in Frage stehende b zunächst zu untersuchen; im Kontor des industriellen Kapitalisten selbst.
Von vornherein ist dies Kontor immer verschwindend klein gegen die industrielle Werkstatt. Im übrigen ist klar: Im Maß, wie sich die Produktionsstufe erweitert, vermehren sich die kommerziellen Operationen, die beständig zur Zirkulation des industriellen Kapitals auszuführen sind, sowohl um das in Gestalt des Warenkapitals vorhandne Produkt zu verkaufen, wie das gelöste Geld wieder in Produktionsmittel zu verwandeln und Rechnung über das Ganze zu führen. Preisberechnung, Buchführung, Kassenführung, Korrespondenz gehört alles hierher. Je entwickelter die Produktionsleiter, desto größer, wenn auch keineswegs im Verhältnis, sind die kaufmännischen Operationen des industriellen Kapitals, also auch die Arbeit und die sonstigen Zirkulationskosten für die Realisierung des Werts und Mehrwerts. Es wird dadurch Anwendung kommerzieller Lohnarbeiter nötig, die das eigentliche Kontor bilden. Die Auslage für dieselben, obgleich in Form von Arbeitslohn gemacht, unterscheidet sich von dem variablen Kapital, das im Ankauf der produktiven Arbeit ausgelegt ist. Es vermehrt die Auslagen des industriellen Kapitalisten, die Masse des vorzuschießenden Kapitals, ohne direkt den Mehrwert zu vermehren. Denn es ist Auslage, bezahlt für Arbeit, die nur in der Realisierung schon geschaffner Werte verwandt wird. Wie jede andre Auslage dieser Art, vermindert auch diese die Rate des Profits, weil das vorgeschoßne Kapital wächst, aber nicht der Mehrwert. Wenn der Mehrwert m konstant bleibt, das vorgeschoßne Kapital C aber auf C + ΔC wächst, so tritt an Stelle der Profitrate m/C die kleinere Profitrate m/(C+ΔC). Der industrielle Kapitalist sucht also diese Zirkulationskosten, ganz wie seine Auslagen für konstantes Kapital, auf ihr Minimum zu beschränken. Das industrielle Kapital verhält sich also nicht in derselben Weise zu seinen kommerziellen, wie zu seinen produktiven Lohnarbeitern. Je mehr von diesen letzteren bei sonst gleichbleibenden Umständen angewandt werden, um so massenhafter die Produktion, um so größer der Mehrwert oder Profit. Umgekehrt dagegen. Je größer die Stufenleiter der Produktion und je größer der zu realisierende Wert und daher Mehrwert, je größer also das produzierte Warenkapital, um so mehr wachsen absolut, wenn auch nicht relativ, die Bürokosten, und geben zu einer Art Teilung der Arbeit Anlaß. Wie sehr der Profit die Voraussetzung dieser Ausgaben, zeigt sich unter andrem darin, daß mit Wachsen des kommerziellen Salairs oft ein Teil desselben durch Prozentanteil am Profit gezahlt wird. Es liegt in der Natur der Sache, daß eine Arbeit, die nur in den vermittelnden Operationen besteht, welche teils mit der Berechnung der Werte, teils mit ihrer Realisierung, teils mit der Wiederverwandlung des realisierten Geldes in Produktionsmittel verbunden sind, deren Umfang also von der Größe der produzierten und zu realisierenden Werte abhängt, daß eine solche Arbeit nicht als Ursache, wie die direkt produktive Arbeit, sondern als Folge der respektiven Größen und Massen dieser Werte wirkt. Ähnlich verhält es sich mit den andren Zirkulationskosten. Um viel zu messen, zu wiegen, zu verpacken, zu transportieren, muß viel da sein; die Menge der Pack- und Transportarbeit etc. hängt ab von der Masse der Waren, die Objekte ihrer Tätigkeit sind, nicht umgekehrt.
Der kommerzielle Arbeiter produziert nicht direkt Mehrwert. Aber der Preis seiner Arbeit ist durch den Wert seiner Arbeitskraft, also deren Produktionskosten, bestimmt, während die Ausübung dieser Arbeitskraft, als eine Anspannung, Kraftäußerung und Abnutzung, wie bei jedem andren Lohnarbeiter, keineswegs durch den Wert seiner Arbeitskraft begrenzt ist. Sein Lohn steht daher in keinem notwendigen Verhältnis zu der Masse des Profits, die er dem Kapitalisten realisieren hilft. Was er dem Kapitalisten kostet und was er ihm einbringt, sind verschiedne Größen. Er bringt ihm ein, nicht indem er direkt Mehrwert schafft, aber indem er die Kosten der Realisierung des Mehrwerts vermindern hilft, soweit er, zum Teil unbezahlte, Arbeit verrichtet. Der eigentlich kommerzielle Arbeiter gehört zu der besser bezahlten Klasse von Lohnarbeitern, zu denen, deren Arbeit geschickte Arbeit ist, über der Durchschnittsarbeit steht. Indes hat der Lohn die Tendenz zu fallen, selbst im Verhältnis zur Durchschnittsarbeit, im Fortschritt der kapitalistischen Produktionsweise. Teils durch Teilung der Arbeit innerhalb des Kontors; daher nur einseitige Entwicklung der Arbeitsfähigkeit zu produzieren ist und die Kosten dieser Produktion dem Kapitalisten zum Teil nichts kosten, sondern das Geschick des Arbeiters sich durch die Funktion selbst entwickelt und um so rascher, je einseitiger es mit der Teilung der Arbeit wird. Zweitens, weil die Vorbildung, Handels- und Sprachkenntnisse usw. mit dem Fortschritt der Wissenschaft und Volksbildung immer rascher, leichter, allgemeiner, wohlfeiler reproduziert werden, je mehr die kapitalistische Produktionsweise die Lehrmethoden usw. aufs Praktische richtet. Die Verallgemeinerung des Volksunterrichts erlaubt, diese Sorte aus Klassen zu rekrutieren, die früher davon ausgeschlossen, an schlechtre Lebensweise gewöhnt waren. Dazu vermehrt sie den Zudrang und damit die Konkurrenz. Mit einigen Ausnahmen entwertet sich daher im Fortgang der kapitalistischen Produktion die Arbeitskraft dieser Leute; ihr Lohn sinkt, während ihre Arbeitsfähigkeit zunimmt. Der Kapitalist vermehrt die Zahl dieser Arbeiter, wenn mehr Wert und Profit zu realisieren ist. Die Zunahme dieser Arbeit ist stets Wirkung, nie Ursache der Vermehrung des Mehrwerts.3
Es findet also eine Verdoppelung statt. Einerseits sind die Funktionen als Warenkapital und Geldkapital (daher weiter bestimmt als kommerzielles Kapital) allgemeine Formbestimmtheiten des industriellen Kapitals. Andrerseits sind besondre Kapitale, also auch besondre Reihen von Kapitalisten, ausschließlich tätig in diesen Funktionen; und diese Funktionen werden so zu besondren Sphären der Kapitalverwertung.
Die kommerziellen Funktionen und Zirkulationskosten finden sich nur verselbständigt für das merkantile Kapital. Die der Zirkulation zugekehrte Seite des industriellen Kapitals existiert nicht nur in seinem beständigen Dasein als Warenkapital und Geldkapital, sondern auch im Kontor neben der Werkstatt. Aber sie verselbständigt sich für das merkantile Kapital. Für es bildet das Kontor seine einzige Werkstatt. Der in der Form der Zirkulationskosten angewandte Teil des Kapitals erscheint beim Großkaufmann viel größer als beim Industriellen, weil außer den eignen Geschäftsbüros, die mit jeder industriellen Werkstatt verbunden sind, der Teil des Kapitals, der von der ganzen Klasse der industriellen Kapitalisten so verwandt werden müßte, in den Händen einzelner Kaufleute konzentriert ist, die, wie sie die Fortsetzung der Zirkulationsfunktionen besorgen, so die daraus erwachsende Fortsetzung der Zirkulationskosten.
Dem industriellen Kapital erscheinen und sind die Zirkulationskosten Unkosten. Dem Kaufmann erscheinen sie als Quelle seines Profits, der - die allgemeine Profitrate vorausgesetzt - im Verhältnis zur Größe derselben steht. Die in diesen Zirkulationskosten zu machende Auslage ist daher für das merkantile Kapital eine produktive Anlage. Also ist auch die kommerzielle Arbeit, die es kauft, für es unmittelbar produktiv.
Achtzehntes Kapitel. Der Umschlag des Kaufmannskapitals. Die Preise
Der Umschlag des industriellen Kapitals ist die Einheit seiner Produktions- und Zirkulationszeit und umfaßt daher den ganzen Produktionsprozeß. Der Umschlag des Kaufmannskapitals dagegen, da er in der Tat nur die verselbständigte Bewegung des Warenkapitals ist, stellt nur die erste Phase der Metamorphose der Ware, W - G, als in sich zurückfließende Bewegung eines besondren Kapitals dar; G - W, W - G im kaufmännischen Sinn, als Umschlag des Kaufmannskapitals. Der Kaufmann kauft, verwandelt sein Geld in Ware, verkauft dann, verwandelt dieselbe Ware wieder in Geld und so fort in beständiger Wiederholung. Innerhalb der Zirkulation stellt sich die Metamorphose des industriellen Kapitals immer dar als W₁ - G - W₂; das aus dem Verkauf von W₁, der produzierten Ware, gelöste Geld wird benutzt, um W₂, neue Produktionsmittel, zu kaufen; es ist dies der wirkliche Austausch von W₁ und W₂ und dasselbe Geld wechselt so zweimal die Hände. Seine Bewegung vermittelt den Austausch zweier verschiedenartigen Waren, W₁ und W₂. Aber beim Kaufmann, in G - W - G′ wechselt umgekehrt dieselbe Ware zweimal die Hände; sie vermittelt nur den Rückfluß des Geldes zu ihm.
Wenn z.B. das Kaufmannskapital 100 Pfd.St., und der Kaufmann kauft für diese 100 Pfd.St. Ware, verkauft dann diese Ware zu 110 Pfd.St., so hat dies sein Kapital von 100 einen Umschlag gemacht, und die Anzahl der Umschläge im Jahr hängt davon ab, wie oft diese Bewegung G - W - G′ im Jahr wiederholt wird.
Wir sehn hier ganz ab von den Kosten, die in der Differenz zwischen Einkaufspreis und Verkaufspreis stecken mögen, da diese Kosten an der Form, die wir hier zunächst zu betrachten haben, gar nichts ändern.
Die Anzahl der Umschläge eines gegebnen Kaufmannskapitals hat hier also durchaus Analogie mit der Wiederholung der Umläufe des Geldes als bloßes Zirkulationsmittel. Wie derselbe Taler, der zehnmal umläuft, zehnmal seinen Wert in Waren kauft, so kauft dasselbe Geldkapital des Kaufmanns von 100 z.B., wenn es zehnmal umschlägt, zehnmal seinen Wert in Waren oder realisiert ein gesamtes Warenkapital von zehnfachem Wert = 1.000. Der Unterschied ist aber der: Beim Umlauf des Geldes als Zirkulationsmittel ist es dasselbe Geldstück, das durch verschiedne Hände läuft, also wiederholt dieselbe Funktion vollzieht und daher durch die Geschwindigkeit des Umlaufs die Masse der umlaufenden Geldstücke ersetzt. Aber bei dem Kaufmann ist es dasselbe Geldkapital, gleichgültig aus welchen Geldstücken zusammengesetzt, derselbe Geldwert, der wiederholt zum Betrag seines Werts Warenkapital kauft und verkauft und daher in dieselbe Hand wiederholt als G + ΔG, zu seinem Ausgangspunkt als Wert plus Mehrwert zurückfließt. Dies charakterisiert seinen Umschlag als Kapitalumschlag. Es entzieht der Zirkulation beständig mehr Geld, als es hineinwirft. Es versteht sich übrigens von selbst, daß mit beschleunigtem Umschlag des kaufmännischen Kapitals (wo auch die Funktion des Geldes als Zahlungsmittel bei entwickeltem Kreditwesen überwiegt) auch dieselbe Geldmasse rascher umläuft.
Der wiederholte Umschlag des Warenhandlungskapitals drückt aber nie etwas andres aus als Wiederholung von Kaufen und Verkaufen: während der wiederholte Umschlag des industriellen Kapitals die Periodizität und die Erneuerung des gesamten Reproduktionsprozesses (worin der Konsumtionsprozeß eingeschlossen) ausdrückt. Dies erscheint dagegen für das Kaufmannskapital nur als äußere Bedingung. Das industrielle Kapital muß beständig Waren auf den Markt werfen und sie ihm wieder entziehn, damit der rasche Umschlag des Kaufmannskapitals möglich bleibe. Ist der Reproduktionsprozeß überhaupt langsam, so der Umschlag des Kaufmannskapitals. Nun vermittelt zwar das Kaufmannskapital den Umschlag des produktiven Kapitals; aber nur soweit es dessen Umlaufszeit verkürzt. Es wirkt nicht direkt auf die Produktionszeit, die ebenfalls eine Schranke für die Umschlagszeit des industriellen Kapitals bildet. Dies ist die erste Grenze für den Umschlag des Kaufmannskapitals. Zweitens aber, abgesehn von der durch die reproduktive Konsumtion gebildeten Schranke, ist dieser Umschlag schließlich beschränkt durch die Geschwindigkeit und den Umfang der gesamten individuellen Konsumtion, da der ganze in den Konsumtionsfonds eingehende Teil des Warenkapitals davon abhängt.
Nun aber (ganz abgesehn von den Umschlägen innerhalb der Kaufmannswelt, wo ein Kaufmann dieselbe Ware immer an den andern verkauft und diese Art Zirkulation in spekulativen Zeiten sehr blühend aussehn mag) verkürzt das Kaufmannskapital erstens die Phase W - G für das produktive Kapital. Zweitens, bei dem modernen Kreditsystem, verfügt es über einen großen Teil des Gesamtgeldkapitals der Gesellschaft, so daß es seine Einkäufe wiederholen kann, bevor es das schon Gekaufte definitiv verkauft hat; wobei es gleichgültig ist, ob unser Kaufmann direkt an den letzten Konsumenten verkauft oder zwischen diesen beiden 12 andre Kaufleute liegen. Bei der ungeheuren Elastizität des Reproduktionsprozesses, der beständig über jede gegebne Schranke hinausgetrieben werden kann, findet er keine Schranke an der Produktion selbst oder nur eine sehr elastische. Außer der Trennung von W - G und G - W, die aus der Natur der Ware folgt, wird hier also eine aktive Nachfrage geschaffen. Trotz ihrer Verselbständigung ist die Bewegung des Kaufmannskapitals nie etwas andres als die Bewegung des industriellen Kapitals innerhalb der Zirkulationssphäre. Aber kraft seiner Verselbständigung bewegt es sich innerhalb gewisser Grenzen unabhängig von den Schranken des Reproduktionsprozesses und treibt ihn daher selbst über seine Schranken hinaus. Die innere Abhängigkeit, die äußere Selbständigkeit treiben es bis zu einem Punkt, wo der innere Zusammenhang gewaltsam, durch eine Krise, wiederhergestellt wird.
Daher das Phänomen in den Krisen, daß sie nicht zuerst sich zeigen und ausbrechen beim Detailverkauf, der es mit der unmittelbaren Konsumtion zu tun hat, sondern in den Sphären des Großhandels und der Banken, die diesem das Geldkapital der Gesellschaft zur Verfügung stellen.
Der Fabrikant mag wirklich verkaufen an den Exporteur, und dieser wieder an seinen fremden Kunden, der Importeur mag seine Rohstoffe absetzen an den Fabrikanten, dieser seine Produkte an den Großhändler usw. Aber an irgendeinem einzelnen unsichtbaren Punkt liegt die Ware unverkauft; oder ein andres Mal werden die Vorräte aller Produzenten und Zwischenhändler allmählich überfüllt. Die Konsumtion steht gerade dann gewöhnlich in der höchsten Blüte, teils weil ein industrieller Kapitalist eine Reihenfolge andrer in Bewegung setzt, teils weil die von ihnen beschäftigten Arbeiter, vollauf beschäftigt, mehr als gewöhnlich auszugeben haben. Mit dem Einkommen der Kapitalisten nimmt ebenfalls ihre Ausgabe zu. Außerdem findet, wie wir gesehn haben (Buch II, Abschn. III), eine beständige Zirkulation statt zwischen konstantem Kapital und konstantem Kapital (auch abgesehn von der beschleunigten Akkumulation), die insofern zunächst unabhängig ist von der individuellen Konsumtion, als sie nie in dieselbe eingeht, die aber doch durch sie definitiv begrenzt ist, indem die Produktion von konstantem Kapital nie seiner selbst wegen stattfindet, sondern nur, weil mehr davon gebraucht wird in den Produktionssphären, deren Produkte in die individuelle Konsumtion eingehn. Dies kann jedoch eine Zeitlang ruhig seinen Weg gehn, durch die prospektive Nachfrage gereizt, und in diesen Zweigen geht das Geschäft bei Kaufleuten und Industriellen daher sehr flott voran. Die Krise tritt ein, sobald die Rückflüsse der Kaufleute, die fernab verkaufen (oder deren Vorräte auch im Inlande sich gehäuft haben), so langsam und spärlich werden, daß die Banken auf Zahlung dringen oder die Wechsel gegen die gekauften Waren verfallen, ehe Wiederverkauf stattgefunden. Dann beginnen Zwangsverkäufe, Verkäufe, um zu zahlen. Und damit ist der Krach da, der der scheinbaren Prosperität auf einmal ein Ende macht.
Die Äußerlichkeit und Begriffslosigkeit des Umschlags des Kaufmannskapitals ist aber noch größer, weil der Umschlag desselben Kaufmannskapitals die Umschläge sehr verschiedner produktiver Kapitale gleichzeitig oder der Reihe nach vermitteln kann.
Der Umschlag des Kaufmannskapitals kann aber nicht nur Umschläge verschiedner industriellen Kapitale vermitteln, sondern auch die entgegengesetzte Phase der Metamorphose des Warenkapitals. Der Kaufmann kauft z.B. die Leinwand vom Fabrikanten und verkauft sie an den Bleicher. Hier stellt also der Umschlag desselben Kaufmannskapitals - in der Tat dasselbe W - G, die Realisierung der Leinwand - zwei entgegengesetzte Phasen für zwei verschiedne industrielle Kapitale vor. Soweit der Kaufmann überhaupt für die produktive Konsumtion verkauft, stellt sein W - G stets das G - W eines industriellen Kapitals und sein G - W stets das W - G eines andern industriellen Kapitals vor.
Wenn wir, wie es in diesem Kapitel geschieht, K, die Zirkulationskosten, weglassen, den Teil des Kapitals, den der Kaufmann außer der im Ankauf der Waren ausgelegten Summe vorschießt, so fällt natürlich auch ΔK fort, der zusätzliche Profit, den er auf dies zusätzliche Kapital macht. Es ist dies also die strikt logische und mathematisch richtige Betrachtungsweise, wenn es gilt zu sehen, wie Profit und Umschlag des Kaufmannskapitals auf die Preise wirken.
Wenn der Produktionspreis von 1 Pfund Zucker 1 Pfd.St., so könnte der Kaufmann mit 100 Pfd.St. 100 Pfund Zucker kaufen. Kauft und verkauft er im Lauf des Jahres dies Quantum und ist die jährliche Durchschnittsprofitrate 15%, so würde er zuschlagen auf 100 Pfd.St. 15 Pfd.St., und auf 1 Pfd.St., den Produktionspreis von 1 Pfund, 3 sh. Er würde also das Pfund Zucker zu 1 Pfd.St. 3 sh. verkaufen. Fiele dagegen der Produktionspreis von 1 Pfund Zucker auf 1 sh., so würde der Kaufmann mit 100 Pfd.St. 2.000 Pfund einkaufen, und das Pfund verkaufen zu 1 sh. 1 4/5 d. Nach wie vor wäre der Jahresprofit auf das im Zuckergeschäft ausgelegte Kapital von 100 Pfd.St. = 15 Pfd.St. Nur muß er in dem einen Fall 100, im andern 2.000 Pfund verkaufen. Die Höhe oder Niedrigkeit des Produktionspreises hätte nichts zu tun mit der Profitrate; aber sie hätte sehr viel, entscheidend damit zu tun, wie groß der aliquote Teil des Verkaufspreises jedes Pfundes Zucker ist, der sich in merkantilen Profit auflöst; d.h. der Preiszuschlag, den der Kaufmann auf ein bestimmtes Quantum Ware (Produkt) macht. Ist der Produktionspreis einer Ware gering, so die Summe, die der Kaufmann in ihrem Kaufpreis, d.h. für eine bestimmte Masse derselben, vorschießt und daher bei gegebner Profitrate der Betrag des Profits, den er auf dieses gegebne Quantum wohlfeiler Ware macht; oder, was auf dasselbe herauskommt, er kann dann mit einem gegebnen Kapital, z.B. von 100, eine große Masse dieser wohlfeilen Ware kaufen, und der Gesamtprofit von 15, den er auf die 100 macht, verteilt sich in kleinen Brüchen über jedes einzelne Teilstück dieser Warenmasse. Wenn umgekehrt, umgekehrt. Es hängt dies ganz und gar ab von der größren oder geringren Produktivität des industriellen Kapitals, mit dessen Waren er Handel treibt. Nehmen wir Fälle aus, wo der Kaufmann Monopolist ist und zugleich die Produktion monopolisiert, wie etwa ihrer Zeit die Holländisch-Ostindische Kompanie, so kann nichts alberner sein als die gangbare Vorstellung, daß es vom Kaufmann abhängt, ob er viel Ware zu wenig Profit oder wenig Ware zu viel Profit auf die einzelne Ware verkaufen will. Die beiden Grenzen für seinen Verkaufspreis sind: einerseits der Produktionspreis der Ware, über den er nicht verfügt; andrerseits die Durchschnittsprofitrate, über die er ebensowenig verfügt. Das einzige, worüber er zu entscheiden hat, wobei aber die Größe seines verfügbaren Kapitals und andre Umstände mitsprechen, ist, ob er in teuren oder wohlfeilen Waren handeln will. Es hängt daher ganz und gar vom Entwicklungsgrad der kapitalistischen Produktionsweise ab und nicht vom Belieben des Kaufmanns, wie er es damit hält. Eine bloß kaufmännische Kompanie, wie die alte Holländisch-Ostindische, die das Monopol der Produktion hatte, konnte sich einbilden, eine höchstens den Anfängen der kapitalistischen Produktion entsprechende Methode unter ganz veränderten Verhältnissen fortzusetzen.4
Was jenes populäre Vorurteil, welches übrigens, wie alle falschen Vorstellungen über Profit etc., aus der Anschauung des bloßen Handels und aus dem kaufmännischen Vorurteil entspringt, aufrechthält, sind unter anderm folgende Umstände.
Erstens: Erscheinungen der Konkurrenz, die aber bloß die Verteilung des merkantilen Profits unter die einzelnen Kaufleute, die Anteilbesitzer am Gesamtkaufmannskapital betreffen; wenn einer z.B. wohlfeiler verkauft, um seine Gegner aus dem Felde zu schlagen.
Zweitens: ein Ökonom vom Kaliber des Professor Roscher kann sich in Leipzig immer noch einbilden, daß es "Klugheits- und Humanitäts"-Gründe waren, die den Wechsel in den Verkaufspreisen produziert haben, und daß dieser nicht ein Resultat umgewälzter Produktionsweise selbst war.
Drittens: sinken die Produktionspreise infolge gesteigerter Produktivkraft der Arbeit und sinken daher auch die Verkaufspreise, so steigt oft die Nachfrage noch schneller als die Zufuhr, und mit ihr die Marktpreise, so daß die Verkaufspreise mehr als den Durchschnittsprofit abwerfen.
Viertens: ein Kaufmann mag den Verkaufspreis herabsetzen (was immer nichts ist als Herabsetzen des üblichen Profits, den er auf den Preis schlägt), um größres Kapital rascher in seinem Geschäft umzuschlagen. Alles das sind Dinge, die nur die Konkurrenz unter den Kaufleuten selbst angehn.
Es ist bereits in Buch I gezeigt worden, daß die Höhe oder Niedrigkeit der Warenpreise weder die Masse des Mehrwerts bestimmt, die ein gegebnes Kapital produziert, noch die Rate des Mehrwerts; obgleich je nach dem relativen Quantum Ware, das ein gegebnes Quantum Arbeit produziert, der Preis der einzelnen Ware und damit auch der Mehrwertsteil dieses Preises größer oder kleiner ist. Die Preise jedes Warenquantums sind bestimmt, soweit sie den Werten entsprechen, durch das Gesamtquantum der in diesen Waren vergegenständlichten Arbeit. Vergegenständlicht sich wenig Arbeit in viel Ware, so ist der Preis der einzelnen Ware niedrig und der in ihr steckende Mehrwert gering. Wie sich die in einer Ware verkörperte Arbeit in bezahlte und unbezahlte Arbeit teilt, welches Quantum dieses Preises daher Mehrwert vorstellt, hat mit diesem Totalquantum Arbeit, also mit dem Preis der Ware nichts zu tun. Die Rate des Mehrwerts aber hängt ab nicht von der absoluten Größe des Mehrwerts, der im Preis der einzelnen Ware enthalten ist, sondern von seiner relativen Größe, von seinem Verhältnis zum Arbeitslohn, der in derselben Ware steckt. Die Rate kann daher groß sein, obgleich die absolute Größe des Mehrwerts für jede einzelne Ware klein ist. Diese absolute Größe des Mehrwerts in jeder einzelnen Ware hängt ab in erster Linie von der Produktivität der Arbeit und nur in zweiter Linie von ihrer Teilung in bezahlte und unbezahlte.
Bei dem kommerziellen Verkaufspreis nun gar ist der Produktionspreis eine gegebne äußre Voraussetzung.
Die Höhe der kommerziellen Warenpreise in früherer Zeit war geschuldet 1. der Höhe der Produktionspreise, d.h. der Unproduktivität der Arbeit; 2. dem Mangel einer allgemeinen Profitrate, indem das Kaufmannskapital ein viel höheres Quotum des Mehrwerts an sich zog, als ihm bei allgemeiner Beweglichkeit der Kapitale zugekommen wäre. Das Aufhören dieses Zustands ist also, nach beiden Seiten betrachtet, Resultat der Entwicklung der kapitalistischen Produktionsweise.
Die Umschläge des Kaufmannskapitals sind länger oder kürzer, ihre Anzahl im Jahr also größer oder kleiner in verschiednen Handelszweigen. Innerhalb desselben Handelszweigs ist der Umschlag rascher oder langsamer in verschiednen Phasen des ökonomischen Zyklus. Indes findet eine durchschnittliche Anzahl von Umschlägen statt, welche durch die Erfahrung gefunden wird.
Man hat bereits gesehn, daß der Umschlag des Kaufmannskapitals verschieden ist von dem des industriellen Kapitals. Dies folgt aus der Natur der Sache; eine einzelne Phase im Umschlag des industriellen Kapitals erscheint als vollständiger Umschlag eines eignen Kaufmannskapitals oder doch eines Teils davon. Er steht auch in andrem Verhältnis zu Profit- und Preisbestimmung.
Bei dem industriellen Kapital drückt der Umschlag einerseits die Periodizität der Reproduktion aus, und es hängt daher davon ab die Masse der Waren, die in einer bestimmten Zeit auf den Markt geworfen werden. Andrerseits bildet die Umlaufszeit eine Grenze, und zwar eine dehnbare, welche mehr oder weniger beschränkend auf die Bildung von Wert und Mehrwert, weil auf den Umfang des Produktionsprozesses wirkt. Der Umschlag geht daher bestimmend ein, nicht als positives, sondern als beschränkendes Element, in die Masse des jährlich produzierten Mehrwerts und daher in die Bildung der allgemeinen Profitrate. Dagegen ist die Durchschnittsprofitrate eine gegebne Größe für das Kaufmannskapital. Es wirkt nicht direkt mit in der Schöpfung des Profits oder Mehrwerts und geht in die Bildung der allgemeinen Profitrate nur soweit bestimmend ein, als es nach dem Teil, den es vom Gesamtkapital bildet, seine Dividende aus der Masse des vom industriellen Kapital produzierten Profits zieht.
Je größer die Umschlagsanzahl eines industriellen Kapitals unter den Buch II, Abschn. II, entwickelten Bedingungen, desto größer ist die Masse des Profits, den es bildet. Durch die Herstellung der allgemeinen Profitrate wird nun zwar der Gesamtprofit verteilt unter die verschiednen Kapitale, nicht nach dem Verhältnis, worin sie unmittelbar an seiner Produktion teilnehmen, sondern nach den aliquoten Teilen, die sie vom Gesamtkapital bilden, d.h. im Verhältnis ihrer Größe. Dies ändert jedoch nichts am Wesen der Sache. Je größer die Anzahl der Umschläge des industriellen Gesamtkapitals, desto größer die Profitmasse, die Masse des jährlich produzierten Mehrwerts, und daher bei sonst gleichen Umständen die Profitrate. Anders mit dem Kaufmannskapital. Für es ist die Profitrate eine gegebne Größe, bestimmt einerseits durch die Masse des vom industriellen Kapital produzierten Profits, andrerseits durch die relative Größe des Gesamthandelskapitals, durch sein quantitatives Verhältnis zur Summe des im Produktionsprozeß und Zirkulationsprozeß vorgeschoßnen Kapitals. Die Anzahl seiner Umschläge wirkt allerdings bestimmend ein auf sein Verhältnis zum Gesamtkapital oder auf die relative Größe des zur Zirkulation notwendigen Kaufmannskapitals, indem es klar ist, daß absolute Größe des notwendigen Kaufmannskapitals und Umschlagsgeschwindigkeit desselben im umgekehrten Verhältnis stehn; seine relative Größe oder der Anteil, den es vom Gesamtkapital bildet, ist aber gegeben durch seine absolute Größe, alle andern Umstände gleichgesetzt. Ist das Gesamtkapital 10.000, so, wenn das Kaufmannskapital 1/10 desselben, ist es = 1.000, ist das Gesamtkapital 1.000, so 1/10 desselben = 100. Sofern ist seine absolute Größe verschieden, obgleich seine relative Größe dieselbe bleibt, verschieden nach der Größe des Gesamtkapitals. Aber hier nehmen wir seine relative Größe, sage 1/10 des Gesamtkapitals, als gegeben an. Diese seine relative Größe selbst wird aber wiederum durch den Umschlag bestimmt. Bei raschem Umschlag ist seine absolute Größe z.B. = 1.000 Pfd.St. im ersten Fall, = 100 im zweiten und daher seine relative Größe = 1/10. Bei langsamerm Umschlag ist seine absolute Größe sage = 2.000 im ersten Fall, = 200 im zweiten. Daher ist seine relative Größe gewachsen von 1/10 auf 1/5 des Gesamtkapitals. Umstände, welche den Durchschnittsumschlag des Kaufmannskapitals verkürzen, z.B. Entwicklung der Transportmittel, vermindern pro tanto die absolute Größe des Kaufmannskapitals, erhöhen daher die allgemeine Profitrate. Umgekehrt, umgekehrt. Entwickelte kapitalistische Produktionsweise, verglichen mit frühern Zuständen, wirkt doppelt auf das Kaufmannskapital; dasselbe Quantum Waren wird mit einer geringern Masse wirklich fungierenden Kaufmannskapitals umgeschlagen; wegen des raschern Umschlags des Kaufmannskapitals und der größern Geschwindigkeit des Reproduktionsprozesses, worauf dies beruht, vermindert sich das Verhältnis des Kaufmannskapitals zum industriellen Kapital. Andrerseits: Mit der Entwicklung der kapitalistischen Produktionsweise wird alle Produktion Warenproduktion und fällt daher alles Produkt in die Hände der Zirkulationsagenten, wobei hinzukommt, daß bei früherer Produktionsweise, die im kleinen produzierte, abgesehn von der Masse Produkte, die unmittelbar in natura vom Produzenten selbst konsumiert, und der Masse Leistungen, die in natura erledigt wurden, ein sehr großer Teil der Produzenten seine Ware unmittelbar an den Konsumenten verkaufte oder auf dessen persönliche Bestellung arbeitete. Obgleich daher in frühern Produktionsweisen das kommerzielle Kapital größer ist im Verhältnis zum Warenkapital, das es umschlägt, ist es
absolut kleiner, weil ein unverhältnismäßig kleiner Teil des Gesamtprodukts als Ware produziert wird, als Warenkapital in die Zirkulation eingehn muß und in die Hände der Kaufleute fällt; es ist kleiner, weil das Warenkapital kleiner ist. Es ist aber zugleich verhältnismäßig größer, nicht nur wegen der größern Langsamkeit seines Umschlags und im Verhältnis zur Masse der Waren, die es umschlägt. Es ist größer, weil der Preis dieser Warenmasse, also auch das darauf vorzuschießende Kaufmannskapital, infolge der geringern Produktivität der Arbeit größer ist als in der kapitalistischen Produktion, daher derselbe Wert sich in kleinerer Masse Waren darstellt.
Es wird nicht nur eine größre Warenmasse auf Basis der kapitalistischen Produktionsweise produziert (wobei in Abrechnung zu bringen der verminderte Wert dieser Warenmasse); sondern dieselbe Masse Produkt, z.B. von Korn, bildet größre Warenmasse, d.h. es kommt immer mehr davon in den Handel. Infolge hiervon wächst übrigens nicht nur die Masse des Kaufmannskapitals, sondern überhaupt alles Kapital, das in der Zirkulation angelegt ist, z.B. in Schiffahrt, Eisenbahnen, Telegraphie etc.
aber, und dies ist ein Gesichtspunkt, dessen Ausführung in die "Konkurrenz der Kapitale" gehört: das nicht oder halb fungierende Kaufmannskapital wächst mit dem Fortschritt der kapitalistischen Produktionsweise, mit der Leichtigkeit der Einschiebung in den Kleinhandel, mit der Spekulation und dem Überfluß an freigesetztem Kapital.
Aber, die relative Größe des Kaufmannskapitals im Verhältnis zum Gesamtkapital als gegeben vorausgesetzt, wirkt die Verschiedenheit der Umschläge in verschiednen Handelszweigen nicht auf die Größe des Gesamtprofits, der dem kaufmännischen Kapital zukommt, noch auf die allgemeine Profitrate. Der Profit des Kaufmanns ist bestimmt, nicht durch die Masse des Warenkapitals, das er umschlägt, sondern durch die Größe des Geldkapitals, das er zur Vermittlung dieses Umschlags vorschießt. Ist die allgemeine Jahresprofitrate 15% und schießt der Kaufmann 100 Pfd.St. vor, so, wenn sein Kapital einmal im Jahr umschlägt, wird er seine Ware zu 115 verkaufen. Schlägt sein Kapital fünfmal im Jahr um, so wird er ein Warenkapital zum Einkaufspreis von 100 fünfmal im Jahr zu 103 verkaufen, also im ganzen Jahr ein Warenkapital von 500 zu 515. Dies macht aber auf sein vorgeschoßnes Kapital von 100 nach wie vor einen Jahresprofit von 15. Wäre dies nicht der Fall, so würfe das Kaufmannskapital, im Verhältnis zur Zahl seiner Umschläge, viel höhern Profit ab als das industrielle Kapital, was dem Gesetz der allgemeinen Profitrate widerspricht.
Die Anzahl der Umschläge des Kaufmannskapitals in verschiednen Handelszweigen affiziert also die merkantilen Preise der Waren direkt. Die Höhe des merkantilen Preiszuschlags, des aliquoten Teils des merkantilen Profits eines gegebnen Kapitals, der auf den Produktionspreis der einzelnen Ware fällt, steht im umgekehrten Verhältnis zur Anzahl der Umschläge oder zur Umschlagsgeschwindigkeit der Kaufmannskapitale in verschiednen Geschäftszweigen. Schlägt ein Kaufmannskapital fünfmal im Jahre um, so setzt es dem gleichwertigen Warenkapital nur 1/5 des Aufschlags zu, den ein andres Kaufmannskapital, das nur einmal im Jahr umschlagen kann, einem Warenkapital von gleichem Wert zusetzt.
Die Affektion der Verkaufspreise durch die durchschnittliche Umschlagszeit der Kapitale in verschiednen Handelszweigen reduziert sich darauf, daß im Verhältnis zu dieser Umschlagsgeschwindigkeit dieselbe Profitmasse, die bei gegebner Größe des Kaufmannskapitals durch die allgemeine Jahresprofitrate bestimmt ist, also bestimmt ist unabhängig vom speziellen Charakter der kaufmännischen Operation dieses Kapitals, sich verschieden verteilt auf Warenmassen von demselben Wert, bei fünfmaligem Umschlag im Jahr z.B. 15/5 = 3%, bei einmaligem Umschlag im Jahr dagegen 15% dem Warenpreis zusetzt.
Derselbe Prozentsatz des kommerziellen Profits in verschiednen Handelszweigen erhöht also, je nach dem Verhältnis ihrer Umschlagszeiten, die Verkaufspreise der Waren um ganz verschiedne Prozente, auf den Wert dieser Waren berechnet.
Bei dem industriellen Kapital dagegen wirkt die Umschlagszeit in keiner Weise auf die Wertgröße der produzierten einzelnen Waren, obgleich sie die Masse der von einem gegebnen Kapital in einer gegebnen Zeit produzierten Werte und Mehrwerte affiziert, weil die Masse der exploitierten Arbeit. Dies versteckt sich allerdings und scheint anders zu sein, sobald man die Produktionspreise ins Auge faßt, aber nur weil die Produktionspreise der verschiednen Waren nach früher entwickelten Gesetzen von ihren Werten abweichen. Betrachtet man den gesamten Produktionsprozeß, die vom gesamten industriellen Kapital produzierte Warenmasse, so findet man sofort das allgemeine Gesetz bestätigt.
Während also eine genauere Betrachtung des Einflusses der Umschlagszeit auf die Wertbildung beim industriellen Kapital zurückführt zum allgemeinen Gesetz und zur Basis der politischen Ökonomie, daß die Werte der Waren bestimmt sind durch die in ihnen enthaltne Arbeitszeit, zeigt der Einfluß der Umschläge des Kaufmannskapitals auf die merkantilen Preise Phänomene, die ohne sehr weitläufige Analyse der Mittelglieder eine rein willkürliche Bestimmung der Preise vorauszusetzen scheinen; nämlich eine Bestimmung bloß dadurch, daß das Kapital nun einmal entschlossen ist, ein bestimmtes Quantum Profit im Jahr zu machen. Es scheint namentlich, durch diesen Einfluß der Umschläge, als ob der Zirkulationsprozeß als solcher die Preise der Waren bestimme, unabhängig, innerhalb gewisser Grenzen, vom Produktionsprozeß. Alle oberflächlichen und verkehrten Anschauungen des Gesamtprozesses der Reproduktion sind der Betrachtung des Kaufmannskapitals entnommen und den Vorstellungen, die seine eigentümlichen Bewegungen in den Köpfen der Zirkulationsagenten hervorrufen.
Wenn, wie der Leser zu seinem Leidwesen erkannt hat, die Analyse der wirklichen, innern Zusammenhänge des kapitalistischen Produktionsprozesses ein sehr verwickeltes Ding und eine sehr ausführliche Arbeit ist; wenn es ein Werk der Wissenschaft ist, die sichtbare, bloß erscheinende Bewegung auf die innere wirkliche Bewegung zu reduzieren, so versteht es sich ganz von selbst, daß in den Köpfen der kapitalistischen Produktions- und Zirkulationsagenten sich Vorstellungen über die Produktionsgesetze bilden müssen, die von diesen Gesetzen ganz abweichen, und nur der bewußte Ausdruck der scheinbaren Bewegung sind. Die Vorstellungen eines Kaufmanns, Börsenspekulanten, Bankiers sind notwendig ganz verkehrt. Die der Fabrikanten sind verfälscht durch die Zirkulationsakte, denen ihr Kapital unterworfen ist, und durch die Ausgleichung der allgemeinen Profitrate.5 Die Konkurrenz spielt in diesen Köpfen notwendig auch eine ganz verkehrte Rolle. Sind die Grenzen des Werts und des Mehrwerts gegeben, so ist leicht einzusehn, wie die Konkurrenz der Kapitale die Werte in Produktionspreise und noch weiter in merkantile Preise, den Mehrwert in Durchschnittsprofit verwandelt. Aber ohne diese Grenzen ist absolut nicht einzusehn, warum die Konkurrenz die allgemeine Profitrate auf diese statt jene Grenze reduziert, auf 15% statt auf 1.500%. Sie kann sie doch höchstens auf ein Niveau reduzieren. Aber es ist absolut kein Element in ihr, um dies Niveau selbst zu bestimmen.
Vom Standpunkt des Kaufmannskapitals erscheint also der Umschlag selbst als preisbestimmend. Andrerseits, während die Umschlagsgeschwindigkeit des industriellen Kapitals, soweit sie ein gegebnes Kapital zur Exploitation von mehr oder weniger Arbeit befähigt, bestimmend und begrenzend auf die Profitmasse und daher auf die allgemeine Rate des Profits wirkt, ist dem merkantilen Kapital die Profitrate äußerlich gegeben und der innere Zusammenhang derselben mit der Bildung von Mehrwert gänzlich verlöscht. Wenn dasselbe industrielle Kapital, bei sonst gleichbleibenden Umständen und namentlich bei gleicher organischer Zusammensetzung, viermal im Jahr statt zweimal umschlägt, produziert es doppelt soviel Mehrwert und daher Profit; und dies zeigt sich handgreiflich, sobald und solange dies Kapital das Monopol der verbesserten Produktionsweise besitzt, die ihm diese Umschlagsbeschleunigung gestattet. Die verschiedne Umschlagszeit in verschiednen Handelszweigen erscheint umgekehrt darin, daß der Profit, der auf den Umschlag eines bestimmten Warenkapitals gemacht wird, im umgekehrten Verhältnis steht zur Anzahl der Umschläge des Geldkapitals, das diese Warenkapitale umschlägt. Small profits and quick returns erscheint namentlich dem shopkeeper als ein Prinzip, das er aus Prinzip befolgt.
Es versteht sich übrigens von selbst, daß dies Gesetz der Umschläge des Kaufmannskapitals in jedem Handelszweig, und abgesehn von der Abwechslung einander kompensierender, rascherer und langsamerer Umschläge, nur für den Durchschnitt der Umschläge gilt, die das ganze in diesem Zweig angelegte Kaufmannskapital macht. Das Kapital von A, der in demselben Zweige macht wie B, mag mehr oder weniger als die Durchschnittszahl der Umschläge machen. In diesem Fall machen die andern weniger oder mehr. Es ändert dies nichts am Umschlag der in diesem Zweig angelegten Totalmasse von Kaufmannskapital. Aber es ist entscheidend wichtig für den einzelnen Kaufmann oder Kleinhändler. Er macht in diesem Fall einen Mehrprofit, ganz wie industrielle Kapitalisten Mehrprofite machen, wenn sie unter günstigern als den Durchschnittsbedingungen produzieren. Zwingt die Konkurrenz dazu, so kann er wohlfeiler verkaufen als seine Kumpane, ohne seinen Profit unter den Durchschnitt zu senken. Sind die Bedingungen, die ihn zu rascherm Umschlag befähigen, selbst käufliche Bedingungen, z.B. Lage der Verkaufsstätte, so kann er extra Rente dafür zahlen, d.h. ein Teil seines Surplusprofits verwandelt sich in Grundrente.
Neunzehntes Kapitel. Das Geldhandlungskapital
Die rein technischen Bewegungen, die das Geld durchmacht im Zirkulationsprozeß des industriellen Kapitals und, wie wir jetzt hinzusetzen können, des Warenhandlungskapitals (da dies einen Teil der Zirkulationsbewegung des industriellen Kapitals als seine eigne und eigentümliche Bewegung übernimmt) - diese Bewegungen, verselbständigt zur Funktion eines besondren Kapitals, das sie, und nur sie, als ihm eigentümliche Operationen ausübt, verwandeln dies Kapital in Geldhandlungskapital. Ein Teil des industriellen Kapitals, und näher auch des Warenhandlungskapitals, bestände nicht nur fortwährend in Geldform, als Geldkapital überhaupt, sondern als Geldkapital, das in diesen technischen Funktionen begriffen ist. Von dem Gesamtkapital sondert sich nun ab und verselbständigt sich ein bestimmter Teil in Form von Geldkapital, dessen kapitalistische Funktion ausschließlich darin besteht, für die gesamte Klasse der industriellen und kommerziellen Kapitalisten diese Operationen auszuführen. Wie beim Warenhandlungskapital trennt sich ein Teil des im Zirkulationsprozeß in der Gestalt von Geldkapital vorhandnen industriellen Kapitals ab und verrichtet diese Operationen des Reproduktionsprozesses für das gesamte übrige Kapital. Die Bewegungen dieses Geldkapitals sind also wiederum nur Bewegungen eines verselbständigten Teils des in seinem Reproduktionsprozeß begriffnen industriellen Kapitals.
Nur wenn, und insoweit, Kapital neu angelegt wird - was auch der Fall bei der Akkumulation -, erscheint Kapital in Geldform als Ausgangspunkt und Endpunkt der Bewegung. Aber für jedes einmal in seinem Prozeß befindliche Kapital erscheint Ausgangspunkt wie Endpunkt nur als Durchgangspunkt. Soweit das industrielle Kapital, vom Austritt aus der Produktionssphäre bis zum Wiedereintritt in dieselbe, die Metamorphose W′ - G - W durchzumachen hat, ist, wie sich schon bei der einfachen Warenzirkulation zeigte, G in der Tat nur das Endresultat der einen Phase der Metamorphose, um der Ausgangspunkt der entgegengesetzten, sie ergänzenden zu sein. Und obgleich für das Handelskapital das W - G des industriellen Kapitals stets als G - W - G sich darstellt, so ist doch auch für es, sobald es einmal engagiert ist, der wirkliche Prozeß fortwährend W - G - W. Das Handelskapital macht aber gleichzeitig die Akte W - G und G - W durch. D.h., nicht nur ein Kapital befindet sich im Stadium W - G, während das andre sich im Stadium G - W befindet, sondern dasselbe Kapital kauft beständig und verkauft beständig gleichzeitig wegen der Kontinuität des Produktionsprozesses; es befindet sich fortwährend gleichzeitig in beiden Stadien. Während ein Teil desselben sich in Geld verwandelt, um sich später in Ware rückzuverwandeln, verwandelt der andre sich gleichzeitig in Ware, um sich in Geld rückzuverwandeln.
Ob das Geld hier als Zirkulationsmittel oder als Zahlungsmittel fungiert, hängt von der Form des Warenaustausches ab. In beiden Fällen hat der Kapitalist beständig an viele Personen Geld auszuzahlen und beständig von vielen Personen Geld in Zahlung zu empfangen. Diese bloß technische Operation des Geldzahlens und des Geldeinkassierens bildet Arbeit für sich, die, soweit das Geld als Zahlungsmittel fungiert, Bilanzberechnungen, Akte der Ausgleichung nötig macht. Diese Arbeit ist eine Zirkulationskost, keine wertschaffende Arbeit. Sie wird dadurch abgekürzt, daß sie von einer besondren Abteilung von Agenten oder Kapitalisten für die ganze übrige Kapitalistenklasse ausgeführt wird.
Ein bestimmter Teil des Kapitals muß beständig als Schatz, potentielles Geldkapital, vorhanden sein: Reserve von Kaufmitteln, Reserve von Zahlungsmitteln, unbeschäftigtes, in Geldform seiner Anwendung harrendes Kapital; und ein Teil des Kapitals strömt beständig in dieser Form zurück. Dies macht, außer Einkassieren, Zahlen und Buchhalten, Aufbewahrung des Schatzes nötig, was wieder eine besondre Operation ist. Es ist also in der Tat die beständige Auflösung des Schatzes in Zirkulationsmittel und Zahlungsmittel und seine Rückbildung aus im Verkauf erhaltnem Geld und fällig gewordner Zahlung; diese beständige Bewegung des als Geld existierenden Teils des Kapitals, getrennt von der Kapitalfunktion selbst, diese rein technische Operation ist es, die besondre Arbeit und Kosten verursacht - Zirkulationskosten.
Die Teilung der Arbeit bringt es mit sich, daß diese technischen Operationen, die durch die Funktionen des Kapitals bedingt sind, soweit möglich für die ganze Kapitalistenklasse von einer Abteilung von Agenten oder Kapitalisten als ausschließliche Funktionen verrichtet werden oder sich in ihren Händen konzentrieren. Es ist hier, wie beim Kaufmannskapital, Teilung der Arbeit in doppeltem Sinn. Es wird besondres Geschäft, und weil es als besondres Geschäft für den Geldmechanismus der ganzen Klasse verrichtet wird, wird es konzentriert, auf großer Stufenleiter ausgeübt; und nun findet wieder Teilung der Arbeit innerhalb dieses besondern Geschäfts statt, sowohl durch Spaltung in verschiedne voneinander unabhängige Zweige, wie durch Ausbildung der Werkstatt innerhalb dieser Zweige (große Büros, zahlreiche Buchhalter und Kassierer, weitgetriebne Arbeitsteilung). Auszahlung des Geldes, Einkassierung, Ausgleichung der Bilanzen, Führung laufender Rechnungen, Aufbewahren des Geldes etc., getrennt von den Akten, wodurch diese technischen Operationen nötig werden, machen das in diesen Funktionen vorgeschoßne Kapital zum Geldhandlungskapital.
Die verschiednen Operationen, aus deren Verselbständigung zu besondren Geschäften der Geldhandel entspringt, ergeben sich aus den verschiednen Bestimmtheiten des Geldes selbst und aus seinen Funktionen, die also auch das Kapital in der Form von Geldkapital durchzumachen hat.
Ich habe früher darauf hingewiesen, wie das Geldwesen überhaupt sich ursprünglich entwickelt im Produktenaustausch zwischen verschiednen Gemeinwesen.6
Es entwickelt sich der Geldhandel, der Handel mit der Geldware, daher zunächst aus dem internationalen Verkehr. Sobald verschiedne Landesmünzen existieren, haben die Kaufleute, die in fremden Ländern einkaufen, ihre Landesmünze in die Lokalmünze umzusetzen und umgekehrt oder auch verschiedne Münzen gegen ungemünztes reines Silber oder Gold als Weltgeld. Daher das Wechselgeschäft, das als eine der naturwüchsigen Grundlagen des modernen Geldhandels zu betrachten ist.7 Es entwickelten sich daraus Wechselbanken, wo Silber (oder Gold) als Weltgeld - jetzt als Bankgeld oder Handelsgeld - im Unterschied zur Kurantmünze fungieren. Das Wechselgeschäft, soweit es bloße Anweisung für Zahlung an Reisende von dem Wechsler eines Landes an andre, hat sich schon in Rom und Griechenland aus dem eigentlichen Wechslergeschäft entwickelt.
Der Handel mit Gold und Silber als Waren (Rohstoffen zur Bereitung für Luxusartikel) bildet die naturwüchsige Basis des Barrenhandels (Bullion trade) oder des Handels, der die Funktionen des Geldes als Weltgeldes vermittelt. Diese Funktionen, wie früher erklärt (Buch I, Kap. III, 3, c), sind doppelt: Hin- und Herlaufen zwischen den verschiednen nationalen Zirkulationssphären zur Ausgleichung der internationalen Zahlungen und bei Wanderungen des Kapitals zum Verzinsen; daneben Bewegung, von den Produktionsquellen der Edelmetalle aus, über den Weltmarkt und Verteilung der Zufuhr unter die verschiednen nationalen Zirkulationssphären. In England fungierten noch während des größten Teils des 17. Jahrhunderts die Goldschmiede als Bankiers. Wie sich weiter die Ausgleichung der internationalen Zahlungen im Wechselhandel etc. entwickelt, lassen wir hier ganz außer acht, wie alles, was sich auf Geschäfte in Wertpapieren bezieht, kurz alle besondren Formen des Kreditwesens, das uns hier noch nichts angeht.
Als Weltgeld streift das Landesgeld seinen lokalen Charakter ab; ein Landesgeld wird im andern ausgedrückt und so alle reduziert auf ihren Gehalt in Gold oder Silber, während diese letztren zugleich, als die beiden Waren, die als Weltgeld zirkulieren, auf ihr gegenseitiges Wertverhältnis zu reduzieren sind, das beständig wechselt. Diese Vermittlung macht der Geldhändler zu seinem besondren Geschäft. Wechslergeschäft und Barrenhandel sind so die ursprünglichsten Formen des Geldhandels und entspringen aus den doppelten Funktionen des Geldes: als Landesmünze und als Weltgeld.
Aus dem kapitalistischen Produktionsprozeß, wie aus dem Handel überhaupt, selbst bei vorkapitalistischer Produktionsweise, ergibt sich:
Erstens, die Ansammlung des Geldes als Schatz, d.h. jetzt des Teils des Kapitals, der stets in Geldform vorhanden sein muß, als Reservefonds von Zahlungs- und Kaufmitteln. Dies ist die erste Form des Schatzes, wie er in der kapitalistischen Produktionsweise wiedererscheint und sich überhaupt bei Entwicklung des Handelskapitals wenigstens für dieses bildet. Beides gilt sowohl für die inländische wie die internationale Zirkulation. Dieser Schatz ist beständig fließend, ergießt sich beständig in die Zirkulation und kehrt beständig aus ihr zurück. Die zweite Form des Schatzes ist nun die von brachliegendem, augenblicklich unbeschäftigtem Kapital in Geldform, wozu auch neu akkumuliertes, noch nicht angelegtes Geldkapital gehört. Die Funktionen, die diese Schatzbildung als solche nötig macht, sind zunächst seine Aufbewahrung, Buchführung etc.
Zweitens aber ist damit verbunden Ausgeben des Geldes beim Kaufen, Einnehmen beim Verkaufen, Zahlen und Empfangen von Zahlungen, Ausgleichung der Zahlungen etc. Alles dies verrichtet der Geldhändler zunächst als einfacher Kassierer für die Kaufleute und industriellen Kapitalisten.8
Vollständig entwickelt ist der Geldhandel, und dies immer auch schon in seinen ersten Anfängen, sobald mit seinen sonstigen Funktionen die des Leihens und Borgens und der Handel in Kredit sich verbindet. Darüber im folgenden Abschnitt, beim zinstragenden Kapital.
Der Barrenhandel selbst, das Überführen von Gold oder Silber aus einem Land in das andre, ist nur das Resultat des Warenhandels, bestimmt durch den Wechselkurs, der den Stand der internationalen Zahlungen und des Zinsfußes auf verschiednen Märkten ausdrückt. Der Barrenhändler als solcher vermittelt nur Resultate.
Bei Betrachtung des Geldes, wie sich seine Bewegungen und Formbestimmtheiten aus der einfachen Warenzirkulation entwickeln, hat man gesehn (Buch I, Kap. III), wie die Bewegung der Masse des als Kaufmittel und Zahlungsmittel zirkulierenden Geldes bestimmt ist durch die Warenmetamorphose, durch Umfang und Geschwindigkeit derselben, die, wie wir jetzt wissen, selbst nur ein Moment des gesamten Reproduktionsprozesses ist. Was die Beschaffung des Geldmaterials - Gold und Silber - von seinen Produktionsquellen angeht, so löst sie sich auf in unmittelbaren Warenaustausch, in Austausch von Gold und Silber als Ware gegen andre Ware, ist also selbst ebensosehr ein Moment des Warenaustausches wie die Beschaffung von Eisen oder andren Metallen. Was aber die Bewegung der edlen Metalle auf dem Weltmarkt angeht (wir sehn hier ab von dieser Bewegung, soweit sie leihweise Kapitalübertragung ausdrückt, eine Übertragung, die auch in der Form von Warenkapital vorgeht), so ist sie ganz so bestimmt durch den internationalen Warenaustausch, wie die Bewegung des Geldes als inländisches Kauf- und Zahlungsmittel durch den inländischen Warenaustausch. Die Aus- und Einwanderungen der edlen Metalle aus einer nationalen Zirkulationssphäre in die andre, soweit sie nur verursacht sind durch Entwertung von Landesmünze oder durch Doppelwährung, sind der Geldzirkulation als solcher fremd und bloße Korrektion willkürlich, von Staats wegen hervorgebrachter Abirrungen. Was endlich die Bildung von Schätzen angeht, soweit sie Reservefonds von Kauf- oder Zahlungsmitteln, sei es für innern oder auswärtigen Handel, darstellt, und ebenfalls soweit sie bloße Form von einstweilen brachliegendem Kapital ist, so ist sie beidemal nur ein notwendiger Niederschlag des Zirkulationsprozesses.
Wie die ganze Geldzirkulation in ihrem Umfang, ihren Formen und ihren Bewegungen bloßes Resultat der Warenzirkulation ist, die vom kapitalistischen Standpunkt aus selbst nur den Zirkulationsprozeß des Kapitals darstellt (und darin ist einbegriffen der Austausch von Kapital gegen Revenue und von Revenue gegen Revenue, soweit die Verausgabung von Revenue sich im Kleinhandel realisiert), so versteht es sich ganz von selbst, daß der Geldhandel nicht nur das bloße Resultat und die Erscheinungsweise der Warenzirkulation, die Geldzirkulation, vermittelt. Diese Geldzirkulation selbst, als ein Moment der Warenzirkulation, ist für ihn gegeben. Was er vermittelt, sind ihre technischen Operationen, die er konzentriert, abkürzt und vereinfacht. Der Geldhandel bildet nicht die Schätze, sondern liefert die technischen Mittel, um diese Schatzbildung, soweit sie freiwillig ist (also nicht Ausdruck von unbeschäftigtem Kapital oder von Störung des Reproduktionsprozesses), auf ihr ökonomisches Minimum zu reduzieren, indem die Reservefonds für Kauf- und Zahlungsmittel, wenn für die ganze Kapitalistenklasse verwaltet, nicht so groß zu sein brauchen, als wenn von jedem Kapitalisten besonders. Der Geldhandel kauft nicht die edlen Metalle, sondern vermittelt nur ihre Verteilung, sobald der Warenhandel sie gekauft hat. Der Geldhandel erleichtert die Ausgleichung der Bilanzen, soweit das Geld als Zahlungsmittel fungiert, und vermindert durch den künstlichen Mechanismus dieser Ausgleichungen die dazu erheischte Geldmasse; aber er bestimmt weder den Zusammenhang noch den Umfang der wechselseitigen Zahlungen. Die Wechsel und Schecks z.B., die in Banken und Clearing houses gegeneinander ausgetauscht werden, stellen ganz unabhängige Geschäfte dar, sind Resultate von gegebnen Operationen, und es handelt sich nur um beßre technische Ausgleichung dieser Resultate. Soweit das Geld als Kaufmittel zirkuliert, sind Umfang und Anzahl der Käufe und Verkäufe durchaus unabhängig vom Geldhandel. Er kann nur die technischen Operationen, die sie begleiten, verkürzen, und dadurch die Masse des zu ihrem Umschlag nötigen baren Geldes vermindern.
Der Geldhandel in der reinen Form, worin wir ihn hier betrachten, d.h. getrennt vom Kreditwesen, hat es also nur zu tun mit der Technik eines Moments der Warenzirkulation, nämlich der Geldzirkulation und den daraus entspringenden verschiednen Funktionen des Geldes.
Dies unterscheidet den Geldhandel wesentlich vom Warenhandel, der die Metamorphose der Ware und den Warenaustausch vermittelt oder selbst diesen Prozeß des Warenkapitals als Prozeß eines vom industriellen Kapital gesonderten Kapitals erscheinen läßt. Wenn daher das Warenhandlungskapital eine eigne Form der Zirkulation zeigt, G - W - G, wo die Ware zweimal die Stelle wechselt und dadurch das Geld zurückfließt, im Gegensatz zu W - G - W, wo das Geld zweimal die Hände wechselt und dadurch den Warenaustausch vermittelt, so kann keine solche besondre Form für das Geldhandlungskapital nachgewiesen werden.
Soweit Geldkapital in dieser technischen Vermittlung der Geldzirkulation von einer besondren Abteilung Kapitalisten vorgeschossen wird - ein Kapital, das auf verjüngtem Maßstab das Zusatzkapital vorstellt, das sich die Kaufleute und industriellen Kapitalisten sonst selbst zu diesen Zwecken vorschießen müßten -, ist die allgemeine Form des Kapitals G - G′ auch hier vorhanden. Durch Vorschuß von G wird G + ΔG für den Vorschießer erzeugt. Aber die Vermittlung von G - G′ bezieht sich hier nicht auf die sachlichen, sondern nur auf die technischen Momente der Metamorphose.
Es ist augenscheinlich, daß die Masse des Geldkapitals, womit die Geldhändler zu tun haben, das in Zirkulation befindliche Geldkapital der Kaufleute und Industriellen ist und daß die Operationen, die sie vollziehn, nur die Operationen jener sind, die sie vermitteln.
Es ist ebenso klar, daß ihr Profit nur ein Abzug vom Mehrwert ist, da sie nur mit schon realisierten Werten (selbst wenn nur in Form von Schuldforderungen realisiert) zu tun haben.
Wie bei dem Warenhandel findet hier Verdopplung der Funktion statt. Denn ein Teil der mit der Geldzirkulation verbundnen technischen Operationen muß von den Warenhändlern und Warenproduzenten selbst verrichtet werden.
Zwanzigstes Kapitel. Geschichtliches über das Kaufmannskapital
Die besondre Form der Geldakkumulation des Warenhandlungs- und Geldhandlungskapitals wird erst im nächsten Abschnitt betrachtet.
Aus dem bisher Entwickelten ergibt sich von selbst, daß nichts abgeschmackter sein kann, als das Kaufmannskapital, sei es in der Form des Warenhandlungskapitals, sei es in der des Geldhandlungskapitals, als eine besondre Art des industriellen Kapitals zu betrachten, ähnlich wie etwa Bergbau, Ackerbau, Viehzucht, Manufaktur, Transportindustrie etc., durch die gesellschaftliche Teilung der Arbeit gegebne Abzweigungen und daher besondre Anlagesphären des industriellen Kapitals bilden. Schon die einfache Beobachtung, daß jedes industrielle Kapital, während es sich in der Zirkulationsphase seines Reproduktionsprozesses befindet, als Warenkapital und Geldkapital ganz dieselben Funktionen verrichtet, die als ausschließliche Funktionen des kaufmännischen Kapitals in seinen beiden Formen erscheinen, müßte diese rohe Auffassung unmöglich machen. Im Warenhandlungskapital und Geldhandlungskapital sind umgekehrt die Unterschiede zwischen dem industriellen Kapital als produktivem und demselben Kapital in der Zirkulationssphäre dadurch verselbständigt, daß die bestimmten Formen und Funktionen, die das Kapital hier zeitweilig annimmt, als selbständige Formen und Funktionen eines abgelösten Teils des Kapitals erscheinen und ausschließlich darin eingepfercht sind. Verwandelte Form des industriellen Kapitals und stoffliche, aus der Natur der verschiednen Industriezweige hervorgehende Unterschiede zwischen produktiven Kapitalen in verschiednen Produktionsanlagen sind himmelweit verschieden.
Außer der Brutalität, womit der Ökonom überhaupt die Formunterschiede betrachtet, die ihn in der Tat nur nach der stofflichen Seite interessieren, liegt bei dem Vulgärökonomen dieser Verwechslung noch zweierlei zugrunde. Erstens seine Unfähigkeit, den merkantilen Profit in seiner Eigentümlichkeit zu erklären; zweitens sein apologetisches Bestreben, die aus der spezifischen Form der kapitalistischen Produktionsweise - die vor allem Warenzirkulation, und daher Geldzirkulation, als ihre Basis voraussetzt - hervorgehenden Formen von Warenkapital und Geldkapital, und weiterhin von Warenhandlungs- und Geldhandlungskapital, als aus dem Produktionsprozeß als solchem notwendig hervorgehende Gestalten abzuleiten.
Wenn Warenhandlungskapital und Geldhandlungskapital sich nicht anders von Getreidebau unterscheiden, wie dieser von Viehzucht und Manufaktur, so ist sonnenklar, daß Produktion und kapitalistische Produktion überhaupt identisch sind und daß namentlich auch die Verteilung der gesellschaftlichen Produkte unter die Mitglieder der Gesellschaft, sei es zur produktiven oder zur individuellen Konsumtion, ebenso ewig durch Kaufleute und Bankiers vermittelt werden muß, wie der Genuß von Fleisch durch Viehzucht und der von Kleidungsstücken durch deren Fabrikation.9
Die großen Ökonomen wie Smith, Ricardo etc., da sie die Grundform des Kapitals betrachten, das Kapital als industrielles Kapital, und das Zirkulationskapital (Geld- und Warenkapital) tatsächlich nur, soweit es selbst eine Phase im Reproduktionsprozeß jedes Kapitals, sind in Verlegenheit mit dem merkantilen Kapital als einer eignen Sorte. Die aus der Betrachtung des industriellen Kapitals unmittelbar abgeleiteten Sätze über Wertbildung, Profit etc. passen nicht direkt auf das Kaufmannskapital. Sie lassen dies daher in der Tat ganz beiseite liegen und erwähnen es nur als eine Art des industriellen Kapitals. Wo sie im besondren davon handeln, wie Ricardo beim auswärtigen Handel, suchen sie nachzuweisen, daß es keinen Wert schafft (folglich auch keinen Mehrwert). Aber was vom auswärtigen Handel, gilt vom inländischen.
Wir haben bisher das Kaufmannskapital vom Standpunkt und innerhalb der Grenzen der kapitalistischen Produktionsweise betrachtet. Nicht nur der Handel, sondern auch das Handelskapital ist aber älter als die kapitalistische Produktionsweise, ist in der Tat die historisch älteste freie Existenzweise des Kapitals.
Da man bereits gesehn, daß der Geldhandel und das darin vorgeschoßne Kapital zu seiner Entwicklung nichts bedarf als die Existenz des Großhandels, weiter des Warenhandlungskapitals, so ist es nur das letztre, womit wir uns hier zu befassen haben.
Weil das Handlungskapital eingepfercht ist in die Zirkulationssphäre und seine Funktion ausschließlich darin besteht, den Warenaustausch zu vermitteln, so sind zu seiner Existenz - abgesehn von unentwickelten Formen, die aus dem unmittelbaren Tauschhandel entspringen - keine andren Bedingungen nötig als zur einfachen Waren- und Geldzirkulation. Oder die letztre ist vielmehr seine Existenzbedingung. Auf Basis welcher Produktionsweise auch immer die Produkte produziert wurden, die als Waren in die Zirkulation eingehn - ob auf Basis des urwüchsigen Gemeinwesens oder der Sklavenproduktion oder der kleinbäuerlichen und kleinbürgerlichen oder der kapitalistischen -, es ändert dies nichts an ihrem Charakter als Waren, und als Waren haben sie den Austauschprozeß und die ihn begleitenden Formveränderungen durchzumachen. Die Extreme, zwischen denen das Kaufmannskapital vermittelt, sind gegeben für es, ganz wie sie gegeben sind für das Geld und für die Bewegung des Geldes. Das einzig Nötige ist, daß diese Extreme als Waren vorhanden sind, ob nun die Produktion ihrem ganzen Umfang nach Warenproduktion ist, oder ob bloß der Überschuß der selbstwirtschaftenden Produzenten über ihre, durch ihre Produktion befriedigten, unmittelbaren Bedürfnisse auf den Markt geworfen wird. Das Kaufmannskapital vermittelt nur die Bewegung dieser Extreme, der Waren, als ihm gegebner Voraussetzungen.
Der Umfang, worin die Produktion in den Handel eingeht, durch die Hände der Kaufleute geht, hängt ab von der Produktionsweise und erreicht sein Maximum in der vollen Entwicklung der kapitalistischen Produktion, wo das Produkt nur noch als Ware, nicht als unmittelbares Subsistenzmittel produziert wird. Andrerseits, auf der Basis jeder Produktionsweise, befördert der Handel die Erzeugung von überschüssigem Produkt, bestimmt, in den Austausch einzugehn, um die Genüsse oder die Schätze der Produzenten (worunter hier die Eigner der Produkte zu verstehn sind) zu vermehren; gibt also der Produktion einen mehr und mehr auf den Tauschwert gerichteten Charakter.
Die Metamorphose der Waren, ihre Bewegung, besteht 1. stofflich aus dem Austausch verschiedner Waren gegeneinander, 2. formell aus Verwandlung der Ware in Geld, Verkaufen, und Verwandlung des Geldes in Ware, Kaufen. Und in diese Funktionen, Austauschen von Waren durch Kauf und Verkauf, löst sich die Funktion des Kaufmannskapitals auf. Es vermittelt also bloß den Warenaustausch, der indessen von vornherein nicht bloß als Warenaustausch zwischen den unmittelbaren Produzenten zu fassen ist. Beim Sklavenverhältnis, Leibeignenverhältnis, Tributverhältnis (soweit primitive Gemeinwesen in Betracht kommen) ist es der Sklavenhalter, der Feudalherr, der Tribut empfangende Staat, welcher Eigner, also Verkäufer des Produkts ist. Der Kaufmann kauft und verkauft für viele. In seiner Hand konzentrieren sich Käufe und Verkäufe, wodurch Kauf und Verkauf aufhört, an das unmittelbare Bedürfnis des Käufers (als Kaufmann) gebunden zu sein.
Welches aber immer die gesellschaftliche Organisation der Produktionssphären, deren Warenaustausch der Kaufmann vermittelt, sein Vermögen existiert immer als Geldvermögen und sein Geld fungiert stets als Kapital. Seine Form ist stets G - W - G′; Geld, die selbständige Form des Tauschwerts, der Ausgangspunkt, und Vermehrung des Tauschwerts der selbständige Zweck. Der Warenaustausch selbst und die ihn vermittelnden Operationen - getrennt von der Produktion und vollzogen vom Nichtproduzenten - als bloßes Mittel der Vermehrung, nicht nur des Reichtums, sondern des Reichtums in seiner allgemeinen gesellschaftlichen Form, als Tauschwert. Das treibende Motiv und der bestimmende Zweck ist, G zu verwandeln in G + ΔG; die Akte G - W und W - G′, die den Akt G - G′ vermitteln, erscheinen bloß als Übergangsmomente dieser Verwandlung von G in G + ΔG. Dies G - W - G′ als charakteristische Bewegung des Kaufmannskapitals unterscheidet es von W - G - W, dem Warenhandel zwischen den Produzenten selbst, der auf den Austausch von Gebrauchswerten als letzten Zweck gerichtet ist.
Je unentwickelter die Produktion, um so mehr wird sich daher das Geldvermögen konzentrieren in den Händen der Kaufleute oder als spezifische Form des Kaufmannsvermögens erscheinen.
Innerhalb der kapitalistischen Produktionsweise - d.h. sobald sich das Kapital der Produktion selbst bemächtigt und ihr eine ganz veränderte und spezifische Form gegeben hat - erscheint das Kaufmannskapital nur als Kapital in einer besondren Funktion. In allen frühern Produktionsweisen, und um so mehr, je mehr die Produktion unmittelbar Produktion der Lebensmittel des Produzenten ist, erscheint Kaufmannskapital zu sein als die Funktion par excellence des Kapitals.
Es macht also nicht die geringste Schwierigkeit einzusehn, warum das Kaufmannskapital als historische Form des Kapitals erscheint, lange bevor das Kapital sich die Produktion selbst unterworfen hat. Seine Existenz und Entwicklung zu einer gewissen Höhe ist selbst historische Voraussetzung für die Entwicklung der kapitalistischen Produktionsweise, 1. als Vorbedingung der Konzentration von Geldvermögen, und 2. weil die kapitalistische Produktionsweise Produktion für den Handel voraussetzt, Absatz im großen und nicht an den einzelnen Kunden, also auch einen Kaufmann, der nicht zur Befriedigung seines persönlichen Bedürfnisses kauft, sondern die Kaufakte vieler in seinem Kaufakt konzentriert. Andrerseits wirkt alle Entwicklung des Kaufmannskapitals darauf hin, der Produktion einen mehr und mehr auf den Tauschwert gerichteten Charakter zu geben, die Produkte mehr und mehr in Waren zu verwandeln. Doch ist seine Entwicklung, für sich genommen, wie wir gleich unten noch weiter sehn werden, unzureichend, um den Übergang einer Produktionsweise in die andre zu vermitteln und zu erklären.
Innerhalb der kapitalistischen Produktion wird das Kaufmannskapital von seiner frühern selbständigen Existenz herabgesetzt zu einem besondern Moment der Kapitalanlage überhaupt, und die Ausgleichung der Profite reduziert seine Profitrate auf den allgemeinen Durchschnitt. Es fungiert nur noch als der Agent des produktiven Kapitals. Die mit der Entwicklung des Kaufmannskapitals sich bildenden besondern Gesellschaftszustände sind hier nicht mehr bestimmend; im Gegenteil, wo es vorherrscht, herrschen veraltete Zustände. Dies gilt sogar innerhalb desselben Landes, wo z.B. die reinen Handelsstädte ganz andre Analogien mit vergangnen Zuständen bilden als die Fabrikstädte.10
Selbständige und vorwiegende Entwicklung des Kapitals als Kaufmannskapital ist gleichbedeutend mit Nichtunterwerfung der Produktion unter das Kapital, also mit Entwicklung des Kapitals auf Grundlage einer ihm fremden und von ihm unabhängigen gesellschaftlichen Form der Produktion. Die selbständige Entwicklung des Kaufmannskapitals steht also im umgekehrten Verhältnis zur allgemeinen ökonomischen Entwicklung der Gesellschaft.
Das selbständige Kaufmannsvermögen, als herrschende Form des Kapitals, ist die Verselbständigung des Zirkulationsprozesses gegen seine Extreme, und diese Extreme sind die austauschenden Produzenten selbst. Diese Extreme bleiben selbständig gegen den Zirkulationsprozeß, und dieser Prozeß gegen sie. Das Produkt wird hier Ware durch den Handel. Es ist der Handel, der hier die Gestaltung der Produkte zu Waren entwickelt; es ist nicht die produzierte Ware, deren Bewegung den Handel bildet. Kapital als Kapital tritt hier also zuerst im Zirkulationsprozeß auf. Im Zirkulationsprozeß entwickelt sich das Geld zu Kapital. In der Zirkulation entwickelt sich das Produkt zuerst als Tauschwert, als Ware und Geld. Das Kapital kann sich im Zirkulationsprozeß bilden und muß sich in ihm bilden, bevor es seine Extreme beherrschen lernt, die verschiednen Produktionssphären, zwischen denen die Zirkulation vermittelt. Geld- und Warenzirkulation können Produktionssphären der verschiedensten Organisationen vermitteln, die ihrer innern Struktur nach noch hauptsächlich auf Produktion des Gebrauchswerts gerichtet sind. Diese Verselbständigung des Zirkulationsprozesses, worin die Produktionssphären untereinander verbunden werden durch ein Drittes, drückt Doppeltes aus. Einerseits, daß die Zirkulation sich noch nicht der Produktion bemächtigt hat, sondern sich zu ihr als gegebner Voraussetzung verhält. Andrerseits, daß der Produktionsprozeß die Zirkulation noch nicht als bloßes Moment in sich aufgenommen hat. In der kapitalistischen Produktion dagegen ist beides der Fall. Der Produktionsprozeß beruht ganz auf der Zirkulation, und die Zirkulation ist ein bloßes Moment, eine Durchgangsphase der Produktion, bloß die Realisierung des als Ware produzierten Produkts und der Ersatz seiner als Waren produzierten Produktionselemente. Die unmittelbar aus der Zirkulation stammende Form des Kapitals - das Handelskapital - erscheint hier nur noch als eine der Formen des Kapitals in seiner Reproduktionsbewegung.
Das Gesetz, daß die selbständige Entwicklung des Kaufmannskapitals im umgekehrten Verhältnis steht zum Entwicklungsgrad der kapitalistischen Produktion, erscheint am meisten in der Geschichte des Zwischenhandels (carrying trade), wie bei Venezianern, Genuesern, Holländern etc., wo also der Hauptgewinn gemacht wird nicht durch Ausfuhr der eignen Landesprodukte, sondern durch Vermittlung des Austausches der Produkte kommerziell und sonst ökonomisch unentwickelter Gemeinwesen und durch Exploitation beider Produktionsländer.11 Hier ist das Kaufmannskapital rein, abgetrennt von den Extremen, den Produktionssphären, zwischen denen es vermittelt. Es ist dies eine Hauptquelle seiner Bildung. Aber dies Monopol des Zwischenhandels verfällt, und damit dieser Handel selbst, im selben Verhältnis wie die ökonomische Entwicklung der Völker fortschreitet, die es beiderseits exploitierte und deren Unentwickeltheit seine Existenzbasis war. Beim Zwischenhandel erscheint dies nicht nur als Verfall eines besondren Handelszweigs, sondern auch als Verfall des Übergewichts reiner Handelsvölker und ihres kommerziellen Reichtums überhaupt, der auf der Basis dieses Zwischenhandels beruhte. Es ist dies nur eine besondre Form, worin die Unterordnung des kommerziellen Kapitals unter das industrielle im Fortschritt der Entwicklung der kapitalistischen Produktion sich ausdrückt. Von der Art und Weise übrigens, wie das Kaufmannskapital da wirtschaftet, wo es direkt die Produktion beherrscht, bietet schlagendes Exempel nicht nur die Kolonialwirtschaft überhaupt (das sog. Kolonialsystem), sondern ganz speziell die Wirtschaft der alten Holländisch-Ostindischen Kompanie.
Da die Bewegung des kaufmännischen Kapitals G - W - G′ ist, so wird der Profit des Kaufmanns erstens gemacht durch Akte, die nur innerhalb des Zirkulationsprozesses vorgehn, also gemacht in den zwei Akten des Kaufs und Verkaufs; und zweitens wird er realisiert im letzten Akt, dem Verkauf. Es ist also Veräußerungsprofit, profit upon alienation. Prima facie erscheint der reine, unabhängige Handelsprofit unmöglich, solange Produkte zu ihren Werten verkauft werden. Wohlfeil kaufen, um teuer zu verkaufen, ist das Gesetz des Handels. Also nicht der Austausch von Äquivalenten. Der Begriff des Werts ist insofern darin eingeschlossen, als die verschiednen Waren alle Wert und darum Geld sind; der Qualität nach gleichmäßig Ausdrücke der gesellschaftlichen Arbeit. Aber sie sind nicht gleiche Wertgrößen. Das quantitative Verhältnis, worin sich Produkte austauschen, ist zunächst ganz zufällig. Sie nehmen sofern Warenform an, daß sie überhaupt Austauschbare, d.h. Ausdrücke desselben Dritten sind. Der fortgesetzte Austausch und die regelmäßigere Reproduktion für den Austausch hebt diese Zufälligkeit mehr und mehr auf. Zunächst aber nicht für die Produzenten und Konsumenten, sondern für den Vermittler zwischen beiden, den Kaufmann, der die Geldpreise vergleicht und die Differenz einsteckt. Durch seine Bewegung selbst setzt er die Äquivalenz.
Das Handelskapital ist im Anfang bloß die vermittelnde Bewegung zwischen Extremen, die es nicht beherrscht, und Voraussetzungen, die es nicht schafft.
Wie aus der bloßen Form der Warenzirkulation, W - G - W, Geld nicht nur als Wertmaß und Zirkulationsmittel, sondern als absolute Form der Ware und damit des Reichtums, als Schatz hervorgeht und sein Beisichbleiben und Anwachsen als Geld zum Selbstzweck wird, so geht aus der bloßen Zirkulationsform des Kaufmannskapitals, G - W - G′, das Geld, der Schatz, hervor als etwas, das sich durch bloße Veräußerung erhält und vermehrt.
Die Handelsvölker der Alten existierten wie die Götter des Epikur in den Intermundien der Welt oder vielmehr wie die Juden in den Poren der polnischen Gesellschaft. Der Handel der ersten selbständigen, großartig entwickelten Handelsstädte und Handelsvölker beruhte als reiner Zwischenhandel auf der Barbarei der produzierenden Völker, zwischen denen sie die Vermittler spielten.
In den Vorstufen der kapitalistischen Gesellschaft beherrscht der Handel die Industrie; in der modernen Gesellschaft umgekehrt. Der Handel wird natürlich mehr oder weniger zurückwirken auf die Gemeinwesen, zwischen denen er getrieben wird; er wird die Produktion mehr und mehr dem Tauschwert unterwerfen, indem er Genüsse und Subsistenz mehr abhängig macht vom Verkauf als vom unmittelbaren Gebrauch des Produkts. Er löst dadurch die alten Verhältnisse auf. Er vermehrt die Geldzirkulation. Er ergreift nicht mehr bloß den Überschuß der Produktion, sondern frißt nach und nach diese selbst an und macht ganze Produktionszweige von sich abhängig. Indes hängt diese auflösende Wirkung sehr ab von der Natur des produzierenden Gemeinwesens.
Solange das Handelskapital den Produktenaustausch unentwickelter Gemeinwesen vermittelt, erscheint der kommerzielle Profit nicht nur als Übervorteilung und Prellerei, sondern entspringt großenteils aus ihr. Abgesehn davon, daß es den Unterschied zwischen den Produktionspreisen verschiedner Länder ausbeutet (und in dieser Beziehung wirkt es hin auf die Ausgleichung und Festsetzung der Warenwerte), bringen es jene Produktionsweisen mit sich, daß das Kaufmannskapital sich einen überwiegenden Teil des Mehrprodukts aneignet, teils als Zwischenschieber zwischen Gemeinwesen, deren Produktion noch wesentlich auf den Gebrauchswert gerichtet ist und für deren ökonomische Organisation der Verkauf des überhaupt in Zirkulation tretenden Produktenteils, also überhaupt der Verkauf der Produkte zu ihrem Wert von untergeordneter Wichtigkeit ist; teils weil in jenen frühern Produktionsweisen die Hauptbesitzer des Mehrprodukts, mit denen der Kaufmann handelt, der Sklavenhalter, der feudale Grundherr, der Staat (z.B. der orientalische Despot) den genießenden Reichtum vorstellen, dem der Kaufmann Fallen stellt, wie schon A. Smith in der angeführten Stelle für die Feudalzeit richtig herausgewittert hat. Das Handelskapital in überwiegender Herrschaft stellt also überall ein System der Plünderung dar12, wie denn auch seine Entwicklung bei den Handelsvölkern der alten wie der neuern Zeit direkt mit gewaltsamer Plünderung, Seeraub, Sklavenraub, Unterjochung in Kolonien verbunden ist; so in Karthago, Rom, später bei Venezianern, Portugiesen, Holländern etc.
Die Entwicklung des Handels und des Handelskapitals entwickelt überall die Richtung der Produktion auf Tauschwert, vergrößert ihren Umfang, vermannigfacht und kosmopolisiert sie, entwickelt das Geld zum Weltgeld. Der Handel wirkt deshalb überall mehr oder minder auflösend auf die vorgefundenen Organisationen der Produktion, die in allen ihren verschiednen Formen hauptsächlich auf den Gebrauchswert gerichtet sind. Wieweit er aber die Auflösung der alten Produktionsweise bewirkt, hängt zunächst ab von ihrer Festigkeit und innern Gliederung. Und wohin dieser Prozeß der Auflösung ausläuft, d.h. welche neue Produktionsweise an Stelle der alten tritt, hängt nicht vom Handel ab, sondern vom Charakter der alten Produktionsweise selbst. In der antiken Welt resultiert die Wirkung des Handels und die Entwicklung des Kaufmannskapitals stets in Sklavenwirtschaft; je nach dem Ausgangspunkt auch nur in Verwandlung eines patriarchalischen, auf Produktion unmittelbarer Subsistenzmittel gerichteten Sklavensystems in ein auf Produktion von Mehrwert gerichtetes. In der modernen Welt dagegen läuft sie aus in die kapitalistische Produktionsweise. Es folgt hieraus, daß diese Resultate selbst noch durch ganz andre Umstände bedingt waren als durch die Entwicklung des Handelskapitals.
Es liegt in der Natur der Sache, daß, sobald städtische Industrie als solche sich von der agrikolen trennt, ihre Produkte von vornherein Waren sind und deren Verkauf also der Vermittlung des Handels bedarf. Die Anlehnung des Handels an die städtische Entwicklung und andrerseits die Bedingtheit der letztren durch den Handel sind soweit selbstverständlich.
Jedoch hängt es hier durchaus von andren Umständen ab, wieweit industrielle Entwicklung damit Hand in Hand geht. Das alte Rom entwickelt schon in der spätern republikanischen Zeit das Kaufmannskapital höher als es je zuvor in der alten Welt bestanden hat, ohne irgendwelchen Fortschritt gewerblicher Entwicklung, während in Korinth und andren griechischen Städten Europas und Kleinasiens ein hochentwickeltes Gewerbe die Entwicklung des Handels begleitet. Andrerseits, im geraden Gegenteil zur städtischen Entwicklung und ihren Bedingungen, ist Handelsgeist und Entwicklung des Handelskapitals oft gerade nichtansässigen, nomadischen Völkern eigen.
Es unterliegt keinem Zweifel - und gerade diese Tatsache hat ganz falsche Anschauungen erzeugt -, daß im 16. und im 17. Jahrhundert die großen Revolutionen, die mit den geographischen Entdeckungen im Handel vorgingen und die Entwicklung des Kaufmannskapitals rasch steigerten, ein Hauptmoment bilden in der Förderung des Übergangs der feudalen Produktionsweise in die kapitalistische. Die plötzliche Ausdehnung des Weltmarkts, die Vervielfältigung der umlaufenden Waren, der Wetteifer unter den europäischen Nationen, sich der asiatischen Produkte und der amerikanischen Schätze zu bemächtigen, das Kolonialsystem, trugen wesentlich bei zur Sprengung der feudalen Schranken der Produktion. Indes entwickelte sich die moderne Produktionsweise, in ihrer ersten Periode, der Manufakturperiode, nur da, wo die Bedingungen dafür sich innerhalb des Mittelalters erzeugt hatten. Man vergleiche z.B. Holland mit Portugal.13 Und wenn im 16. und zum Teil noch im 17. Jahrhundert die plötzliche Ausdehnung des Handels und die Schöpfung eines neuen Weltmarkts einen überwiegenden Einfluß auf den Untergang der alten und den Aufschwung der kapitalistischen Produktionsweise ausübten, so geschah dies umgekehrt auf Basis der einmal geschaffnen kapitalistischen Produktionsweise. Der Weltmarkt bildet selbst die Basis dieser Produktionsweise. Andrerseits, die derselben immanente Notwendigkeit, auf stets größrer Stufenleiter zu produzieren, treibt zur beständigen Ausdehnung des Weltmarkts, so daß der Handel hier nicht die Industrie, sondern die Industrie beständig den Handel revolutioniert. Auch die Handelsherrschaft ist jetzt geknüpft an das größre oder geringre Vorwiegen der Bedingungen der großen Industrie. Man vergleiche z.B. England und Holland. Die Geschichte des Untergangs Hollands als herrschender Handelsnation ist die Geschichte der Unterordnung des Handelskapitals unter das industrielle Kapital. Die Hindernisse, die die innere Festigkeit und Gliederung vorkapitalistischer, nationaler Produktionsweisen der auflösenden Wirkung des Handels entgegensetzt, zeigt sich schlagend im Verkehr der Engländer mit Indien und China. Die breite Basis der Produktionsweise ist hier gebildet durch die Einheit kleiner Agrikultur und häuslicher Industrie, wobei noch in Indien die Form der auf Gemeineigentum am Boden beruhenden Dorfgemeinden hinzukommt, die übrigens auch in China die ursprüngliche Form war. In Indien wandten die Engländer zugleich ihre unmittelbare politische und ökonomische Macht, als Herrscher und Grundrentner, an, um diese kleinen ökonomischen Gemeinwesen zu sprengen.14 Soweit ihr Handel hier revolutionierend auf die Produktionsweise wirkt, ist es nur, soweit sie durch den niedrigen Preis ihrer Waren die Spinnerei und Weberei, die einen uralt-integrierenden Teil dieser Einheit der industriell-agrikolen Produktion bildet, vernichten und so die Gemeinwesen zerreißen. Selbst hier gelingt ihnen dies Auflösungswerk nur sehr allmählich. Noch weniger in China, wo die unmittelbare politische Macht nicht zu Hilfe kommt. Die große Ökonomie und Zeitersparung, die aus der unmittelbaren Verbindung von Ackerbau und Manufaktur hervorgehn, bieten hier hartnäckigsten Widerstand den Produkten der großen Industrie, in deren Preis die faux frais des sie überall durchlöchernden Zirkulationsprozesses eingehn. Im Gegensatz zum englischen Handel läßt dagegen der russische die ökonomische Grundlage der asiatischen Produktion unangetastet.15
Der Übergang aus der feudalen Produktionsweise macht sich doppelt. Der Produzent wird Kaufmann und Kapitalist, im Gegensatz zur agrikolen Naturalwirtschaft und zum zünftig gebundnen Handwerk der mittelalterlichen städtischen Industrie. Dies ist der wirklich revolutionierende Weg. Oder aber, der Kaufmann bemächtigt sich der Produktion unmittelbar. Sosehr der letztre Weg historisch als Übergang wirkt - wie z.B. der englische Clothier des 17. Jahrhunderts, der die Weber, die aber selbständig sind, unter seine Kontrolle bringt, ihnen ihre Wolle verkauft und ihr Tuch abkauft -, sowenig bringt er es an und für sich zur Umwälzung der alten Produktionsweise, die er vielmehr konserviert und als seine Voraussetzung beibehält. So z.B. war großenteils noch bis in die Mitte dieses Jahrhunderts der Fabrikant in der französischen Seidenindustrie, der englischen Strumpfwaren- und Spitzenindustrie bloß nominell Fabrikant, in Wirklichkeit bloßer Kaufmann, der die Weber in ihrer alten zersplitterten Weise fortarbeiten läßt und nur die Herrschaft des Kaufmanns ausübt, für den sie in der Tat arbeiten.16 Diese Manier steht überall der wirklichen kapitalistischen Produktionsweise im Wege und geht unter mit deren Entwicklung. Ohne die Produktionsweise umzuwälzen, verschlechtert sie nur die Lage der unmittelbaren Produzenten, verwandelt sie in bloße Lohnarbeiter und Proletarier unter schlechtern Bedingungen als die direkt unter das Kapital subsumierten und eignet sich ihre Mehrarbeit auf Basis der alten Produktionsweise an. Etwas modifiziert besteht dasselbe Verhältnis bei einem Teil der Londoner handwerksmäßig betriebnen Möbelfabrikation. Sie wird namentlich in den Tower Hamlets auf sehr ausgebreitetem Fuß betrieben. Die ganze Produktion ist in sehr viele voneinander unabhängige Geschäftszweige geteilt. Das eine Geschäft macht bloß Stühle, das andre bloß Tische, das dritte bloß Schränke usw. Aber diese Geschäfte selbst werden mehr oder weniger handwerksmäßig betrieben, von einem kleinen Meister mit wenigen Gesellen. Dennoch ist die Produktion zu massenhaft, um direkt für Private zu arbeiten. Ihre Käufer sind die Besitzer von Möbelmagazinen. Am Sonnabend begibt sich der Meister zu ihnen und verkauft sein Produkt, wobei ganz so über den Preis geschachert wird wie im Pfandhaus über den Vorschuß auf dies oder jenes Stück. Diese Meister bedürfen des wöchentlichen Verkaufs, schon um für die nächste Woche wieder Rohmaterial kaufen und Arbeitslohn auszahlen zu können. Unter diesen Umständen sind sie eigentlich nur Zwischenschieber zwischen dem Kaufmann und ihren eignen Arbeitern. Der Kaufmann ist der eigentliche Kapitalist, der den größten Teil des Mehrwerts in die Tasche steckt.17 So ähnlich beim Übergang in die Manufaktur aus den Zweigen, die früher handwerksmäßig oder als Nebenzweige der ländlichen Industrie betrieben worden. Je nach der technischen Entwicklung, die dieser kleine Selbstbetrieb hat - wo er selbst schon Maschinen anwendet, die handwerksmäßigen Betrieb zulassen -, findet auch Übergang zur großen Industrie statt; die Maschine wird, statt mit der Hand, mit Dampf getrieben; wie dies z.B. in der letzten Zeit im englischen Strumpfwarengeschäft sich ereignet.
Es findet also ein dreifacher Übergang statt: Erstens, der Kaufmann wird direkt Industrieller; dies ist der Fall bei den auf den Handel gegründeten Gewerben, namentlich bei Luxusindustrien, welche von den Kaufleuten mitsamt den Rohstoffen und den Arbeitern aus der Fremde eingeführt werden, wie im fünfzehnten Jahrhundert in Italien aus Konstantinopel. Zweitens, der Kaufmann macht die kleinen Meister zu seinen Zwischenschiebern (middlemen) oder kauft auch direkt vom Selbstproduzenten; er läßt ihn nominell selbständig und läßt seine Produktionsweise unverändert. Drittens, der Industrielle wird Kaufmann und produziert direkt im großen für den Handel.
Im Mittelalter ist der Kaufmann bloß "Verleger", wie Poppe richtig sagt, der sei es von den Zünftlern, sei es von den Bauern produzierten Waren. Der Kaufmann wird Industrieller oder vielmehr läßt die handwerksmäßige, besonders die ländliche kleine Industrie für sich arbeiten. Andrerseits wird der Produzent Kaufmann. Statt daß z.B. der Tuchwebermeister seine Wolle nach und nach in kleinen Portionen vom Kaufmann erhält und mit seinen Gesellen für diesen arbeitet, kauft er selbst Wolle oder Garn und verkauft sein Tuch an den Kaufmann. Die Produktionselemente gehn als von ihm selbst gekaufte Waren in den Produktionsprozeß ein. Und statt für den einzelnen Kaufmann zu produzieren oder für bestimmte Kunden, produziert der Tuchweber jetzt für die Handelswelt. Der Produzent ist selbst Kaufmann. Das Handelskapital verrichtet nur noch den Zirkulationsprozeß. Ursprünglich war der Handel Voraussetzung für die Verwandlung des zünftigen und ländlich-häuslichen Gewerbes und des feudalen Ackerbaus in kapitalistische Betriebe. Er entwickelt das Produkt zur Ware, teils indem er ihm einen Markt schafft, teils indem er neue Warenäquivalente und der Produktion neue Roh- und Hilfsstoffe zuführt und damit Produktionszweige eröffnet, die von vornherein auf den Handel gegründet sind, sowohl auf Produktion für den Markt und Weltmarkt wie auf Produktionsbedingungen, die aus dem Weltmarkt herstammen. Sobald die Manufaktur einigermaßen erstarkt, und noch mehr die große Industrie, schafft sie sich ihrerseits den Markt, erobert ihn durch ihre Waren. Jetzt wird der Handel Diener der industriellen Produktion, für die beständige Erweiterung des Markts Lebensbedingung ist. Eine stets ausgedehntere Massenproduktion überschwemmt den vorhandnen Markt und arbeitet daher stets an Ausdehnung dieses Markts, an Durchbrechung seiner Schranken. Was diese Massenproduktion beschränkt, ist nicht der Handel (soweit dieser nur existierende Nachfrage ausdrückt), sondern die Größe des funktionierenden Kapitals und die entwickelte Produktivkraft der Arbeit. Der industrielle Kapitalist hat beständig den Weltmarkt vor sich, vergleicht, und muß beständig vergleichen, seine eignen Kostpreise mit den Marktpreisen nicht nur der Heimat, sondern der ganzen Welt. Diese Vergleichung fällt in der frühern Periode fast ausschließlich den Kaufleuten zu und sichert so dem Handelskapital die Herrschaft über das industrielle.
Die erste theoretische Behandlung der modernen Produktionsweise - das Merkantilsystem - ging notwendig aus von den oberflächlichen Phänomenen des Zirkulationsprozesses, wie sie in der Bewegung des Handelskapitals verselbständigt sind, und griff daher nur den Schein auf. Teils weil das Handelskapital die erste freie Existenzweise des Kapitals überhaupt ist. Teils wegen des überwiegenden Einflusses, den es in der ersten Umwälzungsperiode der feudalen Produktion, der Entstehungsperiode der modernen Produktion ausübt. Die wirkliche Wissenschaft der modernen Ökonomie beginnt erst, wo die theoretische Betrachtung vom Zirkulationsprozeß zum Produktionsprozeß übergeht. Das zinstragende Kapital ist zwar auch uralte Form des Kapitals. Warum aber der Merkantilismus nicht von ihm ausgeht, sondern sich vielmehr polemisch dazu verhält, werden wir später sehn.
Um das Kaufmannskapital als Produktionskapital klassifizieren zu können, verwechselt Ramsay es mit der Transportindustrie und nennt den Handel: "the transport of commodities from one place to another". ("An Essay on the Distribution of Wealth", p. 19.) Dieselbe Verwechslung schon bei Verri ("Meditazioni sull' Ec. Pol.", § 4.) und Say ("Traité d'Éc. Pol.", I, p. 14, 15).- In seinen "Elements of pol. Ec.", (Andover und New York 1835) sagt S. P. Newman: "in the existing economical arrangements of society, the very act, which is performed by the merchant, of standing between the producer and the consumer, advancing to the former capital and receiving products in return, and handing over these products to the latter, receiving back capital in return, is a transaction, which both facilitates the economical process of the community, and adds value to the products in relation to which it is performed." (p. 174.) Produzent und Konsument sparen so Geld und Zeit durch die Dazwischenkunft des Kaufmanns. Dieser Dienst erfordert Vorschuß von Kapital und Arbeit und muß belohnt werden, "since it adds value to products, for the same products, in the hands of consumers, are worth more than in the hands of producers". Und so erscheint ihm der Handel, ganz wie Herrn Say, als "strictly an act of production" (p. 175). Diese Ansicht Newmans ist grundfalsch. Der Gebrauchswert einer Ware ist größer in der Hand des Konsumenten als in der Hand des Produzenten, weil er hier überhaupt erst realisiert wird. Denn der Gebrauchswert einer Ware wird erst realisiert, tritt in Funktion, sobald die Ware in die Sphäre der Konsumtion übertritt. In der Hand des Produzenten existiert er nur in potentieller Form. Aber man bezahlt eine Ware nicht zweimal, erst ihren Tauschwert und dann ihren Gebrauchswert noch extra. Dafür, daß ich ihren Tauschwert zahle, eigne ich ihren Gebrauchswert mir an. Und der Tauschwert erhält nicht den geringsten Zuwachs dadurch, daß die Ware aus der Hand des Produzenten oder Zwischenhändlers in die des Konsumenten übergeht. ↩
John Bellers. ↩
Wie diese 1865 geschriebne Prognose der Schicksale des kommerziellen Proletariats sich seitdem bewährt hat, davon können die Hunderte deutscher Kommis ein Liedchen singen, die, in allen kommerziellen Operationen und in 3-4 Sprachen bewandert, in der Londoner City vergebens ihre Dienste um 25 Schill. die Woche anbieten - weit unter dem Lohn eines geschickten Maschinenschlossers. - Eine Lücke von zwei Seiten im Manuskript deutet an, daß dieser Punkt noch weiter entwickelt werden sollte. Im übrigen ist zu verweisen auf Buch II, Kap. VI (Die Zirkulationskosten), S. 105-113, wo bereits verschiednes hieher Gehörige berührt ist. - F. E. ↩
"Profit, on the general principle, is always the same, whatever be price; keeping its place like an incumbent body on the swelling or sinking trade. As, therefore, prices rise, a tradesman raises prices; as prices fall, a tradesman lowers price." (Corbet, "An Inquiry into the Causes etc. of the Wealth of Individuals", London 1841, p. 20.) - Es ist hier wie im Text überhaupt nur vom gewöhnlichen Handel, nicht von der Spekulation die Rede, deren Betrachtung, wie überhaupt alles auf Teilung des merkantilen Kapitals Bezügliche, außerhalb des Kreises unsrer Betrachtung fällt. "The profit of trade is a value added to capital which is independent of price, the second" (speculation) "is founded on the variation in the value of capital or in price itself." (l.c.p. 128.) ↩
Es ist eine sehr naive, aber zugleich sehr richtige Bemerkung: "Sicher hat daher auch der Umstand, daß eine und dieselbe Ware bei verschiednen Verkäufern zu wesentlich verschiednen Preisen zu erlangen ist, sehr häufig seinen Grund in einer unrichtigen Kalkulation." (Feller und Odermann, "Das Ganze der kaufmännischen Arithmetik", 7. Aufl., 1859.) Es zeigt dies, wie die Preisbestimmung rein theoretisch, d.h. abstrakt wird. ↩
"Zur Kritik der Pol. Oekon.", S. 27. ↩
"Schon aus der großen Verschiedenheit der Münzen in Ansehung sowohl des Schrots und Korns, als des Gepräges der vielen münzberechtigten Fürsten und Städte, entsprang die Notwendigkeit in Handelsgeschäften, wo Ausgleichung vermittelst einer Münze nötig war, sich überall der örtlichen zu bedienen. Zum Behuf von Barzahlungen versahen sich die Kaufleute, wenn sie einen fremden Markt bereisten, mit ungemünztem reinem Silber, wohl auch mit Gold. Ebenso vertauschten sie bei Antretung der Rückreise die eingenommene Ortsmünze in ungemünztes Silber oder Gold. Wechselgeschäfte, Umsatz ungemünzter edler Metalle gegen örtliche Münze und umgekehrt, wurden daher ein sehr verbreitetes einträgliches Geschäft." (Hüllmann, "Städtewesen des Mittelalters", Bonn 1826-1829, I, p. 437, 438.) - "De Wisselbank heeft haren naam niet ... van den wissel, wisselbrief, maar van wisselen van geldspecien. Long vóór het oprigten der Amsterdamsche wisselbank 1609 had men in de Niederlandsche koopsteden reeds wisselaars en wisselhuizen, zelfe wisselbanken ... Het bedrijf dezer wisselaars bestond daarin, dat zie de talrijke verscheidene muntspeciën, die door vreemde handelaren in het land gebragt worden, tegen wettelijk gangbare munt inwisselden. Langzamerhand breidde hun werkkring zich uit ... zij werden de kassiers en bankiers van hunne tijd. Maar in die vereeniging van de kassierderij met het wisselambt zach de regering van Amsterdam gevaar, en om dit gevaar te keeren, werd besloten tot het stichten eener groote inrigting, die zoo wel het wisselen als de kassierderij op openbaar gezag zou verrigten. Die inrigting was de beroemde Amsterdamsche Wisselbank van 1609. Evenzoo hebben de Wisselbanken van Venetië, Genua, Stockholm, Hamburg haar ontstaan aan de gedurige noodzakelijkheid der verwisseling van geldspeciën te danken gehad. Van deze allen is de Hamburgsche de eenige die nog heden bestaat, om dat de behoefte aan zulk eene inrigting zich in deze koopstad, die geen eigen muntstelsel heeft, nog altijd doet gevoelen etc." (S. Vissering, "Handboek van Praktische Staathuishoudkunde", Amsterdam 1860, I, p. 247, 248.) ↩
"Die Einrichtung der Kassierer hat vielleicht nirgends ihren ursprünglichen, selbständigen Charakter so rein bewahrt wie in den niederländischen Kaufstädten (s. über den Ursprung der Kassiererei in Amsterdam E. Luzac, "Hollands Rijkdom", deel III). Ihre Funktionen stimmen zum Teil überein mit denen der alten Amsterdamer Wechselbank. Der Kassierer empfängt von den Kaufleuten, die seine Dienste anwenden, einen gewissen Betrag in Geld, wofür er ihnen ein 'credit' in seinen Büchern eröffnet; ferner senden sie ihm ihre Schuldforderungen, die er für sie einzieht und sie dafür kreditiert; dagegen macht er gegen ihre Anweisungen (kassiers briefjes) Zahlungen und belastet ihre laufende Rechnung mit deren Beträgen. Für diese Eingänge und Auszahlungen berechnet er dann eine geringe Provision, die nur durch die Bedeutung der Umsätze, zu denen er es zwischen beiden bringt, einen entsprechenden Lohn für seine Arbeit abwirft. Wenn Zahlungen auszugleichen sind zwischen zwei Kaufleuten, die beide mit demselben Kassierer arbeiten, so erledigen sich solche Zahlungen sehr einfach durch gegenseitige Buchung, während die Kassierer ihnen von Tag zu Tag ihre gegenseitigen Forderungen ausgleichen. In dieser Vermittlung von Zahlungen besteht also das eigentliche Kassierergeschäft; es schließt also industrielle Unternehmungen, Spekulationen und die Eröffnung von Blankokrediten aus; denn die Regel muß hier sein, daß der Kassierer für denjenigen, dem er eine Rechnung in seinen Büchern eröffnet hat, keine Zahlung über sein Guthaben hinaus leistet." (Vissering, l.c.p. 243, 244.) - Über die Kassenvereine zu Venedig: "Durch das Bedürfnis und durch die Örtlichkeit von Venedig, wo das Herumtragen von Barschaften lästiger als an andren Orten, führten die Großhändler dieser Stadt Kassenvereine ein unter gehöriger Sicherheit, Aufsicht und Verwaltung, legten die Mitglieder eines solchen Vereins gewisse Summen nieder, auf die sie ihren Gläubigern Anweisungen ausstellten, worauf dann die gezahlte Summe auf dem Blatt des Schuldners in dem darüber geführten Buche abgeschrieben und der Summe, welche der Gläubiger darin zugut hatte, zugesetzt wurde. Die ersten Anfänge der sog. Girobanken. Alt sind diese Vereine. Aber wenn man sie ins 12. Jahrhundert verlegt, so verwechselt man sie mit der 1171 eingerichteten Staatsanleih-Anstalt." (Hüllmann, l.c.p. 453, 454.) ↩
Der weise Roscher hat ausgeklügelt, daß, wenn Gewisse den Handel als "Vermittlung" zwischen Produzenten und Konsumenten charakterisieren, "man" ebensogut die Produktion selbst als "Vermittlung" der Konsumtion (zwischen wem?) charakterisieren könne, woraus natürlich folgt, daß das Handelskapital ein Teil des produktiven Kapitals ist wie Ackerbau- und Industriekapital. Weil man also sagen kann, daß der Mensch nur durch die Produktion seine Konsumtion vermitteln kann (dies muß er tun selbst ohne Leipziger Bildung) oder daß die Arbeit nötig ist zur Aneignung der Natur (was man "Vermittlung" nennen kann), so folgt daraus natürlich, daß eine aus einer spezifischen gesellschaftlichen Form der Produktion hervorgehende gesellschaftliche "Vermittlung" - weil Vermittlung - denselben absoluten Charakter der Notwendigkeit hat, denselben Rang. Das Wort Vermittlung entscheidet alles. Übrigens sind die Kaufleute ja nicht Vermittler zwischen Produzenten und Konsumenten (die letztren in der Scheidung von den erstren, die Konsumenten, die nicht produzieren, zunächst außer acht gelassen), sondern des Austausches der Produkte dieser Produzenten untereinander, sind nur die Zwischenpersonen eines Austausches, der immer in tausend Fällen ohne sie vorgeht. ↩
Herr W. Kiesselbach ("Der Gang des Welthandels im Mittelalter", 1860) lebt in der Tat immer noch in den Vorstellungen einer Welt, worin das Kaufmannskapital die Form des Kapitals überhaupt ist. Von dem modernen Sinn des Kapitals hat er nicht die geringste Ahnung, sowenig wie Herr Mommsen, wenn er in seiner "Römischen Geschichte" von "Kapital" spricht und von Herrschaft des Kapitals. In der modernen englischen Geschichte erscheint der eigentliche Handelsstand und die Handelsstädte auch politisch reaktionär und im Bund mit der Grundaristokratie und Finanzaristokratie gegen das industrielle Kapital. Man vergleiche z.B. die politische Rolle von Liverpool gegenüber Manchester und Birmingham. Die vollständige Herrschaft des industriellen Kapitals ist erst seit Aufhebung der Kornzölle etc. vom englischen Kaufmannskapital und von der Finanzaristokratie (moneyed interest) anerkannt. ↩
"Die Bewohner der Handelsstädte führten aus reichern Ländern verfeinerte Manufakturwaren und kostspielige Luxusartikel ein und boten so der Eitelkeit der großen Grundeigentümer Nahrung, die diese Waren begierig kauften und große Mengen vom Rohprodukt ihrer Ländereien dafür zahlten. So bestand der Handel eines großen Teils von Europa in dieser Zeit im Austausch des Rohprodukts eines Landes gegen die Manufakturprodukte eines in der Industrie fortgeschrittnern Landes ... Sobald dieser Geschmack sich verallgemeinerte und eine bedeutende Nachfrage veranlaßte, fingen die Kaufleute an, um die Frachtkosten zu sparen, ähnliche Manufakturen in ihrem eignen Lande anzulegen." (A. Smith, Book III, chap. III.) ↩
"Nun ist bei den Kaufleuten eine grosse Klage über die Edelleut oder Räuber, wie sie mit grosser Fahr müssen handeln, und werden drüber gefangen, geschlagen, geschazt und beraubt. Wenn sie aber solches um der Gerechtigkeit willen litten: so wären freilich die Kaufleut heilige Leut ... Aber weil solch gross Unrecht und unchristliche Dieberei und Räuberei über die ganze Welt durch die Kaufleut, auch selbst unter einander, geschieht: was ist Wunder, ob Gott schafft, dass solch gross Gut, mit Unrecht gewonnen, wiederum verloren oder geraubt wird, und sie selbst dazu über die Köpfe geschlagen oder gefangen werden? ... Und den Fürsten gebürt, solch unrechte Kaufhändel mit ordentlicher Gewalt zu strafen und zu weren, dass ihre Untertanen nicht so schändlich von den Kaufleuten geschunden würden. Weil sie das nicht thun: so braucht Gott der Reuter und Räuber, und straft durch sie das Unrecht an den Kaufleuten, und müssen seine Teufel sein: gleich wie er Aegyptenland und alle Welt mit Teufeln plagt, oder mit Feinden verderbt. Also stäubt er einen Buben mit dem andern, ohn dass er dadurch zu verstehen giebt, dass Reuter geringre Räuber sind dann die Kaufleut: sintemal die Kaufleut täglich die ganze Welt rauben, wo ein Reuter im Jahr einmal oder zwei, einen oder zween beraubt." "Gehet nach dem Spruch Esaie: deine Fürsten sind der Diebe Gesellen geworden. Die weil lassen sie Diebe hängen, die einen Gülden oder einen halben gestolen haben; und hantiren mit denen, die alle Welt berauben, und stehlen sicherer denn alle andre, dass ja das Sprüchwort war bleibe: grosse Diebe hängen die kleinen Diebe; und wie der römische Ratsherr Cato sprach: Schlechte Diebe liegen in Thürmen und Stöcken, aber öffentliche Diebe gehen in Gold und Seiden. Was wird aber zuletzt Gott dazu sagen? Er wird thun wie er durch Ezechiel spricht, Fürsten und Kaufleut, einen Dieb mit dem andern, in einander schmelzen, wie Blei und Ertz, gleich als wenn eine Stadt ausbrennt, dass weder Fürsten noch Kaufleut mer seien." (Martin Luther, Bücher vom Kaufhandel und Wucher. Vom Jahr 1527.) ↩
Wie sehr überwiegend in der holländischen Entwicklung, von andren Umständen abgesehn, die in Fischfang, Manufaktur und Agrikultur gelegte Basis, ist schon von Schriftstellern des 18. Jahrhunderts auseinandergesetzt worden. S. z.B. Massie. - Im Gegensatz zu der frühern Auffassung, die Umfang und Bedeutung des asiatischen, antiken und mittelalterlichen Handels unterschätzte, ist es Mode geworden, ihn außerordentlich zu überschätzen. Am besten heilt man sich von dieser Vorstellung, wenn man die englische Aus- und Einfuhr gegen Anfang des 18. Jahrhunderts betrachtet und der heutigen gegenüberstellt. Und doch war sie unvergleichlich größer als die irgendeines frühern Handelsvolks. (Siehe Anderson, "History of Commerce".) ↩
Wenn die Geschichte irgendeines Volks, bietet die Wirtschaft der Engländer in Indien die Geschichte verfehlter und wirklich alberner (in der Praxis infamer) ökonomischer Experimente. In Bengalen schufen sie eine Karikatur des englischen großen Grundeigentums; im südöstlichen Indien eine Karikatur des Parzelleneigentums; im Nordwesten verwandelten sie, soviel an ihnen, das indische ökonomische Gemeinwesen mit Gemeineigentum am Boden in eine Karikatur seiner selbst. ↩
Seitdem Rußland die krampfhaftesten Anstrengungen macht, eine eigne kapitalistische Produktion zu entwickeln, die ausschließlich auf den innern und den angrenzenden asiatischen Markt angewiesen ist, fängt dies auch an anders zu werden. - F. E. ↩
Dasselbe galt von der rheinischen Band- und Litzenwirkerei und Seidenweberei. Bei Krefeld ist sogar eine eigene Eisenbahn für den Verkehr dieser ländlichen Handweber mit den städtischen "Fabrikanten" gebaut, aber seitdem mitsamt den Handwebern durch die mechanische Weberei brachgelegt worden. - F. E. ↩
Dies System ist seit 1865 auf noch weit größerem Fuß ausgebildet worden. Ausführliches darüber im "First Report of the Select Committee of the House of Lords on the Sweating System", London 1888. - F. E. ↩