Gründungskongreß der Kommunistischen Jugendinternationale, Berlin, 20.–26. November 1919. Text nach: «Die Kommunistische Internationale», deutsche Ausgabe, Nr. 9 (1920), S. 190–195 (Manifest), und Nr. 13 (1920), S. 316–320 (Programm); Scans auf marxists.org. Der Bericht «Unter dem roten Banner» (Berlin, Junge Garde, 1919) liegt nicht in freier Kopie vor. Traducción al español

Manifest des ersten Kongresses der Kommunistischen Jugendinternationale

An die Arbeiterjugend aller Länder!

Jugendgenossen! Der Kampf um die Verwirklichung des Sozialismus ist auf der ganzen Linie entbrannt.

In den gewaltigen Streiks, die Frankreich, England und Amerika erschüttern, in den revolutionären Wellen, die in steigendem Maße Deutschland, Oesterreich und Italien durchfluten, geht es nicht mehr um kleine Reformen und billige Konzessionen, sondern es geht um das Ganze, Große, um das Sein oder Nichtsein des bürgerlichen Staates, um Kopf und Kragen des Imperialismus!

Umsonst versuchen die kapitalistischen Gegenrevolutionäre durch eine beispiellose Reaktion, durch eine zügellose Hetze und Verfolgung aller revolutionären Arbeiter und Kommunisten und durch eine völlige Blockierung Sowjetrußlands ihrer drohenden Niederlage zu entgehen. Je gewaltiger die soziale Krise wird, je mehr die Desorganisation und Auflösung der kapitalistischen Produktion fortschreitet und je deutlicher sich die Unfähigkeit der bürgerlichen Gesellschaft zeigt, die Welt vor dem Chaos zu bewahren, um so brutaler versucht sie, durch politische Knebelung und militärische Diktatur die Arbeiter niederzuhalten, ihre eigene Macht neu zu festigen.

Umsonst! Unerschüttert steht Sowjetrußland: Die begeisterten Scharen seiner Roten Armee werfen die imperialistischen Söldnerheere an allen Fronten. In Westeuropa und Amerika schreitet die Radikalisierung der Arbeiter fort. Die steigende Not und der unerträgliche Druck politischer und militärischer Diktatur treibt immer größere Massen zum Anschluß an die revolutionären Organisationen, in die kommunistischen Parteien. Immer häufiger wiederholen sich Massenstreiks und Ausstände, immer rascher folgen Aktionen und Erhebungen. Die revolutionäre Welle steigt. Doch wir täuschen uns nicht. Noch feiert die Reaktion Triumphe. Noch hat der Imperialismus die Möglichkeit, durch rücksichtslosen Gebrauch seiner militärischen und anderen Machtmittel die Verfolgung aller proletarischen Revolutionäre wilder zu gestalten, die revolutionäre Bewegung scheinbar ganz zu unterdrücken. Aber keine Macht der Welt kann mehr den endlichen Sieg der proletarischen Revolution verhindern.

Jugendgenossen! An dem Ausgang des gigantischen weltgeschichtlichen Ringens zwischen Bourgeoisie und Arbeiterklasse, zwischen Imperialismus und Kommunismus, ist die Arbeiterjugend besonders interessiert. Die Arbeiterjugend ist ein Teil der Arbeiterklasse und muß als solche alle Not und alles Elend einer unterdrückten Klasse mittragen. Noch mehr. Die Jugendlichen von heute sind die Staatsbürger von morgen! Sie in erster Linie müssen die fürchterlichen Folgen der sinnlosen Zerstörung und Verwüstung viereinhalb Jahre verbrecherischen Krieges tragen, die infolge der Vernichtung reicher Wirtschafts- und Kulturgüter eingetretene Not bis zur Neige auskosten und so für die Sünden ihrer Väter büßen.

Ein Weiterbestehen der kapitalistischen Staaten bedeutet obendrein unerträgliche Verschärfung der Ausbeutung, Verewigung der Lohnsklaverei, Weiterbestehen der politischen Entrechtung und geistigen Bevormundung der proletarischen Jugend. Es bedeutet neue Wirren und Kriege, in denen neue Massen gesunder junger Menschen für den kapitalistischen Profit gemordet werden. Nur eine Zerstörung der kapitalistischen Staaten, nur ein dauernder Sieg der proletarischen Revolution wird die Arbeiterjugend von der mörderischen Ausbeutung erlösen, ihr die volle politische Freiheit bringen, die Pforten zu allen Schätzen des Wissens und die Tore zur vollen Menschwerdung weit öffnen.

Jugendgenossen! Ihr habt schon vor Jahrzehnten, seit den Tagen der ersten Gründung sozialistischer Jugendorganisationen in richtiger Erkenntnis der zwingenden Notwendigkeit den regsten Anteil am proletarischen Klassenkampf genommen. Dazu führte Euch nicht nur die drückende wirtschaftliche Not, die Qual in Werkstatt und Fabrik, sondern in gleich starkem Maße der Euch eigene Drang zur Zertrümmerung alles Alten und zur schöpferischen Neugestaltung aller Dinge. Die besten Eurer Organisationen haben sich von jeher bemüht, außer der Vermittlung einer theoretischen Bildung an die Jugendlichen durch eine rege antimilitaristische und revolutionäre Propaganda ihre Erziehung zu revolutionären Aktionen zu betreiben.

Bei Kriegsanbruch gaben schändliche Verräter die Internationale preis. Sie gingen mit den kapitalistischen Mörderregierungen den schmählichen Burgfrieden ein und lieferten die Arbeitermassen den Generälen und Volksschlächtern aus. In dieser Zeit völliger Zerrissenheit und tiefster, schmachvollster Erniedrigung des Proletariats waret Ihr es, Jugendgenossen, die als erste zur internationalen Sammlung aufriefet, sie in Bern 1915 für Euch durchführtet, getreu der Parole der Jugendinternationale den revolutionären Kampf gegen den Krieg aufnahmt und die Fahne des internationalen Sozialismus hoch über alle Drahtverhaue und Schützengräben, über alle Schlachtfelder und Massengräber erhobt. Der Kampf hat unzählige Opfer gefordert. Ihr habt sie freudig gebracht. Die Namen all der Tapferen, die ihre Treue und Hingabe zur Jugendinternationale mit Gefängnis, Zuchthaus oder gar mit ihrem Leben bezahlten: Karl Liebknecht, Catanesi, Marinozzi, Thomas Meabe, Max Bersdorf, und der Hunderte anderer Genossen, die unter den mörderischen Kugeln barbarischer Standgerichte und feiger Meuchelmörder oder hinter düsteren Kerkermauern ihre jungen Seelen aushauchten, sind unvergeßlich eingeschreint in den Herzen von Millionen Arbeitern.

Jugendgenossen! Die gegenwärtige Periode revolutionärer Kämpfe für die Verwirklichung des Sozialismus erfordert mehr! Es gilt heute, die Konsequenz unserer bisherigen revolutionären Taktik für den politischen Tageskampf zu ziehen.

Die materiellen Bedingungen für die Weltrevolution sind reif. Der Sieg der Revolution hängt ab von der sozialistischen Erkenntnis, dem Willen und der Energie der Massen. Vor allem von den Massen der jugendlichen Arbeiter. Von dem Grad ihrer Entschlossenheit, in der revolutionären Periode alle Mittel des revolutionären Klassenkampfes, Demonstrationen, Streik, Massenstreiks, Bildung revolutionärer Arbeiter- und Bauernräte und letzten Endes den bewaffneten Aufstand anzuwenden.

Es ist die geschichtliche Aufgabe unserer Generation, Jugendgenossen, die proletarische Revolution durchzuführen und den Aufbau der kommunistischen Gesellschaft zu beginnen.

Auf unsere Erkenntnis, auf unsere Entschlossenheit, auf unseren Kampfeseifer und auf unser tatkräftiges Handeln kommt es vor allem an. Wir müssen uns entschlossen an die Seite der Kommunistischen Internationale stellen. Wie bisher in allen Phasen des proletarischen Klassenkampfes müssen wir an die Spitze der Massen treten, ihnen vorangehen und den tatkräftigsten Anteil an der Organisation und Durchführung der Aktionen zur Vorbereitung und unmittelbaren Errichtung der proletarischen Diktatur nehmen. Wir müssen die Kaders der Roten Armee stellen. Aus unseren Reihen müssen die Wissenschaftler, Techniker und Künstler des proletarischen Staates hervorgehen.

Jugendgenossen! Die Jugendinternationale ist Euch vorangegangen, Sie hat den Weg zur neuen Arbeit freigemacht. Nach Ueberwindung unzähliger Schwierigkeiten ist es den Vertretern von vierzehn proletarischen Jugendorganisationen möglich geworden, Mitte November in Berlin zu einem Internationalen Kongreß zusammenzutreten. In Berlin, dem Herd aller Reaktion, zu einer Zeit, da die sozialpatriotische Regierung gegen die für Rußland demonstrierenden Arbeiter Panzerautos und Flammenwerfer auffahren ließ!

Der Kongreß hat sich getreu den revolutionären Traditionen der Jugendinternationale voll und ganz auf den Boden der Grundsätze der Kommunistischen Internationale gestellt, den Anschluß an sie vollzogen und beschlossen, alle Kräfte für das Weitertreiben und die Durchführung der proletarischen Revolution einzusetzen.

Gleichzeitig hat der Kongreß durch eine Neuregelung der internationalen Organisation und des Büros die notwendigen organisatorischen Voraussetzungen zu einer einheitlichen internationalen Tätigkeit geschaffen. Damit ist die Kommunistische Jugendinternationale konstituiert. Die Kampfesgemeinschaft der revolutionären Jugendorganisation ist hergestellt!

Der Kongreß richtet an die proletarischen Jugendorganisationen, an alle ihre Gruppen und Mitglieder den dringenden Appell, dem Beispiel der Jugendinternationale zu folgen und sich auf den Boden der in Berlin geschaffenen Grundsätze zu stellen, die innigste Kampfesgemeinschaft mit der Kommunistischen Internationale herbeizuführen, den Kampf für die Durchsetzung der proletarischen Revolution, für die Errichtung der proletarischen Diktatur und für den Aufbau der kommunistischen Gesellschaft in jedem Lande gegen die bürgerlichen Feinde, gegen die offenen und versteckten Sozialpatrioten, gegen die Scheidemann, Ebert, Renaudel, Henderson, Tusar, Renner, Austerlitz, Miakits, Branting, Greulich, Gompers und gegen die Kautsky, Bauer und Robert Grimm und ihre Jugendvereinigungen mit aller Schärfe aufzunehmen. Mehr denn je gilt es heute, den proletarischen Klassenkampf international zu organisieren und einheitlich zu gestalten.

Der Kongreß ruft die jugendlichen Arbeiter aller Länder auf, die politische Teilnahmslosigkeit aufzugeben, den bürgerlichen und sozialpatriotischen Zöglingsvereinen den Rücken zu kehren, sich den revolutionären Jugendorganisationen ihres Landes anzuschließen und wo solche noch nicht bestehen, ihre Gründung vorzunehmen.

Jugendgenossen! Jugendliche Arbeiter! Wir sind uns der Folgen unseres Aufrufs voll bewußt. Wir wissen, daß die Verfolgungen durch die kapitalistischen und sozialpatriotischen Regierungen in gesteigertem Maße einsetzen werden, daß Demagogen und greisenhafte Jugendpfleger über den Mißbrauch der Jugend zetern werden, daß eine Flut von Verleumdungen, daß sich ein Meer von Spott und Hohn über uns ergießen wird.

Wir nehmen den Kampf auf gegen eine Welt bürgerlicher Feinde, gegen die Verräter unserer Fahnen. Keine Kerker, Standgerichte und Galgen werden unsere Rufe ersticken. Unsere Taten und Opfer werden die Henker und Spötter verstummen machen.

Für den endlichen Sieg bürgt uns der eherne Gang der Entwicklung, unsere geschichtliche Einsicht, unsere sozialistische Erkenntnis, die Begeisterung und die kühne Entschlossenheit unserer jungen Herzen.

Jugendliche Arbeiter aller Länder! Schließt die Reihen! Vereinigt Euch unter dem roten Banner der Kommunistischen Jugendinternationale!

Es lebe die Kommunistische Jugendinternationale!

Es lebe die proletarische Weltrevolution!

Es lebe die kommunistische Weltrepublik!

Russischer Kommunistischer Jugendverband. Kommunistischer Jugendverband im Deutschen Wolgagebiet. Kommunistische Jugend Polen. Freie Sozialistische Jugend Deutschlands. Sozialistische Jugend Italiens. Sozialistischer Jugendverband Madrid. Der Sozialdemokratische Jugendverband Schweden. Der Sozialdemokratische Jugendverband Norwegen. Der Sozialdemokratische Jugendverband Dänemark. Verband der Kommunistischen Proletarierjugend Deutsch-Oesterreichs. Tschecho-Slowakische Sozialdemokratische Jugendorganisation Kreis Kladno. Kommunistische Arbeiterjugend Ungarn. Arbeiterjugend Rumänien. Sozialistische Jugendorganisation der Schweiz.

Programm der Kommunistischen Jugendinternationale

  1. Die außerordentliche Entwicklung der Kapitalanhäufung und der Produktion hat den Kapitalismus in eine neue Phase seiner Entwicklung geführt, in die Phase des Imperialismus, der sich durch die Bildung von Trusts, Syndikaten und Kartellen und durch die Herrschaft des Finanzkapitals auszeichnet. Die Kolonialpolitik, hervorgerufen durch die Notwendigkeit des Warenabsatzes und der Rohstoffgewinnung, die Konkurrenz nationaler, kapitalistischer Kliquen, rufen mit eisernen Notwendigkeit imperialistische Kriege hervor. Der Krieg 1914—1918, dessen Folgen durch die Kräfte der kapitalistischen Gesellschaft nicht liquidiert werden können, hat das wirtschaftliche Leben der meisten kapitalistischen Staaten gestört und erzrüttet. Das furchtbare Elend des Krieges, Hunger, finanzieller und industrieller Zusammenbruch, die Vernichtung von Millionen Menschenleben haben die Menschheit in eine Sackgasse geführt, aus der es nur einen Ausweg gibt: die sozialistische Weltrevolution. Die materiellen Bedingungen hierfür sind reif: die Klassengegensätze haben sich außerordentlich zugespitzt. Der Sieg der Revolution hängt von dem Willen und der Energie des internationalen Proletariats ab. Der Weg zum Sozialismus führt über die Diktatur des Proletariats, die gekennzeichnet ist durch die Herrschaft revolutionärer Räte. Die nächste Aufgabe der Arbeiterklasse aller Länder ist der Kampf um die Niederwerfung der politischen, wirtschaftlichen und geistigen Herrschaft des Imperialismus und die Errichtung der proletarischen Diktatur. Ein siegreicher Ausgang dieses Kampfes ist nur dann möglich, wenn das Proletariat sich entschlossen von der zweiten Internationale abwendet, die in Reformismus und Kompromissen mit der Bourgeoisie versumpft ist, die das Bestreben hat, die alte Gesellschaft zu retten und so Verrat an der Arbeiterschaft übt, und wenn die Arbeitermassen sich unter dem Banner der Kommunistischen Internationale versammeln, der Führerin im revolutionären Kampf des Proletariats. In der revolutionären Epoche müssen in erster Linie die Mittel des revolutionären Massenkampfes (Demonstrationen, Streiks, Generalstreik, bewaffneter Aufstand) zur Anwendung kommen. Dabei kann aber das Proletariat grundsätzlich auf kein politisches Mittel, auch nicht auf das Parlament verzichten. Der Eintritt ins Parlament hängt ab von der jeweiligen politischen Situation und muß von den Organisationen des einzelnen Landes entschieden werden.

  2. Wenn die Lage der erwachsenen Arbeiter unter der Herrschaft des Kapitalismus eine überaus schwere ist, so ist die der Jugendlichen unerträglich. Geringer Arbeitslohn, lange Arbeitszeit, barbarische Behandlung durch Unternehmer und Meister kennzeichen die Lage der jugendlichen Arbeiter. Und noch schlimmer ist es beim Handwerk, wo die Lehrlinge der Gewalt ihrer Meister vollkommen preisgegeben sind. Diese schrankenlose Ausbeutung der jugendlichen Arbeiter hemmt ihre geistige und körperliche Entwicklung. Der bürgerliche Staat vermittelt der arbeitenden Jugend nur so viel Bildung und Wissen, als notwendig ist, um sie als willige und nützliche Arbeitstiere ausbeuten zu können. Die Bourgeoisie hat das Bestreben, die Jugend in ihren Ideenkreis zu bannen. Die Schule, klerikale und bürgerliche Jugendvereine und die Militarisierung haben den Zweck, die proletarische Jugend dem Kampf um den Sozialismus zu entfremden und sie zu ergebenen Soldaten des Imperialismus zu erziehen. Der Weltkrieg hat die Lage der Jugendlichen noch bedeutend verschlechtert. Millionen von ihnen sind als Kanonenfutter an die Front geschickt, neue Millionen in die kapitalistische Produktion hineingetrieben worden.

Obwohl der Staat und das Unternehmertum die Kräfte der Jugend restlos ausnutzen, besitzt diese die wenigsten politischen und persönlichen Rechte. Diese ihre Lage zwingt die Arbeiterjugend als Teil der Arbeiterklasse zum rücksichtslosen Kampf gegen den Imperialismus.

  1. Die Gründung besonderer proletarischer Jugendorganisationen wird bedingt: 1. durch die Stellung der Jugend im Produktionsprozeß und in der Gesellschaft, die ihr den Kampf zur Verteidigung eigener Interessen aufzwingen (Umgestaltung der Arbeit, Neugestaltung der Schule); 2. durch psychologische Eigenheiten der Jugend (Beherrschung des Verstandes durch das Gefühl, leichte Auffassungsgabe, Empfänglichkeit für alles Neue, revolutionäre Ideen, Opfer- und Tatbereitschaft); 3. durch die Notwendigkeit besonderer Methoden für ihre sozialistische und revolutionäre Erziehung (selbsttätige und selbständige organisatorische Arbeit, aktive Teilnahme an politischen Aktionen, Anwendung aller Methoden, die es den Jugendlichen ermöglichen, sich die Fähigkeiten anzueignen, die sie später als proletarische Klassenkämpfer und Träger der revolutionären Bewegung dringend benötigen).

  2. Die Arbeiterjugend ist der aktivste und revolutionärste Teil des Proletariats. Die wichtigste Aufgabe der kommunistischen Jugendorganisation ist gegenwärtig eine unermüdliche politische Agitation unter den breiten Massen der Arbeiter, die Organisation und die Durchführung politischer Aktionen, der unmittelbare Kampf für den Kommunismus, die Teilnahme an der Niederwerfung der kapitalistischen Herrschaft und die Erziehung der Jugendlichen zu Erbauern der kommunistischen Gesellschaft.

  3. Die kommunistischen Jugendorganisationen führen einen energischen Kampf gegen alle bürgerlichen Parteien, ebenso wie gegen die rechtsstehenden Sozialisten, die offenen Lakaien der Bourgeoisie (Scheidemann, Renner, Bissolati, Renaudel, Henderson, Gompers, Troelstra, Branting, Vandervelde usw.), ferner gegen das „sozialistische“ Zentrum (Kautsky, Macdonald, Robert Grimm, Bauer u. a.), die durch ihr schwankendes Verhalten die kapitalistische Gesellschaft stützen. Sie kämpfen auch gegen die syndikalistische Ideologie, die sich gegen den politischen Kampf zur Eroberung der proletarischen Diktatur wendet, die Leitung dieses Kampfes durch eine politische Partei verwirft und die proletarische Zentralisation ablehnt. Ebenso kämpfen sie gegen die anarchistische Ideologie, die sich überhaupt gegen den proletarischen Staat als Übergangsstadium vom Kapitalismus zum Kommunismus richtet und kleinbürgerliche Ideen auf wirtschaftlichem Gebiet propagiert. Den gleichen Kampf führen sie gegen alle Jugendorganisationen, die sich an obengenannte Parteien anlehnen. In ihrem politischen Kampf stellen sich die Jugendorganisationen auf den Boden des Programms derjenigen Partei oder Fraktion ihres Landes, welche der III. Internationale angeschlossen ist, oder des Programms der Kommunistischen Internationale.

Die Organisationsbeziehungen zur Partei werden durch zwei Grundprinzipien bestimmt: 1. Selbständigkeit der Jugend, 2. enger Kontakt und gegenseitige Hilfe.

  1. Obwohl die kommunistischen Jugendorganisationen wie bisher einen energischen Kampf gegen den bürgerlichen Militarismus in allen seinen ideellen und praktischen Formen führen, treten sie doch nicht für liberale pazifistische Ideen ein. Sie wissen, daß die Arbeiterklasse, um den Imperialismus niederzuwerfen, um die siegreiche Diktatur des Proletariats gegen Ueberfälle der Bourgeoisie zu schützen, gezwungen sein wird, von den Waffen Gebrauch zu machen. Gegen den bürgerlichen Militarismus, für die Bewaffnung des Proletariats, für die Rote Armee: das ist die Losung der kommunistischen Jugend.

  2. Der Kampf um die Verbesserung der wirtschaftlichen Lage der proletarischen Jugend ist eine der wichtigsten Aufgaben der Jugendorganisationen. Die Umgestaltung der Jugendarbeit ist nur in der kommunistischen Gesellschaft möglich. In der gegenwärtigen Periode der kapitalistischen Herrschaft kann eine teilweise Verbesserung der Lage der Jugendlichen nur durch den revolutionären Klassenkampf erreicht werden und keinesfalls durch Zusammenarbeit mit den Unternehmern und dem bürgerlichen Staat.

  3. Die elementaren Aufgaben der kommunistischen Jugendorganisationen sind: Ausbildung bewußter proletarischer Kämpfer und zukünftiger Erbauer der kommunistischen Gesellschaft. Kommunistisches Bewußtsein und Kampfestüchtigkeit wird außer durch Teilnahme am politischen Kampf durch theoretische sozialistische Bildung erworben, die auch eine scharfe Waffe im Kampf gegen die bürgerliche Ideologie ist. Sozialistische Bildung in Verbindung mit aktiver Teilnahme am politischen Kampf sind die Erziehungsmethoden der jungen proletarischen Kämpfer.

  4. Die kommunistischen Jugendorganisationen stellen sich außerdem eine umfassende Bildung der Jugend im marxistischen Geist und damit die Hebung des kulturellen Niveaus zur Aufgabe. Die Arbeiterjugend muß der Bourgeoisie die Schätze des menschlichen Wissens abringen, die sie zur Führung des proletarischen Befreiungskampfes notwendig braucht. Sie muß sich auch die Wege zur Wissenschaft, Literatur und Kunst erobern. Außer gewissenhaften Arbeitern und tapferen roten Soldaten müssen aus ihren Reihen die Gelehrten, Techniker, Organisatoren, Philosophen, Dichter und Künstler der neuen kommunistischen Gesellschaft hervorgehen. Die Arbeiterjugend und ihre Organisation ist dazu berufen, mit in erster Reihe die neue, vom Geist des Kommunismus getragene proletarische Kultur aufzubauen.

  5. Die kommunistischen Jugendorganisationen sollen die proletarische Jugend zu gesunden Menschen erziehen, gesund an Geist und Körper. Darum pflegen die kommunistischen Jugendorganisationen auch die körperliche Ausbildung der Jugend. Diese Arbeit, die heute nur einen Teil der gesamten Tätigkeit ausmachen kann ist von großer Bedeutung für die Arbeiterjugend.

  6. Obgleich die kommunistischen Jugendorganisationen darauf bedacht sind, die breiten Massen der proletarischen Jugend für ihre Ideen zu gewinnen, so darf dieser Gewinn doch nicht auf Kosten der Klarheit ihres kommunistischen Programms und ihrer kommunistischen Taktik geschehen. Aeußerst wichtig ist die Agitation der kommunistischen Jugendorganisationen unter den Landarbeitern und ärmsten Bauern.

  7. Die Kommunistische Jugendinternationale hält das Bestehen besonderer Organisationen sozialistischer intellektueller Jugendlicher für überflüssig. Die ehrlichen Revolutionäre unter der studierenden Jugend sollen Mitglieder der proletarischen Jugendorganisation werden, als Gleiche unter Gleichen, als Kameraden unter Kameraden. Die Errichtung von Gruppen intellektueller Jugendlicher innerhalb der allgemeinen Jugendorganisationen muß nach den besonderen Verhältnissen der einzelnen Länder geregelt werden.

  8. In der gegenwärtigen revolutionären Epoche kann der proletarische Kampf nur siegreich sein, wenn er international geführt wird. Das gilt auch für den Kampf der Jugend. Darum schließen sich die politischen Jugendorganisationen zur Kommunistischen Jugendinternationale zusammen. Die Hauptaufgabe der Jugendinternationale ist die zentralisierte Leitung der ganzen Arbeit und des Kampfes der kommunistischen Jugendorganisationen der verschiedenen Länder.

Ihre Beschlüsse sind für alle Jugendorganisationen höchstes Gesetz. Ihre praktische Arbeit besteht in der internationalen Agitation und Leitung politischer Aktionen. Sie hat die Aufgabe, der ganzen Tätigkeit der Jugendorganisationen einheitliche Richtlinien zu geben, sie ideell und materiell zu unterstützen, neue Verbände zu gründen und die proletarischen Jugendorganisationen aller Länder in enge Fühlung miteinander zu bringen.

  1. Die Kommunistische Jugendinternationale steht auf dem Boden der Entschließungen der Kongresse der III. Internationale und bildet einen Teil dieser Kommunistischen Internationale. Die Zentrale der Kommunistischen Jugendinternationale ist organisatorisch mit der Dritten Internationale verbunden und arbeitet mit ihr in engster Kampfgemeinschaft.