Friedrich Engels an seine Schwester Marie in Mannheim, [Barmen 1841, ca. Anfang Mai]. Nach: Marx/Engels, Gesamtausgabe (MEGA¹), Abt. I, Bd. 2, Berlin 1930, S. 614. Traducción al español

Liebe Marie!

Gestern Abend begann ich einen Brief an Dich, kam aber nicht über die dritte Zeile hinaus, und das schnitt die Anna ab, um dieses Papier noch zu benützen. Deine beiden Briefe hab ich bekommen, auch den Bremer, der eine schöne Reise gemacht hat. Im Übrigen geht’s hier ziemlich trocken, wenn nicht etwa dann und wann ein Abendessen mit etwas Maitrank, ein Bierkommers, eine Kneiperei oder Regenwetter in Bänken ist. Das Beste an der ganzen Wirtschaft ist, daß ich den ganzen Tag rauche, was unbezweifelt ein hoher unbezahlbarer Genuß ist. Von Bremen hab ich mit meiner Kiste noch einige sehr hübsche Arbeiten bekommen, ein Zigarrenkörbchen, Aschenbecher, Pfeifentroddel etc. Der Vater ist nach Engelskirchen, ich sitze in seinem Schläfer mit der langen Pfeife auf seinem Bock und dampfe ein Erkleckliches. In acht bis zehn Tagen werden wir wohl nach Mailand abreisen, wobei uns nur gutes Wetter zu wünschen ist. Heut regnet’s wieder toll drauf los. Ich bin begierig, wie Du Dich in Mannheim entwickelt haben wirst, ob Du noch dasselbe magre, alberne Küken von ehemals bist oder Dir neue Tollheiten zugelegt hast. Die Anna hat auch zuweilen so einen tollen Strich und ergeht sich dann in Albernheiten, ihr drittes Wort ist: „Og, Drikes!“ Der Hermann entwickelt glänzende Anlage zum Hypochonder, kann oft tagelang mit dem gleichgültigsten Gesicht von der Welt dasitzen, das Maul hangen lassen und kein Wort sprechen. Kriegt er dann plötzlich den Rappel, so weiß er sich vor Tollheit nicht zu lassen. Der Emil ist noch immer groß in Mißverständnissen. Hedwig entwickelt, etwas Eigensinn ausgenommen, sehr wenig Charakter. Rudolf ist ein Kerl wie der Hermann war, er daselt den halben Tag in Träumen herum, und die übrige Zeit macht er dumme Streiche. Sein größtes Pläsier ist, wenn ich ihm ein Rappier gebe und es ihm aus der Faust schlage. Die kleine Elise wird sich bedeutend machen, jetzt aber ist sie noch unbedeutend. Sie zeigt Keime von Liebenswürdigkeit und sticht Euch am Ende alle aus. Und Ich? ich würde vielleicht interessant aussehen, hätte ich statt meines jetzigen jungen Schnurrbarts noch meinen alten Bremer und meinen langen Haarwuchs.

Jetzt hast Du für heut genug, ich schreib Dir von Mailand aus, wenn wir dort Regenwetter haben sollten.

Dein Friedrich.