Brief von Karl Marx an Ferdinand Lassalle, London, 21. Dezember 1857. Text nach Gustav Mayer (Hg.), Ferdinand Lassalle. Nachgelassene Briefe und Schriften, Bd. III: Der Briefwechsel zwischen Lassalle und Marx, Stuttgart und Berlin 1922, Nr. 44, S. 110–111, nach dem Original, ohne den Apparat des Herausgebers. Vom Original ist ein großes Stück abgerissen; die Punkte bezeichnen die Lücken, die eckigen Klammern Ergänzungen des Herausgebers. Traducción al español.
- Dezember 1857.
9 Grafton terrace, Maitlandpark Haverstockhill, London.
Lieber Lassalle!
Von den verschiedenen Briefen, die Du erwähnst, erhielt ich nur einen, den via Freiligrath. Ich antwortete nicht oder wartete vielmehr auf Privatgelegenheit zum Antworten, die sich nicht fand — aus Gründen, die füglich nicht schriftlich mitzuteilen sind. Nebenbei bemerke ich nur, daß Du zuerst die Korrespondenz abbrachst, indem Du Jahr und Tag auf einen Brief d. d. Manchester nicht antwortetest.
My thanks for Heraklit. Ich hatte immer großes tenderness für letztern [Philos]ophen, dem ich von den Alten nur den Aristoteles vorziehe. Die … Philosophie — Epikur (namentlich diesen), Stoa und Skepsis, hatte [ich zum] Gegenstand speziellen Studiums gemacht, aber mehr aus … als philosophischem Interesse. Indem ich Dir diesen Dank … zugleich, daß ich die Schrift noch nicht erhalten habe … wird sie wohl schicken, sobald er in ihren … ministeriums zu schreiben. Du kennst meine Ansichten über Palmerston, die sich nicht verändert haben. Außerdem kenne ich das Blatt gar nicht, da hier nirgends ein österreichisches Journal aufliegt, weiß also nichts von seiner allgemeinen Richtung. Unter allen Umständen würde es mich interessieren, ein paar Nummern davon zu sehen.
Ich lebe hier sehr isoliert, da außer Freiligrath alle meine Freunde London verlassen haben. Übrigens wünsche ich auch keinen Umgang. Freiligrath geht es relativement parlant erträglich als Manager der Schweizer Bank, und er ist unveränderlich derselbe liebenswürdige brave Kerl. Lupus und Engels sind nach wie vor in Manchester. Über den Verlust von Weerth trauern wir immer noch.
Die gegenwärtige kommerzielle Krise hat mich dazu angespornt, mich nun ernsthaft an die Ausarbeitung meiner Grundzüge der Ökonomie zu geben, auch etwas über die gegenwärtige Krise zu präparieren. Ich bin gezwungen den Tag … zu töten mit Erwerbsarbeiten. Es bleibt mir al[so nur] die Nacht für wirkliche Arbeiten über und da ko[mmt oft] Unwohlsein störend dazwischen. Nach Buchhä[ndler] … noch nicht umgesehen, da ich aus Erfahrung die … davon kommen … wo ich … Neuigkeiten kann ich Dir keine schreiben, da ich als Einsiedler lebe. Meine Frau war während des vorigen Winters und Sommers sehr leidend, hat sich aber jetzt einigermaßen erholt.
Wenn Du die Adresse des Dr. Elsner kennst, besorge einen Gruß an ihn von meiner Seite.
Der alte Esel Ruge hat, wie ich höre, einen Versuch gemacht, seine Deutschen Jahrbücher wieder aufzuwärmen. Soweit, daß diese wieder möglich werden, wird die Geschichte nicht zurückgehn.
Dein K. M.