Brief von Karl Marx an Friedrich Engels in Manchester, [London], 25. Mai [1859]. Text nach MEGA¹ III/2, Berlin 1930, Nr. 589, S. 393–394, ohne den Apparat der Herausgeber. Traducción al español.
- Mai.
Lieber Fred,
Wie die Sachen jetzt hier stehn, ist es nicht wahrscheinlich, daß ich London verlassen kann, sicher nicht Anfang der nächsten Woche.
Heute, wie ich aus einer Notiz in meinem Diary sehe, sind es volle vierzehn Tage, daß ich dem Hund Duncker die letzten drei Korrekturbogen (nämlich Bogen 9—11) zugeschickt. Die Sache war also fertig, und der Kerl hatte nichts mehr zu tun, als nur Reinabzüge der letzten drei Bogen für das Druckfehlerverzeichnis zu schicken. Statt dessen erhalte ich heute — was? Lassalles Broschüre, und da wir kein Geld im Haus hatten, auch ziemlich alles Versetzbare versetzt ist, mußte ich noch den letzten tragbaren Rock ins Pfandhaus schicken, da 2 sh. für diese Scheiße zu zahlen waren, die vielleicht 8 d. in Berlin kostet. Aber, worauf ich eigentlich hinwollte:
Es ist also jetzt evident, daß auf meine Sache vierzehn Tage neues Embargo gelegt wurde, um Herrn Lass[alle] Platz zu machen. Die Arbeit, die noch an meiner Geschichte zu machen war, konnte höchstens drei Stunden Zeit kosten. Aber der verfluchte eitle Narr hat das Embargo verordnet, damit die Aufmerksamkeit Publici nicht geteilt würde. Duncker, der Schweinhund, aber ist seelenvergnügt, daß er neuen Vorwand hat, die Zahlung meines Honorars aufzuschieben. Ich vergesse dem Jüdchen diesen Streich nicht. Die Hast, womit sein Dreck gedruckt wurde, zeigt, daß er magna pars in der Verzögerung unsrer Sachen. Dabei ist das Vieh so verliebt in seine Ausschweißungen, daß er es für selbstverständlich hält, ich brenne nur von Begier, sein „Anonymes“ zu sehn und habe „Objektivität“ genug, das Killen meiner Sache als in der Ordnung zu betrachten.
Der verfluchte Jude von Wien schreibt auch nicht.
Lupus irrt sich sehr in Liebknecht, wenn er glaubt, dieser Biedermann könne selbst so einen Wisch wie „Der Reichsregent“ fertigbringen. Biskamp hat die Sache geschrieben (ich gab ihm die facts) und B[iskamp] muß alles schreiben. Von L[iebknecht] rührt nichts als die „Politische Rundschau“, London mit dem Zeichen π, und dies nicht einmal ganz. Liebk[necht] ist ebenso schriftstellerisch unbrauchbar wie er unzuverlässig und charakterschwach ist, wovon ich Näheres wieder zu berichten haben werde. Der Kerl hätte diese Woche einen definitiven Abschiedstritt in den Hintern erhalten, zwängen nicht gewisse Umstände, ihn einstweilen noch als Vogelscheuche zu verwenden.
Wenn nicht Privatverhältnisse nebst dem Warten auf Duncker mir wahrscheinlich unmöglich machten, nächste Woche nach Manchester zu kommen, kömmt noch hinzu, daß, wenn ich den Platz verlasse, bei den großen Intrigen, die von allen Ecken aufgeboten werden von der Emigrationsdemokratie, von Camberwellkaufleuten, von Weitlingianern etc. etc., und bei der außerordentlichen Schwäche der Leute, die uns hier repräsentieren sollen, leicht alles in den Dreck geritten wird. Ich habe übrigens dem faullebenden Fleisch Schapper gestern durch Pfänder kategorisch mitteilen lassen, daß, wenn er nicht sofort wieder in den Arbeiterverein (den sogenannten kommunistischen) eintritt und dort das management übernimmt, mit ihm aller „Zusammenhang“ aufhört. Die einzige Sphäre, worin wir das Hippopotamus brauchen können, hält der Narr zu gering für sich. Mais nous verrons. Wir hatten nie einen schlechteren staff. Der Pieper wäre jetzt sehr nützlich. Statt dessen ist er in Bremen und schreibt nicht einmal.
Salut.
Dein K. M.