Ohne Unterschrift erschienen in der Neuen Rheinischen Zeitung, Nr. 36, 6. Juli 1848 (Köln), S. 2, Rubrik „Italien“; von der MEGA² (I/7) Friedrich Engels zugeschrieben. Text nach dem Original der Zeitung (Digitale Sammlungen der USB Köln). Traducción al español.
* Turin, 28. Juni. Noch dauern in der Deputirtenkammer die Verhandlungen über den Anschluß der Lombardei und der venetianischen Provinzen an Sardinien fort. Es handelt sich um Annahme oder Verwerfung des vom Ministerium vorgebrachten, freiheitsfeindlichen, Amendements. Die von der Kammer erwählte Kommission hat vorgeschlagen:
„Einziger Artikel.“
„Die sofortige Union der Lombardei und der Provinzen Padua, Vicenza, Treviso und Rovigo ist so, wie sie von jenen Völkerschaften votirt worden, angenommen. Die Lombardei und besagte Provinzen bilden mit den sardinischen und den andern bereits vereinigten Staaten ein einziges Königreich. Mittelst allgemeiner Wahlen wird eine gemeinsame konstituirende Versammlung zusammenberufen werden, welche die Grundlagen und Formen einer neuen konstitutionellen Monarchie mit der Dynastie von Savoyen, gemäß der von den Lombarden im Gesetze der provisorischen Regierung Mailands vom 12. Mai c. abgegebenen Erklärung, zu erörtern und festzustellen hat.“
Trotz der nicht geringen Opposition, welche der Kommissions-Vorschlag findet, wird er doch schließlich, wie wir hoffen, bei der Abstimmung angenommen werden.
* Florenz, 24. Juni. Uebermorgen werden die beiden Kammern eröffnet. Das offizielle Blatt enthielt gestern das Programm der Feierlichkeiten. Die Eröffnung wird im Saale der Fünfhundert, im alten Palast stattfinden. In dem Journal „L'Alba“ findet sich heute ein leitender Artikel gegen den König von Sardinien, der jetzt eben so ganz Italien in seinem Staate aufgehen lassen möchte, wie dies Preußen vor dem 18. März gegenüber den kleinern Staaten Deutschlands versuchte. „Piemont“, sagt das Blatt, „hat das toskanische Gebiet in Lunigiana gewaltsam besetzt. . . So vergrößert sich Piemont allmälich immer mehr, erweitert seine Gränzen und will ganz Italien absorbiren. . . . Außerdem, daß Piemont in dem Unabhängigkeitskampfe das Uebergewicht hat, weil sein Schwert am stärksten gegen den Fremden geschwungen wird, fühlt es auch schon das Bedürfniß, ebenso in Sachen der innern italiänischen Freiheit eine Obmacht auszuüben. Schon ist von der Deputirtenkammer zu Turin für eine breitere auf dem allgemeinen Stimmrecht basirte Verfassung und für eine baldige konstituirende Versammlung, als dem Ausdrucke der wahren Souveränetät des Volkes gesprochen worden.
Wahrscheinlich wird die sardinische Regierung diesem Wunsche beistimmen, ob freiwillig oder um bei seinen Vergrößerungsplänen in dem gemeinsamen und eifrigen Verlangen der Völkerschaften eine Stütze zu gewinnen, wissen wir nicht. Es wird nun auf den bevorstehenden Zusammentritt der toskanischen Kammern hingewiesen, die beide auf Privilegien und Monopole gegründet sind und den wirklichen Rechten des Volkes in keiner Weise entsprechen. Und dies in einem Lande, das seinen Ueberlieferungen und Tendenzen nach vorzugsweis demokratisch ist.“
Was werde also erfolgen, wenn Piemont's konstituirende Versammlung in einer neuen Verfassung das Prinzip des allgemeinen Wahlrechts annehme, werde da nicht Toskana nachfolgen müssen? Denn es sei den Völkern gleichsam angeboren, nach denjenigen Freiheiten zu verlangen, in deren Genuß sie benachbarte Völker sehen. So würde alsdann Toskana Piemont nachahmen müssen, wie es sonst in Bezug auf Oestreich gethan. Wenn es dagegen die Initiative ergreife und Italien, das Beispiel einer wahrhaft demokratischen Verfassung aufstelle; so werde es sich mit Ruhm bedecken und zeigen können, ob es wirklich Freund der Volkssache und Italiens sei. In einem zweiten Artikel spricht sich die „Alba“ über das Entwürdigende, Nutzlose und Unmoralische politischer Eide aus. — Die provisorische Regierung von Modena hat durch ein Dekret vom 17. Juni, zum ehrenden Andenken an den wackeren Patrioten Ciro Menotti seinen Söhnen und Geschwistern eine jährliche Rente von insgesammt 8000 ital. Lire auf die Einkünfte der Allodialgüter des Exherzogs von Modena angewiesen. Das Dekret nennt Menotti den „Kämpen der italiänischen Freiheit im Jahre 1831“ und „jenes Geschenk wird für seine ausgezeichneten Dienste und seine ungemeinen dem Vaterlande gebrachten Opfer im Namen des Volkes beschlossen.“ So ehrt das frei gewordene Modena seinen Menotti!
* Florenz, 27. Juni. Gestern Mittag eröffnete der Großherzog die gesetzgebenden Kammern mit einer Rede, die Alles zusammenstellt, was bereits im vorigen Jahrhundert, wie in diesem und ganz in neuester Zeit für die materiellen und geistigen Interessen der Bewahrer von Seiten der Regierung geschehen ist. Die Thronreden gleichen sich darin auf ein Haar, daß sie sich alle in der besten der Welten befinden.
* Modena, 22. Juni. Vorgestern Nacht wurde Generalmarsch geschlagen; es hieß, die 3 Freiwilligen-Kompagnien unter den Kapitänen Piva und Fontana und dem Lieut. Montanari wären im Anzuge, um die eben eingesetzte Regierung zu stürzen. Die Bürgergarde blieb beisammen, bis am andern Tage früh nach Unterhandlungen und Erklärungen den Freiwilligen der Eintritt in die Stadt unter der Bedingung erlaubt wurde, ihre Waffen in der Citadelle niederzulegen, die sie alsbald wieder erhalten sollen, sobald sie wieder ausrücken. Jene 3 Kompagnien bestehen meist aus entschlossenen Republikanern; deshalb hatte die Munizipalbehörde und jetzige provisorische Regierung auch alle ihre Streitkräfte, Bürgergarde und Kanonen, gegen sie aufgeboten.