Text nach: Der Vorbote. Politische und sozial-ökonomische Monatsschrift, redigirt von Joh. Ph. Becker, Genf, III. Jahrgang, Nr. 9 (September 1868), S. 129–140; Nr. 10 (Oktober), S. 145–152; Nr. 11 (November), S. 161–165; IV. Jahrgang, Nr. 1 (Januar 1869), S. 14–16; Nr. 2 (Februar), S. 23–25; Nr. 3 (März), S. 39–42; nach dem Scan bei archive.org, durch OCR erfaßt und nach den Seitenbildern berichtigt. Die Überschriften der Abschnitte sind von uns. Die vom Kongreß angenommenen Resolutionen werden hier nicht wiederholt; sie stehen auf der Seite des Kongresses: 1868 Congrès de Bruxelles (AIT). Traducción al español.

Eröffnung des Kongresses, Sonntag, 6. September

Der Vorbote, Nr. 9, September 1868, S. 129–140: «Dritter Kongreß der Internationalen Arbeiter-Association in Brüssel (6.–13. September)».

Die Internationale Association hat dieses Jahr unter mehr als einem Gesichtspunkte eine Bedeutung erlangt, wie sich deren bis jetzt in unserer Zeit keine Verbindung zur Befreiung des Volkes rühmen kann. «Man muß», sagt das größte Journal der Welt, die Londoner Times, die sich, gleich den großen kontinentalen europäischen Blättern, wie «Indep. Belge» u. s. w., eingehend mit der Internationalen beschäftigt — «bis auf die Zeiten der Entstehung des Christenthums und der Verjüngung der antiken Welt durch die germanischen Völker zurück gehen, um etwas Analoges zu finden, wie diese Arbeiterbewegung, welche der heutigen Civilisation einen ähnlichen Dienst zu leisten scheint, wie jener war, welche die nordischen Barbaren der alten Welt geleistet.» Und wahrlich, die ernste und würdevolle Haltung des Kongresses, die Gewandtheit der Verhandlungen in vier Sprachen, die internationale Verbrüderung so deutlich kennzeichnend, die steigende Theilnahme des Publikums, der nach dem Maße der Entschiedenheit der Redner gegen sozialen, politischen und religiösen Despotismus erhöht geerntete Beifallssturm, gab dem Arbeitertag so imposantes Ansehen wie durchschlagenden Charakter. Es war als hörte man den Flügelschlag eines neu erwachten Geistes der Weltgeschichte.

Da wir noch nicht im Besitze der offiziellen Aktenstücke sind, so vermögen wir vorläufig nicht mit einer detaillirten Beschreibung zu beginnen, sondern müssen uns begnügen, die Mitglieder der Association einstweilen durch eine allgemeine Uebersicht der bedeutenden Fortschritte in Kenntniß zu setzen, welche sowohl die innere Entwicklung und Kräftigung unserer Prinzipien, wie die materielle Macht und Ausdehnung der Internationalen genommen hat.

Am 6. September fand, wie angekündigt war, im Gasthof zum Schwanen gegen 11 Uhr Vormittags die Eröffnung des Kongresses statt. Die Vollmachten der Delegirten aller Länder, welche namentlich aus Frankreich und Belgien zahlreich herbei gekommen waren, wurden verifizirt, und es wurde sofort, auf den Antrag De Päpe's, eines der hervorragendsten belgischen Delegirten, ein provisorisches Büreau für die Eröffnungsfeierlichkeit ernannt, welche um 3 Uhr Nachmittags im großen, eleganten und splendid beleuchteten «Théâtre national du Cirque» stattfand. Nachdem der provisorische Präsident Jung, Mitglied des Londoner Generalrathes, in kurzer und klarer Darstellung das Geschichtliche der Entstehung und Entwicklung der Internationalen, sowie deren Bestrebungen mitgetheilt hatte, berichtete jeder Delegirte über den Fortgang der von ihm vertretenen Sektionen. Wir ersehen daraus, daß in Belgien seit den Ereignissen in den Kohlenbergwerken von Charleroi, wie in der Schweiz seit der Genfer Greve, die Internationale rasch an Mitgliedern zugenommen hat. Mehr als zwanzig neue Sektionen, wovon mehrere bis 800 Mitglieder zählen, haben sich seitdem in Belgien gebildet. Ein noch viel bedeutenderes Resultat wurde in Frankreich seit den Prozessen erzielt, welche dort den Internationalen gemacht wurden. Trotzdem, oder vielmehr gerade weil nun dort diese Gesellschaft offiziell unterdrückt ist, haben sich die Gewerke von Paris und andern großen Städten Frankreichs der Association angeschlossen und Delegirte zum Kongresse geschickt. — Dupont, vom Generalrathe in London, ist zugleich Delegirter mehrerer italienischer Arbeitergesellschaften, welche, gleich den deutschen, keine direkte Verbindung mit der Internationalen eingehen dürfen, sich deßhalb aber nicht abhalten lassen, für die soziale Revolution zu wirken. Aehnliches gilt von den spanischen Arbeitern, die Sarro Magallan, von Barcelona, auf dem Kongreß vertritt. Trotz der großen Reaktion, die in diesem Augenblicke in Spanien herrscht, entwickeln sich dort die Arbeiterassociationen, namentlich in Catalonien und Andalusien. So oft die Arbeiter arretirt werden, welche an der Spitze derselben stehen, d. h. fast täglich, werden von ihnen neue Vorsteher gewählt, so daß die Regierung sich gezwungen sah, ihnen die Freiheit zu lassen. Eine Revolution ist in diesem Lande unausbleiblich, und die Arbeiter werden hier, wie in allen übrigen Ländern, die vereinigte Macht des Staates und der Kirche über den Haufen werfen, um eine neue Gesellschaft zu gründen auf der Basis der Gerechtigkeit und der Arbeit. Klein (Solingen) theilt mit, daß ihre Sektion, aus Stahlarbeitern bestehend, eine Produktivgenossenschaft auf sozialistische Grundsätze gebildet haben. (Die Produkte derselben waren im Vorsaale aufgestellt und erhielten die Bewunderung sowohl der Delegirten als des Publikums.)

Auch ein aus der hohen englischen Aristokratie stammender Delegirte der englischen Reformliga, Cowell, Stepney, nimmt das Wort, um zu erklären, daß er im Kampfe der beiden Klassen stets Partei für die Enterbten genommen habe und nehmen werde. — In derselben Sitzung wird ein Brief verlesen, den die Pariser Mitglieder aus dem Gefängniß Sainte-Pelagie an den Kongreß geschrieben haben, sowie ein Brief des russischen Sozialisten Bakunin, einer des Präsidenten des Lassalle'schen allgemeinen deutschen Arbeitervereines, Schweizer, der in Namen seiner Gesellschaft seine Sympathien für die Internationale erklärt und bedauert, daß die preußischen Gesetze den offiziellen Beitritt verbieten. Advokat Titus aus Bamberg sandte, von Hof aus, dem Kongreß ein glückwünschendes Telegramm. Vondenbergen liest einen Brief von Bürger Boldingh vor, worin außer den Glückswünschen auch die Gründung einer Sektion in Amsterdam angezeigt war. Das gefüllte Haus begleitet alle Mittheilungen mit stürmischem Beifalle und wird, nachdem noch sechs Delegirte verschiedener Länder berichtend gesprochen, die Sitzung gegen 7 Uhr geschlossen.

Montag, 7. September: zweite Delegirtensitzung und zweite öffentliche Sitzung

Am 7. September wird Morgens gegen 10 Uhr die zweite Sitzung der Delegirten im Schwanen eröffnet. Hier wird das Büreau definitiv in Jung (London), zum Präsidenten, Düpont (London) und Becker (Genf), zu Vizepräsidenten, Coene und Maetens (Belgien), Grinand und Theiß (Frankreich), Klein und Schöppler (Deutschland), Schaw (England) und Magallan (Spanien), ernannt, und unter Anderm der Beschluß gefaßt, daß jeden Morgen von 9 Uhr bis Mittag eine administrative Sitzung der Delegirten, Nachmittags die Kommissionssitzungen, und Abends von 7 Uhr bis gegen Mitternacht die öffentliche Versammlung im Cirkus stattfinden sollen. Neue Delegirte sind inzwischen eingetroffen aus der Schweiz, aus den Ardennen und andern, die Ackerbaubevölkerung vertretenden Sektionen, aus Lyon u. s. w. Graglia aus Genf schildert die feindselige Haltung der republikanischen Genfer Bourgeois während der Greve. Perron verlangt im Namen der Genfer Sektionen, daß das politische Programm der Internationalen sich nicht auf eine Protestation gegen den Krieg beschränken solle. Er will, daß die Trennung des Staates von der Kirche, die Erziehungs- und Unterrichtsfrage und die Vermögenssteuer neben den sozialen Reformen vom Kongresse diskutirt werden.

Die Tagesordnung wird nun für die folgende Sitzung diskutirt und festgestellt in dieser Reihenfolge: 1) Die von den deutschen Sektionen gestellte Frage über das Verhalten der Arbeiter aller Länder im Falle eines europäischen Krieges; 2) die von den belgischen Sektionen aufgestellte Frage über die Greve- oder Widerstandsorganisation. Schluß der Sitzung um 1 Uhr.

Um 5 Uhr versammelten sich die Delegirten erstmal im Schwanen, um die Kommissionen zum Ausarbeiten der Fragen zu ernennen.

In der zweiten öffentlichen Sitzung verliest zuerst Düpont den Bericht des Generalrathes, der mit stürmischen Beifallsbezeugungen begleitet wird. Sodann theilt er telegraphische Depeschen aus Amsterdam, Pesth, Genf, sowie Stellen aus einem Briefe der Marseiller Arbeiter mit, worauf die Diskussion über die Kriegsfrage eröffnet wird. (Die von Becker hierüber vorgelegte Resolutionsform werden wir später bringen.)

Catalan (Genf) meint, die öffentliche Meinung werde von den heutigen Machthabern nicht berücksichtigt, wie der Krieg von 1866 gezeigt, daher müsse Jeder im freien Lande dahin wirken, die Urheber des Krieges zu stürzen. — Henri (Paris) bemerkt, daß alle Klassen, außer denen, die aus dem Kriege ein Gewerbe machen, gegen den Krieg seien, wenn auch die arbeitenden Klassen am Meisten darunter zu leiden hätten. Er gelangt zu der Konklusion des Vorredners. — De Päpe (Brüssel) hebt hervor, daß es ein direktes und ein indirektes Mittel gebe, um gegen den Krieg zu wirken; das direkte bestehe in der Verweigerung des Militärdienstes, oder was auf dasselbe hinaus laufe, da doch die Armeen Bedürfnisse haben, in der Verweigerung aller Arbeit. Das indirekte Mittel bestehe in der Lösung selbst der sozialen Frage, und dieses letztere habe die Internationale durchzuführen. Es zerstöre das Uebel an der Quelle, während das erste Mittel stets von Neuem zu wiederholen wäre. Die Quelle der Kriege seien die heutigen sozialen, nicht blos die politischen Zustände; den Beweis hiefür liefere Nordamerika. Der Hunger sei heute wie in den ältesten barbarischen Zeiten, wo man nur Raubzüge machte, die erste Ursache des Krieges. Die Eroberungs- und Handelskriege, um neue Märkte zum Abfluß der Produkte zu gewinnen, könnten nur durch die große soziale Frage definitiv abgeschafft werden. — Hins von Brüssel hat nur das Eine hinzuzufügen, daß die Bourgeoisie, trotz ihrem Widerwillen gegen den Krieg, ihn im Grunde unterstütze, weil sie zur Erhaltung ihrer Herrschaft Armeen besolden müsse, um den Arbeiter im Zaume zu halten. Ja, wenn wir es dahin bringen könnten, alle Arbeiter zur Verweigerung des Kriegsdienstes oder der Arbeit zu bestimmen, so könnten wir es zu noch ganz andern Dingen bringen, und dann würde die Kriegsfrage nicht mehr existiren. — Spehl und Pellering, aus Brüssel, erklären sich zwar mit dem Vorredner einverstanden, meinen aber, man müsse alle Mittel anwenden, um dem Kriege den Krieg zu erklären. — Lucraft, aus London, ist ebenfalls der Ansicht, daß der Krieg nur den Geiz und die Habsucht der Bourgeoisie zur Ursache habe, daher er nur durch den Sieg der Prinzipien der Internationalen definitiv abgeschafft werden könne. — Tolain, von Paris, schlägt im Namen mehrerer Pariser Delegirten eine Resolution vor, auf die wir später zurückkommen werden. Er proponirt ferner, eine Kommission zu ernennen, um die Frage noch weiter zu diskutiren und eine Resolution zu fassen, worauf die Sitzung nach Mitternacht geschlossen.

Wir erwähnen hiebei, daß alle Reden, Berichte und Anträge sofort im Wesentlichen in den verschiedenen Sprachen übersetzt wurden, von Becker gewöhnlich aus dem Französischen in's Deutsche, von Eccarius aus dem Deutschen in's Englische, von Dupont aus dem Englischen in's Französische und von De Päpe und Hins aus dem Französischen in's Flammänische und von allen in umgekehrter Weise, was Alles, namentlich im Publikum, großes Interesse erweckte, aber auch die Sitzungen sehr verlängerte.

Dienstag, 8. September: dritte Delegirtensitzung und dritte öffentliche Sitzung

Wir haben noch nachzutragen, daß in der dritten Delegirtensitzung, welche am 8. September im Schwanen abgehalten wurde, noch einige Delegirte eintrafen, worunter Eccarius, der vom Arbeitertag in Nürnberg die wichtige Nachricht mitgebracht, daß derselbe sich mit einer großen Majorität für den Anschluß der deutschen Arbeitervereine an die Internationale erklärt habe. Auch wurde noch beschlossen, daß die Sitzungen der Delegirten im Schwanen nicht mehr veröffentlicht werden sollen.

In der dritten öffentlichen Sitzung des Cirkus, der von Tag zu Tag ein größeres Publikum herbeizieht, wird die Frage der Greven vom Präsidenten Dupont (Jung ist abgereist) zur Diskussion gebracht. Es werden zunächst über diese Frage drei Berichte verlesen, einer von Graglia, aus Genf, im Namen der dortigen Sektionen; einer von Mareschal, aus Lüttich, und schließlich eine von De Päpe, aus Brüssel. Diese Berichte, welche die Frage eingehend und mit großem Talente behandeln, besonders der vortreffliche Bericht De Päpe's, dessen Druck verlangt wurde, lassen keine Auszüge zu, und müssen der detaillirten Kongreßbeschreibung vorbehalten bleiben. Wir wollen nur die Konklusion des De Päpe'schen Berichtes hier geben. In den Gesellschaften «zur Aufrechthaltung des Preises», wie man sie in Belgien, «Widerstandsgesellschaften» in Frankreich, «Trades Unions» in England nennt, sieht der Berichterstatter den Keim zu einer großen sozialen Umwandlung, die alle Länder umfassen wird, welche an der Spitze der Civilisation stehen. An der hierauf folgenden Diskussion nehmen Theil: Tartaret (Paris); Catalan (Genf); Tolain (Paris); Graglia (Genf); Schaw (London); Brismen (Brüssel). Dupont verliest einen darauf bezüglichen Auszug aus dem Protokolle des Genfer Kongresses. Brismen trägt sodann die Resolutionen vor, welche über die Frage von der Kommission proponirt werden.

Vierte öffentliche Sitzung

In der vierten öffentlichen Sitzung hat zunächst der Berichterstatter der Kommission «über die Wirkungen der Maschinen auf die Lage der Arbeiter» das Wort. Ihm folgt die Verlesung des Berichtes der Sektion Lüttich «über die Wirkungen der Maschinen auf den Lohn und die Lage der Arbeiter.» Delacour verliest sodann den von den Pariser Buchbindern ausgearbeiteten Bericht über denselben Gegenstand. In der hierauf folgenden Diskussion spricht zuerst Lessner (London) gegen die heutige soziale Organisation, welche die Maschinen, die doch die Arbeit erleichtern sollten, in den Händen des Kapitals zum größten Feinde des Arbeiters mache. Er zitirt als Beleg einige Auszüge aus dem Werke von Karl Marx, in welchem die Frage erschöpfend behandelt ist. Coulan (Brüssel) hebt hervor, daß die Befreiung des Magens mit jener des Gehirnes Hand in Hand gehen müsse. — Tolain, von Paris, schlägt Konklusionen vor, unterzeichnet von ihm, Hins und Fontaine, welche darauf hinaus laufen, daß der Kongreß über diese Frage keine Resolution zu fassen habe. — Pellering, von Brüssel, schließt wie Lessner, daß nicht gegen die Maschinen, sondern gegen die heutige soziale Organisation anzukämpfen sei. — De Päpe und Eccarius schlagen Konklusionen vor, die später miteinander verschmolzen und mit strengen Modifikationen adoptirt werden. Es sprechen noch Schöppler (Mainz), Cohn (London), Hins und Steens (Brüssel). Tolain verwahrt sich gegen den Vorwurf, den Kampf aufgeben zu wollen. Brismen und De Päpe weisen durch Beispiele nach, daß durch die Widerstandsgesellschaft die Einführung gewisser Maschinen ohne Garantie für den Arbeiter verhindert werden könne. Murat (Paris) unterstützt De Päpe und macht darauf aufmerksam, daß die traurigen Ereignisse von Roubaix die Einführung neuer Maschinen ohne Rücksicht auf die Arbeiter zur Ursache hatten. Das Votum über die Konklusionen wird, wie jedes definitive Votum, auf die folgende administrative Sitzung vertagt.

Hins (Brüssel) erhält das Wort zum Verlesen des Berichtes über den integralen Unterricht. Er theilt zunächst die Konklusionen der Kommission mit: n Erwägung, daß es für den Augenblick unmöglich ist, einen rationellen Unterricht zu organisiren, ladet der Kongreß die verschiedenen Sektionen ein, öffentliche Vorträge zu organisiren, welche den heutigen mangelhaften Unterricht des Arbeiters so viel wie möglich ergänzen. Es versteht sich von selbst, daß die Verminderung der Arbeitsstunden als unumgänglich vorbereitende Maßregel angesehen werden muß. — Nach dem Berichte der Brüsseler Sektionen wird jener verlesen, der von den Pariser Buchbindern über dieselbe Frage ausgearbeitet worden. Nun folgte der Bericht der Lütticher Sektion, sodann jener der Gesellschaft von Rouen, und schließlich jener der Genfer Sektionen.

Um nicht den ganzen Raum dieser Nummer unseres Blattes mit der Kongreßbeschreibung einzunehmen, wollen wir, indem wir noch folgenden Bericht beifügen, dieselbe für diesmal schließen.

Vierter jährlicher Bericht des Generalrathes

Hier folgt im Bericht der Wortlaut des vierten jährlichen Berichtes des Generalrathes an den Kongreß, gezeichnet London, 1. September 1868, von Robert Shaw, Vorsitzender, und J. George Eccarius, Generalsekretär; siehe Vierter jährlicher Bericht des Generalrats der Internationalen Arbeiterassoziation.

Weitere Mittheilungen

Noch wollen wir für jetzt unserm Berichte beifügen, daß dem Kongresse noch ferner Glückwünsche und Zustimmungsrufe in Telegrammen und Briefen zugekommen sind von Arbeitern in Neumünster (Holstein); von dem zu gleicher Zeit abgehaltenen Kongresse der italienischen Arbeiter in Genua; von den zu einer sozial-demokratischen Partei vereinigten Arbeitergesellschaften (10,000 Mitglieder zählend) in Wien; von Gemeinden des allgemeinen deutschen Arbeitervereins in Hildesheim, Wolfenbüttel, Braunschweig und Hannover; von Schriftsteller Wilh. Angerstein in Wien; vom Arbeiterbildungsvereine in Nürnberg, der zugleich anzeigt, daß er nachträglich einen Kongreßdelegirten ernannt, sowie von Advokat Martini in Kaukehmen, der seinen Glückswünschen ein unfehlbares Verwirklichungsinstrument von Thlr. 40 zu Gunsten der Zentralkasse deutscher Sprachgruppe beifügte, wofür ihm hiemit der wärmste Dank ausgesprochen sein soll.

Am Eingange des Kongreßsaales waren allabendlich zwei unserer Mitgenossen zur Erhebung von freiwilligen Gaben für die durch rohe Militärgewalt verunglückten Kohlengrubenarbeiter von Charleroi aufgestellt, was Fr. 351. 80 Cts. eintrug. Etwas Linderungssalbe für schwere Wunden! Laut einstimmigem Beschluß wird der nächstjährige Kongreß in Basel stattfinden.

Das nächste Mal folgt das Namensverzeichniß aller Kongreßmitglieder.

Die weiteren Sitzungen: Unterricht, Kredit, Eigenthum

Der Vorbote, Nr. 10, Oktober 1868, S. 145–152: «Dritter Kongreß der Internationalen Arbeiter-Association in Brüssel (6.–13. September). (Fortsetzung.)».

Alle diese Berichte über die große Frage der Erziehung und des Unterrichtes, und namentlich auch zwar der zuletzt genannten Genfer Sektionen, sind tief durchdachte, alle Zweige der allgemeinen Volksbildung umfassende, methodisch geordnete Werke, die ihren Verfassern die größte Ehre machen und zum hundertsten Male beweisen, nicht nur, wie die bisherigen Besitzer allen materiellen und geistigen Kapitals herablassend zuweilen eingestehen, daß nämlich «das Volk reif» sei zur Emanzipation von der Herrschaft seiner angeblichen Vormünder, sondern daß dieses arbeitende Volk in der Blüthe seiner Entwicklung ist, während die bisher herrschenden Klassen im geistigen Verfalle und in moralischer Versumpfung sind, unfähig, noch länger an der Spitze der Civilisation zu stehen, weil unfähig, die höhern Bedürfnisse des Menschen des neunzehnten Jahrhunderts in demselben Maße zu erkennen und zu würdigen, wie die noch von materieller Arbeit und Noth niedergedrückten arbeitenden Klassen.

Die Verhandlungen über obige Frage spannen sich in der folgenden Sitzung fort und schloßen mit einer Resolution, die, wie sämmtliche Beschlüsse, später wörtlich hier mitgetheilt werden. Die zehnte und zwölfte öffentliche Sitzung (der Leser wird sich erinnern, daß zwischen einer und der andern solcher Sitzungen immer eine administrative stattgefunden, die wir hier überschlagen) wurde der Kreditfrage gewidmet, welche eine Polemik hervorrief zwischen den Anhängern der alten Proudhon'schen Theorie, zu welcher sich mehr oder weniger sämmtliche Berichterstatter, nämlich die französischen und einige belgische Delegirten, bekannten, und welche von den englischen und deutschen Delegirten bekämpft wurden. Proudhon, der nur die kleine Industrie im Auge hatte, und dessen System des «unentgeltlichen Kredits» und der «Tauschbank» stets den individuellen Austausch, d. h. den heutigen bürgerlichen Commerce, zur Voraussetzung hat, Proudhon, ohne daran zu denken, daß es die große Industrie und das große Kapital ist, welches die Kreditfrage, wie die ganze heutige Oekonomie beherrscht, Proudhon, sagen wir, bildete sich ein, die Arbeiter der kleinen Industrie brauchten sich nur zum Zwecke des direkten Austausches ihrer Produkte zu verständigen, um auf Grundlage ihrer Arbeitsprodukte und ihrer Arbeitskraft ein Papiergeld zu schaffen, welches ihnen das Kapital ersetzt. Selbst wenn man annehmen wollte, daß eine solche Kreditorganisation sich über ganze Länder ausdehnte, so könnte doch das nur auf vorhandene oder gar erst zu schaffende Produkte basirte Papiergeld, nach der heutigen, den individuellen Austausch voraussetzenden Oekonomie, keineswegs das allgemeine Tauschmittel vertreten, welches, so lange der individuelle Austausch besteht, die edlen Metalle allein, die in aller Welt Cours haben, sein können. Die Kapitalistenbanken haben nur deßhalb die Macht, Papiergeld ausgeben zu können, weil dieses als jeder Zeit gegen edle Metalle austauschbar vom Publikum angesehen wird. Auch die größten Banken sind, wenn sie, wie dies in Zeiten der Geld- und Handelskrisen der Fall ist, beim Publikum dieses Vertrauen zu ihrem Metallvorrath nicht mehr haben, dem Bankrotte verfallen. Will man die Kapitalherrschaft bekämpfen, so muß man den Stier bei den Hörnern fassen, so müssen die Arbeiter sich der großen Industrie bemächtigen, welche die Quelle des Kapitals ist. Um dies zu können, müssen sie die politische Herrschaft haben, die Staatsmacht bilden. Solche und ähnliche Gründe wurden den Proudhonisten entgegen gesetzt. Eccarius führte aus, wie man in England und Nordamerika von der Proudhon'schen Theorie des «unentgeltlichen» Kredits wenig wisse und sich in der Praxis gar nicht um sie kümmere. Dort dränge der Arbeiter darauf, daß die Privatbanken aufgehoben und ersetzt werden durch eine einzige, zu Gunsten Aller fungirenden Staatsbank, in derselben Weise verwaltet wie Posten, Eisenbahnen und Telegraphen. Er lächelte über die Furcht, die in Frankreich und auf dem europäischen Continente der «Staat» den sozial-demokratischen Parteien einflöße. Dieser «Staat» sei eben erst in den letzten Jahrhunderten das geworden, was er heute ist, nämlich ein Institut, in welchem sich, selbst in den despotisch regirten Ländern, die Herrschaft der Bourgeoisie verkörpert habe. Sobald aber das ganze arbeitende Volk sich des «Staates» bemächtigt habe, so würden die Staatsbanken, wie alle großen Unternehmungen, zum Nutzen Aller exploitirt werden. Es sei daher ganz und gar müßig, daß sich die Internationale mit solchen Theorien befasse, man solle vielmehr bei den praktischen Mitteln zur Bekämpfung des Kapitals bleiben. Zu demselben Schlusse gelangte Heß, der außerdem darauf aufmerksam machte, daß die Proudhon'schen Theorien schon vor mehr als zwanzig Jahren von Karl Marx in seinem Werke Misère de la philosophie endgültig widerlegt worden seien. — Cohn, von London, und die andern englischen Delegirten schloßen sich den deutschen Gegnern Proudhon's an. — Aber das fast vornehmlich französisch sprechende und diese Sprache verstehende Publikum wurde von den zahlreichen französischen Rednern dermaßen beeinflußt, daß die deutschen und englischen Delegirten in dieser Frage in der Minorität blieben und sich damit begnügen mußten, ein Separatvotum abzugeben. Die Resolution des Kongresses in Ansehung der Kreditfrage, die später hier mitgetheilt wird, erkennt die Nützlichkeit der «Tauschbank» an, giebt aber zu, daß die Frage noch nicht spruchreif sei.

Der praktische und radikale Sozialismus sollte jedoch sehr bald seine Genugthuung bekommen. Unmittelbar nach der Kreditfrage wurde die Frage der großen Industrie und Agrikultur unter dem uneigentlichen Namen «Eigenthumsfrage» verhandelt, uneigentlich deßhalb, weil nicht das Privateigenthum überhaupt im Sinne des systematischen Kommunismus, sondern nur die große Exploitation, die direkt mit dem Boden zusammen hängt, in Frage gestellt war, also Bergwerke, Eisenbahnen, Bodenkultur, Forstbewirthschaftung u. s. w. Auch hier bemühten sich die Proudhonisten oder Individualisten die Konklusionen des vortrefflichen Berichtes De Päpe's zu bekämpfen, der die Nothwendigkeit nachwies, mit welcher sich allmälig die Privatausbeutung dieser großen Industrien in kollektive Arbeiten umwandle, so daß Arbeiterkompagnien später recht gut die Kapitalistenkompagnien ersetzen könnten und würden. Trotz aller Bemühungen der Gegner wurden die Konklusionen De Päpe's, der von den deutschen und englischen Delegirten kräftig unterstützt wurde, mit großer Majorität vom Kongresse angenommen. — Uebrigens waren die beiden Fragen, die wir eben besprochen haben, die einzigen, die eine prinzipielle Meinungsverschiedenheit unter den Delegirten hervortreten ließen. Doch war man sich dabei allgemein bewußt, daß es sich hier nur um eine Verschiedenheit der Mittel handle, daß man dagegen vollständig einig sei in Ansehung des zu erreichenden Zieles, des Kampfes auf Leben und Tod gegen jede Kapitalherrschaft. Daher bot auch der Brüsseler Kongreß nicht das Schauspiel des Berner «Friedenskongresses» dar, wo die sozialistische Minorität, um das Prinzip der Sozialdemokratie nicht mit Füßen treten zu lassen, nichts Anderes thun konnte, als austreten. Vielmehr blieben nach wie vor den beiden Diskussionen sämmtliche Delegirte brüderlich vereinigt, ohne den geringsten Groll gegen einander zu hegen.

Vierzehnte öffentliche Sitzung

In der folgenden (vierzehnten öffentlichen) Sitzung kam die Herabsetzung der Arbeitsstunden zur Sprache. Hierüber berichteten Aubry, von Rouen, und Tartaret, von Paris. Sodann wurden die in der Delegirtensitzung angenommenen Resolutionen über die Unterrichts- und Kreditfrage verlesen, sowie der Beschluß, den der Kongreß in Betreff des Berner Friedens- und Freiheitskongresses faßte, als Beantwortung der ihm vom Präsidenten des Letztern, Herrn G. Vogt, gewordenen Einladung. Es wurden sodann sämmtliche Briefe und Zustimmungsadressen verlesen, die der Kongreß von den verschiedenen Ländern und Städten aus erhalten hat. Der übrige The’l dieser vorletzten öffentlichen Sitzung des Kongresses wurde mit Diskussionen über den in der vorhergegangenen Sitzung abgestatteten Bericht über die «Eigenthumsfrage» ausgefüllt, deren Verlauf wir bereits resümirt haben.

Sechszehnte und letzte öffentliche Sitzung, Sonntag, 13. September

In der letzten (sechszehnten öffentlichen) Sitzung wird zuerst die Resolution Becker's über die Kriegsfrage verlesen, sodann die über die nämliche Frage vom Kongresse in seiner Administrativsitzung adoptirte Konklusion. Die Namen der für dieses Jahr ernannten Mitglieder des Londoner Generalrathes, wie sie hier in alphabetischer Ordnung folgen, werden nun verlesen:

Applegarth, Robert; Bernard; Cohn; Capeland. Del, William; Dupont, Eugène; Eccarius, Georg; Fox, Peter; Hales; Howel; Jung, Hermann; Johannard; Lafarque, Paul; Lucraft, Benjamin; Lessner, Friedrich; Leinburg; Marx, Karl; Milner, Georg; Maurice, Zerg.; Odger, Georg, Schaw, Robert; Stepney, Cowell; William, Weston; Walton, Alfred; Zabinscki.

Hierauf werden die in administrativer Sitzung angenommenen Konklusionen des De Päpe'schen Berichtes über die Bodeneigenthumsfrage verlesen, die dort mit 30 Stimmen gegen 4 votirt wurden, während 15 sich der Abstimmung enthielten. Tolain verlangt, das Votum der Minorität öffentlich zu begründen, und dieses motivirte Minoritätsvotum vorzulesen. Der Präsident bemerkt, daß in einer frühern Frage, wo die heutige Minorität in der Majorität war (in der Kreditfrage) die damalige Minorität ebenfalls ein motivirtes Votum abgegeben, aber nicht verlangt habe, es in öffentlicher Sitzung zu verlesen. Wenn die heutige Minorität öffentlich gegen die Beschlüsse des Kongresses protestiren wolle, so protestire dagegen die Majorität. — Tolain replizirt, es sei keine Protestation, sondern eine Explikation, die er geben wolle. Der Präsident befragt die Delegirten mit namentlichem Aufrufe, ob sie es gestatten wollten, daß man hier öffentlich wieder auf das Votum der administrativen Sitzung zurückkomme. Es wird mit 31 gegen 18 Stimmen verneint. Zwei enthalten sich der Abstimmung. Nach der Verwerfung des Tolain'schen Antrages verliest Grignaut den Bericht über die Kooperation. Es entspinnen sich interessante Diskussionen über den relativen Nutzen und die definitive Unzulänglichkeit der Kooperativbewegung für den großen Zweck der Befreiung der Arbeit von der Kapitalherrschaft. Es wird eine dem entsprechende Konklusion gefaßt, die später hier mitgetheilt werden wird.

Schließlich wird die erst vor zwei Monaten von den Brüsseler Sektionen studirte Frage über die Beschwerden der Arbeiter, namentlich der Weber, Spinner und Minenarbeiter, auf die Tagesordnung gebracht. Es ergreifen hiebei als Berichterstatter oder Redner mehrere belgische und französische Arbeiter das Wort. Mit diesen interessanten, die Niederträchtigkeit der herrschenden Klassen enthüllenden Verhandlungen beschließt der Kongreß seine dießjährige Session. Der Präsident erklärt nach einer kurzen, kräftigen und inhaltvollen Ansprache den dritten Kongreß der Internationalen Arbeiterassociation unter stürmischem Beifalle für geschlossen.

Aus den administrativen Sitzungen. Das Bankett

Aus den administrativen Sitzungen ist nachzuholen, daß die deutschen Delegirten aller Arbeitern die Lektüre des Marxschen Werkes: «Das Kapital» empfehlen, und erklären, daß der Verfasser das unschätzbare Verdienst habe, zuerst das Kapital wissenschaftlich analysirt zu haben. Ferner wurde notirt, daß die von den beiden vorhergegangenen Kongressen schon gefaßten Beschlüsse in Betreff der dem Generalrathe zu übermachenden Cotisationen in Ausführung gebracht werden, und daß alle Zentralkomite's jedes Vierteljahr dem Generalrathe einen Bericht über die Verwaltung und den Finanzzustand ihrer Sektionen einzusenden hätten.

Sonntag Abend fand um 8 Uhr im Foyer des «Théâtre nationale du Cirque» ein Bankett statt, an welchem sämmtliche Delegirte, einige sogar mit ihrer ganzen Familie, Theil nahmen. Die Stimmung war hier eine sehr heitere. Es wurden Toaste ausgebracht und demokratische Lieder gesungen. Viele begaben sich von da noch in das Lokal der Delegirtensitzungen, wo man bis tief in die Nacht hinein fröhlich kostete und sang.

Die Kriegsfrage

Nach Schluß dieser Uebersicht kommen wir auf die Einzelheiten des Kongresses und beginnen wir mit der von dem Zentralkomite der Sektionsgruppe deutscher Sprache auf die Tagesordnung gebrachten siebenten, jedoch zuerst behandelten Frage. Dieselbe lautet:

«Wie hat sich die Arbeiterklasse im Falle eines zwischen zwei oder mehr Großmächten ausgebrochenen Krieges und namentlich gegen dessen Urheber zu verhalten?»

Der oben erwähnte Resolutionsantrag Becker's im Namen der Sektionsgruppe deutscher Sprache hat folgende Fassung:

In Erwägung:

daß die Ursache der Unsicherheit des Friedens nur in den ungerechten sozialen Zuständen, im ökonomischen Faustrechtskampfe Aller gegen Alle zu finden ist;

daß der Cäsarismus diesen Zuständen nicht nur eine Stütze bietet, sondern auch ihrer Verschlimmerung förderlich ist;

daß die Bourgeoisie zum Genusse ihrer Lebensgüter zwar den Frieden wünscht, in ihrem Klasseninteresse jedoch nicht nur den ökonomischen Faustrechtskrieg fortsetzt, sondern zur Befestigung ihrer bevorrechteten Stellung bei den konstituirten Gewalten Schutz sucht, dadurch die Erhaltung der stehenden Heere, diese modernstaatliche Schöpfung, begünstigt und somit den Beginn der national-politischen Kriege erleichtert;

daß die großen Kriege nicht immer blos in dynastischem, sondern auch in nationalem Großmachts- und Handelsinteresse und somit auch zum erwartenden Vortheile der herrschenden Klasse geführt werden;

daß das Arbeiterproletariat allein das entschiedenste Interesse hat, sowohl den innern Einzeln- und Klassenkampf als auch den äußern Völkerkrieg auf immer zu beseitigen;

daß ein solcher Krieg, namentlich zwischen Deutschland und Frankreich, als reiner Bürgerkrieg zu betrachten ist;

daß das autokratische Rußland, sich betheiligend oder nicht vetheiligend, von einem Kampfe zwischen den Großmächten wegen tieferem, ökonomisch einfacherem Kulturzustande der großen Masse seiner Völkerschaften allein Nutzen ziehen kann;

daß das Proletariat, mögen seine nationalen Gewalthaber siegen oder unterliegen, stets mit seinem Blute und seiner Arbeitrkraft die Zeche des Streites zu bezahlen und alle weitern Folgen in Hunger und Noth unschuldig zu büßen hat; ‘

daß die Internationale Arbeiterassociation, welche als Repräsentantin der allgemeinen Arbeiterklasse die Nothwendigkeit der Eroberung aller politischen Gewalt, als Mittel zum Zwecke, in ihr Programm eingeschlossen, auch jetzt schon eine strikte Politik in allen Weltangelegenheiten in Anwendung zu bringen suchen muß,

beschließt der Kongreß:

  1. durch alle konstitutionellen Organe der Intern. Arbeiterassociation dahin zu wirken, daß die Arbeiter jedes Landes sich nicht nur laut und entschieden gegen allen Völkerkrieg aussprechen, sondern mit allen ihnen zu Gebote stehenden Mitteln gemeinsam gegen ihn einschreiten, den Dienst zu Menschenmord und Gutszerstörung, wie alle Arbeit zur Versorgung von Kriegscheeren verweigern;

  2. die Herausgabe von Flugschriften zu veranstalten, um besonders jedem Arbeiter, der in eine stehende Armee eintreten muß, seine Menschenpflichten klar zu machen und ihm für den Kriegsfall in offizieller Weise bestimmte Verhaltungsregeln vorzuschreiben;

  3. angemessene Anstalten zu treffen, damit die Arbeiterklasse überall ihre ganze Kraft zunächst gegen die mittel- und unmittelbaren Urheber eines Völkerkrieges, mögen sie in den fürstlichen Kabinetten, Komptoirs der hohen Finanz, oder wo immer zu finden sein, wenden kann;

  4. den Generalrath zu beauftragen, alle dem Geiste dieser Resolution entsprechende Maßregeln, wie sie je Zeit und Umstände erheischen, in Vollzug zu setzen.

Becker suchte hiebei die Ansicht zur Geltung zu bringen, daß eine derartige Kundgebung von Seiten der Arbeiterklasse eine viel praktischere Tragweite habe, als es einer solchen von der Bourgeoisklasse ausgegangenen möglich wäre. Sie zeige jedem Arbeiter die Stellung an, welche er sofort bei dieser Frage einzunehmen habe und sie müsse um so mehr eine nachhaltige Wirkung erlangen, als eben das Arbeiterproletariat das Massenmaterial zum Bestand der Kriegscheere liefere. Die Hunderttausende von Soldaten, die alljährlich auf Urlaub zur Arbeit zögen und dann wieder in die Kasernen zurückkehrten; die Hunderttausende von Arbeitern, die jedes Jahr als Rekruten in die stehenden Heere eingereiht würden, müßten allmälig eine ganz andere Seele hineinbringen, den überlieferten Militärgeist zersetzen, den blinden Knechtssinn ersticken und den rohen Kriegsteufel austreiben. Die Arbeiterbewegung habe eigentlich längst, wenn auch nur unwillkürlich und nicht ganz bewußt, diesen Weg eingeschlagen, und sollte er jetzt auch systematisch und mit mehr Bewußtsein verfolgt werden. Ein Beschluß des Arbeiterkongresses gegen den Krieg mache aus den angegebenen Gründen auch einen weit tieferen Eindruck bei den Machthabern, als ein solcher von einem Kongresse einer ökonomisch befriedigten Klasse. Ja, die Kriegsherren wüßten recht wohl, daß die ökonomischen Interessen der Bourgeoisie zu enge mit dem Bestande der konstituirten Gewalten verknüpft seien, daß die Herren von «gutem Haus» und guter Tafel, ob aller feurigen Reden, nicht auf die Barrikaden gingen, sondern gewohnt wären, sich die Kastanien durch die Arbeiter aus dem Feuer holen zu lassen.

Den Kongreßentscheid lassen wir in der nächsten Nummer mit dem Namensverzeichnisse der Delegirten folgen.

Der Vorbote, Nr. 11, November 1868, S. 161–165: «Dritter Kongreß der Internationalen Arbeiter-Association in Brüssel. (Fortsetzung.)».

Auch die französischen Delegirten hatten, wie schon früher bemerkt, durch Tolain einen Resolutionsentwurf in Betreff der Kriegsfrage vorgetragen. Da man bei der gegenwärtigen politischen Lage Europa's einen Kriegsfall zunächst zwischen Frankreich und Deutschland im Auge hatte, so überließ es der Kongreß den Delegationen beider Länder, sich über eine sachentsprechende Resolutionsform zu verständigen. Die zur Prüfung dieser Frage ernannte Dreierkommission (Mermillod, Tolain, Becker) hatte sich auch alsbald geeinigt, den deutschen und französischen Entwurf, indem sie noch die während der Kongreßverhandlung geäußerten Meinungen berücksichtigte, zu einer gemeinschaftlichen Resolution umzuschaffen. Dieselbe wurde ohne weitere Diskussion einstimmig vom Kongresse zum Beschluß erhoben und lautet wie folgt:

Hier folgt im Bericht der Wortlaut der Resolution über den Krieg; siehe Résolution sur la guerre.

Dieser in einer vertraulichen Sitzung gefaßte Beschluß wurde erst in der 16ten und letzten öffentlichen verkündet.

Die Frage der Arbeitseinstellungen

Die Verhandlungen über die Frage der Arbeitseinstellungen führte, in der dritten Sitzung beginnend, zu folgender Beschlußfassung:

Hier folgt im Bericht der Wortlaut der Resolution über die Arbeitseinstellungen; siehe Résolution sur les grèves et les sociétés de résistance.

Wir müssen hier erwähnen, daß in den vertraulichen, d. h. Vormittagssitzungen im Schwanen, die ernstlichen und entscheidenderen Diskussionen über die Kongreßfragen und in der Regel auch die Abstimmungen darüber stattfanden. Man kann daher nach dem offiziellen Bülletin (der Beilage des Journals «Le peuple belge») das bloß über die öffentlichen Abendsitzungen, aber auch dies oft noch sehr ungenau berichtet, nur eine ganz unvollständige Vorstellung von den Kongreßverhandlungen haben. Gewöhnlich wurden in den öffentlichen Sitzungen die Denkschriften der Sektionen und die Rapporte der Kommissionen vorgetragen, die Diskussionen darüber zuweilen zwar begonnen, aber erst in der nächsten Morgensitzung zum Abschlusse und zur Abstimmung gebracht und dann in einer der folgenden öffentlichen Sitzungen im Cirkus die angenommene Resolution vorgetragen.

Die Maschinenfrage

Die Diskussion über die Frage: welchen Einfluß die Maschine auf die Lage des Arbeiters übe, wurde, wie schon früher gesagt, in der vierten vertraulichen Sitzung eingeleitet, in der achten öffentlichen fortgesetzt und dann nach vorausgegangener Beschlußnahme in einer vertraulichen Sitzung das Resultat in der zehnten öffentlichen, wie folgt, verkündet:

Hier folgt im Bericht der Wortlaut der Resolution über die Maschinen; siehe Résolution sur les machines.

Für diesmal bringen wir noch das Namensverzeichniß der Kongreßmitglieder.

Namensverzeichniß der Kongreßmitglieder

  • HH. Hins und Brismée, Deleg. der Sektion Brüssel
  • Karl Maetens, Deleg. der Fellfärber, Brüssel
  • Spehl, Del. der Mechaniker, Belgien
  • Heinrich Tolain, Wagenmacher, Paris
  • Leopold Verheggen, Mechaniker der Luxemburger Eisenbahn
  • Cäsar De Päpe, Nacheiferungs-Zirkel, Brüssel
  • Prosper Voglet, Freidenkerverein
  • Leon Fontaine, Brüssel
  • Nikolaus Coulon, Volksverein, Brüssel
  • Lorenz Verryken, «Ameise», kooperative Genossenschaft
  • Karl Cranshoff, «Bienenkorb», kooperative Genossenschaft, Brüssel
  • Eugen Steens, «des Volks», politische Genossenschaft
  • Johann Pellering, rationalistische Genossenschaft
  • Mermilliod, Perron, Quinet, Graglia, Deleg. der Genfer Sektionen
  • Adrian Tordeur, Deleg. der Buchdrucker von Brüssel
  • Bredenhorst, Del. der Schreiner von Antwerpen
  • Karl Devarrewäre, Sektion von Marciuelle
  • Peter Franz Flüse, «Freie Arbeiter», Verviers
  • Eduard Lallemand, Sektion Eusival
  • H. J. Leclerq, Sektion Pepinster
  • J. B. Frere, für die Kohlenarbeiter von Jümet
  • Ernst Plauson, Marmorarbeiter, Antwerpen
  • Honoré Saillant, Konferenzzirkel
  • Lucraft, Del. der Stuhlmacher, Mitglied des Generalrathes, London
  • Jakob Maes, Posamentirer, allgemeine Arbeitergesellschaft
  • Schaw, Generalrath, London
  • H. Jung, Uhrmacher, Generalrath, London
  • Cowell, Stepney, Reformliga, England
  • Sarro Magallan, Iberische Legion (Catalonischen Arbeitergesellschaften)
  • Franz Herremans, Del. der Schreiner von Brüssel
  • C. Klein, Messerschmiedgenossenschaft, Solingen
  • Ph. Coenen, «Volksbund», Antwerpen
  • Maximilian Trikot, Del. der Steinkohlengrubenarbeiter von Gilly, Belgien
  • Nikolaus Dübois, Sektion Dampremy
  • Cohn, Cigarrenmacher-Genossenschaft, London
  • Eberhardt, Schneidergenossenschaft, Brüssel
  • Serranne, Del. der Weber von Gand
  • Fr. Vanden Berghe, Sektion Bruges
  • Potelsberg, Schneidergenossenschaft, Gand
  • Vanschaftingen, Lahumachergenossenschaft, Gand
  • Elsbach, Arbeiterliga für gegenseitigen Unterricht
  • Düpont, Del. des Generalrathes in London und der Arbeitervereine von Neapel
  • Phil. Matens, französische Zweigsektion, London
  • Fr. Lessner, deutsche Sektion, London
  • Joseph Romain, Sektion Montigny, Belgien
  • J. B. Louis, Sektion Oubois, Belgien
  • Cassiau Mareschal, Sektion Lüttich
  • Alfred Hermann, Sektion Montegnee, Belgien
  • Alexander Lemonnier, Sektion Marseille
  • Aimé Grinand, Sektion Lyon
  • Henry, Mechaniker, Del. der Hahnenmacher (Arbeiter-Kommission der Ausstellung), Paris
  • Eugen Tartaret, Möbelschreiner (Arbeiter-Kommission der Ausstellung), Paris
  • Flahaut, Marmorarbeiter, Paris
  • Maximilian Maljean, Charleroi
  • Emil Dosbourg, Kattundrucker, Paris
  • Noel Embise, Sektion Marchiennes, Belgien
  • Waller Lepourque, Bergleute, Seraing, Belgien
  • Irene Dauthier, Sattler und Kummetmacher, Paris
  • Mürat, Mechaniker, Paris
  • Tique, Maler, Brüssel
  • Alphons Delacour, Buchbinder, Internationale Sektion Paris
  • Gabriel Ansel, Paris
  • Ludwig Pindy, Vereinigung der Anwalten der Bauarbeiter, Paris
  • Gustav Dürand, Goldarbeiter, Paris
  • Eduard Roussel, Blechschmiede, Paris
  • Albert Theiß, Bronze-Arbeiter, Paris
  • Joseph Henry, Gesellschaft der Feldbauer, Namür
  • Ludwig Marenne, Gesellschaft der Feldbauer von Warmifontaine, Luxemburg
  • Gregor Paulus, Kohlengrubenarbeiter, Chatelineau, Belgien
  • Schöppler, Sektion Mainz
  • Joh. Ph. Becker, Sektionsgruppe deutscher Sprache
  • Fritz, Robert, Sektionen von La Chaux-de-Fonds, Locle, St. Immer, Biel, Murten und Montiers-Granval, Schweiz
  • Adolph Catalan, Gesellschaft zur Befreiung des Gedankens und der Person, Genf
  • M. Heß, Sektionen Basel und Köln
  • Albert Richard, Initiativ-Kommission, Lyon und Neuville
  • Emil Aubry, Sektion Rouen
  • Andre Larondelle, «Freie Arbeiter» von Hodimont, Verviers, Belgien
  • Debroux, «Freie Arbeiter», Dison, Belgien
  • Adolph Teirlinck, Sektion Gand
  • Englebert, Feldbauergesellschaft von Perwez, Brabant
  • G. Eccarius, aus Sachsen, Generalrath und Schneidergenossenschaft London
  • C. Staudaert, Handschuhmacher-Genossenschaft Brüssel
  • F. Dean, der Schmiede von Hull (England)
  • John Forster, Vater, und John Forster, Sohn, Kooperativ-Gesellschaften von Hull
  • Modeste, Grubenarbeiter-Sektion, Monceau sur Sambre, Labaer-Sektion von Antwerpen
  • Cammaert, Schuhmacher Brüssel
  • Ch. Longuet, Sektionen Caen und Noirot-sur-Condé
  • Louis Swolfs, Grubenarbeiter-Sektion Jumet (Belgien)
  • Dethier, Mechaniker, «Freie Arbeiter» von Gilly
  • Morizot, Grubenarbeiter, «Freie Arbeiter» von Gilly
  • Bastin, Glaser, Delegirter der Glaser von Goy-Sart (Jumet
  • Hebert, Deleg. der Tapetenmacher (Schweiz).

(Fortsetzung folgt.)

Die Kongreßbeschlüsse (Nachtrag zum Bericht)

Wir erinnern unsere Leser daran, daß wir in unserm allgemeinen Bericht (Vorbote Nr. 9 und 10, J. 1868) die wichtigsten Momente der Verhandlungen schon hervorgehoben und daß wir jetzt hierüber bei Mittheilung der Kongreßbeschlüsse nur etwa Versäumtes nachzutragen haben.

4) Unterrichts- und Erziehungswesen

Die Vorlesungen der umfangreichen Denkschriften und Rapporte über die vierte Frage, das Unterrichts- und Erziehungswesen, nahmen den größten Theil der achten und zehnten öffentlichen Sitzung in Anspruch. Wir bedauern sehr, diese meist gründlich durchdachten und systematisch geordneten Arbeiten des engen Raumes unseres Schriftchens wegen nicht einmal auszugsweise hier bringen zu können. Indessen mag während der Diskussion darüber Manchem die bisher übersehene Kluft, welche bei den gegebenen Zuständen die Theorie eines angemessenen allgemeinen Unterrichts- und Erziehungswesen von der Praxis trennt, offenbar geworden sein. Es ist aber dieselbe Kluft, die, wie sie sich zwischen den materiellen, so auch zwischen den sittlichen und geistigen Interessen des Proletariats und der Bourgeoisie ausdehnt und erst, koste es was es wolle, ausgefüllt werden muß, ehe man einen rationellen Plan zur Ausführung bringen kann. Einige deutsche und englische Delegirte meinten, man könne es mit dieser Frage einstweilen mit dem Genfer Kongreßbeschluß über den gleichen Gegenstand (Vorbote Seite 149—151, J. 1866) bewenden lassen. Becker suchte nachzuweisen, daß das Individuum das Produkt seiner Zeit, der allgemeinen Zustände und der es umgebenden Verhältnisse sei, daß mehr, als die Schule und die Familie, das alltägliche Leben den Menschen erziehe und verziehe, daß der in der modernen Industrie zur Waare und Maschine herabgewürdigte Proletarier selbst das Wenige, was er in der Schule gelernt, weil er keine Anwendung dafür finde, wieder vergesse. Die Moral, die man seit Jahrtausenden lehre, stehe im grellen Widerspruche mit den Bedingungen der individuellen Existenzkämpfe. Wolle man zu einem vernünftigen Unterrichts- und Erziehungswesen gelangen, so müsse man sorgen, daß Schule und Leben in Einklang und tagtägliche Wechselwirkung gebracht werden, daß die erworbenen technischen, geistigen und sittlichen Bildungsmittel stets zur Anwendung und Ausübung gelangen können. Ja, daß, wenn unsere Generation die Fähigkeiten besitze, den Prinzipien der Gleichberechtigung gemäße Unterrichts- und Bildungsanstalten zu gründen, so müsse sie auch befähigt sein, denselben entsprechende soziale Einrichtungen, d. h. einen neuen Zustand zu schaffen. Beides müsse Hand in Hand gehen.

Der in einer vertraulichen Sitzung über diese Frage, nach Verwerfung mehrerer langen Resolutionsvorschläge gefaßte Beschluß, wurde in der 14. öffentlichen, wie folgt, verkündigt:

Hier folgt im Bericht der Wortlaut des Beschlusses über das Unterrichtswesen; siehe Résolution sur l’instruction intégrale.

5) Kreditanstalten

Die noch in der zehnten öffentlichen Sitzung zur Besprechung gebrachte fünfte Frage:

«Die Gründung von Kreditanstalten zur Förderung und Erleichterung der Emanzipation der Arbeiterklasse,»

führte zu längeren und lebhaften Debatten, worüber wir das Wesentlichste schon (Vorbote Nr. 10, J. 1868) mittheilten. Wir haben darüber nur noch nachzutragen, daß die deutschen und englischen Delegirten aus den dort angegebenen Gründen gegen nachstehenden, in der vierzehnten öffentlichen Sitzung vorgetragenen Kongreßbeschluß, Verwahrung zu Protokoll nehmen ließen. Der Beschluß folgt in nächster Nummer.

Hier der Beschluß über die Arbeiter-Kreditanstalten:

Hier folgt im Bericht der Wortlaut des Beschlusses über den Kredit; siehe Résolution sur le crédit mutuel.

«In Erwägung:

  1. daß die vom Kapital, unter welcher Form es auch sein mag, erworbenen Zinsen und Gewinne ein von der Arbeit von heute erhobener Werth zum Vortheile desjenigen sind, der schon durch die Arbeit von gestern bereichert ist und daß, wenn dieser auch das Recht der Aufhäufung hat, er doch nicht das Recht haben kann, dies auf Kosten eines andern zu thun;

  2. daß in Folge dessen die Zinsnahme eine permanente Quelle der Ungerechtigkeit und Ungleichheit ist, und daß die Produktivgenossenschaften, welche dieselbe beibehalten, einfach das Prinzip des Egoismus, welches der Krebsschaden der jetzigen Gesellschaft ist, von der Individualität in die Kollektivität übertragen;

  3. daß die Durchführung des Solidaritätsprinzips in großem Maßstabe durch die Arbeiter das einzige Mittel ist, worüber diese jetzt zur Bekämpfung der finanziellen Feudalherrschaft verfügen können,

spricht sich der Kongreß für Gründung von Tauschbanken aus, welche zum Kostenpreis bedienen, die Demokratisirung und Egalisirung des Kredits zum Zweck haben und den Verkehr zwischen dem Produzenten und Konsumenten vereinfachen, d. h. die Arbeit der Kapitalherrschaft entziehen und dem Kapital seine natürliche und berechtigte Rolle anweisen, welche die des Agenten der Arbeit ist. —

In Erwägung jedoch, daß es nicht möglich ist, sich sofort über den praktischen Werth einer so komplizirten Frage, wie die einer Tauschbank ist, zu entscheiden,

verlangt der Kongreß, indem er an der theoretischen Begutheißung gegenseitigen Kredits festhält, daß der von der Brüsseler Sektion vorgelegte Statutenentwurf an alle Sektionen zu schicken sei, um dort Gegenstand einer gründlichen Diskussion und beschlußreif für den nächsten Kongreß zu werden.»

Friedens- und Freiheitsliga

In der gleichen Sitzung (12. September) wurde auch noch folgender, überaus viel Zeitungslärm verursachender Beschluß über die Frage der Delegirtensendung auf den Kongreß der «Friedens- und Freiheitsliga» in Bern, verkündet:

Hier folgt im Bericht der Wortlaut des Beschlusses über die Friedens- und Freiheitsliga; siehe Résolution sur la Ligue de la paix et de la liberté.

Das «Kapital» von Karl Marx

In der Freitagvormittagssitzung wurde auf schriftlichen Antrag aller deutschen Delegirten einstimmig nachstehender Beschluß gefaßt:

«Der Kongreß empfiehlt den Männern jeder Nationalität das Werk von Karl Marx, betitelt: «Das Kapital, Kritik der politischen Oekonomie,» und fordert sie auf, ihr Möglichstes zu thun, daß dieses wichtige Werk auch in den beiden Sprachen, in welchen es bis jetzt noch nicht geschehen, übersetzt werde, und erklärt, daß Karl Marx das unschätzbare Verdienst gebührt, der erste Oekonomist zu sein, welcher das Kapital einer wissenschaftlichen Analyse unterworfen und auf seine uranfängliche Elemente zurückgeführt hat.»

(Dieses Werk ist bei Otto Meßner, Hamburg, zu beziehen. Preis 3 1/3 Thlr.)

Jahresbeiträge und Berichte der Sektionsgruppen

In derselben Sitzung wurde noch folgende Kongreßentscheidung genommen:

«1) Daß der in Genf und Lausanne in Betreff der Jahresbeiträge an die Kasse des Generalrathes gefaßte Beschluß in Vollzug zu setzen ist.

  1. Daß, um das Recht zu haben, sich an den Entscheidungen des Kongresses durch ihre respektiven Delegirten zu betheiligen, die Sektionen in Uebereinstimmung mit den Kongreßbeschlüssen in Genf und Lausanne verfahren müssen,

  2. daß die Zentralvorstände der verschiedenen Sektionsgruppen gehalten sind, jedes Vierteljahr einen Bericht über die Verwaltung und den Finanzzustand der unter ihrer Leitung stehenden Sektionen an den Generalrath zu erstatten.»

Arbeitszeit

Wir wollen hier zu besserem Verständnisse nachträglich erwähnen, daß zur Zahl der öffentlichen Abendsitzungen die vertraulichen Morgensitzungen mitgerechnet sind. In den vierzehn öffentlichen Sitzungen wurde der zum Beschluß erhobene Antrag in Betreff der Frage der Arbeitszeit in folgender Fassung verkündet:

Hier folgt im Bericht der Wortlaut des Beschlusses über die Arbeitszeit, nach dem Entwurf des Generalraths; siehe Resolutionsentwurf über die Beschränkung des Arbeitstages.

«Da der Kongreß in Genf mit Einmüthigkeit beschlossen hat, daß eine gesetzliche Arbeitszeit eine unumgängliche Vorbedingung der schließlichen Besserung der sozialen Zustände ist, ist der Kongreß der Meinung, daß der Zeitpunkt gekommen, wo man diesem Beschluß praktische Folge geben müsse, und daß es die Pflicht aller Sektionen der Internationalen Arbeiterassociation sei, diese Frage anzuregen.»

Genossenschaftswesen

In der sechszehnten und letzten öffentlichen Sitzung wurde von der Kommission für die Frage des Produktivgenossenschaftswesens folgende Beschlußnahme beantragt:

Hier folgt im Bericht der Wortlaut des Beschlusses über das Genossenschaftswesen; siehe Résolution sur la coopération.

«Jede auf demokratische Prinzipien gegründete Gesellschaft verwirft alle im Namen des Kapitals beanspruchte Vorwegnahme, sei es in der Form von Rente, Zinsen, Gewinn oder in irgend welcher andern Art und Weise. Der Arbeit muß ihr volles Recht und ganze Belohnung bleiben.

Alsdann wird der Arbeiter nach und nach durch die verwendete Arbeitszeit, durch den gerechten Genuß der Früchte seines Fleißes, durch die Kenntnisse, welche ihm eine gesicherte Lebensstellung zu erwerben erlaubt, durch das Verschwinden der ihn ohne Gefühl aussaugenden Vampire ein freier Arbeiter, ein Arbeiter durch sich selbst, der allein das Aussehen der alten Welt umgestalten wird.»

Diese Resolution wurde mit nachstehendem, von Larondelle, Fluse und Lallemand beantragten Zusatze angenommen:

«Der Kongreß fordert alle Mitglieder der Intern. Arbeiterassociation auf, in die verschiedenen Gewerbsgenossenschaften einzutreten, um darin durch alle möglichen Mittel den Prinzipien Aufnahme zu verschaffen, welche vom Kongresse in seinen Resolutionen des Kommissionsberichtes über die beste Verfassung der Genossenschaften anerkannt wurden.»

Kollektives Eigenthum

In derselben (16. und letzten öffentlichen) Sitzung wurde der wichtigste Beschluß des Kongresses in Betreff des kollektiven Eigenthums folgenden Inhalts verkündet:

Hier folgt im Bericht der Wortlaut des Beschlusses über das Eigenthum; siehe Résolution sur la propriété (13 septembre 1868).

Wurde nun, wie schon oben gesagt, dieser Kommissionsantrag mit 30 gegen 4 Stimmen zum Beschlusse erhoben und enthielten sich dabei 15 Delegirte, worunter 3 von Genf, der Abstimmung, so können wir aber jetzt mittheilen, daß inzwischen nicht nur die 28 Sektionen in Genf, sondern alle dem Internationalen Bunde angehörigen Sektionen denselben mit ganzem Beifall begrüßt haben.

Wie sollte es auch anders sein? Ist doch dieser Beschluß der logische Ausdruck der sozial-demokratischen Arbeiterbewegung. Die ganze Frage liegt zwischen dem Privateigenthum und dem Kollektiveigenthum, der Einzelökonomie und der Gemeinökonomie, dem Kapital und der Arbeit und somit zwischen den geschichtlichen Vertretern dieser Gegensätze — der Bourgeoisie und dem Proletariat — der ausbeutenden, allein erbenden und genießenden Klasse und der ausgebeuteten, enterbten, allein erzeugenden und dennoch völlig entbehrenden Klasse. Wer die Umgestaltung der sozialen Zustände, die Ersetzung des Arbeitslohnes durch den Arbeitsertrag — die Gerechtigkeit für Alle — will, der muß demnach auch den gemeinsamen Betrieb — die soziale Oekonomie — wollen; wer aber dies will, der muß folgerichtig das Gemeingut — kollektives Eigenthum — zur sozial-staatlichen Grundlage wollen; denn wer, als Mittel zum Zweck, dies nicht will, der weiß entweder nicht, was er will, oder er will Alles beim Alten, d. h. unter bewandten Umständen, die Kultur der Verwesung anheimfallen lassen. Wäre der Apfel, in den gebissen werden muß, für die jetzige, nach einer überlieferten falschen, mit den Begriffen von Vernunft, Moral und Gerechtigkeit unvereinbarlichen Anschauung, verzogenen Generation, auch noch so sauer, so müßte dessen Anbiß zur Rettung des geschichtlichen Entwicklungsganges, unverweigerlich von ihr gemacht werden. Und wahrlich, es ist nicht viel Zeit zu verlieren und ist die Gefahr groß und vielseitig. Die Frage wäre einfacher und leichter lösbar, hätte die europäische Bourgeoisie, deren Ausdruck die politisch-demokratische Republik ist, ihre Herrschaft zu vollenden gewußt, statt in kurzsichtigem und feigem Eigennutz den vielen kirchlichen und staatlichen Schund aus dem Mittelalter in die moderne Zeit herüber zu schleppen und hier der Entfaltung des alles gesunde Leben verpestenden Cäsarismus und Militärismus Vorschub zu leisten. Hat nun aber die Bourgeoisie zur Vollendung ihrer Herrschaft das rechte «Zeug» nicht in sich gefunden und so über die allgem. Entwicklungsgeschäfte ein schweres Verhängniß und sich in das Dilemma (Klemme) gebracht, entweder in dem Proletariat des Arbeitskittels menschenwürdig und zu höherem Kulturgange auf-, oder durch das Proletariat des buntscheckten Waffenrocks schmählich, und zum Verderben aller Errungenschaft unterzugehen.

Ohne Aufnahme des Kollektiveigenthums in ihr Programm wäre die Arbeiterbewegung ohne Boden und fruchtbaren Lebensgang, einem den Meereswogen ohne Kompaß und Steuerruder ausgesetzten Schiffe vergleichbar. Der obige Kongreßbeschluß ist nur der logische Ausdruck des innern Geistes der Arbeiterbewegung, dessen allgemeines Bewußtwerden, das die fortwährenden privatökonomischen Thatsachen am gründlichsten selbst besorgen, nur eine Frage der kürzern oder längern Zeitfrist ist.

Nur auf Grundlage des Gemeingutes können die Prinzipien der Freiheit und Gleichberechtigung, der Gegenseitigkeit und Gesammtverbindlichkeit in den organischen Institutionen der Gesellschaft lebenskräftigen Inhalt erlangen, kann die industrielle und kommerzielle Freibeuterei beseitigt und die Produktion und der Konsum in Einklang gebracht werden.

Freilich kann solcher, eine neue weltgeschichtliche Epoche einweihender Umschwung der Dinge nicht von heute auf morgen geschehen, und da die Bourgeoisie ihren sie allein selig machenden Mammonkultus nicht freiwillig unterlassen und keine konstituirte Gewalt widerstandslos das Schwert aus der Hand geben wird, so muß sich die Arbeiterklasse auf lange und schwere Kämpfe gefaßt machen.